Nr. 44. Gießen, 23. Sonntag nach Trinitatis, 7. November 1915. 4. Jahrgang Gottesschöpfung und Weltkrieg. Psalm 12p 2. Meine Hilfe Kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Sn einem oielgelesenen Berliner Blatt stand neulich ein Uussatz: „Weltkrieg und Weltenraum". Der Verfasser kommt, nachdem uns versichert ward, daß es sich hier um streng wissenschaftliche Untersuchungen handelt, zu etwa folgenden Ergebnissen: Der bekannte Physiker Rudolf Mewes hat „die Geschichte der Kriegsperioden einerseits und der Geistesperioden andererseits vom dritten Jahrtausend v. Ehr. an bis zur Neuzeit sorgfältig verfolgt und untersucht, ob zwischen den Geistesperioden, in denen die Künste und Wissenschaften blühen, und den Kriegsperioden, in denen sich die Völker zerfleischen, sowie den Schwankungen der Erdbeschassenheit irgendwelche Zusammenhänge vorhanden sind. . . Ruf Grund seiner Berechnungen kommt Mewes zu einer Sonnenfleckenperiode von 111,3 Jahren. 3n diesem Zeitraum von 111,3 Jahren sind nun, wie die von ihm aus das sorgfältigste durchgearbeiteten Geschichtstabellen beweisen, je zwei Kriegsperioden und je zwei Perioden der Wissenschaft und Kunst enthalten. In einer Periode von 55 -56 Jahren wechselt die Weltgeschichte einmal zwischen Krieg und Frieden ab". Schließlich stellt Mewes fest, „daß alle großen Kriegsdaten von weltbewegender Bedeutung ausnahmslos in den Zeiten eines niedrigen Grundwasserstandes stattgefunden haben, daß dagegen die großen Blüteperioden der Literatur, Künste und Wissenschaften in die Maximalperioden des Grundwasserstandes fallen, die zugleich mit den magnetischen Erscheinungen der Atmosphäre und der Erde in Beziehung stehen, deren Zusammenhang mit den Sonnenslecken ja erwiesen ist. Uuf Grund dieser vollkommen wissenschaftlich durchgesührten Untersuchungen ergeben sich die schon erwähnten Epochen von etwa IlO 111 Jahren." welche „Geschichtstabellen" Mewes Vorgelegen haben, wissen wir nicht. Uber allein die deutsche Geschichte von 1815 1915 wirft seine Theorie über den Haufen,- und nun vollends erst, wenn man alle Kriege auf dem Erdenrund in Betracht zieht! Unfaßlich bleibt auch, woher Mewes alle 55 -56 Jahre eine „große Blütezeit der Kunst und Wissenschaft" nehmen will! hier liegt ein Beweis vor, wie selbst gelehrte Männer, die sonst so stolzen Förderer und Hüter der objektiven Wahrheit, verhängnisvoll abirren und ihre wissenschaftliche Uutorität untergraben können, wenn sie die Welt als Schöpfung Gottes aus ihrer Ueberzeugung streichen. Dahin geraten schließlich die gelehrten Vertreter der ödesten mechanistischen Weltanschauung, die alle Vorgänge lediglich auf blind wirkende Uaturkräste zurückführen und unter das Dogma „unantastbarer" Wissenschaft zwingen wollen, daß wir ihnen glauben sollen: „Der Weltkrieg 1914/15 steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der regelmäßigen Wiederkehr der Sonnenfleckenmaxima und dem damit bedingten gegenwärtigen „niederen Grundwasserstand !" Wahrlich, da wirkt wtze eine Erlösung, ja, wie eine Uettung vor blindem Wahn, der in seiner letzten Folgerung schier zur Verzweiflung führen müßte, das herrliche Wort des apostolischen Glaubensbekenntnisses: „Ich glaube an Gott, den allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden!" Dann bleibt auch durch alle Schauer des Weltkrieges für uns yls Erfahrung, Zuversicht und Lebenskraft: „Der Wolken, Luft und winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann!" Meine Erlebnisse in der französischen Zremöenlegion. von