Ausgabe 
11.12.1909
 
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es da zu gibt. Man kann kkeiue Seitenwege cinschkageN, wundervoll stille Waldstraßen, nnj denen feist Andomobii fahren darf. Freilich hat es auch eine Schattenseite. Ment Hund kann nicht mit mir konimen, ttühreud er int Autotnobil mehr Vergnügen hat als sonst irgend wer. SH fahren wir denn Automobil, nur weil er Spaß davon Hat." Der feinsinnige Schilderer des Bienen- kerens ist übcrhanyt ein großer Tierfreund und hat auch int blauen Bogel" das Seelenleben unserer vierfüßigen Brüder fein dargestellt. Sein Werk hatte in Rußland eilten geradezu erstaun­lichen Erfolg:Es ist wahr," erzählte er,daß 52 Theatergesell­schaften in Rußland das Stück spielen. Es ist so beliebt geworden, daß die Zeitungen sogar von einerBlauen Bogel-Manie" sprechen. Warum man es noch nicht in Paris gegeben hat?" Er zuckto seine breiten Schultern.In Paris hat man jetzt keinen Sinn für cinfachs Dinge, da muß es sich stets um Frau und Gatten und Liebhaber handeln, damit der verwöhnte Gaumen des Puöli-- lnms durch raffinierte Speisen gekitzelt werbe. Meinblauer Bogel" ist nur eine Phantasie, ein Märchen. Wir suchen ja alle das Glück. Mm, der blaue Bogel ist das Glück, der Bogel, der niemals gefangen wird. Ganz einfach, eine Geschichte für Kinder in jedem Alter. Manche sehen wohl einen mystischen Sinn darin, aber ich sehe keinen. Es war eine Zerstreuung, das Werk eines Feiertages." Maeterlinck sprach dann seine Verwunderung darüber aus, daß er in London kein Stück von Shakespeare sehen könne. Sagen Sie mir," fragte er plötzlich,Wie ist es nur möglich, daß ich hier in London mir kein Shakespeare-Stück ansehen kann? Das ist ja schrecklich ! Ich kann cs nicht verstehen. Ihre eng­lische Nation ist doch so stolz auf ihre Vergangenheit. Ihr Shake­speare ist der größte Dichter der Wett. Und doch vernachlässigt Ihr ihn. Zum mindesten müßte er aus erzieherischen Gründen be­ständig aufgeführt Herben. Warum hat man bei Ihnen keine Institution, wie die Gomsdie-Franyaise?"

* Goethe als Familienvater. Ein eigentliches Familienleben hat Goethe erst im Alter besessen. Als er sich vor der Welt inrmer mehr ohne Haß verschloß und sich seine Welt ganz in seinen vier Wänden aufbaute, da freute es ihn, die Seinen Nm sich zu wissen und in den Seinen zu leben. Christiane, die treue liebevolle Gefährtin seiner Mannesjahre, warihrem Ge­heimrat", wie sie ihn wohl nannte, in den äußeren Formen des Verkehrs doch immer etwas fremd gewesen, so daß sich kein inniger gleichgestimmter Kreis der Allernächsten herausbilden konnte. Tie Kinder, Knaben und Blädchen, die sie in den Jnhren. 17921803 Goethe geboren, blieben mit der einzigen Ausnahme Augusts alle nicht am Leben. Ter Sohn, den die Mutter stark verzärtelte, genoß mich1 dis volle Liebe des Vaters, der ihn gern mit auf Reisen nahm und dann die .Nnge-ogenhesten des verwöhnten Bürschchens humorvoll ertrug, Aber ein rechter Familienvater Würbe doch erst der alte Goethe, als August heiratete und mit dem Vater unter dem gleichen Dache wohnte. Ludwig Geiger, der in einem bei Ullstein erscheinenden Werke Goethes Leben und Schaffen benf deutschen Volke erzählt, schildert in hübschen Bildern diese. Beziehungen des gealterten Olympiers zu seiner Schwieger- tvchtec und seinen Enkeln und verschweigt auch die Schattenseiten nicht, die in diesem Familienleben anfstiegcn. Augusts Ehe mit Ottilie von Pogwisch war nicht glücklich; in beiden lebten dämo­nische Leidenschaften, aus denen Verwirrungen und Zwiste aller Art entstanden und die sich in peinlichen Auftritten entluden. Wäh­rend Augusts bald überschau m ende, bald von Selbsterniedrigung gepeinigte Natur ihr tragisches Schicksal rasch vollendete, stand Ottilie an Goethes Seite bis zu seinem Tode und hat viel von seiner Liebe und Zärtlichkeit genossen. Goethe tvar der Schwieger­tochter und den Enkeln gegenüber der gütigste Vater, der liebe­vollste Großvater. All den Zauber, den er jungen, anmutigen Frauen und Mädchen gegenüber zu beweisen verstand, entfaltete er im Verkehr mit dieser schillernden Fran, die ihn mit Freundlich- kett umgab, ohne ihm doch die Ruhe und Ordnung eines gut ge- grten Hauswesens zu bereiten. Er liebkoste, sie und schrieb ihr

