Ik|i Nr. 4. Eichen, 4. Sonntag n. Epiph. den 30. Januar 1916. 5. Jahrgang. Der gute Hirte. Evangelium des Zahannes 10, 14. Ich bin der gute Hirte; ich kenne die Meinen und bin bekannt den Meinen. von allen Gestalten, in welchen die Person des Heilandes die christliche Einbildungskraft beschäftigt, reicht doch keine an Bedeutung an die heran, in welcher er uns in diesen Worten gegenübertritt. Vas hat vielleicht darin seinen Grund, daß in dieser Gestalt, derjenigen des Hirten, die Mühe und Beschwerde, die dem Herrn sein Heilandsberuf verursacht, am klarsten und sinnenfälligsten herausgehoben wird. Der Simmann wirft seinen Samen auf das Land und hat dann weiter mit dem, was er in das Dasein gerufen hat, nichts mehr zu tun. sehnlich ist die Haltung, die der Bräutigam im Gleichnis von den zehn Jungfrauen einnimmt. Näher kommt der Hirtengestalt schon diejenige des barmherzigen Samariters, obwohl auch von diesem festzustellen ist, daß er sich von seinem Werke lost, ehe dieses vollendet ist. Der Hirte aber ist Tag und Nacht, bei wind und Wetter bei seinen Schafen, hat beständig beide Bugen über ihnen offen stehen und breitet beide Hände über sie aus. Tr wandelt mit ihnen im Staube der Landstraße, teilt mit ihnen Frost und Hitze auf freiem Felde, spürt alle Nöte seiner Herde an seinem Leibe. Ts gibt demnach kein Bild, das die Zusammengehörigkeit des Heilands mit seiner Christenheit in innigerer weise zur Darstellung brächte, als dasjenige des guten Hirten. Somit ist es kein Wunder, daß gerade dieses sich mit der größten Schärfe in die Einbildungskraft der Ehristenheit eingeprägt hat. So wandelt Jesus in der Gestalt des guten Hirten durch die Jahrhunderte, ein lebendiges Bild der Hilfe und ein Vorbild. Buch den Nöten des Krieges zeigt er sich auF diese weise als den Lebendigen, viele sagen, der Krieg habe dem Christenglauben, der bereits vorher nur noch eine Scheinwahrheit geworden sei und sich zur Redensart verflüchtigt habe, vollends den Todesstoß gegeben. Man redet von dem endgültigen Bankerott des Thristentums. Nichtet man auf die den Blick, deren Gedankenwelt am unmittelbarsten durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogen worden ist, so stehen denen, die draußen unter den Plagen und Gefahren des Krieges an dem Christenglauben eine wertvolle Stütze gefunden haben, die sie in Not und Tod aufrecht hielt, auch solche gegenüber, die bekunden, daß sie der Krieg an ihrem Glauben erst recht irre gemacht hat. Cs tut not, nicht bloß auf die zerrissenen Leiber das Bugenmerk zu richten, die von draußen herein kommen und deren Zustand oft zum Himmel schreit, sondern auch auf die zerrissenen Seelen. Bn denen hat die christliche Glaubensgemeinschaft eine Bufgabe zu vollbringen, von deren befriedigender Lösung wahrscheinlich ihr eigener zukünftiger Bestand in bedeutendem Maße abhängen wird. Möge sie sich bei der Bewältigung dieser Bufgabe nach allen Seiten des Vorbildes erinnern, das ihr ihr Herr und Meister in der Gestalt des guten Hirten gegeben hat, und ihr in seiner Busübung auch der rechte Erfolg beschieden sein ! K. G. Meine Erlebnisse in der französischen Fremdenlegion. von einem Gießener. (Fortsetzung.) Wie froh war ich, als mir gesagt wurde: du darfst Bsien verlassen, du kommst als Rekonvaleszent nach Bfrika. wie lebte ich da auf, wie faßte ich wieder neuen Mut, es war die erste Freude, die ich seit langer Zeit wieder hatte, wenn ich nach Bfrika kam, so war ich ja noch lange nicht in der Heimat, aber es war doch der erste Schritt, der mich näher zu ihr hinführte. Sch glaube