Ausgabe 
9.5.1925
 
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Nr. M Drittes Blatt

Samstag, 9. Mai 1925

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Die Zukunft Europas.

i Don The Ri. Hon. Philip Snowden, M. P., London, ehem. Schaykanzler.

Die wirtschafttichcn Verhältnisse Europas haben fid) in den letzten -Wölf Monaten zwüsek- los wesentlich gebessert. Der erfreulichste und ^gleich am meisten beachtenswerte Zug an dieser Besserung ist. daß sie stetig und fest im Charakter war und nicht unter heftigen Schwankungen und als Zufallserscheinung auftrat.

Die europäischen Daluten haben grobe Fortschritte in bezug auf Stetigkeit und innere WcrtslcigcrUng gemacht. Dalutenbewe­gung ist vielleicht das beste Barometer für Die Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse in der Dell. Legt man diesen Maßstab an. so muh man ohne weiteres zugeben, daß die Länder Europas aus dem Zustande eines akuten Fie­bers in dasjenige einer normalen Temperatur, wenn auch geschwächter Konstitution, zurück- gekehrt sind.

Stetigkeit der Währungen ist an­dererseits die wichtigste Grundlage für das Vertrauen i m Handel. Schwankt die Va­luta eine« Landes heftig von Tag zu Tag oder gar von Stunde, dann ist damit das Gefühl der Sicherheit im Handelsverkehr mit diesem Lande zerstört. Der Ausländer hält sich zurück, während im Inland jebermann sozusagen von einem Taumel erfaßt wird. Handel und Finanz werden zu einem Glücksspiel gemacht, die die Sicherheit der Industrie erst unterminiert.

Die Entwicklung Europas in den Jahren nach dem Waffenstillstand, seine verheerende In­flation. die entwertenden und schwankenden Wäh­rungen. die Ausfälle im Staatshaushalt und die ganze unsichere Struktur der Wirtschaft ist, wemi auch nicht völlig genesen, so doch auf gesündere Füße gestellt worden. Deutschland, Oesterreich. Ungarn, Polen und Rußland haben, wenn auch unter großen Schwierigkeiten, ihre Währungen siabllisiert und die neuen Währun­gen haben bisher ihre Stabilität gewahrt. Wir können augenblicklich keine Anzeichen irgendeines Rückschlages erkennen.

Man mag sich zum Dawes-Programm und zu seinem Erfolg stellen, wie man will, man wird kaum leugnen können, daß Der tat­sächliche Erfolg dieses Programms eines Ver­suches der Lösung der schwierigen Reparations­frage ein sehr wertvolles Mittel für den wirt­schaftlicher! und finanziellen Wiederaufbau MUtcleuropas gewesen ist.

Gleichwie vor dem Kriege ist heute noch immer Deutschland die Grundlage und der Angelpunkt des mitteleuropäischen Wirtschafts- kontplcxes. Ein blühendes, aufsteigendes Deutsch­land, das sich in einer stabilen Wirtschafts- cnttoidlung befindet, wird die umliegenden Ge­biete wieder beleben und deren Belebung wird sich wiederum in einer Besserung des Welt­handels fühlbar machen.

Die übermenschlichen Anstrengungen. die Deutfchlaird zum Ausstieg au« dein wirtschaft­lichen und finanziellen Chaos gemacht hat, in das es vor zwei Jahren gestürzt war, werden ttcherlich eines der anziehendsten und grofoartig- sten Kapitel der internationalen Finanzgefchrchte bilben. Da« Dawes-Programm wurde verwirk­licht. um den Prozeß der finanziellen Stabilt- sierung. der durch die Ausgabe der Rentenmark eingeleitet war. abzuschließen. Der Hauptvorteil, den Deutschland von der Aufstellung dieses Pro­gramms erfahren hat, ist die Sanierung seiner Währung und die damit erzielte Besserung deS Staatshaushaltes. Das Gefühl der Unsicherheit, das sich lähmend auf die deutsche Wirtschaft legte und auch im Wollhandel seinen verderblichen Einfluß spüren ließ, ist geschwunden. Die Last, die man Deutsch­land durch das Dawes-Programm aufcrlegt hat, ist gewiß schwer, aber sie ist nach Ansicht der berufensten Führer kein» so schwere, daß sie das Land nicht tragen könnte. Die im Pro­gramme vorgesehenen Iahreszahlungen ve langen einen Ausbau des deutschen Außen- geschältes. Falls Deutschland in der Lage ist, durch engere Geschäftsbeziehungen mit seinen Rachbarländern die notwendige Steigerung fei;-er Ausfuhr zu erzielen, so wird der Welthandel hiervon indirekt seinen Vorteil ziehen können.

