Nr. 16. Gießen, Sonntag Jubilate, 25. April 1915. 4. Jahrgang. Var tägliche Brot. Lvongelium des Matthäus 6, II. Unser täglich Brot gib uns heute. Auf die Bänder zahlloser Teller war es gemalt, geschnitzt und eingebrannt, in tausende Tischdecken war es kunstvoll gewebt und eingestickt, in den Küchen grüßte es in großen bunten Lettern von manchem Kaminsims — nun endlich ist es auch wieder in die Kerzen geschrieben, das heilige Mittelstück des „Vaterunser": „Unser täglich Brot gib uns heute!" Der Weltkrieg ist auch hier zum eindringlichen Lehrmeister geworden. Tr hat uns mit scharfer Betonung nahegebracht, was es Großes ist um das „täglich Brot", das die überwiegende Mehrzahl von Kindheit an durch die Jahrzehnte des Lebens oft so gedankenlos hingenommen hatte, als verstünde sich das ganz von selbst, ohne viel zu fragen, woher es komme. Aber der Weltkrieg würde sein ernstes Lehramt nicht voll beenden, wenn er es für die Menschen bloß bei der äußerlichen Lösung dieser Frage bewenden ließe. Tausend findige und fleißige Köpfe sind ja tagein, tagaus damit beschäftigt, Vorsorge zu treffen, daß unser täglich Brot, des Lebens gesamte Nahrung und Notdurft, seine rechte Verteilung und Ausnutzung finde. Und eindringlich wird es in allen Zeitungen und Versammlungen gepredigt und gesagt: wir haben nicht bloß den schwersten wasfengang der Weltgeschichte zu bestehen, wir müssen auch wirtschaftlich alle Kräfte aufs äußerste anspannen, mit eiserner Energie am rechten Grte sparen und den wert des täglichen Brotes in ganz neuer weise einschätzen lernen, wenn wir siegreich aus diesem Kiesen- kampfe hervorgehen sollen. Ts ist ganz gewiß: menschlicher Wille vermag viel, und es ist etwas Großes und Bewundernswertes um die volkswirtschaftliche Tatkraft, die gerade in unserem Volke sich jetzt angesichts des schmachvollen englischen planes geltend macht, uns Deutsche vom hilflosen Säugling bis zum wehrlosen Greise aushungern zu wollen. Vas tägliche Brot ist letzten Endes keine Volkswirtschaftssache, sondern Gottessache. Und dasjenige Volk wird trotz allen Ernstes der Zeit doch immerdar Speise und Trank die Fülle haben, welche diese groß und eigentlich selbstverständliche Wahrheit auch aus innerstem Herzensgrund heraus und mit ehrlicher Dankbarkeit anerkennt, wir werden bei der Ernährungsfrage, sobald wir nur ein einzigmal ernst bis auf ihre Grundvorbedingungen zurückgehen, doch so energisch und nachdrücklich mitten in die großen Zusammenhänge des Weltgeschehens hineingestellt, über die uns jedes eigene verfügungsrecht fehlt, daß es wahrlich nicht schwer sein sollte, den himmlischen Vater als den eigentlichen Brotherrn durch unser ganzes Leben hindurch anzusprechen, von den wunderkräften angefangen, die schon jedes einzelne kleinste weizenkorn in sich birgt, bis hinauf zu dem Lauf und Umlauf der Weltgestirne, aus denen sich die menschlich wohl nie zu ergründenden Kegeln ergeben, nach denen Sommer und Winter, Frost und Hitze, Saat und Ernte verläuft: alles, alles stellt uns vor die große Tatsache, daß wir bei der Frage ums tägliche Brot letztlich vor heiligen Gottesgeheimnissen stehen. Die vierte Bitte des Vaterunser aber weist allein den weg, wie wir sie uns gleichwohl wahrhaft zu eigen machen, sie dennoch gleichsam in unfern Dienst stellen können, wir müssen demütig und doch zuversichtlich beten um unser täglich Brot und damit bezeugen, daß wir wissen, aus wessen Händen es einzig kommt. Und dann wird der Vater, der die Liebe ist, uns gleichfalls nie vergessen und wird auch in dieser schweren Entscheidungszeit dem deutschen Volk täglich und reichlich den Tisch decken. Des dürfen wir gewiß sein. ttriegzbilder aus der Mainzer Geschichte alter und neuer Zeit. (Fortsetzung.) 