Nr. 24. Gießen, 3. Sonntag nach Trinitatis, 20. Juni 1915. 4. Jahrgang. Wider den Meinglauben. Psalm 65, 10 und 11 Du lässest ihr Getreide wohl gerate» ; denn also bauest du das Land. Du tränkest seine Furchen und feuchtest sein Gepflügtes; mit Regen machest du es weich und segnest sein Gewächs. Eine Zeit der Zorge sind für uns die drei ersten Wochen nach Pfingsten gewesen. Wohl freuten wir uns der Zonne, die leuchtenden Zchein über das Land verbreitete, als aber ihre Ztrahlen Tag für Tag sengend und austrocknend auf die Fluren herniederfielen, da erwachte in unserem Perzen die Frage: Wie wird es mit der diesjährigen Ernte gehen? hängt doch von ihrem Busfall unendlich viel ab. Wird uns eine gute Ernte beschert, so sind wir für ein weiteres Fahr mit Brot versorgt, und der Bushungerungsplan unserer Feinde wird zu schänden, mißrät aber das Getreide, so kommen wir in die größte Bedrängnis. Besonders bei unseren Zandleuten griff der Geist der Zaghaftigkeit um sich, man konnte schon die Bemerkung hören: klommt jetzt nicht bald der Begen, so steht die Hungersnot vor der Tür. Es ist nicht recht, daß wir so zaghaftig sind. Es ist Lünde, den Wut zu verlieren und das vertrauen auf Gott wegzuwerfen, wenn nicht alles gleich nach unseren Wünschen geht und unsere Erwartung einmal enttäuscht wird. Der alte Gott lebt noch. Wir haben sein Wirken und Walten in diesem Weltkriege deutlich gesehen. Er hat nicht zugelassen,, daß unsere Feinde nennenswerte Erfolge errungen haben. Zehen wir von einem sehr kleinen Gebiete im Dberelsaß ab, so ist das ganze deutsche Land frei von feindlichen Truppen. Der plan der Engländer und Franzosen, durch Belgien hervorzubrechen und in das rheinisch-westfälische Industriegebiet einzufallen, ist durch die Umsicht unserer Feldherren und die Tapferkeit unserer Zoldaten gleich in den ersten Mobil- machungstagen vereitelt worden. Man sehe sich hier bei uns einmal um! Daß es Krieg ist, gewahrt man kaum. In altgewohnter Weise kommen wir Sonntags zu unserem Gottesdienste zusammen, an den Sonntagnachmittagen strömen in den Städten die Menschen ungehindert hinaus in Gottes herrliche Uatur, und in den Dörfern sitzen sie ruhig auf den Stein- bänken vor den Häusern zusammen. Das Brbeitsleben geht, auch wenn es überall an Brüsten fehlt, doch seinen gewohnten Gang. Wir haben keinen Grund, zu murren und unzufrieden zu sein. Gott hat in schwerer Zeit unsere Geschicke nach seiner Weisheit und Güte gelenkt. Er, der Herr, in dessen Hand die Geschicke unseres Volkes 1°uhen, ist auch der Herr in der Natur. Im verlaufe eines Jahrhunderts hat er nur einmal in Deutschland die Ernte völlig zugrunde gehen lassen. Vas war im Hungerjahr 1816, als endloser Begen eine allgemeine Mißernte herbeiführte. Sonst aber ist gerade in Hessen die Getreideernte stets ergiebig gewesen. So sind wir auch jetzt nach anfänglichem, Kleinmütigem Zagen von unserer Sorge befreit. Gott hat im Winter die junge Saat behütet, er hat im Frühjahr den Frost von ihr ferngehalten, er hat in der vorigen Woche den erquickenden Begen geschickt. Ls ist auch diesmal nach dem uralten Ernteliede, dem 65. Psalm, gegangen: Du tränkest seine Furchen und feuchtest sein Gepflügtes,' mit Begen machest du es weich und segnest sein Gewächs. So haben wir die Hoffnung, daß es auch diesmal nach dem Worte gehen wird: Du lässest ihr Getreide wohl geraten,' denn also bauest du das Land. Darum weg mit dem Bleinglauben und mit dem Sorgengeistc! Gott sitzt im Begimente und führte alles wohl. h. B. Griechische Sommerfrischen.