Gemeinüeblatc füiöif evangelische Kircbenaemtinde Giefzeer Nr. 29. Gießen, & Sonntag nach Trinitatis, 25. Juli 1915. 4. Jahrgang. Die Segenstraft des deutschen Liedes. Psalm 45, 2 ITtein Ejerj dichtet ein feines Lied. Wenn der deutsche Soldat in das Feld zieht, so empfängt er eine große Zahl von Nusrüstungsgegenständen, vom Gewehr bis zum Trinkbecher. Darunter befinden sich auch bei vielen Truppenteilen zwei Büchlein, die auf den ersten Blick überflüssig erscheinen, nämlich ein Feldgesangbuch und irgend ein Soldatenliederbuch, das Lieder enthält, wie sie unsere männliche Fugend in Gberhessen von altersher gern singt. Daß diese beiden Büchlein jedoch nicht überflüssig sind, wird jedem klar sein, der das menschliche Seelenleben, vor allem das Seelenleben des Soldaten kennt. Tin Soldat ohne Lied, das ist wie ein Kinö ohne Freude, wie ein Kranker ohne Nrznei und freundlichen Zuspruch. Wir wissen aus der Geschichte früherer Kriege, daß unsere Gesangbuchslieder sehr oft zum Siege beigetragen haben. Nm Morgen des 5. Dezember 1757 stimmten die preußischen Soldaten bei Leuthen den Vers an (Gesangbuch Nr. 296): „Gib, daß ich tu mit Fleiß, was mir zu tun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet." Tin Oberst, der fürchten mochte, daß die Soldaten durch ihren Gesang ihre Stellung dem Feinde verraten würden, fragte den König Friedrich, ob sie nicht lieber schweigen sollten, dieser aber gab zur Nntwort: „Nein, mit solchen Leuten wird mir Gott den Sieg verleihen." Wenige Stunden später halten die Preußen tatsächlich einen glänzenden Sieg erfochten. „Mein Gott, welche Kraft hat die Neligion!" soll da der König ausgerufen haben. — Nehnlich machten es die Schweden vor der Schlacht bei Lützen, sie sangen das Lied „verzage nicht, du Häuflein klein!", das man „Gustav Ndolfs Feldlied" nennt (Gesangbuch Nr. 153), und gewannen aus diesem Liede Kraft zum Siegen und zum Sterben. Gleiche Bedeutung hat in diesem Kriege das Lied „Wir treten zum Beten vor Gott, den Gerechten." Oder es sei hingewiesen auf das Schutz- und Trutzlied unserer evangelischen Kirche, das Lied „Tin feste Burg ist unser Gott". Buch Katholiken singen es freudig mit, „der alte böse Feind" das ist jetzt die Tücke der Engländer und Franzosen. Was vom deutschen Gotteslied gilt, das gilt auch vom deutschen Volkslied. Wie oft schlägt gerade dieses Lied zarte, innige religiöse Klänge an! Wir geben uns manchmal so viel Mühe, die Fürbitte für den Soldaten im Felde als etwas sehr Naheliegendes zu erweisen, und suchen mit solchen Darlegungen auch den, der sonst nicht betet, zur Fürbitte zu ermuntern. Wie ist dem Volksliede die Fürbitte etwas ganz Einfaches, Ungewohntes, wenn es dem Streiter im Felde im Gedenken an die Braut in der Heimat die Worte in den Mund legt: „Fetzt bei der Lampe Dämmerschein gehst du wohl in dein Kämmerlein und sprichst dein Nachtgebet zum Herrn, auch für den Liebsten in der Fern." Wie innig und fromm klingt es, wenn der Soldat spricht: „Doch wenn du traurig bist und weinst, mich von Gefahr umrungen meinst: sei ruhig, bin in Gottes Hut, er liebt ein treu Soldatenblut!." Wie eindringlich bringt dasselbe Volkslied dem Soldaten den Gedanken nahe, daß er sein Leben für das Vaterland einzusetzen hat: „Darum still, darum still, füg ich mich, wie Gott es will, drum so will ich wacker streiten, und sollt ich den Tod erleiden, stirbt ein braver Neitersmann." Sn einem Liede, welches jetzt im großen Weltkriege recht zu Ehren gekommen ist, heißt es: „Es sind die alten Schwerter noch, es ist das deutsche Herz, ihr zwingt sie nimmermehr ins Foch, sie dauern fest wie Erz." Das gilt nicht allein vom deutschen Schwerte, es gilt auch vom deutschen