Nr. 28. Gießen, 7. Sonntag nach Trinitatis, 18. Juli 1915. 4. Jahrgang. Zriede. Evangelium des Johannes 14, 27. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Es sind jetzt gerade acht Wochen her, seit wir diese Botschaft im Evangelium des Pfingstfestes gehört haben, viel Kriegsunruhe ist seitdem wieder über uns hergegangen, viele jungen Dhren haben sich geschlossen, die sie in dieser Welt nicht mehr vernehmen. Wie anders sieht der Friede aus, der ihnen nun geschenkt ist, die ihr Blut dahingegeben haben, als der, um den wir ringen, und der uns nur immer neue Opfer kostet! Wir müssen immer noch um den Frieden bitten, den jene in vollem Maße haben. Steckt nicht manche blöde Trostlosigkeit in unseren Bitten? Uber nach dem Willen dessen, der die obigen Worte geredet hat, sollen unsere Kerzen weit und frei sein, und aus ihnen sollen die Bitten nicht mit stummer, wenn auch ergreifender Klage herausschleichen, sondern wie die jungen Lämmer hervorspringen und Hüpfen, wohin sie wollen und wo sie ihres Herzens Genüge finden. Der Heiland sieht auch in unseren Herzen die Litte zaghaft stehen, die Litte um Frieden. Er sieht, wie sie von des Zweifels Hand festgehalten wird, daß sie sich nicht losringen kann. Er sieht die Sorgen und Nöte, die sich mit Zentnerlast an sie hängen und sie nicht wollen vorwärts kommen lassen. Er sieht all unseren Jammer und Elend und hat auch für uns das Wort bereit: Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Der Heiland sieht auch, wie sich unsere Bitte mit der Frage der Menschheit vereint, die sich also laut werden läßt: Ist es nicht möglich, daß du mir den Frieden gewähren kannst, nach dem ich mit ohnmächtigen versuchen nun schon die ganze Zeit über ringe, seit du auf der Erde gewandelt bist? — Ihr antwortet er: Gewiß kann ich das, aber meine Stunde ist noch nicht gekommen. Ihr sollt erst einmal das Friedensbild kennen lernen, das ihr euch selbst im Namen und mit Hilfe der Welt aufgerichtet habt, wie ist es euch doch mit tausend Zungen gepriesen worden als das höchste, zu dem der Menschheitsgedanke euch emporführen sollte! Mit welcher Sicherheit haben beredte Zungen euch gepredigt, daß die Verwirklichung des Friedensideales dieser Welt nur eine Frage der Seit sei, und daß sie die Menschheit ganz allein, ohne jede fremde Beratung, zustande bringen könne. Es brauchen nur alle Kräfte daraufhin zur Entfaltung gebracht werden, so müsse es notwendigerweise glücken. — Hur der Geist grimmigen Haders, der in diese Menschheits- familie geflogen ist, hat die kühnen Menschheitsträume alle zunichte gemacht. Der Traum des Menschheitsfriedens ist für lange Zeit verflogen. Seine Anhänger stehen da und wissen sich nicht zu helfen. Kur denen kann geholfen werden, die sich die Worte des Heilands zur Warnung dienen lassen: Nicht gebe ich euch, wie die WeU gibt. Er sagt zu ihnen: Mein! Friede ist anders, ist besser, als der, den die Welt gibt. Er ist nicht auf wankelmütige Menschheitsträume, sondern auf Gott gegründet. Der Gottesgedanke muß den Menschheitsgedanken unter seine Leitung nehmen. Dann erst werden die sehnlichen Bitten der Menschen um Frieden in Erfüllung gehen. K. G. Die ältesten evangelischen Pfarrer der 5tadt Gießen. (Nach der Ehronik der evangelischen Kirchengemeinde Gießen.) (Fortsetzung.) Gresers Nachfolger wurde der Pfarrer Johann Ulichius,' wahrscheinlich war sein Familienname Ulich, diesen Namen hat er der Sitte der Zeit entsprechend in lateinischer Form wiedergegeben. Er war vor seiner