Nr. 49. Gießen, Sonntag 3. Advent, 12. Dezember 1915. 4. Jahrgang kreuz und Weltkrieg. 1. Brief an die Korinther 1, 18. Vas Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden, uns aber, die wir jelig werden, ist es eine Gotteskraft. Darf man in der Kdventszeit vom Kreuze Lhristi reden? Klingt nicht etwas wie Hoffnungslosigkeit für ein schmerzgebeugtes Herz durch, als wäre das Ende aller Kdvents- freude doch nur das bittere Kreuz? So mag der Kleinmut sprechen, aber in wessen Seele Gott und der, den er, uns zu erlösen, sandte, Kaum gefunden hat, der empfindet anders. In ihm kann über allem Kreuz und Herzeleid der Erde dennoch der milde Schimmer einer bleibenden Kdventshoffnung nicht auslöschen,- ja, ihm strahlt vom Kreuz von Golgatha recht eigentlich das Licht eines Trostes und einer Zuversicht, das im Leben und im Sterben seinen wunderbaren Schimmer nie verlieren kann. Freilich, wir glauben, man kann das alles, was in dem Morte „Gekreuziget" sich einst vor den Toren Jerusalems abspielte, erst ganz verstehen, wenn die sieben Worte des Heilands am Kreuz die eigene Seele im schmerzlichsten Erleben selbst durchzittert haben: Jenes Kbschiednehmen, der letzte Gruß eines Sterbenden an Eltern und Geschwister, jenes körperliche, zu Durstqualen gesteigerte Leiden, jene, wenn auch vorübergehende Seelenangst der Gottverlassenheil. Kber auch jene Milde, welche alles Herzeleid, das Menschen über uns bringen können, jetzt im Kriege vielleicht auch die todbringende Kugel eines Feindes, im Lichte der Gewißheit eines Paradieses, eines Keiches seliger Geister, verzeiht, wo kein Geschrei und keine Sünde mehr ist, um dann, eingebettet in den Frieden Gottes, das irdische Tagewerk, und wäre es noch kürzer als die kurze Lebensspanne Jesu, im Bewußtsein treu erfüllter Pflicht zu beschließen: Es ist vollbracht! . . . Das ist das Kreuz Jesu, in dem sich das Kreuz jedes voll durchgeprüften Menschenherzens widerspiegelt. Es gibt Leute, von denen man sagt: Ls geht ihnen alles leicht auf der Erde. Ls gelingt ihnen alles,' sie mögen anfassen, was sie wollen. Sie werden vor unendlich viel Schwerem ihr Lebenlang bewahrt, das andere niederzudrücken droht! Und doch, wir beneiden sie nicht. Wie wir Eltern nicht beneiden können, die kinderlos durchs Leben gingen, so Menschen nicht, die das Leid der Erde nicht reich ausgekostet haben. Denn es gehört nun einmal zum Sinn des Seins. Bei diesen Schmerzträgern ist Gott in ganz besonderer weise am Werke,- wir glauben, er hat sie besonders lieb. Er konnte niemanden lieber haben, als den Heiland, und er hat niemanden weniger geschont, als diesen seinen eigentlichen Sohn in des Wortes größter und heiligster Bedeutung. Da liegt ein Geheimnis, aber eines gottseliger Krt. Dadurch, daß Gott im Heiland, wie wir ihn bisher schon kennen lernten, selbst das Kreuz des Leidens bis zum bitteren Tode auf sich genommen hat, ist aller Schmerz veredelt, ja vergöttlicht. Dieses Kreuz kann nun kein Zufall, kein blindes Schicksal, wie es die Ulten sich dachten, mehr sein. In ihm muß ein wunderbarer, höchster Zweck sich darstellen und auswirken. Und wir meinen, er läßt sich hier schon ahnen, für reife Geister sogar schon vorerleben. Tr liegt in der begreiflichen Tatsache, daß man alle Dinge erst am Maß des Gegensatzes erfassen und erkennen kann. Wer Freude empfinden will, muß Leid kennen lernen. Venn wie sollte sonst die Wonne der Freude überhaupt von uns erlebt werden können? Und so gilt es von Frieden und Krieg, von Leben und Tod, von Ewigkeit und Zeit, von Gott und Welt! Kber das himmelaufjauchzende wird immer bleiben, daß