Nr. 41. Gießen, 20. Sonntag nach Trinitatis, 17. Oktober 1915. 4. Jahrgang Erntedankfest 1915. 1. Brief des Petrus 5, 7 : Alle eure Sorgen werfet auf ihn, denn er forget für euch. Dieses Wort ist Kein Wort des Dankes, des Lobes, der Freude, wie man es sonst beim Erntedankfest hört. Ls ist im Gegenteil ein wort, wie es zu betrübten, sorgenvollen, niedergedrückten Menschen gesprochen wird. Dennoch hat es für diesen Tag sein besonderes Uecht. Ts ist mir, als ob die Ernte dieses Jahres mit eindringlicher Stimme gerade dieses Wort uns in das Herz prägen sollte, als ob sie uns zuriefe: habt ihr es gesehen, was all euer Sorgen geholfen hat? Gott ging Wege, über die ihr oft den Kopf schütteltet, und doch machte er zuletzt alles gut. Mit was für schweren Sorgen sind wir nicht in den Frühling dieses Jahres eingetreten! Sch rede hier nicht von den besonderen Sorgen, die wir uns um unsere Soldaten machten, nein, von denen der Ernte, wir wußten, was auf dem Spiele stand. England wollte uns aushungern, wir waren verloren, wenn die Ernte mißriet, Als der Frühling begann, sah alles wunderbar gut im Felde aus. wir jubelten : Es ist sicher, Gott ist mit uns, er hilft. Über dann kam die lange Zeit der Trockenheit, was für Schollen lagen auf den Aeckern, als es galt, die Kartoffeläcker durchzuackern, daß die Frucht an das Licht kommen konnte, was war das gegen sonst für eine mühselige Arbeit! Und wie die Dürre anhielt und der Uegen für das Setzen der Pflanzen ausblieb, wie die Pflanzen auf den Aeckern eingegossen werden mußten, eine Arbeit, die seit vielen, vielen Jahren nicht mehr nötig gewesen war! Und wie der Hafer und die Gerste so klein blieb! Es ist nicht oberhessische Art, viel zu klagen und zu jammern, wir graben unsere Sorgen in unsere Seele, wir suchen sie in uns selbst zu verarbeiten. Es lag wie ein Alp auf den Seelen, man glaubte es förmlich zu sehen, wie die Sorge in die Stirnen sich einprägte, wie die Menschen so gedrückt und traurig einhergingen. Die Arbeit mehrte sich, und doch waren der Hände wenig und wurden noch weniger durch die Einberufungen. Dann fiel die Heu- Ernte nicht gut aus. was wird es geben? was wird es geben? wer hat nicht so gesorgt und gedacht? Nicht bloß unter den Dorfleuten. Auch viele Stadtbewohner, die sonst wenig nach den Aeckern schauen und nach der Frucht fragen, hatten mit einem Male Teilnahme für die bäuerlichen Arbeiten und Erfolge. Und heute bekennen wir laut: Gott hat es alles wohl gemacht und alles, alles recht bedacht, gebt unserm Gott die Ehre! wie war doch all unser Sorgen unnütz, wir haben Korn und Weizen in einer Güte und Fülle wie selten. Die Gerste ist befriedigend ausgefallen, und wenn auch der Hafer klein geblieben ist und auf manchen Aeckern wenig ergeben hat, es ist doch mehr geerntet, als man dachte. Das Grummet hat sein gut Teil ergeben, und wer sparsam ist, wird sein Vieh auch durch den Winter bringen können. Die Kartoffelernte, wie die Ernte an Aepfeln und Dirnen ist ausgefallen wie noch nie. wie beschämt stehen wir doch heute mit unserm Sorgen vor unserm Gott? wie hatten wir so wenig Glauben und vertrauen zu ihm! wir müssen bitten: Herr, vergib uns unser Sorgen und Zagen, wir haben es noch immer nicht gelernt, dich über unsere Sorge zu stellen und dem wort nachzutun: All euere Sorge werfet auf ihn- denn er sorget für euch. Aber wir wollen es lernen. Für unser häusliches Leben und unseres Volkes Leben. Es hat der Krieg so manches schwere Gpfer von uns gefordert. Es sitzt so manche Witwe mit ihren Kindern daheim in den Häusern und sorgt und sinnt: wie soll ich durchkommen? wie wird es