Sonntagsgnch Gemeinöeblatt füröittvangelischt Kirtbenaememüe Gieszew Nr. 6. Gietzen, 6. Sonntag n. Epiph. den 13. Februar 1916. 5. Jahrgang. Der Uamps um den Glauben. 1. Petri 1, 6 und 7. Ihr werdet euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wo es fein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf dah euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde denn das vergängliche Gold, das durch das Feuer bewähret wirb. Vas „sächsische Gemeinschaftsblatt" schreibt: „Dm fluguft 1914 waren die Versammlungen so gut besucht, daß wir auch glaubten, Gott wolle uns die schon lang ersehnte und erflehte Erweckung schenken. Wir stimmten deshalb so leise ,,Licht und Leben" bei, als es sagte: Der Krieg sei ein Evangelist mehr als 10 000 Lchrenk. Leider hat sich das bis heute nicht bestätigt. Die Evangelisationen und Konferenzen sind jetzt meist schlechter besucht wie vor dem Kriege. Wir haben nach den Ursachen gesucht und sind zu folgenden Ergebnissen gekommen: 1. Unser Volk ist durch die in erster Zeit so rasch auseinander folgenden Liege siegestrunken unb sicher geworden. 2. Ulan hat sich an den Krieg und an die furchtbaren Verlustlisten gewähnt. Z. Die Not hat noch nicht ins eigene Fleisch geschnitten. 4. Manchen waren die Kriegsbetstunden und sonstigen christlichen Versammlungen genau das, was anderen abergläubischen Menschen die Himmelsbriefe und Amulette waren. Als der Mann, die Lohne, der Unverwandte doch fiel, da sagte man sich, der Kirchenbesuch und das versammlungsgehen nützt doch nichts. 5. Es ist bei vielen nur zu einem Glauben an den „lieben Gott" gekommen, zu dem sie beten, daß er sie behüten soll vor äußeren Gefahren,- aber einen heiligen Gott, der einen heiligen, ihm wohlgefälligen Lebenswandel fordert, mag man nicht: ein gewisses Gottvertrauen, aber keine Gottesfurcht. 6. Bei den meisten ist der Krieg das einzige Interesse geworden. 7. Wir haben auch keine Verheißung, da,ß alle, die von großen Noten getroffen werden, sich auch bekehren. Gewiß, die meisten Gottes- kinder sind durch Trübsal zum Herrn gekommen, aber sind die nicht viel zahlreicher, die durch die Not sich noch viel mehr verbittert haben?" Wer diese sieben Lätze, die wir hier in ihrem vollständigen Wortlaute wiedergeben, geschrieben hat, wissen wir nicht, aber das ist ersichtlich: es hat sie ein Mann geschrieben, der erstaunlichen Scharfblick und große Lebenserfahrung besitzt und von heiligem Ernste durchdrungen ist. Ls ist sicher richtig, daß wir in den anderthalb Jahren des Krieges eine Steigerung der Frömmigkeit in Deutschland erlebt haben, aber es ist doch nicht alles, was uns jetzt zu Ghren und vor Augen kommt, erfreulich, wir zweifeln nicht daran, daß ernste Gesinnung die durchdringt, die in vorderster Linie dem Anprall des Feindes stand halten, aber es ist doch nicht alles erhebend, was wir von dem Leben hinter der Front hären, viele in der Heimat, die vom Kriege nicht unmittelbar betroffen sind, scheinen jetzt mehr an ihr Vergnügen als an das Vaterland zu denken. Und die deutsche Volksfrömmigkeit bedarf noch sehr der Vertiefung. Das ist noch keine echte, christliche Frömmigkeit, wenn ein Mensch in Gott nur den Helfer aus jeder Verlegenheit und den Retter aus jeder Not sieht und seiner vergißt, wenn Gott geholfen oder wenn er die erbetene Hilfe versagt hat. Menschliches, Allzu-Menschliches durchdringt jetzt das Glaubensleben vieler. Das ist rechte christliche Frömmigkeit, wenn man sich sagt: Ich stehe in Gottes Hand, nichts kann mich von ihm trennen, ich ergebe mich ganz in seinen Willen, wie er es macht, so ist es gut. Was