sg Gemeinüeblatt für öie evangelische Kilchenaemeinöe Glkszeir Nr. 39. Gieren, 18. Sonntag nach Trinitatis, 3. Oktober 1915. 4. Jahrgang. wir zu Hause. 2. Moje 17, 9 u. 11. Und Moje sprach zu Iojua: Erwähle uns Männer, zieh aus und streite wider Kinalek; morgen will ich auf des kjiigels Spitze jtehen und den Stab Gottes in meiner kjand haben. Und wenn Moje seine Hand emporhielt, siegte Israel. Zu der Stunde, da wir dieses schreiben, werden heftige Kämpfe aus dem Westen gemeldet. Man hatte sich schon der Ansicht zugeneigt, daß dort mindestens den Winter hindurch keine Veränderung eintreten und der Schützen- grabenkrieg andauern werde, nun ist dort eine Schlacht entbrannt, eine Kiesenschlacht von der Nordsee bis zu den Ar- gonnen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Zu dieser Offensive scheinen hauptsächlich die Engländer getrieben zu haben. Sie sehen ein, daß sie durch das Abschneiden der Zufuhr, durch ihre Aushungerungspolitik uns nicht über- lwinden können, und der Erfolg der dritten deutschen Kriegsanleihe hat ihnen bewiesen, daß uns wahrlich niemand zwingen kann, aus Mangel an Geldmitteln kleinmütig von einer Fortsetzung unseres Verteidigungskrieges abzusehen. Nun sind sie mit den Franzosen zum Angriff geschritten, und ihre Divisionen stürmen gegen die deutschen Linien. Ueber- all haben seither unsere wackeren Truppen standgehalten, sie bilden ein festes Vollwerk, das uns vor dem Einbruch der Feinde schützt. Wir haben die Zuversicht, daß sie den Feind nicht hereinlassen in das deutsche Land, nicht einmal in das seither von uns besetzte feindliche Gebiet. Mit ganz besonderem Stolze erfüllt es uns, daß in dem Tagesbericht vom 26 . September über die Kämpfe westlich der Argonnen zu lesen ist: „Norddeutsche und hessische Landwehr schlug sich hervorragend". Unsere Wehrmänner wissen ganz genau, wofür sie kämpfen. Sie singen nicht allzu häufig, wie das die jungen Kriegsfreiwilligen tun, sic rufen selten Hurra, aber sie gehen in den Kampf mit der größten Erbitterung gegen den Feind, der uns seit Fahren diesen Krieg zugedacht hat, und mit der zähesten Entschlossenheit, nicht zurückzuweichen. Sie wollen ihr Land, ihre Heimat, ihre Lieben in der Heimat nicht der Willkür fremder Negierungen ausliefern. Für uns wird da draußen heftig gekämpft. Es liegt etwas wie Druck und leise Beschämung auf uns, wenn wir daran denken, daß wir in guter Nuhe zu Hause rveilen, während unsere Brüder im Westen und auch im Osten das Feld behaupten. Können wir denn gar nichts dabei mithelfen? Eins können und eins sollen wir tun, wir sollen es machen wie Moses, der, als das Volk unter Fosuas Führung gegen Amalek stritt, ohne Unterlaß betete und die Kämpfenden dem Schutze Gottes befahl. Des Gerechten, oder wie wir besser in der Sprache unserer Zeit sagen, des Frommen Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Zum Gebet treibt uns ohnedies diese harte Zeit. Selbstverständlich wird in den Tagen, da so heiß um die Entscheidung gekämpft wird, der Ehrist und vaterlandsfreund allem fern bleiben, das dem Ernste der Zeit nicht angemessen ist. Tatsächlich ist unser Volk nun im zweiten Kriegsjahre viel ernster geworden als im ersten Kriegsjahre, mancherlei, das die draußen Stehenden verletzen mußte, ist jetzt nicht mehr wahrzunehmen. Alle haben einsehen gelernt, daß wir einen Kampf um Sein oder Nichtsein führen und daß in diesem Kampfe unendliches Menschenleid, Untergang edlen Lebens und reichen Familienglückes der teuere Preis ist, der gezahlt werden muß. Gott stärke uns zu Hause und die streitenden Brüder im Felde, er schenke