Ausgabe 
18.4.1903
 
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ftßöcn konnte.

Nu, nein, gewiß nicht", sagte sie mit Hellem Erstaunen und Heftigkeit.Die Sachen sind 'runtergerissen worden und man hat drauf 'rumgetrampelt und alle meine Kleider durcheinander geworfen. Ei, glauben Sie denn, Srr ,_ fuhr sie mit großen Augen fort, , daß der Dieb selbst da drinnen gewesen ist?" Und sie blickte wieder auf chre Besen, chre Eimer und Kleider mit einer Mischung von Bestürzung, Furcht und Ehrerbietung. , .

Nun, jemand ist jedenfalls drrn gewesen, das ist et-, sichtlich, nicht?" sagte er gutgelaunt.

Und er entschied bet sich selbst, daß der gewandte Dieb die Hintertür nur zum Schein laut geöffnet und wieder zugeschlagen und sich in dem Schranke versteckt hatte, bis er sicher entwischen konnte.

Vermutlich haben Sie ihn nicht zufällig heute morgen gesehen?" fuhr er in scherzendem Tone fort.

8 ,Gesehen? Den Dieb? Gott, nem, Sir. Wenn er int Lause gewesen ist, muß er sich rasch aus dem Staube ge­macht haben, denn ich kam fast so früh wie der Herr herunter. Und 'gewiß war da hier niemand werter zu sehen, als er Unb Zie"ärmI1u^e"Dame war, wie ich fürchte, über den ^^Jenun^wi^Md nun schon an diese Geschichten ge­wöhnt", antwortete Meg philosophisch.Miß Nell sah sehr blaß und wie ohnmächtig aus, und das arme Ding zitterte über und über, als sie von dem Tumulte horte. Da hieß sie der Herr sich zu Oberstens aufmachen, um dort, bis er nach ihr schickte, zu bleiben."

Zum Oberst? Und wer ist denn der Oberst?'

O, ein alter Herr, der hier m der Nahe an der Courtsstairsstraße wohnt. Miß Nell tragt ihnen die Milch, frisch von der Kuh, jeden Morgen uno Abend hrnuber

O", bemerkte der Detektiv höchst befriedigt, die Quelle von Megs Geschwätzigkeit angezapst zu haben. »Jchhatte gedacht, daß sie dazu eine zu ferne Dame wäre, Errre Miß I Wpff "

Nun, sie würde es auch für niemand sonst tun", er­widerte Meg im Eifer, ihre Gebieterin zu verteidigenDer Oberst und seine Tochter sind aber wirklich von Adel, nur daß sie arm, ja sehr arm sind. Und sie halten sich keme Dien tboteu, und Miß Theodora versieht selbst alle Arbeit Und dann ist sie, sehen Sie wohl, gegen Miß Nell auch ehr gütig gewesen und hat ihr Lehrer für eine feine Erziehung verschafft und fürs Französische und fürs Klavier und darum scheint nun Miß Nell nicht genug für sie tun zu können. Und daher, Sir, kommt es. Ich würde bie Milch gern selbst 'nüber tragen, oder wir könnten dazu auch einen Zungen dran kriegen. Miß Nell besteht aber drauf, es lieber selbst

Mr Geheimpolizist war im Begriff, Meg weiter aus­zufragen, als die Stimme des Gastwirts ihn daran hm derte, der von ihr zu wissen verlangte, warum das Fruhswa . nicht fertig wäre. Und sehr zu seinem Leidwesen fand er beim nächsten Zusammentreffen mit ihr, daß das Gift des Verdachts von ihrem Herrn eingeflogt »voroen ; war und sie sich nicht länger mitteilsam zeigte..

Als er daher diese Auskunftsquelle versiegt sah, schickte

Als er durch die Tür, durch die er das Haus verlassen batte, in dieses wieder zurückkehrte, bemerkte er bei dem lebt lichteren Tage, daß unmittelbar gegenüber unter der Treppe ein großer Schrank stand. Er öffnete dessen Tur, die nicht verschlossen war, und fand, daß die darin besmd- lichen Gegenstände in einiger Unordnung waren. Er wartete hier, bis Meg, die Magd, ihre Besen daraus zu holen kam.

Das Mädchen fuhr bei seinem Anblick mit einem ver­drießlichen Ausruf zurück. i

Sie brauchen nicht über mich zu erschrecken",,sagte er ruhig.Ich wünsche nichts weiter, als daß Sie mir, sagen, ob sich hier alles in demselben Zustande befindet, in dem Sie den Schrank zuletzt verlassen haben."

