Nr. 1. Nieszen. 1. Sonntag n. Epiph. den 9. Januar 1916. 5. Jahrgang. Mission und Passion. Kposletgeschichie II. 19 und 20. Die aber zerstreuet waren in der Trübsal, so sich über Slephanu; erhob, gingen umher bi; gen PHSnizien und Tnpern und ttnliochren und redeten da; Wort zu niemand denn allein zu den Juden T; waren aber etliche unter ihnen. Männer von Typern und Ki)rene. die kamen gen Antiochien und redeten auch zu den Griechen und predigten da; Evangelium vom Herrn )esu; Oas Landesmissionsfest. bas wir am kommenden Sonn* lag feiern. friwdU diesmal in uns schmerzliche (befühle wir konnten seither an diesem Lage immer von dem Wachs- tum des Reiches Gottes berichten und von Heiden erzählen, die zu Jesus gekommen u>aren. Das Wort Gottes lief Über den ganzen Erdball und erreichte unter allen Zonen Men- Ichen. die oon ihm bislang noch nicht berührt waren. Nun ist durch den grossen Weltkrieg, den wir führen müssen, zum erstenmal in einem Missionsjahrhundert. die Missions- arbeit in einer weise gehemmt, ja zerstört worden, daß alle ihre freunde sich von einem schweren Schlage gelroffen wissen. Oie heidenmission hängt für uns im Hessenlande innig mil der vasler Mission zusammen. Zür sie hauplsäch- lich geben wir unsere Beiträge, ihr bienen die Missionare, die bei uns ihre Heimat haben, ihre Missionsprediger beleben bei unseren Missionsfesten das Interesse für diese Keichsgottesarbeit. Im Sommer Ml3 gedachten wir das hundertjährige vejtehen dieser Missionsanstalt zu feiern, der Krieg, der die lauten, lärmenden Zeste eingedämmt hat. lasst auch die stillen, ernsten Zelte nicht aufkommen. die im wesentlichen nur das zum siel haben, daß sie Gottes bewahrende und segnende Macht preisen. Oer l^rieg hal in empfindlicher weise die Mission getroffen. Schwer getroffen ist die vasler Mission besonders in Kamerun, wo unser Landsmann Heinrich Walther aus veuern einige Jahre gearbeitet hat. Oie Station vonebela, ux> er wohnte, iit gründlich ausgeplündert worden, nachdem die Engländer die Missionare und ihre Zamilicn ergriffen und verschleppt haben. Kuch anderwärts in Kamerun ist das geschehen, die Engländer haben sich sogar nicht gescheut, die Missionare zeitweise von Schwarzen bewachen zu lassen, wie es dort mit den christlichen Gemeinden aussieht, ist ganz in Ounkel gehüllt. In Indien hat man die deutschen Missionare gefangen genommen und ausgewiesen. Wohl geht die Mission in China weiter, aber die dortigen Missionare stehen dadurch, daß der Zeind die Verbindungswege in der Hand hat, mit der Heimat nicht mehr im Zusammenhang. Schwer ist auch die Rheinische Mission in Veutsch-Südostafrika getroffen, während es in Togo besser aussieht. Km unheilvollsten mag es auf die Heidenwelt einwirken, wenn sie erfährt, daß die christlichen Völker sich gegenseitig bis zur Vernichtung bekämpfen. Somit feiern wir das diesjährige Landesmissionsfest unter dem Zeichen des Kreuzes, wer aber die Geschichte des Reiches Gottes kennt, der rveiß, daß Mission und Passion nicht nur ähnlich klingende Worte, sondern auch innerlich zusammengehörige begriffe sind. Kus unserer Schulzeit wissen wir, daß es den ältesten Missionaren wahrlich nicht leicht gemacht wurde, ihr Werk zu treiben. Man denke an Paulus und seinen dornenvollen Lebensweg! Oennoch Hai Gott die Arbeit der