Nr. 9. Gießen, Sonntag Oculi, 7. März 1915. 4. Jahrgang. Uneigennützige Liebe. 1. Mose 14, 14-16. Als Abraham Hörle, dah Lot gefangen war, wappnete er feine 318 Knechte, eilte den Feinden nach und schlug sie und brachte alle ksabe wieder, dazu auch Lot mit seiner Habe, auch die Weiber und das Volk. von Krieg und Kriegsnot erzählt uns unser Gotteswort Die Stadt Sodom war vom Feinde genommen, das Vieh und alle bewegliche habe wurde weggeschleppt, die Bewohner, darunter auch Lot mit seiner Familie, wurden in die Gefangenschaft geführt. Sn dieser Bedrängnis kommt Abraham seinem Kessen zu Hilfe und zwar in durchaus uneigennütziger lveise, ohne Hintergedanken, ohne Aussicht aus Nutzen und Gewinn. Kurz zuvor hatten die beiden über die weiden für ihre Herden eipen Streit gehabt, in dem Abraham friedfertig nachgegeben und Schaden gehabt hatte. Man hätte also denken können, daß er jetzt bei der Notlage seines Neffen eine gewisse Schadenfreude empfunden und sich ängstlich davor gehütet hätte, diesen unter Aufbietung seiner ganzen Mannschaft zu befreien. Derartige Gedanken fanden jedoch in Abrahams Herzen keinen Kaum. Nur ein Gedanke bewegt ihn: dem Bedrängten, der mit ihm eines Blutes und eines Glaubens war, um jeden Preis Kettung zu bringen. Die Uneigennützigkeit Abrahams geht daraus hervor, daß er, als ihm das lverk der Befreiung gelungen ist, nicht die geringste Entschädigung für seine Hilfeleistung annimmt. Schlicht und bescheiden sagt er zu dem König von Sodom: „von allem, das dein ist, will ich nicht einen Faden noch Schuhriemen annehmen." Nach solcher ungefärbten, treuen Liebe suchen wir in den Beziehungen der heutigen Volker, in der jetzigen Kriegszeit, vergeblich, warum steht Italien uns nicht zur Seite? Ls war doch etwa drei Jahrzehnte unser Bundesgenosse! warum tut es nicht, was unser Volk von ihm erwartet hat? Nun, einfach aus Berechnung, aus Ligennutz. Ls will in dem Kampfe nichts riskieren, nichts einsetzen, sondern nur kampflos dabei gewinnen. Gder betrachten wir uns den sogenannten Dreiverband! was hat Kußland, Frankreich, England zu einem ,.Bündnis" zusammengeführt? Doch nur der Eigennutz, die kühle Berechnung. Feder dieser drei Bundesgenossen will bei dem Bündnis gewinnen, immer einer auf Kosten des andern. Abraham eilte Lot zu Hilfe, weil beide eines Blutes, eines Glaubens waren, heute spricht man unter den Völkern Europas nur von „Interessen", von Gewinn und Vorteil' von Liebe und Treue, von Pflicht und Uneigennützigkeit ist längst nicht mehr die Kede. Schweden und Norwegen, auch Dänemark und Holland gehören zur germanischen völker- familie, aber man hat nichts davon gelesen, daß diese Neutralen in dem gegenwärtigen Kriege unserem vaterlande auch nur den geringsten Freundschaftsdienst erwiesen hätten. Jedem brutalen Machtgebot Englands haben sich diese Staaten bisher gebeugt, auf England alle Kücksicht genommen, auf uns fast keine. Zu keiner Zeit scheinen die Beziehungen der Volker untereinander so sehr von Eigennutz und kühler Berechnung beherrscht gewesen zu sein als heute. Die Vergangenheit bietet uns manches schöne Beispiel, wie Völker oder Stämme sich aus Liebe und Zuneigung in Krieg und Gefahr zur Seite gestanden haben. 1629 landete aus deutschem Boden mit einem kriegstüchtigen Heere König Gustav Adolf von Schweden, warum tat er's? Kam er aus Berechnung, wollte er seinen Landbesitz erweitern? Die schärfsten geschichtlichen Untersuchungen haben keine Anhaltspunkte dafür ergeben. Gustav Adolf wollte das Evangelium vor dem Untergang bewahren, er wollte kämpfen für die Ideale seines Herzens und Volkes. 