er mit mir vor hat, das ist nicht, mir irdisches Glück zu schaffen, sondern mich durch Jesus ewig selig zu machen. Lolcher Glaube fällt uns nicht mit einem Male und ohne unser Zutun zu,' Paulus hat recht, wenn er sagt: Ringet darnach, daß ihr selig werdet mit Furcht und Zittern. Wir müssen den Kampf des Glaubens kämpfen. Dazu sollen uns die Anfechtungen und die Nöte helfen, die jetzt über uns gekommen sind. Aus dem halbglauben soll ein rechtschaffener Glaube werden, der nach den Worten des Apostels Petrus viel köstlicher ist denn das vergängliche Gold, das durch das Feuer bewähret ist. Gott gebe, daß unser Volk den Kampf gegen seine politischen Gegner mit Ehren bestehe und bald einen Frieden erlange, der es dauernd gegen fremde Willkür sicher stellt,- er verleihe auch, daß es den Kampf des Glaubens bestehe und das Ziel dieses Kampfes davontrage, der Leelen Seligkeit! h. B. Ninderglaube. _ Wer sich gern mit Kindern beschäftigt, wird sich an ihren Aussprüchen oftmals erfreuen,' ja, ich kann wohl sagen, daß sie mir mitunter viel zu denken geben, und ich kann es nur bedauern, daß bemerkenswerte Aeußerungen dieser kleinen Menschen nicht öfter gesammelt werden. Ich glaube, man — 22 — könnte, darauf fußend, bei der späteren Erziehung mancher Kinder auf besondere Anlagen Rücksicht nehmen und Gaben zur Entwicklung verhelfen, die vielleicht sonst sich nur mühsam zum Leben durchringen oder im späteren Leben verkümmern. Besonders auf die seelische Entwicklung solcher Kinder müßte dies von großem Einfluß sein. Rührend ist mir oftmals das unbedingte Vertrauen, das die Kinder in Vater und Mutter setzen, indem sie annehmen, daß diese alles können, was ihrer kindlichen Phantasie als eine große Zache vorschwebt, ja, noch mehr, daß ihr Können mehr vermag als dasjenige aller andern Menschen. Zo wurde mir von einem kleinen Jungen in einer Großstadt erzählt, an dessen Vater auch der Ruf erging, Vaterland und Heimat gegen mächtige Feinde verteidigen zu helfen. Die Mutter weinte, als es zum Rbschiednehmen kam, der Kleine aber sagte: ,,Rber Mutter, da können unsere Zoldaten ja nicht siegen, wenn der Water nicht mit ist!" — Ich glaube, daß in dieser schweren Ztunde vielleicht nichts anderes die Herzen der beiden Eltern mit mehr Trost und Zuversicht erfüllen konnte, als dieses Kindeswort. Und wir, die wir dies lesen, sagt es nicht auch uns viel, sehr viel? Me leicht müßte es sein, solche Kinder schon frühe dem großen Kinderfreunde zuzuführen, der einstens gesagt hat: Lasset die Kindlein zu mir kommen! Und wäre es nicht wichtig, Kinder von klein auf zu gewöhnen, in Wahrheit in ihren Eltern und Ungehörigen die Vorbilder alles Guten, Edlen und Tüchtigen zu sehen? Kinderaugen sehen scharf, sie sehen noch mit der ungetrübten Klarheit neu erschaffener Wesen. G möchten wir alles tun, reinen Kinderaugen und Kinderherzen diesen Gottesfrieden zu erhalten, sie für ihr späteres Leben zu befähigen, das Gute von dem Bösen zu sichten und sie damit für den Kampf des Lebens zu stählen! Uber ich glaube, das obige Kindeswort sagt uns noch mehr, etwas, das für einen jeden von uns von unaussprechlichem Legen werden kann. Es lehrt uns den Rufblick zu unser aller Vater im Himmel, zu dem Vater, der unser Leben und Zchicksal lenkt, wenn wir uns von ihm leiten lassen wollen, wenn wir ihm das völlige vertrauen entgegenbringen, daß nur seine Gegenwart, seine Hilfe uns durch Rngst, Rot und Tod hindurch zum Frieden bringen kann. Laßt uns ihm, unserm himmlischen Vater, stets mit einem unerschütterlichen Kinderglauben nahen! Baronin R. Im Gefangenenlager zu vinapur in