*) von Geh. Dberkonsistorialrat D. W. petersen in Darmstadt. Ich erfülle nur eine Dankespflicht, wenn ich jener beiden Drte gedenke, denen ich es mit den Meinen verdanke, daß wir das Blima Griechenlands mit seinen mancherlei Gefahren für die unter kälterem Himmelsstrich Geborenen ohne größere Schädigungen ertrugen. Wo bleibt man in der heißen Jahreszeit, wenn man nicht ins Busland, nach Europa, wie der Grieche sagt, reisen kann? Bußer drei Sommern in der deutschen Heimat habe ich drei Sommer in Bthen und zwar mit den empfindlichsten Folgen für die Gesundheit verlebt. Die übrigen neun Sommer habe ich zum Teil auf den attischen Bergen zugebracht und zwar zwei im Bloster Mendeli auf dem pentelikon, *) Unsere Leser entsinnen sich der interessanten Berichte über das moderne Griechenland, die Herr Geh. Gberkonsistorialrat l).U). petersen, der Superintendent der Provinz Gberhessen, in den Jahrgängen 1913 und 1914 unseres Gemeindeblattes veröffentlicht hat und die ungeteilten Beifall gefunden haben, tvir freuen uns, unseren Lesern weitere Schilderungen ähnlicher 5lrt aus der Feder des genannten Herrn bieten zu Können, Herr D. petersen ist bekanntlich in den Jahren 1876 1891 Hofprediger des Königs der Fjellenen gewesen. 94 sieben auf dem königlichen Gut Tatot auf dem parnes. vie schönsten Erinnerungen unseres griechischen Aufenthalts knüpfen sich an jene neun Sommer auf den attischen Bergen, Erinnerungen an sorglose Sommertage, an erquickende, stärkende Bergluft, an herrliche Wanderungen allein und im Kreise der Familie und der Freunde, an ein idyllisches Zusammenleben mit der Natur und an stilles Studium in der Freiluft unter dem Schatten der Bäume, an das Aufwachsen und Aufleben, an das Gedeihen unserer Kinder, die im Schoße der Berge vor den schweren Anfechtungen eines heißen Klimas bewahrt wurden. Bas Kloster Mendeli und unser Waldhaus auf Tatst stehen bei uns in unverwischbarer Erinnerung. Zu ihnen will ich daher meine Leser führen. Attika ist trotz seiner Lage zwischen zwei Meeren, die es mit sich bringt, daß eine regelmäßige Luftbewegung vom Lande zum Meer und umgekehrt sich täglich geltend macht, und trotz der oft heftig wehenden winde, die ihm das homerische Prädikat unomools sichern, doch ein sehr warmer Fleck Erde, vie Begenmenge ist gering, und wenn es auch nicht an zeitweilig geradezu flutenden Regenmengen mangelte, so gab es doch keine eigentliche Regenzeit, wie in den tropischen Ländern, und da die Regenfälle selten waren, fotz der ohnehin von den Alten als leptog 608 (eine dünne Humusschicht) betzeichnete Boden das Wasser schnell ein, war an der Oberfläche den größten Teil des Jahres trocken und unter dem Strahl der sehr selten ganz versagenden Sonne so warm, daß weder die Rächte, noch die winde, noch die gelegentlichen Stürme eine durchgreifende Temperaturminderung auf längere Zeit hervorzurufen vermochten. Bis Mitte Mai war ziemlich regelmäßig das Getreide geschnitten und das einzige Grün waren dann die wein- und Gemüsegärten und Bäume mit einem gegen die Hitze harten Laub wie die Gelbäume, Granatbäume u. a., abgesehen von den Zypressen, die in Attika immer das vasein von Dörfern und kleineren Ansiedlungen verraten. Im Februar blühen die Mandelbäume, im April die herrlichsten Rosen, wie denn überhaupt im März, April und Mai die wundervollste