Das große 'Werk des Völkerbundes, dir Verschaffung der Wiedcraufbauanleihr für Oesterreich und Ungarn hat nicht nur für diese Länder einen sehr erfreulichen und fegensreichen Einfluß gehabt, sondern ist auch der gesamten europäischen Wirtschaftslage zu­gute gekommen. In Ungarn besonders ist ein höchst beachtenswerter Umschwung zum Besseren zu verzeichnen. Der Staatshaushalt ist nahezu ausgeglichen. Der Außenhandel blüht und dir Eismbahnen haben sich in einem Maße gehoben, daß sie nunmehr rentable Unternehmungen zu werden versprecyen. In Oesterreich ist die Lage nicht ganz so günstig. Hier müssen größere interne Ersparnisse durchgesührt werden. Die Krone ist aber stabil geblieben und Oesterreich erfreut sich einer gewissen Blüte. Cs bedarf vielleicht eines größeren Zustromes von Kapital für den Ausbau der Industrie. Dies Kapital wird zweifellos einströmen, sobald das Ver­trauen in seine Stabilität und das Vertrauen in die Durchführung der internen Sparsamkeits­reformen im Auslände wächst.

Polen darf einen stolzen Platz im Range der europäischen Rationen, die ihren Kredit wieder hergestellt haben, einnehmen. Cs be­findet sich auf dem Wege zu wirtschaftlicher Erholung. Es gibt kaum einen Staat in Europa, der besser Aussichten für gesundr Handelsbeziehungen besitzt als Polen.

Das schwierigste und größte Problem des europäischen Wiederaufbaues ist aber Ruß­land. VeNrauenswerle Rachrichten über die wirlliche innere Lage dieses ungeheuren Gebietes sind schwer zu crßalten, llnglücklicherweise wird die Haltung der wesllichen Staaten vornehnrlich

durch politische Einflüsse, durch wirtfchaflliche Momente, wie die Ansprüche aus früheren Der- pflichtungen beeinflußt. Die Anstrengungen, die von feiten der West möchte zum Wiederaufbau Rußlands und zu einer Auseinandersetzung mit der russischen Regierung gemacht werden, sind gering. In der Zwischenzeit leidet Rußland, leidet Europa Die Entwicftungsmöglichkeitcn d^t russischen Marktes sind ungeheuer. Jedes Jahr, das verloren gebt, um mit Rußland wieder zu erträglichen Beziehungen zu kommen, kostet Europa im Ausfall feines Handels mehr, als irgendeine Summe, die die Gläubig:! irgend­wann alS Ersatz ihrer Ansprüche auS der Vor­kriegszeit zu erhalten hoffen können.

Die übrige Welt hat daS Recht, von Ruß­land die Anerkennung seiner früheren Schulden zu beanspruchen. Die Wiederher­stellung des Vertrauens ist die erste Grund­bedingung für Kreditgewährung. Rußland braucht Kredite ES wird der russischen Regierung lange noch große Anstrengungen kosten, dieses Vertrauen des internationalen Geldmarktes zu erringen. Rußland hat eS trotzdem ohne äußere Hilfe fertig gebracht, seine Währung zu stabili­sieren und auch ftabil zu erhalten. Das ist der erste Schritt zur Erzeugung einer Atmosphäre des Vertrauens. CS ist tatsächlich bedauerlich, daß keine größeren Anstrengungen gemacht wer­den, um den russischen Markt für den Welt­handel zu erschließen.