Heidenbekehrung von Knfang an gesegnet, ja gerade das Xreuz, unter dem sie stand, ist ihr forderlich gewesen. E§ war gewiß ein schwerer Schlag für die älteste Christenheit, als Stephanus unter den Steinwürfen fanatischer Menschen starb, aber gerade dieses Ereignis sollte nach dem willen Gottes der Ausbreitung des Evangeliums dienen. Oie Männer, die. um einem gleichen Schicksal zu entgehen, sich von Jerusalem weggewandt hatten, gingen nach phonizien. Enpern, Antiochien, Xvrene, kurzum „in alle Welt" und predigten das Evangelium von dem Herrn Jesus. So hoffen und glauben wir, daß auch die gegenwärtige Prüfung nur dazu mithelfen wird, daß das Evangelium von Jesus zu olchen kommt, die es seither noch nicht angenommen haben, und daß nach dem Kriege. dessen End? wir alle ersehnen, das Iverk der Mission, das durch und durch ein Zriedenswerk ist, in eine neue, glänzende Epock? seiner Geschichte eintritt h. v. Oie erste Morgenstunde. wenn wir es uns recht überlegen, io müssen wir uns jagen, daß wir im tägliiben Leben viel Zeit verlieren, viele Minuten und Stunden entweder unousgefvllt ganz vorübergehen lassen oder sie mit allerlei unnützen Oingen hinbringen. Oingen. die weder unser äußeres noch unser inneres Leben zu fördern geeignet sind. Nun sind es wohl nur wenige, die ihr Leben von Jugend auf in Harmonie mit dem Göttlichen zu bringen sich bestreben, in der Ueberzeugung, daß wir doch nur Gäste hinieden sind, und daß unser ganzes Leben und Zein erst in der Ewigkeit in seinem wahren Lichte geschaut rverden wird. Da werden die vielen unausgenühten Stunden unseres Lebens uns Ankläger sein. Es handelt sich dabei nicht nur um unterlassene Arbeit, sondern viel viel mehr darum, daß wir der pflege unserer Seelen so wenig Zeit zugewendet haben. wie selten finden wir Zeit, für nur eine Viertelstunde innerer Einkehr, stiller Sammlung! Wohl haben wir Zeit in erster Linie für unsere häuslichen und Berufsarbeiten, die gewiß nicht unterschätzt werden sollen und die mit ihren mannigfachen Anforderungen, besonders in der heutigen Zeit, viel von unserer Zeit und Kraft beanspruchen, wir haben ferner Zeit zu besuchen, zum Lesen der Zeitung, zu Landarbeiten und Unterhaltungen mannigfacher Urt, aber haben wir auch Zeit, an Gott zu denken, an den inneren Verkehr mit ihm zum heil unserer Seele? Wohl gibt es Gotteskinder wem wären sie nicht schon begegnet? — in deren Nähe wir fühlen, daß ein Segens- strom von ihnen ausgeht, obwohl sie nichts davon reden, was ihre Seelen ausfüllt und bewegt. Man fragt sich, was das Geheimnis ihrer Kraft ist, auch den schwersten Anforderungen ruhig, fast selbstverständlich nachzukommen, nie Eile, dafür aber immer Zeit zu haben für sich und andere? Zst es nicht das, daß sie das band, welches sie mit ihrem himmlischen Vater verbindet, nie los lassen, daß sie vielmehr es stetig und treu in ihren Herzen verwahren, daß sie stets darum ringen, es nicht zu verlieren? wir wissen doch uxchl oder sollten es wissen, daß alle Kraft, die in den vielerlei Kreuz- und Leidenswegen dieses Lebens uns trägt, nur aus unserer Verbindung mit demhimm- lischen Vater kommt' sie ist nicht die Folge unserer Tüchtigkeit, unserer Gesundheit oder unserer guten Verven, nein, dies alles kann uns im Stiche lassen, uns genommen werden) was uns aber nie genommen