Ausgabe 
21.5.1908
 
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wurde es ihm zük Gewißheit, daß seine Liebhaberrolle hier ans- gespielt war----- ;

In den nächsten Tagen feierte Schultze Sieg ans Sieg. Der Trieschbaner war zufriedener mit ihm iuie mit kaum einem seiner Vorgänger. Mit Amanda hatte er sich in aller Form verlobt und ihr die Ehe versprochen, iobatd seine finanziellen Verhältnisse arrangiert" wären. Und bei der Dorfjugend lvar er vollends Hahn im Kvrb. Jottlieb hiev und Jottlieb da! Niemals ver­liefen die Sonntagabende unterhaltender als jetzt. _ Wenn der Berliner seine ^Schwänke erzählte, mußte man sich den Bauch halten vor Lachen. Das lvar wirklich drollig! Den Gipfel seiner Glanz­leistung aber erklomm der Tausendkünstler mit den lvitzigen Couplets, die er auf der von ihm meisterhaft gehandhabten Zieh­harmonika begleitete.

Unmengen Freibier wurden ihm gespendet, und seine Zigarren­tasche war stets gefüllt.

Auch in seinem Aenßeren hatte er sich wohltuend verändert; zumal des Sonntags, wenn er in der auf Abzahlung entnommenen feinen Kluft aufmarschierte und mit dein ebenfalls erborgtenHart- männchen" schmnngvoll grüßte, konnte man ihn für den vor­nehmsten Herrn halten.

(Schluß folgt.)

VerMLdchSss.

* Das Ende der kleinen Füße. Einen klagen­den Kassandraruf erhebt ein Mitarbeiter der Redne hebdo- madaire: Nur wenige Jahrzehnte noch, itnt> der glücklich Liebende wird nicht mehr die zarte Anmut, die graziöse Zierlichkeit der kleinen Füßchen der Geliebten Preisen können, denn die europäische Damenwelt ist unaufhaltsam auf dem Wege,englische Füße" zu bekommen. Nicht immer haben die Füße der Engländerin jenen respektablen Umfang besessen, den heute bissige Spötter den Töchtern des Briten­landes nachrühmen. Die Dichter des Old Mercy England konnten früher gleich den Poeten der anderen Länder die Zierlichkeit und Winzigkeit der Füße ihrer schönen Zeit­genossinnen preisen und besingen, aber es fehlt nicht an Zweiflern, die hierin eine poetische Lizenz sahen und einen Beweis für die Jdealisierungsfreude und den Mangel an Wirklichkeitssinn der alten Sänger. Wie dein auch sei, unverkennbar ist, daß die zunehmende Vorliebe der Damen für den Sport und für körperliche Uebungen der Anmut des weiblichen Fußes immer mehr wachsenden Schaden an­tut. Einer der bekanntesten Pariser Schuhfabrikanten schil­dert seine Erfahrungen, aus denen unleugbar die traurige Wahrheit hervorgeht, daß die Frauenfüße im allgemeinen in den letzten Jahren eine zunehmende Neigung zur Ver­größerung zeigen. Nicht nur in England, auch in Frank­reich und in den Vereinigten Staaten läßt sich das beob­achten und wenn bei den deutschen Schönen diese Wendung zum Schlimmen nicht so klar zutage tritt, so ist das nach Ansicht des wohl nicht ganz unparteiischen Franzosen dar­auf zurückzuführen, daß kleine zierliche Füße niemals ein besonderer Vorzug der deutschen Frau gewesen.....Aber

auch die Handschuhfabrikanten erzählen die gleiche Trauer­kunde; auch die Hände der sportlustigen Schönen wachsen und wachsen. Nur die Galanterie der Fabrikanten ver­hüllt noch das Uebel: unmerklich hat mau jede Nummer vergrößert, so daß auch die größere Hand in der Nummer 6 noch Raum findet.

* Die fremde Stadt. In der deutsch-böhmischen MonatsschriftDeutsche Arbeit" (Verlag von Karl Bellmann in Prag) veröffentlicht Emil Faktor folgende stimmungs­vollen Verse:

, Ich ging wohl eine Stunde lang

Zur Stadt hinaus ein gutes Stück, Nun schaue ich vom grünen Hang Ins starre Häusermeer zurück.

So schön, so still! Vom Abendrot Verzaubert ist das ganze Land. Die alte, graue Stadt ist tot, Ein Märchen seh' ich, ivo sie stand. In heißen Farben blitzt und flammt Der Strom, die Türme, Burg und Tor, Der Boden ist aus Gold und Samt, Ein fernes Singen dringt aus Ohr.