Die Länder Europas, die ihre Währungen in letzter Zeit stabilisiert haben, und die sich da­durch aus dem ungeheuren wirtschaftlichen und finanziellen Chaos, der sie imd) vor . itgen Monaten gefangen hielt, befreiten, brauchen vor allem Kredit. Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika habm in den letzten beiden Jahren viel getan, um diesem Bedürfnisse geredjt zu werden. Außer einer großzügigen Teilnahme an den internatio­nalen Anleihen an Deutschland, Oesterreich, Un­garn und Griechenlcnrd hat Amerika bedeutende Summen für Privatkredite zur Verfügung gestellt.

Die finanzielle und wirtschaftliche Durch­dringung Europas durch Amerika dürfte weit­gehende Folgen nach sich ziehen. Rein polttisch dürfte sich Amerika in einem weit höheren Maße, als dies bisher der Fall war. europäischen Problemen zuwenden. Auch der HandelSverlrhr zwischen der Alten und Reuen Welt wird sich heben. Die Äussichten für Europa sind sicherlich hoffnungsvoller als bisher. Die Zukunft hängt von der Haltung der Politiker, der Haltung von Handel und Industrie ab. Heilige Pflicht der Staatsmänner und Geschäftsleute ist es, den Frieden zu konsolidieren Denn nur der Frieden ist Fundament und Voraussetzung für wirtschaftlichen Ausstieg.

Hindenburgs neues Heim.

Am 11. Mai wird Hinbenburg in Berlin ein­treffen und zunächst in der Reichskanzlei. Wil- helmstraße 70, für kurze Zeit ilntcrfunft finden. Sein Aufenthalt dort wird nur vorübergehend fein, bis er in das Reichspräsident:- ilais in der Wllhelmstraße 73 übersiedelt.

Das Haus Wilhelmstratz: gehörte einst dem Fürsten von Radziwill und ist im Jahre 1768 erbaut worden. Cs hat denselben Baustil wie das Rcichspräsidentenpalais, das drei Häuser weiter entfernt ist. und dient augenblicklich als Dienst­wohnung für den Reichskanzler Dr. Luther. Dieser hat allerdings seine ständige Wohnung nicht hier, sondern in Charlottenburg. und die Räume werden von ihm nur dann benutzt, wenn er in der Stadt länger zu tun hat oder schon früh dort fein muß. Hingegen wohnt dauernd sein Adjutant, Herr von Stockmann, hier.

Das Reichspräsidentenpalais. daS künftige Heim des Generalfeldmar'ch'lls, hat ^urStraßen­front einen großen Garten, um den in einem offenen Rechteck das Haus des Präsidenten ge­baut ist. Rechts und links in den Seitenflügeln b-finden sich die Räume für das Bureau des Reichspräsidenten, und im rechten Seitenflügel von der Straße aus hat Dr. Meißner, der Staatssekretär des Reichspräsidenten, seine Wohnung.

Das Haus ist noch ält»r. als das Reichs­kanzlerpalais. es ist im Jahre 1732 von einem Herrrsvon Schwerin erbaut worden und hat schon des öfteren seinen Besitzer gewechselt. Zeitweilig gehörte es dem Buchhändler Reimer. Friedrich Wilhelm IV. erwarb es schließlich, und seitdem waren hier die verschiedensten Ministerien unter­gebracht Als letzter wohnte hier Graf Eulen­burg. der ^brrhofmarschall und Minister d^s königlichen Dauses, von dem es die Reichsreg'e- rung im Jahre 1919 als Wohnsitz des neuen Prä­sidenten erwarb. DaS Haus hat nur zwei Stock­werke. und zwar unterscheidet man die Privat- räum? des Reichspräsidenten und die sogenannten Repräsentationsräume. 3m Erdgeschoß liegen die privaten Arbeitsräume des Reichsprä'identen neben dem Gartensaal im Mittelhaus. Zuerst betritt man eine schone Empfangshalle, die voll­ständig renoviert worden ist: die Möbel wurden zum Teil aus Gegenständen von Schloßrinrich- tungcii zufammengestellt oder, soweit sich nichts Passend^ austreiben ließ, neu hergestellt