das „Herz Gottes" selbst nicht verschmähte, dieses geheimnisvolle Kuf und ab der Gegensätze durchzukosten. Vas lehrt uns das Kreuz Jesu: nun wissen wir, Gott trägt mit uns allen Jammer, auch den des Weltkriegs! Kuch der ist ein Kreuz von Golgatha, dem ein Ostern folgen muß, wenn wir nur selbst nicht bis dahin den milden Kdventsschein der Hoffnung, weit, weit über alles Herzeleid und Grab hinaus, in unserer Seele auslöschen. Der Hoffnung, die da weiß, daß die Liebe nimmer stirbt, erst recht nicht die Liebe Gottes! Ein wort an die Zrauen unserer Nrieger. Es gibt Menschen, die stets die Neigung bekunden, hartes und Bitteres, das sie oder andere erleben, durch unsinniges Klagen aufzubauschen und als viel schlimmer hinzustellen, als es in Wirklichkeit ist. Leider ist das die Krt mancher Frauen. Wer hätte noch nicht das widerwärtige Schauspiel erlebt, daß Frauen bei Beerdigungen, sobald der Geistliche zu reden anfängt, ihrem angeblichen Schmerze in wilden Schreien Luft machen und so die ganze Handlung, 194 — die doch feierlich sein soll, stören. Merkwürdigerweise bewahren sie vorher und nachher ihre Seelenruhe, sie sind ganz gelassen, sogar heiter und vergnügt, im Augenblicke, da sie den Friedhof oder die Friedhofskapelle betreten, beginnt ihr häßliches Lamento. Es wird nirgendswo so viel Komödie gespielt als auf den Friedhöfen. Es gibt auch Frauen, die Kranken gegenüber, die doch auch in seelischer Beziehung geschont werden müssen, in laute Klagerufe ausbrechen, um dem Kranken damit den letzten Best seines Mutes zu nehmen. So wird jetzt auch darüber geklagt, daß es Frauen gibt, die ihren im Felde stehenden Ehemännern das Herz schwer machen, indem sie in ihren Briefen übertriebene und keineswegs zutreffende Schilderungen von der Lage entwerfen, in der wir uns in der Heimat befinden. Da wird ein Klagelied gesungen über die Teuerung, über das Fehlen wichtiger Gebrauchsgegenstände, über die schlimme Lage, in der die armen Frauen sich in der Heimat befinden. Selbstverständlich erregen diese Schilderungen in den Männern große Besorgnis. Und nun kommt das Merkwürdige: wenn sie aus dem Felde in Urlaub nach Hause kommen, so finden sie, daß zu Klagen gar kein Unlaß vorliegt. Es ist doch so, daß wir in keiner Beziehung Mangel haben. Wenn uns das Brot zugemessen wird, so ist doch immer zu bedenken, daß jeder mit der ihm zugebilligten Menge gut auskommen kann, und wenn nun zwei fleischlose Tage vorgeschrieben sind, so ist das eine Entbehrung, die sich viele Familien schon vor dem Kriege auferlegten und die sie gar nicht als eine Entbehrung ansahen. Ls zeugt nicht von Tharakterstärke und Selbstzucht, wenn sich jemand in der geschilderten Urt gehen läßt. Darum, ihr deutschen Frauen, tut auch darin euere Schuldigkeit, daß ihr eueren Männern nicht durch Klagen das Herz schwer macht. Und wenn in der Familie einmal etwas Unangenehmes vorkommt, so ist es wahrlich nicht nötig, daß man dem Manne, wenn er nach Hause kommt, wie man hierzulande sagt, „den Kopf voll macht." Meine Erlebnisse in der französischen Fremdenlegion. von einem Gießener. (Fortsetzung.) Den traurigen Vorgang des Erschießens dieser drei armen Landsleute will ich genau beschreiben, weil ich denke, daß das für manchen jungen Menschen, der in Zukunft Lust haben könnte, zur Fremdenlegion zu gehen, sehr abschreckend wirken wird. Meine Kompagnie wurde als sogenannte „Ehrenkompagnie" kommandiert. Un dem für die Exekution bestimmten Tage wurden die drei Leute von einem Offizier, drei Unteroffizieren und einem Geistlichen vor- gesührt, es war dies der erste Geistliche, den