Dezember.
Von Josef Weinheber.
Im Stall bei Esel, Ochs und Rind zur Nacht geboren ward das Kind. Und wieder still wie ehedem der Stern leucht' über Bethlehem. Gott in der Höh sei Preis und Ehr, und Fried den Menschen weit umher.
Gevatter, schlachte du ein Schwein! Back Honigbrot, fahr aus den Wein, und heiz die Stuben nach Gebühr, daß uns das Kindlein ja nicht frier! Wir feiern's mit bei Trunk und Schmaus. Die Glock schlägt zwölf. Das Jahr ist aus.
Di? be drn Maier.
Eine Geschichte aus den weihnachtsferien.
Von Bruno N e l i s s e n - H a k e n.
Anschließend sind sie in Rektor Arpes Studierstube gezogen und Rektor Arpe hat eine Flasche Dornkaat aus seinem sonst so strenge verschlossenen Sekretär hervorgeholt: „Pedell!" hat er mit Kommandostlmme gesagt: „Was krieat ’n braver Maler - 'n größten oder n lütten? „'n grooten, Herr "Rektor!" hat Tüdel geistesgegenwärtig zur Antwort gegeben: „Aber was ’n braver Maler ist, der kann auf einem Bein nicht stehen!" „Also ’n grooten?!" schmunzelt der Rektor. „Zu Befehl, Herr Rektor!" grinst Tüdel: „Zwei groote oder vier lütte — kommt genau auf dasselbe heraus!" Und nach vier großen und sechs lütten ist Tudel rührselig geworden. Zu dieser Zeit hat er sich den Lappen von seinem Daumen gewickelt, noch einmal voll Wehmut die große Blase angeguckt
„Mehr gibt es nicht, Tüdel!" hat er gesagt. „Da gehört em Pflaster draus — aber kein Schnaps!" „Jawohl, Herr Rektor, hat Tudel m Kichern gemeint und seinen Rektor dabei zart in die Seite gebufft. „Ein Heftpflaster — oder aber eine schöne Zigarre von Herrn Rektor aus dem Sekretär — tut genau dieselben Dienste!" — was sein Rektor auch freundlicherweise sofort eingesehen hat. Eine Zigarre hat Tude nock in der Studierstube anrauchen dürfen und eine weitere hat Rektor .lrpe ihm fürs Zubettgehen vermacht. Mit mächtig paffender Zigarre ist Tudel daraufhin in Richtung Pedellenwohnung abgezogen. Und bloß unten aus der Treppe hat er noch einmal gemeint: „Diel zu nachgiebig ist Herr Rektor mit Herrn Schulrat — dem sollten wir mal die Zahne zeigen — Bagage! Bin ich TO ater oder Pedell?!" Und Rektor Arpe hat von oben über das Treppengeländer gerufen und dabei ebenfalls mächtig aus seiner o;anrre oenaftt: „Beides, Tüdel — ’n guten Pedell, aber auch n guten Müler — das findet man selten!" worauf Tüdel sich endgültig in sein« Wohnung begeben und sich dort erstmal mit Frau Tudel wegen der leider gänzlich bekleckerten neuen Schürze ousemandergesetzt hat. Mächtig hat Frau Tüdel Tüdeln die Hölle heiß gemacht! .....
। u Mock viel heißer aber ist Tüdel zumute geworden, als sich am nächsten Morgen nach der Morgenandacht, mindestens vier vollständige Iungens- abdrücke an der ftischgepinselten Aulawand vorgefunden haben: „Ba- aage!" hat Tüdel außer sich geknurrt: „Opfert man sich re.neweg für fo ’n jRnff aus __aber Respekt vor ner anständigen Malerarbeit— i wo
_ mit dem Knüppel sollte man dazwischen fahren!" Auch Rektor Arpe hat sich an diesem Morgen die aufs neue verschmierte Wand betrachtet, lind auck Rektor Arpe ist in dieser Stunde wieder umgefallen und ungerecht gegen Twel gewesen: „Tüdel!" hat er unter Schütte n des Kopfes aeäußert: „Du bist wohl ein guter Pedell — aber em g u ter TO a (e rbi ft du wohl doch nicht, da habe ich mich getäuscht — hattest du nickt em Schild anvavven können' „Frisch gestrichen ...?!" „Berdimnu, verd.mm. hat Tiwel ver-wettelt geapft: „Hätte Herr Rektor mir den guten Rat man a e ft e rn gegeben!" Aber Rektor Arpe hat nur gesprochen: Keine Widerrede Tüdel!" und ihn das zweitemal stehen lassen. Denn öffentlich will Rektor Arpe es naturgemäß nicht wahrhaben, baß Gunter die Maler gegangen ist - schon alleine wegen Schulrat Dierks mcht, well ,hm das
peinlicher aber ist, daß Tüdel jeßt bei jeder Morgenfeier im Gang
lang; ’S es hierdurch auffällig wird, wieso Tüdels Farbmischung so ^^a^Aller9veittlichste"aber ist eingetreten, als in der fünften Woche Schulrat Dierks inspizieren gekommen ist. Denn kaum hat Schulrat Dier s
Märchenspinnens und Träumens, mit unserer frühgeschichtlichen Der- gangenheit verbindet — wie er uns mit der Breite unseres Volkes in der Gegenwart so verknüpft, daß sie die fremdesten Leute aus innerem Bedürfnis das Heil und den Glückwunsch zum neuen Jahr zurufen, daß es, namentlich in den Städten, die Menschen dazu drangt, m Scharen auf die Straße hinauszugehen und sich in der Menge des Volkes zu fühlen, das einen großen Augenblick gemeinsam festttch-frohttch begeht.
