Nr. 14. Metzen, Quasimodogeniti, 11. April 1915. 4. Jahrgang. Lin rechtes ttriegstrostwort. Ieremia 29, II. Ich weiß wohl, war ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht des Leides, daß ich euch gebe das Ende, des ihr wartet. Dieses schöne Schriftwort stand vor einiger Zeit in den Losungen der Brüdergcmeine verzeichnet. Sn der großen, aber auch schweren Zeit, in der wir jetzt leben, ist es ein wahrhaft erlösendes Trostwort. Kber, so wird vielleicht ein zagendes Herz fragen, wie soll es gerade jetzt, für diesen Weltkrieg sondergleichen, passen? Gedanken des Friedens, wo die Welt in Flammen steht und fast tagtäglich Schlacht auf Schlacht folgt, deren Trfolge nur mit unendlich viel Tod, Blut und Tränen erkauft werden können? Ganz gewiß, Zeiten sind über unser Vaterland hereingebrochen, die bei allem Höhenflug doch auch einen erschütternd tiefen Ernst und viel Herzensnot mit sich führen. Kber von eben solchen Zeiten spricht ja auch das Prophetenwort. Ts wandte sich mit seinem erhebenden Trost ja schon damals gerade an die, welche unter dem Druck der „Gedanken des Leides" standen, welche die göttliche Führung, die über sie beschlossen war, kaum anders mehr verstehen konnten als die einer niederbeugenden Heimsuchung, aus der es kaum koch ein Entrinnen gäbe. Und gerade da dringt in dies Dunkel der Helle Sonnenstrahl des Trostes: Uein! Nicht Gedanken des Leides, wenn es für den Augenblick auch noch so schwer scheinen mag, sondern des Friedens, wenn ihr nur so viel Gottvertrauen habt, still auf das Ende zu sehen, das Ende, des ihr wartet. Das ist ja der große Trost auch heute, der, wie für die gewaltigen Entscheidungen in der weiten Welt, genau auch so für die kaum minder wichtigen in jeder einzelnen unsterblichen Seele gilt. Ls sind noch von jeher Gedanken des Friedens gewesen, die Gott wie eine Saat in Zeiten voll tiefen Ernstes, verknüpft mit mancherlei Herzeleid, senkte. Mitten in den schweren Stunden der Uriege 1813 15, 66 und 70—71 haben unsere Großväter und Väter gewiß auch oft an Zeiten des Leides gedacht, die Gott über sie beschlossen habe. Uber welche reichen Früchte des Sieges, äußerlich und bald danach auch innerlich, durften sie dennoch jedesmal pflücken. Ja, von der Entwicklung der ganzen Weltgeschichte bis auf den heutigen Tag kann man nichts anderes bezeugen, als daß anfängliche Gedanken des Leides sich immer siegreicher als machtvolle Gedanken des Friedens enthüllten. Denn alles Irdische zielt schließlich auf Ewiges hin. Der würde irren, welcher auch diesen gewaltigen Völkerkrieg 1914/15 nur auf seine äußeren Wendungen und Ergebnisse hin betrachten und bewerten wollte, mögen sie für unser deutsches Volk noch so groß und glänzend sich gestalten. Buch dieser Urieg kann nur ein großer wegweßer, hin zu dem Ende, des wir alle warten, sein: einer Welt noch reinerer Gesittung, noch höherer geistiger Güter und Errungenschaften, die für die Gesamtheit wie für den Einzelnen sich schließlich als bleibend göttliche Gedanken des Friedens enthüllen werden. vilder aus Alt-Giehen. (Fortsetzung.) — 7. Engel als Prediger, fln patriotischen Festtagen scheint Engel besonders gern gepredigt zu haben. So schreibt er am 10. Ianuar 1827 an Pfarrer Göbel: „Den 19. Februar dieses Iahres fepert der Großherzog seine goldene Hochzeit, und es werden schon große Vorbereitungen zu einem Feste getroffen. Wahrscheinlich wird