Lied, vom Gotteslied und vom Volkslied. Lasset sie uns treulich pflegen und singen. Gotteslied und Volkslied werden uns solche Wertschätzung mit reichem Segen lohnen. G. G. Die ältesten evangelischen Pfarrer der Stadt Gießen. iNach der Thronik der evangelischen Kirchengemeinde Gießen.) (Schluß.) von 1566 bis 1580 bekleidete Georg ttigrinus (Schwarz?) das Pfarramt zu Gießen. Er war gebürtig aus Battenberg und war, ehe er nach Gießen kam, Pfarrer zu Homberg an der Ghm. Sm Fahre 1580 wurde er Pfarrer zu Echzell und Superintendent der Grafschaft Nidda und des Bezirkes Nlsfeld, nachdem der alte Superintendent Fohann pistorius zu Nidda wegen Nltersschwäche in den Nuhestand verseht worden war. Nigrinus starb im Fahre 1602 im Nlter von 72 Fahren, von seiner Gießener Nmtswirksamkeit ist nichts Näheres bekannt. 114 Art seine Stelle trat 1581 Dr. Jeremias Victor von Marburg. Lr bewohnte zuerst das alte Pfarrhaus in der Kap- lansgasse (1867 an Küfer heil verkauft). Dieses Haus wurde 1581 gründlich ausgebessert,- Stuben, Küche, Hausgang, Schweineställe, Hoftor, Siedkessel, Kuhstall, der Brunnen in der Küche, das Wetterdach und die Bretterwand, die das Anwesen nach der Schloßgasse hin abschloß, alles wurde einer gründlichen Keparatur unterworfen. Nach den hier erwähnten Gekonomiegebäuden zu schließen, haben die Gieße- ner Pfarrer der ältesten Zeit Landwirtschaft getrieben oder durch Knechte treiben lassen, wahrscheinlich waren sie dazu genötigt, da ihre Besoldung zum Teil in den Erträgnissen des pfarrgutes bestand. Als vietor 20 Jahre in Gießen amtiert hatte, erhielt er eine Berufung nach außerhalb, aber der Stadtrat gewährte ihm, um ihn an die Stadt zu fesseln, eine Zulage. Diese Zulage bestand in Naturalien, nämlich „1. in 6 Achtel Korn, 2 . aus dem Stadtwald vier Wagen gutes, unschiedlich hartes Brennholz und 4 Wagen gute Wellen, sämtlich an das Pfarrhaus zu fahren und 3. falls der liebe Gott der Stadt Mästung bescheren würde, Eintreibung seiner Schweine in dieselbe", vietor hatte eine große Anzahl Kinder, in dem hiesigen Taufbuch werden nicht weniger als 13 Kinder erwähnt. Er hatte ein tragisches Ende, er starb nämlich am 8. September 1609 infolge eines Sturzes von der Treppe in dem neuerworbenen Pfarrhaus« hinter der Stadtkirche, als er den Bräutigam seiner Tochter Elisabeth, den Professor Johann Kumpf, begleiten wollte, vietor war nur 53 Jahre alt geworden. Aus vr. Jeremias vietor folgte Dr. Johann Justus Winkelmann von 1609 bis 1626. Er war geboren 1551 zu Homberg in Niederhesfen und sollte ursprünglich das Handwerk eines Schmiedes erlernen. Auf Veranlassung des Als- felder Pfarrers Justus vietor widmete er sich jedoch den Studien und war von 1582 bis 1592 Hofprediger in Kassel, hierauf war er Professor in Marburg und befand sich unter den aus Marburg vertriebenen lutherischen Professoren. Als die Universität Gießen 1607 gegründet wurde, erhielt er die erste theologische Professur. Das durch den Tod des Jeremias vietor erledigte Amt eines Superintendenten und Stadtgeistlichen erhielt er im Jahre 1610. Da ihn aber dieses voppel- amt allzusehr in Anspruch nahm, so stellte er die akademische Tätigkeit ein und widmete sich ausschließlich seinem pfarr- amte. Als mit dem Uebergang des Marburger Landes an die varmstädter Linie die Universität wieder nach Marburg verlegt wurde, wurde ihm daselbst die erste theologische Professur zugedacht, aber altersschwach blieb der Greis in Gießen und starb hier am 13. August 1626. Seine in der alten Friedhosskapelle angebrachte Grabinschrift haben wir in Ur. 23 dieses Jahrgangs des „Sonntagsgrußes" mitgeteilt. Beben diesen Pfarrern waren in der ältesten Zeit in Gießen noch