Nr. io Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)_________Dienstag, 15. Zanuar 1925
Jur Regierungsbildung in Hessen.
(Don unserer Darmstädter Redaktion.)
2lm 6. Januar teilte die amtliche -®5.rn?e flädter Zeitung" mit. bah eine weitgehende E'.m- gung unter den Koalitionsparteien des Landtags erzielt worden sei. Am 9. Januar fano» nun eine Aussprache statt, in der die letzten Abmachungen über die Regierungsbildung vollzogen werden sollten. Inzwischen war bereits bekannt geworden, daß die „weitgehende Ermgung einer anderen Stimmung Platz gemacht hatte. 2n ihrer Samslag-Rummer muhte das Regierungsorgan notgedrungen von erner „ötodung" der Verhandlungen berrchtcn. Cs teilt ferner recht lakonisch mit: „Den Anlah dazu gaben etwa erforderliche Maßnahmen zum Ausgleich des Dl-dg.'ts. Die Zentrumsvertreter hielten diese ohne eine Verbreiterung der Koalition nach rechts für schwer tragbar. Die Koalitions- Verbreiterung wurde jedoch von den Sozialdemokraten und den Demokraten aügelehnt. Damit waren die Verhandlungen auf einen toten Punkt angetrmmcn und wurden unterbrochen, da die Zentrumsvertreter erklärten, erst ihre Fraktion hören zu müssen."
Die „Mahnahmen zum Ausgleich des Budgets" führen Gerüchte auf einen Fehlbetrag im hessischen Staatshaushalt von 14 Millionen Mark zurück' ob die angegebene Höhe zutreffend ist, steht noch dahin, jedenfalls dürfte der FehLctrag beträchtlich sein.
Zu Beginn des neuen Jahres hat die Z e n - trumsfr aktion des Hess. Landtags eine Sitzung abgehalten, in der als Richtlinie für die Politik der Partei, eine Erweiterung der Koalition nach rechts feftgelegt wurde. Diese Politik dars man als das objektive Ergebnis von Feststellungen über die Stimmung unter den Anhängern des Zentrums betrachten. Inzwischen ist diese Stimmung nicht unwesentlich verstärkt worden, durch die Tagung des Hess. Bauernvereins am 5. Januar, während der Hess. Landw. Woche in Darmstadt. In dem Hess. Bauernverein sind die bäuerlichen Zentrumsanhänger Hessens organisiert' aus dem Munde zahlreicher Mitglieder dieser Vereinigung konnte man bei dieser Gelegenheit ein» scharfe Abneigung gegen die Sozialdemokratie vernehmen. Die Zentrumsbauern w'ttern in der Sozialdemokratie ihre schärfsten Widersacher und wollen von einem Zusammengehen mit ihr in der Regierung nichts wissen. Schon die Tatsache, dah man sich Dr Schlittenbauer als Redner verschrieben hatte (der aber am Erscheinen verhindert war) deutet darauf hin, dah man in diesen Zentrumskreisen der bayrischen Auffassung über die Sozialdemokratie ncrhesteht. Auch die katholischen Gewerkschaften zeigen unverhohlen ihre Abneigung gegen die Sozialdemokratie. Wie es heiht, wird von d efen beiden Seiten die Politik der Landtagsfraktion des Zentrums zu bestimmen versucht.
Es ist sehr wahrscheinlich, daß hier der Angelpunkt liegt von dem aus die hessische Politik in der nächsten Zeit bestimmt wird. Gelingt es den hier bezeichneten Kreisen, ihre Anschauungen durchzusetzen, so wird das Zentrum nach rechts gedrängt und die bisherige Koalition hat ausgehört. Daß die »Maßnahmen zum Ausgleich des Budgets", wie im Regierungsorgan das Des zit so schön umschrieben wird, jetzt vom Zentrum dazu benutzt w rdrn, um die Partei von der Koalition zu lösen, läßt darauf schließen, daß vorläufig die Zentrumsfraktion unter dem Einfluß landwirtschaftlicher und gewerkschaftlicher Krese wohl ernsthaft bemüht ist, sich nicht ohne weiteres dem W:llei der Sozialdemokratie und der Demokratie zu fügen. Aber noch weh man nicht, was sie zu tun gedenkt, wenn die beiden Linksparteien auf ihrer Abneigunz einer
Koalitionsverbreiterung nach rechts verharren. Die nächsten Tage werden deshalb für d e hessische Politik wichtige Entscheidungen bringen.