auch Glicht, daß ich es noch lange in Bsien ausgehalten hätte,' denn ich war nur noch ein Schatten. Bls ich Bbschied nahm, hörte ich einen der Kranken sagen: der geht, der ist aber nur noch Futter für die Fische. Ueber diese Bede beunruhigte ich mich nicht, ich drückte jedem von ihnen die Hand und bin im Herzen als guter Kamerad von ihnen geschieden. Namentlich tat mir der Bbschied von einem deutschen Landsmann, einem Mecklenburger, der mir manchmal während meiner Krankheit geholfen hatte, weh. Sch glaube nicht, daß er so glücklich war, seine Heimat wiederzusehen' denn er hatte allen Mut verloren, wie oft habe ich ihm Mut zugesprochen. Bber es half nichts, in der nächsten Stunde saß er wieder, still brütend, — 14 — im Bett. So geht es den meisten, sie sterben nicht an ihrer Krankheit, sondern sie erliegen der Beue, dem Heimweh, dem Leid über ihr verfehltes Leben. Ls war am 11. November 1885, als ich 0}uang=l)en verließ, immer noch schwer leidend. Das Schiff war ein Transportschiff der ,,Transatlantique Compagnie", es führte den Titel ,,France" und war eigens für den Transport von Soldaten hergerichtet. Ich gab mir die größte Mühe, meine Schwäche solange zu verbergen, als wir noch im Hafen waren,- denn, hätte man gemerkt, daß ich noch krank sei, so hätte ma,n mich sofort wieder vom Schiff heruntergebracht. Bber Gott wollte es anders. Ich habe mich, solange das Schiff noch im Hafen war, versteckt gehalten, erst als es den Hafen verlassen hatte, kam ich wieder zum Vorschein, um der letzten Stätte, an der ich in Bsien geweilt hatte, den Scheidegruß zuzuwinken, vor Schwäche bin ich bald zusammengebrochen, Hunger hatte ich mehr denn je, aber ich hielt mich doch leidlich aufrecht, hatte ich auch keinen Bekannten auf dem Schiff, so versuchte ich doch auch hier, mir Essen zu verschaffen. Jeden Mittag stellte ich mich an die Kombüse und wartete, bis sich der Koch sehen ließ - den bat ich, er solle mir doch etwas geben. Zuerst wollte er nicht- denn es ist dem Koch streng verboten, den Kranken etwas zu verabreichen, dann aber ließ er sich erweichen. Ich hatte mir eine Konservenbüchse verschafft, in die er mir Essen einfüllte. Leider dauerte das nicht lange- denn eines Tages erwischte mich der Brzt, und nun mußte ich in das Krankenzimmer. Dort mußte ich Bede und Bntwort stehen, ich gab der Wahrheit die Ehre und erzählte, wie ich mir die größte Mühe gegeben Hache, um aus Bsien fortzukommen. Erst machte der Brzt ein ernstes Gesicht, dann sagte er, ich solle nun keinen Hunger mehr leiden. Bus seine Weisung bekam ich jetzt so viel zu essen, als ich swollte, und siehe da, mein Zustand besserte sich schon nach einigen Tagen, so daß ich auch wieder auf Deck gehen konnte. Brn 20. Bov. kamen wir in den Hafen von Saigon, wo ein- und ausgeladen wurde. Bm 26. Bov. verließen wir Saigon wieder. Bn jedem hafenorte, an dem wir anhielten, hatte ich große Unruhe, man könne in mir einen Kranken sehen, der mit dem nächsten Dampfer wieder zurückbefördert werde, aber Gott war mit mir, und alles ging glücklich vorüber. In den Hafen von Singapore fuhren wir am 1. Dezember ein, hier lagen Hunderte von Schiffen aller Gattung und Größe aus aller Herren Ländern, wir nahmen hier Kohlen, Früchte und Güter ein und fuhren nach drei Tagen wieder ab. Durch die Meerenge von Malaga und durch die Meerenge von Sumatra fuhren wir am 5. Dezember. Bn der Insel Ceylon vorüber ging unsere Fahrt, dann ging es weiter durch das Bote Meer. Suez wurde am 18. Dezember erreicht, Port Said am 20. und am 28. Dezember waren wir wieder in Blgier. Bm