Berufung nach Gießen Pfarrer zu Nodheim bei Nidda und wurde im Januar 1534 mit seiner Hausfrau und seinem hausrate auf drei Wagen auf Kosten der Stadt Gießen hierher gebracht. Ulich starb zu Gießen bereits im Jahre 1554. Wahrend seiner Nmtszeit wurde der Pfarrer zu Londorf als Kaplan angenommen und die verfallene Kaplanei in der Kaplansgasse wieder aufgebaut. Der dritte Gießener evangelische Pfarrer war Heinrich Grth, seither Professor in Marburg. Mit ihm scheinen die Gießener nicht besonders gut gefahren zu sein,' denn bald brachen zwischen ihm und den Bürgern Streitigkeiten aus. welche Ursache diesen Streitigkeiten zugrunde lag, läßt sich aus einem Schreiben ersehen, das Landgraf Philipp am 18. Uovember 1563 an Drth richtete. Der Landesherr schrieb: „Darum ist unser gnädigstes Begehren, Ihr wollet Euch mittlerweil in Eurem Predigtamt zu Gießen, nämlich zu Kranken zu gehen, sie zu trösten und Sakrament zu reichen, also halten, daß deßhalb keine billige Klagen an 110 Luch gelangen. Und sonderlich die Leut auf dem Predigtstuhl nit schmähen, auch sie zu den unnäthigen Feiertagen nit dringen, sondern da sie die sürnehmsten Feste, als nem- lich Weihnachten, Ostern, himmelfarth und Pfingsten und die Sonntage wohl feiern, ist genug. Die anderen heiligen Tage seint nicht notwendig zu feiern, wollen auch, daß Ihr sie nicht dazu dringet, denn Ihr wisset, daß zu Gießen ein arbeitsam Volk ist, als Wollenweber, Führleuth, Ackerleuth und Undere. Und wir wissen, daß uff solche Feietage, die dermaßen angestellt werden, gewißlich mehr Loses geschieht, als uff die Werktage." Diese Ausführungen des berühmten Fürsten sind hochinteressant. wir hören hier, in welcher Art die Gießener Bürger sich im 16. Jahrhundert, kurz nach Luthers Tod, beschäftigten, es gab hier viele Weber, Fuhrleute und Lauern, und allesamt waren sie fleißige Leute. Pfarrer Drth war ein Eiferer, der sich noch etwas im Fahrwasser der alten Zeit bewegte! denn er wollte die heiligen- und Aposteltage noch gefeiert haben. Der Landgraf beabsichtigte, den eifernden Pfarrer nach Gladenbach zu versetzen und an seine Stelle den dortigen Pfarrer Theophil Trato zu berufen, es kam aber nicht dazu. Grth ist wohl im Jahre 1566 gestorben. (Fortsetzung folgt.) Griechische Sommerfrischen. von Geh. Gberkonsistorialrat V. w. petersen in Darmstadt. (Fortsetzung.) Ich habe während meiner griechischen Jahre das pen- telikon 8 10 mal bestiegen, doch war die Beleuchtung nie so günstig wie bei dieser ersten Ersteigung und einer späteren im Jahre 1878, die ich mit meiner Frau unternahm. Lei letzterer nahm ich für meine Frau einen Esel, der sie wenigstens bis zur Grotte tragen konnte. Um 3 waren wir aufgebrochen und erreichten den Gipfel kurz nach 5 Uhr. So klar wie an diesem Tage habe ich nie wieder das Panorama gesehen. Jedes Dörfchen, ja Häuschen war in der Masoja sichtbar, in den Fenstern Athens glitzerte die Morgensonne, Parthenon und Erechtheion zeigten deutlich ihre marmorbleichen Säulen, im phaleron lag die griechische Flotte friedlich vor Anker. Vas Großartigste war aber der erstaunliche Fernblick auf die Kpkladen, die man teils ganz, teils in ihren höchsten Erhebungen eine nach der andern feststellen konnte: Andros, Tinos, Mpkonos, Lyra, Keos, Thermia, Seriphos-Siphantos, paros, Kimolo, endlich in einer Luftlinie von 20 geographischen Meilen sogar Milos und nach der peloponnesischen Seite bis zu den westlichen Uandgebirgen Arkadiens. Unsere täglichen Spaziergänge waren eine Duelle