Gemeinöeblatt süröie evangelische Kirchengemeinüe Gieszeer Nr. 8. Gießen, Sonntag Neminiscere, 28. Februar 1915. 4. Jahrgang. Die Frömmigkeit unserer Helösoldaten. 2. Buch der Chronik 15, 2. Oer Herr ist mit euch, weil ihr mit ihm seid; und wenn ihr ihn sucht, wird er sich von euch finden lassen. Was wir unseren Volksgenossen im feldgrauen Wafsen- kleide in erster Linie danken, das ist, daß sie seit Monaten treue Wacht in Vst und West halten und unter schweren Umständen von Erfolg zu Erfolg geeilt sind. Uber es ist doch noch ein anderes, wofür wir ihnen nicht weniger danken, das ist die Ueubelebung der deutschen Frömmigkeit, die von ihnen ausgegangen ist und noch ausgeht. Früher mußte man sehr vorsichtig sein, wenn man zu einem jungen, rüstigen Manne von Gott sprach,' denn man konnte sich aus schroffen Widerspruch gefaßt machen. In kirchlichen Kreisen hielt man es für nötig, den jungen Männern apologetische Vorträge zu halten, das sind Vorträge, die die Wahrheit des Thristentums gegen seine Widersacher erweisen. Unsere jungen Männer waren vielfach mit dem Glauben ihrer Kindheit zerfallen und hatten den Modepropheten Gefolgschaft geleistet. Jetzt haben sie umgelernt. Sie haben in der schweren Stunde des Abschieds von der Heimat, im Getümmel der Feldschlacht, im Schützengraben und in den Lazaretten Gott gesucht, und er hat sich von ihnen finden lassen, sie sind mit Gott, darum ist der Herr auch mit ihnen. So viele Briefe wie in diesem Kriege sind niemals in früheren Kriegen aus dem Felde in die Heimat geschrieben worden, das macht die gute Volksschulbildung unserer Soldaten. Vas aber ist es, wofür wir Gott nicht genug danken können, daß alle diese Briefe mit sehr geringen Ausnahmen immer wieder den Kamen Gottes nennen. Aus dem Felde flutet in die Heimat ein starker Strom frommen, göttlichen Lebens. Unsere Krieger berichten von dem Schuhe Gottes, den sie erfahren haben, von erhebenden Feldgottesdiensten und von der Kraft des Gebetes. So schreibt ein Kriegsfreiwilliger, wie er auf dem östlichen Kriegsschauplätze die Silvesternacht verlebt habe. Er habe auf seinem einsamen Posten an die Seinen gedacht, habe sich um 12 Uhr vergegenwärtigt, wie in dieser Stunde die Gießener Kirchenglocken klingen, und da habe ihn die Zuversicht erfüllt, daß der Gott, der im alten Jahre mit ihm gewesen sei, ihn auch im neuen Jahre nicht verlassen werde. Ein anderer schreibt, seine Kompagnie habe bei la Lassoe das heilige Abendmahl feiern wollen, aber der Schuppen, in dem die Feier stattfinden sollte, sei von dem Feinde beschossen worden. Und ein dritter Jüngling aus unserer Gemeinde teilt mit, er sehe im Geiste stets das große Bild Luthers, das in der Johanneskirche hängt. In einer Zeitschrift war zu lesen, wie ein Felddivisions- pfarrer am Abend an einer französischen vorfkirche vorüberging. Da hörte er aus der Kirche den Gesang deutscher Kirchenlieder. Als er näher kam, gewahrte er, daß deutsche Landwehrleute zwischen den dort aufgestapelten Hafer- und Zwiebacksäcken standen und, während ein Unteroffizier das har- monium spielte, das alte Gotteslied sangen: Wer nur den lieben Gott läßt walten. Am nächsten Abend wurde in dieser Kirche ein Gottesdienst gehalten. Als er zu Ende war, stand ein höherer Offizier auf der Kirchentreppe und sprach zu seiner Umgebung, indem er zum gestirnten Himmel emporwies: Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unserer Uot. So geht jetzt Gott durch die Ueihen unserer kämpfenden Brüder und erfüllt ihre Seelen mit Mut, Buhe, Trost und Zuversicht. Unser Volk hat in diesem Kriege seinen Gott wiedergefunden. Das ist ein