Äonntagsgrusz Gememöeblatt süröie evangelische Kirchengememoe Gieszew Nr. 5 Gießen, 5. Sonntag n. Epiph. den 6. Februar 1916. 5. Jahrgang. Deutsche Heimat. Buch Zosua 1, 6. Set getrost und unverzagt; denn du sollst diesem Volk das Land austeilen, das ich ihren Vätern geschworen habe, daß ich es ihnen geben solle. Kn einem Spätsommertage des vorigen Jahres ging ich im bayerischen Hochgebirge durch das berühmte Geigenmacherdorf Mittenwald. Wer aus Mitteldeutschland kommt, fühlt sich hier zunächst in eine ganz fremde Welt versetzt. Eigentümlich ist die Lauart der Häuser. Breite Giebel schauen nach der Straße, nur der Unterstock ist aus Steinen errichtet, oben ist alles Holzkonstruktion, breite Veranden laufen ringsumher. Klles ist in Hellen Farben gehalten, blau und grün überwiegen. Heiligenbilder sind fast an jedem Giebel zu sehen, auch Abbildungen aus der heiligen Schrift; so fand ich an einem Hause in grellen Farben ausgeführt, wie Judith über Holofernes das Schwert schwingt. Buch die Kirche ist in ihrem Innern sehr buntfarbig, jedenfalls ist sie ganz anders als eine hessische Dorfkirche. Ueber dem Dorfe ragt das gewaltige, schroffe Karwendelgebirge aus, unten wiesen, dann Wald, schließlich nur noch kahle Felsen, durchfurcht von Wasserrinnen. Man merkt am Dorfe und am Gebirge, daß man sich hier tief im deutschen Süden befindet, fast will es scheinen, als ob der Uebergang zu italienischer Krt von hier aus kein allzu schroffer mehr sei. Dennoch hat man den Eindruck, daß man in kerndeutschem Lande weilt. Kuf der Dorfstraße singen die Kinder: Ich hatt' einen Kameraden. . . Gloria, Viktoria, in der Heimat, in der Heimat, d^a gibts ein Wiedersehen; sie singen genau in demselben Tonfalle, wie das oberhessische Kinder tun, und vor der Kirche steht ein Kriegerdenkmal von 1870/71, das uns verkündet, daß Söhne der Gemeinde Mittenwald bei Sedan und Orleans für die deutsche Heimat gefallen sind. Einige Jahre sind es her, da stand ich im deutschen Norden auf der Insel Sylt und sah über das Wattenmeer die Moven fliegen. Breit und klotzig ragt am Strande der Kirchturm von Keitum auf, aber unendlich malerisch fügt er sich in seine Umgebung ein, weither aus der Heide sieht man ihn auftagen. Nus roten Lacksteinen ist er erbaut, die Kirche, an die er sich anlehnt, ist weiß getüncht. Ganz anders ist auch dort die Urt, als in unserem mitteldeutschen Lande. Friesische Laute schlagen an unser Ohr, Segel blinken im Sonnenschein, auf dem Kirchhofe haben zumeist Seeleute, die lange Jahre das Meer durchfuhren, ihre Luhe gefunden. Uber deutsch ist auch dort das Land. Die Gedenktafel in der Kirche gibt an, daß aus dem Kirchspiel Keitum bei Gravelotte mehrere Männer und Jünglinge für Deutschlands Einheit und Große ihr Leben gelassen haben, und deutsche Gotteslieder, Lieder von Luther, Gerhardt und Arndt, werden allsonntäglich in der eigenartigen Inselkirche gesungen. Unsere Kämpfer in Ost und West haben überall, wo sie jetzt stehen, den Eindruck, daß sie in fremdem Lande sind. Luch in Frankreich, einem Lande, das der Kultur nach uns am nächsten steht, denken sie nicht anders. Die Unsauberkeit der Bewohner, die Trägheit der Männer, die Dreistigkeit und Verdorbenheit der Kinder, die leichtsinnige, großsprecherische Art, die Uückständigkeit in vielen Einrichtungen, besonders auch in der Wohnungseinrichtung, all das läßt unsere Krieger empfinden, daß sie in einem Lande sind, das ihnen äußerlich und innerlich ftemd ist und fremd bleiben wird. Sie, die draußen stehen, wissen, was sie an dem großen, gemeinsamen vaterlande haben, darum sind sie entschlossen, weiter für die Heimat zu kämpfen, daß sie ihre Eigenart behalte und daß diese Eigenart Kindern und Kindeskindern gewahrt bleibe. Sie wissen, daß es Gottes Wille