Es hatte nur einiger Augenblicke bedurft, damit er sich überzeugte, daß dies nicht die Frau war, die er suchte. Stark, breit, plumper Bewegung und schweren Tritts, hatte die derbe Gestalt vor ihm nichts von der Geschwindigkeit der Diebin, die er verfolgte. Er besaß genug Erfahrung, um zu Wissen, daß man Leuten ihres Schlages gegenüber ein völlig vertrauenerweckendes Wesen anzunehmen habe, und es bedurfte nur weniger Minuten, damit sie ihre Selbst­beherrschung zurückgewonnen hatte und ihm verständig Rede

noch immer in seiner Gewalt hatte, an der ro en Glut zu erkennen. Einen Augenblick in ihren rasenden Austreng- unaen, sich zu befreien, innehaltend, brachte sie es zu Wege, veii stund er mit der umklammerten Hand zu erfassen, ein schmerzliches Stöhnen ausstoßend, als die glühende Spitze ihr dabei in die innere Handfläche drang, nächsten Augenblick hatte sie sich mit einer geschickten Drehung los-

Das'Nächste, dessen sich der Polizist bewußt wurde, war ein Schall, wie der eines Falles, am Fuße der Treppe, dann wurde die Hintertür des Hauses geöffnet und nut Hin em Puffe wieder geschlossen.

Neuntes Kapitel.

Tas Mal in der Hand.

. Gut", sagte der andere in versöhnlichem Tone.Ich wün'"ck>e sicherlich nicht, den Damen beschwerlich zu fallen. Wenn sie mir aber nur einige Fragen beantworten, werden sie und auch Sie mir behilflich sein. Denn ich bin überzeugt daß sich diese Gerüchte nicht auf Jhreii Wunsch verbreitet Haben, und Sie sehr froh sein werden, wenn Sie nichts tntI^,$em' fei? wie ihm wolle", sagte George.Ich mag aber keine Kreuzverhöre hier haben, die sie alle Maisch machen. Und übrigens sind fie inzwischen auch alle aus und überden Platz hin zerstreut. Und wenn Sie sie sprechen wollen, so mögen Sie sie nur suchen/ rturiirrfHa

Der Detektiv nahm die Unverschämtheit des Gastwirts sehr ruhig auf. Sich des Vorfalls mit dem Zündhölzchen erinnernd, konnte er heimlich bei dem Gedanken lachen, daß er den Leitfaden, von dem Claris nichts wußte, tu $änj?n%ret Hand muß ein Brandmal sein", dachte er bei sich selbst,das noch lange zu sehen sem wird.

Sein eigenes Mißgeschick und die Gewandtheit und Fuß- sämelliakttt seines Flüchtlings verfluchend,, eilte,der Detek­tiv die' Treppe hinab und stürzte zur Hintertür hinaus, I gerade als er die Stimme des Gastwirts horte, der von oben su wissen verlangte, was es denn gäbe. I

Mm war -8 inzwischen h-ll ff/Sbefoc tune sich,'Lk « nn-İtk,m wLe.''L SS Ä pr verfolgte völlig verschwunden war, ohne irgend eine | enur su hinterlassen. Zwischen die Kohlstrunke hinfahrend, I Mtte er einen weiten Ausblick über die Felder und über e rfpinpn ft-üifi hinweg. Aber es war fein Geräusch, fein I Rascheln von Röcken, das ihm bei seiner Nachstellung be-

Mng^vorsichtig um das Haus herum, ^nächst die Türen ^er^Nebenbaulichkeiten untersuchend und forschend .a Winkeln und Ecken spähend, in denen der Dieb Der- I PtPrft Ueaen konnte. Was das Haus selbst betraf,,so waren die unteren Fenster durch Lüden geschützt und zeigten kein I IlÄW-t »" !'- «'»*'Vlä- Ä bie W-id-ltü- sich-- ««'1,' £ S

hnnn nnef. einer Gruppe von Hutten, die in oer ocui-e Men und ragte einen Arbeiter, der eben eine verlassen wollte 'um an die Arbeit zu gehen ob er innerhalb der letzten' Minuten jemand in der Nahe gesehen hatt . |

MN befestigt gewesen n>ar, sich jetzt an einem Pfahl des jenseitigen Ufers gebunden zeigte. Er hatte dieses gerade bemerkt, als der Gastwirt h-rauskam. Er sah 'sehr mürrisch aus und ging auf den angeblichen Geschäftsreisenden in

"S'N Aber hi-- «11,8 zu »,st uu-, E-st gekehrt hat, wie? Und weshalb dieses alles? Das ist, was icb wissen möchte. Warum dieses alles?

Sie werden es zu rechter Zeit schon erfahren sagte' der Geheimpolizist trocken.Ich wünsche, wenn es gefällig ist, das Weibsvolk in Ihrem Hause zu sehen-Damen und alles Ich glaube doch, daß Sie wissen, weshalb ich gäinS bUi/ Ich möchte mcht. mehr Unruhe ^«eu, » ÄT.* Claris trotzig.Ich will aber niemand durch Sie in seiner