hohen Genusses. Es geht nichts über die Wege, die man sich selber in einer großartigen Gebirgswelt sucht, und in einer so noch vom Fremdenverkehr unberührten, wie es die griechische ist. Da fehlen die gebahnten Straßen, die Ortschaften mit bequemen Wirtshäusern, die von Baedeker vorgeschriebene Marschroute, die Wegweiser. Man schreitet in Gottes herrliche Welt hinein, wie in ein großes Geheimnis. Und wie oft traf man Stunden lang keinen einzigen Menschen, oder sah nur in weiter Ferne Hirten mit ihren Ziegenherden. Man mußte freilich für seine Verproviantierung besorgt sein und sich vorher nach den Ouellen erkundigen, die man etwa bei der gewagten Wanderung über Berghänge und durch Schluchten antreffen würde. Auf einer sechsstündigen Wanderung wäre uns der Mangel an Wasser beinahe schlecht bekommen. Meine Wandergefährtin drohte zu verschmachten und konnte nicht mehr weiter, da hörte ich den Ausschlag eines Spitzhammers, ging dem Ton nach und traf auf Steinbruchsarbeiter, die bereitwilligst uns quellfrisches Wasser darreichten, freilich in einem alten rostigen Gesäß, an das wir in normalen Verhältnissen nimmermehr unsere Lippen gesetzt hätten. Sn diesem Falle tranken wir aus ihm neues Leben und neue Kraft. Das Leben in solcher Einsamkeit ist nicht jedermanns Sache, wir waren aber mit Büchern und Arbeiten so versehen, hatten unseren Tag mit bestimmten Aufgaben und Spaziergängen so genau eingeteilt, daß uns die Wochen dahinflogen wie ein Traum. Sieben Jahre vorher war diese einsame Gebirgs- und Waldgegend noch Schlupfwinkel von Bäubern gewesen, die der griechischen Regierung diplomatische Auseinandersetzungen mit England eintrugen. Als wir im Kloster waren, kam einmal ein reicher Grieche mit Bisten voll Lebensmitteln hinaus, um einige Wochen dort zuzubringen. Er hielt es aber nicht 24 Stunden aus. wir ließen ihm sagen, daß wir schon Wochen lang da seien und ohne Bedeckung und Gefahr weite Wege allein ins Gebirge machten. Er ließ uns antworten: wir hätten ja nichts. Und daran hatte der wann ganz recht, wir gehörten nicht zu den beati possidentes, die sich vor Räubern fürchten mußten. Festtage waren für uns die Tage, wo unsere Freunde aus Athen zum Besuch kamen. Da wurde unter den herrlichen Silberpappeln unterhalb des Klosters das Lager bezogen, und da in Griechenland der Gast mitbringen muß, was sein Leben fristet, so entwickelte sich jedesmal ein picknick froher, der Stadt und ihrer Hitze und ihrem schlechten Wasser entronnener, in der köstlichen Berglust aufatmender Menschen. Sn jedem Sommer war der haupttag für das Kloster der 27. August, das Fest der Lntschlafung der Mutter Gottes (kimisis tis Panajias). Ein Kirchenfest hat in Griechenland eine volkstümliche Bedeutung. Schon am Vorabend kamen von allen Seiten die Gäste, zu Karren, zu Esel, zu Fuß. Der leere Platz außerhalb des Klosters war von einer bunten Menge erfüllt, darunter viele Frauen und schreiende Säuglinge, alle in sauberen Festanzügen. Da waren die Albanesinnen (Attika hat eine vorwiegend albanesische Bevölkerung) in langem, bis auf die Knöchel reichendem, weißem hemdartigem Gewand, darüber ein ärmelloser, wollener, vorn offener Mantel. Vas Hemd ist am Saume und an den Aermeln bunt gestickt in blauen und roten Würfeln aus Arabesken. Auf dem Kopfe tragen sie die Kappen aus aneinander gereihten, meistens venetianischen Münzen im werte bis zu 2000 Franken. Die Frauen der wlachen, des griechisch redenden Hirtenvolkes, das im Sommer im Gebirge, im Winter