1534 warb Landgraf Philipp von he sen mit hohen Gpfern ein starkes Heer, um den Herzog Ulrich von Württemberg mit Waffengewalt wieder in sein Land einzwetzen. Vieser Herzog war von seinem Volke vertrieben worden, jahrelang war er heimatlos umhergeirrt. Philipp von Hessen gewährte dem Geächteten eine Zuflucht an seinem Hofe und setzte ihn wieder auf seinen Thron. Philipp hat das ohne jeden Hintergedanken, ohne jeden Eigennutz, allein aus Freundschaft und Liebe zu dem vertriebenen, durch sein Schicksal geläuterten Herzog getan. Deshalb gaben ihm die Zeitgenossen den Eigennamen des,.Großmütigen", richtiger übersetzt: des „Edelmütigen". Wenn man das kalte, unverhüllt eigennützige Treiben der Völker unserer Zeit betrachtet, so wird man unwillkürlich an so manches wort erinnert, das der Heiland über das letzte Gericht über die Völker gesprochen hat, namentlich an das Wort: „Dieweil die Ungerechtigkeit wird überhand nehmen, wird die Liebe in vielen erkalten." (Evang.INatth. 24,12 ) 34 Lin Geist hoher Liebe, selbstloser Hingabe und Uneigennützigkeit ist im Kriege allerdings in unserem deutschen Volke aufgewacht, was unsere Soldaten im Felde und namentlich unsere lUatrosen in Hingabe ihres Lebens, an Einsetzung ihres Blutes und ihrer Kraft für das Vaterland geleistet haben, davon werden noch in ferner Zukunft unsere Dichter singen, davon werden wir, wenn uns Gott den Sieg und einen ehrenvollen Frieden beschert, noch mit Wehmut und Verwunderung hören, wenn uns eins die Hoffnung auf Sieg und Gelingen geben kann, so ist es der Liebesstrom, der durch unser Volk hindurchgeht. Darum laßt uns sorgen, daß auch in der Heimat keiner dahinten bleibe, daß wir fähiger und williger werden zu Taten und Opfern der Liebe, wie sie Rbraham gebracht hat und wie sie die Kot der Zeit je länger je mehr dringend und gebieterisch von uns verlangt. - G. G. Opfer. Und es kommt einmal ein Tag: Da wird die Lonne scheinen Ins Aug' den Menschen, den Blumen im t)ag, Nur nicht in die deinen. Und es kommt einmal ein Tag: Da treibt's auf Straßen und Stiegen; Zur Arbeit ruft der Frühuhrschlag, Nur du bleibst ruhig liegen. Und es kommt einmal ein Tag: Da steht auf vergrautem Steine Tin Name, den keiner mehr lesen mag, Und keiner kennt dich und deine. Und es kommt einmal ein Tag: Da pflügt dein Enkel die Scholle; Der Staub, der um deine Seele lag, Ward Krume für Korn und Unolle. Und es kommt einmal ein Tag: Da wird dich der Vater rufen, Der einst zu dir „Komm wieder!" sprach, 3u reicheren Lebens Stufen. Fr. Trdn er. wir leben eben in einer Zeit der Opfer. Kein Tag vergeht, an dem ivir nicht in jeder Zeitung, die wir zur Hand nehmen, es lesen können, wie groß die Zahl der Opfer ist, die für das Vaterland, für Haus und heim und Familie gefordert werden. Daß sie notwendig sind in dieser schicksalsschweren Zeit, das wissen wir alle, das wissen am besten die, welche das höchste Erdengut, das sie besitzen, ihr Leben, freudig dahinzugeben bereit sind für andere, — für uns alle. 3n dieser Freudigkeit des Gpferns liegt der große wert dieses Heldentums, und darum erwächst daraus ein großer Segen für Volk und Vaterland. „Linen fröhlichen Geber hat Gott lieb", so heißt es schon in der Bibel in Bezug auf das Opfern von Geld und Gut,- einen unendlich viel höheren Wert hat aber die Hingabe des eigenen Selbst, des Lebens. Ls ist schon etwas hohes und herrliches, sein ganzes Leben