ist, daß sie für dieses Land kämpfen, und wie Josua, der seinem Volke das Land der Väter zurückeroberte, sind sie getrost und unverzagt und halten aus in Pflicht und Treue, bis das Werk vollbracht ist und die Feinde mit ihrer Gewalt und Lüge zuschanden geworden sind. h. L. »n$ zwei Jahrhunderten. Hls Kummer 24 der von Professor D. Dr. Diehl in Friedberg herausgegebenen ,,hessischen Volksbücher" ist neulich ein Luch erschienen, das in mancher Hinsicht interessant ist. Es trägt den Titel „Ludwig Wilhelm Luck, Pfarrer und Thronist von Wolfskehlen, ein Freund Friedrich Hebbels" und hat den bekannten Verfasser des ausgezeichneten Werkes „Jesus im Urteil der Jahrhunderte" und Herausgeber des groß angelegten Werkes „Die Klassiker der Keligion" Professor und Hofbibliothekar Lic. Gustav pfannmüller in 18 — Darmstadt zum Verfasser. Zeine Schrift behandelt die Geschichte einer hessischen Familie, sie schildert aber auch das geistige Leben, das in Deutschland besonders in Hessen in dem Zeitraum ungefähr von Lessings Tod bis zum Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts zu finden war. Das Buch pfannmüllers ist, wie sein Titel besagt, eine Bio- graphie des Pfarrers Ludwig Wilhelm Luck zu Wolfs- Kehlen (1813—1881), behandelt aber auch das Leben des Pfarrers Johann Karl Gottlieb Lanz in wolfskehlen (1768 bis 1842), der der Schwiegervater Lucks war, und so kann man wohl sagen, daß wir in dem Luche ein Jahrhundert hessischer Geschichte in einem Ausschnitt dargestellt finden. Lanz war zu Pirmasens in der damals zu Hessen-Darm- stadt gehörigen Grafschaft Hanau-Lichtenberg geboren. Landgraf Ludwig IX. residierte in der Kegel in dieser damals noch sehr kleinen und unbedeutenden Stabt, die gar nicht im Mittelpunkt seines Gebietes lag. Pirmasens war das hessische Potsdam, da der Landgraf sich sehr viel mit militärischen Angelegenheiten beschäftigte. Zn seiner Jugend weilte Lanz eine Zeitlang in dem damals ganz französisch gesinnten Metz, wo — das ist bezeichnend genug junge Mädchen aus dem Elsaß und aus der Grafschaft Hanau-Lichtenberg sich etwas Bildung aneigneten. Dann kam er in das Pädagog, das spätere Gymnasium, zu Darmstadt. Cs ist interessant, heute, in einem Zeitalter, da durch den Telegraphen, die drahtlose Telegraphie, das Telephon und die Schnellzüge — man denke nur an den Balkanzug — sich der Verkehr ungemein rasch vollzieht, die Verkehrsverhältnisse der alten Zeit in das Buge zu fassen, pfannmüller berichtet: ,,während Lanz noch in Darmstadt war und etwa siebzehn Jahre zählte, brachte plötzlich ein reitender expresser Bote, der freilich bei dem damaligen Mangel an guten wegen und Ehausseen Tage dazu gebraucht hatte, die schreckhafte Botschaft von der gefährlichen Erkrankung seiner Mutter. Der junge Mann nahm sich sogleich ein Pferd und ritt, von kindlicher Liebe getrieben, in raschester Eile nach Hause. Bei seiner Rnfcunft' zog ihm der Leichenzug seiner Mutter unterm Tor entgegen. Er konnte den Anblick und Eindruck nie mehr vergessen." Zm Sturm der auch nach dem linken Bheinufer sich ausdehnenden französischen Revolution ging die Grafschaft Hanau-Lichtenberg unter, die Familie mrsßte das Land verlassen. Der junge Lanz wurde nach Verlauf einiger Jahre Pfarrer zu wolfskehlen, wo er bis zu seinem Tode geblieben ist. Damals waren die Pfarrer vielfach die Träger und Förderer aller Bestrebungen, die die äußere Lage unseres Volkes heben wollten. Eine spätere Zeit hat ihnen den Vorwurf gemacht, daß das nicht ihre Aufgabe gewesen sei, sie hätten sich auf die Verkündigung des Evangeliums beschränken sollen. Nun ist ja richtig, daß die Hauptaufgabe eines Pfarrers ist, religiöses christliches Leben zu pflanzen und zu pflegen, aber man wird es jenen Alten doch immer hoch anrechnen, daß sie sich