werden kann, wenn wir daran festhalten, das ist die Liebe Gottes, unseres himmlischen Vaters. Zch wurde kürzlich durch das soeben erschienene Lebensbild der vor wenig Jahren Heimgegangenen verwitweten Gräfin Marie waldersee an diese edle Frau erinnert, der ich nur flüchtig im Leben begegnet bin, die aber damals einen tiefen Eindruck in mir hinterließ. Um immer inniger mit ihrem Gott verbunden zu werden, faßte sie in jungen Jahren schon den Entschluß, die ersten Morgenstunden eines jeden Tages Gott zu weihen, ein versprechen, das sie treu gehalten hat. was für eine Ausdauer und Hingabe dies bei einer Frau in ihren Lebensverhältnissen erfordern mußte, kann man sich kaum vorstellen, ver große Frieden aber, der von ihr ausging, und die Hilfe, die sie Unzähligen gab und sie auf den weg zum Frieden leitete, rvar der widerstrahl ihrer völligen GoNesgemeinschaft. Ich glaube, wir alle würden einen großen Segen für jeden einzelnen Tag, ja, für unser ganzes Leben verspüren, wenn wir darum ringen wollten, nicht nur die erste Morgenstunde oder einen Teil davon ausschließlich dem Verkehr mit unserm himmlischen Vater zu opfern, sondern wenn wir auch ernstlich versuchten, dieses band, welches uns mit der Ewigkeit verbindet, festzuhalten, es nie zu verlieren. wir müssen dazu in die Stille gehen, selbst im Getriebe des Lebens uns immer wieder innerlich sammeln) denn nur in der Stille finden wir Gott. Es fällt uns schwer und scheint uns oft unmöglich zu sein, zu einer inneren Sammlung zu kommen, nachdem wir den Tag begonnen haben und das Leben mit seinen lauten Unsorderungen uns umgibt. Lasset uns darum in der Morgenfrühe Kraft und Sammlung suchen, und wir werden finden, daß wir dann weniger hastig, ungeduldig und zerstreut sein werden, daß unsere Kraft nicht so schnell verbraucht sein wird, weil wir für alles und alle mehr Zeit, Geduld und Verständnis haben werden als zuvor. welch großer Segen könnte dann von einem jeden von uns ausgehen, wenn unser Denken, Sinnen und Flehen der Ewigkeit zugewendet wäre, dem Vater, der uns liebt und der uns alle den weg zur Heimat führen möchte! baronin R. Meine Erlebnisse in der französischen Fremdenlegion. von einem Gießener. (Fortsetzung.) wie ich schon mitgeteilt habe, so kam ich am 24. Uugust in das Lazarett in Hanoi. Rls ich die Kompagnie verließ, waren von den 290 Mann, die mit mir in Ufrika eingeschifft worden waren, nur noch 55 da, die übrigen waren Mpfer des französischen Kolonialkrieges geworden, die meisten waren infolge von Krankheit gestorben. Zn Hanoi kam ich in eine große baracke zu liegen, in der schon 20 Mann von allen Waffengattungen Unterkunft gefunden hatten. Zch wäre verhungert, wenn nicht ein Lazarett- gehilfe mir Lebensmittel besorgt hätte, und zwar tat er das, weil ich ihm die briefe, die er aus seiner Heimat bekam, vor- las und auch ihm seine briefe an seine Ungehörigen schrieb. Da es nun mit meiner Kenntnis der französischen Sprache sehr mangelhaft bestellt war, muß es den Ungehörigen in Frankreich doch sehr schwer gefallen sein, aus meinen briefen herauszukommen, aber auf alle briefe kam doch Untwort und zwar richtige Untwort. Die behandlung seitens der Uerzte war gut, auch waren Krankenschwestern da, und fast jeden zweiten Tag kam ein französischer katholischer Pfarrer und besuchte die