Im 1. Stock befinden sich die Repräsenta- tionsräume. die natürlich größeren Prunk zeigen müssen als die Privatgemächer, bei denen sich der individuelle Geschmack nicht nur in der Zu­sammenstellung der Einrichtung sondern auch in der Grundtendenz auswirken farm. Daher atmen sie eine gewisse steife Feierlichkeit. Man kommt zu ihnen durch das geräumige Vestibül, dessen Aufgang durch vier große Oelgemälde von D. Rod: geschmückt ist. Der prachtvollst: Raum ist natürlich der Festsaal. der. in weiß und rot gehalten, mit Altgold abgetönt ist. Hohe Fenster reichen von der Erd: bis zur dreiviertel Höhe des Saales. Prunkmöbel laden den Besucher 5um Sitzen ein. in den Wandnischen stehen

Schmarren

wundervolle Vasen, und Kristallspiegel und Drvnzeleuchter geben dem Raum feierliche Sam- mung. An der Decke ist ein Gemälde »Dädalus und Ikarus", das ebenfalls von Rode stammt. Es schließen sich die übrigen Gefellschaftsräume an. die alle wesentlich kleiner sind als der Fest­saal. Das Obergeschoß hat noch einen ganz in Biedermeier gehaltenen Damensalon, zwei kleine Teezimmer, von Denen das eine für den Empfang fremder Botschafter b:i Lieberreichung des Be­glaubigungsschreibens ihrer Regierung Dient

Giehen und der Luftverkehr.

II.

In dem ersten Artikel unter die,er lleberschrift, den mir in unserer Nr. 102 vom vorigen Samstag veröffentlichten, wurde ein Bild von dem gegen­wärtigen Stand des Luftverkehrs gegeben. '2lls Aufgabe der heutigen Betrachtung war vorgesehen, die Frage zu erörtern, wie unsere Stadt und durch diese die ganze Provinz Oberhessen und die benachbarten p r e u ß i s ch e n .st r e i s e in den Luftverkehr eingereiht werden könnten. Gangbare Wege zur Erreichung dieses Zieles hat Direktor Greß am Donnerstagabend in der von der Handelskammer Gießen cinberufenen Versamm­lung so klar aufgezeichnet, daß nachdem wir gestern eingehend über den Vortrag berichtet haben heute von uns aus zu diesem Teil der Bestrebungen zur Errichtung eines Luft- verkehrshafens in unferer Stabt nichts mehr zu bemerken ist. Dagegen erscheint es an­gebracht, den erstrebten Ausbau unseres heimischen Verkehrsnetzes einmal hinsichtlich seiner allge­meinwirtschaftlichen und verkehrs­verbessernden Auswirkungsmöglich­keit zu betrachten.