Blütenpracht herrscht. Schon im April wird die Wärme empfindlich und steigert sich unausgesetzt bis zum Juni, um sich dann im wesentlichen auf der höhe zu halten bis Ende August, wo die ersehnten Regen fallen sollen und oft nicht fallen. Rach diesen herbstregen tritt dann die unangenehmste Wärmeperiode ein, eine Art heißen, deutschen Sommers mit Gewittern und viel Schwüle. Im Hochsommer fühlt man als gesunder Mensch keinen Druck, atmet leicht und frei und schwitzt ungefähr 24 Stunden am Tage, wenn man letzteres nicht kann, hat man sehr zu leiden, ist vielleicht gar ein Mann des Todes. Der Gesunde ist in der Zeit einem griechischen Schwitzkrug zu vergleichen, jenem unglasierten porösen Tongefäß, in den man das Trinkwasser tut und dann in den wind hängt, so daß es wegen der Verdunstung der Gefäßwände immer eine angenehme Kühle bewahrt. Da im Sommer immer starker wind geht, entbehrt der Gesunde nie einer gewissen Empfindung der Abkühlung, die abends zur Erquickung wird, wenn sich dann nicht gar geradezu eine Kälteempfindung einstellt. Der Fremde hat zunächst arg zu leiden, vie Hitze erzeugt einen sehr juckenden Ausschlag, besonders an den Gelenken, die am meisten der Reibung und der Luft ausgesetzt sind. Bei Eintritt des Sommers gab es wochenlang schlechte, schlaflose Rächte, die an jene Rächt erinnerten, in der Gdysseus sich ruhelos auf seinem Lager wälzte, ein Zustand, den Homer mit einem mehr drastischen als poetischen Bilde schildert (Gdyssee 20 u. 24 ff.): „Allein er wandte sich hierhin und dorthin. Also wendet der Pflüger am großen, brennenden Feuer einen Ziegenmagen, mit- Fett und Blute gefüllet, hin und her und erwartet es kaum, ihn gebraten zu sehen." Eine schreckliche Plage waren in den ersten Jahren auch die Mücken, die zu vielen Hunderten von draußen in das Schlafgemach drangen, so lange die Kerze brannte. Man lernte es bald, abends vor dem zu Bette gehen die Fenster trotz der Hitze geschlossen zu halten und erst,, wenn man im Bette lag, sie wieder zu offnen und der Rachtluft Zutritt zu geben, vie Mücken erschienen in doppelter Gestalt als kunupia, etwa unsere Schnaken, und als skuipss, winzige, durchsichtige Geschöpfchen, die einen besonders brennenden Stich heimtückisch verübten. Man sicherte sich auch durch Tüllvorhänge, kunupiores, die wenigstens das Gros des feindlichen Heeres fern hielten, wcrs allerdings schon am Tag sich in den Falten der Vorhänge für einen nächtlichen Ueberfall versteckt hatte, fiel erbarmungslos über den Schläfer her. vie Mücken haben eine Vorliebe für Menschen mit zarter, nordländischer haut. Der Südländer bildet sich eine Art Lederhaut, die dem Stachel widerstand leistet,' auch lockt sein Blut weniger die blutdürstigen Bestien. Rach einigen Jahren akklimatisiert sich in dieser Beziehung auch der Fremde. Schließlich schliefen wir auch ohne Tüllvorhänge, die die Außenluft fern halten und dem Schläfer ein Schwitzbad verschaffen, das so lang währt als die Rächt. (Fortsetzung folgt.) weiter nichts? An allen Straßenecken Stehen die Leute und recken die Hälse. Reue Depeschen! „was gibt's?" „Lin paar lumpige Breschen In französischen Schützengräben. - Gewehre Und Munition erbeutet. Zweihundert Gefangene gemacht. - weiter nichts!" „Richts weiter?" klingt's enttäuscht, verwundert. „Zum Teufel mit eurem weiter nichts! verdammt!" Lin verwundeter Feldgrauer spricht's Flammenden Aug's und glüh'nden Gesichts. „Ich fluche sonst