Kranken. Zch bat ihn, er möchte mir doch etwas Deutsches zu lesen geben, er versprach es auch, aber er brachte mir doch nichts, im Gegenteil, nachdem er erfahren hatte, daß ich evangelisch sei. mied er mein bett. Meine Krankheit Gurde immer schlimmer, das Fieber immer höher, selbstverständlich nahmen unter diesen Umständen auch meine Kräfte gewaltig ab. so daß ich schließlich nur noch ein mit haut überzogenes Knochengerüste war. Die heimtückische Dysenterie nahm mir alle Kräfte, so daß mein Ubleben stündlich erwartet werden konnte. Zch bat den Urzt, er möge mir doch kräftiges Essen verordnen, meine Natur könne das schon vertragen. Er zuckte die Uchseln und gab mir nichts. Ulle Kranken, d. h. die. die wie ich an der Dysenterie litten, bekamen dasselbe Essen, es war aber nur wenig, die meisten starben infolge Kräfteverlust. Es gab auch wein, aber diesen konnte ich nicht vertragen, während eine harte Brotkruste mir gar keine Beschwerden machte. Da ich nichts rechtes zu essen bekam, die Schwestern mir immer nur wein und Urznei anboten, so war ich sehr erbost und nahm von den Schwestern überhaupt nichts mehr an. Zn dieser Zeit war die Tholeraepidemie auf das höchste gestiegen, ganze wagen voll Leichen wurden fortgeschafft, - z — auch ich kam als choleraverdächtig in eine alleinstehende Varacke. Kn dem Tage, als das vor sich ging, bekam mein veschützer. der Lazarettgehilse. aus seiner Heimat einen vries. ' darum suchte er mich in der varacke aus. das; ich ihm leinen vries vorlesen solle. Der vries mar von seiner Schwester geschrieben, sie teilte ihm mit. daß sie sich am l. September mit einem Hausmann verlobt habe, außerdem schrieb sie ihm, was sich sonst noch in dem Dorschen begeben hatte. Kls ich den vries vorgelescn hatte, sagte mir mein Z re und. er wolle bei mir der Cholera Vorbeugen. Gegen Lebend kam er wieder, brachte eine kleine Zlasche. schenkte mir von deren Inhalt ein großer Glas, das ungesahr *» Liter enthielt, ein und nötigte mich, davon zu trinken. Ich nahm es zu mir. es schmeckte wie alter wermuth. ob es solcher war. kann ich jedoch nicht sagen. Aber welche Wirkung übte dieses Getränk aus mich aus. das ist säst nicht zu beschreiben. Ich siel in einen starrkrampsahnlichen Zustand, die Schustern und die Laza- rcttgehilsen bekamen mit mir schlvere Arbeit. Später erzählte mir die Schwester, daß sie mich stündlich von einem in das andere Veit gehoben halten und daß die Kerzte die Kopse ge> schüttelt hätten, da ihnen so etwas noch nicht vorgekommen sei. Ich aber wußte von allem nichts, erst am vierten Tage lvachte ich aus und verlangte Wasser, ich bekam aber keins. Zwei Merzte und eine Krankenschwester waren bei mir. ich horte den einen Krzt sagen: i! eat aauv6 (er ist gerettet), vald bekam ich auch etwas zu essen und zu trinken, wurde auch gefragt, ob ich etwas Schädliches zu mir genommen habe, ich schwieg aber wohlweislich, um mir und meinem Zreunde keine Strafen zuzuziehen. Ich bekam nun sehr gutes und kräftiges Essen in kleinen, aber oft sich wieder- holenden Mahlzeiten, überhaupt konnte ich in dieser Zeit nicht mehr über die vehandlung klagen. Noch fünf Tage lag ich in der varacke. aber welche Menge Toter gab es da. viele waren kaum als krank eingeliefcrt worden, da wurden sie auch schon als tot hinausgeschafft. Ts