Nr. 40. Gießen, 19. Sonntag nach Trinitatis, 10. Oktober 1915. 4. Jahrgang Gotterglaube und Weltkrieg. Brief an die Hebräer II, 1. Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hoffet und nicht zweifelt an dem, das man nicht liehet. Wer sein „Sch" als Ausdruck einer geistigen Persönlichkeit empfand, für den ist der persönliche Gott als Ausdruck der Urpersönlichkeit, von der überhaupt erst das menschliche „Sch" stammt, eine Forderung der Vernunft. Die unmittelbare Vermittlung dieser beiden geistigen Kräfte aber bewirkt der Glaube. Ls ist schade, daß unsere so reiche und, begriffsklare deutsche Sprache gerade dem Begriff „glauben" gegenüber etwas versagt, daß sie für das bloß „für wahr oder möglich halten" und für die innerste Kraft der Wechselbeziehung zwischen Gott und Mensch nicht zwei verschiedene Wörter besitzt. Freilich wird dieser Mangel, der sich besonders deswegen störend geltend macht, weil die religiöse Kraft des Glaubens in die höhen des irdisch Unsichtbaren führt, für jeden Denkenden doch schnell beseitigt: es wird uns sofort klar an dem machtvollen Einsatz des Glaubensbekenntnisses: „Sch glaube an Gott". Vas heißt nicht mehr: Ls kann ja immerhin sein, daß ein göttliches Wesen vorhanden ist woraus für den Fall, daß es wirklich existiert, noch keineswegs sich ergäbe, daß es sich nun auch in Beziehung zur Welt und den Menschen setzt, sich um sie kümmert. „Sch glaube an Gott": mit diesem Bekenntnis öffnet sich meine Seele, wie die Blüte dem Licht, dem heiligsten Wesen in höhen der Unendlichkeit voll bewußten und unerschütterlichen Vertrauens. Sn der Schatzkammer der Bibel findet sich denn auch die unvergleichliche Auslegung für das, was allein unter religiösem Glauben verstanden sein kann und will: Ls ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hoffet, und ein Uichtzweifeln an dem, das man nicht sieht. „Ja, wenn man Gott sehen könnte!" ist einer der bekanntesten und — ehrlich gesagt oberflächlichsten Einwürfe des Unglaubens. Auch hier könnte der Krieg für manchen zum Lehrmeister werden. Täglich werden dort hunderttausende, ja Millionen aus Leben und Tod eingesetzt kraft des Geisteswillens einiger Weniger, schließlich eines Einzigen, des obersten Kriegsherrn, hunderttausende, Millionen geben oft ihr Letztes, höchstes und Bestes voll begeisterten Vertrauens auf ein einziges Genie daran, das sie noch nie gesehen haben und vielleicht nie sehen werden. Wer von unfern heldenmütigen Truppen unter hindenburg hat z. B. wirklich einmal den greisen Feldmarschall von Angesicht zu Angesicht erblickt? Und wenn? Sst allein mit der leiblichen Erscheinung eines Kaisers, eines hindenburg die hinreißende Macht erklärt, die ihre Persönlichkeit auf die ganze Armee, ja, auf das ganze Volk und in gewissem Sinne auf alle Kulturvölker ausübt? Nicht wie sie aussehen, sondern was und wie sie wirken, ist das Entscheidende, weckt den bis zum Tode ausharrenden Glauben an sie. Und wir können noch weiter gehen. Kein Mensch wird aus sich heraus etwas Tüchtiges leisten, der nicht im guten Sinne des Wortes an sich selber glaubt. Aber findet er diese Kraft des Glaubens etwa, wenn er sich selbst im Spiegel beschaut? Dder spürt er nicht vielmehr ein geistiges, unsichtbares Wesen in sich, das ihm doch so vertraut ist, daß er mit ihm, mit sich selbst, Zwiesprache halten kann? Nun schaue hinein in die Herrlichkeit, Macht und Größe der Welt, mit allem, was sie birgt, dazu der riesenhaften, ununterbrochenen Kette der Menschheit in ihrer Gesamtheit, nimm dies alles in seiner vollständigen Geschlossenheit samt allen Wundern und Uätseln des Himmels, und du wirst doch erst gleichsam das Gewand