Nr. 3. Riehen, 3. Sonntag n. Lpiph. den 23. Januar 1916. 5. Jahrgang. Drei Worte für die Zukunft. Psalm 3». 16 und 16. Ich ober, f)tix, hoff« auf dich und spreche: vu bist mein Gott? Meine Seit stehet in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen Drei Worte sind ts gewesen, die mich in mancher stillen und beweglen Stunde des vergangenen Kriegsjahres be- schäftigt haben, die mit mir gegangen sind, wo ich war und wirkte. Dar erste Wort stammt von Moltke: „Kein Landerwerb und keine Millionen können die Trauer der Familien auf. wiegen." 3n wie manches Herz und Haus hat der Weltkrieg, der noch andauert, solche, durch nichts zu ersetzende Trauer ge- bracht! wie stark und tapfer ist sie getragen worden! wie viele Helden, nicht der Tat allein, sondern auch des Leidens, hat diese Zeit gezeugt! Oie stillen Stunden aber, da das Herzeleid, aller Kraft und Energie zum Trotz, sich die Bahn brach, da eine bekümmerte Seele allein war. mit sich und chrcm Schmerz, ihren Gott verklagte und suchte, tapfer und stark sein wollte und es nicht konnte, diese Stunden ent» ziehen sich dem Buge der Welt. ja. auch der allernächsten Angehörigen und Freunde. Einsam und allein ist das Schtverste durchrungen worden, ein geläuterter Mensch ist auK^ihm hervorgegangen — aber das Leid ist geblieben. Und soll bleiben auch in den kommenden Tagen. Still und stark und stolz wollen wir es mit hinübernehmen in neues wirken und Schaffen. Nicht hemmen, fördern soll es uns. Oer erste Lehrmeister soll es uns sein und bleiben; denn es führt zur Erkenntnis und Einkehr. Und wen es trifft, die Familie oder den Einzelnen, der möge sich nicht fragen: Iveshalb, sondern: wozu? Stark getragenes Leid macht sehend, wem das Jahr, in dessen Beginn wir jetzt stehen, ein Jahr des heiles werden soll, der nehme seine Stellung zum Leide, daß es ihn nicht ungerüstet treffe. Keif sein ist alles. Dann werden weder Landerwerb noch Millionen die Trauer der Familien aufwiegen, aber die Läuterung des deutschen Volkes wird fortschreiten. Das zweite Wort steht im engen Zusammenhang mit diesem ersten. Ein Generaloberst unseres Heeres hat es bereits zum Beginne des Krieges gesprochen: „Oeutschland braucht schwer errungenen Sieg." Immer wieder, wenn wir müde, ungeduldig, traurig werden, müssen wir es uns vor die Seele stellen, wer die Geschichte kennt, der weih, daß nur die Völker im grohen Wettstreit der Welt vorwärts gekommen sind, denen Gott auch einmal die strafende Hand auferlegte. Ein leichter Sieg hätte uns gewiß nicht besser gemacht. Er hätte der Gber- flächlichkeit und Ueberkultur, die stark bereits wucherte, neuen Boden geschaffen, hätte das Oeutsche in uns verdrängt und fremdem Element zum Siege verholfen. Oas Jahr 1807 hat manches zu sagen: Es brachte uns Leid und Verlust, aber es packte uns zugleich im tiefsten Kern unseres Wesens, es zog uns nicht herab, sondern aufwärts, es war Gesundung und nicht Krankheit. Venn es führte uns zur Erkenntnis des göttlichen Willens, damit zur Beligion unserer Väter zurück. Und zugleich zu ihrer Anspruchslosigkeit und Einfachheit. Buch diesmal soll unser Vaterland durch eine harte Schule gehen, heilige und heilsame Not soll nicht an uns vorübergehen, wir wollen nicht in die Zukunft hineingehen und „Frieden!" und immer wieder „Frieden!" rufen, wünschen. flehen, wir wollen es wissen und bekennen: „Wir brauchen schwer errungenen