an der Küste seine härenen, mit Laubwerk überdeckten Zelte hat, kommen in dunkelbraunen wollröcken, die mit Gold und Silber gestickt sind, darüber eine flatternde Jacke mit griechischen Aermeln, vor der Brust silbernes Nestel- werk. Dann die Griechinnen im weiten seidenen Rock von einfacher Farbe mit eng anschließenden, anmutigen Jäckchen von schwarzem oder braunem Samt mit geschmackvoller Goldstickerei. die Brust bedeckt mit seinem Spitzentuch, auf dem Kopf der rote Fez mit blauer, golddurchwirkter Ouaste. Ein buntes Treiben herrschte auf dem Klosterhof, wo die Familien sich in Gruppen auf den Treppen, in den Säulengängen, in der Vorhalle der Kirche zur Nachtruhe lagerten und bis tief in die Nacht das Gesumme der Menschenstimmen in unser Zimmer drang. Am Festtag war alles früh auf den Beinen. Die Gottesdienste begannen schon vor 6 Uhr. Auch wir 111 hielten um 7 Uhr unseren Kirchgang, die Kirche war gedrängt voll von Männern; die Frauen standen teils in der Vorhalle mit ihren Kindern, teils draußen, wir wurden zu den erhöhten Sitzen der Priester geführt und konnten von dort aus dem ganzen Gottesdienst Zusehen, der von dem Igumenos in lilaseidenem Unterrock, rotem, reich mit Gold geziertem Ueber- gewand und in einem schweren, goldgestickten Mantel geleitet wurde und mit einer Abendmahlsfeier endete, vie Tätigkeit der Gemeinde bestand im Kreuzschlagen und Kniebeugen an den geeigneten Stellen der Liturgie, wir konnten uns des Gedankens an heidnische Opfer nicht erwehren, als wir abends die der heiligen Jungfrau dargebrachten Geschenke musterten: kleine Pferde, Augen, Menschengestalten, rohe Nachbildungen von Frauen, Kindern, Haustieren aus Silber, Dankesgaben für Heilungen von allerlei Krankheiten und Gebrechen. Nachts lagen die Menschen friedlich in Familiengruppen ausgestreckt, wo nur immer ein Lager- plähchen war. Am folgenden Tage folgten dann die wundervoll anmutigen Neigen- und Tinzeltänze, die ich anderswo schon geschildert habe, unter dem Laubdach der Silberpappeln. Für uns waren diese Festtage immer sehr ermüdend, da wir von morgens bis abends uns unter die feiernden Menschen mischten, die so naiv zutraulich uns bewunderten, wie wir sie. Da wurden die Kleider betastet, die Handarbeit meiner Frau bewundert, die Frauen redeten meist albanesisch und manches Wort wurde von uns gelernt: Mir dit guten Tag, Mir brum guten Abend, und da die Handarbeit betrachtet und schön befunden wurde, auch ge8ch6ra, Schere, und bukur schön. (Fortsetzung folgt.) warum der Grenzer-ttarl die Nasen lieb hat. Erzählung von Karl Hesselbacher. (Fortsetzung.) „Das ist so gewesen. Sch bin mit einem alten Speckjäger über den Taunus nach Frankfurt und Mainz getippelt?) Es ist uns nicht arg gut gegangen. Einmal hat uns Klempners Kar?) gepackt, und wir haben im Kittchens drei Tage lang Holz geigenh müssen. Aber wir haben den Humor nicht verloren. So sind wir nach Mainz gekommen, und da ist an den Anschlagsäulen ein mächtiges Papier gehängt. „Tagliostros weltberühmtes Theater", hat es geheißen. Und da ist gestanden: „Auf offener Bühne wird einem lebendigen Menschen der Kops abgeschlagen und unter der Anwesenheit von gelehrten Leuten und besonders von Aerzten, herumgezeigt, so daß sich jedermann überzeugen kann, es ist wirklich ein Menschenkops, der dem verehrlichen Publikum gezeigt wird." — Uns hat gegruselt. Und der Speckjäger hat gesagt, so — da wird hineingegangen. Er hat den ganzen Nachmittag Klinken geputzt, bis er so viel beieinander gehabt