erblicken, hinter dem sich der birgt, aus den du um dieser machtvollsten Urpersönlichkeit willen zuversichtlich hoffst, und nicht zweifelst an ihm, obwohl du ihn nicht siehst: Gott! Das ist der Glaube an Gott! An ihn, den persönlichen, nun auch im Donner der Schlachten, an ihn nun erst recht in den entscheidenden Schicksalsstunden des Weltkrieges! Belgischer Nationalismus. von Leutnant d. u. Vr. Ernst m e p e r - Gießen. Sch schrieb an anderer Stelle einmal über den Nationalismus in Belgien, besonders in Brüssel, wie er sich von der Straße, wo seine Aeußerungen überwacht werden, in die Hallen der Kirche flüchte. Sn Belgiens zweiter Hauptstadt Gent findet sich in der Kathedrale im linken Ehorumgang eine Gestalt des Stadtheiligen Joseph und darunter ein für das Wahl der Stadt bittender Spruch: „heilige Sozef, vor Kamp und Nouw bewaar ons Land met hart en Hand aan God getrow." — 158 — Der Sockel dieser Bildsäule ist nun mit belgischen Farben umwunden, und vor ihm kann man stets eine Reihe Beter sehen - hier schütten sie nun ihr Herz aus. Km unverblümtesten zeigte sich ihre Gesinnung am 21. Juli, ihrem Rationaltag, da sie sich 1830 unabhängig gemacht hatten. Schon in den frühen Morgenstunden drängten sich die Massen, alle mit Schleifen in den Nationalfarben besteckt, in den Straßen, die Damen bald mit kleinen, bald mit auffallend großen Bändern und Schleifen. Ls war wie eine stille Verabredung. Line lautlose, aber wie man manchen Gesichtern ansah, beabsichtigte Demonstration. Freilich wurde ihnen am Kbend das Vergnügen, durch Knsammlungen den Verkehr zu sperren und sich besonders vor der Kommandantur anzusammeln, von einigen berittenen Feldgendarmen gründlich vertrieben. Sn wahnsinniger hast rannten sie, besonders die Frauenwelt, davon, als eins, zwei Pferde etwas unruhig zu werden schienen. Km nächsten Tag war die sonst so regsame Stadt wie ausgestorben. Sie hatten ihr politisches Herz zur Schau getragen und sich anscheinend dabei tüchtig erkältet. Kaum ein Blatt, eine Schleife war noch in den Knopflöchern zu sehen. !vie weit der nationale Fanatismus gehen kann, zeigt noch folgender Vorfall. Line Dame aus unserem Erholungsheim bezahlte in der Straßenbahn aus einem Geldbeutel, der mit Glasperlen in deutschen und österreichischen Farben besetzt ist. Sie ist Belgierin und spricht gut vlämisch, aber der ganze Wagen regt sich auf. „Schluß!" „Baus!" ertönt es von allen Seiten. Line Kbtrünnige! Lin Offizier muß sie in Schutz nehmen. Solches Treiben und Hetzen ist allerdings nur in Städten möglich, wo die mehr oder weniger verborgene Wühlarbeit einzelner Kgitatoren rasch unter die Menge kommen kann. Ganz anders verhält sich dagegen der Bauer auf dem flachen Land, besonders in der Gegend, wo ich ihn genügend kennen lernte, im westlichen Belgien. Sie wohnen zerstreut auf einzelnen Gehöften als Erbpächter, viele wohnen seit alten Geschlechtern auf den „Fermen", zahlen ihren Zins an irgend eine alte Dame oder einen Beniner in der Stadt oder ganz weit bis in nordfranzösische Städte, sind im übrigen verhältnismäßig unbehelligt und selbständig. Sie bearbeiten den leichten aber fruchtbaren Sandboden geschickt und nutzen ihn tüchtig aus. Ihr Kinderreichtum - sie haben im allgemeinen nicht unter 10 Kinder kommt ihnen dabei gut zustatten. Wandert man nun so an einem Sonntagnachmittag den Hecken und Gräben entlang, seitab der großen Straße, und bleibt vor einem solchen, oft von Wassergräben und meist von Zäunen umgebenen Gehöft stehen, so meldet sich rasch der große Hofhund, wenn er nicht gerade in dem in der Rückwand fast jeden Bauernhauses angebrachten Laufrad die Buttermaschine in Bewegung