einem Gießener. (Fortsetzung.) Uuf dieser Strecke war eine Etappe, auf der es kein Wasser gab. Dieses mußte deshalb in Schläuchen mitgenommen werden. Ls konnte kein Trinkwasser abgegeben werden, wir mußten mit dem mitgenommenen Vorräte sehr sparsam umgehen. Selbst bei einem größeren halte mußten wir von unserem Trinkwasser abgeben, damit Kaffee gekocht werden konnte, wer kein Wasser und kein Holz hatte, bekam auch keinen Kaffee. Unter solchen schwierigen Umständen kamen wir am 17. März 1884 im Mecheria an. Buch hier lag das ganze Bataillon in Zelten, nirgendswo gab es Baracken oder eine Kaserne, obwohl Mecheria schon seit einer Reihe von Jahren eine Militärstation war, allerdings eine sehr weit vorgeschobene Station. Das Kampieren in diesen Zelten war keine Unnehmlichkeit,' denn Tag und Nacht kam man nicht aus den Kleidern. Um Tage herrschte große Hitze, und 174 nachts war die Erde sehr kalt, wir mußten deshalb nachts die Tuchhosen über die vrillichhosen anziehen, um uns vor Krankheiten, namentlich vor Wechselfieber, zu schützen. In den Zelten, die rund waren, lagen gewöhnlich 16 Strohsäcke, einer neben dem andern; jeder Mann hatte seine Zachen rechts vom Kopfende in dem Zwischenraum auf der Erde liegen. Kn ein Bett, wie es die Soldaten in der Garnison haben, war in diesem ganzen Jahre nicht zu denken, wir Rekruten wurden nach einigen Tagen geprüft, ob wir lesen und schreiben konnten. Auf die Frage, ob ich es könne, antwortete ich nein, ich meinte aber, daß ich nicht französisch lesen und schreiben könne. Nach der Probe sollte ich eingesteckt werden wegen Belügens eines Vorgesetzten. Auch die Frage, ob ich Korporalschüler werden wolle, beantwortete ich mit einem Nein. Diese Antwort brachte mir acht Tage Arrest ein, ebenso meinem Freunde B., dem früheren Theologen, von dem ich schon erzählt habe, wir hatten uns unterdessen nämlich darüber geeinigt, daß wir keine Tharge bekleiden wollten. Die Behandlung und Beschimpfung, die wir von unseren Vorgesetzten zumeist Franzosen, Llsässer und Lothringer erfuhren, ist gar nicht zu beschreiben. Gerade wir Deutschen wurden von diesen besonders schlecht behandelt. Unter solcher Behandlung erwachte in uns oft das Nationalgefühl und der Stolz auf unser Vaterland, und mancher Strauß wurde wegen Verhöhnung unseres Vaterlandsgefühls ausgefochten. Uber welche Zurückhaltung muß man sich immerhin auferlegen, wenn man an die Strasgewalt denkt, die dort herrscht. Tiniges will ich hier über die Strasgewalt und die Strafen, die dort herrschen, mitteilen. Tin Korporal kann vier Tage Stubenarrest und zwei Tage Salle de Police (gelinden Arrest) geben. Tin Sergent-Major (Feldwebel) kann mit acht Tagen Stubenarrest, sechs Tagen Salle de Police und vier Tagen prison bestrafen. So steigt es mit jedem Grad. Das Merkwürdige ist, daß gerade die unteren Thargen am meisten Gebrauch von ihrer Strasgewalt machen, oder eigentlich ist das nicht merkwürdig; denn der ungebildete und unreife Mensch ist nicht fähig, über andere Gewalt zu haben. Tin Korporal kann dem Fremdenlegionär das Leben zur Hölle machen. Die Strafen werden in folgender weise verbüßt. Stubenarrest gibt es eigentlich nur am Garnisonorte, wo Kasernen sind. Im Lager besteht der Stubenarrest darin, daß man außerdienstliche Arbeiten verrichtet, Zelte reinigt und ausbessert, Holz holt und was dergleichen Arbeiten mehr sind. So gibt es fortwährend Arbeit, und zum putzen und Instandsetzen der eigenen Sachen bleibt nicht viel Zeit übrig. Salle de Police wird in