uns bald den heiß ersehnten, ehrenvollen Frieden! h. S. Die vurgkirche zu Gießen. (Schluß.) Landgraf Georg II. hatte von dem Ballhause gesagt, „es solle dieses Gebäude aus göttlicher Hilfe eine Kirche werden und hinkünftig bleiben". So ging man denn daran, einen gründlichen Umbau vorzunehmen. Dem Fürstlichen Baumeister Georg helferich Müller wurde aufgetragen, die Pläne anzufertigen, der Generalwachtmeister Hans Günther von und zu Brennhausen überwachte die Ausführung des Projektes, er erhielt die Ermächtigung, zum Umbau des Gebäudes so viel als angängig aus den Festungsbaumitteln zu entnehmen, da ja eine neue Kirche der Festung Gießen nützlich sei. Das an das Ballhaus anschließende, damals verwüstete Wohnhaus und das angrenzende Gelände sollte gleichfalls dem gedachten Zwecke dienen. Der Landgraf und die Gießener Bürgerschaft brachten gemeinsam die Mittel zum Umbau aus. Allmählich fand sich auch eine würdige 154 — Innenausstattung zusammen, Altar, Kanzel, Taufstein, Grgel und Bänke wurden beschafft und ein Pfarrhaus erbaut. Die Wege und die freien Plätze ringsumher wurden gepflastert, zu einer Kirche fehlten nur noch Turm und Glocken. Erst im Jahre 1658 fand die Einweihung statt, der Krieg hatte gewiß vorher eine Fertigstellung des Umbaus nicht möglich gemacht. Die weihe nahm der Superintendent und Professor Peter Haberkorn vor, dessen gut erhaltenes Grabdenkmal sich in der alten Friedhofskapelle findet. Die neu hergerichtete Kirche erhielt den Namen „Burgkirche", der erste Pfarrer an ihr war Magister Iustus Geilfuß, der zugleich auch Militärprediger war. In der Burgkirche wurden Sonntags zwei Gottesdienste abgehalten. Da man keine Glocken hatte, so hals man sich damit, daß man den Gottesdienst gleichzeitig mit dem der Stadtkirche beginnen ließ, die Glocken der Stadtkirche riefen sowohl zu dieser wie zur Burgkirche. Später jedoch wurde der Beginn des Gottesdienstes in der Burgkirche auf vormittags 8 Uhr verlegt, weil für die Soldaten, die um 12 Uhr auf wache ziehen mußten, sonst die Zeit zwischen der Beendigung des Gottesdienstes und dem Antreten zu ihrem Dienste zu kurz gewesen wäre. Infolgedessen riesen wieder die Trommeln zur Burgkirche, das war ja echt soldatisch, mag aber der Sonntagsstille wenig förderlich gewesen sein. Ls ist immer mißlich, ein Gebäude, das vorher anderen Zwecken gedient hat, zu einer Kirche umzubauen, jeder Sachkenner weiß, daß daraus nichts rechtes wird, und jeder erfahrene Architekt wird davon abraten. So hat auch die Burgkirche nur 166 Jahre ausgehalten, für eine Kirche gewiß kein hohes Alter. Jedenfalls aber hatte Gießen in der Zeit von 1658 -1824 zwei Kirchen, auch zwei Kirchengemeinden, die Stadtkirchengemeinde und die Burgkirchengemeinde. Neben den Stadtpfarrern standen die Burgpfarrer, die Tauf-, Trau-, Sterbe- und Konfirmandenlisten wurden für diese beiden Gemeinden getrennt geführt, sie sind heute noch vollständig erhalten. Zur Stadtkirche gehörten alle Gießener Bürgersfami- lien, zur Burgkirche hauptsächlich die Pos- und Staatsbeamten, die Angehörigen der Universität und der Garnison; diese Gemeinde war somit bedeutend kleiner als die Stadtgemeinde, das sieht man an der geringen Zahl der Amtshandlungen, die in ihr vollzogen wurden und die sämtlich in den Kirchenbüchern protokolliert sind. wahrscheinlich war die Surgkirche, in kriegerischer Zeit errichtet und umgebaut, ein wenig solider Bau, so kam es, daß das Gotteshaus schon im 18. Jahrhundert baufällig war. Die kriegerischen Ereignisse um die wende des 18. und 19. Jahrhunderts brachten es mit sich, daß man zur Wiederherstellung