hier auch ein Gottesdienst gehalten. Geschieht dies, so wäre es mir angenehm, wenn ich die Iubelpredigt halten könnte. Freplich kommt dieses eigentlich dem Superintendenten zu, allein ich hoffe, das Ding noch zu drehen und zu wenden. Eine kirchliche Feper will ich aber auch alsdann anordnen, von welcher Uinder und Uindeskinder noch reden sollen. Die Uede lasse ich alsdann drucken und bestimme den Erlös zu einem wohltätigen Zwecke. In dem öuschischen Garten ist ein neuer Saal gebaut worden, der nun gantz 'fertig und wunderschön ist. Er kostet über 13 000 Gulden und sieht von außen einer Kirche gleich. In diesem Saale wird an deck genannten Tage ein Mittagessen eingenommen und Bbends ein Lall gehalten, Feuerwerk, Musik, Illumination werden den Tag verherrlichen, der allerdings bep einem Fürsten selten vorkommt." Db es dem Diplomaten Engel gelungen ist, sich die Festpredigt zu übertragen, geht aus seinen Briefen nicht hervor, jedenfalls ist nicht bekannt geworden, daß seine 54 Hoffnung, wegen dieser predigt noch bei den Enkeln weiterzuleben, in Erfüllung gegangen ist. Der neue Saal, den er erwähnt, scheint nicht der jetzt noch vorhandene zu sein,- denn der Saal in Steins Garten (damals Büschs, später Wenzels Garten) erinnert heute doch nicht an einen Kirchenbau. von seiner Tätigkeit als Prediger hatte Engel keine kleine Meinung, das zeigte sich bei einer besonderen Gelegenheit. Sm Jahre 1826 hatte er gehofft, Mitglied des Kirchen- und Schulrates zu werden, der in Gießen seinen Sitz hatte. Diese Hoffnung war nicht in Erfüllung gegangen. Gleichzeitig war Engel auch von der Verpflichtung, am Pädagogium (Gymnasium) zu unterrichten, befreit worden. So wenig das ihm aus anderen Gründen unangenehm war, so brachte diese Befreiung ihm doch einen Gehaltsverlust von 400 Gulden, hierüber klagt er in einem Briefe vom 25. Oktober >826: „Das Unangenehme von allem ist, daß ich vielleicht in Zukunft ein sehr eingeschränktes Leben führen und so manche freundschaftliche und gesellschaftliche Verbindung, die ich bei meiner bisherigen Einnahme unterhalten konnte, ausgeben muß,' denn, so viel ich jetzt schon sehe, gehen mir in diesem Augenblick gewiß 400 Gulden verloren. ... Sch gehe nun mit einem anderen plan um, der aber wahrscheinlich auch schon in seinem Entstehen den Keim des Todes in sich trägt, weil ich vor der Hand auf Gelingen nicht mehr rechne, keines, auch nicht des uneigennützigsten Wunsches Erfüllung entgegen sehe. Darum predigte ich auch am vergangenen Sonntag mit einem vorzüglich bewegten Herzen, aber edel, männlich und bewegt über das Thema, daß der Edle die schönsten Wünsche seines Herzens unerfüllt mit in das Grab nehme. Die ganze Versammlung war wie elektrisiert. Mein neuer plan ist nämlich der, außerordentlicher Professor der Theologie, und zwar der praktischen, zu werden und hier ein homiletisches Seminar zu gründen, wozu mein weitläufiges Pfarramt und die wieder neu eingerichtete Hospitalkirche, in welcher ich den Gottesdienst zu dirigieren habe, die schönste Gelegenheit geben." Glücklicherweise hat in dem einen der beiden hier erwähnten Fälle der „Edle" seinen schönsten Wunsch nicht unerfüllt mit in das Grab nehmen müssen,' denn Engel wurde später nicht nur Kirchenrat, sondern sogar Geheimer Kirchenrat. Dagegen den plan, Professor der Theologie zu werden, mußte er mit in das Grab nehmen. Sn diesem Briefe berichtet