rvar.ein Jammer, aber auch diele schwere Zeit ging vorüber. In dieser Zeit bekam ich einen vries von meinen Eltern, er hatte eine Krise von 14 Monaten gemacht und war mir von Afrika aus überallhin nachgewandert. Zreude und Trauer ergriffen mich, als ich ihn las. hilflos und schwerkrank lag ich im fremden Lande, und wieder wie so oft regte sich die Neue. Kber der Wunsch, die Heimat und die Meinen wiederzusehen, erfüllte mich auch mit starker Willenskraft, und ich hielt mick in dielen trüben Tagen aufrecht. Km neunten Tage kam ich in eine andere Varacke. Vas Lieber nahm nun eUvas ab. früher hatte ich zwischen 40 und 41 Grad gehabt, jetzt sank meine Temperatur auf 39 Grad. Ob das die Wirkung des oben geschilderten Nadikalmittels war oder die Wirkung der besseren Verpflegung, weiß ich nicht, jedenfalls war ich froh, daß es mir nun besser ging. Leider habe ich meinen Zreund. den Lazarettgehilfen. nur noch einmal gesehen: denn ich kam von Hanoi weg Ich kam nämlich zu einem anderen Krzt in Vehandlung. der den Vorschlag machte, ich solle, um Luftveränderung zu haben, an die Küste gebracht werden. In dieser Zeit wurde ich ^ auch zur Dekorierung vorgeschlagen, ich sollte einen französischen Orden bekommen, doch ist ein solcher mir nicht verliehen worden, weil ich ein Deutscher war. wäre ich wenigstens ein Elsässer gewesen, so hätte man mir die Dekoration verliehen. Doch habe ich mir keinen Kummer gemacht, weil diese ausblieb.' denn mein ganzes Sehnen stand nack Deutsch' land. < Fortsetzung folgt.) tDü$ Ser alte Vetter erzählte. Eine Erzählung aus der Zranzosenzeit von E u g e n M a y e r. (Fortsetzung.) wir fühlten uns. so erzählte der ..Vetter", unter der Zranzosenherrschaft bald ganz wohl, viele wollten es gar nicht mehr unssen. daß es einmal anders gewesen war. Za. wir wurden ordentlich stolz daraus, der ..großen Kation anzugehoren. als der Kaiser Napoleon seine siegreichen Schlachten schlug und eines Tages ein Sohn des Dorfes, der als Soldat mitgezogen war, heimkehrte als Korporal und mit dem Kreuz der Ehrenlegion geschmückt, und erzählte vom Soldatcnkaiser. wie der seine Leute kenne und für sie sorge. Da wachte in manchen vurschen die Lust am Soldatenleben auf und er wollte es kaum abwarten. bis auch an ihn die Neihe kam. daß er in die siegreiche Krmee eintreten sollte. Doch dar kam bald anders und die Zreudc am Sol- datenleben kühlte sich rasch ab. als die unaufhörlichen Kriege des Kaisers immer neue Kushebungen oeranlaßten. Kuch an unser Haus klopfte die Kriegssorge der Zeit. Mein vruder Hannes war ein großer stattlicher vursche geworden und in das Alter getreten, da er zur Ziehung kommen sollte. Er war außer mir der einzige Sohn der zahlreichen Za- inilic und ging dem Vater in der Ivaldarbeit kräftig zur Hand, während ich noch ein Knabe war. der kaum in die Schule gehen konnte, wenn überhaupt in diesen unruhigen Zeiten von einer Schule für unser abgelegenes walddorf ganz vorübergehend einmal die Nede war. Der Vater wollte und konnte den Hannes nicht gut entbehren. Dazu kam noch die Kngst. er könnte in einer der vielen Schlachten fallen. Damals wurden viele Pfälzer nach Spanien geschickt, um gegen die Engländer zu kämpfen oder die wilden Spanier niederzuwersen. welche sich dar französische Joch nicht ge« fallen lassen wollten. Man