nächsten Tage wurden wir nach einer Bbwesenheit von 15 Monaten und, nachdem wir viele Leiden ausgestanden hatten, wieder auf afrikanische Erde gesetzt. Die ersten zwei Tage brachten wir in Blgier in der Zuavenkaserne zu. während der Reife hatte meine Gesundheit zusehends zugenommen. Der Brzt, der mich auf ber Beise so wohlwollend behandelt hatte, sagte mir, als wir an Bden vorüberfuhren: „Mein junger Freund, jetzt sind Sie gerettet, halten Sie sich weiter so, so werden Sie das Glück haben, Ihre Heimat wieber? Zusehen." Ich dankte dem Brzte, baß er mir so freundlich beigestanden hatte. Er war sehr über meine zähe Batur erstaunt. Die Hauptsache war, daß Gott mir geholfen hatte, diese Leiden zu überstehen. Frühmorgens am 51. Dezember fuhren wir von Blgier ab und kamen nach Brzew, einem kleinen Hafen des Mittelländischen Meeres. Bm 11. Januar 1886 mußte ich wieder in das Lazarett,' denn mein Fieber war wiedergekehrt. Bm 50. Januar wurde ich wieder entlassen, mußte aber vom 14. bis zum 25. Bpril abermals in das Lazarett, da sich die Dysenterie wieder gezeigt hatte. Bber es ging mir doch bedeutend besser als in Bfrika, die Luft und die Bewegung waren mir sehr zuträglich. Brzew ist eine kleine, meist von Fischern und Schiffern bewohnte Stadt, ihrer Bationalität nach sind die Bewohner Spanier und Italiener, weniger waren unter ihnen die Eingeborenen vertreten. wir lagen auf einem Berge in der höhe des Gleiberges, in einem Fort oder in einer Bedoute. Es waren nur Fremdenlegionäre- denn die Franzosen kamen sogleich in ihre Heimat. Beun Monate habe ich auf diesem Berge zugebracht,- nicht ein einziges Mal erreichte mich eine Liebesgabe, wie sie jetzt unseren Kriegern in so großer Zahl gespendet werden. Gehört habe ich wohl, es seien eingemachte Früchte und wein angekommen, aber bekommen habe ich nichts von diesen Gaben. Der Brzt hatte mir aber doch dort ein Bezept zur Stärkung meines geschwächten Körpers verschrieben, welches ich sehr geschätzt habe- er hatte mir nämlich für jeden Tag 5 Liter Milch verordnet, die ich mir selbst holen mußte. Es ist dort eine besondere Brt, wie sich die Leute die Milch holen. Hirten oder auch die Besitzer selbst treiben ihre Ziegenherden, etwa 50—50 Stück, vor die Stadt. Die Ziegen tragen Schellen, durch das Geläute werden die Leute, die Milch haben wollen, aufmerksam gemacht, und die Frauen und Kinder kommen mit ihren Töpfen, um die Milch frisch von den Ziegen zu bekommen. Jeden Morgen kam auch ich mit zwei Flaschen unter dem Brm den Berg heruntergeschritten, ein Liter trank ich frisch von der Ziege, die beiden anderen Liter nahm ich mit. Ich war der einzige, der diese Vergünstigung erhielt, daraus kann man sehen, wie krank ich gewesen bin. Trotzdem ging es langsam mit meiner Gesundung vorwärts. Das Essen war genau so wie in der Kaserne, nur bekam jeder eine kleine Zulage, der eine wein, der andere besseres Brot. Eigentlich waren nur drei Monate des Bufenthaltes für uns in Brzew vorgesehen, für mich aber wurden es neun Monate. Es war die beste Zeit, die ich in der Fremdenlegion zubrachte. In unserer freien Zeit gingen wir an das Meer, fingen Bale und andere Fische, oder schauten den Fischern bei ihrer Brbeit zu. Dort werden sehr viele Sardinen gefangen, die von der Bevölkerung auf allerlei Brt verpackt und versandt werden. Buch wurde in Brzew sehr viel Salz verschifft. In diese Zeit fiel das französische Bationalfest, das Fest der Bepublik am, 14. Juli, damit ist immer eine militärische Feier ersten Banges verbunden, wir mußten uns alle, soweit es der