hält. Wenn man aber gar den photographischen Kpparat zur Hand hat, flattert einem die Kinderschar mit ihren gelben Haarsträhnen und verschmierten Gesichtern und Händen entgegen,- spricht man nun etwas mit den Kindern, so erscheint wohl bald auch der Hausherr, „da mpnher," rückt etwas die Mütze, spuckt einmal aus und fragt nach dem Wetter und nach dem Kanonendonner, der von der Front her klingt. Diesen Landleuten geht es wie vielen Menschen - wenn man sie nach ihren Leiden und Gebresten fragt, nicht allzu aufdringlich von Krieg und Nationalprinzip redet, dann stehen sie bald Gegenrede. Kann man gar ein wenig vlämisch radebrechen, so ist man bei ihnen ziemlich fein raus. Sie fühlen sich vorläufig ganz wohl, hoffen nur, daß die Engländer nicht in das Land kommen. Lin recht wohlhabend Kusschauender verkündet mir mit großer Freude, daß er auch einen studierten Sohn habe, der die Universität Löwen besucht habe und noch jetzt während des Krieges, in Ostende an einem dortigen Institut (wahrscheinlich einer priesterschule) Rhetorik lehre und manchmal Verse machen müsse, was doch sehr schwer sei, so daß er gerne jn die „Vakanzen" zu ihm zurückkomme. Die Frau des Hauses kann, wie es scheint, nicht verstehen, welch interessante Geschichte ihren Mann wohl solange bei mir stehen läßt,- sie sieht schüchtern aus der Haustür, ruft ihm mit vorwurfsvollem Blick zu und will ihn Hineinwinken. Er aber, der Weltmann, (!) ruft sie herbei und stellt mich, den Philologen, als Fachgenossen ihres Sohnes vor, und nun ist die Scheu der Frau überwunden. Kls ich weggehe, fragt er noch schnell, ob ich wieder zur Front müsse. Natürlich, sage ich. Da drückt er mir impulsiv die Hand und wünscht mir alles Gute zum Kbschied. Falls ich heil aus dem Kriege käme, sollte ich ja wiederkommen und auch ihn besuchen. Lin anderes Mal streife ich einer Bahnlinie entlang und komme in die Nähe einer Windmühle, auf die ich mit dem Kpparat schon lange einen Angriff hatte unternehmen wollen, aber nie hatte es mit dem Wetter gepaßt. Lin biederer, ewig lustiger Kamerad aus der Pfalz, Pfarrer seines Zeichens, der bisher in der Front war, begleitete mich. Kus der Zeit seiner Studien in Utrecht kann er noch etwas holländisch sprechen und versteht sich deshalb auch noch besser auf das vlämisch als ich. Lr meint, bevor man die Mühle von außen auf das Bild nähme, müßte man erst mal ihr Inneres kennen gelernt haben. Klso besteigen wir unter Führung des freundlichen Müllers, der wohl stolz sein mag, fremden Offizieren seinen Besitz zu zeigen, die Mühle. Küßen pfeifen die zwölf Meter langen Flügel durch die Luft, in ihrem Innern knarrt es leise, während wir die hohe, schwanke Leiter emporkrabbeln. Lin gewaltiges Girren und Ouietschen entsteht plötzlich, der Müller hat die Mühle gebremst. Lr setzt sie wieder in Gang, da schlottert es auf einmal tüchtig und der ganze Kasten wackelt bedenklich, er hat den oberen Mühlstein gehoben, die Mühle läuft leer und nun wirft der Wind mit voller Gewalt die Flügel noch einmal so schnell herum, so daß der ganze hohe, schmale Bau erschüttert wird. Noch ehe wir es ahnen, hebt sich neben uns ein Brett am Boden, und es erscheint ein Sack voll Frucht, der durch die Fördervorrichtung hochgezogen wurde. Der „molenaer" hat seine heimliche Freude, uns immer ein bißchen zu überraschen. Lr erklärt alle Einzelheiten, Windverhältnisse, Gestehungs- und Kbnutzungskosten usw. vor dem Kbstieg über die hohe Leiter müssen wir noch einen Blick aus dem Müllerfenster, dem reinsten Lulenloch hoch oben in den Brettern, werfen und genießen schonen Rundblick in die weite, flache, vlämische Landschaft: Einzelne Gehöfte mit grauen