erzählte sich schreckliche Ge- schichten von den Kämpfen drunten im Süden, wie die Spa. nicr mit den gefangenen oder verwundeten Zeinden umgingen. Meine Mutter weinte manche stille Träne, wenn sie sich für ihren Keltesten ein solches Schicksal vorstellte. In solcher vedrängnis schien meinen Eltern eine Tat» sache zur Hilfe zu kommen, von der sie vorher nichts hatten wissen wollen. Hannes hatte nämlich seit einiger Zeit ein ..Gehänge" mit einem Mädchen im Dorfe. Die Eltern sahen es nicht gern: denn der Hannes war noch jung und sie konnten ihn noch nicht in ihrem Haushalt entbehren. Kuch war die Gret nicht ganz nach ihrem Geschmack: sie war in ihren Kugen etwas leicht. ..ein bißchen schlampig", wie sie er nannten, wenn sie auch sonst ein sauberes Frauenzimmer war: endlich war sie älter als der Hannes und die Lieb- schaft mit diesem war nicht die erste, die sie hinter sich hatte. Schon zu manchem ernsten Auftritt war cs zwilchen Vater und Sohn gekommen und wenn die Mutter nicht manchmal bittend und obwehrend dazwischen getreten wäre, hätte es vielleicht schon etwas gegeben, was beiden nachher nicht lieb gewesen wäre, besonders als man sagte, daß die Gret sich Mutter fühle, und Hannes die Vaterschaft des zu erwartenden Kindes nicht gerade ableugnete, wenn er sich auch noch scheu um die Sache herumdrückte. Nun aber kam ihnen die vorher so verhaßte Liebschaft mit allen ihren sonlt so unangenehm empfundenen Folgen wie gerufen, um das noch Unangenehmere abzuwenden. Nur vor einer Schranke machte nämlich die Menschenschlächterei des großen Napoleon halt: vor der Ehe. Die verheirateten Männer waren bisher nicht zum Militär eingezogen worden: 4 — daher halten in den Ztädten schon manche kluge Eltern, die ihre Zähne, besonders wenn sie deren nur einen hatten, nicht auf einem der vielen Zchlachtfeder wollten hinmorden lassen, zu dem Mittel früher Verheiratung gegriffen. Fast noch Kinder wurden die jungen Leute nach dem Gesetz mit noch jüngeren oder gleichaltrigen Mädchen ehelich verbunden. Dann zogen die Jünglinge in die Fremde, um dort noch für ihr Geschäft Erfahrungen und Kenntnisse zu erwerben. Vach etlichen Jahren kehrten sie als gereiftere Männer zurück und die einst geschlossene Ehe trat jetzt erst in Kraft. So gedachten es auch meine Eltern mit Hannes einzurichten. Sic machten auf einmal gute Miene zum bösen Spiel und gaben dem Sohn zu verstehen, daß sie gegen die Gret nichts mehr einwenden wollten, wenn er sie nur heiraten würde. Hannes wollte anfangs seinen Ohren nicht recht trauen, als er die Eltern so reden Härte. Doch war ers schnell zufrieden und die Papiere wurden in Ordnung gebracht. Das erforderte aber immerhin einige Zeit und inzwischen kam die Zache so, daß man Kindtaufe vor der Hochzeit machen mutzte. Das war nun freilich den Eltern, die etwas auf sich und ihre Familienehre hielten, gar nicht recht. Wohl war mit der französischen Freiheit auch die alte Kirchenzucht dahingeschwunden: ein gefallenes Mädchen brauchte nicht mehr auf der Zünderbank in der Kirche zu sitzen und auch der junge Mann, der sich verfehlt hatte, wurde nicht mehr öffentlich darum angesehen. Das Gesetzbuch Napoleons rvar so weitherzig, daß nicht einmal der Kindesvater zur Unterhaltung des Kindes herangezogen werden konnte; die Mutter des Kindes hatte