mir gehen? wie ist es möglich, daß meine Kinder ohne den Vater zu tüchtigen Menschen heranwachsen? In tiefer Traurigkeit versunken klagen so manche Eltern: die Stütze unseres Alters, unsere Freude ist hin, gefallen, begraben in fremder Erde. Ach, wie wird unser Alter so trostlos, so kalt, so trüb sein! werfet den Glauben nicht weg, der eine große Belohnung hat! Es lebt noch unser Gott, und er vergißt niemanden. So wenig er die Saat auf den Feldern vergessen hat, als wir meinten, „als hätt in seinem Sein er deiner sich begeben", wir haben einen Herrn, Herrn, der da hilft. Wahrheit ist das Wort des psalmes: Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen. Und wenn mir jemand dabei sagt: Ja, aber meine Liebe ist dahin, ich habe niemand mehr, auf den ich stolz sein, an dem ich mich freuen kann, dann will ich ihm sagen: Gott will künftig deine Freude und deine Liebe und dein Stolz sein, Gott, in dessen Ueich der Glaube die wieder zu finden hofft, die der Krieg genommen hat. 162 3n gleicher weise wollen wir lernen, die Sorgen um unser Volk beiseite zu setzen und Gott zu vertrauen. Ls sind ja jetzt recht schwere Tage für unser Volk, was Luther einst vom Teufel gesungen hat: Der alte böse Feind mit Trnst ers jetzt meint, groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist, das kann man jetzt auch von Frankreich sagen. Ts scheut keine Dpser, wie groß sie auch sind, es will die Mauer brechen, die im Westen die Tapferkeit unserer Soldaten ausgerichtet hat. Sn Deutschland sitzt ein oft zagendes und bangendes Volk: wird die Mauer halten? wird deutsche Kraft dem Stoße widerstehen? Laßt uns nicht mit unserer Heeresmacht allein und mit den Beserven, die wir heranziehen, rechnen, wir wollen nach oben schauen, Bis hierher hat der Herr geholfen,- er wird auch weiter helfen, wir stehen in seiner Sache, auf der Seite des Bechts und der Gerechtigkeit, wir kämpfen gegen Neid und haß, Lüge und Verleumdung, Bosheit und zuweilen auch Grausamkeit, wir kämpfen im Westen gegen ein Heer, in dessen Kriegsreglement nichts von Gott steht, dessen Führer noch nie in ihren Befehlen ein Wort von Gott gesagt haben, gegen ein Volk, dessen Präsident noch nie den Namen Gottes in seinen Beden in den Mund genommen hat. Gott wird helfen und hilft. Tr wird es zum guten Ende bringen. So wollen wir auch denken, wenn wir auf den kommenden Winter sehen und überlegen, wieviel Bot und Elend er mit sich bringen kann. Sch glaube, die Seufzer zu hören, die die hohen Lebcnsmittelpreise, die Heizung und die nötige wärmere Kleidung so mancher Brust auspressen, ich glaube, es zu sehen, wie manche Frau rechnet und rechnet und kann doch nicht dazu kommen, daß das Geld reicht, hat Gott bisher geholfen, er wird weiter helfen. Gott hat ja Leute genug auf Erden, die er zu Fürsorgern für die Bedürftigen gesetzt hat. Vas sind die, die genug und die Fülle haben. Mehr denn je gilt sein Wort an sie: wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert, heute steht die Barmherzigkeit auf und fordert ihr Teil von den Gaben der Ernte. Und es wird gehen. wenn wir uns das alles vor die Bugen halten, dann schwinden die Sorgen, und mit ruhigem Herzen können wir mit dem psalmisten sagen: Lobe den Herrn, meine Seele und was in mir ist, seinen heiligen Kamen, lobe den Herrn, meine Seele, und vergißt nicht, was er dir Gutes getan hat. Gr. L. ©• Sch. Meine Erlebnisse in der französischen Fremdenlegion. von einem Gießener. Nachdem ich meiner Militärdienstpflicht in Metz genügt hatte, war ich im Novrmber 1883 nach Nancy gekommen, um dort Brbeit zu suchen. Mich lockte der Trieb in die