Ausgabe 
9.5.1930
 
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Rollen.

Von Georg Hirschfeld.

Menschen nicht vergessen können das steht auf dem großen Blatt der Liebe und der Trauer. Menschen nicht vergeßen wollen oft hat man es sich zum Gesetz gemacht, aber das Tempo unseres Daseins schiebt Bild auf Bild, und wir verzichten schließlich auf das Erinnern, nur um

" Weik das ganze Leben, das mich, wie feden andern seither fest in die Zügel genommen, verwundet und von tausend Wiesen der Sehnsucht aejaqt hat, sich eigentlich in solchen Begegnungen abspielt

Der Maronibrater, der ein Niemand und doch ders Klügste ist, Voaelsreund und der Wachmann, das kleine blonde Maderl, das davon- sührt, sind mir hundertmal mit. hundert verschiedenen Gesichtern be- b^Nur einmal aber zeigen sie sich, so daß man sic nie vergißt. Man sicht das Leben durch die ersten Risse, die die Welt bekommt, bis sie

Man ^begegnet ihnen niemals so wie im Mai und wenn man erst fünf Jahre von der seligen Insel der Ungeborenen verbannt ist.

Men Gregers Werke noch einmal cmsMg werden. Von Wehrhahn, der Amtsvorsteher, schwingt sein langes Bleististzepter, unbelehrbar, und der ergraute Gatte von SchnitzlersGefährtin" hebt noch einmal die Lampe, Abschied nehmend von Lebenswert und Wahn.

Aber ein Trost für uns, die wir hoffentlich noch lange Zuschauer sein können zujchauen bedeutet ja ruhen nach dem Lebenskämpfe , ein Trost ist das Heraufbeschwören einstiger Großtaten derer, die auch heute noch wirken, Altmeister ihrer Kunst. Ich glaube nicht, daß unsere Jugend skeptisch fragt:Wer war Else Lehmann?" Dieses Frauenbild lebt so in den Vätern und Müttern weiter, daß sein Segen den ^Kindern ms Blut gegangen sein muh. Im Leiden und Lachen unserer Gereisten lebt das Zucken dieses kleinen Mundes, der tiefe, kampfbereite Volksblick, der Ueber- mut und die wilde Anklage einer unvergeßlichen Frau. Elfe Leh­mann als Mutter John und Mutter Wolff, als Hanne Schäl sie hegte mit dem Dichter derRatten", desBiberpelzes" und des Fuhrmann Henschel". Else Lehmann als Elsa Rentheim ins IbsensJohn Gabriel Bortman" offenbarte, was tausendfach in dunklen Lebensgangen miß­brauchter Frauenliebe schlief. Hört ihr die helle Stimme noch, den Natur­ton zwischen Polen und Berlin, rauhsüh gemischt? Wrr Aelteren Horen sie und ein kleines Wunder die Jungen glauben sie zu Horen. Das Geniale bleibt eben immer das Mögliche hier kann nichts sterben.

Und zwei andere Lebende noch vergeßt nicht, was sie euch waren, während ihr wißt, was sie euch sind. Der eine freilich erscheint nur noch zuweilen im Filnr und letzthin plötzlich als Spielleiter Rudolf R i tt- n e r der schlesische Naturlaut. Von einem Vorfall wird erzählt, der sich vor kurzem zugetragen hat, ein Blitzlicht auf Mimenruhm, eine kleine große Szene, Lächeln und Tränen weckend. Zu einer künstlerischen Ver­anstaltung wurde Rudolf Rittner erwartet, zu neuer Betätigung nach langem langem Fernsein. Die Veranstalter der Sache waren alle ,ung undheutig", aus dieser Generation sie riesen den großen Namen eines vechzigjährigen, siekannten" ihn selber nicht. Als nun die An­kunft heranrückte, stand man ratlos vor der Aufgabe: wie ihn erwarten und vom Bahnhof abholen, da niemand wußte, wie er aussieht. Zum Glück half da einAelterer" aus der peinlichen Not, ein Freund und Gefährte des Künstlers, doch im Gegensatz zu ihm auf dem Kampfplatz des Tages geblieben. Den bat man innig, er möge doch Rittner emp­fangen 'denn erkenne" ihn ja. So gab es zugleich ein wunderhübsches Wiedersehen. Aber der Retter mag den Bedrängten im Geiste zugerufen haben: Seht ihr wirklich nichts mehr von Oswald Alving und Moritz Jäger, von Fuhrmann Henschel und Waldschrat, von Florian Geyer und Nikita, dem Bekenner Rußlands? Ich trage sie alle noch rn mir und ich glaube, sie sind auch in euch, zu jeder Stunde, die euch wahre Kunst