Der Nauheimer Badebetrieb eine Abt.-Ges.?
7- D a d - R a u h e i m, 12. Ian. Seit einiger Zeit geht hier ein Gerücht um, wonach der hessische Staat sich mit der Absicht trage das Bad und die hiesigen Staatsbetrreoe tn eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Es heiht sogar, die Verträge würden schon fertig ausgearbeitet vorliegen und brauchten nur unterzeichnet zu werden. Was an der Sache Wahres ist. läßt sich jetzt noch nicht sagen. Wer Bad- Rauheim und die Eigenart des Bades wirklich kennt, hält die Umwandlung nicht für möglich und kann daher dem Gerücht zunächst noch tetnen Glauben schenken. Er kann aber auch die Aufregung und Unruhe verstehen, die sich der hiesigen Bürgerschaft bemächtigt hat, nachdem sie von dem „Plane" Kenntnis erhielt. Die »Bao- Rauheirner Zeitung" bringt in ihrer heutigen Rümmer ein ..Eingesanot'. das in der Angelegenheit eine Anfrage an die Bade- und Kurverwaltung richtet und um eine offene Erklärung zwecks Beruhigung der stark erregten Gemüter bittet. Aus die Antwort wird nicht nur die vom Bad abhängige hiesige Bevölkerung, sondern auch jeder Hesse gespannt fein. Man nimmt an, daß auch die morgige Stadtverordnetenversammlung zu der Angelegenheit Stellung nimmt. Da das Gerücht nun aber einmal um läuft, soll hier kurz der Standpunkt vertreten werden, den die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung zu der Frage einnimmt. Man betrachtet eine etwaige Urnwarü>lung als eine Gefähr - dungderstetigenWeiterentwicklung unseres Bades. Diele gehen sogar noch weiter und sagen, der Uebergang in eine Aktien- geselllchafl bedeutet der Anfang des Rieder- gangs unseres Bades. Es würde gegen alle neuzeitlichen Forderungen verstoßen, wenn man diesen Staatsbetrieb, den der hessische Staat unter Auswendung hoher Opfer in vorbildlicher Weise zu einem leistungsfähigen Unternehmen aus- gebaut und eingerichtet hat. nun einigen Kapitalisten in die Hand gegeben würde. Wenn diese Umwandlung bei anderen Dadebetrieben. etwa bei Bad Homburg, vollzogen worden ist, so kann man das noch verstehen, denn hier hat es sich um unrentable Einrichtungen gehanoelt, deren Weiterbestehen durch den Uebergang in eine Aktiengesellschaft gesichert wurde. Unser Bad ist aber in jeder Beziehung rentabel. Es hat auch im letzten Jahre, wie man hört, mit ganz beträchtlichem Ueberschuß gearbeitet, trotzdem zuletzt noch größere Arbeiten vorgenommen worden sind, deren Ausführung vielleicht nicht gerade im Bereich der dringendsten Rotwendigkeit lag. Die Bevölkerung befürchtet von einer Umwandlung das Schlimmste. Wer würde ihr auch bürgen für den Fortbestand ihrer Rechte. die sie feit altersher an den Einrichtungen des Bades (Park usw.) hat? Und was kann aus den staatlichen Arbeitern und Beamten werden? Würde eine Aktiengefellschaft an dem vom Staate stets vertretenen Grundsatz, daß die heilkräftigen Quellen auch dem Aermsten und Unbemittelsten zugänglich bleiben müssen, immer festhalten können? Könnte schließlich eine äu stark aufs Geschäftliche eingestellte Inanspruchnahme des Bades in nicht zu ferner Zukunft den Fortbestand der Heilmittel gefährden? Das sind Fragen, die man heute in Bad-Rauheim hört. Wenn man in der allgemeinen Erregung sicherlich auch hier und da allzu schwarz sieht, ein berechtigter Kern liegt aber den Befürchtungen zugrunde. Der Rauheimer wünscht daher den Verbleib des Bades beim Staate, aber auch die hessischen Staatsbürger werden sich in ihrer Mehrheit diesem Wunsche anschliehen, besonders wenn sie erfahren haben, daß es sich