3. 1792/9 3. Die Franzosen zum drittenmal in Mainz. Glänzende Feste waren im Juli 1792 in Mainz gefeiert worden. Franz II. war in Frankfurt unter Entfaltung großer Pracht zum deutschen Kaiser gekrönt worden der letzte in der Keihe der Wahlkaiser und als Uach- feier hatte der Kurfürst von Mainz, des Keiches Lrzkanz- ler, den Kaiser, den König von Preußen, die Fürsten und ihre Minister nach Mainz zu Gaste geladen. Solchen Glanz hatte das goldene Mainz noch selten gesehen. Auch der Dichter Goethe hat als Minister des Herzogs von Weimar die festlichen Tage mitdurchlebt. Durch die Kevolution, die in Frankreich schon seit einigen Jahren im Gange war und 62 eine gewaltige Umwälzung in ganz Europa einleitete, ließ man sich wenig stören. Während über dem Haupt des unglücklichen Königs von Frankreich und seiner Gemahlin, der Tante des ungekrönten Kaisers, schon das Henkerschwert schwebte, gab man sich in Mainz rückhaltlos der Freude hin. Zum Schlüsse wurde in dem Lustschlosse Favorite, das da stand, wo jetzt der Stadtpark ist, jene berüchtigte Kundgebung an das französische Volk entworfen, die in dem leidenschaftlichen und eitlen Frankreich so böses Blut gesetzt hat. Ach wie bald hat sich das Blatt gewendet: „Ich will eure Feiertage in Trauern verwandeln." (Amos, 8, 10.) Bereits Ende September desselben Jahres stand, von der französischen Uepublik gesandt, General Tustine mit ungefähr 20 000 Mann französischen Soldaten, die man wegen ihrer mangelhaften Ausrüstung „Ghnehosen" nannte, vor Speyer. Tine von Mainz zum Schutz der dortigen Vorräte gesandte Truppe von 2000 Mann wurde gefangen. Auf die erste Nachricht von dieser Niederlage flüchtete der Kurfürst, der im Juli noch so sicher sich fühlte, nach Aschaffenburg; ihm folgte der in Mainz so zahlreiche hohe Adel: Buch ein Teil der kleinen Besatzung, Nassauer, zog ab mit der Bemerkung, es lüge ihnen auf, sich für die Mainzer totschießen zu lassen. Am ly. Oktober erschien Tustine vor Mainz. Tr hatte anfangs zwar nicht daran gedacht, eine solche Festung zu erobern, weil seine Kräfte dazu zu geringfügig waren. Aber in Mainz war eine kleine, sehr rührige Partei, meistens Gelehrte und Beamte, die mit den bestehenden Verhältnissen unzufrieden waren, Klubisten genannt. Durch sie hatte er von den verlotterten Zuständen in der Festung, die nur 1350 Mann bunt zusammengewürfeltes Volk Besatzung hatte, Kenntnis erhalten. Und so wurde ihm nach einigen Kanonenschüssen gegen Abzug der seitherigen Besatzung am 21. Oktober die Stadt übergeben, und Tustine zog ein ins kurfürstliche Schloß. In düsterem Schweigen sah die Mainzer Bevölkerung die neuen Volksbeglücker, 11 000 Mann, einziehen. Ihre schlotterige Haltung und ihr zerlumpter Aufzug konnte ihr wenig imponieren. Buch die Reinlichkeit ließ viel zu wünschen übrig. Auf Klagen über Verunreinigung der Straßen erließ der Befehlshaber einen Armeebefehl, wonach die Schuldigen mit einem Schild auf der Brust, worauf die Worte standen: „Malproprer Soldat", von einer Patrouille durch die Straße geführt und dann auf dem Marktplatz einige Stunden so zum öffentlichen Schauspiel gestellt werden sollten. Alles wurde auf französischen Fuß gesetzt. Freiheitsbäume wurden gepflanzt, Volksbeglückungsreden gehalten. Die Klubisten führten das große Wort, das aber in der Bürgerschaft keinen Widerhall fand. Doch entwickelte die Militärbehörde eine bewundernswerte Tätigkeit. Die Festung wurde verstärkt, Kastel, das bis dahin