Ich fühle mich so seltsam fremd, Das Heimatland erkenn ich kaum, Von seiner Schönheit tief beklemmt. . . Und wachend geh' ich wie im Traum.

, * Uebertrumpft.Ja, mein Lieber, da haben Sie keine Ahnung, was das heißt, nach einem Rausch erwachen und 's fehlt einem ein Stiefel, der Ueberzieher und der .Hut."O, das ist garnichts; denken Sie sich in meine Lage, mir fehlte einmal die Pepucke, das falsche Gebiß und 's Glasaug'."

LrteL'aVi?cyes.

Rudolf Kassner, Melancholia. Eine Tri­logie des Geistes. (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Geh. 1 Mk Den Essai als Kilustform vertritt in Deutschland kein Schrift­steller so repräsentativ tote Rudolf Kassner. Er ist ein Typus ganz für sich; er ist kein Kritiker, der etwa einmal eine Kritik zu etivas Selbstäudigem abrnndet; kein Gelehrter, der sich einmal im kleineren Feld spielend erholt. Auch ist das Künstlerische in seinem Essai nicht ein bloßes Mittel der Darstellung, toie ein geschmackvoller Mensch es sich anzueiguen vermag; sondern das Künstlerische ist bei Kassner ein ursprünglicher Formgedanke, und sein Essai ivird immer mehr ein nach eigenen Gesetzen und eigener Triebkraft atm- geivachsenes Gebilde, wie die Novelle und toie das Drama es ist. Kassner ist, ohne den Charakter des Essais zu ver­lassen, in die Sphäre der Poesie gedrungen. Das Grund» inottb des vorliegenden Werkes ist das Problem der Voll­kommenheit und das Streben nach Vollkommenheit. Das Werk ist von vornherein als ein Ganzes konzipiert und durch- geführt; es steht in einem geistreich berechneten und kraft­voll durchgeführten Gleichgewicht, lieber dem Grundmotiv spielen hundert Nebenmotive ein bewegtes, buntes, immer geistreiches, amüsantes Spiel; und ganze Partien in dem Buche erzeugen im Leser durch ihren Humor und eine gewisse liebenswürdige, manchmal neckende Art der Behand­lung angenehme Spannung.

Reise».

Grieb eus Reiseführer. Band 71: Bad Kissingen und Umgebung. (1 Mk.) Verlag von Albert Goldschmidt in Berlin W. -- Kisfingen hat sich ht 50 Jahren zu einem Weltbad entwickelt, dem aus allen Erdteilen die Gäste zuströmen. Der in 14. Auflage soeben erschienene, von dem vormaligen Direktor der Verwaltung der Königs. Mineralbäder Deichmann neu bearbeitete Griebensche Reise­führer gibt über alle Verhältnisse und Einrichtungen des Weltbades Auskunft.

An- und Einsichten.

Bau' nach Lust dein Feld, Nach Bedarf dein HauS, Und sich' auf die tolle Welt Behaglich zum Fenster hinaus. Rückert.

* *

Was ist cue Hosstumg? Ein zerbrechlich Glas, Das angeiüllt mit edlem Wein zum Sionbe. Willst du d'raus trinken, stoß nicht allzustark Aus gutes Glück mit deinem Nachbar an; Sonst springt daS Glas in tausend kleine Scherben, Verschüttend seinen Inhalt aus die Erde, Und ungelöscht bleibt dir dein heißer Durst!

* . Karl Haupt.

Die tieiste Dunkelheit des SebetiS scheint darin zu liegen, daß nufer Geist, vermöge der ihm angeborenen Eigenart, stich ge­zwungen sieht, die Zufälligkeiten als Notwendigkeiten austuiassen, und daß er unter diesem selbstgeschaffenen Zwange dann fein größtes Leiden erfährt: es ist so, als ob man einen, der gehängt tverden soll, noch zwingt, den Galgen mit eigner Hand zu zimmern. Walter Cale.

Magisches Quadrat.

1. Bezeichnung von Einzelwesen.

2. Biblische Persönlichkeit.

3. Insekt.

4. Tier.

In die Felder vorstehenden Quadrats siud die

Buchstaben

a a a a, b b, d, e e e e, b, in in, n, r derart einzutragen, daß die vier ivngreclsten Reihen gleichbedenlend mit den vier senkrechten sind und Wörter der angegebenen Bedeutung bilden.

.Auflösung in nächster Nummer^

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: M a n n a Al a n n A n n a.

Redaktion: I. V,: E. Heß. Rotationsdruck und Berlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,