zierlichsten Briefe und Verse von spielerischer Anmut. Er besprach die neuesten Bücher mit ihr, sah mit ihr Zeichnungen durch und ließ sie Anteil nehmen an dem Genuß seiner Werkii. Und sie, die eine oberflächliche. Weltdame war und eine tiirruli-i- keidenschaftliche Gefallsucht besaß, wußte in .den stillen Räumen des Alten ihren ganzen Liebreiz $it entfalten, ihre gesellschaft­lichen Gaben erglänzen zu lassen: sie machte sich ihm nützlich, fast unentbehrlich als anmutiges Schmeichelkätzchen und als unermüd- bliche Kckan?enschweste>- Gegen die Enkel war der Großvater von einer rührenden Zärtlichkeit, die ans unzähligen Stellen der Briefe, Gespräche und Tagebücher hervortritt. Er Überbot noch ihnen gegenüber die sprichwörtliche großväterliche Langmut. Ihnen war die Arbeitsstube des großen Mannes, die Men anderen ein geheiligter Ort war, ein Tummelplatz kindlicher Spiele. Dort wurden sie liebreich unterwiesen, ihrem Alter gemäß, vft auch weit über ihre Jahre hinaus, durch Vorzeigen von Bilderbüchern Und Kunsiweritzn aller Art tändelnd belehrt; sie wurden aber auch gern von dem Alten auf Spazierfahrten und Reisen mitge­nommen. Sie dursten zu Hause und in der Fremde zuhören, wenn Erwachsene sprachen und wohl auch in gewichtige Unterhaltungen dreinreden. Ihre Geburtstage wurden von Goethe, der seiner Neigung nach rauschendeu Vergnügungen ans dem Wege ging,

lärmend gefeiert, der Weihnachtstisch wurde, ihnen bereitet, Schakb» tage nach ihrer Bedeutung erklärt, Mondfinsternisse und andere Naturerscheinungen ihnen sachgemäß erläutert. Jedes Vergnügen ward ihnen gewährt, schon in zarter Jugend waren sie Stamm- gäste des Theaters, sie durften durchreisende Künstler anschauear und sich mit ihren Altersgenossen froh tummeln, unter denen die Mitglieder des fürstlichen Hanfes die bevorzugten Spielkameraden, waren.