unbefestigt war, in wenigen Wochen mit Gräben und Schanzen umzogen. Man erwartete einen Gegenangriff der Deutschen, und dieser ließ auch nicht lange aus sich warten. Im April 1793 erschienen preußische, österreichische, hessische, bayerische und sächsische Truppen unter dem Oberbefehl des Generals Kalkreuth, um die Stadt wiederzugewinnen. Der König von Preußen nahm selbst teil und lag in Bodenheim, der Herzog von Sachsen-Weimar mit Goethe, der die Belagerung beschrieben hat, auf dem Thausseehaus bei Marienborn. Die französische Besatzung war auf 20 000 Mann verstärkt und wurde vorzüglich geleitet. Um einzelne Orte wurde heiß gerungen, besonders um Kostheim, das vollständig zerschossen und verbrannt wurde,' auch Weisenau, Bretzenheim, Zahlbach und Mombach litten sehr. Uber bei aller Hitze des Kampfes wurde derselbe doch ritterlicher geführt als heutzutage. Als bei einem Sturm auf die Schanzen von Kastel der dortige Kommandant, General Meusnier, eine lebensgefährliche Schußwunde erhielt, schickte der König von Preußen demselben Stärkungsmittel, und als er, auf seinen Wunsch, in den Festungswerken von Kastel beerdigt wurde, trat Waffenruhe ein, und auch die Deutschen ehrten das Undenken des gefallenen Feindes durch 14 Kanonenschüsse. Inzwischen war die Not in der belagerten Stadt, trotzdem daß 12 000 Bürgersleute geflohen waren, aufs höchste gestiegen, so daß Pferde, Hunde und Katzen verzehrt wurden. Uber auch hier konnte der Franzose das Schauspielern nicht lassen. Uls General Dubayet den anderen Generalen ein Essen gab, bildete eine gebratene Katze von zwölf gebratenen Mäusen umgeben auf einer Platte mit Haferbrei das Hauptgericht. Um unnütze Tsser los zu werden, trieb man über 1000 Ulte und Kinder auf der rechten Uheinseite aus dem Tore: da gerieten sie zwischen zwei Feuer, mußten so eine furchtbare Gewitternacht unter freiem Himmel durchleben und kehrten am folgenden Tag mit Zurücklassung einiger, die gestorben waren, zurück. Inzwischen war aber auch der Uufenthalt in den Straßen der Stadt mit steter Lebensgefahr verbunden. Die Belagerer mußten zuletzt zur Beschießung schreiten. Unausgesetzt ergoß sich aus vielen Feuerschlünden ein Hagel von Geschossen aus die Festungswerke, natürlich wurden auch die Häuser getroffen. Das Dach und die Türme des Doms gingen in Flammen auf, die herrliche Liebsrauenkirche, die Iesuitenkirche, die Domdechanei, viele Klöster und privatgebäude sanken in Trümmer. Die zunehmende Entkräftung des belagerten Heeres zwang es endlich zu kapitulieren. Gegen das versprechen, ein Jahr lang nicht gegen die Deutschen zu kämpfen, wurde der noch 18 675 Mann starken Besatzung freier Abzug bewilligt. Uach einer Belagerungszeit von 104 Tagen zogen die Deutschen am 23. Juli ein. vorher hatte die Mainzer Bevölkerung an den Klubisten noch ihre Wut ausgelassen, indem sie ihre Häuser plünderte. Ergreifend ist die Schilderung, die der Dichter Goethe von dem Zustand der Stadt entwirft, die er ein Jahr zuvor im Sonnenglanz froher Feste gesehen und die er nun in grauenhafter Zerstörung und Verwüstung erblickte. Vas feenhafte Lustschloß Favorite mit seinen herrlichen Anlagen war verschwunden, das kurfürstliche Schloß von Schmutz umgeben,' überall rauchende Trümmer, lieber die Gesinnung der Bevölkerung belehrte ihn ein altes Weiblein, mit dem er ein Gespräch anknüpfte: „Auch zu mir," sagte sie, „sind die hanswürste gekommen mit ihren bunten Schärpen, haben mir befohlen und gedroht: ich habe ihnen aber tüchtig die Wahrheit gesagt: Gott wird mich arme Frau in dieser meiner Hütte lebendig und in Ehren erhalten, wenn ich euch schon längst in Schimpf und Schande sehen werde." Noch schrecklicher waren die Greuel der Verwüstung in der Umgebung. Mainz war dem Deutschen Reiche wieder zurückgewonnen, aber um einen hohen Preis, und leider noch nicht für die Dauer. (Fortsetzung folgt.) 