hilfsgeistliche tätig, die nach alter Sitte den Titel „Kapläne" hatten. Ihre Namen sind uns nur von 1560 an bekannt, möglich ist, daß erst von diesem Jahre an eine evangelische Kaplansstelle in Gießen bestand. Die ältesten Kapläne waren Johann Toefflerus von 1560 bis 1570, von da an Pfarrer in Kirchgöns, dann Konrad vietor von 1570 bis 1574, Joachim Wohnbach (Wahnbecher) von 1574 bis 1582. Eine lange Dienstzeit hatte der vierte in dieser Keihe: Johann Philipp Moeller, auch Müller oder Mhlius genannt. Bei seinem Aufzug am Sonntag Invocavit 1583 wurden ihm 2 Gulden „verehret", und im Sterbeprotokoll vom Mai 1635 heißt es: „5. Tag Herr Philips Mueller Taplan". Damit sind wir nun schon bis in die traurigen Zeiten des dreißigjährigen Kriegs gelangt, die wir im Jahrgang 1913 und 1914 des „Sonntagsgrußes" geschildert haben. Mitteilungen über die Geistlichen dieser Zeit wollen wir un? für später Vorbehalten. h. Sfy Griechische Sommerfrischen. von Geh. Gberkonsistorialrat v. W. petersen in Darmstadt. (Fortsetzung.) Mit der klösterlichen Umwelt standen wir im zweiten Sommer in lebhafterem Verkehr. Die Leute waren sehr freundlich gegen uns. Gar mancher geht hier erst ins Kloster, nachdem er des Lebens Freuden und Lasten hinter sich hat, so daß die Insassen zum Teil den Eindruck von Pfründnern machen, die ihre letzten Jahre in Gebet, Meditation und Gottesdienst im Frieden zubringen. Der eine schickte uns Käse, der andere Birnen, ein dritter Pflaumen, der Klostergarten mit seinen Gemüsen, den die Mönche selbst bebauen, stand uns zur Verfügung. Wir hatten öfter Besuch von den Herren Pappades. Mit der Unterhaltung ging es einigermaßen, doch war deren Kreis verzweifelt enge. Einer von ihnen erkundigte sich bei meiner Frau, was ich den ganzen Tag täte. Antwort: Lr studiert. Darauf er: Ja was denn, er hätte nichts mehr zu studieren, er wüßte seinen Kram schon ganz aus dem Kopfe. Das Kloster hat eine ganz nette Bibliothek, darin die Werke des heiligen Athanasias, der Säule der (Orthodoxie, aber die guten Priester wissen von ihm kaum mehr als den Namen, der im Kalender steht, und das kirchliche Gebet, das an seinem Namenstage rezitiert ward. An einem Fasttag hatten wir Milch bekommen, die schon gleich in den Käsezustand übergegangen war, aber noch süß schmeckte. Lin Pater schmeckte sie und schlug sich nachher vor den Kopf,- denn es war Mittwoch, Fastentag! Er konnte sich offenbar nicht recht Heraushelsen, was uns sehr heiter stimmte, bis ich ihm dann unter den Fuß gab, daß er es ja nicht aus sündlichem Verlangen, sondern nur aus versehen getan habe. Das ganze Leben eines solchen Priesters ist in bestimmte Formen gezwängt. Wenn sie aufstehen, zu Bette gehen, sich zu Tische setzen, irgend ein Stück ihrer vielteiligen priesterlichen Kleidung beim Gottesdienst an- legen, sprechen sie ein bestimmt vorgeschriebenes Gebet. Zum eigenen Nachdenken werden sie nicht erzogen, in ihrer Seele entsteht kein Zweifel, alles ist Kühe. Unser Abschied vom Kloster war nicht ohne rührende Momente. Der Pater Daniel, der sich uns am meisten angeschlossen hatte, drückte mir im Eifer des Abschieds einen Kuß auf die Lippen und verehrte unserer Kleinen einen Kosenkranz zum Spielen. Als wir aus dem Marmorportal des Klosters heraustraten, erwartete uns die ganze heilige Schar, die Mönche im schwarzen Gewand der Weltentsagung, die Priester, die Novizen, die Diener. Wir drückten noch einmal allen die l)and, und der älteste Mönch, ein Kleinasiate und Freiheitskämpfer sowie Meister der Nadel, Feräsimos, drückte mir einen feurigen Kuß auf die k)and. Als auch einem Priester glaubte er mir die l)and küssen zu dürfen. Das war unser Abschied vom Kloster