Ausgabe 
8.4.1908
 
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er wieder neu hergerichtet- das ehemalige chemische Labora­torium wurde Gewächshaus und die kleine Küche am Kolleg- gebände Gärtnerwohnung. 1720 wurde ein neues Glashaus erbaut, das bereits drei Fahre später eine Erweiterung erfuhr, wobei zugleich der Garten bis andie Bach" aus­gedehnt wurde. Am 7. Juni 1720 wurde der größte Teil der vom Landgrafen ans bem Butzbacher Lustgarten ge­schenkten Pflanzen von der Universität übernommen, der Rest folgte int August des folgenden Jahres. Bereits 1741 wurde wieder ein neues Glas- und Treibhaus in Betrieb genommen. Iw folgenden Jahre traf eine neue wertvolle Schenkung aus dem Butzbacher Schloßgarten ein, nämlich verschiedene Orangerien, andere exotische Gewächse und 50 glasierte neue Scherben. 1773 begegnete man zum ersten Male dem Namen botanischer Garten, bis dahin hieß er medizinischer Garten. 1790 wurde die Anlage des Gartens völlig verändert, und Bänke darin aufgestellt. 1807 fiel nach Schleifung des Walles das längs der Universität ge­legene Wallstück an den Garten. 1824 wurde der alte forst­botanische Garten zum botanischen gezogen, der Teich und der Berg, der 1852 zu einem Alpinum ausgestaltet wurde, wurden neu angelegt, das Gewächshaus erweitert und 1826 ein neues bezogen. Dadurch erhielt endlich der Garten seine jetzige Größe. Ein drittes Gewächshaus kam 1836 Su, das 1851 heizbar gemacht wurde. 1854 folgte die

ige des sogenannten öcouomicotechnicums, die Anpflan-. zung aller mitteleuropäischen, krautartigen, technisch und als Nahrungsmittel verwendeten Pflanzen. Am 16. Mai 1904 endlich erfolgte die Einweihung des wundervollen neuen Gewächshauses mit großem heizbaren Bassin davor für-ausländische Wasserpflanzen, wodurch der Garten eine ganz besondere Zierde erhalten hat.

Botanische Exkursionen hatten schon die Mediziner unternommen: 1847 wurde mit dem Ankauf des von Mil­brand hinterlassenen Herbariums das botanische In­stitut begründet. Am 12. Dezember 1891 wurden Biblio­thek und Herbarium Hermann Hoffmanns dem Institut als Geschenk einverleibt. Am 2. April 1895 folgte die Ueber- weisuug des bis dahin in großh. Privatbesitz gewesenen Umfänglichen und wertvollen Klenze'schen Herbariums. 1851 wurde eine Sammlung von Früchten, Hölzern, Samen und Kuriositäten angelegt. Im Herbst 1891 wurde das Institut wegen Ausdehnung der Bibliothek in die ehemalige Frauen­klinik au der Senckenbergstraße verlegt, bis es endlich im April 1906 wieder in seine alten, aber der Aeiizeit ent­sprechend hergerichteten und vergrößerten Räume zurück- kehren konnte.

Kürzer läßt sich die Geschichte der Zoologie fassen, die ja Wohl die älteren Mediziner gelegentlich kurz mit behandelt haben. Erster Zoologe in unserem Sinne war Milbrand, der erste Vertreter des Faches in der philosophi­schen Fakultät Karl Vogt, von 184649 Extraordinarius in Gießen. Er fand schon eine leidliche Sammlung vor, deren Hauptstücke in dem 1825 erworbenen Nachlaß des Medizinalrates Wernekinck aus Münster, dem Geschenk des Bergingenieurs Koch, bestehend aus den. Bälgen von über 100 in Mexiko vom Geber selbst erbeuteten Vögeln und einigen Säugern und der 1844. gestifteten Scriba'schen Kou- chyliensammlnug bestanden. Mit dein Neubau der Anatomie 184752 erhielten auch zoologisches Institut und Samm­lung mene, jetzt freilich viel zu eng geworbene Räume. 1850 hielt Leuckart, Vogts Nachfolger, und zwar Wohl als erster in Deutschland, praktische zoologische Hebungen. 18c>5 wurde die Professur zur ordentlichen erhoben.

Mer hinter den naturwissenschaftlichen Disziplinen sind die sogenannten Geistesivissenschaften nicht zurückgeblieben. Im Winter 1818/19 finden wir ein Kolleg über die drei Kant'schen Kritiken angezeigt. Später wirkte der geistvolle Hillebrand hier, leider zu früh seiner ersprießlichen Tätigkeit enthoben. Auch nicht unerwähnt darf bleiben, daß der geistvolle Aesthetiker Moritz Karriere seine Lauf­bahn in Gießen begonnen hat. J'm Winter 1873/74 hielt Bratuschek zum ersten Male philosophische Hebungen ob; aut 22. September 1897 folgte die Begründung eines philosophischen Seutinars. Eine zweite Professur fiir Philosophie iuurbe am 1. Oktober 1901 geschaffen, mit be­sonderer Rücksicht aus die Pädagogik. Das erste Kolleg darüber hatte im Sommer 1798 C r o m e gelesen. 1821 erbot sich W eitersha n s e n zu pädagogischen Vor­lesungen, womit praktische Hebungen in feiner Erziehungs- unb. HnterriMsansWt verbunden fein sollten. Seit Sep--.

fernher 1903 werden auch unter Bildung einer besonderer? Prüfungskommission seminaristisch Vorgebildete zum Stu­dium der Pädagogik zugelassen.