63 Bilder aus Alt-Giehen. (Fortsetzung.) Mit vielen anderen Predigern seiner Zeit teilt Engel die Gepflogenheit, datz er in seinen predigten auf die biblischen Wahrheiten selten eingeht. Merkwürdige Stoffe hat beispielsweise ein Thüringer Landpfarrer, dessen predigten aus dem Jahre 1834 mir handschriftlich vorliegen, behandelt. Oer sehr fleißige und gewissenhafte Mann hat alle seine predigten bis in das einzelste ausgearbeitet, in sehr sorgfältiger Handschrift niedergeschrieben und zu einem Lande vereinigt. Aber man erstaunt, wenn man liest, wie er mit den Libelstellen, die ihm als Text dienen sollen, umspringt. Am Neujahrstage führt er aus, daß „Tätigkeit und Genuß in der engsten Verbindung miteinander stehen", das tut er auf Grund des Textes Prediger 5, 17 „So sehe ich nun das für gut an, wenn man isset und trinket und guten Mutes ist in aller Arbeit,' denn das ist sein Teil." Fast unfaßlich ist es, daß derselbe Prediger am I. Weihnachtstage das Weihnachtsevangelium zur Grundlage seiner Ausführungen über das Thema macht: „Was haben wir zu tun, um das Leben unter jedem Verhältnisse froh und würdig zu genießen?" Sogar der sonst sehr tüchige Pädagoge Schlez in Schlitz hat im 18. Jahrhundert, als er noch Pfarrer zu Ippesheim in Franken war, landwirtschaftliche Fragen auf der Ranzel behandelt. Zur Entschuldigung kann hier allerdings dienen, daß damals sonst niemand da war, der der Landbevölkerung Wissenswertes über den Ackerbau mitteilte. Immerhin hätten die Pfarrer, die ihren Gemeindegliedern durch diese Belehrung dienen wollten, ihre landwirtschaftlichen Vorträge nicht unbedingt auf der Ranzel und im Sonntagsgottesdienste zu halten brauchen. Engel hat nun zwar in der hiesigen Stadtkirche keine landwirtschaftlichen Vorträge gehalten, wiewohl damals in unserer Stadt jeder Bürger neben seinem Geschäfte oder Handwerke noch Ackerbau trieb, aber er hat sich doch auf der Ranzel in seltsamen Ausführungen ergangen. So predigte er am 2. Weihnachtstage 1822 über das Thema, „daß die Erscheinung Jesu unsere Hoffnung auf das Fortschreiten des Menschengeschlechtes herrlich stärke und erhebe". Die Rirche, so schreibt er an seinen Gnkel Göbel, sei so gefüllt gewesen wie am Tage ihrer Einweihung. Mithin ist damals das kirchliche Leben in Gießen recht rege gewesen. Uebrigens wäre Engel beinahe einmal seiner Vaterstadt genommen und nach Amerika verpflanzt worden. Am 14. März 1827 meldet er in einem Briefe: „vor einiger Zeit wurde bei mir angefragt, ob ich Lust hätte, unter sehr vorteilhaften Bedingungen als virector eines homiletischen Seminars nach Amerika zu gehen, ich sagte aber quod non; denn die leidlichen Sessionen Abends hier treffe ich in ganz Europa nicht, geschweige denn in Amerika." Was Engel im letzten Grunde an Gießen festband, war der Umstand, daß er ein Rind der Stadt war und sie augenscheinlich niemals auch nicht während seiner Studienzeit verlassen hatte, varum hat er vernünftig gehandelt, daß er den Ruf nach Amerika nicht annahm,' denn in der neuen Welt hätte sich der kindlich fröhliche Mann sehr unglücklich gefühlt. (Schluß folgt.) Sin pfälzischer Musikant. Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer. (Fortsetzung.) Als ich von meiner Reise in die Heimat wieder nach Fürfeld zurückgekehrt war, fand ich eine Rarte von Wilhelm Hinkel vor. Tr fragte bei mir an, ob ich ihm nicht einige Tage beim Reitern von Obstwein und beim Rartoffel- ausmachen helfen wolle, sein Rnecht sei im Anfang des Oktober zu den weißen Dragonern in Darmstadt eingerückt und Ersatz könne er für ihn einstweilen nicht finden. Gern kam ich diesem Wunsche nach, umso mehr, als ich mich freute, mit meinem früheren Dienstherrn, der längst mein väterlicher Freund und Berater geworden war, wieder einige Tage zusammen zu sein. Ich hatte jetzt auch im herbste und Winter mehr Zeit als früher, da ich keinen Musikunterricht mehr erteilte und nicht mehr bei Bällen und Tanz- oergnügungen spielte. So half ich acht Tage lang die Früchte des herbstes einheimsen. Mit langen Stangen schlugen wir die Birnen von den Bäumen, füllten sie in Säcke und zermalmten sie dann unter der Obstkelter,- daß der trübe Most in die davor aufgestellte Bütte lief. Es braucht keinen Wunder zu nehmen, daß wir diese Birnen mit Stangen von den Bäumen herunterholten. Es ist wahrlich keine Edelsorte' wer in eine derartige Birne beißt, dem zieht sich der ganze Mund vor Bitterkeit zusammen. Diese Sorte kann wahrlich einen Schlag mit der Stange vertragen. Schwerer schon fiel mir das Rartoffelausmachen,' denn wenn der Musikantenberuf auch sehr mühsam ist, so verlangt er doch keine große körperliche Anstrengung. Run tat mir doch der Rücken weh, wenn ich den ganzen Tag im Acker stand und Rartoffeln ausgrub. Aber ich handelte nach dem Wort eines mir bekannten Landwirtes, der seinem fünfzehnjährigen Rnechte beim Rornladen zurief: „Rur keine Schwäche gezeigt!" Solche herbstarbeit gibt auch Genugtuung. Wenn man bei einem einzigen Rartoffelstocke acht oder zehn vollausgewachsene, reife Rartoffeln findet, so freut man sich über den Segen, den Gott spendet. Abends saß ich mit Wilhelm Hinkel zusammen. Wir rauchten die kurze pfeife, hatten einen Rrug vierundacht- ziger vor uns stehen und sprachen hauptsächlich über meine Angelegenheiten. Hinkel war außer meiner Frau der einzige, dem ich Mitteilung über meine Einnahme gemacht hatte. Ich wußte zu genau, daß ich mir im anderen Falle vor Leuten, die von mir hätten Geld leihen wollen, nicht hätte helfen können. So sprach ich an diesen Abenden mit ihm auch darüber, wie ich mein Rapital am besten anlegen solle. Hinkel riet mir dazu, daß ich mir Aecker anschaffen solle. „Eine Rasse," meinte er, „kann verkrachen, und wenn du Geld an Privatleute leihst, so Hilst dir auch der Schuldschein nichts, wenn die Leute alles verwirtschaftet haben. Wo nichts ist, hat selbst der Raiser das Recht verloren. Aber Aecker, Peter, kann dir niemand nehmen, wenn du keine Schulden machst, hier in unserer fruchtbaren Gegend gibt es keine Mißjahre, und Rorn kann man immer zu Geld machen." „Vas ist alles recht," erwiderte ich, „aber, Herr Hinkel, wer baut mir die Aecker, wenn ich vom Frühjahre bis in den herbst hinein weg bin?" Hinkel stieß einige Rauchwolken aus seiner pfeife und sagte dann: „Vas ist allerdings zu bedenken. Fremde Leute kannst du dir nicht halten, die wissen nicht, was sie fordern sollen, und machen die Arbeit so schlecht wie möglich. Im vorigen Jahre, als ich Rheumatismus hatte, hatte ich mir zwei junge Burschen zum Wingerthacken genommen. Ich konnte die beiden nicht beaufsichtigen und habe später gehört, daß sie nachmittags, wenn sie im Wingert angekommen waren, zuerst ihr vieruhrbrot verzehrt und ihren Birnenwein getrunken haben. Dann haben sie sich in die Sonne 64 hingdegt und bis fünf Uhr ijcftiflafcn, zuui Schluß Huden sie, um die verlorene 3eit einzuholen, wild darauf losgehackt, das; sie mir