auch um Landwirtschaft, volks- gesundheit, Schulwesen und Wohlfahrtsbestrebungen gekümmert haben. heute brauchen das die Pfarrer nicht mehr zu tun, weil der Staat und bie freie Vereinstätigkeit alle diese Arbeiten in die Hand genommen haben, aber um d-as Jahr 1800 gab es weder Landwirtschaftslehrer noch Kreisschulinspektoren, noch sozialpolitische Vereine, und man wird es den alten Pfarrern, unter denen der treffliche Schlez in Schlitz hervorragt, als ein Verdienst anrechnen, daß sie sich die Hebung der Volkskultur angelegen sein ließen. Besondere Verdienste erwarb sich Lanz um seine Gemeinde in den Kriegszeiten im Anfang des 19. Jahrhunderts, indem er zwischen den einquartierten feindlichen Truppen und seinen Gemeindegliedern vermittelnd auftrat, wie froh können wir sein, daß in diesem Kriege bei uns die Pfarrer diese Aufgabe nicht zu erfüllen haben und wie dankbar müssen wir sein, daß diesmal die großen Fortschritte der Medizin Seuchen von unserem Lande ferngehalten haben. In den Jahren 1813 — 1815 hat der Flecktyphus, damals Spitalpest oder Nervenfieber genannt, in Mittel- und Westdeutschland, besonders auch in Hessen, viele Menschen weggerafft. Lanz hat damals in Gemeinschaft mit einem jungen Darmstädter Arzte die Kranken aufgesucht und deren pflege überwacht. Besondere Verdienste hat er sich in seiner Gemeinde erworben, indem er eine Industrieschule (handarbeitsschule) gründete, es war dies in Hessen die erste Anstalt dieser Art. Die Mädchen wurden in weiblichen Handarbeiten, die Knaben in der Baumkunde unterrichtet. Leider wurde diese Schule später sehr eingeengt, da durch eine kreisrätliche Verfügung im Jahre 1841 ein Teil der Besoldung der Lehrerin wegfiel' man wird es aber dem Begründer der Schule stets hoch anrechnen, daß er auf diesem Gebiete die Bahn gebrochen hat. Sein Schwiegersohn Luck war gleichfalls ein eifriger Mann, aber doch von anderer Art. Er widmete sich ausschließlich den kirchlichen Angelegenheiten, kümmerte sich um Aeußere und Innere Mission, den Gustav-Adolf-Verein, begründete in wolfskehlen eine Lesegesellschaft, verfolgte mit besonderem Interesse die religiösen und kirchlichen Ereignisse, aber auch das politische und geistige Leben in Deutschland, so daß die kurze Biographie aus der Feder pfannmüllers uns eine anziehende kulturgeschichtliche Schilderung gibt. Sehr ausführlich hat Lanz in einer Ehronik die Geschichte seiner Gemeinde geschrieben. Mit einem Großen des deutschen Geisteslebens, nämlich mit dem Dichter Friedrich Hebbel, war Luck befreundet, und so bilden die Briefe, die der holsteinische Dichter an den hessischen Pfarrer gerichtet hat, das Interessanteste des Buches. Beide Männer, Lanz wie Luck, ragten geistig über das Mittelmaß nicht hinaus. Besonders war Luck nicht das, wofür er sich hielt, er war nämlich kein Dichter. Er hatte seine Gedichte an Hebbel gesandt, baß dieser ihm für einen Verleger sorgen solle, Hebbel lehnte ab,' wie die dem Buche beigefügten Gedichte beweisen, mit gutem Grunde. Aber die beiden Männer, Schwiegervater und Schwiegersohn, waren kernhaft deutsche, tüchtige und verdiente Männer. Männer dieser Art haben in vergangenen Tagen dazu mitgeholfen, Deutschland geistig und sittlich erstarken zu lassen, so daß wir in diesem ungeheuren Weltkrieg mit guter Zuversicht ausharren können, wir danken es deshalb pfannmüller, daß er uns die Lebensbeschreibung der beiden gegeben hat, und diese Zeilen haben den Zweck, auf sein Buch empfehlend hinzuweisen und ihm Leser zu gewinnen, von der großen Sorgfalt und Mühe, die der Verfasser aufgewendet hat, zeugen die Anmerkungen mit ihrem reichen lokalgeschichtlichen und biographischen Material. h. B. Meine Erlebnisse in der französischen Zremdenlegion. von einem Gießener. (Fortsetzung.) Bis ich