I Aufwärts! 1 ♦ ♦ r «emeinschaltsblatt für Bessen. ♦ Erscheint wöchentlich einmal. Einzelne Exemplare bestelle man bei der Post vierteljährlich. Verlag «irr »uckksncilung der Pilflwmission Liehen. Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig u. d. Prediger d. Pilgermission. Druck v. I. G. Oncken Nachf., G. m. b. H., Cassel. Nr. 12. Sonntag, den 19. März 1916. 9. Jahrg. Der Kämmerer aus dem Moyrenkand. (Apg. 8, 26-40.) Dieser hohe Beamte der Königin Kandaze war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten, und ohne den ersehnten Frieden für seine Seele gefunden zu haben, zog er wieder heim. Aber er sah auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Er suchte und forschte mit völligem Verlangen in der Schrift und erwartete darin die Antwort auf die Fragen seines Herzens zu finden. Der Kämmerer war nicht wie Timotheus durch eine gläubige Mutter und Großmutter in der Schrift unterwiesen, und er hatte auch jetzt noch niemand gefunden, der ihm die Schrift auslegte. Als er so sinnend über die gelesenen Worte die Straße hinab- fährt, da tritt plötzlich ein Alaun mit der Frage: „Verstehst du auch, was du liest?" an seinen Wagen. „Wie kann ich, so mich nicht jemand anleitet?" Wie sollte ich verstehen, wenn mir niemand die Worte des Propheten erklärt und mich dadurch auf die Spur und den rechten Weg bringt, mir die Worte zunutze zu machen? Er ließ es nicht bei dem Bekenntnis seines Unvermögens, die Schrift zu verstehen, sondern er suchte auch £)ilfe. Er suchte mit wahrer Demut und schämte stch nicht, sich von dem schlichten Philippus unterweisen zu lassen und seine eigene Univissenheit zu bekennen. Weil Philippus so teilnehmend fragte, faßte der Kämmerer Vertrauen zu ihm und glaubte, dieser wurde der Mann sein, der ihm zu dem rechten Verständnis verhelfen könnte. Er sah in diesem Manne einen Boten Gottes, und er fand in ihm den rechten Ausleger. Er fand durch den Dienst des Philippus das volle Heil durch den Glauben an den Sohn Gottes, fand Vergebung seiner Sünden, Frieden mit Gott und Freude im Heiligen Geist. Als ein heilsbedürftiger Sünder nahm der hoch- gestellte Mann in aller Einfalt und Unterwürfigkeit die ihm verkündigte Botschaft . auf. Das innerste Verlangen seiner Seele ward hier gestillt; in Jesu, dem Lamme Gottes, fand er Ruhe für sein Gewissen. Philippus hatte seinen Dienst an ihm getan und ward entrückt; er sah ihn nicht mehr. Der gerettete Kämmerer aber zog nun „fröhlich" seinen Weg; er kehrte heim „mit Freuden". Er besaß nun in Christo, dem Sohne Gottes und HErru der Herrlichkeit, alles, was er bedurfte und begehrte für Zeit und Ewigkeit. Der Kämmerer klopfte an, ihm wurde aufgetan. Er war ein Suchender in der Stadt Gottes, ein Armer trotz seines Reichtums, ein Blinder mit dem Buche des Lebens in der Hand, aber er fand, er wurde reich, er wurde sehend. Ec fand die Schriftstelle: „Aber Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf Ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch Seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg; aber der HErr warf unser aller Sünden auf Ihn. Da Er gestraft und gemartert ward, tat Er Seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut. Er ist aber aus der Angst und Gericht ge- nommen; wer will Seines Lebens Länge aus,eben? Denn Er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er um die Missetat meines Volkes ge- plagt war." Diese Schriftstelle war ihm dienlich. Er fand den von Gott gesandten Ausleger, er fand Jesum selbst. Und nun, teurer Leser, hast du auch de» kennen gelernt, der um deiner Missetaten willen verwundet