Ausgabe 
16.2.1911
 
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es warten unser noch Schrecknisse genug, bevor die Nacht um ist: deshalb last uns jetzt in aller Ruhe und Gemütlichkeit eine Pfeife zusammen rauchen und ein paar Stunden, an etwas Heu- tereS denken." , ,, . ,

Etwa um neun Uhr erlosch der Lichtschein zwischen den Bäumen, und das Herrenhaus lag mm in tiefem Dunkel. Zwei Stunden waren langsam hingeschlichen, als plötzlich, mit dem Schlag elf Uhr, ein einzelnes helles Licht gerade uns gegenüber uusblitzte^ bag 3eic£)en stw uns," sagte Holmes aufspringend; r,es kommt aus dem Mittelfenster."

(Schluß folgt.)

Zsland als Dorado der Landwirtschaft.

As. Kopenhagen, Anfang Februar 1911.

Mit dem Gedanken an die ehrwürdige Sageninsel Island verbinden die meisten sicher die Vorstellung von einer Felsenein­öde wo sich eine spärliche Bevölkerung in engen Gebirgskiuften und au schmalen Küstenstrecken kärglich durchs Leben schlägt ; man halt die Fischerei für die einzige nennenswerte Erwerbsquelle der Ein­wohner jenes nördlichen Eilandes. Jndesten ist kaum bekannt, daß die Landwirtschaft auf Island noch eine große Rolle spielen wird.

Island, die vom Golfstrom nmströmte Insel, hat ein un Ver­hältnisse zu ihrem hohen Breitengrade äußerst mildes Klima, und an der Südküste liegt ein breiter Gürtel von flachem, fruchtbarem Land, das die Voraussetzung besitzt, wenn eine Bebauung der Degend nach allen Siegeln moderner Landwirtschaft stattsindet, reiche Erwerbsmöglichkeiten zu erschließen. Der isländische Natronal- ökonvm Jonas Gudlaugsson, der sich gegenwärtig in Kopenhagen aushält, sucht durch Aufsätze in der dänischen Presse die Aufmerk­samkeit auf die reichen Zukunftsmöglichkeiten seines Vaterlandes ßm hoben Norden zu lenken, und vertritt die Ansicht, das; der Grund, weshalb die Isländer bisher unter recht gedruckten finanziellen Verhältnissen gelebt haben, der sei, dast sie es noch nicht verstanden haben, die natürlichen Reichtümer der Insel auszunutzen und sich der Bedeutung der Landwirtschaft selb ft Nicht recht bewußt gewesen seien. Nach den Mitteilungen Gudlaugsfons find die natürlicheii Reichtümer der Südküste Islands so groß, daß nicht nur die ganze Bevölkerung Islands, wenn sie dort zu­sammengedrängt würde, sich bequem durch Landwirtschaft ernähren könnte, sondern sogar eine namhafte Einwanderung aus anderen Ländern wünschenswert wäre, damit eine um so ersprießlichere Bebauung jener Gegend stattfinden könne. Der islandifche Na- tionalökonom glaubt mit gutem Gewissen behaupten zu können, daß Süd-Island, weirn es entsprechend bett Errungcnschaftenl moderner landwirtschaftlicher Technik bebaut würde, einDorado der Landwirtschaft" werden könne.

Es fehlt in Island, sagt Gudlaugsson in dem Kopenhagener BlattRiget", an landwirtschaftlichen Arbeitskräften. Hättet wir deren genügend, datm würden unsere Höfe wenigstens das dop­pelte abwerfen können. Jetzt haben wir, weil wir selbst alle Arbeit ausführen müssen, nicht die genügende Zeit, unser Land zeitgemäß zu bebauen. Eine wichtige Ursache, weshalb der is­ländische Landwirt bisher keine großen Resultate erzielen Comtie, liegt darin, daß er zu konservativ gewesen ist und zu zähe an der Tradition festgehalten hat. Er hat in die neuen landwirtschaft­lichen Methoden lange kein rechtes Vertrauen setzen wollen und sie deshalb noch nicht eingeführt. Erst jetzt sind wir allmählich so weit vorgeschritten, daß die fehlende Arbeitskraft ein Hindernis für die weitere Enttvicklung geworden ist. Wir brauchen viels Leute. Im südlichen Island liegen meileuweite Wiesenstrecken, die unbebaut sind und Jahrhunderte hindurch auf den Pflug ge­wartet haben. Es sind nur eine Ueberrieselung und einige Deiche erforderlich, und diese Strecken werden Tausenden von Menschen ihr tägliches Brot geben können. Statt dessen ist ein Gehöft nach dem andern im Laufe der Zeiten brach gelegt worden, und is­ländische Bauern sind nach Amerika ausgewandert, um dort Mühsam ihr Brot zu verdienen... So ging es bis in die neueste Zeit hinein. Jetzt fängt endlich die Landwirtschaft an, auf Island erfreuliche Fortschritte zu machen. Das gilt ganz besonders von der Gegend, die um Reykjavik liegt. Hier sind z. B. die ersten isländischen Meiereien gegründet worden. Erst vor wenigen Jahren wurde mit der Ausfuhr isländischer Butte« angefangen; Island hat bereits einen guten Absatzmarkt in England, und die Butterproduktion wird bald eine der wichtigsten. Einnahmequellen des Landes bilden können. In jenen fruchtbaren Gegenden aber fängt der Mangel an Arbeitskraft an, sich sehr unangenehm fühlbar zu machen. Diese Arbeitskraft können ivir aus Island selbst nicht herbeischaffen; wir müssen vielmehr unsere Zuflucht zum Aitsland nehmen. Von dort müssen tvir neue Ar­beitskräfte, Unternehmungsgeist und Erfahrmigen nach unserer Insel ziehen. . ." Der isländische Verfasser führt weiter aus, wie mehrere dänische Landwirte, die nach Island ansgewandert seien, dort vermögende Leute geworden seien, nachdem sie bisher unbebaute Landstrecken stir ein billiges Geld angekauft und nach den Regeln der modernen Landtoirtschaft bebaut hätten.

