Nr. 2. Metzen, 2. Sonntag nach Epiphanias, 17. Januar 1915. 4. Jahrgang. ttri.'gzgefangen. Evangelium des Ittalthäus 25, 36. 3d) bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Das Kbfehen einer jeden kriegführenden Partei ist darauf gerichtet, den Gegner möglichst kampfunfähig zu machen, feindliche Soldaten, die einer Heeresabteilung in die Hände fallen, werden deshalb gefangen weggeführt und so lange in sicherem Gewahrsam gehalten, bis der Krieg zu Ende ist. In alter heidnischer Zeit verfuhr man grausam mit den Kriegsgefangenen. Sie wurden in der Kegel getötet,- damit war man der Mühe, sie zu bewachen und zu verpflegen, überhoben. Koch das Mittelalter kannte diese Art, mit den Gefangenen umzugehen. Erst die neuere Zeit ist humaner geworden, alle Kulturstaaten sind darin "übereingekommen, den Kriegsgefangenen die erforderliche pflege angedeihen zu lassen und sie mit dem Friedensschlüsse wieder in ihre Heimat zurückzusenden. Der Krieg, den wir gegenwärtig führen, hat durch seine große Ausdehnung zur folge gehabt, daß viele Soldaten in Kriegsgefangenschaft geraten sind. In Deutschland wird augenblicklich eine halbe KKllion Kriegsgefangener bewacht. Aber auch deutsche Soldaten, namentlich solche, die verwundet von ihrem Truppenteile abgekommen sind, sind in Gefangen- schaft geraten. Ou den gefangenen Soldaten kommen die vielen gefangenen Zivilpersonen. Im fahre 1870 hat keiner der kriegführenden Staaten Zivilpersonen ihrer Freiheit beraubt. Wohl hat Frankreich die deutschen Staatsangehörigen ausgewiesen: in Gießen herrschte am Kahnhofe großes Glend, als die in Paris seither beschäftigten Oberhessen ankamen, im übrigen hat man den Krieg auf beiden Seiten nur mit den Soldaten geführt. Zu der furchtbaren Schuld, die England seither schon durch seine Politik und seine Kriegführung auf sich geladen hat, kommt noch die hinzu, daß dieser Staat alle friedlichen Ausländer, die den gegnerischen Staaten angehören, gefangen genommen und in die Konzentrationslager gebracht hat. Frankreich ist diesem Beispiele nachgefolgt, oon Kußland konnte man nichts anderes erwarten. Deutschland war schließlich nach langem Widerstreben gezwungen, zum Schutze seiner bedrängten Staatsangehörigen die gleiche Maßregel zu ergreifen. Knter solchen Umständen haben wir Anlaß, einmal über das Los der Kriegsgefangenen nachzudenken. Das muß sich ein jeder vor Augen halten, daß ein Kriegsgefangener es sei denn, daß er sich verbrecherische Taten habe zu schulden kommen lassen — ein Mensch ist, der durchaus Anspruch auf unsere Achtung hat. wenn wir in der Nähe eines Gefangenenlagers die französischen Soldaten arbeiten sehen, so müssen wir daran denken, daß diese Männer, von denen schon viele graue haare haben, ehrenwerte Männer sind. Sie haben für ihr Vaterland gekämpft, sie sind ihrem Fahneneide getreu gewesen, für die schlechte Politik ihres Landes können wir sie nicht verantwortlich machen. Sie haben zu Hause ihre Familien, um die sie sich in mancher Stunde grämen. Diese Kriegsgefangenen verächtlich zu behandeln, über sie Witze zu machen und zu lachen, wäre eines gesitteten Volkes nicht würdig. Selbstverständlich haben wir keinen Grund, den Kriegsgefangenen besondere Wohltaten zu erweisen. In dieser Ke- ziehung ist im fahre 1870 viel gesündigt worden. Unsere Heeresleitung hat durchaus recht, wenn sie den Gefangenen, was Verpflegung und