Nlte fest, daß es sich um das Fabrikattonszeichen eines mittelalterlichen Aassenschmiebes in Toledo handelte.
sorgfältig deckte van Steck das Lock, durch das er in die Mine gefallen war, mit Schlingpflanzen zu und eilte nach David, der nächsten ecren Stadt, wo er feine Ansprüche eintragen ließ. Um allzu großes
ehen zu vermeiden, verkleinerte er sie und gab den Darrenwert mit einer Million Dollar an. Aber auch diese Ziffer genügte, um die Fantasie in Bewegung zu fetzen; wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde, „La Eitrella" fei wiedergesunden worden, und die Regierung von Panama, di auf Grund der Gesetze berechtigt ist, die Hälfte aller Schätze zu fordern, nahm sich der Sache an.
In Eile wurde eine Expedition zusammengestellt, deren Aufgabe war, ten Fund zu bestätigen. Sie bestand aus einer starken Polizeiabteilung, den Gouverneur der Provinz Ehirique, Dsoar Teran, und dem Polizei- chis Nicolas Saget Unterwegs enthüllte van Steck diesen Herren die tolle Wahrheit über die Goldhöhle. Man begab sich zunächst nach dem Slüdtchen El Voloan, das etwa zehn Kilometer von der Mine entfernt ist, schlug sich von dort durch die Dschungel, und mühelos führte der alte Waldläufer die Truppe zu dem mit Buschwerk gut verkleideten Schacht- eiiugang. Es sei alles unberührt, sagte er. Dann kroch er als erster in be i Stollen hinab.
Die Frage, warum die anderen ihm nicht sofort gefolgt sind, ist un- schver zu beantworten: sie waren befangen, die Scheu vor der Handlung hatte sich ihrer bemächtigt. Hier stand man vor dem berühmtesten, glichzettig aber auch berüchttgsten Goldgrab der letzten vier Jahrhun- be te, schaurige Sagen wurden lebendig, es gruselte den Leuten, selbst 6fr aufgeklärte Herr Gouverneur wollte gern den Zuruf van Stecks ab- warten. Dieser Zuruf kam jedoch nicht. Statt dessen hörten die Expe- timsteilnehmer, am Rande des Minenschachts versammelt, unter der &be einen Schuß fallen. Und es spricht für sie, daß sie nicht ausrissen, sondern tätig mürben.
Hastig stiegen einige Polizisten mit ihren Lampen in die Tiefe. Da lag »an Steck mit einer blutenden Kopfwunde, und neben ihm lag fein Rtvolver. Weiter vermochten die Männer nichts zu gewahren. Weder Gld noch Harnische oder Schwerter waren hier verborgen, und die An- Mme, van Steck habe Selbstmord begangen, als er sich seines Schatzes beraubt sah, wurde von allen geteilt. Naturgemäß übte das unerwartete Ereignis eine nachhaltige psychologische Wirkung aus, man wollte diesen Drt des Schreckens so bald wie möglich verlassen. Deshalb ordnete der Ä noerneur an, die Leiche des Erschossenen in der Nähe zu begraben. Ciliger, als sie gekommen, machte sich die Expeditton davon.
Es wurde eine unbehagliche Heimkehr. Die Dschungel lebte. Hinter Hem Dusch, hinter jedem Strauch bewegte es sich, Tausende von Jn- bi«nem mußten es sein, die den Rückzug der weißen Männer beob- «lhteten. Sie griffen nicht an, sie vermieden es fogar, sich zu zeigen, aber mn kann verstehen, daß der Gouverneur Teran froh war, als er sein Haustein unbehelligt wieder in zivilisierte Gegenden gebracht hatte.
Die Regierung von Panama jedoch ließ dem Beauftragten ihre Un- Mriedenheit deutlich fühlen. Sie enthob ihn feines Postens, ebenso den Ptlizeichef, und sandte eine neue Expeditton aus. Denn ein Verhör ergab di, merkwürdigsten Tatsachen. Van Steck hatte die Schußwunde links am Hinterkopf — und welcher Selbstmörder schießt sich in den Hinterkopf ind noch dazu in die linke Seite, wenn er, rote van Steck es war, Rechtshänder ist? Außerdem sagten verschiedene Polizeifoldaten aus, die Kugel, bit den Goldsucher getötet habe, fei doppelt so groß geroefen wie diejenige, die aus dem Revolver abgefeuert wurde. Die Frage nach Fußspuren konnte niemand beantworten, auch hatte man den Stollengang richt abgesucht. Umgehend setzte sich die zweite Erkundungsabteilung in Marsch, mit der bestimmten Weisung, die Leiche herbeizubringen, damit fit obduziert werden könne.