Mandoli, das uns zwei Sommer Gastfreundschaft erwiesen hat und das wir in späteren Jahren nur gelegentlich als Tagesbesucher wieder gesehen haben. Aber die Erinnerung an die Sommermonate in diesem gastlichen Kloster hat uns durch das Leben begleitet. Im nächsten Jahre waren wir in Deutschland. Die daraus folgenden zwei Sommer brachten wir in Athen zu, weil für 115 unsere größer gewordene Familie keine Unterkunft im Kloster war, da haben wir all die Unannehmlichkeiten athenischer Sommer kennen gelernt. Ich selbst wurde von einer schweren Erkrankung heimgesucht, die mich zum bleichen Schatten machte, so daß dem Könige geraten wurde, mich, den Todeskandidaten, nach Deutschland zu schicken. Uber mein königlicher Herr sah die Sache optimistischer an und meinte, ich müsse nur in frische Luft, da werde ich genesen. So wurde mir im Sommer 1882 eine Sommerwohnung auf dem königlichen Gut Tato'i*) auf dem parnes angeboten, und sieben Sommer habe ich mit den Meinen in diesem griechischen U)aldparadies verleben dürfen, dem wir unendlich vieles zu verdanken haben, von diesem Bergaufenthalt zu erzählen, ist mir daher Bedürfnis. Wir kannten Tatö'i bereits von Uusflügen, die wir im Wagen dorthin gemacht hatten. Uachdem ich von schwerer Krankheit eben genesen war, wurde ich auf acht Tage dorthin beurlaubt. Im Omnibus fuhr ich nach Kephissia, das damals noch nicht durch eine Eisenbahn mit Uthen verbunden war, und ritt von dort auf einem Esel nach Tato'i. Mir wurde schon ganz anders zu Mute in der frischen Morgenluft, mein Herz war wie eine Lerche, und mit vollen Zügen sog ich in mich Licht, Luft, Vogelfang und all das reiche Leben der Batur um mich her. Sn den Schluchten schlugen die Nachtigallen. Sch brachte in Tato'i köstliche Tage zu. Mit Busnahme der Mittagsstunde war ich von morgens 8 bis abends 7 Uhr draußen, immer unterwegs auf den Bergen und in den Tälern im Gefolge meines dänischen Freundes, des lebendigen und fleißigen Direktors M., der seiner Köchin Diamento die Weisung gegeben hatte, alles aufzubieten, um mich „fett" zu machen. Den durch regelmäßige Milchkur Erstarkenden führte der Freund durch Sonne und Schatten über Felder und durch Wälder, auf gebahnten Wegen und durch psadloses Gestrüpp, in tiefe Täler und auf hohe Berge. Es war warm bei Tage und kühl des Nachts. Beständig strömende Quellen lieferten klares, kaltes Wasser, prächtige malerische Kiefern standen einzeln oder in Gruppen vereint mit interessanten Stämmen und riesigem Geäst. Ganze Waldungen dieser Baumart zogen sich um die mittlere Talsenkung, in der die alte Poststraße nach Böotien läuft, boten dem Buge beruhigende Weide und erfüllten die Luft mit würzigem Duft. Es war da oben ein kleines Dänemark. Die Häuser waren mit roten Ziegeln gedeckt und mit schmucken Giebeln versehen. Bingsum lagen die Berge, im Bücken der parnes mit hohen hängen und tiefen Schluchten, im vorblick in weitem Halbkreis pentelikon, hpmettos, Bthen, das Meer und jenseits desselben der Peloponnes. Bbends fesselte uns eine sehr lebhafte Unterhaltung. Der Freund war ein sehr belesener Mann, für jede neueste Idee sich begeisternd, stets im Banne des Buchs, das er gerade las, Naturwissenschaftler und für die Philosophie interessiert, Traumdeuter und Thiromant, von der Wahrheit des Spiritismus überzeugt. Da gab es ^regte Debatten, auch politische Buseinandersetzungen über die schleswig-holsteinische Frage. Im Sommer 1882 wurde uns die frühere Sommerwohnung des verstorbenen dänischen Bdjutanten des Königs, eine möblierte Wohnung von 6 Zimmern, als Sommerwohnung zur Verfügung gestellt. Es gab von da an jedes Jahr, wo wir sie bezogen, einen regelrechten Umzug mit drei Lastwagen