folgender weise verbüßt. Sobald der Dienst beendigt und das Tssen geholt ist, wird ein Signal gegeben, auf das hin die Bestraften mit dem Nnzug für die Nacht und mit ihrem Fußteppich antreten müssen. Sie marschieren nach dem Straflokal und werden am nächsten Morgen wieder zum Exerzieren geholt, wer prison hat, wird den ganzen Tag eingesperrt oder soll wenigstens eingesperrt werden, meist aber ist es anders, morgens werden die, denen diese Strafe zudiktiert ist, aus dem Straflokale geholt und müssen nun die unangenehmsten Arbeiten verrichten, namentlich alle möglichen Räumlichkeiten reinigen. Dann haben sie zwei Stunden lang Strafexerzieren, wobei sie den feldmarschmäßig gepackten Tornister tragen müssen, bekommen ihr Tssen und werden wieder in das Straflokal zurückgebracht, um nachmittags wieder Strafexerzieren zu haben. Gft liegen 20 bis 30 Mann in einem Raum, da kann man sich denken, wie da die Lust ist und wie verrohend das auf das Gemüt wirkt, da keiner während der Verbüßung der Strafe das Lokal verlassen darf. Das Tssen wird nur in besonders schweren Fällen oder wenn ein Fremdenlegionär sich im Wiederholungsfälle etwas zuschulden kommen läßt, entzogen,' das kann aber nur durch den Hauptmann und die höheren Befehlshaber geschehen. Tin Fall, in dem diese Maßregel eintritt, ist namentlich der, wenn ein Soldat etwas von seinen Effekten oerkaust, was ja bei dem geringen Solde bis zu einem gewissen Grade erklärlich und entschuldbar ist. Die schwerste Strafe ist nach meiner Ansicht die sogenannte „Krapotin", welche in einem zivilisierten Staate nicht angewendet werden dürste. Der Bestrafte wird in ein kleines Zelt oder in sonst einen Raum, wo die Sonnenstrahlen ihn nicht direkt treffen, gelegt, Hände und Füße werden ihm auf dem Rücken gebunden, dann überläßt man ihn seinem Schicksale. Die mit dieser grausamen Strafe Bedachten schreien ganz furchtbar vor Schmerz, mitunter auch vor Wut. Ich habe gesehen, daß einem, dem diese Strafe auferlegt wurde, ein Knebel in den Mund gesteckt wurde. Die Bestraften stehen unter der Gbhut des Unteroffiziers von der wache, der sie nur losbindet, wenn sie essen sollen. Kurz vor meiner Entlassung waren einem Deutschen, der auch diese Strafe verbüßt hatte, die beiden Hände infolge des Bindens abgestorben, sie sahen ganz schwarz aus und sollten amputiert werden, was mit dem unglücklichen Manne dann geschehen ist, habe ich nicht mehr in Erfahrung gebracht, jedenfalls war er unglücklich für sein ganzes Leben, hinzufügen muß ich aber auch, daß es unter diesen Truppen Leute gibt, die man als den Auswurf der Menschheit ansehen muß. von Ehrgefühl ist bei ihnen keine Rede, sie scheuen vor den nichtswürdigsten verbrechen nicht zurück. Die schlimmsten unter ihnen sind die alten Soldaten, die schon eine Dienstzeit von 10 und mehr Jahren hinter sich haben, sie tragen als Abzeichen auf dem rechten Gberarm eine rote, wollene Schnur in der Form eines Ankers, vor diesen Leuten muß man sich hüten, ihnen ist gewöhnlich die Rückkehr in ihr Vaterland abgeschnitten, weil sie irgend etwas auf dem Kerbholz haben. Sie stehlen wie die Raben und suchen sich ihre (Opfer unter den neu Angekommenen. Gewöhnlich arbeiten bei diesen Diebstählen zwei miteinander Hand in Hand, der eine stiehlt, der andere verkauft die gestohlenen Sachen. Der Trlös wird die Gurgel hinuntergejagt, haben sie ihre fünf Dienstjahre hinter sich, so müssen sie sich darüber erklären, ob sie weiter dienen wollen, sie erhalten, wenn sie weiter dienen wollen, die