Ausgabe 
6.8.1904
 
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lieber meine Ruhestätte, in bas Gotteshaus hinein

Strahlet bann am frühen Morgen Heller Lenzessömtenschei«, Eh' ber Hahn des Nachbarhauses froh .feilt Morgenlied Beginnt, Eh' ber Traum der Erdbewohner noch in eitel Dunst zerrinnt.

Wenn die Blumen wieberkehren, siehst Du Deine Tochter nicht Abends in dem Felde wandeln bei dem trauten Dämmerlicht; Wenn vom Hügelland herüber küble Sommerwinde weh'». Und ber Weizen und die Gerste üppig in dem Felde steh'n.

Mutter, lasse mich begrabe«, unter'm Weidenbaume dort, Und Tu wirst mich ost besuchest an dem abgelegnen Ort, Und ich will Dich nicht vergessen, höre Dich vorübergeh'n, Merk' wenn Deine leichten Füße über mir tnt Grase steh'n.

Ich war wild und eigensinnig, .doch Tu wirst mir jetzt verzeih'«. Willst Tu mir Vergebung .schenken und mich "küssen, Mütterlein? Nein, o nein, 'Tu sollst nicht weinen gräme Dich nicht wegen mir,

Hast ja noch 'ne anbre Tochter, unser Aennchen bleibet Dir!

Wenn ich .darf, ,so komm' ich wieder von dem stillen Ruheort, Kanu ich auch nicht mit Dir sprechen, höre ich doch .jedes Wort;

Glaubst Tu mich .in weiter Ferne, werd' ich liebend bei Dir steh'n. Unsichtbar wird Deine Tochter bann auf Dich herniederseh'n.

Gute Nacht, geliebte Mutter, .geh' ich ein zur letzten Rutz', Und sie tragen mich im Sarge meiner künft'gen Heimat zu, Soll mich Aennchen nicht besuchen, bis die Blumen blüh'« im Hai«,

Sie wird Dirne bess're Tochter als Dem wildes Lieschen sein!

Mein Geräte für den Garten hole ans der Kammer her. Laß' es unser Aenstchest nehmen, denn ich jäte nimmermehr;

Sag' ihr, sie soll Sorge tragen, haß ber Rosenstrauch gedeiht, 's war mein Liebling, wundervoller noch in hoffnungsfroher Zeit. Gute Nacht, geliebte Mutter, weck' mich vor des' Hahnes Schrei'«, Denn ich wach' die langen Nächte, aber morgens schlaf' ich ein. Und eh' mich ber Tod umarmet, Mutter möchte ich ftirwahr Noch einmal die Sonne sehen, über'm frohen neuen Jahr.

Elsa Strauß.

Mandersien aus der Kaiserstadl.

(Nachdruck verboten.)

Das Jubiläum einer Kabinettsordre. Der Mord im Stelzen­krug. Das Geschlecht Meister Balzer's.

Ter 4. August .ist diesmal ein Tag, dessen alle die mit be­sonderer Genugtuung gedenken sollten, die einmal nngerechter- weise auf ber Anklagebank gesessen ober unter einem falschen bösen. Verdacht gestanden haben. Es ist nämlich der 150. Jahres­tag jener erlösenden Kabinettsordre des großen Preußenkömgs, die die Mschaffung der Tortur gänzlich und für alle Zeiten beseitigte. .Schon bei seinem Regierungsantritte hatte Fried­rich II. die Anwendung der Folter nach Möglichkeit zu beschränken besohle«. Sie sollte nur noch gestattet werden bei Majestäts­beleidigung und Landesverrat, sowie bei großen Mordtaten, bei denen viele Mensche« ums Leben gebracht oder viele Verbrecher, deren Zusammengehörigkeit bewiesen werden müsse, beteiligt seien, während man im übrigen Deutschland noch schrankenlos weiter sortsuhr, ungefüge Zungen durch diese teuflische, aller Vernunft Hohn sprechende Henkermethode zum Spreche« zu bringen. Ein Berliner Mord war es, dessen Prozeßverlaitf ben König bewog, die Anwendung der Folter nunmehr ausnahmslos zu verbieten. ImStelzenkruge" am Alexanderplatz hatte mau eine Witwe umgebracht und ein armer Kandidat, der bei ihr zu Miete wohnte war angeschuldigt worden, die Untat begangen zu haben, obgleich sein Leumund der denkbar beste mar. Ei« paar ver­dächtigende Zufälligkeiten genügten jedoch dem Richter, .die An­klage zu erheben und den armen Sünder, der sich zu einem Geständnis nicht herbeilassen wollte, der alles ans Licht bringen­de« Tortur zu unterwerfen. Ein glänzender Erfolg, wie ihn das untrügliche Verfahren noch immer gezeitigt hatte, belohnte den Gestrengen: Ter Jnkulpat legte nach den weise verordneten Daumenschrauben und anderen netten Hilfsmittelche« derzeitiger Justiz ein umfassendes Geständnis ab. Aber die Freunde des braven Kandidaten, die von der Redlichkeit desselben fest.über­zeugt waren, .schlugen Lärm und wandten sich an den Groß- kanzler von Coceeji mit der Bitte um ein neues eingehenderes Verfahren. Und bei diesem stellte es sich alsbald heraus, daß der arme Sündenbock wirklich völlig unschuldig war und hur durch .die ungeheuerliche« Qualen der Tortur und aus Augst vor wetteren Steigerungen sich bewogen gefühlt hatte, ein Ver­brechen emzugestehn, an dem er so wenig teil hatte, wie ein neu- geborenes Kind. .Ter Großkanzler berichtete über diesen krassen " - WIpA an den König und infolge seiner klaren, von echt menschlichem Geiste durchwehten Darstelluiig erließ Friedrich jene Kabmettsordre vom 4. August 1754, die der ebenso schändlichen