Strohdächern, zur Seite ein Dörfchen mit leuchtend roten Dächern inmitten der Baumgruppen und dichten Hecken, auf den Feldern die dichtgestellten Fruchtgarben, dazu auf Wiesen das braune, wetterharte Weidevieh. Zum Dank mache ich eine photographische Kufnahme der Mühle, davor mein Kamerad und die Müllersleute. Kber wir dürfen nicht ziehen, wir müssen erst noch in das Wohnhaus eintreten, die in ber eigenen Bäckerei hergestellten Brätchen versuchen, man denke, Semmel, jetzt im Krieg ! und gut waren sie! und dazu eine gute Flasche dunkles Bier! Ja, sind wir wirklich in Feindesland? Mit demSohn- chen teilen wir das mitgebrachte Frühstück mit deutschem Schinken, und nun kennt die Freude der Familie kein Ende 159 mehr: stolz betont sie, daß sie ja vlamen seien, daß ihre Sprache fast dieselbe sei wie die deutsche. Freundlich begleiten sie uns noch weit vor die Hecke des Hauses. Nach Tagen sieht mich der Müller irgendwo im Gelände herumstreisen. Flugs hat er mich mit dem Fahrrad, das jeder Belgier, der etwas auf sich hält, besitzt, über Feldwege eingeholt und fragt nach den Bildern. Sie waren noch nicht fertig. Einige Tage später brachte ich sie ihm. Da war die Freude groß. Gehälter in alter Zeit. 2. Das Jahr 1871. Ts ist ausfallend, daß 82 Jahre nach der Zeit, auf die sich unsere obigen Darlegungen beziehen, die Kompetenzen der ersten Schulstelle zu Nauborn — mittlerweile war noch eine zweite Stelle errichtet worden - noch dieselben sind und daß der Lehrer auch noch im wesentlichen die gleichen Kmtsobliegenheiten hatte wie im Jahre 1789. Die „Nachweisung über die Kompetenzen der evangelischen ersten Schulstelle zu Nauborn" zählt folgende Posten auf: 1. Freie Dienstwohnung. 2. Kn Ländereien 4 Morgen Kcker- feld und eine wiese. 3. Holz. Zur Heizung des Schulsaales muß jedes Kind von Martini bis Ostern täglich 2 Scheiter Holz mitbringen, außerdem stellt die Gemeinde noch Buchenoder Tichenscheitholz und die nötigen Wellen. Zur eigenen Benutzung erhält der Lehrer aus dem Gemeindewald ein Losteil Holz, das die Gemeinde ihm anzufahren hat. 4. Kn Naturalien wurde eine bestimmte Menge Korn und Weizen geliefert, außerdem lieferten die Gemeindsmänner eine bestimmte Knzahl Brote sowie Stroh, doch konnten alle diese Naturalien damals auch mit Geld abgelöst werden. 5. Die eigentliche Geldbesoldung war auch damals noch sehr gering, sie betrug, nachdem das Schulgeld für jedes einzelne Kind in Wegfall gekommen war, 40 Taler aus der Gemeindekasse, dazu kam ein besonderer Zuschuß von 8 Talern und der Staatszuschuß von 89 Talern. 6. Die „Lürgernutzungen" bestanden darin, daß der Lehrer ungefähr wie ein Jahrhundert zuvor eine Kuh, ein Schwein und fünf Schafe, ohne hirtenlohn zu zahlen, auf die weide treiben durfte. Kn Stelle der früher von jedem Gemeindsmann zu leistenden Fahrt wurde dem Lehrer aus der Gemeindekäsfe ein Betrag von 9 Talern gezahlt. von den kirchlichen Diensten war der Lehrer damals noch nicht befreit, für eine jede Trauung, Taufe und Beerdigung bekam er seine Gebühren, die sich insgesamt aus beinahe 7 Taler beliefen. Das war ein kleines, bescheidenes Einkommen, und doch hat ein langjähriger Inhaber dieser Schulstelle, der allerdings privatvermögen befaß, sich nicht nur mit Ehren durch das Leben geschlagen, sondern auch seinen acht Kindern eine gute Erziehung und Schulbildung angedeihen lassen. Zwei seiner Söhne haben studiert, der eine war Pfarrer, der andere ist Krzt, die übrigen vier Söhne haben sich dem Bergfach gewidmet und es hierin zu ansehnlichen Lebensstellungen gebracht, die beiden Töchter verheirateten sich mit wohlhabenden Landwirten. Das Beispiel dieser Familie zeigt