und um deiner Sünden willen zerschlagen ist? Laß es heute dem HErrn zu, daß Er den Finger lege auf die besonderen „wunden Punkte" in deinem Leben. Er will dir heute die Augen öffnen über deine Sünden und Ketten und dir zeigen, wie völlig wertlos und nutzlos alle eigenen Bemühungen sind zur Erlangung der Seligkeit. Denn wir sind, wie Gottes Wort uns zeigt, trotz aller vermeintlichen Frömmigkeit und Ehrbarkeit unrein und verschuldet, verlorene Sünder. Nichts kann uns retten als Jesu Blut, das von aller Sünde reinigt, und Jesu Geist, der das Herz erneuert. ®- & Das Wort Oottes. Welche Gnade von Gott, daß Er uns — Seinen abtrünnigen Menschenkindern —, deren Herz und Geist durch die Sünde verfinstert worden ist, eine Offenbarung von Sich gegeben hat: Sein teures Wort. Ja, wie wichtig für uns, daß Gott zu uns geredet, daß Er uns geoffenbart hat, wer Er ist. was Er über uns denkt und was der Weg des Heils und Lebens ist. Welch ein Schatz für uns ist dieses Sein Mort: die Bibel! Wohl hat's, seitdem wir das kostbare Buch besitzen, allezeit ungläubige Männer gegeben, die das Buch Gottes nicht annahmen, vielmehr mit aller Macht bemüht waren, es zu widerlegen. Doch ihr vermessenes Tun hat nichts wider Gottes Buch vermocht und wird nichts dawider vermögen. Gottes Wort bleibt stehen und besteht in Ewigkeit. Auch hat es nichts an seiner göttlichen Kraft eingebüßt. Fortgesetzt erweist es sich, wie auch die Angriffe gegen dasselbe sich mehren, bei allen Menschenkindern, die es im Glaubens- gehorsam annehmen, als das, was es ist und zu sein vorgibt, als Gottes Wort. Das erste, was Gottes Wort wirkt in jedem Menschen, der ihm Ohr und Herz auftut, ist Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis. Es durchdringt Herz und Gewissen und kehrt das Innerste nach außen, zeigt uns nicht nur die Verkehrtheit des bisherigen Weges, sondern auch die Verderbtheit unseres Herzens, unsere Schuld und Blöße vor Gott, der Licht ist. Gott selbst öffnet der Seele die Augen, daß sie erkennt, mit wem sie es zu tun hat — mit dem dreimal heiligen Gott! Und Er zeigt ihr, daß sie so, wie sie ist, nicht in Seine Gegenwart paßt. m Kine Wirkung des Wortes Gottes. Bor einiger Zeit kam ein junger Mann zu mir. Im Laufe der Unterhaltung fragte ich ihn über feine Stellung zu Gott; da gestand er mir, daß er noch kein wahrer Christ fei. „Aber ich bin auch kein so grober Sünder," fügte er hinzu, wie um mich zu beruhigen, „ich bin immerhin ein braver, ordentlicher Mensch." „Jawohl, mein Freund," sagte ich, „das glaube ich schon, doch das genügt nicht zur Seligkeit. Denn das, was wir vor Menschen sind, sind wir noch nicht vor Gott. Ich habe hier ein Buch in der Hand, welches Sie alsbald von Ihrer Schuld und Ihrem verlorenen Zustand vor Gott zu überführen vermag." Damit schlug ich Matth. 22 auf und bat den jungen Mann, die Verse 37 u. 38 laut zu lesen. Er las: „Du sollst den HErrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstände. Dieses ist das große und erste Gebot." „Also was für ein Gebot ist dies?" fragte ich. „Das große und erste Gebot," antwortete mein junger Freund. „Worin also besteht nach Gottes Wort die größte und erste Sünde des Menschen?" fragte ich von neuem. „Darin, daß er nicht Gott, seinen HErrn, von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Verstande geliebt hat." „Haben Sie nun dieses Gebot gehalten?" fragte ich. Der junge Mann schwieg: er vermochte nicht zu antworten. Er lvar überführt. Ein Pfeil aus dem Köcher Gottes hatte ihn ins Innerste seines Herzens ge- troffen und ihn durchbohrt. Gott hatte ihn in einem Augenblick