Gesundheitszustand erlaubte, auf einen freien Platz begeben. Dort waren die Militär- und Zivilbehörden versammelt, und es wurde ein großes Lobgehudel auf die Bepublik und die tapferen französischen Truppen losgelassen, dann mußte ein jeder vortreten unb bekam von dem derzeitigen Kommandanten mit eigener Hand eine Medaille angesteckt. Diese Medaille ist kein Orden oder Ehrenzeichen wie das Eiserne Kreuz oder die hessische Tapferkeitsmedaille, sondern eine Gedenkmünze, die jeder bekommt, der einen Feldzug mitgemacht hat. Sie hat die Größe eines Zweimarkstückes und ist aus echtem Silber hergestellt. Bus der Bvers- feite sieht man einen Frauenkopf als Zymbal 6er französischen Republik, auf der Reversseite stehen die Namen Rnam, Tonkin, Formosa, pescadore, Sonhai usw., die Medaille wird am gelb-grün gestreiften Rande getragen. Es ist das einzige Stück von pekuniärem IDert, das ich aus Frankreich mitgebracht habe, aus dem Sande, dem ich meine Gesundheit und meine Jugend zum Opfer gebracht habe. Rber eins habe ich doch aus der Fremde mitgebracht, das ist die Siebe zum deutschen Roden und zum deutschen heimatlande, und die Erkenntnis, daß unsere Kultur über der der anderen Volker steht. wie es in französischen Offizierskreisen mit der Wertschätzung der Republik aussieht, davon will ich eine kleine Geschichte erzählen. Sn der Hoffnung, daß wir am 14. Juli etwas Resonderes erhalten würden, hatten wir verabredet, unser Zimmer der Feier entsprechend festlich herzurichten. Ein Offizier, den wir darnach fragten, gab uns die Erlaubnis dazu, wir machten uns daran, einen Sorbeerkranz mit den Zeichen der französischen Republik und mit der Inschrift: Siberte, (Egalite, Fraternito (Freiheit, Gleichheit, Rrüder- lichkeit) über unsere Tür zu zeichnen und den Zwischenraum in den Farben der französischen Trikolore: blau, weiß, rot zu halten, wir gaben uns alle Mühe, etwas Ordentliches zustande zu bringen, soweit das mit unseren bescheidenen Mitteln möglich war, und wurden von unserem Offizier auch belobt. Rm andern Tage, dem 14. Juli, wurden alle Räume durch den Rommandanten, die übrigen Offiziere und zwei Rerzte besichtigt. Rls unser Zimmer an die Reihe kam, war alles gut, bis der Rommandant wieder den Raum verlassen wollte. Da fiel sein Rüge auf unsere über der Tür angebrachte Runstleistung. Sofort fragte er, wer das gemacht habe, er bekam zur Rntwort, daß alle Insassen des Zimmers daran gearbeitet hätten. Da gab uns der strenge Herr zwei Stunden Zeit, um alles wieder verschwinden zu lassen mit der Rn- drohung, daß sonst alle Vergünstigungen für den Tag wegfallen würden. Der Rommandant war nämlich ein Monarchist, der von der Republik, der er diente, nichts wissen wollte. Mit Reisig und Fahnentuch haben wir darauf unsere Malerei verdeckt. Der Gegensatz zwischen Monarchisten und Republikanern im französischen Offizierskorps ist unterdessen noch viel größer geworden. wie ich schon erwähnte, mußte ich jeden Morgen den Rerg hinuntersteigen, um mir die mir verordnete Milch zu holen. Rn dem Wege, den ich dabei zurückzulegen hatte, hatte ein arabischer Einsiedler seine Hütte. Im Saufe des Tages kamen viele Rraber zu ihm, ließen sich aus dem Roran vorlesen oder beteten auch mit ihm. Rllmählich wurde ich mit dem sonderbaren Manne bekannt, und eines . Tages faßte ich mir Mut und betrat seine Rehausung, sie war gerade so einfach ausgestattet, wie das Haus eines jeden anderen Rrabers. Ich sah niemand im Innern und schlich mich wieder davon. (Fortsetzung folgt.) war der alte Vetter erzählte. Eine Erzählung aus der