hat, daß er den Eintritt hat bezahlen können. Sch bin zu müde gewesen. Meine Füße waren blutig gelaufen. Drum bin ich in der Herberge sitzen geblieben. Aber der Speckjäger ist ganz begeistert heimgekommen, weil das so fürchtig und so grausam schon gewesen war. Sch habe mir aber gleich gedacht, das muß ein Schwindel sein. Denn sonst tät sich gleich das Gericht hineinlegen. Und für einen Schwindel war mir noch nie in meinem Leben ein poscher seil. Aber ich habe mir gedacht, wenn wieder einmal etwas Schönes zu sehen ist — dann mache ich es auch wie der Speckjäger. Dann kann ich auch etwas erzählen, wenn ich heimkomme. So sind wir nach Mannheim gekommen und an den Säulen *) Gewandert?) Gendarm. 8 ) Gefängnis. *) sägen. ist gestanden: Hoftheater — Lohengrin. Da habe ich mich erinnert, wie ich am Uhein unten gewalzt bin, und wie ich an ein Schloß gekommen bin, das haben sie die Schwanen- burg geheißen und haben gesagt, da sei einmal ein Bitter auf einem Schwan den Uhein heruntergeritten gekommen. Der habe Lohengrin geheißen und habe ein schönes Bitter- fräulein aus den Krallen eines fürchterlichen Bösewichtes befreit. Und wie ich da lese „Lohengrin" — habe ich zu mir gesagt: das mußt du sehen, das ist noch viel tausendmal schöner als dem Speckjäger seine Köpferei, von der er aller lvelt erzählt hat. Uichtig, ich habe es mich die Mühe nicht verdrießen lassen und habe mir so viel Geld zusammengefoch- ten, daß ich habe den Eintritt in das Theater bezahlen können. Die Leut, die neben mir gesessen sind, haben freilich mörderlich gescholten, daß man einen so abgerissenen Kerl da hereingelassen hat — ich habe wohl auch nicht gerade nach einem Friseursladen geduftet — aber das hat mich nicht gekümmert. Ich habe nur das Stück auf dem Theater gesehen, und das war das Allerschönsts, was ich in meinem ganzen Leben gesehen habe. Ich kann das nicht vergessen, und wenn ich hundert Jahre alt werdel. U)ie der Bitter gefahren gekommen ist auf einem silbernen Aachen, und der Schwan hat den Bachen gezogen, und an seiner Lanze hat er ein Fähnlein gehabt wie das Fähnlein da unten auf dem Fluß, und die schone Herzogin, die hat Elsa geheißen, hat gejubel, wie wenn ein Engel vom Himmel gekommen wäre — und es ist so traurig ausgegangen. Der Bitter hat wieder fort müssen auf dem Schwanennachen, weil die Elsa nicht hat schweigen können und hat ihn gefragt, wie er heiße und woher er komme, und ich Hab gedacht, was sind doch die Weibsleute so einfältig und treiben sich immer selber aus dem Paradies hinaus. Ich tät drin bleiben, wenn ich einmal ein Paradies gefunden hätt. . ." (Fortsetzung folgt.) wann kommt die Ernte? Nun rauscht wieder das Korn irn Winde und die goldenen Garben harren der Scheuer. Wann fängt die Erntearbeit an? Es gibt kaum einen Monat im Jahre, in dem nicht in irgend einem Lande oder Erteil das Brotkorn reift. Die hauptmenge des auf den Weltmarkt kommenden Getreides wird heute noch in der gemäßigten Zone der Bordhalbkugel, in Europa, Nordamerika und Indien, erzeugt. In Europa fällt die Ernte im mittleren Gebiet in die Monate Juli und August, im Borden wird im September und Oktober, in Südeuropa im Juni geerntet. Schon im Mai reift das Korn in Bordafrika, in Syrien und Babylonien,' bei den alten Hebräern feierte man zu Pfingsten das Erntefest. In Indien fällt die Getreideernte in die Monate Februar und März. In den Ländern der Südhalbkugeh die bekanntlich vertauschte Jahreszeiten haben, so daß dort die Monate Oktober bis März das