uns, daß es nicht auf die äußeren Mittel ankommt, um vorwärts zu kommen, sondern darauf, daß ein Mensch strebsam, anspruchslos, fleißig und ehrenhaft ist. Das mag vielen bei den großen wirtschaftlichen Veränderungen, die dieser Krieg in seinem Gefolge haben wird und bereits hat, ein Trost sein. ?). B. warum der Grenzer-Rarl die Rosen lieb hat. Erzählung von Karl Hesselbacher. (Fortsetzung.) „Uebrigens, Fränz!" rief der Forstmeister. „Gut, daß du gerade hereingekommen bist! Den Hannes, den ich drum fragen wollte, sehe ich ja den ganzen Nachmittag nicht, weiß der und jener, wo er sich wieder einmal verkrochen hat, der alte Murrkopf! Gestern nachmittag auf dem Pirschgang bin ich dem Baron Berwitz begegnet. Der ist lächelnd auf mich zugegangen und hat gerufen: Kh, unser poetischer Forstmeister. Er trägt nicht nur den Wald in seinen Garten, er trägt jetzt auch den Garten in den Wald!" Ich frage mich, ob der Mann nicht mehr recht im Oberstübchen sei. Und muß ihn wohl ein bißchen kurios angesehen haben. Venn er nimmt eine Kose aus dem Knopfloch und zeigt sie mir: „Kennen Sie die nicht?" Ich gucke wahrhaftig, es ist eine halboffene Blüte der „errötenden Jungfrau". „Ei, natürlich!" sage ich. „Die hat niemand in der ganzen Welt als der Forstmeister von Bruchhausen," lacht der Baron und schüttelt mir die Hand: „Famos, ganz famos, lieber Herr Forstmeister! Die „errötende Jungfrau" im „Sauloch" — Poesie über der dunkelsten Prosa! Kuf das kann nur unser blumenfroher Waldgeist kommen!" Nun bitte ich die Menschheit, was soll das heißen? Ich habe dienstlich nach der anderen Seite des Neviers gehen müssen, sonst wäre ich nach dem Sauloch gegangen und Hütte nachgesehen, ob dem guten Baron ein Geist erschienen ist? Kber du, Fränz, kommst ja ins Dorf und hörst allerlei. Ist dir etwas zu Ohren gekommen von Kosen, die im Sauloch blühen sollen?" — Die Fränz stand zuerst völlig verdutzt und schüttelte den Kopf. Kber aus einmal schrie sie auf: „Ueber den Sommerrain geht der weg nach dem Sauloch und drum ist er über den Sommerrain gestiegen! Ich muß fort, Frau Forstmeister - halten Sie mir's zugut. Kber ich muß fori, sonst gibt es ein Unglück!" Und zur Türe draus war sie. Der Forstmeister schüttelte den Kops: „Das Turnerfest hat das ganze Dorf verrückt gemacht, wenigstens einmal das Weibervolk. Das ist ausgemacht." * '* * Der Grenzer-Karl war am Sauloch angekommen. Die Sonne war am Untergehen. Ein rotgoldener Schein lag über dem wilden Busch und über dem Stücklein wiese, aus dem er glühend und prangend herauswuchs. Die dunkeln Eichenstämme brannten wie Feuersäulen in einem mächtigen Tempel und die Khornbüsche flammten wie die Gluthecken, aus denen die dunkle Bläue des waldinnern wie ein Gpfcrdampf emporschwelte. Kus der funkelnden Fülle der Blätter und Zweige strahlten die weißen Kosen. Es war, als seien es die lichten Kränze von priesterinnen, die in dem opserduftenden Tempel dienten. Langsam begann der lodernde Glanz zu verblassen, eine zarte Schleierlust stieg aus der Tiefe des Tales und löschte sachte wie mit einem leisen'hauch eines Geistermundes eins der flammenden Lichter um das andere aus. Das dunkle Blau des Himmels ward silbrig und verlor sein Leuchten. Die Baumkronen deckten einen schwarzen Flor über ihr goldenes Haupt. Der Grenzer-Karl stand unter der Geffnung des Waldestores, das zwei prächtige Eichenstämme bildeten. Er stand unbeweglich und mit starren Kugen. wie einer, der in einer fremden Welt geht und nicht weiß, wo er ein Dach findet, unter das er sich flüchten darf. Ihm kam dies heraufsteigen der Nacht aus den verborgenen Gründen des Tales wie ein 160 Sterben. So wie der kalte Hauch, von