Ferne, ich wollte gern andere Länder und Menschen sehen und dachte, in der Ferne mein Glück zu machen, war ich doch noch jung und unerfahren, auch besaß ich ein gut Teil jugendlichen Leichtsinnes und glaubte noch den Versprechungen fremder Menschen. Bald fand ich jedoch in Frankreich, daß die Brbeitsverhältnisse für einen jungen Deutschen sehr ungünstig waren. Man weiß ja, daß gerade an der französischen Gstgrenze unmittelbar vor Busbruch dieses großen Weltkrieges der Deutschenhaß sehr groß war und daß wiederholt gerade in Nancy es zu groben Exzessen gegen Deutsche, die der Stadt Sonntags einen Besuch abgestattet hatten, gekommen war. Buch damals, dreizehn Fahre nach dem deutsch-französischen Kriege, war der nationale Gegensatz im östlichen Frankreich noch stark, und ein junger Deutscher hatte dort wenig Bussicht auf Fortkommen. Da ich auch der französischen Sprache nicht kundig war, so wurde es mir schwer, mich im Geschäfte und in der Werkstatt verständlich zu machen. Es wurde mir häufig der Bat gegeben, mich doch bei der Fremdenlegion anwerben zu lassen. Bllerhand Schönes und Gutes wurde mir da in Bussicht gestellt. Der Dienst, so hieß es, sei gering, die Verpflegung ausgezeichnet, Gelegenheit zur Erlernung der französischen Sprache sei vorhanden und die höchsten Stellen stünden dem Soldaten, der ja nach einem bekannten französischen Worte den Marschallstab im Tornister trügt, offen. Sch schenkte im Bnsang diesen Beden kein Gehör, glaubte noch, in meinem Zivilberufe mein Fortkommen finden und hierbei die französische Sprache erlernen zu können. Da kündigte mir mein Meister die Brbeit, und ich war für das erste brotlos. Sch machte mich auf den weg, um mir neue Brbeit zu suchen. Der Zufall wollte, daß ich in dieser Lage einen jungen Menschen aus Zwcibrücken in der Bheinpfalz, Schuhmacher seines Zeichens, traf, der in denselben Schuhen stand wie ich. Er erzählte mir von dem Leiden, das er seit einem Vierteljahre durchgemacht habe, und eröffnete mir, daß er den bestimmten Entschluß gefaßt habe, sich bei der Fremdenlegion anwerben zu lassen. Buch ihm hatte man von den Herrlichkeiten vorgelogen, die den Soldaten in Bfrika erwarteten. Jung, wie wir waren, die Brust voll Mut, leichtgläubig wie die kleinsten Kinder, verabredeten wir, auf das Werbebureau zu gehen. Bm 3. November 1883 gingen wir dorthin, einige Sergentmajors (Feldwebel) waren anwesend, sie unterzogen uns einem kurzen verhör und schickten uns mit einem Scheine auf die Mairie (Bürgermeisterei). Dort erhielten wir einen neuen Schein, auf den hin wir in einem Gasthause auf Kosten der Stadt Essen und Trinken erhielten. Nach Papieren wurde fast nicht gefragt, die meisten, die zur Fremdenlegion kommen, haben auch solche gar nicht aufzuweisen. Hatte jemand Papiere, so war es gut, hatte man keine, so war es auch gut. Eine gesetzliche Bestimmung schrieb nur vor, daß niemand, der über 45 und unter 18 Fahre war, angenommen werden sollte, doch wurde nach dieser Bestimmung wenig gefragt, ich habe einen Fremdenlegionär kennen gelernt, einen aus Laden stammenden Mann, der schon 52 Fahre alt war. Bls durch den Brzt unsere Militärtauglichkeit festgestellt worden war, mußten wir alsbald unseren Bnwerbungs- vcrtrag unterschreiben. Sn dieser Stunde hatten wir unser Leben und unsere Gesundheit für einen sehr billigen Preis verkauft. Mit mir hatten sich noch vier Mann gemeldet, ich weiß aber nicht, ob sie auch angenommen wurden. Sofort wurden wir von einem Korporal nach einer Snsanteriekaserne geführt, wo schon mehrere Leute, die gleich uns nach Bfrika gehen wollten, versammelt waren. Unter ihnen