ich in der ganzen Zeit, da ich der Fremdenlegion angehörte, seither gesehen hatte, lvoher er kam, weiß ich nicht, jedenfalls von einem Kriegsschiffe. Dann kamen drei Abteilungen von je einem Unteroffizier und 12 Ma m, die die Exekation ausführen sollten. Zum Schluß kam geschlossen die „Ehrenkompagnie". Der Platz, wo das Traurige vor sich gehen sollte, befand sich nicht weit hinter unserem Lager, an der einen Seite waren drei pfähle eingerammt und dahinter war ein Loch von ungefähr einem Meter Tiefe gegraben. Bei unserer Unkunft wurden die drei verurteilten an die pfähle gebunden, einer ließ sich nicht binden, dann marschierte die ganze Kompagnie an den drei Uermsten vorüber und stellte sich dann in zwei Gliedern hufeisenförmig auf, so daß die Hintere Seite frei blieb bis zur höhe, wo die drei Exekutionsabteilungen standen; hinter diesen stand der Dffizier, der das Kommando zum Feuern abgeben sollte, in seiner Nähe der Geistliche., Nachdem die Ausstellung vollendet war, wurde das Urteil nochmals verlesen. Dann sprach der Major einige Worte, der Geistliche trat zu den verurteilten, betete mit jedem ein kurzes Gebet und fragte, wie es mir schien, nach ihren letzten wünschen. Der Mainzer schien solche nicht zu haben,' laut rief er: „Es lebe mein Vaterland Deutschland !" Nun ging der Geistliche zurück, die Kompagnie mußte präsentieren, der kommandierende Offizier rief: „Legt an, Feuer!" Die Salve krachte, langsam sanken die drei an ihren pfählen nieder. Die drei Unteroffiziere kamen mit ihren Uevolvern und gaben ihnen den Gnadenschuß. Das Kommando „Das Gewehr über!" ertönte, nochmals marschierte die Kompagnie an den drei Toten vorüber. Uach diesem traurigen Akt waren wir alle tief niedergeschlagen. wir dachten alle darüber nach, wie unbedacht wir gehandelt hatten, als wir uns dem fremden Volke zum Dienste verpflichtet hatten, manche Träne ist an diesem Tage von den deutschen Legionären geweint worden. Mir hatte dieses Ereignis für viele Tage die Glieder gelähmt, ich war zu nichts zu gebrauchen. Indessen hatten wir nicht lange Zeit, um über das grausige Erlebnis nachzudenken' denn am 4. März ging es wieder gegen den Feind. Sn der Zeit vom 4. bis &. März wurde ein Höhenzug von uns genommen^ der dicht hinter Kelung (nicht helung, wie es in der letzten Uummer irrtümlicherweise hieß) lag. Bei diesen Kämpfen ging uns am 6. März die Munition aus, wir waren beinahe umzingelt und hatten nicht mehr eine einzige Patrone. In der Verzweiflung stürmten wir an einer Ecke mit gefälltem Bajonett gegen die Thinesen vor und kamen auch bis in die Gräben des Feindes, wo haufenweise Patronen für Mausergewehre herumlagen, wir versuchten, diese Patronen zu benutzen, und der versuch gelang, nur konnten wir die Hülsen mit dem Auswerfer nicht aus dem Laufe herausbekommen und mußten jede Hülse einzeln mit dem Ladestock Herausstoßen, aber wir konnten doch wieder schießen. Um Übend wurde uns neue Munition zugeführt, und wir konnten uns, wenn auch unter schweren Verlusten, halten. So ging es unter immerwährenden Kämpfen fort bis zum 8. März, wo wir die letzten Höchen stürmten. Um 12 . März wurden wir von der Marineinfanterie abgelöst. Unsere Stellungen wurden nun durch Schiffsgeschütze befestigt, und wir gingen fast jeden Tag in das Vorgelände vor bis heran an die Stellungen des Feindes, um diesen zu belästigen und um das Erforderliche auszukundschaften, was immer mit großer Gefahr und mit großen Opfern verbunden war. Um 25 . März hatten wir angefangen, eine vorgeschobene Feldbefestigung zu bauen. Die größeren Kämpfe hatten jetzt ein Ende. Unsere