Die Polizisten, die den Trupp begleiteten, waren dieselben. Aber so sehr sie auch suchten, sie konnten das Grab van Stecks nicht roieberfinöen. Ae Stelle, wo sie ihn in die Erde gesenkt hatten, fanden sie wohl; es mar jedoch kein Grab mehr da. In dem Minengang konnten mit Dichtigkeit Hunderte von Fußspuren nachgewiesen werden, alles war nhbergetrampelt. Offenbar hatten ganze Heerscharen von Indianern das Aid beiseitegeschafft. Durfte man nach diesen Aufklärungen noch>glau- ben, van Steck habe sich selbst erschossm? ...
Das Rätsel ist bis heute nicht einwandfrei gelöst worden, aber die Wahrscheinlichkeit spricht für Mord. Es will vielleicht nicht viel bedeuten, ich alle, die van Steck kannten, eine Selbstentleibung glatt ausschalten; beachtenswert ist schon, daß sie auch eine Sinnesoerroirrung entschieden verneinen. Möglich wäre ja gewesen, daß die achtzig Goldbarren einer Wahnidee ihre Existenz verdankten, aber van Steck hatte durchaus nicht sie ein geistig, Verwirrter gehandelt. Er hatte, nach feiner Rückkehr «äs den Santa Maria-Bergen, eine Anleihe von zweitausend Dollar «irgenommen zur Erschließung der Minen; er hatte ferner einen Photo- jripben engagiert, der den Fund im Bilde festhalten sollte, und war in allem genau und kühl berechnend vorgegangen. Man konnte ihn nicht einmal einen Phantasten nennen, viel weniger einen Verrückten. Die Zeugnisse dafür, daß er durch Meuchelmord ums Leben kam, sind in der Hauptsache die Jndianerfuhspuren. --
Man könnte sich allerdings auch denken, eifersüchtige Nebenbuhler *1 flirten ihn umgebracht. Aber die einzige Karte von dem Weg zur Gold- Mde trug van Steck in seinem Kopse, und nur die Eingeborenen waren enger ihm die Wissenden. Sicherlich haben sie ihren Schwur wahr ge- Wcht, den zu töten, der das Gold findet. Ein heimlicher Schütze, in bem Minengang verborgen, hat aller Vermutung nach hinterrücks sein Eiwehr in demselben Äugenblick abgefeuert, als van Steck mit dem Neoolver auf einen zweiten schoß. Hätten der Gouverneur Oscar Teran i! inä der Polizeichef Nicolas Saget mehr Schneid gehabt, dann wüßten vir heute wohl mehr.
Die Indianer sind stumm. Der Arm der Panama-Regierung er- tkicht sie nicht. Aber sie haben gezeigt, daß sie da find, und kaum wird ihr jemand wiedererblicken, den verfluchten Schatz der Grube „La . Islrella", verscharrt im Dickicht, bewacht von tausend scharfen Augen.
Die zweckmäßige Weltstadt.
Eindrücke einer Filmschauspielerin in Jteugorf.
Von Susi Lanner.
Es war einmal ein kleines, mit feinem Alltag in der Jofefstadt recht unzufriedenes Mädchen, das den heftigen Wunsch verspürte, auszuwandern. Am liebsten nach Amerika! Nach Neuyork. Endlich war es soweit. Die „Bremen" stach in See. Mit einer Filmgesellschaft, die eine luftige Angelegenheit zu drehen gedachte. Benannt „Spiel an Bord". Das ist schon längere Zeit her. Aber ich erinnere mich deutlich, was für Herzilopsen ich hatte, als die Freiheitsstatue aus Nebelschleiern hoheitsvoll sich erhob — und wir Reisenden fürs erste in die Quarantäne tarnen.
Was ich beim ersten flüchtigen Besuch von meiner Traumstadt Neuyork sah, war verwirrend, aber wenig. Ich mußte mich damit begnügen, den Kopf in den Nacken zu legen und die erdrückend hohen Wolkenkratzer anzustarren. Ich sah den Central-Park und die Straße der Millionäre. Wir hasteten durch ein paar noch weitaus hastigere Eß-Lokale, in denen jeder (ein Gericht (o schnell herunterschlang, wie man das in einem Automatenbetrieb ohne persönliche Note eben tut. Und ich kostete nacheinander sämtliche Mixed drinks, bis mir übel wurde.
Fahrplanmäßig mußte die Rückfahrt wenige Tage später angetreten werden. Wenn ich bas trotz meiner Ernüchterung hinsichtlich des ganz und gar nicht märchenhaften, statt dessen schrecklich eiligen und vernünftigen Neuyorks schweren Herzens tat, so hat das persönliche Gründe. Mein x immer spottbereiter Kollege und Partner Victor de Kowa behauptete seinerzeit, ich hätte mein „süß verkitschtes Wiener Praterherz" vermutlich zwischen den Wolkenkratzern verloren.