dem Dienst seiner Uebenmenschen zu weihen, es ist dies auch ein Opfer, oftmals ein recht großes, wie oft gilt es da, im täglichen Leben sein eigenes Selbst, seine Neigungen, seine Kraft, seine Bequemlichkeit unterzuordnen in den Dienst anderer, die es meistens gar nicht anerkennen, daß es für uns ein Opfer ist, sondern die alles als ganz selbstverständlich hinnehmen. Und doch, wenn wir darüber Nachdenken und ehrlich gegen uns selbst sein wollen, so müssen wir uns sagen, daß ein Leben nicht lebenswert ist, das sich nur um das Wohl und wehe der eigenen Person dreht,- ein solches Leben verarmt uns innerlich, hingegen ein Leben, das von jung an bemüht war, seinen Mitmenschen zu dienen, und sollte es noch so verborgen vor der Welt und nicht berühmt und anerkannt gewesen sein, es trägt einen tiefen Segen in sich, der oft erst nach Jahren vielen zum Bewußtsein kommen wird. 3ti der heutigen Zeit ist wohl kaum jemand, der sich der Größe der Opfer nicht bewußt wäre, die täglich nun schon seit Monaten dargebracht werden. Uachdenkliche Seelen werden auch schon das Dämmern eines Morgenrotes zu sehen meinen, die Folge dieser ungezählten Opfer. Und darauf hoffen wir alle, daß nämlich etwas Ueues erstehen werde aus der gesamten Volksseele heraus, daß wir lernen und lehren mögen, unsere 3deale wieder hoch zu halten und ihnen nachzustreben und daß wir das Götzentum, dem auch in unserm teuren Vaterlande Rltäre errichtet wurden, daß wir es mit allem, was es in seinem Gefolge mit sich bringt, ausrotten und vernichten. Ls muß all das Große und hehre, das sich in der Zeit dieser schweren Heimsuchung entwickelte und erwachsen ist, fest und stark werden zum unveräußerlichen Besitztum eines großen geeinten Volkes. wir wollen daran festhalten, daß nur eine edle unvergängliche Lrnte aus dieser großen Saat der Tränen und der Opfer uns erwachsen kann. Diese Ueberzeugung wird uns aufrichten und uns helfen, über die Gräber unserer Lieben hinaus den Blick zu richten auf unser aller Vaterhaus im Himmel, wo die Stätte bereitet ist für alle die, denen der Vater sein: „Komm wieder!" zuruft. wir alle sind dem 3rdischen, dem Vergehen unterworfen, keine Macht der Erde kann uns davor bewahren; in unser alter Herzen aber ist die Himmelssehnsucht eingepflanzt, die wir uns auch durch keine Lrdenmacht rauben lassen sollen, wir wollen dem „Komm wieder!" des himmlischen Vaters entgegenwarten, und kein Opfer soll uns dafür zu groß sein. __ Baronin R. Bilder aus Alt-Siehen. von einer Gießener Dame wurden mir vor einiger Zeit einige Briefe übergeben, die der bekannte Kirchenrat Dr. Lngel (1790 — 1864) an seinen Onkel, den Pfarrer Göbel in Langenhain, gerichtet hat. Diese Briefe werfen ein Licht auf den Schreiber, fer ganz gewiß ein tüchtiger, bei der Gießener Bürgerschaft sehr beliebter Mann war, auch ein Mann von wissenschaftlicher Bildung und großer Rrbeitskraft, der aber nicht immer die würde seines geistlichen Rmtes zu wahren wußte und durch unangebrachte, in Gießener Mundart vorgetragene Scherze sich selbst am meisten geschadet hat. Seine Mitteilungen berichten aber auch von Vorgängen und Zuständen in der Stadt Gießen vor ungefähr 90 3ahren, und hiervon sei einiges hier mitgeteilt. I. Lin Brand im Zahre 182 2. Rm 11. Rugust 1822 berichtet Lngel an seinen „Oncle", wie man damals der bitte der Zeit entsprechend das Wort schrieb, folgendes: „Lieber Herr Gncle! vor allen Dingen muß ich 3hnen melden, daß der vergangene Freptag für Gießens Bewohner ein Tag des