allein für ihren Fehltritt einzustehen, indem ihr die Fürsorge für das Kind aufgebürdet wurde. Uber die Eltern des Hannes waren nun einmal so. Zie fühlten sich durch den Fehltritt ihres Zahnes in ihrem Ztolz beleidigt.' denn sie wußten, wie das in einem so kleinen Dorf zugehl, datz da noch Kinder und Kindeskinder von jeder Kleinigkeit sich erzählen. die sich vor so und so vielen Jahrzehnten zugetragen hat. Wo die Leute so eng beieinander rvohnen und sich gegenseitig in den Kochhafen sehen können, wissen sie ganz genau, wie viele Ellen Därme einer im Leibe hat. und behalten dieses Matz im Gedächtnis, solange sie leben und sagens auch noch ihren Kindern, damit es nur ja nicht in Vergessenheit gerät. Deshalb gab es bei unsern Eltern wegen der verkehrten Ueihenfolgc der Familienereignisse bei dem Hannes und der Gret anfangs wieder ein bißchen Maulen und Schelten. Uber schließlich mußten aller beleidigter Ztolz und alle gekränkte Familienehre zurücktreteu hinter den wichtigen Zweck, dem die geplante Heirat dienen sollte. So drückten denn die Eltern alle beide Uugen zu und waren sogar bereit, die Kindtaufe bei der Gret mitzufeiern, da es zugleich auch das hochzeitsfest der beiden jungen Leute sein sollte. ^Fortsetzung folgt.) Worte zum Nachdenken in der Nriegrzeit. Ganz und gar wie Pilger sollen wir uns betrachten, rastlos unseres Weges wandern, die Uugen immer auf den leitenden Ztern gerichtet. Ludw. Uichter. Ein betendes Herz lebt von den Ouellen der ewigen Freude und des ewigen Lichts, so daß auch in der dürren Zeit des Leides die von innen emporquellende Freude nicht mangelt. kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 9. Januar, 1. nach Epiphanias. Landesmissionsfest. Kollekte für die Heidenmission. Gottesdienst. In der Ztadttirche. vormittags 9Vs Uhr : Pfarrer Mahr, vormittags I I Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Ubends 5 Uhr: Pfarrer 5 ch w a b e. Dienstag, den I I. Januar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Markusgemeinde. Mittwoch, den 12. Januar, abends 8 Uhr: Kriegs- bctstunde. Pfarrer Schwabe. In der Johannertirche. vormittags 9 1 /* Uhr: Pfarrer vechtolsheimer. vormittags I I Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer vechtolsheimer. Ubends 5 Uhr: Pfarrer Uusfeld. Ubends 1 .'8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde. Abends 8 Uhr im Johannessaal: Versammlung und Bibel« besprechung. £ Ankündi gütigen emp fehlenswertc ir Firmen } Carl £oo< Kirchenplatz 13 Telephon 71 Manufaktur- unb Weißwaren Herren- u. Knabenkleidr ) EdqarBorrmann,Giessen Neustadt 11 Eisenwaren, Haus- u. Küchengeräte Teleph. 165 empfiehlt billigst Oefen, Herde, kupferne u. gußeiserne Waschkessel, Haus- u. Küchengeräte.SolingerStahl waren, landwirtschaftl.Maschinen u.Geräte, Vogelkäfige u. Züchterutensilien, Fischereigeräte etc. etc. Waffen u. Munition. Glühlichtstrumpfe, elektrische Birnen, Fahnenhalter, Karbidlampen. Hos-Möbel-FabriK Th. Brück Gießen, Ecke Schloßgasse- :: Kanzleiberg-Brandplah:: Ältestes u. größtes Möbel- Fabriklager Oberhessens «Segründr, 1868 :: Mehrfach au»geze»chne1 Vorhänge - Teppiche - Linoleum Spez.: Schlafzimmer-Linrichtungen mit patentamtlich gesch Matratzen D. G M. Nr. 420 684 85 Allgemeine Nabatt. Spar. 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