am nächsten Tage wieder vorüberkam, fragte mich der Araber, was ich in seinem Hause gewollt habe, ich sagte ihm, daß mich die Neugierde Hineingetrieben habe, wir kamen miteinander in bas Gespräch ,' bas wiederholte sich von da an jeden Tag, so daß wir miteinander gewissermaßen befreundet wurden. Ich brachte manche Stunde bei meinem Freunde zu. Der Uraber sprach seine Verwunderung darüber aus, daß wir gar keinen Gottesdienst hätten und scheinbar auch keinen Glauben. Solange als wir an diesem Orte seien, habe er noch nicht gesehen, daß wir Gottesdienst gehabt hätten, das gehöre doch zum Leben, wir seien ein ungläubiges Volk, ein solches Volk werde untergehen. Ich fand das doch sehr merkwürdig, und es gab mir zu denken, daß die (Eingeborenen der Unsicht waren, daß die Franzosen ein ungläubiges Volk seien. Leider war unsere Unterhaltung sehr mühsam,' denn der Uraber sprach nur wenig Französisch. Ich mußte nun von dieser Stätte scheiden, obwohl ich noch sehr schwach war. Entlassen wollten die Franzosen mich noch nicht, wie so viele andere, die ebenso heruntergekommen oder zum Krüppel geschossen waren. Um 21. Oktober 1886 wurde ich mit der Bahn wieder nach Sidi-Dell-Ubbes gebracht. hier verblieb ich zehn Tage und wurde in dieser Zeit neu eingekleidet und ausgerüstet, wenn man bedenkt, daß ich elf Monate lang krank gewesen war, in dieser Zeit keine Waffen in den Händen gehabt und keinerlei Uebungen mitgemacht hatte, so versteht man, daß mir nun der Dienst außerordentlich schwer fiel. Uber die Franzosen schonen die Fremdenlegionäre nicht, sie brauchen auch keine Verantwortung hinsichtlich der Dehandlung dieser Leute zu tragen. Stirbt ein Mann auf dem Marsche, so wird er im besten Falle etwas verscharrt. Das tut die nachfolgende arabische Polizei, nachdem sie ihm die Wertsachen, wenn er welche hat, abgenommen hat. Waffen und Uusrüstungsgegenstände werden ihm selbstverständlich auch abgenommen. Der Kompagnie wird dann kurz mitgeteilt: der Mann mit der Nummer ? ist gestorben, und die Sache ist erledigt, wie viele sind auf solche weise mit Vorsatz in den Tod getrieben worden, nur damit sie der französischen Nepublik nicht zur Last fallen,' denn die meisten derer, die große Strapazen nicht mehr vertragen können, sieht man nur als lästige Mitesser an. Da muß man sehen, daß man solche Leute auf die billigste Urt und weise los wird. wer weiß, ob mich nicht auch ein solches Schicksal getroffen hätte, wenn sich nicht wieder ein Mann gefunden hätte, der es gut mit mir meinte. Um Morgen des 31. Oktober marschierten wir von Sidi-Dell-Ubbes ab und kamen abends in Etappe aux Fontaines an. Es war für mich ein schrecklicher Marsch,' ich habe geglaubt, das nicht auszuhalten, hätte es auch nicht ausgehalten, wenn nicht ein aus der Schweiz stammender Sergeant meinen Tornister auf ein Maultier geladen hätte. Mitmarschieren mußte ich freilich, es half alles nichts. Um 1. November kamen wir durch eine mit Ulfa bewachsene Gegend. Dort war nichts zu sehen, kein Daum oder sonst etwas, nur Himmel, Sand und Ulfa. Mitunter begegneten wir Schaf- und Ziegenherden, die ihre Weideplätze wechselten. Es waren oft Herden von Tausenden von Tieren, von mehreren Hunderten von Urabern geleitet, wenn es an einem Punkt nichts mehr zu weiden gibt, so sind sie gezwungen, weiterzuziehen, wenn Fremdenlegionäre ihnen begegnen, gibt es immer ein Geschäft für die Uraber,' denn Nachfrage nach Milch ist sehr groß. Natürlich kann nur der Milch kaufen, der Geld chat, aber die meisten haben keins. Diese schließen dann Tauschgeschäfte ab. Um 5. November kamen wir nach Saida und am 21. erreichten wir unseren Bestimmungsort Gerville. wir kamen auf diesem Marsche höchstens an zwei oder drei eigentlichen Unsiedlungen vorbei, sonst fanden wir nur