Schreckens gewesen ist. Gegen 2 Uhr des Nachmittags zog sich nehmlich ein furchtbares Gewitter über unserer Stadt zusammen, ein Blitzstrahl zündete in einer Scheuer in der Hintergasse neben der Scharfrichterwohnung, und das ganze Gebäude stand in Flammen. Furchtbar tönten die Stimmen der Feuerrufenden und vermischten sich mit den grausigen Schlägen der Sturmglocke. Da man mit Spritzen und 35 sonstigen Löschwerkzeugen gar nicht gut beqkommen konnte, so wüthete das Feuer bepnahe drei volle Stunden furchtbar fort. Unterdessen kamen die Spritzen vom Lande nebst ihrer Begleitung, unter denen die heuchelheimer schon 20 Minuten nach dem Stürmen mit ihrer Spritze eintrafen. Endlich gegen 5 Uhr, bis zu welcher Zeit l 9 Spritzen zugegen waren, wurde man Meister des Feuers. Eine Scheuer ist ganz abgebrannt, eine andere zum Theil, mehrere Gebäude sind außerdem beschädigt. Es lagen in der einen Scheuer 34 Ulafter Holz, welches dem Feuer Nahrung gab. vieles davon ist ein Naub der Flammen geworden. In der ganz abgebrannten Scheuer, welche dem ehemaligen Bäcker Steinberger gehört, stand eine ganz neue Lhaise, welche 700 Gulden kostete und bey dieser Gelegenheit in Schutt und Asche verwandelt worden ist. hätte dieser Brand die Stadt zur Nachtzeit betroffen, so würde nicht nur die Hintergasse, sondern auch der größte Theil der wall- thorstraße abgebrannt sepn. Der Himmel walte über uns bep Gewittern in diesem Sommer! Wegen der großen Hitze nehmen sie alle einen furchtbaren Charakter an." Oie hier erwähnte Hintergasse ist die heutige Wetzsteinstraße. Interessant ist, daß damals der Scharfrichter in Gießen eine Dienstwohnung hatte. Mancher Bewohner unserer Stadt ist an dieser Wohnung nachts gewiß nicht gern vorbeigegangen. 2. Ein seltener Todesfall. Im Frühjahr 1823 hatte Engel mit seiner Frau eine Keise nach Wiesbaden, Mainz und Biebrich gemacht. Bach seiner Heimkehr hatte er eine Amtshandlung von besonderer Art zu verrichten, varüber schreibt er an Pfarrer Göbel: „Als ich hier wieder angekommen war, begann meine pfarrwoche, und ich hatte in den ersten Tagen eine recht merkwürdige Leichenrede zu halten. Line Frau nehmlich, welche lO Tage todt gelegen hatte, wurde, weil sich nicht eher Spuren der Verwesung zeigten, öffentlich beerdigt, halb Gießen begleitete sie, und ich habe vor einer sehr bedeutenden Anzahl über den Hügeln der Entschlummerten geredet." Der Käme der Frau, die unter so merkwürdigen Umständen gestorben ist, wird in dem Bericht nicht genannt. (Fortsetzung folgt.) H.B^/-' Lin pfälzischer Musilant. Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer. (Fortsetzung.) Es kamen die Tage der Genesung. Zwar noch volle acht Tage mußte ich im Bett bleiben, weil ich zu matt war. Dann aber durfte ich aufstehen und wurde, weil ich sehr schwach aus den Leinen war, an das Fenster geführt, während meiner Krankheit war der Frühling im südlichen Holland in seiner ganzen Pracht eingekehrt. Ich sah auf einen Kanal hinaus, der zu beiden Seiten mit blühenden Lindenbäumen besetzt war; süßer, schwerer Duft drang zu mir herüber an das offene Fenster. Langsam glitten schwerbeladene Kähne auf dem stillen Wasser dahin, es war ein Bild, wie ich es in Holland oft gesehen hatte. Männer und Frauen kamen in holzschuhen vorüber, gelblich-weiß gestrichene Häuser lagen jenseits des Kanals. Am blauen Himmel standen einige weiße Wolken: warme, milde Luft wehte zu mir herein in das etwas dunstige Zimmer. Da hörte ich, wie ich so vor mich hinträumte, mit einem