Run wollen wir auch die Dämonen und Geister, die nach dem Glauben der vorchristlichen Zeit um die Neujahrsnacht schleichen, schweben und sich nüt Sorgen störend in den Weiterlaus der Zett emzumsten suchen, mtt heiteren! mutioem Sinn vertreiben! Wir brauchen Lärm und Sllvester- schießen nicht dazu. Die Unholden weichen schon wenn w,r nur fest und mit kraftvoller Siebe unsere Nächsten, die Freunde und bas Volk, umfassen und beim Klang ber Gläser baran benten, halb unseren Willen, unseren vertrauenden und frohen Willen auf Werk und Arbeit des neuen Jahres 8“ Daß°sie gut gedeihen mögen, darauf wollen wir anstoßen!
Es ist nichts zu machen. Weil Schulrat Dierks in Sapperfum gegen die Geldausgabe ist, bekommt Rektor Arpe seit zwanzig Jahren keinen Maler für die abgefärbte Wand in der großen Schulaula bewilligt. Rektor Arpe könnte ja fturement zu Schulrat Dierks hmgehen und ihm ebenso klar wie energisch auseinanderpuhlen, warum unb roie|o, aber dazu sinb sie beibe zu große Dickköpse; es ist kein Verhandeln zwischen ihnen Die abgefärbte Wand bleibt und Rektor Arpe sowohl wie Schulrat Dierks verbleiben ebenfalls bei ihren entgegengesetzten Standpunkten. Und wenn Tüdel, ber Pebell, nicht gewesen wäre, wäre noch heute alles so Aber eines Xa9Vt)«t Tüdel die ^>che in die Hand genommen. Eines Tages, als Rektor Arpe in den Weihnachtsferien fernen gewohnten alljährlichen Inspektionsgang durch dre ganze Schule macht und dabei wieder einmal mit heftigem Schütteln des Kopfes vor der Aulawand stehenbleibt — an diesem Tage tritt Pedell Tüdel, weil «r den Kummer nicht mehr mitansehen kann, ernst und gefaßt zwischen Rektor Arpe und die Aulawand und teilt ihm seinen festen und unabänderlichen Entschluß mit daü er Tüdel, ber Pedell, die Aulawand nunmehr selber anptnjeln wolle! JawohU" spricht Tüdel mit Würde, als der Rektor sich un- Mäubia danach erkundigt, ob Tüdel denn glaube, daß auch nur d.e Farbe von Guttat Dierks, dem Knicker, herauszuquetschen sei — und ob er, Tüdehsich vielleicht in die Höhle des Löwen mögen und deswegen zum Schulrat gehen wolle: „Jawohl, Herr Rektor! spricht er. „Ist schon
Und "als lein Rektor ihn fassungslos anstiert: „Ich bin eben ganz einfack zu Schulrat Dierks gegangen, Herr Rektor, und habe zu ihm aelaatt Mren Sie mal zu, Herr Schulrat, habe ich gesagt, und machen Sie 9ieht keine langen Fisimatenten — ich muß Farbe haben, wenigstens %arhe — benn so geht es nicht weiter!" „Eididauz!" ruft Rektor Arpe:
Du Tüdel in der Höhte des Löwen? Da bin ich platt! „Nix weiter hfheite äuftert Tüdel jedoch wohlgefällig: „Der Schulrat hat nur gefag. Was mein’ lieben alten Pedell Tüdel - und deswegen kommt Ihr sel- L he? - hatt’st' doch man schreiben sollen, Tüdel - nee, nee - d.e 2lula selber anpinseln, dazu gebe ich mein Jawort mcht — Tudel, du bitt Dedell aber kein Maler - Tüdel, dazu bist du nur zu schade!
L>mN brummt Rektor Arpe. Aber da habe er gesagt, berichtet Tudel weiter unb steckt gebieterisch seine rechte Hand zwischen den dritten und vierten Westenknopf: „Es bleibt dabei, Herr Schulrat! habe er gesagt.