Engel auch von seinem Amtsnachfolger am Pädagogium und schildert die Gefühle, die ihn bewegen, wenn morgens das Glöcklein zur Schule ruft. Das tut er mit den Worten: „An meine Stelle an dem Pädagog ist ein Sohn des verstorbenen Pfarrers Turtmann in Eudorf, der früher in Alsfeld war, gekommen. Wenn in Zukunft das Glöcklein läutet, das mich 16 Jahre gerufen hat, dann rauche ich eine pfeife und lasse seine Töne mit den Wölkchen desselben verhallen." (Fortsetzung folgt.) Gietzener Geschichten aus vergangener Zeit. I. Samiel und sein Herr. Schon lange ist es her — drei Generationen sind inzwischen zur Buhe gegangen — , daß Samiel in dem angesehenen handelshause von Gebr. W. dahier als Knecht diente. Durch seine erprobte Ehrlichkeit und seltene Gewissenhaftigkeit hatte er sich das unbegrenzte vertrauen seines Herrn erworben, der an den oft recht derben aber wohlgemeinten Aeußerungen seines treuen Dieners noch besonderen Gefallen fand. Samiel brauchte eine neue Schürze und kam mit diesem Anliegen zu seinem Herrn, der ihn bedeutete, sich eine solche beim Blausärber p. in der Neustadt abschneiden zu lassen. Mit verdrießlichem Gesicht kam Samiel bald darauf zurück, und als ihn fein Herr nach der Ursache fragte, gab er zur Antwort: „Herr, der P. will uns die Schirz net gewe, ich soll erscht das Geld lange." „Nun, dann nimm diesen Sack mit Geld, bringe ihn hin und mache daraus die Sache in Ordnung." p. war nicht rvenig er- staunt, als Samiel mit dem schweren Geldsack aus der Schulter in seinen Laden trat und ihn mit solcher Wucht auf den Ladentisch niedersetzte, daß der Sack aussprang und die Guldenstücke dahinrollten. „Einen scheenen Gruß von meim Herrn und hier sollt Ihr Luch bezahlt mache." p. wollte anfänglich das Geld nicht annehmen, er habe es ja nicht ernst gemeint und nur einen Spaß machen wollen. Diese Entschuldigung ließ jedoch Samiel nicht gellen. „So hats mein Herr gesaht, so werds gemacht und net annerscht." p. mußte das Geld nehmen, Samiel erhielt die Schürze und zog mit dem Geldsack wieder ab. * * * Beim Abschließen der Geschäftsräume bemerkte Samiel eines Abends, daß im Arbeitszimmer seines Herrn der Schlüssel zum Geldschrank stecken geblieben war. Er zog ihn rasch ab und eilte damit in den Klub, wo sein Herr allabendlich bei einem Spielchen saß und übergab ihm den Schlüssel mit der Ermahnung: „Herr, häi hunn eich de Geldschlüssel, er war stekke gebliewe, so was derf awer net nieh bassiehrn." * * * Samiel hatte zu einem Abendessen, welches sein Herr veranstalten wollte, die Einladungen zu überbringen, von der Besorgung zurück, ging er wieder ruhig an seine gewohnte Tätigkeit, ohne seinem Herrn Bericht zu erstatten. Darüber zur Bede gestellt und gefragt, ob die Herrschaften auch alle angenommen hätten, meinte er treuherzig: „Herr, da brauch mer doch kei Antwort ze bringe, wenn's zum F.■ und S-gieht, dann komme fe all." Der Theaterdirektor Friese gab alljährlich zur Spielzeit Vorstellungen im alten Zeughause. Samiel hatte Auftrag, die noch sehr jugendlichen Söhne seines Herrn dorthin zu führen und gut auf sie acht zu geben. Nachdem er die Zungen auf ihre Plätze gebracht, begab er sich auf die sogenannte Galerie, einen etwas erhöhten Stehplatz, von dem aus er die seiner Dbhut Anvertrauten hübsch im Auge hatte. Man gab den „Freischütz". Für das Spiel zeigte Samiel weniger Sinn; seine ganze Aufmerksamkeit