Mehr als je ist heute das Sprichwort zutref­fend- Zeit ist Geld! Man denke nur an den viel­beschäftigten Kaufmann und Industriellen, der oft in benachbarten Großstädten oder in anderen gro­ßen Wirtschastsplätzen des Reiches wichtige Be­lange seines Unternehmens persönlich wahrnehmen muß, dabei aber auch daheim nur sehr schwer und allenfalls nur für ganz kurze Zeit abfömmlidj ist: man erinnere sich, daß es im geschäftlichen Leben oft dringend notwendig ist, wichtige Briefe, Dokumente ober Warensendungen in schnellstmöglicher Weise in den Besitz des Geschäftsfreundes zu bringen. In all diesen Fällen ist unser Wirtschaftsgebiet bis jetzt noch ausschließlich auf die Eisenbahn bzw. Post­beförderung mit der Bahn angewiesen, die in vielen Fällen trotz Auswahl der schnellsten Beförderungs- Möglichkeit noch als zu langsam und zu umständlich empfunden wird. Diesen! Zustand soll nun das schnellste Beförderungsmittel unserer Zett, das Ver­kehrsflugzeug, welches auch zur Post- und Warenbeförderung herangezogen werden soll, in Oberhessen und den preußischen Nach­bargebieten ein Ende bereiten. Es ist ohne weiteres einleuchtend, daß diese Neuerung für bas Wirtschaftsleben unserer Provinz unb bie ausae- breifetc Inbustrie in Wetzlar unb im Dill-Bezirk weitgehenbe neue Entfaltungsmög­lichkeiten erschließt. Die Fluggelegenheit ab Gie­ßen mit unmittelbarem Anschluß an bie großen Flugverkehrsstrecken nach allen Richtungen bes Reiches unb bes Auslandes gestattet eine erhebliche Verkürzung der Abwesenheit von der heimischen Wirkungsstätte, eine Tatsache, die vielbeschäftigte Männer des industriellen und kausmännischen Le­bens besonders hoch veranschlagen werden: bie Ein­führung des schnellsten neuzeitlichen Verkehrsmit­tels in unsere engere Heimat wird weiterhin der Industrie und dem Handel die Möglichkeit geben, manchen Auftrag hereinzunehmen, bei dem bie aller­kürzeste Warenlieferung wichtigste Bedingung ist, die bei Bahn- ober Posttransport, wie bis heute, vielleicht nicht übernommen werben kann, deren Er­füllung aber durch den Transport mittels Flug­zeugs möglich sein wird. Die Tatsache, daß nach dem Projekt für den Gießener Luftverkehrshafen das Flugzeug in Gießen stationiert fein soll, ist hier von besonders hoher Bedeutung. Aber nicht nur für Industrie und Handel ist der direkte Anschluß Oberhessens an das deutsche Luftoerkehrs- netz von Wichtigkeit, sondern er ist ebenso bedeut- [am für den gesamten Reiseverkehr. Man denke z. B. an bie Möglichkeit, baß man tele­graphisch an bas Sterbelager eines Familienange­hörigen gerufen wird, ober baß aus irgenb einem anberen Grunbe eine Anwesenheit in entfernteren Stäbten binnen weniger Stunden unvermutet not­wendig wäre. Die Bahnverbindung ist da wohl nur selten geeignet, den Gerufenen in der gebotenen und erwünschten Schnelligkeit ans Ziel seiner Reise zu bringen. Dagegen wird das Flug­zeug wohl in den allermeisten Fällen den Erfordernisten des Reisenden entsprechen kön­nen, zumal wenn es in kürzester Frist flugbereit steht, wie bie Stationierung in Gießen unb bei Abwesenheit ber Gießener Flugmaschine bie schnelle Einsatzmöglichkeit eines Flugzeuges vom Frankfur­ter Flughafen gewährleisten. Unb wenn man schließ­lich an den Fremdenverkehr denkt, den wir in Gießen doch mit allen Mitteln steigern wollen, so muß man auch da sagen, baß ber Gießener Flughafen mit eigenem Flug zeug ein sehrwertvollesMittelfürunsereVer- kehrswerbung fein wird. Viele Auswärtige, die wir bei den verschiedensten Veranstaltungen in unseren Mauern beherbergen werden, so z. B. in dies.m Jahre beim Kreisturnfest, bei dem 116er- Tag und bei ber großen Gustao-Abolf-Vereins- Tagung bürsten ebenso xnw übrigens auch bie meisten Einheimischen noch keine Gelegenheit gehabt haben, an einem Flug teilzunehmen unb wie es dem Schreiber dieser Zellen schon vergönnt war die unvergeßlichen und erhabenen Eindrücke des Fliegens zu gewinnen. Wenn das bisher mit so viel Eifer betriebene Vorhaben nun schnell in die Tat umgesetzt wird, dürfte bestimmt damit zu rechnen sein, daß schon bei dem Turnfest Rundflüge ausgeführt werden können, die manchen Turngäften eine besonders wertvolle Erinnerung an Gießen mit« geben werden, bie aber auch bem jungen Unter­