nicht, bei meiner Ehre! Aber bei solchem Lästertreiben Kann man wahrhaftig nicht stille bleiben. Nichts weiter? — wär's mit dem Maul zu machen, So stünden wohl besser unsere Sachen,- Dann könnte man alle die Helden brauchen, vie sonst zu nichts als zum Schwatzen taugen, wem das nicht langt, was wir Feldgrauen schaffen, Der soll doch nicht Telegramme begaffen, Der soll in die Gräben hinaus, in die Schlacht, Und soll es uns zeigen, wie man's macht, wer aber nicht taugt, vor den Feind zu treten, Der soll auch von solchen Dingen nicht reden!" Er räuspert und spuckt, der wackere Streiter, Und humpelt an seiner Krücke weiter. So müßt' es all den Nörglern geschehen, Venen die Dinge zu langsam gehen. Jawohl! An die Front mit den Zungenhelden, woll'n sehen, was dann die Depeschen melden! Paul Lang. Aus der „Liller Kriegszeitung" vom 9. März l9l5. 95 warum der Grenzer-ttarl die Nasen lieb hat. Erzählung von Karl Hesselbacher. (Fortsetzung.) „Gelt, Kerl, du bist am hellichten Morgen schon beduselt — schmeckt der Schnaps so gut? Scher dich vom Hof, sonst laß ich den Hund los!" Der Grenzer-Karl wollte etwas stammeln von „Nüchternsein wie eine Katz" - da schnitt ihm der Knecht barsch die Nede ab. „Man riecht dir ja den Suff drei Meilen weit an-" der Bursch fuhr sich verzweifelt durch die haare! Im Schauer dieses Fiebermorgens hatte er ganz vergessen, die Kaffeebohnen, die er in seinem braunen Paket immer mit sich trug, zu kauen. Vas unfehlbare Mittel, allen Schnapsgeruch zu vertreiben. Nun freilich würde ihm auf diesem Hof kein Mensch etwas geben. Der häßliche Fuselduft, der gestern sich bei ihm festgesetzt hatte, wurde von keiner Nacht, und wenn sie noch so frisch gewesen war, vertrieben. „Soll ich dir noch eine Lxtra-Linladung schreiben?" rief der alte Knecht scharf. „Sch sage dir, die Handschrift, die ich schreibe, ist deutlich, kriegst die Buchstaben acht Tage nicht aus dem Fell!" Der Grenzer-Karl machte schwankend kehrt, hielt sich einen Augenblick an dem einen löwengezierten Pfosten fest dann sank er langsam auf die Erde. Schwer schlug sein Kops aus dem Pflasterboden auf . . . „Li, da schlag doch das Gewitter zehnmal in den Boden hinein!" schrie der Knecht, „solch ein Himmelhund! wart, ich mache dir Beine!" Lr ging auf den Hofhund zu, um ihm die Kette von dem hals zu lösen — da sprang ein flinkes Mädchen mit fliegenden Böcken über den Hof. Sie war während des kurzen Gespräches zwischen dem Grenzer-Karl und dem Knecht auf der Freitreppe des Wohngebäudes erschienen und hatte den armen Burschen in das Buge gefaßt. Irgend etwas mußte ihr an dem jungen Manne auffallen. Venn ihre Bugen wurden groß, wie wenn sie etwas Unerwartetes entdeckt hätte. Sie hob die Hände über dem Kopf und rief: „Bch Gott, Fritz, wenn du das wirklich wärest!" Bber dann hatte sie sich schon wieder beruhigt abwenden wollen — als sie den Burschen Zusammenstürzen sah. Es schnitt ihr wie mit scharfen Messern durch das Herz. Und als nun noch gar der Gberknecht den Hund losmachen wollte, flog sie mit wind- schnellen Füßen herbei: „Schämt Euch, Hannes, seid doch sonst kein Menschenfresser! was hat Luch der arme Kerl getan? Mit hundsbissen hat noch kein Mensch einen armen Tropf kuriert! helft dem Bürschlein auf die Beine und setzt ihn dort neben dem Stall aus die Sank. Ich hole ihm derweilen einen Schluck Kaffee." Der Knecht steckte trotzig die Hände in die Hosentasche. „Mach, was du willst! wirst