Male Musikklänge. hilf Himmel! das war ja meine eigene Kapelle: die kannte ich doch so genau, daß ich jeden falschen Ton irgend eines Instrumentes schon von fern heraushörte. Gerade unter meinem Fenster erklang die Musik, sie spielten den Thoral: Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren! wie bewegten mich diese Töne! Die treuen Menschen wollten mir ihre Freude über meine Genesung zum Ausdruck bringen. Ja, ich hatte wirklich Grund, den mächtigen König der Ehren zu loben. Ich dachte an den Vers aus diesem Liede, den ich in der Konfirmandenstunde gelernt hatte: In wieviel Kot hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet, und da stürzten mir die Tränen aus den Augen. Gott hatte mich in der Fremde während meiner Krankheit wunderbar beschützt: wie leicht hätte es kommen können, daß ich jetzt auf einem holländischen Kirchhof begraben lag und daß meine Frau eine Witwe geworden wäre, wenn ich mir das vergegenwärtigte, flössen wir die Tränen über das Gesicht. Koch weinend stand ich von meinem Stuhle aus und sah hinunter nach der Straße. Dort standen meine Leute in ihren dunkelblauen Köcken und schwenkten freudig die Mützen, als sie mich sahen. „Gott sei Dank, Meister, daß Ihr wieder gesund seid," rief einer von ihnen, dann kamen sie alle hinaus, um mir aus dem großen Gange des Oberstockes die Hand zu geben. Sie sahen mich so treuherzig an, daß ich in diesem Augenblicke von großer Freude erfüllt war. während ich krank war, hatten sie in herzogenbusch und in den benachbarten Dörfern Musik gemacht, und Sebastian Wolf übergab mir nun das Geld, das sie dabei verdient hatten. während ich mit meinen Leuten sprach, war Georg vackermann hinzugetreten und hatte sich als pfälzischer Landsmann und Kollege zu erkennen gegeben. Ls gab ein lebhaftes hin und her zwischen ihm und meinen Musikanten, um so mehr, da ihn Tobias Wagenschmidt von früher her kannte. Daß es Dackermann dabei an kräftigen Ausdrücken über seinen seitherigen Meister nicht fehlen ließ, läßt sich denken. Zum Schlüsse nahmen meine Leute wieder vor dem Krankenhause Aufstellung und spielten eine ganze Leihe schöner Stücke. Sie ernteten für ihre Darbietungen großen Beifall. Alle Kranken, die nicht in den Betten lagen, traten an die Fenster, um der Musik zu lauschen. Auch die Schwestern kamen herbei und sagten mir, daß meine Kapelle etwas leisten könne. Und als ich mich umsah, stand vr. Thooft hinter mir, fragte mich, ob das meine Leute seien, und lobte ihr Spiel. Als der Abend hereinbrach und aus der Ferne sich ein Glockenspiel, wie man das in Holland vielfach hat, hören ließ, trat Georg vackermann zu mir und sagte nach einigem Käuspern und husten: „Meister, ich hätte einen Vorschlag. Ich habe heute gesehen, wie gut Ihr mit Euren Musikanten steht und daß Ihr ein braver, ordentlicher Meister seid, bei dem die Leute etwas verdienen, wie wäre es, wenn Ihr meine Kameraden und mich mitübernehmen wolltet. Gott mag wissen, wo die armen Burschen sich jetzt aufhalten und wie es ihnen geht. Ich werde sie aber bald finden, wenn ich nur einmal aus diesem Hause heraus darf. Vas kann ich jetzt schon sagen, daß sie alle gern mit Luch gehen werden." Ich war von diesem Vorschlag sehr überrascht, er schien mir ganz unannehmbar, und ich erwiderte: „Aber, Landsmann, was denkst du denn? Ich habe schon 7 Musikanten, ihr seid 15, das wären, wenn man mich dazu rechnet, 23 Mann, wie kann ich mit einer so großen Kapelle zurechtkommen?" „Kichts leichter als das," meinte