Keine Mittel flüssig machen konnte, um so weniger, da man schon seit 1781 den Neubau der Stadtkirche in Erwägung gezogen hatte. Am 29. Juli 1821 wurde die neuerbaute Stadtkirche eingeweiht, die Stadt Gießen besaß somit ein geräumiges, zweckdienliches, wenn auch architektonisch nicht vollkommenes Gebäude; da mochte man denken, daß die alte, baufällige Burgkirche entbehrlich sei. Sie wurde im Jahre 1824 abgebrochen, nichts ist von ihr zurückgeblieben. Es ist ein Glück, daß Gießen seit dem Jahre 1895, dem Jahre der Vollendung und Einweihung der Johanneskirche, wieder zwei Kirchen hat; denn ob in den nächsten, vor uns in der Zukunft liegenden Jahrzehnten in Deutschland größere Kirchenbauten ausgeführt werden können, ist jetzt schwer zu sagen. Das Zeitalter, dap hinter uns liegt, war ein Zeitalter der rastlosen, erhöhten Tätigkeit auf dem Gebiete des Kirchenbaues. wieviele Kirchen sind in dieser Zeit allein in Hessen gebaut worden, von größeren Kirchen in unserem engeren vaterlande erwähnen wir unsere Johanneskirche, die Dankeskirche in Bad-Nauheim, die Martins- und die Pauluskirche in Darmstadt, die Thristuskirche in Mainz und die Lutherkirche in Worms, viele Gotteshäuser hat man in der Diaspora gebaut, in den Gegenden, wo eine Minorität von Evangelischen neben einer Majorität von Katholiken wohnt. Auch viele Landgemeinden haben Neubauten und Umbauten vorgenommen. In der Zukunft, wenn der Krieg mit Gottes Hilfe zu Ende ist, werden wir unsere Mittel für andere Zwecke verwenden müssen. In erster Linie müssen wir die Gpser des Krieges versorgen, sodann muß unsere Wehrkraft so ausgebaut werden, daß wir auch in einem zweiten Kriege, den Gott gnädig von uns abhalten möge, uns behaupten können. Aber wenn wir auch für neue Kirchenbauten kein Geld verwenden können, so braucht darunter doch die Frömmigkeit nicht zu leiden. Diese wohnt oft mehr in bescheidenen gottesdienstlichen Bäumen als in großen, prunkvoll aus-- gestatteten Kirchen, wenn die Frömmigkeit unseres Volkes durch die schweren Schicksale, die wir jetzt erleben, nur gesteigert wird und wenn unser Volk den bedeutungsvollen Schritt von der Weltseligkeit zur Gottseligkeit macht, so wollen wir nicht darüber murren, daß so tiefes Leid und so ernste Sorge in den Jahren 1914 und 1915 über uns gekommen sind. Gehälter in alter Zeit. In der glücklichen Zeit des Friedens, die hinter uns liegt, ist Deutschland immer mehr ein reiches Land geworden. Das beweist uns abermals auf das neue der Biejen- erfolg der dritten Kriegsanleihe. In dieser Zeit ist das Einkommen eines jeden Standes und jedweder Beamtenkategorie fort und fort gestiegen, Gehaltsaufbesserungen oder zum mindesten Petitionen der Beamtenvereine um Gehaltsaufbesserung waren in den Landtagsverhandlungen aller deutschen Bundesstaaten ein ständig wiederkehrender Gegenstand. Db nach diesem Kriege Gehaltsaufbesserungen in größerem Maßstabe durchgesührt werden können, ist jetzt noch sehr fraglich. Es ist anzunehmen, daß alle vorhandenen Mittel zunächst dazu verwendet werden müssen, die Wunden, die der Krieg geschlagen hat, zu heilen, wir werden uns alle an ein einfacheres Leben gewöhnen müssen, im geselligen Leben wird man allen Luxus vermeiden müssen, das vergnügungsleben wird sehr eingeschränkt werden, vor dem allen braucht uns nicht bange zu sein. Auch unter einfachen Verhältnissen kann der Mensch glücklich und zufrieden sein. Unsere Vorfahren hatten ein weit geringeres Einkommen als wir und waren doch zufrieden, allerdings waren damals auch alle Gebrauchsgegenstände bei weitem billiger als in der Gegenwart, zumal in dieser Kriegszeit. Auf Grund von alten Aktenstücken sei im Folgenden dargelegt, wie die Lehrergehälter in einer preußischen, der Stadt Gießen benachbarten Landgemeinde früher beschaffen waren. Es handelt sich um die Gemeinde Bauborn bei Wetzlar, und unsere Ausstellungen beziehen sich auf zwei geschichtlich sehr wichtige Jahre, auf das Jahr 1789, das Jahr der französischen Bevolution, und das Jahr 1871, das Jahr der Gründung des deutschen Kaiserreiches. 