schon sehen, wie der da dir lohnt! Spuckt dir deinen Kaffee in das Gesicht. Etwas anderes als Schnaps mag die Sorte nicht!" Bber er schien doch anderer Meinung zu werden, als er den Zusammengesunkenen näher betrachtete: „weiß der Kuckuck, der Kerl kann wahrhaftig nicht mehr aus die Beine! Und so sternhagelvoll kann er am Hellen Morgen doch nicht sein, was ist los, Landser?" — schrie er, schon ein wenig freundlicher, „die Sperrhölzer sind eingerostet, was? Bllez, komm her!" Er griff dem Burschen unter die Brme. Der glotzte den Helfer aus glasigen Bugen an, als wisse er gar nicht recht, wo er sei. Dann aber richtete er sich langsam und schwerfällig wieder auf und ließ sich von dem Blten nach der Bank führen, die das Mädchen bezeichnet hatte. Dort saß er, und sein brennendroter Kopf hing schwer und dumpf auf die Brust herunter. ,,Ver kommt heut nimmer aus dem Hof raus!" brummte verdrießlich der Knecht. „Schöne Bescherung! was der Herr Forstmeister dazu sagt?" Bber da kam das Mädchen wieder über den Hof und trug eine Blechkanne, aus der ein weißer Dampf quirlte. „paßt nur auf, Hannes, das macht ihm wieder Füße Ihr braucht nicht gleich so zu tun, als wäre Matthäi am letzten und Ihr müßtet für den Totengräber sorgen!" Der Hannes guckte halb schmollend, halb lachend aus. „Du bist halt ein Blitzmädel. Wickelst mich alten Bärenhäuter wahrhaftig um den Finger rum wie einen jungen Tellerlecker. Komm her und weck den Kerl da auf! Denk wohl, ich Hab ihn vorhin zu arg angesahren. Wer glaubt aber auch, daß so ein Bursch mit zwei Brmen wie ein Schmied Nerven hat wie ein Stadtsräulein!" Vas Mädchen setzte sich neben den Grenzer-Karl und hielt ihm die dampfende Kaffeekanne vor die Nase: „hier, schnell einen tüchtigen Schluck dann wird's gleich wieder gut sein!" Ihre Stimme hatte einen so mütterlichen Klang bekommen, daß auch der alte Hannes die Ohren spitzte. „Möcht wissen, was die an dem Sonnenbruderh gesunden hat. Weibsbilder sind halt eine gespäßige Basse — die sehen mit anderen Bugen als unsereiner! Und wenn sie einmal einen Mistfinken einen Grafen heißen, kann man machen was man will - man bringt sie nimmer zur Bäson!" Bber — wie der Hannes auch räsonnierte — das Mädchen konnte scheint'? Wunder tun. war es der herzliche Ton in ihrer Stimme, war es der heiße Trank — der junge Mann reckte sich ein wenig, seine Bugen wurden wieder hell, er griff nach seinem Hut, der ihm in den Backen gerutscht war und brummte: „Ich geh gleich, alter Mann, Ihr braucht nicht so wüst zu tun. Der Grenzer-Karl hat noch nie nötig gehabt, sich von Hunden Hetzen zu lassen, wo man mich nicht mag, putz ich schon von allein die Platte!" Der Hannes aber redete ihm gutmütig zu: „halb so wild, Landser! Man muß nicht gleich Galopp fahren. Erst müssen die Gäule an- ziehen. Trink erst deinen Kaffee aus und visitiere deine Knochen, ob sie noch ganz sind. Dann kannst in Gottes Namen deine Gäule Trab fahren lassen." Der junge Mann trank gehorsam den wärmenden Trank aus und fuhr sich über die Stirne, auf der sich ein dickes, blaues Mal gebildet hatte, „wenn mein Kopf nicht einen Puff vertragen könnt, — so hätt diesmal das Flicken nimmer gelohnt," — sein Spott klang nicht recht heiter. Man spürte noch die verzweifelte Stunde durch, in die ihn der Morgen geführt hatte. Und wieder schaute das junge Mädchen ihn mit eigentümlichen Blicken an: „wohin geht jetzt die Fahrt?" fragte sie der Grenzer-Karl hatte