Nr. 12. Gießen, Sonntag Palmarum, 28. März 1915. 4. Jahrgang. Zum Lanüer-Vutz- und veltag. 1. Xorintherbries. ttap. 16. Vers 13: wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark! Es sind gar beherzigenswerte Morte, die uns zum Luß- und öettag zugerusen werden: „wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark!" wie unsere Tapferen draußen im Feld gegenüber dem Feind vor allem die Tugend der Wachsamkeit nötig haben, so auch wir in der Heimat. Unsere Uufgabe ist es, wachsam zu sein gegenüber dem Feind unserer 5eele, der Seele unseres Volkes. Gewiß sind wir in diesem Uriege durch ein großes Läuterungsfeuer hindurchgegangen. Unser Volk ist von einem neuen Idealismus erfüllt. Der materialistische Geist, der weithin herrschte, hat eine starke Zurückdrängung erfahren. Uber wir dürfen uns nicht täuschen: die alten Feinde des Guten: die Begierde, „sich auszuleben", die gemeine Selbstsucht, der haß, die Lüge, der frivole Spott über das heilige um nur einiges zu nennen sie sind noch nicht tot. Und sie werden in kommenden friedlichen Zeiten uns wieder viel zu schaffen machen. Darum, wer wünscht, daß unser Volk mit allen „guten und Hellen Mächten" im Lunde bleiben möchte, der sei unermüdlich im Kampfe gegen das Löse. Damit wir aber im Kampfe ausharren können, muß eines in uns gestärkt werden: Der Glaube, der Glaube an den heiligen Gott. Uur der, der eine Macht über sich weiß, der er unbedingte Ehrfurcht schuldet, der wird nimmer rasten noch ruhen gegenüber der Sünde. Er wird sie nicht nur in sich selbst bekämpfen, sondern auch in der ihn umgebenden Welt. Uur er kann dabei verharren. Der Idealist, der nicht glaubt, weiß nie, ob das Ziel, daß das Gute herrsche, auch erreicht werden könne. Sieht er die rauhe Wirklichkeit, so verfällt er gar leicht der Verzweiflung. Der Glaubende dagegen schöpft aus seinem Glauben stets neue Kraft. Er weiß ein ewiges Ziel, dem alles dienen muß, das Reich Gottes. Wohl sieht er: noch ist es fern. Uber Gott bürgt für seine Verwirklichung. Fragen wir uns nun noch, wo sollen wir denn gerade jetzt gegen das Lose aufstehen zum Kamps, so scheint der gefährlichste Feind, den wir augenblicklich haben, der Kleinglaube zu sein, wir haben so herrliches in den hinter uns liegenden Kriegsmonaten schon erlebt. Unsere Kraft ist ungebrochen. Da ist doch keine Ursache zu dem Pessimismus gegeben, der im Dunkeln schleicht. wir müssen dem Gott, der über uns waltet, etwas Zutrauen. haben wir es am Unsang immer betont: „Er wird die gerechte Sache nicht verlassen", so wollen wir das doch festhalten, auch wenn es viel Geduld fordert. Goethe sagte einmal: „Feiger Gedanken bängliches Schwanken weibisches Zagen ängstliches Klagen wendet kein Elend, macht dich nicht frei." Und Paulus sagt: seid mannhaft! „haltet durch!" so übersetzen wir es in unsere Sprache. Unsere Tapferen im Feld, sie beherzigen jetzt das derbe, aber doch so tiefe Bismarckwort: „In ergebenem Gottvertrauen setz' die Sporen ein und laß' das wilde Roß des Lebens mit dir fliegen über Stock und Block, gefaßt darauf, den hals zu brechen, aber furchtlos." Uuch wir brauchen solche mannhafte Furchtlosigkeit, solche Seelenstärke, die in Gott gegründet ist. So diene uns der Buß- und Bettag zur Besinnung auf unsere Aufgaben und auf die C)uelle der Kraft. Dann wird seine Feier von Segen begleitet sein. Gießen