galt den Kindern seines Herrn. Doch als in der Wolfschluchtszene der Kuf „Samiel hilf!" ertönte, wurde er stutzig. Das war ihm doch zu viel. „Das leiht me awer uff, wann ich de ganze Dag geerwert Hab', brach ich Eich am Awend net zu helfe," schallte es mit lauter und vernehmlicher Stimme von der Galerie nach der Bühne zurück. * * * Samiels Herr war nicht groß, aber wohlbeleibt und ging fleißig auf die Sagd. Sm Sagdanzug mit hohen Gamaschen, die Flinte aus dem Kücken und das schön gestickte Flinten- 55 band breit über die Brust, die Jagdtasche und das Pulver- Horn an der Leite, in der linken Hand die lange Tabakspfeife und in der rechten einen derben Stock oder einen Regenschirm, den treuen Raro hinterher, sah man ihn gar oft über den Reuenweg auf den Rnstand ziehen. Die Jagd übte er in der Regel mit seinem Freunde und Rachbar, dem Ronservator am zoologischen Rabinett (5. gemeinschaftlich aus. So kamen die beiden Herren einstmals zusammen von der Jagd zurück, und als sie die Wiesen überschritten hatten, fanden sie an der Wieseck ihren Weg gehemmt. Der hölzerne Steg, den sie sonst benutzten, war durch einen Tags zuvor niedergegangenen Wolkenbruch fortgeschwemmt worden, und das Wasser hatte sich noch nicht ganz verlaufen. Da bemerkten sie den Rädger Hannes, der von der Stadt, wo er getaglöhnert hatte, wieder nach Hause wollte, und sich gerade anschickte und Vorbereitung traf, die Wieseck zu durchwaten. Ermüdet von der Jagd und angesichts der Möglichkeit, einen großen Umweg zu ersparen, riefen sie den Hannes an und wurden mit ihm handelseinig, daß er sie für ein angemessenes Trinkgeld über das Wasser trüge. G. kam zuerst an die Reihe und gelangte glücklich hinüber. Rls er von dort aus sah, wie sein Freund W. auf den Schultern des Hannes thronte, kam ihm als richtigem Waidmann ein neckischer Gedanke. Sobald Hannes mit seiner schweren Bürde mitten im Bache angelangt war, ries er ihm zu: „Hannes, von mir noch drei Batzen extra, wenn du ihn fallen läßt." „Tinen Sechsbätzner von mir, wenn du mich weiter trägst," raunte W. dem verblüfften Hannes zu. G. bot daraus einen halben Gulden, und W. dagegen einen ganzen Gulden. Begreiflicherweise konnte G. es auf die Dauer im Ueberbieten mit dem reichen Handelsherrn nicht ausnehmen, und so kam auch W. trocken und wohlbehalten über das Wasser, und Hannes freute sich über den unerwartet hohen Verdienst. Die beiden Freunde gaben sich zwar nachher gegenseitig das Wort, über das kleine Rbenteuer Stillschweigen zu bewahren, hatten aber dabei wohl nicht an den Hannes gedacht. Rurzum, schon einige Tage später konnte man von jedermann in der Stadt die lustige Geschichte hören. (Schluß folgt.) Ein pfälzischer Musikant. Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer. (Fortsetzung.) Fritz öaldner drang gegen das Schiff, dessen Riesenleib schon ein- mächtiges Stampfen und Stöhnen erschütterte, vor und machte Miene, an einem herabhängenden Tau nach dem verdeck zu Klettern. Da erschien oben ein Matrose und schlenkerte ihm ein zweites Tau gegen den Raps, daß er von seinem unsinnigen Beginnen abließ. Um so heftiger wurden die Zurufe meiner Musikanten. „heraus mit unserem Geld, du schlechter Hund! Du hast uns an der Rase herumgesührt. wart' nur, wenn wir dich in der Pfalz treffen, dann wollen wir dich windelweich dreschen. Du sollst das Unglück Kriegen! Wenn nur das Schiff noch heute mit dir unterginge!" 