Gewinn, der allen Erdengewinn überragt und uns auch in der Zeit des Friedens, die wir so heiß ersehnen, nicht verloren gehen kann. Wohl ist unser Volk in den letzten sieben Monaten durch Blut und Tränen hindurchgegangen, aber mit dem Erzvater Jakob kann es sprechen: Ich habe Gott von Angesicht gesehen, und meine Seele ist genesen. V}. B. war erhoffen wir von diesem Kriege? Wir wollen hier nicht darlegen, was das deutsche Volk in politischer Hinsicht von dem Kriege erhofft, den es gegenwärtig zu führen genötigt ist. Vas zu erörtern, wollen wir den Heerführern und Diplomaten überlassen, sie werden, mit unserem Kaiser an der Spitze, schon finden, was für Deutschlands Größe und Sicherheit in der Zukunft nötig ist. Ls soll hier nur die Frage beantwortet werden: Das erhoffen wir von diesem Krieg für unser Volk in religiöser und sittlicher Beziehung? Kriegszeiten, so verderblich sie sind, haben oft den Segen im Gefolge gehabt, daß das Volk, das für seinen Bestand zu kämpfen hatte, innerlich neu aus dem Kampfe hervorging. Nach dem 30jährigen Kriege ging lebendiges 30 Gottvertrauen durch die Seele der Deutschen, nach den Befreiungskriegen war eine entschiedene Einwendung zu dem frommen Glauben der Väter wahrzunehmen. Man wollte nicht mehr viel von dem vernunftglauben wissen, der perz und Geist gleich wenig befriedigt hatte, Jesus wurde wieder eine Macht in Deutschland, die. alten Erbauungsbücher wurden aus dem Staub der Büchereien hervorgeholt, man sang wieder die alten Gotteslieder. In interessanter Form ist in der 5elbstbiographie des Malers Ludwig Richter geschildert, wie um das Jahr 1825 die jungen deutschen Künstler in vom von lauterer Frömmigkeit erfüllt waren und an den glaubten, der da ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Dem Weltbürgertum gab man damals den Abschied und empfand deutsch-national, sehnliche Wirkungen hat der Krieg von 1870/71 nicht hervorgebracht, er verlief verhältnismäßig schnell und überaus glücklich,' das mag die Ursache gewesen sein, daß unser Volksleben durch ihn nicht vertieft wurde. Wir hoffen, daß dieser Krieg andere Wirkungen hat. Zeit dem ersten Tage der Mobilmachung ging durch unser Volk ein wirkliches Luchen nach Gott. Wie strömten schon am 2. August die Menschen in die Kirchen, ohne daß man, wie das bei öffentlichen Vorträgen und künstlerischen Veranstaltungen geschieht, dafür Ueklame gemacht hatte. Zeit Beginn des Krieges ist, abgesehen von den Frühgottesdiensten, die im August und September um 8 Uhr gehalten wurden und einen durchschnittlichen Besuch von 400 Erwachsenen aufwiesen, die Fohanneskirche in Gießen Sonntag für Sonntag vor- und Nachmittags in jedem einzelnen Gottesdienste von durchschnittlich 1000 Personen besucht gewesen. Die Kirchen weisen also eine weit stärkere Lesuchs- ziffer auf als alle andere Veranstaltungen, welcher Art sie auch sein mögen, und das sieben Monate lang, ohne daß seither die Zugkraft nachgelassen hat. Darin prägt sich doch aus, daß die Religiosität eine starke Macht in unserem Volksleben geworden ist. Wir hoffen, daß das in der Zukunft bleiben wird. In den letzten Fahren ist man gegen den Gottesglauben förmlich Sturm gelaufen. Die Freidenker wollten die Menschen von ihren Kirchen wegziehen, die „Monisten" predigten ihre trostlose, atheistische Weltanschauung, Nietzsche mit seinem wilden Paß gegen das Thristentum war der Philosoph weiter Kreise. Dem gottesdienstlichen Leben wurde dadurch Abbruch getan, daß die Menschen an den Sonntagen aus den Städten in nachlässiger KleidrMz, in überfüllten Zügen in die Berge reisten und daß man Vergnügungen und Vorträge gerade auf