erwähnte Auszeichnung und bekommen jetzt alle fünf Tage anstatt 7 Sous 19 Sous, wenn sie weiter fünf Jahre gedient haben, bekommen sie jedoch nur eine Zulage von 5 Sous. (Fortsetzung folgt.) Erlebnisse eines Mitgliedes des Deutschen Zlottenvereins in Rußland (Fortsetzung.) wir zehrten immer noch von unseren Vorräten aus Moskau, litten jedoch unter der schlechten Behandlung der Begleitmannschaften, die uns nicht einmal Waschwasser, geschweige denn sonst etwas verschafften. Ueber unseren Aufenthalt in der ungefähr 10 000 Einwohner zählenden Stadt Slobodskoy ist nicht viel zu berichten,' es war ein Militärlager und Rekrutenausbildungsplatz, die Handelszentrale der vielen umliegenden Dörfer, deren Bewohner sich hauptsächlich mit der Herstellung von Futterfellen, Leder und mit Schuh- 175 fabrikation befassen. (Es waren da auch ungefähr 1000 Zivil- Kriegsgefangene, meist aus den Ostseeprovinzen, Polen, wenige Ostpreußen, viele frühere Einwohner der Stadt vjelo- stock, Frauen, Binder und Krüppel, sehr viele Mittellose, für die häufig Sammlungen veranstaltet wurden. Klle umliegenden Dörfer lagen voll von solchen Kriegsgefangenen, die wohl auch heute noch in der elendesten weise ihr Dasein fristen, wir unterhielten, solange wir in Slobodskoj waren, eine Frau mit fünf Kindern, die bei uns in der Küche wohnten. Ein Teil der Gefangenen beschäftigte sich auf den verschiedenen Gerbereien, Zündholz-, Glas- und Schuhfabriken der Umgegend, so daß sie wenigstens vor dem verhungern geschützt waren. An Arbeitslohn zahlte man 10 15 Kopeken täglich. Der Winter war streng, und es lag von Mitte Oktober ab viel Schnee. Natürlich schafften wir uns nur das Allernotwendigste an, da wir täglich eine Aenderung unseres Aufenthaltsortes erwarten konnten: unsere Winterkleider hatten uns unsere Frauen durch treue Voten zugestellt, so daß wir nicht froren. Jeder Tag brachte in der „wjatsky Rjetsch" neue Siegesberichte der Russen und ihrer Verbündeten, und fast jede Woche zweimal kamen neue Transporte Zivilkriegsgefangener an, die in der Hauptsache nach den Dörfern abgeschoben wurden. Unter Langen und Dangen und in nervöser Aufregung vergingen die Tage. In der Stadt fanden aufs neue Rekruten- und Pferdeaushebungen statt: es wurde flott exerziert, auch geschossen, aber wie mangelhaft ausgerüstet waren die Infanterieabteilungen, die ohne Waffen die Stadt verließen, um über wjatka nach der Front abzurücken. Am 10. November 1014, II Uhr nachts, erschienen plötzlich vier Gendarmen mit einem höheren Polizeibeamten, um bei einem meiner Freunde und mir Haussuchung vorzunehmen. Außer einigen Postkarten und vriefen, die bereits durch die Zensur gegangen waren, fanden die Leute nichts verdächtiges, nur bei meinem Freund, dem früheren Organisten der evangelischen petri-paulkirche in Moskau, einem hervorragenden Musiklehrer und Komponisten, fanden sie das gerade druckfertig hergestellte Ergebnis müßiger Stunden der Gefangenschaft: „Der Werdegang eines Künstlers", welches auf Nimmerwiedersehen verschwinden sollte. Vieser ersten Haussuchung folgte bald die zweite bei unserem Mitgefangenen, die ebenfalls erfolglos war, jedoch nervöse Aufregung in unsere kleine Kolonie trug. Anscheinend beschäftigte man sich mit uns, und so war es auch. Ls war uns bekannt geworden, daß unsere Sache einem Untersuchungsrichter für besonders wichtige Angelegenheiten, dem Polen voltanowskp, übertragen sei, der die Flottenvereinsmitglieder nun aus allen Gegenden Rußlands vor sein Forum nach Moskau zitiere. vald