Dackermann, „Ihr könntet die Kapelle nach Belieben in zwei oder drei Gruppen teilen und sie getrennt spielen lassen. So hat es brr alte Brabänder von Kusel gemacht, der hatte zeitweise 30 Leute und ist ein steinreicher Mann geworden." V 36 Ich fing an zu überlegen, der Vorschlag meines Landsmanns schien mir gar nicht so verkehrt zu sein, nur glaubte ich jetzt, da ich kaum von einer schweren Krankheit genesen war, nichts neues unternehmen zu sollen,' ich gab daher eine ausweichende Antwort. Aber Dackermann kam jeden Tag mit demselben Anliegen. Ich glaube sogar, daß er sich länger, als nötig war, im Krankenhause aufhielt, nur, um mir beständig in den (Ohren zu liegen. Ich war nun soweit hergestellt, daß ich den größten Teil des Tages außer dem Veite zubringen und auch kleine Spaziergänge unternehmen konnte. Vackermann begleitete mich dabei auf Weg und Steg und verließ an demselben Tage wie ich das Krankenhaus. Als er von mir erfuhr, daß es meine Absicht sei, von herzogenbusch mit Zwischenstationen nach Kotterdam zu gehen, um dort mehrere Wochen zu bleiben, ließ er sich das Gasthaus angeben, in dem ich mit meiner Kapelle wohnen wollte. Seine letzten Worte, ehe er sich von mir trennte, waren: „Meister, ich werde noch von mir hören lassen." (Fortsetzung folgt.) Uirchliche Anzeigen. Sonntag, den 7. März, ©culi: Gottesdienst. In der Stadttirche. vormittags 9Vs Uhr: Professor v. Schian. vormittags l l Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer E>. Schlosser. Abends 6 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Matthäusgemeinde, wozu besonders auch die Eltern und Angehörigen der Konfirmanden eingeladen werden. Die Konfirmation findet am nächstkünftigen Sonntag, den l4. März, im Hauptgottesdienst statt, in Verbindung damit Feier des heil. Abendmahls. Leichte dazu Samstag, den l3. März, nachmittags 2 Uhr. Mittwoch, den 10. März, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde (Passionsandacht). Pfarrer E>. Schlosser. Worte zum Nachdenken in der Nriegszeit. Uoch war kein Tag ohne Sonne, kein Fahr ohne Frühling. So war noch keine Zeit ohne Gottes Liebe, kein Mensch lebte noch ohne seine heimliche Fürsorge. Daß du, Herr, auch ein Schöpfer reiner Herzen geworden bist, ist das herrlichste Werk aller deiner Werke! * * * Der Weg der Pflicht ist der Weg der Sicherheit und des Lebens. Tarlple. In -er Aohanneskirche. vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Bechtolsheims r. Vormittags l 1 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheims r. Abends 6 Uhr: pfarrassistent Hoffmann. Uächstkünftigen Sonntag, den 14. März, findet um 2 Uhr die Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Lukasgemeinde statt. Im Konfirmandensaal (Liebigstraße 5 6) nachmittags 2 Uhr: Taubstummengottesdienst und Feier des heil. Abendmahls. Pfarrer Bechtolsheimer. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen^ Car! Loos Üirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- unb Weißwaren Herren- u. Knabenkleiber neueste Einbände zu billig. Preisen il Mäusburg 11 C. Leisler Ww. Neuenweg Ecke Weidengasse MÖBEL-LAGER Lieferung ganzer Ausstattungen :: sowie Einzel-Möbel :: Eigene Polster-Werkstätte fron; lg eile iMusdurg )0 slernfprech-Illr. 666 Ifflufifalien ÜIWkWmmente Ernst Ctjallier, Siesten iiluöatpti'e Iflortif. Iflriintturct U Irlrpbon B7I Geschw. Holberg Nathl. Modes Gießen, Plockstraße 5 empfehlen sich in allen in ihr Fach schlagenden Arbeiten. 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