dieselbe Stunde legte, da die Glocken zur Kirche riefen. Der Wintersport erschien viel wichtiger als die Teilnahme am Gottesdienste. Das wird, so Gott will, jetzt nicht mehr Vorkommen. Wir hoffen vor allem auch, daß unser Volk jetzt wieder demütiger wird. Seither wurden die „starken", die „stolzen", die „modernen" Menschen gepriesen. Was ist alles starke, selbstbewußte Menschentum, wenn es von einem kleinen Stück Blei in einem Augenblick gefällt werden kann? Man wird so klein und bescheiden, wenn man bedenkt, daß so viel edles, lebensfrohes und lebenswürdiges Leben jetzt vorzeitig und gewaltsam abgebrochen wird. Man denkt da an das Wort des psalmisten: Wie gar nichts sind die Menschen, die doch so sicher wohnen! Im Fahre 1891 hat der vor drei Fahren entschlafene Professor Paul Drews eine kleine Schrift erscheinen lassen, die den Titel trägt: „Mehr perz fürs Volk". Was der wackere Mann damals gesagt hat, gilt heute noch, ja heute noch viel mehr als damals. Die Reichen und pochstehenden in unserem Volke müssen es lernen, den Leuten einfachen Standes mehr Achtung und mehr perz entgegenzubringen. Ts gibt jetzt keinen Unterschied der Stände, alle kämpfen für das bedrohte Vaterland. Darum müssen wir auch einig sein und uns nicht mehr von unedler parteisucht beherrschen lassen. Wir wollen in der Zukunft auch wahrhaftiger sein. Seither gab es viele, die lieber etwas scheinen als etwas sein wollten, viele wollten um jeden Preis eine Rolle spielen, auch wenn sie vorher nicht in harter Arbeit etwas Tüchtiges geleistet hatten. Rie war die Eitelkeit so verbreitet als in unserem Zeitalter. Die vielen, die jetzt namenlos für ihr Volkstum sterben, mahnen zur Bescheidenheit. Die Unwahrhaftigkeit unserer Zeit zeigte sich in der Lildungsheuchelei. Man hörte scheinbar mit gespanntem Interesse Vorträge über alle möglichen Gegenstände, ohne im geringsten hierfür die erforderliche Vorbildung auszuweisen, ohne nur ein einziges Mal im Fahre ein ernsthaftes Luch zur pand zu nehmen. Ls gibt nichts schlimmeres als den Lildungsdllnkel dessen, der sich keine wahre Bildung angeeignet hat. palb- bildung ist ein Fluch,' denn sie macht immer dreist und anmaßend. Auch weniger ruhmredig wollen wir werden. Man muß nicht immer gleich von sich reden machen. Daß man bedeutende Männer wie pindenburg fortwährend antelegraphiert, ihnen Gedichte und Adressen sendet, ist wahrlich nicht notig. Ebenso wenig ist nötig, daß man ihnen von privater Seite Ehrenprädikate verleiht,' ein pindenburg zu sein und das deutsche Land von der russischen Gefahr befreit zu haben, ist Ruhm genug. Wenn wir wahrhaftiger und demütiger werden, so werden wir auch die Schlagworte, die die Torheit prägt, nicht mehr nachsprechen. Man hat unser Fahrhundert das „Fahrhundert des Kindes" genannt. Damit wollte man sagen, daß heute die Fungen, die Unreifen zu bestimmen hätten. Was hat man für Wesen mit der „freideutschen Studentenschaft" gemacht! Lin scharfer Beobachter unserer Zeit, der frühere Universitätsprofessor Theobald Ziegler, hat vor kurzem gesagt: „Du sollst dich freuen, daß es aus ist mit dem Fahrhundert des Kindes,' denn das war ein ganz törichtes Schlagwort. Unsere Peerführer sind Männer zwischen 50 und 70 Fahren, und auch die rührenden Knaben, die als die Füngsten so todesmutig hinausziehen ins Feld, werden als ernste Männer heimkehren von ihrer schweren Männerarbeit und auch der Zeit nachher ihren Stempel aufdrücken." von demselben Gelehrten stammt das Wort: „Du sollst dir überlegen, ob nicht wirklich ein Unterschied ist zwischen Mann und Frau und zwischen dem peldentum des Mannes und dem peldentum