im ttriegsjahr Mb. von h. h — r. >4, * In der zweiten Juniwoche des Jahres 1866 lastete eine dumpfe Schwüle auf allen Gemütern. Schwere Gewitterwolken am Himmel und drohende Wolken am politischen Horizont erzeugten Unruhe und Besorgnis. Ulle deutschen Staaten mitsamt Desterreich machten mobil. Vas österreichische öesatzungskorps war aus Holstein zurückgezogen worden und hatte in gewaltigen Militärzügen Unsere Stadt passiert. Jedermann fühlte, daß wir unmittelbar vor dem Ausbruch eines Krieges standen, der sich sogar in nächster Uähe abspielen könne, da Preußen im Kreise Wetzlar eine große Truppenmenge zusammengezogen hatte. Groß war daher die Bestürzung, als am 16. Juni frühmorgens ein Vortrupp preußischer Husaren mit bereit ge- 46 haltenen Karabinern in unsere Stabt sprengte, um festzu- stellen, ob sich keine feindlichen Truppen hier aufhielten. Balb darauf begann der Durchmarsch einer preußischen ' Armee. (Es folgte Regiment auf Regiment, Infanterie, Kavallerie und Artillerie, und es wurde ein Uhr, bis alle Muni- tions- und Bagagemagen, zuletzt unter strömendem Regen, die Stadt passiert hatten. Der Durchmarsch vollzog sich in größter Ordnung, auch nicht die geringste Störung oder Belästigung der Einwohner kam vor. Man sah vielmehr, daß Bekannte sich begrüßten, oder daß Erfrischungen an die Soldaten verabreicht wurden. Im ganzen bot der Durchmarsch ein kriegerisches Bild von imposanter Größe, wie es in Gießen wohl nie zuvor und auch nachher nicht wieder gesehen wurde. Nachdem diese Armee unter General von Beyer in Kurhessen eingerückt war und das Land besetzt hatte, blieb es in unserer Stadt etwa l4 Tage ganz ruhig. Da jeder Bahnverkehr und jeder postoerkehr gänzlich eingestellt war, hörte man vorerst von allen weiteren Ereignissen nur höchst wenig Zuverlässiges, und alles Leben in der Stadt schien erstorben. Nur kleinere Trupps kurhessischer Militärpflichtiger, die vor den Preußen geflohen und sich nach Süddeutschland Zu ihren Regimentern begeben wollten, zogen zuweilen hier durch. Diese Stille wurde wieder unterbrochen, als in den letzten Funitagen süddeutsche Truppen bei uns einrückten. Es waren einige Tausend Mann, badische Infanterie und Pioniere, EDürttemberger Jäger, Reiterei und Artillerie, die hier ein- guartiert wurden. Die EDürttemberger Jäger besetzten den Bahnhof und nahmen das noch hier befindliche Beamtenpersonal der preußischen Deuz Gießener Bahn in Gewahrsam. Die badischen Pioniere fuhren nach Wetzlar und Lollar und zerstörten die Weichen und Derbindungsgeleise auf den Bahnhöfen. Auch hessische Thevauxlegers sprengten einmal in vollem Galopp durch die Stadt, wobei einige Pferde auf dem glatten Pflaster hinstürzten. Nur wußte niemand, wohin sie ritten, und man hat auch nie gehört, was der eilige Ritt zu bedeuten hatte. In den Morgenstunden des Z. Juli es war gerade Kirschenmarkt gab es plötzlich Alarm. Die Truppen rückten aus, die Stadttore wurden besetzt, und niemand wurde mehr ein- noch ausgelassen, hierdurch entstand eine große Aufregung in der Stadt, zumal auch alle Marktleute und Händler miteingeschlossen waren, die nun mitsamt ihrem Vieh und unter lautem Angstgeschrei in den Straßen auf- und abliefen. Alles drängte, jeder fragte, bis es endlich hieß, es sei eine preußische Patrouille hinter dem Hardtberg gesehen worden und daß es dort wohl