Was ich sage, gilt — ich male die Aula!" „Hm!" brummt Rektor Arp . "Und da? „Und da?" meint Tüdel mit Stolz: „Da hat er gar nichts mehr gesagt, sondern die Farbe glatt bewilligt: „Was fein muß, muh ^'".Ungteudli^!" 'brummt der Rektor. „Tja, Herr Rektor!" räsonniert Tüdett Nur nicht nachgeben, das ist mein Standpunkt — ich söge mir immer-"hart mußt bu fein wie ein Kürbis, Tüdel - bann kannst du den Deubel tanzen lassen!" „So ^nfachohnememeErteubn.szum Krhufrat zu aehen! brummelt der Rektor. „Doch! fugt Tuoei yinzu kll e könne er bann tan3en lassen - sogar den Schulrat! „Hm!" memt Rektor Arpe und sieht feinen Pedellen mißtrauisch an: „Kannst du denn iihJrhnnnt ninfetn Tüdel?" Aber da erwidert Tudel mit Wurde, daß, wa?ein richttger' Pedell sei selbstredend auch pinseln könne! „Hm!, äußert der Rektor und guckt seinem Pedellen lange und zweifelnd in ^^Tlldel beaibt lick an die Malerei. Zehn Tage lang, in den Weihnächte- Tüdel die Aula, was freilich nicht ohne Stöhnen, Aechzen und rot
Verwünschungen auf den gesamten Schulrat abgeht; denn so W TDÄ sich die Malerei nicht vorgestellt. Bon Meter zu Meter pinselt er sich und kriegt von Meter zu Meter mehr Blasen an den Fingern, gulefot sogar eine besonders große am rechten Daumen. Ader trotz aller Schinderei wäre die Aulawand nie und nimmer bis Schulanfang fertig geworden, wenn nicht leider ober zum Glück am letzten Ferientage plötzlich Rektor Arpe hinter bem mal hoch auf der Leiter ächzenden, mal muh- selig auf den Knien herumrutfchenden Tüdel gestanden hätte. „Tüdel! spricht Rektor Arpe mit ernster Stimme. Aber Tüdel bekommt schon gar keinen Schreck mehr. Pedell Tüdel blickt seinen Rektor nur mit müden Augen ins Gesicht und läßt sich matt auf der untersten Leitersprosse nieder. „Das nimmt unb nimmt kein Ende!" sagt er bumpf unb weist trübe auf die noch unfertige Wand: „Es ist gerade, als ob das Biest unter meinen Augen wächst!"
Wie der Rektor sich die halbfertige Wand anguckt unb babei insgeheim die noch übrige Ouadratmeterfläche abschätzt, während er an den morgigen Schulanfang denkt, spuckt er sich plötzlich kräftig in die Hande, zieht sich schnell entschlossen seinen grauen Langschoßigen aus unb spricht: „Tüdel, versorge mich schleunigst mit einem zweiten Farbtopf nebst Pinsel!" „Herr Rektor!", stammelt Tüdel, weil Malerei keine Sache für einen Schulrektor ist, besonders nicht unter gegenwärtigen Umständen. Ader nur einen kleinen Augenblick steht Tüdel fassungslos da; dann denkt er an die unfertige Wand und faust trotz feiner fteifgemalten Änie wie ein hurtiges Wiefel in feine Pedellenwohnung, rvo er mtt Bl.tzes- eile neue Farbe anrührt und fchnell auch noch Frau Tudel anschnauzt, ! weil sie nicht rasch genug begreifen will, wieso Herr Rektor Arpe eine I Schürze von ihr gebraucht — bis sie bann doch eine herausgibt, sogar eine hagelneue, weil es für Herrn Rektor ist.
„So, Tüdel!" spricht der Rektor mit schönem Arbeitseifer: malst du oben an ber Decke, im Norben — unb ich male über bem Futz” hoben im Süben — in ber Mitte treffen wir uns dann! Bis m die dunkle Nacht pinseln der Rektor und sein Pedell, und eme mächtige Pinselei kommt zugange. Aber auch Rektor Arpe hat gegen Mitternacht mit müdem Rundblick gemeint, daß bas Biest von Wand in ber Tat immer größer wird, ba müsse er Tüdel Recht geben! Und erst lange nach Mitternacht hatten sie es geschafft; nicht ohne, daß auch^ Rektor Arpe nunmehr eine Blase am rechten Daumen hatte. „Tja, Herr Rektor! äußert Tüdel, als sie sich müde und abgekämpft gemeinsam auf ber untersten Leitersprosse ausruhen: „3^ bab’ Rek or ja Don ber
Pickelei abgeraten — jetzt hat Herr Rektor die Blase ...! Und ich auchi , fügt er unwillig hinzu und betrachtet sich kummervoll fernen umwickelten