Sieg!" Und wollen, ein jeder an seiner Stätte. Mitarbeiten, daß dieser Sieg uns werde! Kant, der Lehrer Deutschlands, hat uns nicht umsonst den kategorischen Imperativ als vor. nchmstes deutsches Gesetz gegeben. Er wird unser Tun und Treiben in der Zukunft adeln. Bdeln den Berus, der gering und einfach erscheint. Oie Erfolge unserer Truppen haben es uns gezeigt, was erreicht werden kann, wenn alles sich einem willen beugt, niemand das Eigene, sondern jeder die Sache des Vaterlandes will und wirkt. Je schwerer er uns gemacht, je hißer er erstritten werden muß, um io sicherer und segensreicher ist uns der Sieg. Oas dritte Wort stammt von hindenburg und lautet: „wer jetzt seinen Gott nicht findet, dem ist nicht zu helfen." Gott hat heinckehr gehalten, das ist die gr)ß: Errungenschaft des vergangenen Jahres. Nicht der Gott, der sich in äußerlichen Gebärden und Taten fassen läßt, der Gott vielmehr, der Geist ist und Wahrheit und Erleben. . 10 Ihn haben wir im Sturm des Krieges gefunden. Wir haben ihn gefunden, und mit ihm den Glauben, der über dies Leben hinausweist, wir haben ihn gefunden und mit ihm die Hoffnung, die des Sieges harrt, so schwer er auch errungen werden muß. Mit diesem Gott und Glauben, mit dieser Hoffnung und Zuversicht wollen wir hinausschreiten in die dunkle Zukunft. wollen in ihm die Kraft zur ernsten Selbstzucht und zur opferwilligen Liebe bis zum Letzten finden. Und wenn Furcht und Uberglauben dem Dunklen und Ungewissen gegenüber nicht schweigen wollen, dann wollen wir es machen wie jener fromme Fürst des Sachsenlandes, der, als seine Sterndeuter abergläubisch seine ganze Zukunft ihm prophezeiten, an den Uand ihres umfangreichen Schriftstückes die Worte des ZI. Psalms schrieb: „Ich aber, Herr, hoffe aus dich und spreche: ,,Du bist mein Gott. Meine Zeit steht in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen!" Dem Xaiser. Zum 27. Januar 1916. wo Du auch weilst in Gst und West, Im Schmuck der Siegesreiser, Die deutsche Treue hält Dich fest Und dankbar von Dir nimmer läßt, G vielgeliebter Kaiser! Gott sei Dir Psalm und heil und Macht Zur neuen Jahresstunde, Daß uns nach langer Leidensnacht Die Friedenssonne wieder lacht Und alle Welt gesunde! Allerlei von unserem Kaiser. Einst schrieb ein Jäger seinen Eltern eine Karte. Da nahte der Kaiser. Schnell wollte der Schütze die Karte wegstecken, doch der Kaiser hatte es bemerkt, nahm sie, schrieb einen Gruß darauf und die schönen Worte: ,,Uuhig ab- kommen und auf Gott vertrauen! Wilhelm I. R." Die unverlierbare Erinnerung an die glorreiche winterschlacht in Masuren wird noch leuchtender durch das Bewußtsein der Tatsache, daß der oberste Kriegsherr selbst in diesen Uuhmestagen an der Front war! Es war nach einer furchtbar blutigen Schlacht an der Westfront. Kurz nach dem Ende des Bingens kommt der Kaiser auf den Kampfplatz, der alle Entsetzen des Krieges offenbart. Ueberwältigt und aufs tiefste erschüttert von den furchtbaren Bildern kniet der Kaiser mitten auf dem Schlachtfeld nieder und betet. Dann erhebt er sich mit nassen Bugen und spricht zu seiner Umgebung: ,,Ich habe es nicht gewollt!" (9, herrliches Kaiserwort, das dauern wird in alle Ewigkeit hinaus, an dem alle elenden Verleumdungen der Feinde zerschellen, das einen tiefen Blick tun läßt in die Leiden, die dieses edle Herz um diesen Krieg trägt! Um dieses Wortes willen schlägt