Indien. Einer der soeben aus Indien zurückgekehrten Missionare der Goßnerschen Missionsgesellschaft veröffentlicht nachstehende ansprechende Zchilderung: Vinapur ist eine alte Militärstation aus der Zeit der Ostindischen Handelskompagnie, am Ganges gelegen. Um ein großes, mit schönen alten Bäumen bestandenes Viereck liegen die einstöckigen, äußerst solide gebauten Kasernen. Zum Teil standen sie während der Kriegszeit leer, die Zol- daten sind ins Feld gezogen. Rndere waren noch von einem Feldartillerie-Regiment besetzt. Die Ztation ist äußerst ungesund. Zeit einigen Jahren hat sich ein bösartiges Fieber eingenistet, Dengue genannt. Zahlreiche Friedhöfe zeugen davon, baß hier der Tod reiche Ernte hielt. Zur Vorbeugung gegen die Zeuche herrscht in den Kasernen peinliche Zauber- keit. Doch ist die Luft während der Regenzeit nahezu unerträglich. Da vinapur in einer der fruchtbarsten Ebenen Indiens mit reichlichen Niederschlägen gelegen ist, entwickelt sich eine außerordentlich feuchte Hitze, so daß der Europäer eigentlich nie anders schlafen kann, als unter dem wehen des großen pankafächers. In diese Militärstation wurden Ende Juli und Rnfang Rugust 1915 alle Ungehörigen der Goßnerschen Mission in Thota Nagpur gebracht, soweit sie nicht ins Gefangenenlager nach Rhmednagar geschickt worden waren. Es waren 99 Personen. Einzelne Familien wurden in den Wohnungen der Unteroffiziere einquartiert. Jede Familie erhielt drei Zimmer. Im dritten war auch das Bad untergebracht, wir ließen dort unsere braunen Kindermädchen schlafen. Rndere Familien hatten es nicht so gut. Zie wurden aus Platzmangel getrennt. Die Männer kamen dann zu den unverheirateten Missionaren in eine besondere Kaserne, die eigentlich eine riesige Halle mit vielen Zäulen war. Die Verpflegung hatte die Regierung in die Hand genommen. Jede Person erhielt eine festgesetzte Portion Fleisch, Kartoffeln, Brot, Tee, Zucker, Butter und Milch. Je drei Familien erhielten zusammen einen Koch. Die Küche lag abseits von den Kasernen, über ihre Reinlichkeit wachte ein Beamter. Für sonstige Bedienung und für den Wäscher mußte man selbst aufkommen. Ruch war die Gelegenheit gegeben, die gelieferte Kost zu vervollständigen durch Einkauf von Gemüse, Eiern und anderen Lebensmitteln. Lin eigner Laden war im Lager eingerichtet und außerdem hatten einzelne Händler die Erlaubnis, ins Lager zu kommen. Zur Bestreitung solcher besonderen Rusgaben wurden jedem von uns Erwachsenen für den Tag 8 Rnna (60 Pfg.), jedem Kind 4 bezw. 2 Rnna bewilligt. Für die Kinder unter 2 Jahren wurde täglich 1 Liter Milch geliefert. Der Tageslauf begann um 5 Uhr. Tin großer Platz und eine Ztraße bis zu etwa drei englischen Meilen waren uns zu Zpaziergängen eingeräumt. Die Hitze war aber in den Monaten Juli bis Oktober so groß, daß man von dieser Erlaubnis eigentlich nur ganz früh oder ganz spät Gebrauch machen konnte. Um 7 V 2 Uhr abends mußte jeder in der Nähe der Kaserne sein, um 9 Uhr ertönte das Zignal, d. h. nur dann, wenn der Hornist nicht krank war, dann mußte jeder zu Bett gehen. Lin zweites Zignal um Vs 10 Uhr bedeutete ,,Licht aus". Doch mußte der Zchlangengefahr wegen immer eine Laterne in der Wohnung brennen. Brillenschlangen schien es viel zu geben. Um 9 Uhr erhielten wir eine wache von vier bis sechs Mann, die anfangs sehr auf dem Posten waren und mit aufgepflanztem Zeitengewehr vor der Kaserne auf und ab marschierten. Zpäter aber, als sie merkten, daß wir nicht so schlimm waren, schliefen sie meist. Ueberhaupt konnte man die Erfahrung machen, daß die Behandlung und Bewachung mit der Zeit immer