Nun lebe ich feit langen Wochen wieder in Neuyork. Und ich hatte Gelegenheit, der Stadt meiner sehnsüchtigen Kinderträume gründlich ins Herz zu schauen. Völlig entzaubert liegt Neuyork täglich vor mir. Ich wohne, wie alle, die sich keinen Palast leisten können, in einem Appartement. Diese üblichen Neuyorker Wohnungen sind winzig — richtige Puppenstuben! Ueberhaupt nicht zu vergleichen mit den Berliner Wohnungen, deren große Räume ich so liebe. Alles hier, also auch die Einrichtung und Ausgestaltung dessen, was der Neuyorker „fein Heim" nennt, ist sachlich und auf Zweck gestellt Eingebaute Schranke und Model sorgen dafür, daß von dem wenigen Platz nichts vergeudet wird.
Noch überraschender wird es die Europäerin berühren, daß jede Arbeit, die in der Wohnung zu verrichten ist, von ganz speziellen Handwerkern ausgeführt wird, die untereinander streng darauf halten, sich gegenseitig um keinen Preis der Welt ins Handwerk zu pfuschen. Ein Fensterputzer beispielsweise würde es niemals über sich bringen, etwa gleichzeitig den Teppich abzukehren, und keine Maid (wie die Bedienerinnen hier heißen!) würde jemals auch nur ein Paar fremde Schuhe putzen. Ebenso lehnt sie es ab, die Fenster zu reinigen.
Um auf die Schuhe zurückzukommen: wer sich nicht selber aus das Putzen versteht und sich bisher aus sein Mädchen verlieh, kann in Neuyork mit schmutzigem Schuhwerk das Haus verlassen. Nicht einmal in den größten Hotels ist es üblich, feine Schuhe, wie bei uns, abends vor die Tür zu stellen. Die Männer haben einen anderen Dreh herausgefunden: sie lassen ihre Schuhe meistens beim Friseur, zugleich mit ihrer all- morgendlichen Rasur, reinigen. Was mich in einer so konsequenten Stadt wie Neuyork etwas wundert! Ich habe mir inzwischen ongewöhnt, meine Schuhe selber zu putzen. Und wenn sie gar zu schmutzig sind, dann Helsen die zahllosen „Shoe-Shine-Shops“ (Schuhputzläden).
Wobei ich gleich auf das Modeproblem dieser Weltstadt zu sprechen komme. Pelze sind hier ganz unerschwinglich. Auch Schuhe sind verhältnismäßig kostspielig. Statt dessen kann man billige Kleider und Hüte haben. Denn in dieser Stadt, in der die Frauen sämtlich darin miteinander wetteifern, die Schönste und Schickste zu fein, wurde es dank der rührigen Geschäftsleute Üblich, soeben gezeigte teuerste Modelle flink zu spottbilligem Preise zu probieren. Auch die Hüte. So kann derselbe Hut beispielsweise zwei Dollars kosten — ober zwölf. Und nur sachverständige Frauen sehen den Unterschied.
Im übrigen: alle Frauen sind hier stark geschminkt. Jede ist eine Künstlerin im „make up“. Geht tatsächlich mal eine Frau über den Broadway, die kein bißchen ausgemacht ist, so fällt das angenehm auf. Auch die Frauen bekommen sekundenlang ein beinahe „eigenes" Gesicht. Aber in der nächsten Sekunde zücken sie den Lippenstift und malen mit behutsamen Strichen an ihrem wunderschön geschwungenen, glanzenden, roten Mund herum. Ob es eine bescheidene kleine Fabrikarbeiterin ist oder eine verwöhnte große Dame — die Kosmetikindustrie hat alle Hände voll zu tun!
Ja — und dann die Neuyorker Hausfrauen! Sie führen ein ideales Leben, haben alle modernen Behelfe zur Verfügung, um ihre zierlichen Wohnungen sauber zu halten. Das Kochen ist schon gar kein Problem, da alles in Büchsen" zu haben ist, von der pikantesten Suppe bis zum Gemüse- und Fleischgericht. Nichts wird zu Hous hergestellt. Und die Neuyorker Flurnachbarin würde vermutlich runde Augen bekommen, wenn eine deutsche Hausfrau ihr mal zeigen würde, was ein richtiger Braten nach Hausmannsart ist. Mag fein, daß sie sich, angesteckt von fooiel Tatenlust in der Küche, selber daran macht, beispielsweise Rouladen oder Gulasch zu fabrizieren. Kann aber genau so gut sein, daß sie den Kopf schüttelt und ihre deutsche Kollegin einen altmodischen Dickkopf nennt, der alles besser können will.
In sehr wenigen Häusern gibt es übrigens Dienstboten. Statt dessen kommt täglich auf zwei, drei Stunden eine „coloured woman", rote Oie Negerinnen hier heißen, um aufzuräumen. Ich glaube, daß die deutschen fleißigen Hausfrauen, denen der Sinn nach Behaglichkeit steht, nicht so restlos begeistert von der Neuyorker Lebensweise find. Besonders nicht, wenn sie hören, daß es hier gar nicht üblich ist, gemütliche Tee-oder Kafseestunden abzuhalten. Will man einander einladen, bann hauptsächlich