dir deines Volkes Liebe noch einmal so heiß entgegen ! heil Kaiser dir! Der Kaiser sucht seine Soldaten auch in den Schützengräben auf. Eines Tages besuchte er seine Garde,' er war in prächtigster Stimmung und erzählte den begeistert lauschenden Kriegern viel. U. a. folgendes: Er hatte einen Besuch an der Front im Brgonnenwald gemacht. Dort war er in einen Unterstand geführt worden, wo ihm von einem Br- tillerieoffizier an einem richtigen Büffet ein Glas wein an- geboten wurde. Bls er aus der „komfortablen" Erdhöhle herauskroch, sah er sich zu seinem nicht geringen Erstaunen einer ganzen Kompagnie Franzosen gegenüber. Da trat ein alter Landsturmunteroffizier vor und sagte: „Majestät, das sind man bloß Gefangene, die ich hergebracht habe, damit sie Ihnen auch mal sehen können!" — Der Kaiser kommt an einen Schützengraben heran. „Guten Tag, Kameraden!" „Guten Tag Majestät!" „Ua, Jungens glaubt ihr auch, daß ich den Krieg frevlerisch angefangen habe? wollt ihr denn auch durchhalten mit mir bis zuletzt?" „Jawohl, Majestät!" Dann nahm der Kaiser sein Neues Testament mit Psalmen heraus, las den 52. Psalm und betete mit den Truppen. Diesen Bugenblick werden die Beteiligten nie vergessen. — Ein Krieger, der kürzlich leichtverwundet heimgekehrt ist, erzählte, wie er den Kaiser bei einem Gang über das Schlachtfeld beobachten konnte. Der Kaiser gewahrte einen sterbenden Soldaten, da kniete er auf dem Felde neben dem sterbenden Soldaten nieder und betete mit ihm. Zeiertagsheiligung bei unseren Gegnern. wer jemals vor dem Kriege Frankreich und Belgien bereist hat, der hat beobachtet, daß man dort die Heilighaltung der Sonn- und Feiertage, wie sie in Deutschland eingebürgert ist, nicht kennt. In der eleganten Weltstadt Paris sind die Läden geöffnet, auf den Straßen sieht man ein Publikum, das nicht weniger als elegant ist. während in Deutschland jedermann am Sonntage in reinlicher, wenn auch schlichter Kleidung erscheint, treiben sich in Paris auf den Straßen Leute herum, die in Deutschland sofort die Bchtsamkeit der Polizei auf sich lenken würden, vor einigen Jahren sah ich an einem Sonntagvormittag im Bugust auf einer der belebtesten und längsten Straßen in Paris, dem Boulevard Sebastopol, zerlumpte Gestalten aus den Bänken in den Bnlagen liegen, und niemand war da, der ihnen auf die Bchsel getippt und sie zum Weggehen aufgefordert hätte. Genau so ist es in Belgien. Dort wird Sonntags auf den freien Plätzen der Städte Markt gehalten, in die Städte strömt ein Publikum, das nichts weniger als Sonntagsstille und Sonntagsheiligung mit sich bringt. Merkwürdigerweise haben dort die Vereine die Gepflogenheit, sich in allerhand militärischen Uniformen, in Uniformen von übertriebenem, lächerlichem Glanze zu kleiden. In den belgischen Seebädern sieht man an jedem Sonntage in geschlossenem Zuge Leute über die Straßen marschieren, die Sporen und Schleppsäbel tragen und auf ihre bunten Uniformen, ihre roten Bchsel- stücke und die weißen Haarbüsche auf ihren Kopfbedeckungen sehr stolz sind. Der Deutsche meint, Soldaten vor sich zu haben, der Einheimische aber belehrt ihn, daß das eine „Societo" sei. Fast immer bringen diese Vereine ihre eigenen Kapellen mit, namentlich tun das die Feuerwehren, die „Sappeurs und Pompiers", wie sie sich auf ihren Bannern nennen. Diese Musiker nennen sich „Fanfarons", Fanfarenbläser' mit ihren