Sommerhalbjahr bilden, erntet man im November und Dezember. In Deutschland selbst beginnt der Schnitt unseres wichtigsten Brotkorns, des Boggens, im weitaus größten Teil des norddeutschen Tieflandes und in den niederen Lagen Mittel- und Süddeutschlands zwischen Mitte und Ende Juli. Einen sehr viel früheren Erntetermin haben die warmen Striche am oberen Bhein und am Main-, Mosel- und Beckargebiete zu verzeichnen, etwa zwischen 8. und 15. Juli. Noch früher, schon in die ersten Tage des Juli, zum Teil sogar Ende Juni, beginnt die Ernte in weiten Gegenden Oesterreich-Ungarns. Im Süden der großen ungarischen Tiefebene sieht man den 29. Jurch den Peter- und paulstag, als Eröffnung des Weizenschnittes an. Auch im 112 österreichischen Donaugebiet und in den warmen Tälern der Gstalpen reift das Korn um dieselbe Zeit. Den Gebieten mit zeitiger Ernte stehen Landestelle mit später Ernte gegenüber, wo das liorn erst im Uugust oder September zur Reife gelangt, hierzu gehört ein großer Teil der Nordseeküste. Die späte Ernte ist hier in der Hauptsache durch die Kühlen Sommertemperaturen bedingt, daneben wirken noch lvind und Sturm ein, die bekanntlich zu den schlimmsten Feinden des Pflanzenlebens zählen. Mehr oder minder stark verzögert sich die Ernte auch aus den Hochflächen und im Gebirge. In den rauheren Lagen der deutschen Mittelgebirge reift das liorn gewöhnlich erst vor Mitte oder Ende Nugust. Spät oder früh — wir freuen uns, daß Gott zu seiner Zeit die fleißige Nrbeit des Landmannes segnet, die so viele Stadtbewohner erst jetzt im Weltkriege mit seinen Nushunge- rungsbestrebungen so recht würdigen gelernt haben. Gottes Verheißung bleibt uns Trost und Kraft, auch wenn allerlei Nöte vor oder während der Ernte dieselbe gefährden: ,,So lange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und lvinter, Tag und Nacht!" Kleine Mitteilungen. Bei den Gottesdiensten in der Johanneskirche kann man oft wahrnehmen, daß die liirchenbesucher, namentlich solche, die erst kurz vor Beendigung des Geläutes kommen, sich auf den Hinteren Bankreihen eng zusammendrängen oder dort lange nach Plätzen suchen, während aus den vorderen Bankreihen noch gute Plätze zu haben sind. Nuf diese Plätze seien besonders solche Gemeindeglieder aufmerksam gemacht, die nicht gut hören. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 1 8. Juli, 7. nach Trinitatis. Gottesdienst. In der Stadttirche. vormittags 8 Uhr: Pfarrer Mahr. Zugleich Thristenlehre für die Neukonfirmierten aus der Matthäusgemeinde, vormittags 9 V,- Uhr: Pfarrerassistent Hoffmann. vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Schwabe. Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Mittwoch, den 21. Juli, abends 8 Uhr: Kriegsbet- stunde. Pfarrer Schwabe. Kommenden Sonntag, den 25. Juli, findet im Hauptgottesdienst Beichte und heil. Nbendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam statt. In der Johanneskirche. vormittags 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. vormittags 9Vs Uhr: Professor D. Schian. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer U u s f e l d. Kommenden Sonntag, den 25. Juli, findet im Hauptgottesdienst Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und Johannesgemeinde statt. Nächstkünftigen Sonntag, den 25. Juli, wird in allen Gottesdiensten in beiden Kirchen eine Kollekte für die innere Mission erhoben werden. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. 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