Unterkunft betrifft, nur das Notwendigste zukommen läßt, wenn die feindlichen Staaten in ihrem Verhalten gegen die gefangenen Deutschen die nötige Kücksichtnahme vermissen lassen, so wäre es Schwäche unsererseits, wenn wir die bei uns Internierten mit ausgesuchter Liebenswürdigkeit behandeln würden. Aber vergessen wir nicht, daß wir Thristen sind und daß der Heiland gesagt hat: Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Gr, der alle Menschen liebte, und am Ende seines Erdenlebens selbst gefangen war, wollte, daß man sich auch der Gefangenen erbarmen sollte. Darum hat jeder, den sein Keruf mit Kriegsgefangenen in Verbindung bringt, die Pflicht, in diesen die Mitmenschen und christlichen Krüder zu sehen, die Trauernden unter ihnen auszurichten, die Kranken nach besten Kräften zu pflegen, die unter dem Heimweh Leidenden mit dem Hinweis auf den frohen Tag der Heimkehr zu trösten. Und wenn einer unter ihnen in der Fremde stirbt, ohne die Seinen, nach denen zuletzt noch seine Gedanken gingen, gesehen zu haben, so sollte man dafür sorgen, daß die Kunde von seinem Abscheiden in teilnehmender Form an seine Angehörigen gelangt, wenn wir so handeln, so dürfen wir auch hoffen, daß Gott die Herzen unserer Feinde so lenken wird, daß sie Milde und Freundlichkeit gegen unsere gefangenen Landsleute walten lassen. h. K. 6 Das Leben in Gietzen vor und während -er Volksbewegung in -en vierziger Zähren -es vorigen Jahrhunderts. von h. h—r. (Fortsetzung.) Fast sprichwörtlich zeigte sich die Volkstümlichkeit dieser städtischen Beamten. hatte jemand ein Anliegen oder wollte man etwas gehört haben, ohne Namen zu nennen, so antwortete man auf neugierige Fragen: „Ei, vom Thurnmann". Den Ausscheller Moll zog man heran, wenn man etwas recht unter die Leute gebracht haben, oder wenn man jemand ein zu starkes Ausplaudern vorwerfen wollte. Auf den Straßenkehrer heßler werden sich wohl nur noch wenige besinnen können. Er hatte die Neinigung der öffentlichen Plätze zu besorgen, lag daher stets in Hader mit den Gbstweibern, die auf dem Marktplatz und dem Kreuz ihren Stand hatten, wenn er zuweilen mit dem Besen an die Körbe stieß oder sie umwarf, gab es sehr oft recht ergötzliche Szenen. Und wenn er dann nach getaner Arbeit „ins Bramme" ein Zchnäpschen zu viel getrunken hatte, schwankte die baumlange, hagere Gestalt mit dem eisgrauen Haupt durch die Straßen, mit sich selbst zankend. Erscholl nun der Nuf „Eisbär" aus allen Ecken und Enden, dann schimpfte er weidlich und schwang seinen gewaltigen Besen, tat aber niemand etwas zu leid, obwohl er vordem Steckenknecht im Arresthaus gewesen sein soll. Der „narrige Peter" war ein schwachsinniger, aber gutartiger Mann, ergötzte die liebe Straßenjugend durch seine drolligeu Gebärden, die ihn wieder mit allerhand Neckereien verfolgte, so oft sie ihn sah. Den Leuten fuhr er gegen geringes Entgelt Wäsche auf die Bleiche oder leistete ähnliche Dienste, holte sich bei Bekannten regelmäßig eine „pries" oder eine „Ziehgarr" und machte für einen Kreuzer seinen „hoppbas" (Luftsprung). Vas „Mauschelchen", ein harmloses, kleines Männchen mit mächtig großen Füßen, konnte man ebenfalls stets auf der Straße sehen. Dienstbereit zu Geschäften und Besorgnissen leichter Art, hatte es eine feste und treue Kundschaft, die es gewissenhaft bediente. Gegen Kinder war es liebreich, und diese begrüßten es dafür