hier um durchaus rentable Betriebe handelt, die ein Kapital darstellen, das mit jedem Jahre höhere Zinsen abwerfen wird. Die Dergesell- schaslung unserer Bahnen ist vielen schon schmerzlich. Aber dabei lag ein hartes Muß vor. Warum soll nun ein Staatsbetrieb, der sich in jeder Beziehung bewährt hat. ohne weiteres in die Hände einer Gesellschaft übergehen, ohne dah nur das geringste Muß vorliegt? Sollte die Absicht der Umwandlung wirklich bestehen, das Gerücht also Recht behalten, bann muß man natürlich auch erst die Gründe des Staates hören, bevor man zu einer endgültigen Ablehnung kommt. Was hier ein Laie zu der Sache geäußert hat. deckt sich mit der allgemeinen Volksmeinung und geht von der rein menschlichen Erwägung aus. daß ein Heilbad nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch ideellen Zwecken dienstbar zu machen ist. Die ideellen Ausgaben unseres Staatsbades kann aber niemand besser lösen als der Staat. Von dieser ileberlcgung aus sei daher nochmals der eingangs geäußerte Wunsch wiederholt: Möge das Gerücht, das umläuft, sich nicht bewahrheiten!
Kirche und Schule.
Die Hauptversammlung der Hessischen (Evangelischen Vereinigung (Friedberger Konserenz)
sand am 9. Januar unter Leitung von Professor Lampas (Friedberg) in Frankfurt a. M. statt und war außerordentlich zahlreich besucht. Die Eröffnung geschah durch Pfarrer D. Waitz (Darmstadt). Bei der darauffolgenden Vorst andswahl wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder wiedergewählt; neugewählt wurden .Landgerichtsprä,ident Reuen Hagen (Gießen) und Frau Dr. Lambert (Rieder-Ingelheim). beide Abgeordnete des Lanbeskirchentages. Kirchenrat S t r a ck (Gießen), der wegen seines hohen Alters eine Wiederwahl abgelehnt hatte, wurde einstimmig zum Ehrenmitglied der Vereinigung gewählt. Den Rechnungsbericht erstattete ötubienrat Professor Werner (Friedberg). Der Vorsitzende, Professor Lampas, gab einen sehr ausführlichen Jahresbericht über die Tätigkeit der Vereinigung im abgelaufenen Jahre, an den sich eine lange Aussprache über die Lage der Hessischen Evangelischen Landeskirche anschloß. Berührt wurde u. a. die kirchliche Finanzlage, die Mitwirkung und Stellung der Vereinigung bei der Wahl des Prälaten, die theologilche Fakuftätsfrage bei der Landesuniversität Gießen, die Reubesetzung der frei- gewordenen Superintendentur Oberhessen. Rach einer Mittagspause folgten die beiden vorgesehenen Vorträge. Lehrer Dollinger (Alsfeld) sprach vom Standpunkte des Schulmannes aus über „D i e kir chliche Aufsicht über den Religionsunterricht der Schule" und betonte, daß grundlegend für die Beurteilung der Frage der § 149 der Reichsversassung sei. Pfarrer Knodt (Wünpsen) behandelte darauf in tiefgründiger Weise das sehr aktuelle Thema „Kirche und Gemeinschaft" und verstand es, in vortrefflicher Weise wertvolle Winke für die gemeindliche Praxis zu geben. Beide Vorträge, welche auf bemerkenswerter Höhe standen, lösten eine außerordentlich fruchtbare Aussprache aus. Mit Dankesworten an die Vortragenden und die Zuhörer schloß der Vorsitzende die sehr anregend verlaufene Versammlung und gab der Hoffnung Ausdruck, dah die Verhandlungen des noch im Laufe des Monats zusammentretenden Lanbeskirchentags im Sinne bet Grundsätze der Vereinigung geführt werden möchten. Bemerkt sei noch, daß im Laufe des Jahres Bezirksversammlungen in den drei Provinzen gehalten werden. wg.