* Das Alter dor Hauskatze. Viktor Hehn hat die bisher nicht widerlegte Vermutung aufgestellt, daß die Einfüh­rung der Hauskatze und ihre Verbreitung in ganz Europa durch die Völkerwanderung veranlaßt tvvrdcn sei tmd den Zweck ge­habt habe, di« gleichzeitig mit den tvandernden Välkerscha.rqv aus Borderasien und Südrußland eiNboechenden Ratten zu be­kämpfen. Er macht darauf aufmerksam, daß in der aktgriechischen und altrömischen Literatur als Feind« der Maus nur Wiesel, Marder, Iltis und Wildkatze genannt Werden, daß di« vermeint­lichen antiken Abbildungen der Hauskatze vielmehr die Wildkatze darstellen und daß in Pompeji, wo man doch Reste von Pferden, Rindern, Hunden, .Ziegen und anderen Haustieren gefunden hat, nie ein Knochen einer Katze aufgetaucht ist. Neuerdings hat es nun O. Keller sehr wahrscheinlich gemacht, daß die von den Äegyptern oder Nubiern schon in allerältester geschichtlicher Zeit gezähmte, gepflegte und bekanntlich heilig gehaltene Hauskntzv doch schon ttach der Einverleibung Aegyptens in das Reich der Römer diesen bekannt und in den ersten Jahrhunderten nach Christus in Italien zum toeit verbreiteten Hausner geworden fei. Auch der aus Afrika stammende, ht der Literatur zuerst bei Palladius (zwischen 300 und 350) begegnende neue Name eattus, der in di« romanischen Und germanischen Sprachen übergegangen; ist, beweist, daß es sich tritt ein vorher unbekanntes Tier handelt; denn felis bezeichnet stets den Marder, das Wiesel und ihre Verwandten, allenfalls auch die Wildkatze, stöenn es richtig ist, was. aber bei der Kleinheit der Mbildungen nicht auszumachen i)X daß auf Münzen des 5. Jahrhunderts v. Ehr. aus Tarent und Rhegium das Tierchen, mit dem der jugendliche Demos spielt, ein Hauskätzchen sei und das; man ans apulischen Basen ebeq- dasfelbe erkenne, so muß vor der römischen (Eroberung Unten- italtens ein Akklimatisiertmgsversuch gemacht, dann, aber wieder verschollen sein. Jedenfalls ist das Tier in Italien bis in die Kaiserzeit sehr selten geblieben. Dem Horaz ist sie sicher, dem Plinius wahrscheinlich noch »mbekmmt. Die gestreifte verm-eiuib- tiche Hauskatze auf einem pompejanifchen Mosaikbilde im Neapeler Museum ist nach Keller ein Bastard von Sumpfluchs (felis chauss und nubischer Falbkatze (felis maculata), der auch in Aegypten gezähmt uud zur Jagd benutzt ward. Gegen die eingangs aw- geführte Vermutung Hehns wendet Keller ein, daß die Gleich­zeitigkeit des Eiitbruches der Hausratte mit der Völkerwanderung durch nichts bnviesen ist, daß die Wanderratte erst 1727 aus den kaspischen Ländern nach Enropa kam und daß zur Bekämpfung beider das bereits Vorhandene und gezähmte Wiesel, das die Römer allgemein gegen die Mäuse benutzten, noch geeigneter war.

* Ung al an t.Warum glauben Sie, Herr Professor, daß tvir Frauen Talent für den tierärztlichen Beruf haben sollen?" Weil durch eine Frau schon mancherEsel" kuriert wor­den ist."

* Das Arztsö huch en. Lehrer:Warte, du Range, ich werde mir mal deinen Vater kommen lassen." Fritz:Das kann Sie zwanzig Mark kosten, Herr Lehrer."

* E i n g a n z S ch l a u er. Sie:Es ist mir völlig nnerktär- lich, warum dir der Arzt das Bier nicht verboten hat." Er: Ich habe ihm gesagt, daß ich übe.rhanpt keines trinke!"

* Gefühlvoll. Köchin (der eine Schüssel ans den Boden sältt):Tas ist das erste Mal, daß ich einer Herrschaft das Porzellan vor der Mndignng zerbreche!"

Krerrzriitsel»

In die Felder nebenstehender Figur sind die Bucystaben a a a a a a, e c, d d, e e, g g g g, h h, i i, 1111111, m, n n n n, o o, p p, r r, s s s s, 11, z der­art einzutragen, daß die wage- rechten und senkrechten Reihen gleichlantend folgendes ergebent

1. Wertvolle Erfindung,

2. Einen Philosophen.

3. Weibliches Wejen.

Auftöiung tu nächster Nummer i

Auflösung des Logogriphs in voriger Ntinnner: Hagen, Hagel.

Nedaktwn: K. Neurath. NolationSdruck und Verlag der Brtthl'schen Unwersitäis-Bnch- tmd ©tciubructerei, R. Lange, Gieße».