befanden sich Holländer und Belgier, auch zwei Bussen. Die Kleidung dieser Leute war sehr buntscheckig. Einige trugen Brbeitskleidung, andere waren gut bürgerlich gekleidet, sehr viele waren, was die Kleidung betraf, sehr herabgekommen. Man merkte, daß ihre Kleider ursprünglich nicht zu ihnen gehörten, sie hatten sich diese einfach zusammengefochten. Bm nächsten Morgen es war der 4. November wurden wir zur Bahn geleitet, um über Lyon nach Marseille zu fahren. Sn Lyon hatten wir einen längeren Bufenthalt 163 -- und wurden in ein Gasthaus geführt, wo wir wieder gegen einen Schein wie in Nancy zu essen bekamen. Unsere Schar hatte sich hier vermehrt, so daß unser Transport nun auf 20 Mann gestiegen war. IDir kamen des Uachts in Marseille an, wurden an der Lahn in Empfang genommen und in eine Pionierkaserne geführt, wo wir übernachteten. War es bish-.r noch leidlich gegangen, so wurde uns jetzt schon klar gemacht, was wir in Afrika zu erwarten hatten. Um nächsten Morgen wurden wir auf ein Fort geführt. Dort waren wir von der Außenwelt ganz abgeschnitten, mußten die schmutzigsten, niedrigsten Arbeiten verrichten und bekamen noch nicht halb satt zu essen. Morgens gab es Kaffee mit Vrot, dieses Lrot war in runden Laiben gebacken und hatte große Aehn- lichkeit mit dem Weißbrote, das bei uns gebacken wurde, ehe England durch die Unterbindung unserer Zufuhr uns zwang, dem Mehl Kartoffelmehl beizumischen. Mittags gab cs Suppe, in der Fleisch gekocht war, nachmittags um 5 Uhr wieder eine Suppe, die diesmal aber etwas steifer ausgefallen war. Damit war unser Speisezettel für den Tag erledigt. Sn Marseille hatten wir abermals Zuwachs bekommen. Eine ungewohnte, seltsame Erscheinung war darunter, nämlich ein junger Mann in tadellosem schwarzen Anzug und Zylinder. Er erzählte mir bald, daß er aus Düren in der preußischen Uheinprovinz gebürtig sei und in Lonn und Freiburg katholische Theologie studiert habe. Seine Eltern wollten, daß er Pfarrer werden sollte, er aber wollte nicht und hatte sich deshalb mit den Seinigen verfeindet, heimlich ging er aus seiner Heimat fort und ließ sich in der Fremdenlegion anwerben, in der bestimmten Absicht, bald (Offizier zu werden. Man hatte ihm vorgelogen, daß er als gebildeter Mann dieses Ziel bald erreichen könne. Als wir durch die Stadt marschierten, ließ der Korporal, der uns führte, diesen seingekleideten Mann, nur um ihn herabzuwürdigen und dem Gespött der Bevölkerung auszusetzen, eine Kiste mit Kehricht tragen. Sch erbot mich, da ich das nicht ansehen konnte, die Kiste zu tragen, aber der Korporal drohte, mich sofort einsperren zu lassen. Trotzdem nahm ich in einem unbewachten Augenblicke die Kiste und warf sie in eine Seitengasse. Die Kiste flog in Stücke, der Kehricht ergoß sich auf die Gasse. Da hatte der Spott und der Unfug des rohen Menschen ein Ende. Der Korporal schrie, tobte, wetterte, als ob er mich auf der Straße vernichten wollte, schließlich legte sich sein Zorn, er konnte mir nichts anhaben. Am Fort wurden wir von einem andern Korporal in Empfang genommen, und mein „Freund" trottete wieder in seine Kaserne. Zwischen mir und dem Kameraden aus Düren war das Freundschaftsband bald geschloffen, bis der Tod uns trennte. Mein Kamerad starb in Tonking, wo wir später kämpften, an der Tholera. Es war schade um ihn, daß er in seinem Leichtsinn diese Wege gegangen war. Was hätte aus ihm werden können, wenn er in Deutschland geblieben wäre, er sprach fünf Sprachen. Offizier ist er natürlich nicht geworden, im Gegenteil, er hatte in der Truppe sehr zu leiden, da er schlecht zu Fuß war und nicht