Hub welche Wandlungen gingen im Betriebe der phil o- lo gisch en Fächer vor sich! Auch hier hat die ßubotiiciana' nach einem vorübergehenden Tiefstand im 18. Jahrhundert nicht hinter ihren Schwesteranstalten zurückgestanden. Am 22. Dezember 1732 mußte noch zu fleißigem Studium des Griechischen und Hebräischen ernstlich ermahnt werben. Kein Theologe soll zur Prüfung zugelassen werben, ber bic Bibel nicht wenigstens zum grüßten Teile in ben beiden Gruild- prachen durchgetesen hak. Wegen der schlechten Finanzen wurde 1748 nach Neubauers Tod die Professur für orien­talische Sprachen nicht wieder neu besetzt, als Ersatz sollten! Privaldozenten und die Gymnasiallehrer eintreteu. Indes war diese Verlegenheitsanskuiift unhaltbar uub 1750 wurde deshalb doch wieder ein neuer Professor berufen. Um das Studium der Orientalin zii befördern, wurde 1785 bean­tragt, orientalische Typen auf Kosten der Universität zu beschaffen. Wie weit dem Antrag damals eiitsprochen wurde, ist nicht bekannt; doch ivährend ber größeren Hälfte des 19. Jahrhunderts bestanb eine orientalische, Sanskrit- und Zenb-Typensammlung. Nach dem Tode von Bullers am 21. Januar 1880 zog mau die Professur für orientalische! Sprachen ein, aber am 15. August 1898 wurde wieder ein außerordentlicher Professor für semitische Sprachen berufen.

Für das Sommersemester 1836 kündigte der eben er­wähnte Bullers ein Kolleg über Sanskrit an und im Sommer 1838 las er: Wissenschaftliche Entwickelung des griechische» und lateinischen Deklinations-und Konjugationssystems aus der verwandten Saiiskritsprache mit steter Berücksichtigung der übrigen Glieder der arischen Sprachfamilie. Das waren die Anfänge der vergleicheuben Sprachwissenschaft. Eins eigene Professur dafür wurde am 1. April 1891 geschaffen. Deren erster Inhaber rückte am 10. Juni 1893 vom außer­ordentlichen zum ordentlichen Professor auf. 1899 erfolgte die Gründung des fprachwisfeuschaftlichen Seminares.

(Fortsetzung folgt.)

Vermsschtes.

* Ein neuen benzinelektrischer Omn ibus ist setzt in London aus seinen Probefahrten begriffen. Die Be- nutzung der Elektrizität für Kraftwagen macht letzt Überhaupt eine Wandlung durch, luie die Einführung der neuen Bezeich- nnngen benzinelektrisch und petrolelcktrisch lehrt. Diese Namen bedeuten, daß die Gefährte ihren elektrischen Betrieb nicht durch Akkumulatoren erhalten, sondern durch eine Dynamomaschine, ine ihrerseits wieder durch einen Benzin- oder Petroleummotor be­trieben lucrbeu. Der neue Omnibus zeichnet sich durch den bei ihm zum ersten Male in dieser Weife ausgeführten Einbau der Anttiebsmotoren aus. Die Kraftübertragung geht, von einem. Benzinmotor mit vier Zylindern aus, gelangt zu einem Glerchi- stwuidynamo und dann zu zwei Antriebsmvtoren, die an Vmter- Widem ansetzen. Der Benzinmotor vvllfiihrt 1050 Umdrehungen in der Sekunde und leistet 30 Pferdestärken. Seine Hmdrehungs- welle liegt in de« Längsachse des Wagens. Für die Zündung sorgt wieder noch eine kleine Dynamomaschine. Der .vauptdynanw ist mit dem Motor durch eine biegsame Kuppelung verbunden und wirb durch einen Ventilator von der Rückseite ans kräftig ge­kühlt. Besonderer Bedacht ist. daraus genommen, daß felbst im! Kurzschluß keine Funken entstehen können mw,daß die Maschine bei jeder Belastung gleichmäßig arbeitet. Die Antriebsmotore bieten an sich nichts Neues, ihr Gewicht beträgt w 180 Mlo- gramm, die Steuerung des Wagens erfolgt teils durch den J.iotor. Die Bedienung geschieht durch einen seitlichen Steuerhebel nnd durch einen zweiten Hebel auf dem Lenkrad und außerdem durch einen Schalter für Fußtritt. Wenn sich diese neue,Konstruktion bewährt, wurde sie einen bedeutenden Fortschritt un Vergleich zn ber bisherigen Benutzung der Elektrizität für «Selbstfahrer

Eine Eidechse von 96 Meter Länge. Der nordamerikanifche Staat Whoming ist bekannt als eine Fnnd- arube für Fossilien aller Art; zahlreiche uub bedeutsame Funde, die uns manchen Vertreter der prähistorischen wrer- welt in meist recht gut erhaltenen Versteinerungen näher gebracht haben, sind in Wyoming gemacht worden. Von weit größerer Bedeutung als alle früheren Funde dürfte aber die kürzlich erfolgte Ausgrabung des Skeletts einer Ei­dechsenart von 96 Meter Lange sein, die einer Expedition der Wyoming-Staats llniversität gelang. Diese Eidechse ist zweifellos das größte bisher aufgesundene prähistorische Tier. Das Skelett ist sehr gut erhalten, es liegt am Abhänge eines Hügels, ganz in Schiefer eingebettet, und es scheint, als ob die Versteinerung der Knochen begonnen habe, ehe auch