Mannschaft war sehr zusammengeschmolzen, so daß wir zum erstenmal Ersatz in der Stärke von 400 Mann erhielten. Die meisten unserer Leute lagen am Wechselfieber darnieder. Um l0. Juni kamen wir wieder nach Kelung zurück, wo abermals zwei Deutsche erschossen wurden. Ich war hierbei nicht zugegen, kann deshalb auch nicht sagen, ob es dabei wieder so zugegangen ist wie bei dem Fall, den ich geschildert habe. Dort wurde ein Brandenburger wegen angeblicher Gehorsamsverweigerung an die Krapotine gelegt, wovon ich 195 — schon früher berichtet habe, Hände und Füße werden dabei auf den Kücken gebunden. Unser Landsmann hatte aber Glück, er sollte diese grausame Strafe 30 Tage lang erdulden, da kam am 15. Juni der lvaffenstillstand mit Thina, und die Strafe wurde ihm erlassen. Lei den Thinesen herrschte nach Lekanntwerden des Waffenstillstandes ein buntes Treiben. Um Übend des 15. Juni waren alle vor uns liegenden höhen hell erleuchtet durch buntes Feuerwerk, wie ich es schöner nie gesehen habe, Raketen in großer Zahl stiegen auf, die Illumination dauerte die ganze Nacht hindurch. Um nächsten Tage kamen schon in der Frühe chinesische Soldaten in kleinen Trupps und einzeln, jeder eine weiße Fahne in der Hand tragend, in unsere Stellungen. Sie brachten verschiedene Sachen mit, die sie jedenfalls zum Tausch oder verkauf bestimmt hatten, lvir durften aber weder etwas Kausen noch etwas annehmen. Ueber eins habe ich mich doch sehr erstaunt, nämlich die Thinesen machten die Gewehrgriffe genau wie die Deutschen, einige unter ihnen kannten auch die deutschen Kommandos. Wir erfuhren, daß gerade die Batterien, die uns die vielen Gstergrüße herübergesandt hatten, von früheren deutschen Unteroffizieren befohlen und gerichtet worden waren. So konnten wir sehen, daß schon damals der deutsche Militarismus, über den jetzt unsere Feinde so wütend schimpfen, nach dem fernen Gsten gekommen war. Leider haben hier Deutsche gegen ihre eigenen Landsleute gekämpft. Lei den Verhandlungen über den lvaffenstillstand war von Thina verlangt worden, daß sofort die beiden Inseln Formosa und pescadore von den französischen Truppen geräumt und auch mit militärischen Thren übergeben werden sollten. Um 19. Juni wurden wir zur Uebergabe am Hafen aufgestellt, alle Truppen, die an den Kämpfen teilgenommen hatten, waren in vier Gliedern ausgestellt. Uber welch eine kleine Zahl waren wir,' die gefangenen Thinesen, die jetzt frei umhergehen durften, wunderten sich, daß sie einen so schwachen Gegner gegenüber gehabt hatten. hier hatte ich nun ein Erlebnis,,das vom rein menschlichen Standpunkte aus sehr interessant und rührend ist. lvie ich schon erwähnt habe, so hatten wir bei unseren Kämpfen ungefähr 300 Gefangene gemacht, es waren aber keine regulären Soldaten, sondern Zivilgefangene, welche wahrscheinlich bei einem Schiffsverlust gekapert worden waren. Ts waren lauter sehr große und kräftige Leute, welche zu schwerem Urbeitsdienste verwendet wurden. Unter anderem mußten sie die Munition zu den Kanonen die Berge hinaustragen, auch die Geschütze selbst den Berg hinaufschafsen. Die Granaten waren in Kisten verpackt, welche je vier Mann mit Bambusstangen, zwei vorn, zwei hinten gehend, auf der Schulter trugen. Wenn man bedenkt, daß für einen solchen Transport keine Wege da waren und daß es steile Berge hinauf ging, so erkennt man, daß das eine sehr anstrengende Krbeit war. Damit nun diese Leute nicht fortlaufen sollten, war jedem Thinesen ein Mann zur Bewachung beigegeben, der sein Gewehr geladen und sein Seitengewehr aufgepflanzt hatte. Zur völligen Sicherheit mußte