Der schöne, grauhaarige Wanderer Albert Basse rmann freilich sorgt immer wieder dafür, daß man ihn gewandelt und doch in seinem ebendigen Zauber sieht. Diese brechende und stählerne Stimme klingt weiter durch Mode und Zeit, diese junge Gestalt dient unveränderlich den Gestalten. Ein echter Schauspieler, läßt er Vergangenes sinken, um I ganz gegenwärtig zu fein. Aber man sollte dafür aufheben, im Licht I der Erinnerung, was er verschwendend auf seinem Wcge fallen ließ. Man sollte ihm danken, indem man ihn sich selbst beschwort. Der Bas er­mann von heute ist noch der von ehedem aber seht,hr feinen Volks­feind seinen Bernick, feinen Bubek, all diese lebensnahen und fernen Sym'bolgestalten Ibsens nicht mehr? Wißt ihr nicht, was Stephan von Sala einst, in Artur SchnitzlersEmiren Weg , den Ze,genostn offenbarte^ Es gilt noch heute: em Menschenbild des abseitigen Wehs, auf tausend schimmernden Stufen in die Unterwelt hinabsteigend Dem I Schauspieler eine Rolle dem Zuschauer ein Besitz im Schwankenden, I eine Bereicherung seines Wissens, eine Gestalt.

3U Egoist vielleicht besser so, um dem Wert der Stunde Raum zu schaffen. Das Gegenwärtige wird immer mehr das Wirkliche. Nur schade, sehr schade ist es um die großen Typen die uns zusammenfaßcnd von der Schauspielkunst hingestellt worden sind. Hier manifestierte sich ein höheres Leben und ein höheres Erinnern folgte ihm nach. Theater wir vec- aeffen es scheinbar leichter als Erlebtes und doch leuchten feine besten Gestalten aus dem dunklen Gewimmel der Wirklichkeit vor uns auf. Es ist ein Dank, eine der Schöpferkraft verwandte Freude mit den Er­innerungen verbunden. Ob ihr Träger, ein großes Darstellungstaleut, noch unter den Lebendigen weilt oder nicht das Menfchendafein auf der Bühne hat uns als erregte Zuschauer gesehen, wir fühlen uns gebannt und zugleich befreit, wir konnten uns hier selbst einmal Beuten.

Wenn wir auf die bunte, kunsthandwerkliche Schnelligkeit unseres gegenwärtigen Theaters blicken, ist der Zweifel berechtigt, ob aus ihm so viele Gestalten ins Unvergeßliche einkehren werden, wie die altere, grundlegende Bühne sie geschaffen hat. Revue und Film machten den Verwandlungskünstler in der schauspielerischen Individualität frei. Zwi­schen seinen Aufgaben wie nach Kleidern und Masken greifend steht er immer persönlich erkennbar, ein Proteus der Bühne, der Erscheinung mehr als der Seele verpflichtet. Beschäftigung der Sinne, Wandlung, Spannung Witz das sind die Wirkungsfaktoren, denen der heutige Schauspieler dient. Wohl hat sich Max Reinhardt erst kürzlich wie­der ganz für den Ewigkeitswert der Menschengestaltung ausgesprochen aber diese großen Regisseure kommen ja noch von der älteren, grund­legenden Bühne her und verjüngen sich in der Jugend

1 Wir sahen als Kinder in einem Zimmer, dessen Wände Faimlien- bilder trugen schlichte Ovale, gestellte Gestalten im feierlichen Anzug der feierlichen Angelegenheit Photographie. Die Großeltern, Biedermeier­köpfe mit gewellten Frisuren, schweren Krawatten, Seidentaillen, Hauben. Feine, etwas blasse Köpfe mit der sprechenden Schwermut im Blick: nach uns die Welt des Verkehrs. Dann all die Onkels und Tanten, allmählich moderner werdend, die Kinder, mit seltsamen Schuhen und Höschen, für uns nun ergraute Respektpersonen. Aus all diesen ge­stellten Gestalten sah uns doch gebietend das echte Leben an Wir erkannten in den Familienbildern zuerst die Typen der Menschheit. Ob es noch heute so ist für die Kinder der Gegenwart? Die Familie wird zwar nicht abgeschafft, aber Pietät erlischt im Unterbewußtsein, und der schlichte Kultus des Erinnerungsbildes weicht dem Radioapparat.

Man hört Neuyork und ist froh, nicht mehr von Biedermeierkopfen und 1 -qx«»« x-r OflFtrinta

sprechender Schwermut angesehen zu werden. OaS OCF MW«!«».