und einer Kutsche, da man mit allem ausgerüstet sein *) Anmerkung der Redaktion: Rach Zeitungsmeldungen hat sich der von schwerer Rrankheit genesene König Konstantin neulich zur Erholung nach diesem Gut begeben. ^ mußte, vor allen Dingen mit Kolonialwaren für Monate, mit Herbstkleidern für die kalten Tage usw. Jeden Tag war Verbindung mit dem 25 Kilometer entfernten Bthen durch einen königlichen prooiantwagen, der um Mitternacht mit der Zufuhr für die Sommerkolonie von Bthen ins Gebirge fuhr. Bus der königlichen Gutswirtschaft bezogen wir Milch, Tier und Geflügel, aus der Soldatenbäckerei Graubrot. Blles übrige mußte von einem Beauftragten in der Stadt ein- gekauft und nachts mit dem proviantwagen expediert werden. Jeden Morgen um 5 Uhr holte dann ein Diener mit dem Esel die Sendungen und die Post ab. Unsere Wohnung war die Hälfte eines an drei Seiten, einen Hof, in dessen Mitte ein Bauernhaus stand, umschließenden Gebäudes. Es lag mitten im Walde auf einer höhe am Bande einer Waldschlucht, durch die ein Fußpfad nach dem 20 Minuten entfernten eigentlichen Tatot führte, während eine wohl gebaute, z. T. durch Steinmauern umhegte Straße sich oberhalb des Waldhauses in weitem Bogen an einem Wasserreservoir nach Tatöt hinzog. Jenseits dieses Hochweges zogen sich die Nadelwälder aufwärts bis zum Hochplateau des parnes, dessen Band in grauen, z. T. abenteuerlich geformten Spitzen durch das Grün des Waldes brach, vom Hause, wie von dem Hochwege sah das Buge nichts als Wald, in dessen Nadeln die Sonne oft die reizvollsten Lichtwirkungen erzeugte. Bus unserer Warte, inmitten eines Waldkessels, genossen wir den Duft, der durch jeden Sonnenstrahl, durch jeden Windhauch geweckt und bewegt wurde. Tag und Nacht hörten wir das sanfte, stille Sausen, zuzeiten freilich auch das Ge- brause von Stürmen. Bn heißen Tagen hörte Tag und Nacht das Schnarren der Zikaden (tsitsikädes) nicht auf, man gewöhnte sich so daran, daß man es nicht besonders hörte. In den herrlichen Sommernächten wölbte sich über uns ein Sternenhimmel von berückender, zur Bndacht stimmender Schönheit und Majestät, und jeden Bbend sahen wir über die Waldberge hinweg die massige, uns zugekehrte Breitseite und den Gipfel des pentelikon, sowie den breiten Bücken des hpmettos in der Glut der Bbendbeleuchtung sich röten oder tief violett färben, bis das Dunkel der Bacht alles bedeckte und tiefster Friede sich über alles senkte. (Fortsetzung folgt.) warum der Grenzer-Narl die Rosen.Iieb hat. Erzählung von Karl Hesselbacher. (Fortsetzung.) Der Grenzer-Karl rief unwillkürlich: „Ei, das ist gerade wie im Lohengrin!" Basch drehte der Forstmeister den Kopf. „Was sagen Sie da? Wissen Sie etwas von dem Lohengrin? Das hätte ich nicht gedacht, daß der Lrabanter Schwanenritter auf die Dalz zu den Kunden kommen kann!" Der Grenzer-Karl stemmte die Brme auf seinen Spaten. „Wenn es der Herr Forstmeister nicht für ungut nimmt, will ich das erzählen, wie ich den Lohengrin gesehen habe." Der Forstmeister lachte: „Ei nun, warum denn nicht — hätte meiner Treu nicht geglaubt, daß ein wandernder Schlosser eine heimliche Liebe zu dem Helden vom Gral in seiner Brust trüge!" Mitten im Satz brach er ab und griff wieder nach seinem Spaten. Der Forstmeister aber blickte mit einem seinen und gütigen Lächeln nach dem Burschen. Dies Lächeln war wie eine gute Hand, die über des jungen Mannes struppigen Scheitel leise strich. Der wunderliche zer- strobelte Bursch hatte da mit einem Male einen winzigen 116 Spalt 'einer Seele aufgetan, und als der Forstmeister hinein- schautc, schien es aus diesem Spalt heraus wie das Schimmern edlen Metalls. Der Forstmeister sagte abends zu seinem Weibe: „Eins weiß ich, den roten Hahn steckt uns der Mensch sicher nicht auf das Dach. Man sollte nicht glauben, wieviel Poesie unter zerrissenen Kleidern wohnen kann!" Und der Herr Forstmeister nahm jid) vor, auf den Grenzer- Karl ein besonderes Uugc zu haben. Der Mann war es wert, daß man ihn nicht gleichgültig unter dem Schutt der Straße verschwinden ließ. Uoch jemand hatte sorgsam auf die Rede des Grenzer- Karl gehört. Das war die Franz. Sn ihren Äugen fing um die kümmerliche und verhungerte Gestalt des Landfahrers ein zarter Schein sich zu legen. Wäre die Franz katholisch gewesen, so hätte sie am Ende etwas von einem Heiligenschein um ihn leuchten gesehen. Und wäre sie ein Dichter gewesen, so hätte sie von einem Schimmer romantischer Poesie geredet. Sie war aber ein einfaches Mädchen aus dem Volk. Darum redete sie nicht von Schein und Schimmer, aber sie guckte den Grenzer-Karl von jetzt an nicht mehr als einen verkommenen von oben herab an, sie kriegte so etwas wie Respekt vor dem Manne, der in einem wirklichen Theater gesessen hatte und so wunderschön davon erzählen konnte, daß sogar der Herr Forstmeister beifällig darüber genickt hatte. (Fortsetzung folgt.) Kleine Mitteilungen. Seltsamerweise haben sehr viele Paare, die kriegsgetraut worden sind, es versäumt, sich auch kirchlich trauen zu lassen. Das führt manchmal hinterher zu schweren Gewissensbedenken. So schrieb ein Feldzugsteilnehmer neulich vom östlichen Kriegsschauplatz an seinen Pfarrer, er und seine Frau fühlten sich lebhaft beunruhigt, daß sie, ohne kirchlich garraut zu sein, auseinandergegangen feien. Zugleich fragte der Briefschreiber an, was er machen solle. Es konnte ihm nur geantwortet werden, er solle, sobald er in die Heimat zurückkehre, die kirchliche Trauung nachholen. Es ist schwer verständlich, daß man an die Kriegstrauung nicht gleich die kirchliche Trauung anschließt. Das geht doch ohne jeglichen Zeitverlust und wahrlich auch ohne Brautkleid. Es ist wirklich schwer verständlich, daß Ehegatten, die auseinandergehen und sich dabei sagen, daß sie einander vielleicht nicht Wiedersehen, darauf verzichten, Gottes Segen zu ihrem Bunde zu erbitten. kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 2 5. Juli, 8. nach Trinitatis. Kollekte für die innere Mission. Gottesdienst. In der Stadtkirche, vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe. Zugleich Thristenlehre für die Ueukonfirmierten aus der Markusgemeinde, vormittags 9'/r Uhr: Pfarrer Mahr. Beichte und heiliges Ubendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam. Unmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten, vormittags 11V« Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. In der Iohanncskirche. vormittags 8 Uhr: Pfarrer Uusfeld. Zugleich Thristenlehre für die Ueukonfirmierten aus der Fohannesgemeinde. vormittags 9V- Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und heiliges Ubendmahl für Lukas- und Fohannesgemeinde. Unmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. vormittags l l Vr Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Ubcnds 8 Uhr: Versammlung und Libelbesprechung im Fohannessaal. Mittwoch, den 28. Juli, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Uusfeld. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- unb Weißwaren Herren- u. Knabenkleiber EdgarBorrmann Giessen >>»U Neustadt 11 Eisenwaren,Haus-u. Küchengeräte Teleph. 165 J|T|t||jk| Oefen, Herde, kupferne u. gußeiserne Waschkessel, Haus- u. Küchen- jFpfif? lll geräte,SolingerStahlwaren,landwirtschaftl.Maschinenu.Geräte,VogeP~ käfige u. Züchterutensilien, Fischereigeräte etc. etc. Waffen u. 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