Es unterliegt kaum einem Zweifel, daß ausländische Land- Ivirte, die nach Island auswandern, sich dort verhältnismäßig rasch eine selbständige Stellung und ein blühendes eigenes Gehöft verschaffen können; es gehören dazu nur zwei kräftige Hände unti ein kluger energischer Kopf! Jedenfalls können diejenigen Land­wirte, die nach Island auswandern, eines freundlichen Empfanges seitens der Eingeborenen sicher sein. Weil das Bedürfnis nach fremder Arbeitskraft für die isländische Landwirtschaft so groß ist, ist sogar in der isländischen Nationalvertretung, dem Althing, eilt Gesetzentwurf eingebracht worden, der bezweckt, die Einwanderung fremder Landwirte ganz besonders zu erleichtern. Deutsche Ein­wanderer werden den Isländern sicher ebenso, willkommen feilt wie dänische und norwegisch-e.

DernmcMes.

* Aus einem alten Theaterzettel. In die tragt* komischromantische Zeit der Blüte der Theaterschmieren führö ein lustiges theatergeschichtliches Dokument, das nach Bäuerles Erzählung in dem von Dr. Landsberg und Dr. Rundt heraus^ gegebenen Theaterkalender auf das Jahr 1911 veröffentlicht wird, Im Jahre 1796 gab es in Penzing bei Wien eine Theaterbndez in der ein gewisser Maximilian Sandersky, früher Frisenr, jetzt Heldenspieler und Tragödienverfertiger hauste. Er wurde durch den ironischen Beifall, den ihm die zu ihm juxeshalber hinaus- kommendkn Wiener zollten, und den er ernst nahm, immer mehr in den Wahn bestärkt, ein großer Künstler zu fein. So schrieb er einst bei seinem Benefiz, zu dem er Rudolf v. Felseck oder die Schwarztaler Mühle gewählt hatte, ttachstehenden Theaterzettel, um das Publikum auf seine Darstellung desFels- eckcrs" aufmerksam zu machen.Hohe und gnädige Gönners Glücklich ist der Schauspieler, welcher seiner Kunst gewiß,, frei und unbescholten auf die Bühne treten und mit innerer Lust und Wonne voller Zufriedenheit sich selbst zulächeln kann: Ich sammle mir Lorbeer und das kann ich! Mein imtadelhaft-s Spiel, meine im Affekt sanfte und in Gelassenheit rollende Stimme, meine entnervenden Pantomimen, welche ich (o ja, ich darf mich' dieses Lobes würdig machen) meistens selbst verfaßt habe, be­kräftigen das, was ich bin. Ich denke noch einer Zeit, wo ich an melancholischen Stunden Komödienbücher las und manchmal mir wünschte: v wärest du doch diesen Helden, jenen Liebhaber oder zärtlichen Vater zu spielen imstande! Und jetzt kommt wirklich die Reihe an mich. Ich trete auf werde be­klatscht und bewundert und ich bin der weltbekannte Liebling und Augapfel unserer unschätzbaren Zuschauer und Kenner. Heute ist die schwerste Probe, die je ein Jüngling aushalten konnte, Albrecht, Hamlet sind schwere Rollen, ich gesteh es, und ich überwand sie. Aber Rudolf v. Felseck, welcher mir seit einem Jahre so viel Mühe machte, welchen ich mit meinem sauren! Schweiß einstudierte, und jedermann schon mit Begierde daran harrt, wo vielleicht schon Neid und Mißgunst auf mich lauert, um nur das Urteil zu fällen. Wird mir da nicht Furcht und Herzklopfen meine Worte verscheuchen? Nicht Zittern meine erdichteten Bilder vernichten? Doch nein! Hinweg mit den unnützen Gedanken! Ich will mich ganz in meiner Größe zeigen, gleich dem mutigsten, wildesten Feuerbären der Hetz alle Hinder­nisse überwältigen, und so mit heute auch den ruhiuvollstenl Beifall, das so erquickende Bravo aus meiner gnädigen Zuschauer Munde holen. Nur bitte ich um einen gütigen zahlreichen Be­such, und verspreche-dafür, daß jedermann sagen wird: er hat es schöner gemacht, anmutiger diese Rolle gespielt, als cs hätte sein sollen. Ich verbleibe in demutsvoller Beharrung Dero unterwürfige« Maximilian Sandersky, gegenwärtiger Rudolf v. Felseck.

* Kleines Mißverständnis. Herr (der die Tochter eines Kaufmannes verehrt, zu diesem):Da spielt also Ihr Fräulein Tochter auch Klavier?" Vater:Sie haben gewiß auch eine kleine Untugend!"

Matenratsel.

Aus jedem der folgenden Zilate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt:

1. Wer wollte sich mit Krillen plagen, So lang uns Lenz und Jugend blüh'« ?

2. Es ist Arznei, nicht Gilt, was ich dir reiche.

3. Rastlos vorwärts mußt du streben.

4. Die Zeit geht aufrecht unter ihrer Last.

5. Es ist der Geist, der sich den Körper baut.

6. Nie kommt ein Unglück olme sein Gewlge.

7. Die Stunde ist vorbei, zurücke geht es nimmer.

Auflösiiug in nächster Nummer!

Auflösung des magischen TreiecK in voriger Nummer: ASTER SKAT TAG E T R

Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lange, Gieße»