durch dieses eine Wort davon überführt, daß er ein großer Sünder war, indem er nicht das große und erste Gebot erfüllt hatte. Er beugte nicht lange nachher auf meine Bitte die Knie mit mir, und wir riefen im Namen Jesu, des Erlösers, zu Gott um Gnade und Erbarmen. Und Gott schenkte dem jungen Manne Vergebung und neues Leben. Wie wahr ist's doch, was Gott sagt: „Ist Mein Wort nicht also — wie Feuer, spricht Jehovah, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert?" (Jer. 23, 29.) — Ja, wahrlich, das Wort Gottes wirkt durch die Kraft des Heiligen Geistes ein wahres Selbstgericht in der Seele. & Hine Krage. Hast du schon an deinem Herzen erfahren, daß „das Wort Gottes lebendig ist, wirksam, schärfer als jedes zweischneidige Schwert, durchdringend... und ein Beurteiler der Gedanken und Gesinnungen des Herzens?" Und hast du ferner durch das Wort Gottes bereits Leben und Frieden gefunden? Der Glaube ist aus kein Hören, d. i. aus dem Worte Goites, das die Seele vernimmt; sie wird durch dasselbe in Gottes lichte Gegenwart geführt zur Überführung dessen, was sie ist vor Ihm, und zugleich wird ihr eine neue Natur mitgeteilt; sie empfängt göttliches Leben. So leihe dem Worte Gottes dein Ohr, und nimm es auf in dein Herz; bewege es, bewahre es! „Glückselig sind, die Gottes Wort hören und bewahren!" Es wird sich an dir erweisen als Gottes Wort und Gottes Kraft zu deinem Heil. Im Gleichnis vom Säemann redet der Sohn Gottes von einem vierfachen Ackerlande und sagt zum Schluß: „Das aber in der guten Erde sind diese, die in einem redlichen und guten Herzen das Wort, nachdem sie es gehört haben, bewahren und Frucht bringen mit Aus- harren." (G. B. d. F.) Hin Wort üöer die Wiöel. Die Heilige Schrift redet mit göttlicher Autorität zu uns, also nicht wie andere Bücher; ihre Schreibweise ist dazu voller Wunder, und wer diesen kostbaren Wein erst geschmeckt hat, dem werden alle anderen Bücher verhältnismäßig schal. Im Vergleich zu Menschenworten sind die Worte der Bibel unerschöpflich, aber leichter zu behalten, weil sie in unser Innerstes eindringen. Sie sind ungleich feier- licher und ehrfurchtgebietender, aber auch herzgewinnender als alle anderen Worte, unendlich umfassender und doch persönlich eingehender; sie sind hoch über uns und berühren doch unser Innerstes. Wir sollten uns der Schrift als einem Heilig- tum nahen, mit Ehrerbietung und Andacht, mit gesammeltem Geist und lernbegierigem Herzen. Nie sollten wir die Schrift ohne ein Gefühl tiefer Ehrfurcht und Dankbarkeit öffnen! Das Lesen der Heiligen Schrift ist gerade so notwendig zur Erhaltung und Stärkung des inneren Lebens wie Nahrung und frische Luft für das leibliche Leben. Wir atmen nicht genug die Bibelluft, und dies ist mit ein Grund, warum unser geistliches Leben so schwach ist und so matt. Dr. Ad. Saphir. „Wie finde ich Irieden?" „Ach," denkt manche heilsverlangende Seele, „wenn ich doch einmal so recht über meine vielen Sünden weinen könnte, dann wäre mir geholfen; dann würde ich gewiß bald Frieden finden." Aber, mein Leser, das ist ein völlig törichter Gedanke. Mit Reck! sagt ein christliches Lied: „Dein Weinen und deine Gebete sind's nicht, Wodurch du mit Gott wirst versöhnt: Das Blut deines Heilands befreit vom Gericht: Gr ist's. der mit Gnaden dich krönt." I Wenn Tranen dich von deinen Sünden reinigen und dir Frieden mit Gott bringen könnten, io hätte nicht der Sohn Gottes sterben müssen. Und die Rettung und Erlösung wäre nicht Sein, 'andern dein Werk. Nicht Tränen retten den Sünder, nicht all sein aufrichtiges Weinen tilgt seine Schuld, sondern allein