Wasserlöcher ober Brunnen. Nach dieser Marschperiode war ich so erschöpft, daß ich mich sofort krank meldete. Uuch hier war es wie überall, man mußte selbst sehen, daß man durchkam. Ich wurde von einem Kommando zum andern geschickt. Ls war damals die Zeit, da der General Doulanger eine große Nolle in Frankreich spielte. Ts war bei uns das Gerücht verbreitet, daß alle, die nicht mehr felddienstfähig seien, entlassen werden würden, aber drei Monate vergingen, und es wurde uns nichts über unser Schicksal mitgeteilt. Eines Tages kam ein Neskript, das besagte, der Kriegsminister Noulanger habe angeordnet, daß alle, die die Expedition nach Thina und Tonkin mitgemacht hätten und nicht mehr felddienstfähig seien, entlassen werden sollten. Uber jetzt kommt das wunderbare: Nur die sollten entlassen werden, die imstande wären, das Neisegeld zu hinterlegen' denn die Fahrt von Marseille bis zur Grenze müsse bezahlt werden, wir sollten nur bis Marseille frei befördert werden, alle anderen Kosten müßten wir tragen. Das war wieder bezeichnend für die Urt, wie man in Frankreich die Fremdenlegionäre behandelt und wie man es ihnen dankt, daß sie ihre Gesundheit für die französische Nation geopfert haben. (Fortsetzung folgt.) war der alte Vetter erzählte. Eine Erzählung aus der Franzosenzeit von L u g e n M a x) e r. (Fortsetzung.) Uls der Sommer den Leuten die Sense in die Hand gab, damit sie das Gras der wiesen und die Frucht des Feldes heimtäten, zogen hin und wieder ein paar ,,Nußländer", wie die Soldaten der großen Urmee genannt wurden, durch die Stadt. Sie erzählten den horchenden Städtern von dem Furchtbaren, das sie auf den Schneefeldern des kalten Landes durchgemacht hätten,' sie zeigten ihre erfrorenen oder verstümmelten Glieder und berichteten von den vielen, die in Kußland der Kälte oder den Wölfen oder den Lanzen der Kosaken zum Opfer gefallen waren. Die Leute aus dem Dorfe eilten zur Stadt, wie alles aus der ganzen Umgegend. Uber wie sie auch fragten und forschten und manchen guten Dissen in die gierigen Hände der heimkehrenden wandern liehen: von Hannes konnten sie nichts erfahren. Einer meinte sich zu erinnern, daß beim Uebergang über einen Fluß Beresina nannte er ihn die Drücke unter den fliehenden Truppen zusammengebrochen sei und daß in dem Gedränge der sich quetschenden oder in das eiskalte Wasser hinabstürzenden Soldaten auch Leute von dem Kürassierregiment gewesen seien, zu dem Hannes gehörte, von Hannes selbst aber wußte keiner etwas zu sagen. Und der herbst kam und ein neuer Winter stellte sich ein. Man wußte jetzt auch in der Pfalz, daß der Kaiser in einer großen Schlacht besiegt sei und froh sein dürfe, wenn ihm das Land bis zum Uhein erhalten blieb, wieder fanden große Truppendurchzüge auf der Kaiserstraße statt, aber jetzt nicht mehr nach Uorden und Osten, sondern von dort kamen sie her und fluteten rückwärts nach Westen. Ts hieß, daß ihnen die Preußen und Küssen auf den Fersen folgten, wiederum scheuten die Leute aus dem Dorfe keine Mühe im Fragen nach den vor bald zwei Iahren Uusgezogenen. Unter den französischen Truppen befanden sich auch Leute vom Kürassier- Kegiment, in dem Hannes gestanden hatte. Uber es waren meist junge Leute, die erst im vergangenen Frühjahr ausgehoben worden und nur in Deutschland vor den Feind gekommen waren. Die paar alten Soldaten, die darunter waren, 20 — hüllten sich in ein dumpfer Schweigen und fluchten höchstens über die russischen Hunde, denen sie es zu gegebener Zeit heimzahlen wollten, was sie ihnen und ihren Kameraden angetan hatten, von Hannes war nichts zu erfahren. Da schwand nach und nach jede Hoffnung auf eine Wiederkehr des verschollenen, und man fing an, den Hannes als einen Toten zu betrauern. Rber daß man nicht sagen konnte, wo