Franzosenzeit von Lugen Mayer. (Fortsetzung.) hier machte der ,,Vetter" eine lange Pause. Die Erinnerung übermannte il)n; er dachte an alles, was seine Familie in jenen Tagen an Schmerz und Grimm durchzumachen hatte. Die Pfeife war ihm darüber ausgegangen, was selten geschah. Endlich klopfte er den Rest von Tabak samt der Rsche heraus, stopfte sie aufs neue, setzte sie in Rrand und fuhr dann bedächtig in seiner Erzählung fort. Rber seine Stimme klang dumpfer; es klang daraus eine verhaltene Klage über das, was nun kam. von Hannes hörten wir lange nichts. Raid hieß es, ein neuer Krieg werde ausbrechen. Niemand wußte, gegen welches Volk er gerichtet war,' denn sie waren ja alle von ihm zu Roden geworfen, die Völker und Staaten, von denen die £eute etwas wußten. Nur von England und Rußland sagte man, daß sie dem Eroberer noch widerstand entgegensetzten und sich von ihm keine Refehle vorschreiben ließen. Nicht lange darauf begannen auch die Truppendurchzüge auf der großen Straße, die von Paris nach Mainz führte. Jeden Tag war jemand von uns drunten in der Stadt, um. nach Hannes auszuschauen, wenn er etwa unter den Durchziehenden sein sollte. Und er war darunter. Lines Tages kam ein Rursche eilenden Sauses ins Dorf und bestellte im Ruftrag der ältesten Schwester, die gerade auf der Gasse gestanden hatte, die Eltern und die Gret hinunter in die Stadt. Spät in der Nacht kamen sie zurück, niedergeschlagen und mit verweinten Rügen. Sie waren mit Hannes, der ein schmucker Kürassier geworden war, zusammengetroffen. Rber sie hatten nur kurzen Rbschied von ihm nehmen können, da das Regiment, zu dem er gehörte, nur ein paar Stunden in der Stadt gerastet hatte, um abzukochen, neuen Proviant einzunehmen, um dann weiter nach Norden zu ziehen gegen Rußland, wie man sich jetzt allgemein sagte. Es war ein herzzerreißender Rbschied gewesen. Rls die Trompeten des Regiments zum Sammeln bliesen, hatten sich die Frauen dem Hannes an den hals geworfen und wollten ihn gar nicht mehr loslassen; der Vater aber hatte daneben gestanden und die Hand des Sohnes in der seinen gehalten in stummem Schmerz. Es war, als ob sie geahnt hätten, daß sie einander nicht Wiedersehen würden. Rber das hatte alles nichts geholfen. Der Hannes mußte fort. Die Kommandos ertönten, die Reihen ordneten sich und unter dem lustigen Schmettern der Trompeten zogen die Kürassiere zur Stadt hinaus in die ungewisse Ferne, während drei arme Menschenkinder mit blutendem Herzen ihre müden Füße durch den Wald zum Dorfe herauftrugen. Das Trauern wollte nun kein Ende mehr nehmen. In unserm Hause sah man kein frohes Gesicht mehr und auch wir Rinder unterdrückten jedes heitere Sachen, wenn wir den Eltern in die vergrämten Gesichter sahen oder wenn die Gret mit ihrem Rind zu uns kam, was sie jetzt jeden Tag tat, da die Eltern in ihr und dem verwaisten Enkelkind das letzte Vermächtnis des ihnen entrissenen Sohnes ehrten. INonate gingen dahin, von Zeit zu Zeit kam eine dunkle Nachricht von dem Vormarsch der ,,großen Rrmee" und von den Siegen des Kaisers Über die zurückweichenden Russen, von Hannes kam kein Lebenszeichen; denn er konnte nicht schreiben. Damals empfanden die Leute im Dorf, zum erstenmal vielleicht, den Mangel einer regelmäßigen Schule. So kam der Winter und ging unter harter Kälte und vielem Schnee herum. Mit Rangen und doch wieder auch mit geheimer Hoffnung horchten wir in die Ferne auf jede Kunde, die spärlich genug ihren weg zu uns fand. Eines Tages brachte einer der Dorfleute, der in der Stadt gewesen war, die Nachricht, der Kaiser sei auf