wie bornierten Justizgrausamkeit für immer ein Ende machte. Wenn man weiß, wie lange es gedauert hat, ehe andere Staaten diesem guten Beispiel gefolgt sind, so kann man nicht umhin, dem großen König für diese Maßregel, die unserem modernen Empfinden so selbstverständlich erscheint, auch heute noch herz­lich .zu huldigen. Ach, es finden sich blutige Blätter in den Büchern der Geschichte; die unsere mittelalterlichen Chroniken­schreiber oft mit naiver Gewissenhaftigkeit und zuftiedenem Be­hagen, oft auch mit leisen Zweifeln über Recht und Unrecht jener Tage versaßt haben. .Das Gebiet der Zauberei und des Hexen- Unsinns, das in früheren Zeiten von gewisser Seite wie ein schönes, .ftuchtbares Ackerland gar sorgsam gehegt und gepflegt wurde, ist eigentlich nichts weiter als ein großer Kirchhof für viele tausend Justizmorde, .an denen sich eine verblendete Zeit in allen ihren Ständen nicht genug tun konnte. Und auch die Geschichte der Stadt Berlin berichtet von sy manchenhochnotpeinlichen Fällen", in denen der Henker mit Streckleitern, spanischen ©tie«< fein, glühenden Zangen und anderem mehr, .zur Ehre der Wahr­heit und nicht umsonst gearbeitet. Der Prozeß gegen den Münzjuden Joachim's II. läßt darin schreckliche Einblicke tun. Joachims Nachfolger Johann Georg, der auch der Geliebten seines Vaters, perschönen Gießerin" ein so grausames Ende bereitete; hatte auf Lippold, .den selbst die eigenen Glaubensbrüder an- klagien, einen besonderen Haß geworfen. Gleich bei seinem Regierungsantritte ließ er eine Wache in Lippold's Hans in der Stralaner Straße legen, damit derMünzjude" sich der Unter­suchung nicht durch die Flucht entziehe« könne. Aber trotz aller Strenge und Findigkeit ließ sich ein Vorgehen ober eine Betrügerei in den Aemtern, .mit denen Lippold von Joachim betraut worden war, nicht ermitteln. Nur die wucherischen Schuldverschreibungen des damaligen vornehmen Berlins in Lip- polds Händen, erbrachten Beiweise für seinen ausgedehnten Wucher­handel, der zweifellos als Quelle seines großen Reichtums an­gesehen werden muß. Tas genügte jedoch nicht, den Verhassten zu verderben. Da sand sich ein Narr oder Schurke, der gehört haben wollte, wie Lippold's schöne Frau dem Gatten im Ge­fängnisse Vorwürfe über sein Zauberbuch und seine Wirkungen gemacht habe. Daraufhin wurdepeinlich" wider ihn verfahrest undMeister Balzer" bekam ihn in seine eisernen Finger. Meister Balzer" war nämlich 'Scharfrichter in Berlin, und berühmt wegen der Variationen, die er in der Folterkunst aus freier Erfindung .zum besten gab. Er erhielt denn auch eine be­sondere Belobigung vom Gerichtshöfe, als es seiner Tätigkeit' gelungen war, den bösen Zauberkünstler zu allen Geständnissen willfährig zu machen. .Zwar zeigte der weitere Verlauf des Prozesses; .Zeugenaussagen, .Dokumente usw. das typische Bild der Verworrenheit und Unwahrheit jener erpreßten Bekenntnisse. Aber trotz alledem war es um Lippold geschehen. Am Mittwoch vor Fastnacht 1573 erfüllte sich sein grausiges Geschick. Nach öffentlichem Widerrufe seiner Geständnisse mürbe er aufs.Neue an Meister Balzer ausgeliefert und alsbald mit ben ausgesuchtesten Martern hingerichtet. Tie Scheußlichkeit derselben will ich dem Leser ersparen, .denn ich habe diese Plauderei, bei der einem der Humor wohl vergehen kann, nicht im Interesse des Geschlechts Balzer geschrieben, sondern zu Ehren jenes großen Königs, berdem blutigen Handwerk dieser kaltblütigen Zunft endlich ein Ende machte! A. R.

Rösselsprung.

(Nachdruck verboten).

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(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Magischen Zahlenquadrats in vor. Nr,:

15 26 22 27

29 2 0 24 17

28 21 25 16

18 23 29 30

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schm Universitäts-Buch- und Cteindruckerei. R. Lange, Giesen.