dem sie in seiner Heimat erzählten, der allemal durch die Kammer streift, wenn eins seine Uugen zumacht für immer. Er ging zu seinen Rosenstämmen. Sein Gesicht neigte er tief herunter zu den holdseligen Kinderaugen, die aus dem dunkelgewordenen Dickicht ihn ängstlich ansahen. Ein süßer Duft umfing ihn. Gleich als wollten ihn seine Lieblinge trösten über all das Ungemach, das er erlitten hatte. (Schluß folgt.) Meine Mitteilungen. vom nächsten Sonntag an beginnen wieder die Ubend- gottesdienste. Sie nehmen im Monat Oktober um 6 Uhr, vom November an um 5 Uhr ihren Unfang. Sn sämtlichen vier Kirchengemeinden nimmt der Konfirmandenunterricht nächsten Montag, den 11. Oktober, seinen Unfang, für die Knaben um 3, für die Mädchen um 4 Uhr. Uuf die Konfirmandenvereinigungen, die jetzt wieder zusammentreten, machen wir besonders aufmerksam. Sie haben die Uufgabe, die Verbindung des Pfarrers mit den von ihm Konfirmierten und der Konfirmierten untereinander aufrecht zu erhalten. Im wesentlichen dienen sie der Unterhaltung und Belehrung, jeder kann kommen und gehen, wie er will. Meist wird im Unfang ein Vortrag gehalten, dann tritt das Spiel in seine Uechte. Der Zeitpunkt, an dem die Konfirmandenvereinigungen beginnen, ist aus den kirchlichen Un- zeigen zu ersehen. Nirchliche Anzeigen. Sonntag,den 10. Oktober, 19. nachTrinitatis. In der Stadttirche. vormittags 9'/ 2 Uhr: Pfarrer Mahr. Feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts für die Kinder aus der Matthäusgemeinde. Die Eltern und Ungehörigen der Kinder werden hierzu eingeladen. vormittags 1IV« Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Ubends 6 Uhr: Pfarrer Schwabe. Feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts für die Kinder aus der Markus- und Militärgemeinde. Die Eltern und Ungehörigen der Kinder werden hierzu eingeladen. Mittwoch, den 13. Oktober, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Schwabe. Dienstag, den 12. Oktober, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markus- gemeinde. Die Ueukonfirmierten wie die Konfirmierten früherer Jahre werden hierzu eingeladen. Dienstag, 22. Oktober, nachmittags 4 Uhr beginnen die Versammlungen des Frauenmissionsvereins im Matthäussaal. In der JohannesNrche. vornüttags 9Vs Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts für die Kinder aus der Lukasgemeinde. Die Eltern und Ungehörigen der Kinder werden hierzu eingeladen. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Ubends 6 Uhr: Pfarrer Uusfeld. Feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts für die Kinder aus der Johannesgemeinde. Die Eltern und Ungehörigen der Kinder werden hierzu eingeladen. Ubends V28 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde. Die Neukonfirmierten sowie die KonfirmiertenfrühererJahrgängewerden hierzueingeladen. Abends 7a8— V 2 10 Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde im Johannessaal. Freitag, den 15. Oktober, abends i / i 6 — F 2 8 Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Johannesgemeinde im Johannessaal. Um nächsten Sonntag, den 17. Oktober (Feier des Erntedankfestes) wird nach allen Gottesdiensten in beiden Kirchen eine Kollekte für die evangelischen Gemeinden in Oesterreich erhoben. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen"^ Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider Heinrich Noll Mäusburg Nr. 7 Telephon Nr. 292 Spezial-Geschäft für Bureaubedarf • Schreibmaschinen Papierhandlung, Buchbinderei, Gesangbücher. Moderne Kunstarbeiten. Photographische Apparate und Zubehöre f. Mwer. Gießen Seltersweg 18 llhren, Gold- u. 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