Blasinstrumenten machen sie einen furchtbaren Lärm, wild hauen sie auf die Trommeln ein, daß der Fremde entsetzt flieht, während die Musikanten selbst wegen ihrer Leistungen von nicht geringem Selbstgefühl erfüllt sind. So ist es im Kriege bei unseren Gegnern geblieben. (Ein Glied unserer Gemeinde sendet mir aus valenciennes eine Nummer der „£iller Kriegszeitung", in der Kanonier weiglin einen Artikel „Das Volk ohne Weihnachten" veröffentlicht. wir lesen darin: „wir haben auch in diesem Jahre das hohe Fest in heimatlicher weise begangen. Jeder hat das Veste, was er sein eigen nennt: Frau und Kinder, Eltern und Braut, den ganzen Umkreis seines bürgerlichen Lebens, schmerzlich vermißt. Uber die frohe Botschaft der heiligen Uacht ist jedem erschollen. Zeichen der Liebe haben jeden erreicht. Gute Kameradschaft hat jeden erquickt, und wo es irgend angängig war, da leuchteten wenigstens ein paar Kerzen auf und durchstrahlten das dürftigste Obdach. Die Franzosen haben kein Weihnachten. Es ist selbstverständlich, daß ihnen die heilige Geschichte aus dem zweiten Kapitel des Lukasevangeliums in den Kirchen mit höchster Feierlichkeit verlesen und gedeutet wird. Uber trotz der Krippen und Ehristbäumchen in ihren Schaufenstern, trotz ihrer bunten Karten mit dem Weihnachtswnnsch „joyeux Noöl" ist der Geburtstag des Herrn kein Fest des Volkes und der Kinder geworden. Niemals ist uns die Stabt Lille mit ihren Bewohnern so fremd gewesen wie am ersten weihnachtstag. hier ist keine Spur von Feiertagsstimmung. Das mißtönende Konzert der Straße wickelt sich wie an jedem Ulltag ab. Die Laden sind offen. Die Leute tragen Ulltags- kleider. wir haben das langst gewußt, aber wie arm die Franzosen sind, ist uns erst hier klar geworden. Erst hier haben wir erkannt, daß es sich nicht um eine abweichende Sitte, sondern um eine Kluft zwischen Weltanschauungen handelt." Uehnliches berichtet ein Mann aus unserer Gemeinde, ber als Lokomotivführer in Belgien steht, aus diesem Lande. Uuf die Zusendung unseres Gemeindeblattes hat er folgende Untwort gegeben: „Sonntagsgruß! wie ein Heimatsgruß ließ er mich Gefühle der Freude und des Dankes empfinden. schnell bestieg ich meine Maschine (hatte Bereitschaftsdienst) und las mit sehnendem verlangen: Udvents- hoffnung, heiliger Übend 1915 und Neujahr 1916, diese Betrachtungen, denen Worte der heiligen Schrift zugrunde gelegt waren, Worte des Trostes, der Gnade und der Hoffnung. Ich las mit Interesse Erlebnisse, Erinnerungen und Erzählungen. Darnach betrachtete ich mit Freude und dankbarem Herzen nochmals den Kopf des Sonntagsgrußes, sah unser liebes Gotteshaus, und denke nach, höre im Geiste die weihnachtsklänge, höre die Silvesterglocken in ihrem vollen Klange, als rufe jede einzelne: Komm doch, komm doch! hier bei der Bevölkerung wie auch in Frankreich hat man im ersten halben Jahr überhaupt nicht gemerkt, daß es Sonntag war. Oder auch doch, denn mir wie auch meinen Kollegen machte es den Eindruck, baß an Sonntagen, be- sonbers in Frankreich, bie Felbarbeit viel reger betrieben wurde als am Wochentag, hier sah ich im vorigen Sommer einen Mann täglich vor seinem Hause sitzen und rauchen. Am Sonntagmorgen kam ich uorbei, da zerkleinerte er Holz, als ich abends wieder vorüberkam, war er immer noch damit beschäftigt, obwohl das Holz schon tagelang dort lag. Am Neujahrstag fuhr mein Ouartierwirt mit