Von unserem y-Mitarbeiter wird uns hierzu ergänzend gemeldet, daß mit Bezug auf den Vortrag von Lehrer Dollinger (Alsfeld) einstimmig folgende Enkschließu n g an-
genommen wurde: „Die Hessische Evangelische Vereinigung hält eine Abänderung der von dem Staat erlassenen Vorschrift betr. Ueberwachung des Religionsunterrichts, die ohne Mitwirkung der ev. Kirche und der Lehrerschaft zustande kam, für notwendig, und zwar in der Richtung hin. daß den berechtigten Forderungen sowohl der Lehrerfchast als auch der Kirche gemäß den Bestimmungen der Reichs- und Kirchenverfassung Genüge geschieht. Sie fordert ihre in Kirchen- unb Schulamt stehenben Mitglieber auf, Arbeitsgemeinschaften zur Pflege vertrauensvoller Betätigung zwischen Pfarrer- und Lehrerschaft zu bilden."
Dorfkirchcutaguug.
* Alsfeld, 12. Ian. Heute fand hier die erste Dorskirchentagung sür das nördliche Ober Hessen statt. Die von Pfarrer Georgi- Ermenrod einberufene Versammlung war glanzend besucht. Es mögen wohl 103 Teilnehmer (Pfarrer und Lehrer) g.w sen fein, die den Saal der „Erholung" füllten. Prälat D. Dr. Diehl war ebenfalls anwesend und beteiligte sich lebhaft an der Aussprache. (Ein ausführlicher Berrcht über die Verhandlungen folgt.)
y. Allendors a d. L u in b a. 11 Januar Heute wurde im festlichen Gottesdienste, an dem sich die ganze Gemeinde beteiligte, der neue Geistliche, Pfarrer Andres, seither in Deckenbach, im Aus trage der Kirch nrogierung von Dekan« G u h m a n n - Kirchberg in feinen Dienst eingeführt. Die Feier war von drei mehrstimmigen. pafieno ausgewähllcn und gut vorgetragenen Mädch nchören unter Leitung von Lehrer S t r a ck - Allendorf umrahmt.
Wirtschaft.
Die Tarifpolitik der Ncichsdahn- Gesellschaft.
Generaldirektor Oeser äußerle sich bei einem Presseempsang in bemerkenswerter Weise über die Tarif Politik der Reichsbahn-Gesellschaft. Er sagte u. a.: Die Güterklassh- fikation ist verändert worden. Es ist angcoronct, daß eine Rachprüfung erfolgt, die schon im Gange ist. ob diese Klassifikation unter den jetzigen Verhältnissen zutreffend bleibt, ober ob da und dort Erleichterungen gegeben werden können. Dann ist aber eine Ursache von noch größerer Bedeutung, das ist die Einführung der Staffeltarife. Die Staffeltarife find von der Wirtschaft schon lange erstrebt worden. Solange wir aber Staatsbahnen hatten, konnten sie nicht eingeführt werden, denn jedes Land rechnet sich aus, daß die Tarife für seine Verhältnisse ungünstig waren. Dagegen wurden sie gewünscht, um ungünstige Derkehrsstanborte von Industrien aufzubessern und die an ber Peripherie gelegenen Reichsteile an den Verkehr anzuschließen. also das ganz abgeschlossen liegende Ostpreußen, Bayern, Württemberg usw. Die Staffeltarife beruhen darauf, daß unsere Transporte um fo billiger werden, je länger sie anbauern, b. h. je längere Strecken sie durchmessen. Um nun einen Ausgleich für den sehr starken Ausfall ber Staffeltarife herbeizuführen, war es notwendig, die nahen Entfernungen höher zu belasten, also im wesentlichen die günstig gelegenen Stammorte, vor allen Dingen die Bezirke, die inmitten des Reiches lagen und deren Verkehr nicht so weite Strecken zu durchlaufen hatte. Dadurch ist eine vollständige Dergleichsunmöglichkeit der Tarife geschaffen worden, soweit sie allgemeiner Ratur sind. Dann kommt hinzu, daß während des Krieges eine Verkehrssteuer eingeführt worden ist, eine Verkehrssteuer, die uns zunächst mit 250 Millionen der Entente gegenüber belastet, auf die Dauer aber mit 290 Millionen. Diese Verkehrssteuer beträgt T Prozent für Guter und 10 bis 16 Pi ozent für Personen: 10 12, 14, 16 Prozent nach den vier Klassen Wenn
Dietz-Lbzard.