schon eine freche Antwort auf den Lippen. Bber der gütige Ton in der Stimme des Mädchens hatte ihn gepackt. Drum sagte er: „Das weiß der Herrgott — wenn es einen gibt! Ich weiß es nicht!" Da schaute das Mädchen ihn noch einmal ernst und lieb an: „Sie sind ein so kräftiger junger Mensch! Sie sollten wissen, wohin die Fahrt geht — zur Arbeit! Und aus der Arbeit in die h e i m a t !" Der Grenzer-Karl stieß einen grellen Buf aus man wußte nicht, war es gelacht oder gestöhnt. „Arbeit Br- ') verkommener Ivanderbursch, der meist im Freien schlafen mutz. 96 beit? . . . wissen Sie, rvie das ist, wenn man nach Urbeit geht, tagelang, und an allen Türen sagen sie: „Scher dich weg, du Schnapsbruder!" (Einer, der so aussieht wie ich — der wird mit dem stumpigen Lesen von der Türe weggestoßen. Aber hineinlassen tut ihn kein Mensch mehr! Hrbeit — das ist für anständige Leut. Für mich gibt es nur noch eins: Fechten, bis ich irgendwo liegen bleib . . ." (Fortsetzung folgt.) Worte zum Nachdenken in der Nriegszeit. Un der Führung eines Gotteskindes bleibt immer etwas Rätselhaftes,' sie wäre nicht göttlich, wenn wir sie ganz verständen ! Der Glaube wartet darum auf jenen Tag, der manche Nacht der vormaligen Pilgerschaft aufhellen wird. * * * Hat schon die Königin von Arabien über Salomos Herrlichkeit bewundernd ausgerufen: „nicht die Hälfte hat man mir gesagt!", wie werden wir erst staunen über der himmlischen Herrlichkeit, wir schätzen oft die Leiden zu hoch und die Herrlichkeit zu gering ein. Jung-Hauser. * * * Gib meinem Glauben Klarheit Zu sehn, Herr Jesu Christ, Daß du der weg, die Wahrheit, Und auch mein Leben bist,' Die finstern Wolken teile, Die bangen Zweifel heile, vertreib, was dir zuwider ist! * * * Der Wille Gottes ist die Sonne der Seinen, nach welcher sich ihr Herz richtet. kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 2 0. Juni, 3. nach Trinitatis. Gottesdienst. 3» der Ztadtkirche. vormittags 8 Uhr: pfarrassistent Hossmann. Zugleich Lhristenlehre für die Neukonfirmierten aus der Matthäusgemeinde. vormittags 9 x /2 Uhr: Einführung des neu ernannten Pfarrers der Matthäusgemeinde Nlahr durch Dekan Gußmann, predigt. Pfarrer Mahr, vormittags ll Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Mittwoch, den 23. Juni, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche. vormittags 8 Uhr: Pfarrer Lechtolsheimer. Zugleich Thristenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde, vormittags 9Vr Uhr: Professor D. Schian. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer N u s f e l d. Im Konfirmandensaal (Liebigstraße 56). Nachmittags 2 Uhr: Taubstummengottesdienst. Pfarrer L e ch- tolsheimer. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen^ in Kleider- stoffensowie Weißwaren Wollwaren Kurz.waren Strickwolle etc. empfiehlt bill. K. Elle Nord-Anlage 35, Ecke Schottstraße Rwt« stsnj Sette Wäusburg 10 fernsprech-Illr. 666 zpejisb SeWfl in lkurl-,Woll-u. Weißwaren Lrstlings-Nusstgttungen puswahlfendungen bmitmilligft Büsch s Müjikhüüs Ecke Kirchenplatz-Lindenplatz Musik-Instrumente :: und Musikalien :: Heinrich Noll Vläusburg Nr. 7 ^Telephon Nr. 292 Spezial-Geschäft für Bureaubedarf - Schreibmaschinen Papierhandlung, Buchbinderei, Gesangbücher. Moderne Kunstarbeiten. Photographische Apparate und Zubehöre Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider Geschw. flolberg Nach!. 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