er außerdem den Thinesen an dem unteren Ende seines Zopfes fassen, kutschte der Ehinese nun aus, so war es ganz natürlich, daß der begleitende Mann am Zopfe zog und dadurch dem armen Lastträger Schmerzen bereitete. Mir war das alles widerwärtig, daher ließ ich den Zopf meines Thinesen los und ging ruhig neben ihm her. Ts dauerte nicht lange, so kam ein Unteroffizier und machte mir deshalb die größten Vorwürfe, es hätte nicht viel gefehlt, so wäre ich bestraft worden,' denn, wie ich früher schon berichtet habe, hat in der französischen Krmee jeder Unteroffizier Strafgewalt. Der Gefangene merkte, warum ich getadelt wurde, und was tat der Mann? Tr nahm selbst das Ende seines Zopfes und gab es mir in die Hand, jedenfalls in der Gewißheit, daß ich ihn nicht reißen und zerren werde. Ms wir an unserem Bestimmungsort angelangt waren, wurden die Kisten von der Besatzung, die aus Marineinfanterie bestand, in Empfang genommen, darüber verging etliche Zeit. Mein Schützling gab mir eine kleine, ungefähr V4 Liter fassende Konservenbüchse mit der Litte, ihm doch von dem kegenwasser, das in einer Bütte aufgefangen worden war, rtwas zu schöpfen. Die Leute hatten großen Durst. Ich nahm die Büchse, schöpfte sie voll und gab sie dem Thinesen. Uber was war das? Ich hörte ein Geräusch, darauf einen Schlag. Ich drehte mich um und sah^ daß ein französischer Marineinfanterist dem armen Lastträger den Becher aus der Hand geschlagen und ihm außerdem noch einen Schlag in das Gesicht versetzt hatte. Ueber diese Feigheit und Roheit überkam mich ein solcher Zorn, daß ich herbeieilte und den rohen Soldaten zur Rede stellte. Ich bekam die Kntwort, daß man mit den Thinesen kein Mitleid haben dürfe, besser sei, sie alle aufzuhängen, auch ich werde bei längerem Kufent- halte im Lande noch anderen Sinnes werden. Ich erwiderte, daß dieser Mensch doch wehrlos sei und daß er doch seine Pflicht getan habe. Darauf nahm ich den Lecher wieder, schöpfte ihn abermals voll und gab ihn dem Thinesen, indem ich mich zwischen ihn und den Soldaten stellte. Vieser schimpfte und wetterte, aber alles half ihm nichts. Doch war es Zeit, daß wir die Truppe verließen,' denn schon kamen Unteroffiziere und ich hätte jedenfalls schlecht abgeschnitten. Mein Schützling gab mir zum Zeichen des Dankes die Hand und schien zu befürchten, daß mir aus dieser Sache Unannehmlichkeiten erwüchsen. Längst hatte ich dieses Erlebnis vergessen. Run war der Tag gekommen, an dem wir Formosa verließen. Die Gefangenen waren in Freiheit gesetzt. Mr standen bei unseren Gewehren, als auf einmal einige Thinesen auf mich zukamen. Liner von ihnen nahm mich in die Krme, drückte mir die Hände und erzählte fortwährend den anderen, was ich aber nicht verstehen konnte. Ts war der Mann, dem ich damals das Wasser gereicht hatte. Tr und seine Freunde oder verwandten brachten mir alles mögliche zu essen und zu trinken, auch kleine Rndenken, immer wieder kam mein Schützling von damals, drückte mir die Hände und streichelte mich. Ich er^ zählte meinen Kameraden, was den Knlaß zu dem seltsamen Betragen des fremden Mannes gegeben hatte. Mir war diese Dankbarkeit mehr wert, als wenn mir jemand eine große Summe Geldes gegeben hätte. Kls wir die Insel verließen, stand der Mann noch lange und winkte mir zu, bis ich ihn nicht mehr sehen konnte. (Fortsetzung folgt.) Ernste Inschriften. kn einem schönen Plätzchen in Liebenzell im Schwarzwalde auf luftiger höhe am Waldessaum war für die Kurgäste eine neue Waldhütte errichtet worden. Ts hatte nicht lange gedauert, so waren an den Balken nicht nur eine Menge kamen zu