sein kindlicher Glaube an Den stellvertretenden Opfertod des HErrn Jesu, an Sein kostbares Blut, das von aller Sünde rein macht. Dieser Glaube des reuigen, heilsverlangenden Herzens an den Sohn Gottes wird ihm von Gott zur Gerechtigkeit gerechnet. Was der schwere Druck der Sündenlast nicht zu tun vermag noch die bittere Tränenstut, das bringt die Erkenntnis der Liebe Gottes fertig, die den Sohn für uns die Strafe tragen ließ, auf daß wir Frieden hätten. Noch neulich las ich von j mand, der auch sich lange abhärmte um Tränen der Buße, weil er hoffte, durch sie Frieden mit Gott zu finden, bis er endlich einfach ohne Tränen zu finden in der Rot seiner Seele iin Glauben auf Jesnm, den Heiland, blickte, da fand er Vergebung. Er schreibt: „Als ich nun Vergebung meiner Sünden > mpfangen batte, da wollte ich nicht weinen, nein, mein. Herz hüpfte ja vor Freude. Dennoch konnte ,ch meine Tränen nicht znrückhalten wegen des Be- vnßtseins der unverdienten Gnade, die mir zuteil geivorden war. Tagelang war mir's zumnte, wie der Dichter singt: „Macht' vor Liebe weinen, Jesu,- Schmerzensmann I Nahmst auch ii> ich in Deinen Ew'geu Liebesplan. Hast inein Herz gerühret, Daß ick's gern Dir gab, Hast mich treu geführet, Daß ich Dich nun Hab'!" Also, teurer Leser, suchst du wirklich Frieden ntit Gott, so komme mit deiner Schuldenlast und deiner Not, jo wie du bist mit all deinen Sünden, zu Jesu, der allein dich von aller Sündenschuli retten und reinigen kann. Brich mit Sünde nur Welt, übergib dich Ihm völlig, einzig! Setze dein ganzes Vertrauen auf Sein Blut, das für Sünder floß, und Gott schenkt dir Frieden. Glaube Ihm. Er sagt: „Wer an Ihn glaubt, wird nicht ge- richtet." (Joh. 3, 18.) Samoa. Vor mehr als sechzig Jahren machten zwei samoanische Christen den Versuch, die Insel Jiue, d. h. Insel der Wilden, „Savage Island", für das Evangelium zu gewinnen. Der Empfang ivar einer dem Namen der Insel: „Wildinsel" entsprechender. Die beiden kühnen Christen wurden sofort gefangen- genommen und entkleidet, um ihre Hautfarbe an ihrem ganzen Körper festznstellen. Dann wurden sie des mit^ebrachten Proviants: Geflügels usiv. beraubt, an dem die Räuber sich gütlich taten. Aber das mitgebrachte große Buch, mit dein die Ankömmlinge im engsten Verkehr zu stehen schienen, erschreckte die Barbaren so sehr, daß sie iveder an diesem Buche, selbstverständlich der Heiligen Schrift, noch an den beiden Christen sich zu vergreifen wagten. Sie hatten die Überzeugung, daß die Besitzer dieses Buches unter dessen Schutze ständen. Ja, es hatte auch etwas Besonderes. Schon nach sieben Jahren gab es dort eine starke Gemeinde. Im Jahre 1861 wurde als erstes Buch der Heiligeir Schrift das Evangelium Markus in die Landessprache übersetzt. Als es eintraf, blieben die Eingeborenen die ganze Nacht auf und lasen darin. Jetzt aber unterhalten die Bewohner der Insel eine beträchtliche Anzahl von Evangelisten in Neu-Guinea. Diese kommen ab und zu aus ürlaub beim und stärken den Glauben ihrer Landsleute durch erhebende Mitteilungen ans ihren reichgesegncten Aibeitsfeldern. Versammlungs-Anzeigen. Bezirk Gießen. Stadtmission Gießen, köberstraße 14. Jeden Sonntag IV« Uhr: Sonntagsschule; 4 Uhr: Jungfrauenverem; 8-/4 Uhr: Versammlung. 472 Uhr: Christlicher Verein junger Männer. Jeden Mittwoch 87- Uhr: Bibelstunde. Jeden Freitag 87s Uhr: Gebetsstunde. Sonntag, den 26 . März: Versammlungen in Nordeck und Wißmar; abends 8 Uhr: Grünberg; 28. März: Altenbuseck; 30. März: Kleinlinden. Anzeigen für die Anniinern J3-16 bis ZUIN ,2. März ss. is. erbeten. c»cc)cc)Cfoc«c«c#oc«cfocc)crjc»Q!oao