sollte sich auch an uns diese Nachricht bestätigen. Am 2. Dezember 1014 erschien ein Gendarm, um uns nach der Polizei zu begleiten, wir ahnten nichts Gutes, hatten uns aber zum Glück schon gewissermaßen aus einen plötzlichen Abruf vorbereitet, doch immerhin kam uns die Sache recht ungelegen, hatten wir doch gerade große Wäsche. Also zur Polizei, von dort unter Gendarmeriebegleitung zum Untersuchungsrichter, wieder einmal Protokollaufnahme und dann Verhaftung. Auf unsere Bitten kamen wir nochmals in unsere Behausung zurück, aßen zum letztenmal das soeben gebrachte Mittagbrot, losten rasch unsern Haushalt auf, d. h. wir verschenkten unsere Sachen, packten unsere Bündel und zogen nach dem Transportgefängnis. Dort aufs neue hochnotpeinliches verhör, Leibesvisitation und Internierung unter Hinweis darauf, daß wir als politische Verbrecher besonders streng behandelt würden und der strengsten Gefängnisordnung unterlägen, wir erhielten eine scheußliche Kammer zugewiesen mit schmutzige Pritsche, die voll von Wanzen war, für acht Mann zum Nachtlager und schmutzige alte Strohsäcke. Ein großer übelriechender Topf in der einen Ecke und Tisch und Bank vervollständigten die Einrichtung. Um acht Uhr abends erschien der Herr Gefängnisdirektor, ein geschniegelter Pole, in Begleitung einer Eskorte von acht bis an die Zähne bewaffneten Soldaten und einem langen Kerl, der eineu Hammer zur Untersuchung der Fenstergitter mit sich führte. Mit durchbohrendem Blick jeden Einzelnen musternd, prüften die Beamten den Bestand und den Inhalt der Kammer und bedeuteten uns, daß wir um 0 Uhr zu schlafen hätten. Um 41/2 Uhr morgens schon ertönte ein schriller Pfiff, es war Weckruf zum Aufstehen, um sechs Uhr mußten die Betten in Ordnung sein und jeder zum Appell vor seiner Pritsche stehen. Um diese Zeit gab es Schwarzbrot und heißes Wasser zum Tee: um 12 Uhr Suppe, um 5 Uhr abends Grütze. Da gerade Fastenzeit war, so waren die Speisen mit Fastenöl zubereitet, was gerade nicht zu unserm Wohlbefinden beitrug. Der Herr Direktor erlaubte uns nach vielem Bitten, aus unserm konfiszierten Gelde einige Eßwaren, wie Butter, Käse, Schinken, Zucker und Tee zu kaufen, doch mit dem vermerk, ihn nur einmal zu belästigen und nicht mehr als im ganzen für drei Rubel zu kaufen. Als ich am nächsten Tage zum Empfang des Bestellten aufgefordert wurde, wurde mir das Ganze ohne jegliche Umhüllung in mein Taschentuch geschüttet. Auch der kleinste Papierschnitzel war nicht erlaubt. Nach Arrestantenart wurden wir dazu angehalten, unsere Stube zu reinigen, doch trotz alledem wurden wir die Wanzen, die uns allnächtlich peinigten, nicht los. Durch unsere Wächter wurde uns bekanntgegeben, daß wir am 8. Dezember weitermar- fchieren sollten, 35 Kilometer bis wjatka. In Anbetracht unseres Alters und Gesundheitszustandes, schlechter Sehkraft bei Freund B., vorgeschrittener Sklerose bei 5., baten wir um wagen für unsere Rechnung. Da der Gefängnisarzt uns jedoch nach äußerst flüchtiger Untersuchung sämtlich für gesund und marschfähig erklärte, so gab es keine wagen, außer für das Gepäck. Unter genauester Kontrolle durch den Gefängnisgewaltigen wurden wir vier Gendarmen übergeben, die eine gründliche Leibes- und Gepäckvisitation Vornahmen und uns abführten. Als Wegzehrung bis Moskau erhielten die Soldaten für uns 00 Kopeken. Der Rest der uns abgenommenen Barschaft sollte direkt an das Transport- gefüngnis nach Moskau.abgehen. (Fortsetzung folgt.) Milde Winter in alter Zeit. Jetzt, da der Winter