zu einer Schlacht käme. Alle weiteren Vorbereitungen, die jetzt zum Empfang des Feindes getroffen wurden, das verbarrikadieren der Lahnbrücke, das Auffahren von Kanonen auf dieser und das Besetzen aller umliegenden Punkte und Häuser mit Militär, 'waren jedoch vergebens. Da sich bis zum Abend keine Preußen mehr gezeigt hatten, rückten die Truppen wieder in ihre (Quartiere, und die Stadtsperre wurde wieder aufgehoben. Schon am andern Tage traf die Nachricht von dem entscheidenden Siege der Preußen über die Gesterreicher bei Königgrätz hier ein, die zur Folge hatte, daß der weitere Vormarsch der hier lagernden Truppen, die zum achten deutschen Bundes-Armeekorps unter dem Befehl des Prinzen Alexander von Hessen gehörten, wieder eingestellt wurde. Diese Truppen zogen sich nun in südlicher Richtung wieder zurück. (Fortsetzung folgt.) vilder aus Alt-Gichen. (Fortsetzung.) 6. Engel wird Stadtpfarrer. Ende des Jahres 1823 wurde Engel, der seither Lehrer am Gießener Pädagogium und Mitprediger gewesen war, zum zweiten Stadtpfarrer ernannt. Sein Amtsantritt wurde in einer Weise gefeiert, die wir heute nicht mehr kennen. Ueber seine Ernennung schrieb er am 6. Dezember des genannten Jahres an Pfarrer Gäbe!: ,,Der vergangene Mittwoch war für mich ein Tag hoher Freude. Stellen Sie sich vor, an diesem Tag erhielt ich auf einmal ganz unerwartet mein Deeret als definitiv angestell- ter zweyter Stadtpfarrer und Stockhausprediger mit Behal- tung meines bisherigen Lehramtes. Das Deeret kostet 17 Fl. 5 Kr., die ich sehr gerne und mit Vergnügen gegeben habe. Fetzt erst hat die Sache eine wahre Form und ich kann ein ganz anderes Wort mitreden, als bet) der provisorischen Anstellung. Wie ich höre, hat der Stadtrath im Sinne, dieses Ereignis auf irgend eine feyerliche Weise zu cetebrieren." Engel sollte sich in dieser Vermutung nicht täuschen, am 20. Dezember kann er seinem „lieben Herrn Gnele" folgendes berichten: „Am vergangenen Sonntage habe ich denn meine förmliche Antrittspredigt als definitiv angestellter Stadtpfarrer gehalten. Ich hatte erst im Sinne, dieselbe bis nach dem Fest zu verschieben, um mancherlei) Vorrichtungen zu treffen. Da man indessen darauf bestand, so entschloß ich mich noch in der Mitte der Woche dazu. Dieser Sonntag wird mir ewig unvergeßlich seyn. Den Samstag Abend hatte sich der Gemeinderath auf dem Rathhause versammelt und schickte mir eine Deputation mit dem Ersuchen, mich den Sonntag früh ich hielt den Vormittagsgottesdienst abholen zu dürfen. Den Sonntag Morgen erschien daher eine Deputation, mit welcher ich auf das Rathhaus ging, hier fand ich den Gemeinderath versammelt, welcher mich mit Achtung und Rührung empfing, hierauf zogen wir in feierlichem Zuge unter dem Geläute aller Glocken, die auf Veranstaltung des Gemeinderathes an diesem Tage herrlich klangen, und unter dem Zuströmen der Volksmenge in die Kirche. Als wir an dem Hauptthor derselben ankamen, empfing uns eine herrliche Musik, die unsere Ankunft verkündigte. Ich zog mit der Gemeinde durch die Kirche bis vor den Altar, wo sämtliche Glieder an mir vorbei) gingen und ihre Plätze im Thor auf Stühlen, die dorthin gebracht worden waren, einnahmen. Ich ging unter pauken und Trompeten in die Saeristey. hierauf wurde ein Lied gesungen, nach welchem ich vor den Altar trat und aus der Fülle meines Herzens