lesen, sondern auch etliche Inschriften, deren Inhalt einem aufmerksamen Leser u>ohl zu denken gab. - 196 — Da stand z. B., offenbar von Frauenhand geschrieben: „Ich grüße dich, Liobas Zelle, wie lacht dein Tal so sonnig Helle, umragt vom schwarzen Tannenwald! Das Glöcklein aus des Tales Grunde, es mahnt so treu zu jeder Stunde: hier unten gibt es keine Buh', drum eil' der obern Heimat zu!" Darunter hatte eine gewandte, etwas derbe Hand geschrieben : „pressiert nicht!" Blso: keine Eile! Nun, daß mancher schneller zum Bufbruch kommt, als ihm lieb ist, daran hatte eine dritte Hand erinnern wollen: „weißt du, wann deine letzte Stunde kommt?" Tin vierter endlich hatte in klaren, kräftigen Zügen das Gespräch mit der Mahnung zu Tnde geführt: „Huf, denn die Nacht wird kommen, auf mit dem jungen Tag ! wirket am frühen Morgen, eh's zu spät sein mag! wirket im Licht der Sonnen, fanget beizeiten an! Buf, denn die Nacht wird kommen, da man nicht mehr kann !" Kleine Mitteilungen. Diejenigen Glieder der Lukasgemeinde, die bei dem Versand des Sonntagsgrußes an die im Felde stehenden Gemeindeglieder von jetzt an durch Bdressenschreiben mithelfen wollen, werden gebeten, zu einer Besprechung nächsten Donnerstag, den 16. Dezember, nachmittags 5Vs Uhr, im Lukassaale sich einfinden zu wollen. Die Brbeitsleistung, die von dem Tinzelnen gefordert wird, ist sehr gering. vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Schwabe. Nachmittags 2 Uhr: Binderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Bbends 5 Uhr: Pfarrer Mahr. Beichte und heil. Bbendmahl für Matthäusgemeinde, wozu besonders auch die konfirmierte Fugend eingeladen wird. Bnmeldung vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten. Bbends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Fugend der MarkuLgemeinde. Montag, den 13. Dezember, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Matthäusgemeinde. In der Fohanneslirche. vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer B u s f e l d. vormittags l l Uhr: Binderkirche für die Fohannesgemeinde. Pfarrer B u s f e l d. Bbends 3 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und heil. Bbendmahl für die Lukasgemeinde, wozu besonders auch die konfirmierte Fugend eingeladen wird. Bnmeldung vorhdr bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten. Bbends Vs8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Fugend der Lukasgemeinde. Bbends 8 Uhr im Fohannesfaal: Versammlung und Bibelbesprechung. Mittwoch, den 15. Dezember, abends 8 Uhr: Briegs- betstunde. Pfarrer Busfeld. * * * Wartburg, evangel. Jünglings- und Männer-Verein. (Diezsirahe 15.) Airchliche Anzeigen. Sonntag, den 12. Dezember, 3. Bdvent. In der Stadtkirche. vormittags 9Vr Uhr: D. S ch i a n. Sonntag, den 12. Dezbr., abends 8 Uhr: Vortrag. Dienstag, den 14. Dezbr., abends 8Vs Uhr: Bibelstunde. Donnerstag, den 16. Dezbr., abends 8Vr Uhr: Leseabend. Samstag, den 18. Dezbr., abends 8Vs Uhr: Beltere Bb- teilung. Gäste stets willkommen. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider kn HL Modes Gießen, Plockstraße 5 empfehlen sich in allen in ihr Fach schlagenden Arbeiten. in Kleiderstoffen sowie H'ciliwaren Wolltvaren Karmaren Strickwolle etc. empfiehlt bill. K. Elle Nord-Anlage 35, Ecke Schottstraße mn Edgar Borrmann,Giessen Neustadt 11 Eisenwaren,Haus-u. Küchengeräte Teleph. 165 empfiehlt billigst Osten, Herde, kupferne u. gußeiserne Waschkessel, Haus- u. 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Neck; Druck und Verlag der Vrühl'schen Universitäts- Nuch- und Lteindruckerei N. Lange, sämtlich zu Gießen.