marschieren konnte. wir blieben bis zum 8. November auf diesem Fort. An diesem Tage bekamen wir nur morgens zu essen, des Mittags gab es nichts mit der Legründung, daß wir mit dem Schiffe wegfahren sollten und, wenn wir gegessen hätten, von der Seekrankheit geplagt würden. Nachmittags um 4 Uhr wurden wir auf das Schiff gebracht, und eine halbe Stunde später ging es hinaus in die See. Alles ging leidlich, bis wir in den Golfe du Lyon kam. Da brach ein Sturm aus, wie ich ihn nie mehr auf meinen langen Seefahrten erlebt habe. Wir verbrachten eine schreckliche Nacht. Unser Schiff war nicht etwa ein Passagicrdampfer, sondern ein kleines Kauffahrteischiff. Betten gab es nur für die Besatzung, für uns genügte der Fußboden. Unaufhörlich wurde das Schiff hin und her geworfen und wir mußten alle diese Bewegungen gegen unseren Willen mitmachen. Kisten und Kasten, die in dem Naume aufgestapelt waren, sielen auf uns. Mein Kamerad aus der Pfalz rief in einem fort: „Sesus, Maria, Joseph!" Am andern Morgen waren wir halb tot, sahen aus wie die Geister, keiner konnte einen Bissen essen, obgleich nach dem nächtlichen Sturme das Meer so glatt wie ein Spiegel war. (Fortsetzung folgt.) warum der Grenzer-Rarl die Rosen lieb hat. Erzählung von Karl Hesselbacher. (Schluß.) Mit zärtlichen Fingern strich er über die wenigen Nosen, die noch aus dem Dunkel heraussahen. Er war gekommen, sie zu vernichten. Aber er brachte es nicht über das Herz. Die ganze Liebe zu den wunderlichen Geheimnissen der Natur, seine ganze Ehrfurcht vor dem Werden und Wachsen, die ihm durch die Arbeit im Forstmeistergarten ausgegangen war, durchflutete ihn wie ein starker Strom warmen Herzblutes. Aber schließlich dachte er daran, daß freche Hände hinter sein Paradies kommen könnten. Denn in der nächsten Woche war die öffentliche Vergebung der holzhauerarbeit für den Winter. Und die Zusammenkunft der Steigerungslustigen sollte wie er im vorübergehen aus dem Munde des Forstmeisters gehört hatte im „Sauloch" ftattfinden. Schon deshalb, weil das Gelegenheit gab, die Aufforstung der ganzen Parzelle einmal zu erwägen. wenn er dachte, daß die Bruchhäuser Burschen seine Bosen in ihre klobigen Finger bekommen würden, und daß dann schließlich sein Geheimnis verraten würde, und wie im ganzen Dorf über ihn gehöhnt würde dann kochte sein Blut. „Es muß sein ich kann es nicht ändern \“ Er zog sein Messer und wollte hineingreisen in die Büsche, um die schmalen Kränchen der Edeltriebe abzuschneiden da rief eine Helle Stimme aus dem Dunkel der Eichenstämme heraus: „halt, was machst du? Die Bosen gehören mir das sind die Bosen meines Brautkranzes!" Er schaute auf, und eine lichte Gestalt kam mit fliegenden Schritten auf ihn zu. „Grenzer-Karl, kommen Sie. heim! Es ist alles gut!" weiter konnte sie nichts mehr sagen, so atemlos hatte sie sich gelaufen.-- Zwei Menschen gingen Arm in Arm durch den schweigenden schwarzen Wald. Um das Krönlein im Blondhaar des Mädchens lag ein Kranz von schimmernden Bosen. Die leuchteten wie das silberne Licht, das eine gute Fee über den schmalen weg hielt. „Nun sind doch die Rosen abgeschnitten, alle bis auf die letzte. Sie haben gerade gereicht für deinen Brautkranz. Gottlob, daß du sie dir gerettet hast. Die Bosen und mit ihnen einen Menschen!" vom Festplatz herauf scholl das taktmäßige Brummen der Baßtrompeten und manchmal ein Heller Fuh-Schrci. Die Musik, die in den Herzen der zwei Menschenkinder gespielt wurde, war nicht für andere hörbar. Es war der Harfenton reiner Seligkeit. Die wird nur von Engeln gehört und von Glücklichen in den seligsten Augenblicken ihres