betete, hierauf wurde das Lied ,,KD Gott, du frommer Gott" gesungen und ich bestieg gegen das Ende desselben die Kanzel. Tief gerührt habe ich gepredigt und alles war ergriffen, zuletzt redete ich Palmer und Buß von der Kanzel herab an, was einen tiefen Eindruck machte. Die predigt wird gedruckt auf einstimmiges verlangen. Nach der predigt stellte ich mich selbst der Gemeinde als ihren Pfarrer vor und die einzelnen Glieder des Gemeinderaths näherten sich unter einer herrlichen Musik glückwünschend dem Altar. Zuletzt begleitete mich die Deputation wieder nach Haus. Alles ist enthusiasmirt und der Gemeinderath läßt mir zum Thristkindchen einen kostbaren Thorrock nebst einem Barret machen, den ich auf Weihnachten zum erstenmal tragen werde. Sehr verbindliche Briefe habe ich erhalten . . ." 47 Palmer und Lutz, die in diesem Briefe erwähnt werden, waren die beiden älteren Geistlichen, die damals in Gießen amtierten. Um diesen Brief recht zu verstehen, muß man sich vor Bugen halten, daß er vor beinahe 100 Jahren geschrieben worden ist. Damals ließen sich die Menschen leicht „rühren", wie überhaupt die vernunftreligioch die in Engel einen ihrer Vertreter hatte, stets von Uührung überfloß. Immerhin muß man verstehen, daß man unter dem Busdruck „gerührt" damals so viel verstand als heute etwa unter dem Busdruck „innerlich gepackt" oder „innerlich angepaßt", von einer gewissen Eitelkeit ist Engel nicht sreizusprechen, sehr gern erzählt er in seinen Briefen von den Scharen der Zuhörer, die unter seiner Kanzel saßen, und von dem Beifall, den seine Predigten gesunden haben. (Fortsetzung folgt.) - Mathilde Strack f Bm 10. März d. 3s. verschied im Blter von beinahe 73 Jahren Fräulein Mathilde Strack, die Vorsitzende des Frauenvereins der Lukasgemeinde. Durch ihr hinscheiden ist in unserem Gemeindeleben ein sehr fühlbarer Verlust entstanden. Mit großer Treue, Geduld und Tatkraft hat sich die Entschlafene vor allem solcher Familien angenommen, die des Bnsporns bedurften, hier hat sie mit Bat und Tat, in unermüdlicher Liebe und in edler Selbstverleugnung eingegriffen und manchen schönen Erfolg erzielt. Den Brmen war ihr Herz zugewandt, aber sie hat nicht kritiklos gegeben, sie wußte, daß man dem Brmen am wirksamsten hilft, indem man ihn zur Tätigkeit anspornt. Bührend war die Bufopserung, mit der sie in ihrem Blter oft noch am späten Bbend weite Wege ging, um Bedrängten oder Gefährdeten zu helfen. Die Strickschule der Lukasgemeinde ist ihre Schöpfung, von Bnbeginn des Krieges an hat sie sich in sehr reger Weise der Kriegsfürsorge gewidmet. Die letzte Brbeit, die sie leitete, galt der Busstattung des zweiten hessischen Lazarettzuges mit Wäsche. Noch auf dem Sterbebette beschäftigte sie sich mit den Plänen für ihre Brbeit im Gemeindeleben. Ihre ganze Wirksamkeit war musterhaft für das, was eine Frau im evangelisch-kirchlichen Gemeindeleben leisten kann. Blle ihre ersprießliche Brbeit wuchs aus schlichter, tiefer Herzensfrömmigkeit hervor, so daß sich an ihr das Bibelwort (1. Tim. 1, 5) erfüllte, das ihr Leichentext war: „Die hauptsumme des Gebotes ist Liebe von reinem Herzen und von gutem Gewissen und von ungefärbtem Glauben." h. B. Ein pfälzischer Musikant. Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer. (Fortsetzung.) Es kostete mich ziemlich viel Geld, den Leuten wieder zu anständiger Kleidung zu verhelfen, aber ich hatte auch die Freude, daß ich alle meine Musikanten nun überallhin schicken konnte, ohne fürchten zu müssen, daß man an ihrem Bussehen Bnstoß nähme. Sehr viel spielten wir am Hafen, wenn die Buswanderer abfuhren. Es waren viele Deutsche unter ihnen, die nach Bmerika ziehen wollten. Ihnen spielten wir zum Bbschied schöne deutsche Lieder, ohne dabei Geld einzusammeln. Mehr und mehr hatte ich meine Leute Ehoräle einüben lassen, und ich habe gesehen, daß manches Buge von Tränen feucht wurde, wenn wir das Lied „Befiehl du deine Wege" oder „Bch, bleib mit deiner Gnade" hinaus zu dem Schiff erklingen ließen, das zur Bbfahrt fertig war. Gerade mit dem Spielen der Ehoräle habe ich viel Dank geerntet. Die frommen Holländer lobten uns jedesmal, wenn wir die langsame, getragene Weise eines deutschen Kirchenliedes spielten, und reicher Lohn ward uns zuteil. Wie im Jahre zuvor in Bmsterdam, so bekam ich auch hier viele Bufträge von Privatleuten. Wir spielten bei Hochzeiten, Tanzgesellschaften, Gartenfesten, wurden sogar einige Male beauftragt, bei Begräbnissen die Trauermusik zu machen. Bei solcher Gelegenheit sorgte ich dafür, daß meine Musikanten einen Trauerflor um den Brm trugen. Bus dem Wege zum Friedhofe spielten wir einen Trauermarsch, am Grabe einige passende Ehoräle wie „Jesus, meine Zuversicht" oder „Wie sie so sanft ruhen". Ich bin mein Lebtage gern in ruhigen Stunden auf Friedhöfen umhergegangen, habe mir die Bäume betrachtet, die aus den Hügeln gepflanzt sind, und die Grabinschriften gelesen. Eines Tages fand ich auf einem Botterdamer Kirchhofe die Grabinschrift eines alten Schiffers, die mich tief ergriff. Sie lautete: „Einst fuhr ich in der Tat von morgens früh bis abends spat, Nun mag da fahren, wer da will, hier liege ich vor Bntzer still." Dieser Vers gab mir viel zu denken. Ich stellte mir den Lebenslauf des Mannes vor, der vor mir im Grabe ruhte. Er war weit umhergekommen, er war gewiß in Batavia, in Indien, in Bmerika gewesen, die ganze Welt hatte er bereist und viele fremdartige Menschen hatte er gesehen. Seinen Lebensabend hatte er wohl in einem der in Holland vielfach zu findenden kleinen gelblich-weiß gestrichenen, mit blank geputzten Türklinken versehenen Häuschen zugebracht, friedlich die Tonpfeife rauchend, im Gärtchen Tulpen ziehend und seinen Enkelkindern von seinen Beisen erzählend. Nun aber ruhte er schon seit Jahren still im Grabe,.sein Schifflein stand in der Tat still vor Bnker. Während ich mir das alles vergegenwärtigte, durchfuhr mich der Gedanke, daß ich ja auch einem Schiffe gleich von früh bis spät durch die Welt ziehe, schließlich aber auch still vor Bnker liegen werde. Nur um Haaresbreite hatte es sich gehandelt, und ich wäre in her- zogenbusch meiner Krankheit erlegen. In diesen Gedanken ging ich aus dem Friedhofe auf und ab. Da fiel mein Buge auf die Bibelsprüche, die aus vielen Grabsteinen standen. Ich las sie, und je mehr ich über sie nachdachte, um mehr Trost floß mir zu, so daß ich mit einem Male den Entschluß faßte, dieser Trostquelle nachzugehen und mir eine Bibel zu verschaffen. Wohl hatte Pfarrer Weber in der Konfirmandenstunde uns gesagt, daß wir das Libellesen nicht vergessen sollten, aber wie es so oft in der Welt mit jungen Leuten geht, die gar nicht gottlos sind, so ging es auch mit