Ausstellung des Oberhessischen knnst- vercins.
Im Turmhaus am Brand ist eine Kollektivausstellung von Dietz-Edzard- München eingerichtet. die reges Interesse verdient.
Eine Unzahl von Graphiken verraten eine gediegene Kultur des Striches. Ueberall herrscht Körpestsichteit. nicht rein referierend, sondern nur umreihenb hält er Wesentlichstes mit dünnen Linien zusammen. Bei den großen Russen Desto j e w s k y und Gogol findet er den Stoff für feinen Stift Weniger als Illustrator. Mehr fo nebenbei entstehen da Gesichter: Aus den Kara- masosfs, ber Sanften, bem schwachen Herz. Ober aus Gogol Wij
Hier interessiert nicht photographische Treue, nicht Milieu, nicht mbioibuellc Charakterisierung. Aus übettounbenem Realismus warb, von Gläubigkeit an bas Werl durchbrungen, ein Reigen von seltsamen, erbhaft gebunbenen Gestalten, von jener Leichtigkeit belebt, die aus gotischen Bezirken flammt. So befonbers ein Oelbilb: „Knienber Mensch", bas Ehrlichkeit bes Materials und Kenntnis des Handwerkszeuges offenbart.
In vielfachen Variationen kehrt das Thema Muter und Kind wieder. Hier ist bei aller Freude an ruhigem Fluß ber Linie unb bem Rhythmus ber Komposition eine starke Frömmigkeit spürbar, die manche der Bilder ins Madonnenhafte
^Grotz gewollt, von starkem Ethos erfüllt, ist eine „Offenbarung", auf ragend in prophetische Verkündung droht sie jedoch die Grenzen der Malerei zu sprengen.
Dietz-Edzards Kunst geht eigene Wege. Sie I weist nach innen und strebt nach oben, ohne dabei die Fühlung mit bem Doben zu verlieren. Es ist bem Oberhessischen Kunstverein dankbar zu bestätigen, daß er sich mit der Ausstellung dieses Münchner Meisters von europäischem Ruf ein Verdienst erworben hat. e—s.
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Frankfurter Neues Theater.
Rundfunk auf ber Bühne. Das könnte falsche Vorstellungen geben, vorderhand unb hoffentlich auch in Zukunft handelt es sich um einen neuen Schwank, der in humoristischen Situationen das Radio dramatisch zu materialisieren versucht. Die Herren Max Reimann, ber frühere Mtt- bireftor des Reuen Theaters, jetzt in Rürnberg Leiter des Intimen Theaters, und Dr. Otto Schwartz sind die Autoren des breiaktigen Schwanks „Rundfunk", der feine Uraufführung in Frankfurt unter freundlichem Beifall erlebte. Die Idee ist recht humorvoll aufgemacht. Herr Ledermann (D^ttsedern unb Matratzen) ärgert sich über seinen Kompagnon, die Frau Schwalbe, die Schwindsucht an beit Hals. In Wirklichkeit ist es Ci'be, die von der hübschen Witwe ertr-ibert wirb. Lebermann merkt das aber, wie sich's in einem richtigen Schwank gehört, erst im letzten Akt. In den beiden andern Akten schimpft er über den von Frau Schwalbe während feiner Abwesenheit angeschafften Rundsunk- achparat, durch den seine Tochter einen Tenor- lieben und bann auch persönlich kennen gelernt hat. Ledermann hält den Tenor für den Bräutigam seiner Tellhaherin, und ist heilfroh, ihn zum Schlüsse mit seiner Tochter verheiraten zu I können. Wenn ber Vorhang fällt, sitzen Leder- I mann unb Frau Schwalbe beglückt am Radio, das
schöne Lied von ber Liebe Himmelsmacht in sich ausnehmend. Das Wesenlliche des aktuellen Stückes war die Darstellung, allen v'-ran der mit zwerchf llerschüttemder Komik ausg-statteteLebermann des Komikers W a 11 b u i g. Mik der Darstellung des Ledermann steht unb fällt ber Schwank, der nach bem zweiten Akt fo starken Beifall sand, dah die Autorensirma wiederholt sich bem Publikum zeigen mußte. L. W.