mit der Bitte „Mauschelchen, bring mir V Matzen mit". So gab es noch viele (Originale in der Stadt, die jedoch weniger hervortraten und nicht in gleichem Maße das öffentliche Interesse in Anspruch nahmen. Das seitherige ruhige und gemütvolle kleinstädtische Leben in unserem Gießen wurde plötzlich jählings unterbrochen. Im Februar 1848 war die Nevolution in Frankreich ausgebrochen, die dann zunächst auf das badische Länd- chen übersprang. Der Großherzog von Baden mußte flüchten, nachdem sein Militär zu den Nevolutionären übergegangen war und eine provisorische Negierung mit Hecker und Struve an der Spitze sich eingesetzt hatte. Nun griff die Aufstandsbewegung mit unglaublicher Schnelligkeit auf die übrigen deutschen Staaten über und machte sich in Gießen zuerst dadurch bemerkbar, daß ganze Scharen von Menschen, mit Stöcken und Schießwaffen versehen, unter Anführung sogenannter Freiheitsmänner und unter Vorantragen von Fahnen, Freiheitslieder singend, durch die Straßen zogen. Die erste allgemeine Volksversammlung, die in der offenen Neitbahn auf dem Brand abgehalten wurde, faßte den Beschluß, daß der sehr verhaßte polizeirat Zulehner, der sein Amt mit übermäßiger Strenge und vielleicht auch mrt etwas Willkür verwaltet hatte, nebst zweien seiner ebenso verhaßten polizeidiener binnen 24 Stunden die Stadt zu verlassen habe. Vieser Beschluß wurde mit aller Pünktlichkeit ausgeführt, und keiner von den drei Herren hat sich je wieder in der Stadt sehen lassen. hierbei muß bemerkt werden, daß man in einem Polizeistaat gelebt hatte und daß Uebergriffe von Polizeiorganen durchaus nichts seltenes waren. Am 6. März erschien eine Proklamation von Großherzog Ludwig II. an sein Volk. In dieser wurde der Erbgroßherzog (später Ludwig III.) zum Mitregenten ernannt. Das Ministerium Faup wurde durch den als volksfreund bekannten und später zum Präsidenten der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt erwählten Heinrich von Gagern ersetzt. Außerdem wurde darin volle Preßfreiheit zugesichert, das Schwurgerichtsverfahren sollte eingeführt werden, und der Errichtung einer Bürgerwehr wurde zugestimmt. Diese Proklamation ist dann gegen Abend durch den Bürgermeister vom Nathaussaale aus einer dichten Volksmenge, die sich auf dem Marktplatze versammelt hatte, vorgelesen worden. Sie schien auf das aufgeregte Volk eine große Beruhigung ausgeübt zu haben,' denn dem Großherzog wurde eine große Huldigung gebracht, und die Menge ging befriedigt auseinander. Allein einige unruhige Elemente verstanden die Leute wieder auf- zuhetzen und die Leidenschaften zu schüren. Es erschien ein Zeitungsblättchen, genannt „Der jüngste Tag". Auf dem Titelblatt zeigten sich zwischen den Strahlen der ausgehenden Freiheitssonne Engelsgestalten, die mit Posaunen das herannahen des jüngsten Tages verkündeten. Der Nedakteur und zugleich Herausgeber war ein Herr, der schon früher als Nevolutionär in der Schweiz gewirkt haben sollte und der nun im Verein mit einigen Studenten, sehr begabten, aber politisch ganz unreifen jungen Leuten, mit verwirrten Lebensanschauungen, unter dem Schutze der eben gewährten Preßfreiheit für die Aufwiegelung der Volksleidenschaften sorgte. Unter der Führung dieser Herren wurden öfter Volksversammlungen abgehalten und mitunter das tollste Zeug vorgebracht. So verstieg sich einmal ein junger, wegen seiner politischen