der Fahrt von Mainz nach Paris durchgekommen,' er habe sich nicht aufgehalten, sondern nur die Pferde seien gewechselt worden, was war das? was sollte das bedeuten? war der Krieg zu Ende? würden die Soldaten heimkehren, um sich auszuruhen von den Strapazen? würde auch der Hannes unter ihnen sein? Durfte 16 4 er vielleicht jetzt in sein Dorf zurückkehren zu den Zeinen, nachdem er dem Kaiser geholfen hatte, einen Krieg zu führen und Ziege zu erringen? Zo jagten die Fragen mit den Hoffnungen um die wette durch den Kopf und über die Zippen der einfachen Dorfbewohner, die abseits von der Weltstraße ihr bescheidenes Dasein fristeten. Inzwischen wurden neue Aushebungen veranstaltet, und als das Frühjahr kam, zogen neue, unabsehbare Truppenmassen auf der großen Straße nach dem Khein, und jetzt hieß es - aber die Zeute wagten es nur leise sich zuzuraunen , die große Krmee sei in Kußland geschlagen und auf dem Uückzug verhungert und erfroren, der Kaiser brauche neue Zoldaten, um sich gegen alle die Feinde zu wehren, die gegen ihn sich erhoben hätten. Don Hannes aber kam immer noch keine Nachricht. (Fortsetzung folgt.) Worte zum Nachdenken in der Ariegszeit. Laß mich nicht im Kampf ermüden, Gib im Kampf mir deinen Frieden, In der Unruh deine Nuh. Laß mich nicht im Werk ermatten, Unter deiner Gnade Zchatten Dring mein zagend Herz zur Nuh! * * * Die Sonne bist, o Jesu, du, Die alles fröhlich macht; Du scheinst in unsre Zukunft hell, Derscheuchst das Heer der Sorgen schnell Und unsrer Trübsal Nacht. * * * himmlische Liebe, ordne unser Herz! himmlischer Friede, stille unser Herz! himmlische Freude, belebe unser Herz! I. M. Zeiler. kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 30. Januar, 4. nach Epiphanias. Gottesdienst. In der Ztadttirche. vormittags 9V2 Uhr: pfarrassistent Hoffmann. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Nbends 5 Uhr: Pfarrer Mah r. Nbends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Markusgemeinde. Montag, den 31. Januar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde. Dienstag, den 1. Februar, nachmittags 4 Uhr: Frauenmissionsverein. Mittwoch, den 2. Februar, nachmittags 3 Uhr: Versammlung des Frauenvereins der Matthäusgemeinde. In der Johanneskirche. vormittags 9 V 2 Uhr: Pfarrer Nusfeld. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Nusfeld. Nbends 5 Uhr: Pfarrer vechtolsheimer. Nbends V 28 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Zukasgemeinde und der Johannesgemeinde. Mittwoch, den 2 . Februar, abends 8 Uhr: Kriegz- betstunde. Pfarrer N u s f e l d. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen^ Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider Heinrich Noll Mäusburg Nr. 7 Telephon Nr. 292 Spezial-Geschäft für Bureaubedarf - Schreibmaschinen Papierhandlung, Buchbinderei, Gesangbücher. Moderne Kunstarbeiten. Photographische Apparate und Zubehöre |fllufifali?n SilWkinNlumente frnfl llhsllier, Siesten lkudolph's lstachf. jstkurnwkg 8 Lrlkphan 671 Oescliw. Hoibero NachL Modes Gießen, Plockstraße 5 empfehlen sich inallen in ihr Fach schlagenden Arbeiten. Gesang büch np Pi Ul zu billig. Ül Preisen itiato Mäusburg 11 Hos-Möbel-FabriK Th. Brück Gießen, Ecke Schlotzgasse- :: Kanzleiberg-Brandplatz :: Ältestes u. größtes Möbel- Fabriklager Oberhessens begründet 1858 :: Mehrfach ausgezeichnet Vorhänge - Teppiche - Linoleum Spez.: Schlafzimmer-Einrichtungen mit patentamtlich gesch. Matratzen D. G. M. Nr. 420 684/85 Allgemeine Rabatt-Spar-Marken Phoenix-iimie. 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