1. Das Jahr 178 9. Vas Schriftstück, das wir hier benutzen, trägt die Aufschrift „Specisikation der Bauborner Schulbesoldung" und hat folgenden Inhalt: „1. Muß jedes Kind, so die Schule 155 — frequentiert, sowohl von Uassau-Weilburger als Solms- Vraunfelssischer Seite jährlich dem Schuldiener (Lehrer) 27 Kr. geben. 2. von der Gemeinde erhält der Schuldiener jährlich vier Achtel Born und ein halb Achtel waitzen. 3. von einem jeden Gemeindsmann jährlich zwep Futter Ströher. 4. Erhält der Schuldiener jährlich von jedem Gemeindsglied 3 Laib Brot. 5. Giebt die Gemeinde dem Schuldiener nach Nothdurft Brennholz, und ein jedes Schulkind muß täglich 2 Schulscheiter liefern. 6. Ist der Schuldiener von herrschaftlichen Gemeinds- und Thausseediensten frei), vom Hirtenlohn und Mastgeld aber nur in so weit, daß er eine Buh und ein Schwein frei) hat und letztere so viel als der Gemeindsmann in die Mast treiben kann, übrigens ist von frepen Schafen hier nichts bestimmt. 7. An Acciden- zien a. von einer Hochzeit 20 Br. b. von einer Bindtauf 8 Br. c. von einem jeden Begräbnis außer den Bindern, die unter 7 Jahren sind, 10 Br. und einen Laib Brot. 8. Eine frepe Wohnung, die die Gemeinde in Vach und Fach zu erhalten hat. 9. vom Uhrstellen erhält der Schuldiener jährlich ein halb Achtel Born. 10. Hat derselbe den Birchhof zu benutzen." Sn dieser Aufstellung werden weiter die Aecker und Wiesen genannt, die zum Schulgute gehören. Wir sehen aus dem Ganzen, daß der Uauborner Lehrer im Jahre 1789 nicht nur Lehrer, sondern auch Büster und Glöckner gewesen ist, er begleitete den Pfarrer zu Amtshandlungen, er zog die Birchenuhr auf und regulierte sie, er sang mit den Schulkindern bei Begräbnissen. Erst im Lause des 19. Jahrhunderts sind die Lehrer von diesen Diensten, den niederen Birchendiensten befreit worden. Die Uauborner Schulbesoldung war zumeist Uaturalbesoldung, wie dies auch mit den pfarrgehältern früher der Fall war. Born, Weizen, Stroh, Brot, Holz, freie weide, Benützung des Birchhofes (des noch nicht belegten Teiles desselben zum Futtermachen) waren die Posten, aus denen sich die Besoldung des Lehrers zu Uauborn zusammensetzte. Sein Haupteinkommen bezog er aus der Bewirtschaftung des Schulgutes, jeder Gemeindsmann (Bürger) war verpflichtet, ihm jährlich eine Fahrt zu tun. Jedenfalls mußte ein Lehrer in der alten Zeit ein fleißiger Mann sein. Beben dem Birchen- und Schuldienste mußte er Feldbau treiben, da eine Verpachtung des Schulgutes wenig einbrachte. Daß diese alten Lehrer trotzdem die Jugend zur Gottesfurcht und einer ehrenhaften Lebensauffassung erzogen und ihnen die nötigen Benntnisse aus den Lebensweg mitgaben, gereicht ihnen zur Ehre. (Schluß folgt.) warum der Grenzer-Rarl die Rosen lieb hat. Erzählung von Barl Hesselbacher. (Fortsetzung.) „Sch habe ihn retten wollen!" dachte sie. „Und jetzt? Die guten wörtlein, die du ihm gegeben hast, Fränz, die sind zu zählen! Und die guten Stündlein, die du ihm verschafft hast, wiegen nicht schwer auf deinem Herzen!" Als die Fränz nach Hause ging, lag aus ihrer Seele ein Breuz, das wog beinahe so schwer wie das, das auf