der Frau, deshalb darfst du dir die Frage der Koedukation wieder zum Problem werden lassen. Denn wir brauchen männliche Männer und wir brauchen frauliche Frauen, und jeder Teil hat seine besonderen Aufgaben zu erfüllen." Dieser Krieg wird die sogenannte „Frauenfrage" ein gutes Teil der Losung näher bringen. Wir haben in den letzten sieben Monaten viel weibliches peldentum mitangesehen. Das ist das peldentum der Mütter, die um den Sohn trauern, das peldentum der Gattinnen, die den' Vater ihrer Kinder mit stiller Ergebung haben in das Feld ziehen lassen und die nun entschlossen und mutig das pauswesen leiten und die Kinder erziehen. Aber das zum perr- schen in Staat und Gemeinde nur der Mann berufen ist, der dafür auch die Pflicht hat, mit seinem Leben für Staat und Gemeinde einzutreten, ist jetzt wieder deutlich geworden. Mit einem Stande wollte man den Anfang machen, Männer 31 unter weibliches Regiment zu beugen, das war der Lehrerstand. Oberlehrer und Lehrer an Volksschulen sollten in gleicher Weise von dieser „modernen" Maßnahme betroffen werden. Run scheint Kein Stand in diesem Kriege verhältnismäßig so viele seiner Ungehörigen im $elbe stehen zu haben als der Lehrerstand, von den ungefähr 100 000 preußischen Lehrern mit seminaristischer Vorbildung stehen 35 000 im Felde, von den 11 600 preußischen Lehrern mit akademischer Vorbildung streiten 4000 für unsere gerechte Sache, 88 hessische Volksschullehrer und sehr viele Oberlehrer sind seither vor dem Feinde gefallen. Und nun denke man, daß man die Männer, die im Kriege das Eiserne Kreuz erhalten, die eine Kompagnie oder ein Bataillon siegreich gegen den Feind geführt, die in 100 Gefechten ausgehalten haben, nach dem Kriege irgend einem Fräulein unterstellen wollte, das die früheren Offiziere und Feldsoldaten gegebenen Falles „schützen" solle. Es wird niemand so töricht sein anzunehmen, daß diese Möglichkeit jemals eintreten könne. So erhoffen wir von diesem Kriege lebendigere Frömmigkeit, tiefere vemut, mehr Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und Ernst, weniger Ruhmsucht, aber entschiedenes Rnkämpfen gegen den mit geistlosen Schlagworten arbeitenden Zeitgeist. Erreichen wir das, so ist bcrs edle Blut nicht umsonst geflossen. _ h. B. Erinnerungen eines alten Mannes. von Generalarzt a. D. vr. Otto Kappesser in varmstadt. 22. LoßdeOßlos! In Rfrika da unten hat es angefangen. Um ein Stück dürre Sandwüste, auf der allerdings vor Jahrtausenden fünf herrliche Städte erblühten, hat der Italiener mit dem Türken gerauft, und die anderen standen ängstlich dabei, daß nicht ein Funke über die Grenze fliege und den schon lange gefürchteten Weltbrand entzünde. Seitdem hat es unter der Rsche weiter geglimmt, und gelegentlich sind auch, wie am Balkan, die Flammen hoch aufgelodert. Uber erst in diesem Sommer gab der niederträchtige Meuchelmord, der auch eine wehrlose Frau nicht verschonte und da unten an der Donau schon lange hoffähig war, einer lügnerischen, ehrenwort- brüchigen Diplomatie, für welche die Sprache nur dazu da ist, um ihre Gedanken zu verbergen, den lange gesuchten Rn- laß, den frevelhaft ersehnten Krieg zu schaffen, zur Genugtuung ehrgeiziger und beutegieriger russischer Großfürsten, rachedürstender Franzosen, perfider Engländer, für welche die Welt nur zur Befriedigung ewiger Habgier dient. Ruf der ganzen Erde, zu Wasser und zu Land, tobt jetzt ein Kampf, wie ihn ähnlich die Weltgeschichte noch nicht erlebt hat, und, indem die Menschheit diesem Ringen zuschaut, kann sie nur mit dem Dichter fragen: Wann kommt der Friede in die Welt, von dem die Völker lang geträumt, Wann