einem Karren Dung hinaus in das Feld. Rn Weihnachten war auch nicht eine Spur von dem Feste wahrzunehmen. O, du mein liebes deutsches Vaterland, niemals darfst du zugrunde gehen!" was der alte Vetter erzählte. Eine Erzählung aus der Franzosenzeit von Eugen Mayer. (Fortsetzung.) Ein solches vertrauen genoß unser Herr Pfarrer aber bei allen Leuten der Gemeinde, mit der er die schweren Kriegsjahre der Franzosenzeit hindurch alle Trübsale wacker geteilt hatte. Auch seine predigten hörten die Leute gern. Er predigte ganz anders als heute gepredigt wird. Er belehrte uns über das, was nützlich ist für das tägliche Leben, und das war ganz gut so,' benn die meisten Leute hatten damals keine ordentliche Schule besucht und steckten voller Aberglauben. Da wäre es ganz vergeblich gewesen, wenn er von hohen Dingen zu den Leuten geredet hätte,- das wäre ihnen über die Köpfe hinweggegangen. So aber machte er ihnen klar, wie man eine ordentliche Haushaltung führt, wie man sparsam sein soll und kann, wie man die Kecker und das Vieh behandeln muß, wenn sie einen Nutzen abwerfen sollen. Auch über die Nohheit der Leute und ihre Laster wußte er recht verständlich und deutlich zu reden; denn er hatte einen guten Auswurf und die Leute wußten immer, was er mit seinen Worten sagen wollte. Dabei kam aber Gott nicht zu kurz - es wurde uns gezeigt, wie der liebe Gott alles recht vernünftig eingerichtet hat und daß wir nur unsere Vernunft anzuwenden brauchten, um das einzusehen und zu begreifen, daß Gott ordentliche Menschen haben will und nur die selig werden läßt, die ein ordentliches, frommes Leben Es war eine wahre Freude, dem „alten Vetter" so zuzuhören, wenn er so ganz aus seinem Herzen heraus seine Meinung sagte. Da war nichts von der süßlichen Frömmelei zu merken, mit der man sonst die Leute in „gläubige" und „ungläubige" einzuteilen sucht, je nachdem sie ein frommes Gesicht und fromme Nedensarten machen oder nicht. Das war noch ein Mann vom alten Schrot und Korn, der das Herz auf dem rechten Fleck hatte und nicht anders redete, als er dachte, der auch die Leute nach ihren Taten und nicht nach ihren Worten oder Gebärden beurteilte. So waren nun also der Hannes und die Gret Mann und Frau, erzählte der „Vetter" nach dieser Abschweifung weiter. Sie wohnten vorerst bei den Eltern der Gret, die ein eigenes Häuschen am Wald hatten. Später wann ruhigere Zeiten gekommen wären, wollten sie an die Errichtung eines eigenen Herdes denken, vorerst war man allerseits zufrieden, weil ja nun nach dem bestehenden Brauch Hannes vor der Einziehung zum Militär bewahrt blieb. So sahen sie alle der kommenden Aushebungsmusterung entgegen. Den Winter über lebten sie wie der Vogel im Hanfsamen und machten sich keine „Schagrillen". Im Frühjahr kam die Musterung. Leichten Herzens, im Gefühl seiner Unantastbarkeit, stieg Hannes zur Stadt hinunter. Auf der Mairie mitten in der Stadt fand die Musterung statt. Als der Hannes austrat, ging ein Murmeln der Bewunderung durch die Kommission,- denn er war ein prächtig gebauter, starker Mensch, der Hannes. „Das gäb’ einen Kürassier!" sagte ein Offizier, der am Tisch saß. Der Hannes sah ihm lachend ins Gesicht, so daß der ihn barsch nach dem Grund seiner Fröhlichkeit fragte. Hannes erklärte offen, daß es bei ihm mit dem Kürassierwerden nichts sei, da er verheiratet und Vater eines Kindes sei. Da schauten die Mitglieder