dem Bücken des unglücklichen Grenzer-Barl wuchtete! * * * Die Bosen, die der Grenzer-Barl der Fränz gegeben hatte, schwammen schon ein gut Stück den lustigen Fluß hinunter, der wenig danach fragte, ob er auf dem Bücken Freude oder stummes Leid trug' — als die Fränz in das Wohnzimmer des Forsthauses trat und die Forstmeisterin nach ihren Befehlen für den Abend fragte. Sie hörte schon, als sie die Türklinke hob, die tiefe Stimme des Forstmeisters sprechen. Sonderbar! Der Mann schien gar nicht mehr böse zu sein. Es klang etwas wie ein behaglicher Frohsinn durch den Ton seiner Worte. Jetzt lachte er sogar aus vollem Herzen. „So ist's, wie ich dir sage! Man kann dem Burschen, dem Helmstädter, nicht bös sein. Wie er auf mich zukommt und mir die Hand hinstreckt: „Nichts für ungut, Herr Forstmeister ! Aber Sie haben mir die Ehrenkrone heute aufgesetzt. vrum muß ich Ihnen ein ehrliches wörtlein sagen!" — da hat er mich gleich gewonnen. Weiß der Buckuck, was das ist — aber wenn ich in zwei so ehrliche blaue Augen hineingucke, verfliegt mein größter Zorn. Und dann fängt er an: „'s war ja freilich nicht recht, was ich gemacht habe, Ihnen einen ganzen Busch von Bosen abschneiden — Sie haben recht, daß Sie einen Zorn haben. Ich hätt auch eine Bapitalswut über so einen Ungut, der mir nichts dir nichts meine allerschönsten. Blumen abreißt. Aber was tut so ein junger Berl nicht im Uebermut! Sie sind ja auch jung gewesen, Herr Forstmeister, und wissen, daß man da nicht alles auf die Goldwage legt. Und hat man dann das Häfele zerbrochen, dann steht man da und beguckt sich die Scherben aber dann ist es zu spät! wüßt ich vornedran immer gleich, was ich hintendran weiß, wäre ich schon hundertmal besser gefahren. Und hätt ich gedacht, daß ich Ihnen ins Herz greif, mit den Bosen da drauß, ich hätt Ihnen lieber noch einen Strauß dazu gebracht, als den einen Ihnen zu nehmen. Ich bitt Sie, Herr Forstmeister, halten Sie es einem jungen Berl zugut, daß er in der Bapuse eine Dummheit gemacht hat." was will ich machen? Ich habe mein grimmigstes Gesicht aufgesteckt und ihn gefragt: „Und jetzt, wo stecken denn die armen Dinger? Ganz gewiß schon wieder weggeworfen ! Etwas anderes könnt ihr leichtsinnigen Stadtbuben doch nicht machen!" Aber da hat er gelacht: „D nein! Die stecken an einem guten Platz. Sehen Sie, Herr Forstmeister, die Bruchhäuser Mädchen sind gewaltig stolz. An der fetzten Birchweih haben sie mit keinem von uns Helmstädtern getanzt. Und wie wir gehört haben, daß in Bruchhausen das Turnfest sein wird, haben wir ausgemacht, so, jetzt wird aber nicht mit einer einzigen Bruchhäuserin gegangen. Und drum habe ich der schwarzen Mine, die bei uns in Helmstadt im „roten Apfel" auswartet und die die Bruchhäuser Mädchen gar nicht leiden können, weil sie ihnen zu gering ist, extra den Bosenstrauß geschenkt. Ich habe gedacht, die machst du zu deiner Tänzerin, gerade weil sie bei den anderen nichts gilt. Und ich habe es ihr angemerkt, so glücklich wie heut rvar sie noch nie. Herr Forstmeister, das schad't mir nichts und schad't der Mine nichts und schad't Ihren Bosen nichts, daß das Mädel auch einmal seelenvergnügt ist." Und ich habe wieder nichts sagen können, als dem Burschen mit dem Finger drohen: „wären Sie nicht der Träger des ersten Preises, ging ich anders mit Ihnen um! Nun - gehen Sie in Gottes Namen und tanzen Sie mit der Mine so lang ein Sternlein scheint am Himmel heut Nacht."" Die Fränz hörte das alles an und war wie an den Fußboden festgenagelt. Ihr war, als sollte die Stubendecke die, aus reichem Stuck gebildet, über ihr sich