Lebens. — 164 Kleine Mitteilungen. Heligiöfe Kriegsvorträge. Der zweite Vortrag in der Neihe der vom Gberhesfischen Verein für innere Mission veranstalteten Vorträge findet Montag, 18. Oktober, abends 8 Uhr, in der Stadtkirche statt. Prof. v. Schian wird das Thema behandeln: „vie Kriegsfrömmigkeit unserer Zeit als nationale Frömmigkeit", ver Eintritt ist frei. Ulles Zeitliche hat eine ewige Seite, und in jedem Erlebnis liegt ein göttlicher Zug oder Auftrag, Daß wir das erkennen und in unser Leben herein wirken lassen, darum müssen wir ringen und beten. H. ß en j Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 17. Gktbr., 20. nach Trinitatis. 3m Jahre 1916 finden die Konfirmationsfeiern statt für die Markusgemeinde am 9. April, für die Lukasgemeinde am 24. April (2. Gftertag), für die Matthäus- und Johannesgemeinde am 30. April. Worte zum Nachdenken in der Kriegzzeit. Nichts befestigt die Seele inmitten der Unruhen, den Stürmen dieses Lebens so sehr, als wenn man über dieselben hinausblickt, aufwärts, auf die feste Hand unseres Gottes, welche alles lenkt und regiert, und auf das herrliche Ende, zu welchem sie uns führt. * * Arbeit ist eine Last, wenn sie nur um des Lebenserwerbes willen da ist, wenn nicht der heilige Gedanke sie regiert, daß sie ein Beruf ist, zu dem wir berufen sind von dem, der uns das Leben und seine Kräfte gegeben hat,' wenn nicht der Gedanke uns hebt, daß wir mit allem, was wir tun, Treue^ Gehorsam und Liebe beweisen sollen. » » 3n dieser Welt ist nichts Beständiges, noch Ewiges. Jesus Ehristus aber ist ein König in jener Welt, das ist ein ewiger König- dahin wollen wir unsere Freude und Herrlichkeit sparen und hier auf Erden für gut nehmen, wie man mit UNS fährt. vr. m Luther. Glauben heißt: an Gott sich halten, Gleich als könnten wir ihn sehn, Glauben heißt: ihn lassen walten, wenn wir ihn auch nicht verstehn; Glauben heißt: ihm fest vertrauen, Führt im Dunkeln seine Hand, Glauben heißt: auf Jesum schauen, wenn der weg uns unbekannt. L r n t e d a n k f e st. Kollekte für die evangelischen Gemeinden in Oesterreich. Gottesdienst. 3>n der Stadtkirche. vormittags 9V- Uhr: Pfarrer Schwabe. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Abends 6 Uhr: Pfarrer Mahr. Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Markusgemeinde,' wie die Ueukonfir- mierten, so werden auch die Konfirmierten früherer Jahre herzlich eingeladen. llfontag, den 18. Oktober, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde, vie Neukonfirmierten sowie die Konfirmierten früherer Jahre werden hierzu eingeladen. Donnerstag, den 21. Oktober, abends 8 Uhr: Versammlung des Gemeinde-Frauen-Vereins der Matthäusgemeinde im Matthäussaal. In der Johannerkirche. vormittags 91/2 Uhr: Pfarrer Ausfeld. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld. Abends 6 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 7Vü Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde. Abends 8 Uhr im Johannessaal: Versammlung und Libel- besprechung. lllittwoch, den 20. Okt., abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer A u s f e l d. Ankündigungen empfehlenswerter Firmen Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider Dufikslien Mikinstrumente Ernst llhgllier, Gießen Edgar Borrmann, Giessen Neustadt 11 Eisenwaren, Haus- u. Küchengeräte Teleph. 165 empfiehlt billigst öefen, Herde, kupferne u. gußeiserne Waschkessel, Haus- u. Küchen- 9® r . a,e , SoMngerStahlwaren, landwirtschaftl.Maschinenu.Geräte.Voqel- Katige u. Züchterutensilien, Fischereigsräte etc. etc. Waffen u. 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