3e heftiger die Musikanten schimpften und fluchten, um so vergnügter wurde der Mann auf dem Verdecke. Er tanzte aus einem Bein herum, dann rief er höhnisch herunter: „Rdjes, ihr Leut', geht nur heim und sagt einen schönen Gruß von dem Peter Ratzenbach!" Das Schiff setzte sich in Bewegung, das Wasser rauschte am Riele, langsam glitt der große Ruswandererdampfer hinaus in den Hafen. Roch lange stand Peter Ratzenbach oben, machte Rapriolen aller Rrt, und die Glieder seiner früheren Rapelle knirschten in ohnmächtiger Wut. So war ein starker Mißton in das schone Gotteslied gekommen. Sch redete meinen Leuten so gut zu, als ich konnte, schließlich beruhigten sie sich und nahmen ihre Instrumente unter den Rrm. Rber auf dem Heimwege schimpften sie noch immer vor sich hin, pfälzische Hitze will sich eben nicht so schnell legen. Immerhin.konnte ich mit meinen Leuten zufrieden sein. Sie ließen sich von mir leiten, hatten vertrauen zu mir und waren tüchtige Musikanten, von Rotterdam gingen wir nach dem Haag und dann nach dem Seebad Scheveningen. Ratürlich hatte ich längst auch den neu eingestellten Musikanten ihren richtigen Lohn ausbezahlt, und sie waren zufrieden, daß sie jetzt regelmäßig ihr Geld erhielten. Der verdienst, den ich in diesem Jahre erzielte, überstieg bei weitem den des vorausgegangenen Jahres, und oft weilte ich auf dem „postkantoor", wie die Holländer ihre Postämter bezeichnen, um Geld an meine Frau einzuzahlen. 16. Wieder war für mich der frohe Tag der Heimkehr gekommen. Das Herz war mir übervoll von Freude und Dank, als ich an einem schonen Gktobertage in Hochstätten die Eisenbahn verließ und die mir wohlbekannte Straße nach Fürfeld aufwärts ging. Daß ich die Heimatflur wiedersah und wieder zu den Meinigen kommen sollte, nachdem ich im fremden Lande krank gelegen hatte, trieb mich zum Dank gegen Gott, der mich behütet hatte. Wie wunderbar waren in diesem Jahre die Fügungen des Ewigen gewesen. Dadurch, daß ich krank gewesen war, war ich mit Georg Dackermann bekannt geworden,' dieser Begegnung war es zu verdanken, daß ich meine Rapelle um ein Bedeutendes verstärkt und ausgezeichnete Geschäfte gemacht hatte. Immer dachte ich auf diesem Wege an meinen kleinen Sohn, ich stellte ihn mir so vor, wie ich ihn zum letzten- male gesehen hatte, als meine Frau bei meinem Weggange ihn auf dem Rrme trug. Ruf den Feldern waren die Leute damit beschäftigt, Rüben und Rartoffeln einzuheimsen, froher Zuruf begrüßte mich von allen Seiten,' denn ich war allgemein in Fürfeld bekannt und stand mit allen Einwohnern aus freundschaftlichem Fuße. Endlich war ich vor meinem Hause angelangt. Ls überkam mich ein Gefühl des freudigen Stolzes, als ich vor dem eigenen Hause stand. Durch die Ladentür trat ich ein, laut gellte die Rlingel, aber es war niemand im Laden. Rasch sah ich mich um unö fand alles in der schönsten Drdnung. Der Ladentisch war blitzblank, aus dem Fußboden war kein Stäubchen zu erblicken, alle Gegenstände waren wohlgeordnet. Ruf dem Ladentisch stand ein Behälter mit Zigarren, daneben unter einer Glasglocke das Raschwerk, wie es ein Rrämer auf dem Lande um der einkaufenden Rinder willen halten muß, an der Wand waren die Schubladen angebracht, die alle wohl verschlossen waren, im hintergrundsah ich das Petroleum- und das Essigfaß, und seitwärts waren die Gelkuchen aufgestapelt, wie sie die Landleute für