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Eine Hans-Thoma- Gedächlns- fe er in Frankfurt.
Ter Eröffnung einer Hons-Thoma-Grbächt- nis-Ausstellung im Frankfurter Kunstvercin ging eine überaus stimmungsvcl'e. vom Magistrat ber Stadt Frankfurt, bem Stäbelfchen Ä u n ff i n ft i t u t unb den künstlerischen Organisationen der Stadt veranstallete akademische Feier im Kaisersaal voraus. Die Klänge eines Beet- hovenschen Quartetts bUbeten einen feierlichen Auftakt und leiteten die ausbrucksvolle, ungemein liebeveil das Wesentliche des großen Meisters zusammenfassende Rede Stadtrats Meckbach Er charakterisierte mit geistiger Prägnanz und in cinbringl chen Zügen das W f n T omas ins incr Erkenntnis ber Ratur, seinem künstlerischen und menschlichen Ringen gegen bas Gelächter ber Verständnislosen unb sein Verharren im eigenen seelischen Schaffen. Es entrollte sich das geistige und künstlerische Bild eines ganz Großen im Reiche der Kunst, ein Bild, dem fein wesentlicher Charakterzug. keine bestimmende Linie versagt blieb unb das in der meisterlichen Art. in der es gezeichnet wurde, von nachhaltiger Wirkung sein dürfte. Es folgte der Landsmann des Toten, Alfred Auerbach, der in Thomas Mund
ort von der Seele und bem Herzen, unb aus den biographischen Schriften von ber Persönlichkeit des großen Schwarzwälders erzählte. Es ist für Frankfurt besonders erfreulich zu hören, daß hier, trotz anfänglicher Schwierigkeiten, seine glücklichsten Jahre verbrachte, dah er die Frankfurter Zeit, die er im Kreise feiner Lieben verleben durfte, solgendermahen empfindet: Gestern war es schön, heute ist es schön, morgen wird es wieder- schön sein! Und trotzdem hat man es ihm in Frankfurt nicht leicht gemacht. Thoma war einer unserer größten, aber auch einer unserer bescheidensten unb beseeltesten Künstler. In mozartischen Klängen schloß die schöne und in ihrer Schlichtheit bem Wesen des Meisters so glücklich angepahtv Feier.
Die A u s st e 1 l u n g feiner Werke, die meist aus Prioatbesitz zur Verfügung gestellt wurden, erstreckt sich über Städel, Knnstverein unb Haus Fürsteneck, wo interessantes biographisches Material jufammengetragen wurde. Besonders reichhaltig ist die Thomaausstellung des Kunstvereins, wo erlesene Stücke aus allen Schaffens- Perioden den gewaltigen Reichtum dieser begnadeten Künstlernatur in der bis zum maestoso gesteigerten Schlichtheit unb Innigkeit des Raturempfindens veranschaulichen. Tiefe Dankbarkeit erfüllt den fühlenden Betrachter, dah Thoma Vermittler war zwischen uns unb der Göttlichkeit ber Ratur. die wenige so zu sehen unb zu empfinden wußten wie ber einfache Bauerssohn aus Bernau, den die braufenbe Großstadt in Liebe unb Dankbarkeit nochmals gegrüßt hat unb die etwas von ihm, 25 Jahre seines Wirtens in ihren Mauern, für sich beansprucht unb als eine pietätvolle Erinnerung ber Unvergängltchkeit weiht. 2-
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