bauen wir das Laubgezelt Dem Retter, der so lang gesäumt? vor langer Zeit habe ich irgendwo einmal gelesen, wie der wackere Bürgermeister Ghlp (vielleicht ein Vorfahr unseres in ehrendem Rndenken stehenden Darmstädter Oberbürgermeisters ?) vor bald hundert Jahren in der ihm unterstellten Gemeinde im Vogelsberg einen gefährlichen Streit durch entschlossene Geistesgegenwart zum guten Ende gebracht hat. Beim reichsten Bauer wurde Hochzeit mit dem den Umständen entsprechenden Rufwand gefeiert. Leider tat nur zu bald der zu reichlich gespendete Branntwein seine Wirkung. Zwischen einzelnen Gästen entstand ein Zank, in welchen andere sich einmischten, und in kurzem war eine allgemeine Prügelei im Gang, welche bei der Hartköpfigkeit dieser Gebirgsbewohner das Schlimmste befürchten ließ. Keiner war da, der zur Rbwehr fähig gewesen wäre. Da erschien auf dem Treppenpodest vor der Haustür die Hünengestalt des Bürgermeisters Ghlp. mit Feldherrenblick übersah er die im Hof tobende Schlacht, da war auch sein plan schon gefaßt. Mit mächtiger, das Kampfgetöse übertönender Stimme rief er hinab: „Hannes, laß de Gß los!" Vas geschah auch, und alsbald zeigte sich in der Stalltür das zottige Haupt des mächtigen Gemeindestiers, der in der hofreite gehalten wurde. Einige Rugenblicke glotzte der in das vor ihm tobende Gewühl, dann ging er mit gesenkten hörnern und dumpfem Gebrumm hinein. Da hörte man eine angstvoll kreischende Stimme: „herrjeh, der Gß is los!" Im Ru war aller Streit und auch aller Rnlaß dazu vergessen. Alles rennet, flüchtet, rettet sich, und nach wenigen Rugenblicken blieb der vierbeinige Friedensrichter als alleiniger Sieger, mitten auf dem Düngerhaufen stehend, zurück. So hatte der Bürgermeister durch kluge Entschlossenheit die seiner Fürsorge anvertraute Gemeinde vor großem Unheil bewahrt. Rch, fände sich jetzt für die wilden Balkanvölker und für unsere Feinde, die sich nicht schämen, wilde asiatische und afrikanische Völker gegen uns in das Feld zu führen, so ein Bürgermeister, der den friedenstiftenden „Dß" loslassen könnte! - Lin pfälzischer Musikant. Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer. (Fortsetzung.) „Bei welchem Meister bist du denn?" fragte ich den Landsmann. Da geriet dieser in Erregung. „Bei welchem Meister ich bin, so fragt Ihr mich. Ihr solltet besser fragen, bei welchem Gauner und Richtsnutz ich gewesen bin,' denn ein Gauner und Richtsnutz ist der Peter Katzenbach aus Jettenbach, mit dem ich seither auf Reisen war." Georg, vackermann sprach so laut und in echt pfälzischem Tonfall, daß die Kranken sich in den Betten aufrichteten und nach ihm hinsahen. Ich beruhigte den Landsmann, indem ich meine Hand auf seinen Rrm legte und ihm sagte: „Richt so laut, du pfälzer Krischer, du bist hier nicht daheim." Etwas leiser fuhr dann der Musikant zu reden fort. „Denkt Tuch, wir sind 15 Mann und schon über ein Vierteljahr auf Reisen und haben nur zweimal unseren Wochenlohn bekommen. Rlles andere Geld ist uns der Katzenbach schuldig geblieben. Vas ist ein raffinierter Gauner, den könnte man henken, ohne vorher zu verhören. Immer hat er uns getröstet und hingehalten, aber nichts bezahlt. Immer hat er auch das Geld ganz allein eingesammelt. Wir konnten nichts dagegen machen,' denn wir haben allesamt kein Geld, um irgendwohin zu reisen und uns einer anderen Kapelle anzuschließen. Was sollten wir machen? verklagen konnten wir den Galgenstrick bei einem holländischen Gericht nicht. Vas beste wäre gewesen, wenn wir ihn windelweich geschlagen hätten. In Tilburg habe ich ihn auf der Straße gegen ein Hoftor geworfen, daß es gekracht