die Uebsiäcke beschädigt haben, Kber, Peter, wir wäre es mit deinem Bruder Iritz, der haust inullerseelen- allein in Ruppertsecken, der könnte seine paar Kecker verkaufen und zu dir ziehen, dann wäre euch beiden geholfen." idorlsetzung folgt.) Hoffnung. Die Erde ist toll vom vielen Blut, Das sie hat trinken müssen. Sie wird von heftiger Sieberglut Jetzt hin und her gerissen. Und seht, sie schwankt aus ihrem Gang wie trunken aus und nieder ! §o lastet aus ihr des Krieges Drang, Der Druck ihr dumpfen wieder. Der Herrgott tritt zum Lauersmann Und fragt: Mllst du noch iveilen? Uns. lege beide Hände an, Die Mutter Erde zu heilen. Drum eile dich und nimm den Pflug, Ihr gründlich die haut zu ritzen; Das wird ihr helfen sicher genug, Den Llutdunst auszuschwitzen. Dann nimm das Saatkorn zart und sein Und streu cs in die Wunden. Das wird die beste Krznei ihr sein. Daran wird sie gesunden. Und wenn die Saal dann grünt und blüht, wird ihr lvohl besser werden. Durch ihre Brujt ein hoffen zieht Und vergessen der Beschwerden. Dann schöpf! sie wieder neuen lllut, (Es recken sich die Glieder: Und zeigt sich auch das Ende gut, Singt sie nur Helle Sieder. H. G. Kleine Mitteilungen. Km U). ds. !Uls. feierte Herr Fabrikant (Eugen Hauff» mann, seit vielen Jahren Mitglied des Gesamtkirchenvor- standcs und des Hirchenvorstandes der Lukasgemeinde, seinen 70. Geburtstag. Herr Hauffmann, der am lO.Kpril 1845 zu Bob Ball in Württemberg als der Sohn eines Pfarrers geboren ist, ist seil dem Jahre 1868 in Gießen ansässig, wo er zuerst mit seinem Bruder, nach dessen Tod mit seinem Neffen eine Lampenfabrik betreibt. Der Jubilar ist ein Mann von ernster christlicher Lebensführung und bewährter kirchlicher Gesinnung, er hat durch Rat und Tat unser Gemeindeleben wesentlich gefördert. Der Keutzeren unb Inneren Mission bringt er großes Interesse entgegen, wie er auch seil Jahren Vorstandsmitglied des Bberhessijchen Vereins für Innere Mission ist. Mögen dem Siebzigjährigen noch viele Jahre des Wirkens beschieden sein! ttirchliche Anzeigen. Sonntag, den 2 5. April, Jubilate. Gottesdienst. In der Ztadtlirche. vormittags 8 Uhr : pfarrassistent h o f f m a n n. Zugleich Thristeniehre für die Neukonfirmierten aus der Matthäusgemeinde, vormittags y'/e Uhr: Pfarrer Schwabe, vormittags I I Uhr: Hinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer S ch w a b e. Mittwoch, den 28. Kpril, abends 8 Uhr: Hriegsbet- stunde. Pfarrer S ch w a b e. In der Johanneslirche. vormittags 8 Uhr: Pfarrer B e ch t o I s h e i me r. Zugleich Thristeniehre für die Ueukonfirmierten aus der Lukasgemeinde. vormittags dH- Uhr: Pfarrer Kusfeld. vormittags I I Uhr: Hinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Kusfeld. f AnkündiMngen empfehlenswerter Firmen^ Carl Loos " ,r C. Röhr Sc Co. Kirchrnplah 13 Bahnhofstr. 44 qV 3 . , ^l-phon 797! Dtztten-, Wäsche- und Ausstattungs-Geschäft Manusantur- Feder-Deckbetten Mtl. 13.50, 15.50, 18.50 und betjer und Weißwaren Feder-Kisten Mt,. 4.75, 5.50, 8.25 und besser Herren- u. Änabenfeleibet ===== Mitglied der Rabatt-Spar-Vereinigung = Klelder-Stoffe Blufen - Stoffe flusffeuer-flrtikel Reffe außergewöhnlich billig eiafl enge fehäff. Scrlnge Unkolfen 6emelnfehaffildK*r Einkauf mif 3 (Sefchdjfcn sufamnen ftinaBernard Glehen, BismardHfrafje 6 Modes Gießen, Plocksfraße 5 empfehlen sich in allen in ihr Fach schlagenden Arbeiten. IX- tne. Auch andere Systeme stets auf Lager. Preislage Mk. 80. bis M!,. 180. Nur bestbcwährlc Qualitäten £r. Linker, Luüwigstr. \b Reparaturwerlistattf. 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