Umtriebe bekannter Student dazu, den Großherzog wegen Hochverrats anzuklagen. Ts ist leicht begreiflich, daß durch solche aufreizenden Beden und Schriften es nicht schwer fiel, eine bis dahin ruhig lebende Bevölkerung, der noch jeder Begriff von Volksrechten fehlte, aufs höchste zu erregen und sie zu Ausschreitungen jeder Art zu bewegen. Bei jungen, leicht zu Exzessen geneigten Leuten blieben denn diese Ausschreitungen nicht aus. Zusammenrottungen mit der Absicht vor den Wohnungen mißliebiger Beamten Mißfallsbezeugungen und bei beliebten Personen Ehrungen auszudrücken, wurden veranstaltet und mit allem nur denkbaren Lärm ins werk gesetzt, wer eine Feuerwaffe auftreiben konnte, benutzte sie ausgiebig,' man konnte schießen, wo man Lust hatte. Man sang das Heckerlied und ließ Nevolution und Nepublik hochleben. Für furchtsame und kranke Leute war diese Zeit eine wahre Höllenqual, um so mehr, als die Polizei, die inzwischen in die Hände der Stadtverwaltung übergegangen war, ganz machtlos geworden war und sich bei solchen Tumulten gar nicht sehen ließ. Lin Glück war es, daß die Bürgerwehr sich inzwischen organisiert hatte und jetzt den Wach- und Sicherheitsdienst in der Stadt übernehmen konnte. Zum Eintritt in die Bürgerwehr war jeder gesunde, waffenfähige, hier ansässige Bürger bis zu einem gewissen Alter verpflichtet,' Bekleidung und Ausrüstung mußte er sich jedoch auf eigene Kosten an- 7 schaffen. Die Bekleidung bestand aus einem dunkelgrünen wasfenrock mit blanken Knöpfen, dunkelgrauer Hose, dunkelgrünem Tuchkäppi mit schwarzem Lederbesatz, schwarzem haarschweif und Kokarde. Zur Busrüstung gehörte ein Kommißgewehr, ein schwarzer Ledergurt mit anhängender Patronentasche und Bajonettscheide. Die gesamte Bürgerwehr war eingeteilt in vier Korn- pagnien, jede Kompagnie in zwei Züge und jeder Zug in Botten von etwa 20 Mann. Jede Kompagnie führte ein Hauptmann, jeden Zug ein Leutnant und jede Botte ein Bottenführer (Korporal). Die erste Kompagnie war zusammengestellt aus den Bewohnern des Seltersweger Viertels, ihr Hauptmann war Professor Zimmer: zur zweiten Kompagnie gehörten die Bewohner des Beustädter Viertels, ihr Hauptmann war Heinrich Werber,' zur dritten Kompagnie gehörten die Bewohner des Walltors, ihr Hauptmann war Kaufmann Roloff; die vierte Kompagnie mit einem Schützenzug bildeten die Bewohner des Beuenwegs, ihr Hauptmann war Büchsenmacher Großmann. Die Schützen trugen anstatt des Käppis schwarze Filzhüte und waren mit Büchsen und Hirschfängern ausgerüstet. Bußerdem hatte noch jede Kompagnie einen Fourier, welcher mit den Befugnissen eines Kompagniefeldwebels betraut war. wer ein Pferd besaß und reiten konnte, ging zur Kavallerie, viele Beiter waren es nicht, jedoch sahen sie mit ihren roten Käppis, weißen haarschweifen und roten Satteldecken sehr schmuck aus. Den Beiterzug führte der Bereiter Bauch (Forts, folgt.) Lin pfälzischer Musikant. Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer. (Fortsetzung.) Bls unser Sohn getauft war und der Pfarrer uns wieder verlassen hatte, setzten wir uns zum Taufkaffee an den Tisch. Ich hatte mich neben Herrn Hinkel gesetzt, da ich ihn lange Zeit nicht gesehen hatte und mich freute, wieder den Ton seiner Stimme zu hören. Sein Bart war nun ganz grau, aber er war immer noch ein Mann von großer Büstigkeit. vor ihm hatte ich keine Geheimnisse, und so erzählte ich ihm, während die anderen auf einen Bericht des Sebastian Wolf über unsere hollandreise lauschten, von dem Gewinn, den ich von meiner ersten Busfahrt als selbständiger Musikmeister mitgebracht hatte. Hinkel hörte ruhig zu und stieß dicke Tabakswolken aus seiner kurzen Pfeife, von der er sich nicht trennte, dann fragte er: „was willst du mit diesem Geld jetzt anfangen?" Ich muß gestehen, daß ich mir diese Frage seither noch nicht vorgelegt hatte. In der Freude über meinen Besitz hatte ich an seine Verwendung noch nicht gedacht, darum wußte ich meinem Gevattermann keine Bntwort zu geben. „Ich hätte einen plan für dich," sagte Hinkel, als er meine Batlosigkeit wahrnahm, „du wohnst hier bei deinen Schwiegereltern und hast recht wenig Platz, wer weiß, wie lange dieses Zusammenwohnen gut tut. wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich mir ein eigenes Haus anschaffen." „Bber Herr Hinkel," erwiderte ich darauf, indem ich lachte, „mit meinen 1500 Mark kann ich doch kein Hausbesitzer werden." „wer sagt denn, daß du gleich die ganze Summe beisammen haben mußt. Du kannst dir ja, was du nicht hast, leihen." „wer wird einem Musikanten, der mit seiner Trompete die Welt durchzieht, auch nur hundert Mark leihen?" „Na, Peter, wenn du so fragst, so will ich dir sagen, daß ich dir, sobald du ein Haus in Bussicht hast, sofort das ganze Geld vorstecken werde." Ts durchfuhr mich wie ein Blitz, als ich das hörte. Mit einem Male stand ein schönes Ziel vor meinen Bugen: ich sollte ein Mann werden, der auf eigenem Grund und Boden wohnt und den Seinen ein eigenes heim verschafft, wo sie allezeit vor der Unrast des Lebens geborgen sind. Freudig erregt drückte ich meinem väterlichen Freunde die Hand. Dann besprachen wir noch miteinander, wie ich am besten in den Besitz eines eigenen Hauses gelangen könnte. Hinkel riet mir von einem Neubau ab. Tr sagte: „Peter, du bist den größten Teil des Jahres weg, da machen die Maurer und Tüncher, wenn niemand sie beaufsichtigt, was sie wollen. Sieh zu, daß du dich gleich meldest, wenn hier eine hofreite feil wird, und wenn du etwas in Bussicht hast, so komme gleich zu mir, daß wir über die Sache sprechen." So verlief der Tauftag unseres Sohnes in der schönsten weise. Bls alle Taufgäste am Bbend weggegangen waren, stand ich mit Lina an der wiege des Kleinen, und indem ich die Hand meines Weibes festhielt, sagte ich: „Bis ich dich im vorigen Jahre bei dem großen Brande in Kreuznach zum erstenmale gesehen habe, da betete ich am Bbend zu Gott, daß er unsere Wege zusammenlenken möge. Diese Bitte hat der Bllmächtige erfüllt, er hat uns seither in unserer The gesegnet und uns Glück und Frieden gegeben. Möge er uns alle drei in Zukunft beschützen!" 15.' Das erste, was ich nach diesem Tage tat, war, daß ich mein Geld nach Kreuznach zur Sparkasse brachte, damit es mir Zinsen tragen sollte. Ich wollte es nicht machen wie inancher pfälzischer Musikant, der im Winter in fauler Buhc und gemütlichem Wohlleben den ganzen Verdienst der guten Jahreszeit aufzehrt und dann im Frühjahr so arm ist wie eine Kirchenmaus, was ich den Winter über mit meiner Familie brauchte, das wollte ich mir erwerben, indem ich wieder in Kreuznach und auch in Fürfeld Musikstunden gab und in der Kapelle des Eduard Wolf mitspielte. Bber niemand in der Welt erlebt ungetrübtes Glück. Ts ging mir gut in meinem Berufe und in