ihr Vieh brauchen. Roch hielt ich Umschau, da ging die Tür, die im Hintergründe zum Wohnzimmer führte, auf, und Lina trat ein. Sie stieß, als sie mich sah, einen leichten Schrei aus,' 56 denn ich hatte ihr meine Ankunft nicht genau auf Tag und Stunde mitgeteilt. Dann aber begrüßte sie mich unter Tränen, ich sah meinem treuen Weibe die herzliche Freude an, mich nach meiner Krankheit wieder zu besitzen. „wo ist unser kleiner Bub?" war die erste Frage, die ich an Lina richtete. „Bomm herein," sagte sie, nun schon wieder unter Tränen fröhlich lachend, „hier am Stuhl steht er." Steht er — dieses Wort kam mir verwunderlich vor, wie kann denn ein so kleines Kinb schon stehen? Aber ich traute meinen Augen kaum, als ich in das Wohnzimmer eintrat und nicht etwa das kleine Bind, das bsi meinem Weggang auf dem Arm der Mutter gelacht hatte, sah, sondern einen kräftigen, kleinen Jungen, der neben einem Stuhle, sich an diesem sesthaltend, stand. Ich sank auf die Bnie und zog das Bind an mich, aber mein Sohn schrie mit lauter Stimme,- denn er kannte seinen Vater nicht. Lange dauerte es, bis wir ihn beruhigt hatten. Zutraulich wurde er erst, als ich ein Stück mürbes Gebäck, das ich in Breuznach gekauft hatte, aus der Bocktasche zog und dem Bleinen hinhielt. Tr wußte sofort, was er damit machen sollte, er steckte nämlich das Gebäck in den Mund, und nun lachte er auch mit mir und ließ sich auf mein Bnie setzen. Als ich ihn dann auf dem Bnie reiten ließ, wie es einst mein Vater mit mir und meinen Geschwistern gemacht hatte und als ich dabei sang: „hopp, hopp, hopp, Pferdchen, lauf Galopp über Stock und über Steine, aber brich dir ja kein Beine, plumsack" und den Bleinen bei dem letzten Worte nach hinten umsinken ließ, da lachte er aus vollem halse. (Fortsetzung folgt.) Worte zum Nachdenken in der Nriegzzeit. Begehre nicht Glück, sondern Frieden,- ringe nicht nach Gewinn, sondern nach Bettung,- freue dich nicht der Welt, sondern Gottes! * * * Der Mensch beklage sich nicht, wenn er Schweres zu erdulden hat. Durch die Bitterkeit der irdischen Dinge lernt er die himmlischen lieb gewinnen; er ist auf der Beise, er geht den weg zum Heimatland. Augustin. hast du noch keinen Frieden mit Gott, so laß ihn dir von Jesus schenken - hast du ihn, so gehe Jesu Wege und stifte Frieden, wo du kannst. kirchliche Anzeigen. Sonntag, den II. April, (huasimodogeniti. Bollekte für die Armen. Gottesdienst. In der Ztadtlirche. vormittags 9FZ Ahr: Bonfirmation der Binder aus der Markus- und Militärgemeinde. Feier des heiligen Abendmahls. Pfarrer Schwabe. Bachmittags 2 Uhr: Binderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Abends 6 Uhr: pfarrafsistent h offmann. In der Johanneskirche. vormittags M/s Uhr: Bonfirmation der Binder aus der Iohannesgemeinde. Feier des heil. Abendmahls. Pfarrer A u s f e I d. Nachmittags 2 Uhr: Binderkirche für die Iohannesgemeinde. Pfarrer A u s f e l d. Abends 6 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. [ Ankündig ungert eng sfehlenswerte r Firmen ^ Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider Heinrich Noil Mäusburg Nr. 7 Telephon Nr. 292 Spezial-Geschäft für Bureaubedarf * Schreibmaschinen Papierhandlung, Buchbinderei, Gesangbücher. Moderne Kunstarbeiten. Photographische Apparate und Zubehöre E. Stiivrr, Gieße» Sellersweg 16 Uhren, Gold- u. 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