besser wurde. Der Gesundheitszustand war dem Klima entsprechend ein sehr schlechter. Fast alle, die Erwachsenen mehr als die Kinder, wurden von dem entsetzlichen Dengue-Fieber heimgesucht. Zchon lange vor Rusbruch des Fiebers lag es einem wie Blei in den Gliedern. Die haut wurde trocken mit frostigem Gefühl. Der Durst war gering, aber die Mattigkeit übergroß. Das Zchlimmste war, daß bas Fieber sich so lange hinzog, nur ganz langsam konnte man sich erholen. Einer unserer Mitarbeiter, der Kräftigsten einer, aber von den Rufregungen der letzten Zeit hart mitgenommen, ist dem Dengue- fiebe.r erlegen. Die Lagerverwaltung gestattete uns, daß wir ihm eine Leichenfeier in unserer deutschen Weise hielten. Zechs Missionare im Ornat begleiteten den Zarg. 23 Rn Rrbeit war bei der furchtbaren Hitze eigentlich nicht zu denken. Ls fehlte die Stimmung dazu, wenn wir gesund waren, lasen wir. Rll unser Denken war auf den Krieg und auf unser Vaterland gerichtet. 3n unseren Unterhaltungen spielte die Hauptrolle das herausschälen der mutmaßlichen Wahrheit aus den englischen Lügennachrichten. Hbcr dabei blieb immer noch viel Sorge um unser Vaterland übrig. Ein besonders Heller, freundlicher Tag in der Erinnerung der Dinapurer Tage wird der Geburtstag unserer, treuen Diakonisse sein. Lin richtiger Geburtstagskaffee mit Berliner Pfannkuchen ließ auf einige Stunden die Gefangenschaft vergessen. Den Höhepunkt aber bildeten für uns die gemeinsamen Gottesdienste. Die alten Mauern der großen Baracke hatten gewiß derartiges noch nicht erlebt, baß in deutscher Zunge für Englands Feinde, den deutschen Kaiser, und für den Sieg der deutschen Waffen gebetet wurde. Line ergötzliche Szene soll nicht unerwähnt bleiben. Ls war den Engländern gleich als etwas Eigenartiges ausgefallen, daß wir soviel Kinder, soviel Knaben hatten. Da wurde einem der Missionare im Lager der fünfte Sohn geboren. Da kam die Engländer doch etwas wie Gruseln an: ein fünftes deutsches Unkraut! Schwer war für uns in den letzten Wochen die Unsicherheit der englischen Regierung in der Frage, was aus uns werden sollte. Bald hieß es, die Männer werden von den Frauen getrennt und dann weggeschafft, bald war ein dahingehender Befehl wieder geändert, schließlich wurden neun von den Männern nach Rhmednagar gebracht. Ehe aber noch die weiteren jungen Männer nachgesandt wurden, erhielten wir die Nachricht, baß wir deportiert würden. Bald darauf wurden wir nach Kalkutta gebracht und auf dem Dampfer Golkonda in die Heimat geschickt. Meine Erlebnisse in -er französischen Fremdenlegion. von einem Gießener. (Fortsetzung.) wie hatten wir uns gefreut, endlich aus dem Joch herauszukommen, und wie waren wir so enttäuscht, als die niederschmetternde Nachricht kam, daß jeder aus eigenen Mitteln die Neise bis zur Grenze bezahlen solle, woher sollten wir das Geld nehmen? Etwa von unserem französischen Solde? Der war doch, wie ich schon mitgeteilt habe, alle 5 Tage nur 28 pfg. oder 7 Sous. Es war traurig, zu sehen, wie sich nun so mancher Fremdenlegionär, der Sehnsucht hatte, nach Hause zu kommen, auf das Betteln verlegte, nur um 5 Mark zu bekommen, um damit die italienische Grenze zu erreichen, vielen aber war es unmöglich, diese Summe zusammenzubringen, und sie mußten sich in ihr Schicksal ergeben. In meiner Not schrieb ich an meine Eltern, umgehend schickten sie mir auch das Reisegeld, so daß ich als Ort meiner Entlassung Beifort nennen konnte. Rber was hatten wir, die wir nun nach Hause kommen sollten, nicht alles von den Zurückbleibenden zu erdulden, namentlich waren die Elsässer und Belgier ungemein