meiner Familie, da traf mich ein schweres Leid. Bn einem frostklaren, Hellen Dezembermorgen erschien Gottfried Keiper im Buftrag meines Bruders Fritz und brachte, mir die Trauerkunde, daß meine Mutter plötzlich gestorben sei. Sie war bei der Taufe unseres Kindes noch so munter gewesen, und nun weilte sie nicht mehr unter den Lebendigen. Tin Schlag hatte sie getroffen. Sie war über den Hof gegangen, um im Stalle etwas zu besorgen, da war sie zusammengesunken. Bachbarsleute hatten sie aufgehoben und in das Wohnzimmer gebracht, da war sie unter ihren Händen verschieden. Im 90. Psalm steht von Gott geschrieben: Der du die Menschen lässest sterben nnd sprichst: kommet wieder, Menschenkinder. Bn dieses Wort mußte ich in jenen Trauertagen immer wieder denken. Mein Kind war zur Welt geboren, und meine Mutter war kurz darauf aus der Welt geschieden. Bls ich am wintertage nach Ruppertsecken zum Begräbnis ging, da dachte ich, wie ich vor Jahren als halbes Kind den schweren Gang zu dem Sterbebette des Vaters hatte tun müssen, wenn ein Mensch sich von seiner Heimat losgelöst hat und älter wird, so kehrt er zur Stätte seiner KindhBt meist nur dann zurück, wenn er an offene Gräber gerufen wird. Das ist ein wehmütiges Wiedersehen der alten Bekannten, wenn man sie auf dem Kirchhofe wiedersieht. (Forts, folgt. 8 Kleine Mitteilungen. Der Vorstand des preußischen Landeskriegerverbandes hat aus Grund einer Notiz des Ltaatsminifteriuins durch Erlaß vom 30. Dezember 1914 bestimmt, daß bei dem Ernste der Zeit zu dem bevorstehenden Geburtstage des Kaisers und Königs größere Feste, die den Lharakter von Vergnügungen haben, wie z. B. Festessen, Theatervorstellungen oder Tanz- belustigungen, durchweg unterbleiben sollen,- dagegen sind der Bedeutung des Tages entsprechend kirchliche Feiern in Nussicht zu nehmen, und es ist darauf hinzuwirken, daß sie für alle Konfessionen in weitestem Umfange veranstaltet werden. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 17. Januar, 2. nach Epiphanias. Gottesdienst. Zn der Stadttirche. vormittags 9Ve Uhr: Professor D. § chian. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. abends 5 Uhr: Pfarrassistent hoffmann. Sonntag, den 17. Januar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Markusgemeinde (Diezftraße 15). Dienstag, den 19. Sanuar, nachmittags 3 Uhr, im Matthäussaal: Frauenmissionsverein. Dienstag, den 19. Januar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. Donnerstag, den 21 . Januar, abends 8 Uhr: Missionsversammlung, s. Johanneskirche. In der Johanneskirche. vormittags M/2 Uhr: Pfarrer Uusfeld. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Busse Id. abends 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und heil. Ubendmahl für die Lukas- und Johannesgemeinde gemeinsam. Unmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Ubends 7V- Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde. Ubends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johannessaal. Mittwoch, den 20. Januar, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Bechtolsheimer. Donnerstag, den 21. Januar, abends 8 Uhr, im Johannessaal: Missionsversammlung und Besprechung über „Die Mission und der Krieg". Missionar Gsell. Freitag, den 22. Januar, abends Hb Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannesgemeinde. 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