der Kommission einander bedeutungsvoll an und der kaiserliche Präfekt meinte trocken: „Das wird dich wenig nützen, mein Sohn,- denn wir wissen längst, daß ihr euch damit dem Militärdienst entziehen wollt, und wir sind es X >< \ - — 12 — müde, über diese Schliche noch länger ruhig hinwegzusehen, besonders da der Kaiser jetzt mehr Soldaten braucht." Damit nickte er dem Offizier, der vorhin die Gestalt des Hannes bewundert hatte, zu und dieser sagte zu dem Schreiber, der die Liste führte: ,,Tauglich für die Kürassiere! Kommt sofort nach Metz zur Ausbildung!" Hannes war wie aus den Wolken gefallen. Rber es wurde ihm keine Wahl gelassen. Sein Widerspruch wurde gar nicht beachtet, da bereits der nächste Mann an der Reihe war. Die diensttuenden Gendarmen schoben ihn zur Tür hinaus. Dort nahm ihn sofort die militärische Wache in Empfang, und ehe er sich versah, befand er sich in einem Schub junger Leute, die sein Schicksal teilten und am gleichen Tage noch gen Westen auf der großen Kaiserstraße geschafft wurden, um in ihre bestimmten Garnisonen gebracht zu werden. Wir im Walddorf erfuhren erst am Rbend von dem Schicksal des Hannes. Da gab es viel Geschrei und großes Weinen. Rber weder das, noch alle Bemühungen des Vaters, auch nicht die Verwendung des Herrn Pfarrers, konnten den Hannes wieder zurückbringen. (Fortsetzung folgt.) Worte zum Nachdenken in der Nriegszeit. Ruf die Wasserwogen Folgt ein Regenbogen, Und die Lonne blinkt. $o muß auf das Weinen Lauter Freude scheinen, Die das Herz erquickt. Laß es sein, wenn Rngst und Pein Mit dir schlafen, mit dir wachen — Gott wird's doch wohl machen. * * * Immanuel, du Licht der Welt, Mein Trost und heil, du starker Held. Wer dir gehört, wer dir vertraut, Der hat auf Felsengrund gebaut. Wenns nicht geschieht, das wir wollen, so wird doch geschehen, was besser ist. Dr. ITT. Luther. ttirchliche Anzeigen. Sonntag, den 2 3. Januar, 3. nach Epiphanias. Gottesdienst. In -er Stadttirche. vormittags 9Vs Uhr: Professor D. 5 chian. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Rbends 5 Uhr: Missionar 5 t a h l aus Kamerun. Rbends 8 Uhr: Versammlung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde. Dienstag, den 24. Januar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. Mittwoch, den 25. Januar, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Mahr. Donnerstag, den 27. Januar, vormittags 10 Uhr: Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers. Gottesdienst der vereinigten Militär- und Zivilgemeinde. Pfarrer Schwabe. Freitag, den 28. Januar, abends 8 Uhr: Versammlung des Zrauenvereins der Markusgemeinde. In der Johanneskirche. vormittags 91/2 Uhr: pfarrassistent Hoffmann. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer R e ch t 0 l s h e i m e r. Rbends 5 Uhr: Pfarrer Rusfeld. Rbends V28 Uhr: Versammlung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde. Rbends 8 Uhr im Johannessaal: Versammlung und Ribel- besprechung. 3ur Beachtung! Die Fortsetzung der Erinnerungen eines ehemaligen Fremdenlegionärs erscheint in der nächsten Nummer. E Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider Musikslien MiWlistmmentk Lrnst illisllier, Ließen töuöolptj'a jflachf. jflkurnmkg 9 Ilkikphon 671 Rssre in Kleider* stoffen sowie Weißwaren Woll waren Knrzwaren Strickwolle etc. empfiehlt bill. K. 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