gehässig gegen uns, sie suchten uns durch alle möglichen Schikanen zu ärgern, vielleicht hatten sie es auch darauf abgesehen, uns zu reizen, daß wir zu Tätlichkeiten übergehen sollten, damit dann unsere Entlassung rückgängig gemacht werde; denn es war der besondere Befehl herausgekommen, daß nur Leute mit guter Führung nach Hause kommen sollten. Meine Freude über die baldige Entlassung war aber so groß, daß ich von all diesen Quälereien keine Notiz nahm. Trotzdem hätte ich mich zuguterletzt beinahe an einem Schurken von Belgier vergriffen,- dieser Mensch konnte sich nicht mit Worten genug tun, sondern versuchte auch, uns auf die gemeinste und niederträchtigste Rrt zu reizen. Die Elsässer hatten für uns Deutsche die schlimmsten Schimpfwörter, so daß sie sogar von den Franzosen oft zur Ruhe verwiesen wurden. Ruch die Belgier waren schlimmer als die Franzosen, das hat man ja auch in diesem Kriege gesehen. Rber trotz aller Schikanen und Ouälereien ging die Zeit doch vorbei, und die Stunde der Entlassung rückte immer näher. In Gerville wurde ich am 1. Dezember 1886 in die Schneiderwerkstätte kommandiert, anderen Dienst brauchte ich nicht mehr zu verrichten, war auch dazu nicht imstande. Rber auch hier gab es nicht viel für mich zu tun, auch war ich ein sehr schlechter Schneider. Rm 1. März 1887 gab es den Befehl, daß wir am 16. März Gerville verlassen sollten. Meine Freude wurde immer größer, je größer der Reid und die Mißgunst meiner „lieben" Kameraden wurden, aber die konnten meine Entlassung nicht mehr hindern. So marschierten wir denn am 16. März nach einer kleinen Rnsprache des derzeitigen Kommandanten von Gerville, der uns für unsere Pflichterfüllung dankte, ab. Zu Fuß ging es nach Grenecassier, wo wir am nächsten Tage ankamen. Trotzdem auch dieser Marsch anstrengend war und viele von uns sehr die Hilfe anderep nötig hatten, so wurde dieser weg doch mit anderem Mut und anderen Gefühlen zurückgelegt als vorher der hinweg. Rm 23. März abends 5 Uhr kamen wir alle glücklich in Saida an. hier wurden wir in einer Kaserne untergebracht, mußten unsere Waffen und Rusrüstungsgegenstände abliefern und blieben bis zum 29. März da. während dieser Zeit wurden wir eines Tages — ich weiß nicht mehr, auf wessen Kosten — zu einem Festessen eingeladen. Ungefähr 400 bis 500 Soldaten aller Waffengattungen — Franzosen, Turkos, Zuaven, Spahis, Fremdenlegionäre — nähmen daran teil,- es waren lauter Leute, die den Feldzug in Ehina mitgemacht hatten, wir wurden unter freiem Himmel bewirtet, je 20 Mann bekamen einen am Spieß gebratenen Hammel, Brot und Kuchen, sowie wein, so viel sie trinken konnten. Bei diesem Feste wurden Reden gehalten, die alle die Größe Frankreichs priesen und die Wiedergewinnung von Elsaß-Lothringen in Russicht stellten. Rlle diese Reden machten auf mich keinen Eindruck, ich hatte ja den Kelch der französischen Liebe zur Genüge gekostet, und meine Gedanken standen nach der Heimat. Frühzeitig suchte ich deshalb auch mein Lager auf. (Fortsetzung folgt.) was der alte Vetter erzählte. Eine Erzählung aus der Franzosenzeit von E u g e n RI a i) e r. (Fortsetzung und Schluß.) Ruf diese weise bildete sich eine Sage über den Tod des Hannes. Der „alte Vetter" wischte sich verstohlen eine Träne aus dem Rüge und seine Pfeife war ihm wieder ausgegangen, während er erzählte, wie sich die Leute im Walddorf das Schicksal des Hannes zurechtgelegt hatten. Eine weile saß er still da. Dann aber steckte er seine pfeife in die Rocktasche, bog sich zu seinem Zuhörer herüber, sah ihm ins Gesicht und sagte mit starker Stimme : Rber wir