herannaht, fragt sich jeder namentlich im Hinblick auf den Winterkrieg, ob wir einen milden oder strengen Winter bekommen werden. Darüber läßt sich natürlich im voraus nichts sagen. In der Witterungsgeschichte berichtet man von äußerst milden Wintern. Im Jahre 1181 trieben Weinstöcke und Bäume in den Monaten Dezember, Januar und Februar Knospen und Blüten, die Baumfrüchte wurden schon im Mai und die Weintrauben im August reif. 1280 trugen die Jungfrauen zu Köln am Rhein in den Weihnachtsfeiertagen und am vreikönigstage (6. Januar) Kränze von blühenden Veilchen und späterhin im Februar Kränze von Kornblumen im haar. Im April blühte an der Mosel der wein. 1572 schlugen im Januar alle Bäume aus und im Februar bedeckten sie mit ihrem Laube 176 die Vogelnester. 1622 war der Januar im nördlichen Deutschland so warm, daß keine Gefen geheizt wurden, im Februar blühten alle Bäume. Im Winter 1659 fror und schneite es nicht ein einziges Mal. 1782/83 fing der Winter mit einer milden Temperatur an, und Ende Dezember kamen heftige Stürme und Gewitter mit Blitz und Donner. 3m Januar und Februar trieben die Gartenpflanzen hervor und schlugen die Bäume aus. Im Februar wehten heftige Sturmwinde und kam viel Begen. - hoffentlich wird der uns bevorstehende Winter nicht zu streng werden, das wünschen wir im Interesse unserer wackeren Kämpfer. Kleine Mitteilungen. vom nächsten Sonntag, dem 7. November, an beginnen in beiden Kirchen die Bbendgottesdienste um 5 Uhr. * * * Sonntag, den 21. November, feiern wir das Totenfest. Großherzogliches Gberkonsistorium hat angeordnet, daß der Gottesdienst an diesem Tage zu einer gemeinsamen Feier des Gedächtnisses unserer Gefallenen oder infolge des Krieges Verstorbenen gestaltet werde. Nußer den üblichen Gottesdiensten soll an diesem Tage nachmittags halb 3 ein Gottesdienst in der alten Friedhofskapelle und nachmittags halb 4 ein Gottesdienst in der neuen Friedhofskapelle gehalten werden. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 7. Uovbr., 23. nach Trinitatis. Kollekte für die evangelische Gemeinde zu Mühlheim. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Ubends 5 Uhr: Pfarrer Schwabe. Ubends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde. Montag, den 8. November, abends 8 Uhr. Versammlung des Frauenvereins der Markusgemeinde. Dienstag, den 9. November, nachmittags 4 Uhr, im Natthäussaal: Frauenmissionsverein. Dienstag, den 9. November, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. Mittwoch, den 10. November, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche. vormittags 9V- Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Nbends 5 Uhr: Pfarrassistent lfoffmann. Ubends V28 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde im Lukassaal und der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde im Johannessaal. Sonntags-Derein für Mädchen. (Diezstraße 15 p.) Jeden Sonntag nachmittag Zusammenkunft. Gottesdienst. Konfirmandensaal (Liebigstrahe 56). In der Ztadtkirche. Nachmittags 2 Uhr: Taubstummengottesdienst. Pfarrer vormittags 9V? Uhr: Professor D. Schian. Bechtolsheimer. £ Ankündig ungen empfehlenswerte r Firmen J Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider Heinrich Noil Mäusburg Nr. 7 Telephon Nr. 292 Spezial-Geschäft für Bureaubedarf • Schreibmaschinen Papierhandlung, Buchbinderei. Gesangbücher. Moderne Kunstarbeiten. Photographische Apparate und Zubehöre |. Stiuifc, Gicht,, Seltersweg 16 .ihren, Hold- n. 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