hat, aber da hat er Feuer gekrischen,' die Leute sind zusammengelaufen, und ich habe ihn loslassen müssen." „Warum hat er euch denn den Lohn nicht ausgezahlt?" „Weil er das Geld für sich verbraucht hat. Uns hat er abends Limburger Käse und Genever auftragen lassen, und er ist in die feinen Wirtschaften gegangen, wo er Braten und Geflügel gegessen und teuren Moselwein getrunken hat. Bis in die Nacht hinein hat er mit reichen Holländern Karten gespielt und dabei sein Geld verloren. Und denkt Luch, Meister, gerade einen Tag, bevor ich in das Krankenhaus gekommen bin, ist der Schwindler durchgebrannt und hat uns sitzen lassen. Ist das nicht ein Lrzspitzbub?" „Wohin ist er denn gegangen?" „Ja, wenn ich das wüßte! Einige von unseren Musikanten sagen, er sei nach Untwerpen ausgeschlitzt, um von da nach Amerika zu kommen, die anderen meinen, er sei nach der Pfalz gereist. Das glaube ich aber nicht' denn, wenn er sich in der Pfalz blicken läßt, dann bringen wir ihn um." „Vas ist allerdings ein Meister, wie er nicht sein soll," sagte ich zu meinem Landsmann, dann aber bat ich ihn, nicht mehr zu sprechen, da ich müde sei und etwas schlafen wolle. Ich schlief gleich ein, aber es war kein Schlaf mehr mit verworrenen Traumbildern, sondern ein süßer und erquickender Schlummer, von dem ich neugestärkt erwachte. Die Schwe- ster, die mich gepflegt hatte, brachte mir ein Glas Milch und sagte zu mir freundliche Worte. (Fortsetzung folgt.) Meine Mitteilungen. Es gibt im Leben merkwürdige Fügungen. In einem schönen deutschen Volksliede, das besonders die Gießener Stu- denten gern singen, heißt es am Schluß einer Strophe: „Und in den Karpathen sind die Wege verschneit". Wie mancher Jüngling hat in lauer Sommernacht begeistert dieses Lied mitgesungen, ohne daran zu denken, daß er jemals die verschneiten Wege in den Karpathen sehen werde. Nun wird manchem von unserei 222 ern beim Vordringen durch die ferne Gebirgs- welt dieses Wort aus dem Liede eingefallen sein. kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 2 8. Februar, Neminiscere. Gottesdienst. In der Stadtkirche. vormittags 9Vr Uhr: Pfarrer Schwabe, vormittags l l Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Abends 6 Uhr: Pfarrassistent Hoffmann. Sonntag, den 28. Februar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Markusgemeinde (Diezstraße l5). Dienstag, den 2. März, nachmittags 3 Uhr im Matthäussaal : Frauenmissionsverein. Dienstag, den 2. März, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. Nächstkünftigen Sonntag, den 7. März, findet im Abend- gottesdienst Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Matthäusgemeinde statt, wozu besonders auch die Eltern und Ungehörigen der Konfirmanden eingeladen werden. In der Johanneskirche, vormittags yi/s Uhr: Pfarrer Bus seid, vormittags I l Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeind«. Pfarrer AusfeId. Abends 6 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und heil. Abendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde. Unmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Ubends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johannessaal. Mittwoch, den 3. März, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde (Passionsandacht). Pfarrer Uusfeld. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 79 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleide Heinrich Noll Bi 7 Mäusburg Nr. 7 Telephon Nr. 292 Eck Spezial-Geschäft für Bureaubedarf ♦ Schreibmaschinen ™ Papierhandlung, Buchbinderei, Gesangbücher. Moderne r Kunstarbeiten. 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