Habens den Russen nicht vergessen, wie sie an unseren Leuten gehandelt haben. Sie kamen ja bald hinter 24 den fliehenden Franzosen her. Ruf allen Straßen und Wegen hörte man das dumpfe Rasseln ihrer Trommeln. Ls klang uns jahrelang in den Ohren. Wir waren so an diesen Ton gewöhnt, daß später, wenn der Kaffeesatz auf dem Ofen brodelte, die Leute sagten: ,,Die Russen kommen!" Wir konnten sie nicht hinausjagen,- denn es waren ihrer zu viele. Wir konnten sie auch nicht umbringen, keinen einzigen von ihnen - denn das hätten wir bitter büßen müssen. Rber wir gaben ihnen zu essen. Rein Gift- denn einmal hatten wir keins und dann hätten sie's auch gemerkt. Wir gaben ihnen, was sie gern aßen: Schweinefleisch und Lpeck. Rber unsere Frauen hatten diese Speise zubereiten gelernt, daß sie schädlich wirkte. Zuerst wurde das Fleisch in heißem Wasser gekocht und dann in dem heißen Zustand in kaltes Wasser geworfen, daß es zischte. Wer von diesem Fleische aß, der konnte sich nicht mehr helfen. Da kam die Rrankheit über sie, daß sie starben wie die Mücken. Zn der Stabt drunten wurden Wagen voll hinausgefahren und im Felde verscharrt. Freilich mußten wir selbst darunter büßen,- denn die,,Russenkrankheit" kam auch über uns und damals ist mein Vater so von ihr ergriffen worden, -daß er starb. Vas war hart für uns. Rber wir hatten unsere Rache für den armen Hannes, den sie uns genommen haben. — Die Rügen des alten Mannes funkelten, während er seine Erzählung also beendete. Rber er mußte mir etwas angesehen haben, daß ich nicht ganz einverstanden war mit dieser Rrt der Vergeltung,- denn nach einer Weile fügte er hinzu: Nicht wahr, Herr Vikar, das gefällt Ihnen nicht? Rber so ist es im Rrieg. Da morden die Leute wie die Tiere, besonders wenn sie keinen ordentlichen Religionsunterricht genossen und vergessen oder überhaupt nicht gelernt haben, was sie als Menschen den Menschen schuldig sind. Nichts für ungut, Herr Vikar! verzeihen Sie einem alten Mann, wenn ihm die Erinnerung an die schwere Zeit der Jugend wieder die wilde Rrt dieser Zeit lebendig gemacht hat! Es ist der Rrieg. Gott bewahre uns vor solcher Zeit!- Das ist es, was mir der ,,alte Vetter" erzählte. kirchliche Anzeigen. Sonntag, den l 3. Februar, 6. nach Epiphanias. Rollekte für das hessische Rrüppelheim. Gottesdienst. In der Ztadttirche. vormittags 9 V 2 Uhr: D. 5 chian. vormittags 11 Uhr: Rinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer 5 ch w a b e. Rbends 6 Uhr: Pfarrer Mahr. Rbends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Markusgemeinde. Montag, den l 4. Februar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Matthäusgemeinde. Dienstag, den 15. Februar, nachmittags 4 Uhr: im Matthäussaal: Frauenmissionsverein. Rm kommenden Sonntag, den 20. Februar, findet die Feier des heil. Rbendmahls im Rbendgottesdienst für die Matthäus- und Markusgemeinde statt. Rnmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. In der Iohannertirche. vormittags 9 V 2 Uhr: Pfarrer Rusfeld. vormittags 11 Uhr: Rinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Rusfeld. Rbends 6 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und heil. Rbendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde gemeinsam. Rnmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Rbends V28 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukas- und Johannesgemeinde. Mittwoch, den 16. Februar, abends 8 Uhr: Rriegs- betstunde. Pfarrer Bechtolsheimer. [ Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider Hof-Möbel-Fabrik Th. 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