mir, ich hatte die Mahnung meines Seelsorgers nicht befolgt. Meine Musikanten hatten draußen vor der Friedhofspforte auf mich gewartet. Sir saßen auf einer Steinbank unter dicht belaubten Linden, hatten ihre kurzen pfeifen angezündet und erzählten sich lustige Geschichten. „Meister, wo seid Ihr so lange geblieben?" ries mir Georg vackermann zu. Ehe ich antworten konnte, sagte Fritz Baldner: „Man meint, der Meister sei mit einem guten Freund zur Leiche gegangen, um flennen zu helfen, so ein betrübt Gesicht macht er." Ich verwies dem vorwitzigen Burschen seine ungebührliche Bede und sprach in ernstem Tone von der Grabinschrift des alten Schiffers und den Bibelsprüchen, die ich gelesen 48 hatte, und daß ich es für nötig halte, jetzt mehr in der Bibel zu lesen, als ich es seither getan hatte. Da waren alle still und wir gingen, ohne viel zu sprechen, unserem Gasthause zu, einige hatten auf diesem Heimwege die pfeifen ausgehen lassen. (Fortsetzung folgt.) kirchliche Anzeigen. Sonntag, Palmarum, den 2 8. März, Lande§-Vuß- und Lettag. Kollekte für bedürftige hessische evangelische Gemeinden in Grten mit überwiegender kath. Bevölkerung. Gottesdienst. In der Ztadttirche. vormittags 9V* Uhr: Pfarrer Schwabe, vormittags I I Uhr: Leichte und heil. Ubendmahl für die Militärgemeinde. Pfarrer Schwabe. Uachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Ubends 6 Uhr: pfarrassistent Hoffman n. In der Johanneskirche. vormittags 9V? Uhr: Pfarrer Uusfeld. vormittags l I Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Uusfeld. Ubends 6 Uhr: Pfarrer Lechtolsheimer. Leichte und heil. Ubendmahl für Lukas- und Zo- hannesgemeinde. Unmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Gründonnerstag, den I. Upril. In der Ztadttirche. Ubends 6 Uhr: Pfarrer Schwabe. Leichte und heil. Ubendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam. Unmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. In der Iohanneslirche. Ubends 7 3 A Uhr: Pfarrer Lechtolsheimer. Leichte und heil. Ubendmahl für die Lukas- und Io- hannesgemeinde gemeinsam. Unmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Karfreitag, den 2. Upril. In der Ztadttirche. Kollekte für die evangel. Unstalten in Jerusalem, vormittags 9 1 /? Uhr: Pfarrer Schwabe. Leichte und heil. Ubendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde. Unmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. vormittags I I Uhr: Kinderkirche für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam, pfarrassistent hoffmann. Ubends 6 Uhr: Siehe Fohanneskirche. In der )ohannesttrche. vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Uusfeld. Leichte und heil. Ubendmahl für Lukas- und Io- hannesgemeinde. Unmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. vormittags l l Uhr: Kinderkirche für die Fohannesgemeinde. Pfarrer Uusfeld. Ubends 6 Uhr: Pfarrer Lechtolsheimer. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider f % Kleiderstoffe Blufen- Stoffe Husffeuer-flrfikel Reffe außergewöhnlich billig Efagengefdiflff. Geringe Linkolfen Semeinfdiafflldier Einkauf mit 3 Gefchdffen zufammen kina Bernard ^gießen, Bisrnarckltraße 6 j Bllslh's RllfikhllllS Ecke Kirchenplatz-Lindenplatz Musik-Instrumente :: und Musikalien :: Edgar Borrmann,Giessen Neustadtll Eisenwaren,Haus-u. 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