Aber ihre Nachfolge, reicher an Menfchenlehre und Symbolik fee- I Von Pros. Dr. I. Klinghardt, Berlin.

lischer Bern d f ) f, ,, *, 't-i ...... »nntnn I Sin den Arbeiten über die Osterinsel heißt es oft: das mitten im südlichen

der um schlichte Lebensdarstellung bemühten. Man kann, von der ovalen I Qn Q<teaerK. Eiland jft unendlich weit von andern Inseln ent«

Familienphotographie ausgehend, manche Gestalt beschworen, die uns in I St, n j 0 9 Anfang an leicht irrige Vorstellungen geweckt, die Wundergründe der Seele blicken l uns Lebensschulern die Kennt- bet übliche europäische

nis der Individuen, millionenfach gesondert, ergänzte Sieht mich nicht Inden ungeyeuren ^euen r 1 » zwischen Schott-

SU"»'MÄÄ!SÄÄÄ °°» S-I»°"d ...» ,W 700» Kilometer oon 3»»

Kutscher Blume, der meinenOnkel Doktor" dreißig Jahre zu den I ^erm neunten Messungen einen Umfang von

Patienten fuhr und an seinem Jubiläumstag von ,h»> zum Photographen Die Oster nicilfyat nach twn neueren jungen «e I ,h geschickt wurde. Dort aber, durch die Dämmerung des Herbsttage^ wan- | 170 QuabraHtlometerBon ben na^tflelegene ) ^iloinekr

dein der König Alfons, der Cyrano, der Misanthrop des Josef Kainz niedrigen Gamb.er-Jnseln^rennt sie eine Entfernung von n

- hier staunen die alten Familienköpfe nur und weisen bescheiden die j und eine Strecke von etwas über 3200 Kilometer Boni n AI 9 8

geringste Verwandtschaft zurück. Dennoch sind sie durch eine luftige Brücke SefHanb, ber Stifte !nMfäe'^aae ber £merin"el nur

mit ihm verbunden, der wie kein anderer nach ihm den Fürsten, den deutete Kartenbild zeigt daß b'^9eographlche -age .ter I Dichter und den tragikomischen Wahrbeitskämpfer darstellen konnte. Vor ein Extrem ift, aber md)i: «ufierbalb aUer erfcjrungen ber Keit der technischen Wunder ach, in einer so langsamen, erleiden- ! Berühmtheit verdankt das Eiland, abgesehen von "vn yoyen B I den, beseligt seelischen Zeit. Vorbei? Doch nicht ganz und wohl aus mächtigen Gimbern, die hier »1^ naher besproch-n werb^ n ko niemals gänzlich. Eines unmöglichen Rückzwanges in Postkutschentage ben gewaltigen Steinbenkmalern, von denen es dort noch mmdeften bedarf es nicht nur eines Aufflammens von Kainz-Bildern, und wenn I gibt, und ferner ben Schrifttafeln. mntnnefien

das nicht mehr in lebenden fein kann, eines frommen Glaubenwollens Zunächst fragen tmr: ßiegt ein ^^hnrtiaei Eingeborenen?

an königliche Menschen, auch bei Autohupen und Jazzband. I her ,m Rahmen der «chiffahrts-Erfahrungen der dortigen. EmMvore

Roch sind es viele, viele, zu denen man von Schauspielern früherer ! Noch heute gibt es in den Fernen der Sudsee Stamme von her 9,, Generationen sprechen darf, denen sie kein leerer Namensschall, kein histo- | der Seetüchtigkeit und glanzendem Oriei,tierungsvermogen. H I &

rischer Staub geworben. Es handelt sich ja gar nicht um dieAelteren", | an die Stabkarten der Marshall-Insulaner, in denen sog r weil sic jung geblieben sind in ihren wachen, erinnerungsstarken Herzen. I gebiete und Gegenden ungünstiger Strömungen eingetragen smo,^ Seht ihr Oskar Sauer noch vor euch, den seltenen Zauberer, Lebens- I Bekannt ist ferner, daß Madagaskar vom malaylfchen ArchiP , kunstler und Enterbten, in seiner Seelenenergie, des versagenden Körpers I scheinlich von Sumatra aus, besiedelt wurde. Von bem|elbe Herr? Diese dunklen, strafend ober entsetzt, spöttisch ober schwärmerisch I erreichten wohl auch kühne malayische Seefahrermeu / geöffneten Augen sollten unser Leben nie verlassen. Wir lächeln im I Samoa bie ha maischen Inseln. Nun verstehen die Subsee-a Schmerz, wenn wir den Gerichtsrat Brack wiedersehen, den eleganten I die kulturell hoch über den Urauftraliern standen, Konserven YZi (jn, Zyniker, der todgeweihten Hedda Gabler gegenüber, wir greifen an de» I z. B. Fische zu konservieren, die in Blätter eines bestimmten -oa Kopf, zu fernen, hämmernden Gedanken, wenn wir des gezeichneten Jdca- 1 gewickelt werden, ferner hatten sie große Erfahrung m der gescyia

nahm, vieler in Ge Ueber fast a Westei ber fd venhäi sich m gewiß zwar: ihnen eilige Tahiti aus dc Die ho dünne man fi künde Diese l I Köpfe

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