weiß und 156 Kalt wölbte, auf sie Herunterstürzen, und alle die posaunen- backigen Lngelein, die da oben ihre flöten und Geigen spielten, musizierten ein Zpvttlied auf sie. „Der geht jetzt ins Glend!" so flog es ihr wieder durch den Sinn, wie draußen am Kirchhaldenbuckel, als ie den gebückten Mann hatte in dem dunkeln Wald verschwinden sehen. (Fortsetzung folgt.) Meine Mitteilungen. Religiöse Kriegsvortrüge. Der Dberhefsische Verein für innere Mission wird, wie im vorigen Winter, so auck in diesem, Vorträge über religiöse Fragen, die mit dem Krieg Zusammenhängen, veranstalten. Prof. I). Schian wird dabei eine Reihe von drei zusammenhängenden Vorträgen über „Das deutsche Lhristentum in der Kriegszeit" halten. Der erste findet Montag, den 4. Oktober, 8 Uhr abends, pünktlich, in der Stadlkirche statt und behandelt „Die religiöse vewegung des ersten Kriegsjahres". Der Eintritt ist frei. kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 18. nach Trinitatis, den 5. Oktober. Gottesdienst. In der Ztadtlirche. vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe, vormittags 9 1 /., Uhr: Pfarrer Mahr. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Die diesjährigen Konfirmanden werden angemeldet: Montag, den 4., und Dienstag, den 5. Gktober, jedesmal von ll—1 Uhr vormittags und 4—6 Uhr nachmittags, und zwar die Konfirmanden der M a t t h ä u s g e m e i n d c bei Pfarrer Mahr, Kirchstratze 1; die der Markus- und der Militär- gemeinde bei Pfarrer Schwabe, Kirchjtraßc 5. Die Litern werden gebeten, ihre Kinder bei der Unmelduug zu begleiten. Formulare zur Unmeldung find bei den Lchuldienern der einzelnen Schulen und auf dem Pfarramt, Kirchstratzc S, zu haben. Die feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts findet statt: Sonntag, den 10. Gktober, und zwar für die Konfirmanden der Matthäusgemeinde im Vormittagsgott c s d i e n jt, Q 1 / 2 U h r, für die Konfirmanden der Markus- u n d Militärqemeinde im Ubendqottesdienjt um 6 U h r. Die Eltern und Ungehörigen der Kinder werden hierzu besonders eingeladen. In der Johanneslirche. vormittags 8 Uhr: Pfarrer R u s f e I d. vorm.ittags O/r Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Ubends 8 Uhr im Iohannessaal: Versammlung und Bibel- besprechung Mittwoch, den 6. Oktober, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Bechtolsheimer. Die diesjährigen Konfirmanden werden angemeldet: Montag, den 4., und Dienstag, den 5. Gktober, jedesmal von ll — 1 Uhr vormittags und 4—6 Uhr nachmittags, und zwar die Konfirmanden der Lukasgemeinde bei Pfarrer Bechtolsheimer, Liebigjtraße 56, die der Iohannesgemeinde bei Pfarrer Uusfeld, Süd-Unlage 8. Die Eltern werden gebeten, ihre Kinder bei der Unmeldung zu begleiten. Formulare zur Unmeldung find bei den Lchuldienern der einzelnen Schulen und bei den beiden Pfarrern zu haben. Die feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts findet statt: Sonntag, den 10. Gktober, und zwar für die Konfirmanden der Lukasgcmcinde im vormitt agsgottes- dienst, 9 1 / 2 Uhr, für die Konfirmanden der Io Hannesgemeinde im Ubendgottesdienst um 6 Uhr. Die Eltern und Ungehörigen der' Kinder werden hierzu besonders eingeladen. Lonntag, den 17. Gktober (Feier des Erntedankfestes), wird nach allen Gottesdiensten in beiden Kirchen eine Kollekte für die evangelischen Gemeinden in Oesterreich erhoben. ^ Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren ^ Herren- u. Knabenkleider^ r Kleiderstoffe Blufen-Stoffe Husffeuer-Hrtikel Reife außergewöhnlich billig GfagengeTdidh. 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