er geblieben und wie er gestorben war, das machte die Trauer zu einer um so größeren. Die wildesten Bilder stiegen vor unseren Rügen auf. Was die Soldaten von dem Llend der armen Flüchtlinge und von den Grausamkeiten der Russen erzählt hatten, wurde zusammengenommen, und bald erzählten sie sich im Dorfe, wenn sie abends zusammenkamen, als ob es sich wirklich fio zugetragen hätte: Rls die Russen ihre Hauptstadt in Brand gesteckt hatten, mußte die große Rrmee sich auf den Heimweg machen, weil sie ja in dem schrecklichen Winter kein Obdach mehr hatten. Sie kamen an einen breiten Fluß, über den eine Brücke führte. Diese Brücke hatten die Russen angesägt. Rls nun unsere Leute an die Brücke kamen, wollte jeder zuerst über dieselbe hinüber, um den Feinden, die hinter ihnen her waren und mit Kanonen auf sie schossen, zu entkommen. Da brach die Brücke und sie stürzten in das eiskalte Wasser. Der Hannes war auch dabei. Bein Pferd ertrank im Wasser- er selbst kam ans Ufer, aber er war durchnaß und zitterte vor Kälte. Dazu hatte er nichts zu essen, denn es war alles mit öe,m Pferde versunken. Hannes schleppte sich ein Stück Wegs weiter mit seinen nassen Kleidern und mit den schweren Stiefeln. Die Rächt brach herein und es wurde immer kälter. Da konnte er nicht mehr weiter,- er war zu müde und zu schwach. Tr setzte sich am Rande des Weges nieder, um ein wenig zu ruhen. Da fanden ihn die Kosaken, als er am Einschlafen war. Da sie sahen, daß er noch lebte, rissen sie ihm die Kleider vom Leib und stachen ihm die Rügen aus und ließen ihn liegen für die Wolfe, die laut durch die Rächt heulten. So starb der Hannes, der starke, gesunde, prächtige Bursche. — (Schluß folgt.) «leine Mitteilungen. vom nächsten Sonntag an sollen unsere Rbendgottes- dienste wieder um 6 Uhr ihren Rnfang nehmen. Es ist dies eine Einrichtung, die, in diesem Winter zum erstenmal eingeführt, sich sehr bewährt hat, da in den Monaten, -in denen die Tage schon lang sind, unsere Kirchenbesucher sich zum Gottesdienste um 6 Uhr viel zahlreicher einstellen als um 5 Uhr. __ kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 6. Februar, 5. nach Epiphanias. Gottesdienst. In der Stadtkirche, vormittags 91/2 Uhr: Pfarrer Mahr, vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Rbends 6 Uhr: Pfarrer Schwabe. Rbends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde. Dienstag, den 8. Februar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. Mittwoch, den 9. Februar, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche. vormittags 9 V 2 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. vormittags l l Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Rbends 6 Uhr: pfarrassistent hoffmann. Rbends V28 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde. Rbends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung. Rächsten Sonntag, den 13. Februar, findet im Rbend- gottesdienst Feier des heil. Rbendmahls für die Lukas- und Johannesgemeinde statt. Rnmeldung hierzu wird vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. [ Ankündigungen empfehlenswerter Firmen J Carl Loos Kirchenplah 13 :: Telephon 797 Manufaktur- unb Weißwaren Herren- u. Knabenkleiber Ifflufifalien Musikinstrumente lkmfl llhsllier, ließen Äurwlph'g lflachf. jflruenwrg 9 Lrlephon 671 in Kleiderstoffen sowie Weißwaren Wolhvaren ____Kurz waren Strickwolle etc. empfiehlt bill. K. Elle Nord-Anlage 35, Ecke Schottstraße strste C. Röhr & Co. Betten-, Wäsche- und Ausstattungs-Geschäft Bahnhofstr. 44 Bahnhofstr. 44 Feder-Deckbelten Mk. 13.50, 15.50, 18.50 und besser Feder-Kissen Mk. 4.75, 5.50, 6.25 und besser = Mitglied der Rabatt-Spar-Bereinigung = EdgarBorrmann Giessen Neustadt 11 Eisenwaren, Haus-u. 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