nehmen finanziell sehr gut zustatten kämen. Schon aus bieser kurzen Betrachtung kann man ersehen daß die Errichtung eines Gießener Luftverkehrs- Hafens vielseitige Vorteile mit sich bringen wirb, die ein: großzügige Unterstützung des Projekts sowohl von den Behörden, wie auch von privater Hand rat­sam und dringlich geboten erscheinen lasten.

Wie jeder junge Wirtschaftszweig, so bat natur- lieb auch die Verkehrsfliegerei noch gewisse Schatten feiten. Wir haben hier nicht gerade die Verkehr- sicherheit im Auge: diese dürftest bie Iunkersflug- zeuge, beren eines hier seinen Stanbort bekommen soll, von allen Flugmaschinen heute wohl um weit- gehenbsten gewährleisten. Aber wir benken an die Flugpreise. Diese werden vorläusig höher sein als bie Eisenbahnsahrpreise, wobei man allerdings beachten muß, baß in den Flugpreisen die 'Bcfärbe rung des Fluggastes von seiner Wohnung bis zum Flugplatz im Auto einbegriffen ist, und weiter ist in Betracht zu ziehen, daß man im Flugzeug auch sehr bequem reift unb viel schneller als mit der Bahn an fein Ziel kommt. Unb baß auch bie Rundslug preise höher sein werden als etwa die Fahrt mit einer Pserdedroschke, ist nur natürlich unb wiederum in den Besonderheiten bes Flugbetriebs begrünbet. Einsichtige Mitbürger werden sich allerdings wohl la um an ber Preisfrage flößen unb desweacn auf die Benutzung bes Flugzeuges verzichten. Sie wer- den sich vielmehr bie oben schon erwähnten Vorteile der Fliegerei vor 2üigcn halten unb sich im übrigen sagen, baß jebe junge Inbustrie um eine solche hanbelt es sich ja auch beim Luftverkehr in ihrer Aufbauzeit bei großen Unkosten unb noch kleinem .stunbenkreis nicht billig wie ein Massen artilel sein kann. Wie überall, so muß eben auch hier zunächst mal bie erste Stufe der Entwicklung in der Preisgestaltung durchschritten werden. Je mehr das Publikum durch rege Beteiligung die Dcr- kehrsfliegerei unterstützt, desto schneller Dürften dann auch dieKinderkrankheiten" der Preise nhermun- ben werben können, zum Vorteil ber Fluggäste unb auch zum Nutzen der Ausdehnung der deutschen Verkehrsfliegerei.

Gerichtssaal.

* Darmstadt. 8. Mai. Wegen äl r - kunDenfälschung hatten sich vor Dem D c - zirksfchöffengericht zu verantworten der Arbeiter Hermann R, Der Heizer Heinrich Sch. und Der Hilfsmonteur Hermann K, alle Drei in Gießen wohnhaft. Die Angeklagten waren als Abonnentensamniler eines Wies- baDener Verlags beschäftigt und fälsch­ten Bestellscheine mit Rainen. Die in Den von ihnen besuchten Orten Der MmqegenD von DarmstaDt nicht feststellbar waren. Der Schaden Durch Die Provisionszahlung betragt einige hundert Mark. Das Gericht würdigte Die Rotlage Der Angeklagten: es verurteilte R. und Sch. zu je 2 Monaten und K. zu 1 Monat Gefängnis

Wirtschaft.

Börte und Geldmarkt.

Die Verödung an Der Börse hat in dieser Woche einen Höhepunkt erreicht, der kaum über­troffen werden kann, und Der auch in erster Linie den Beschluß gezeitigt haben mag, im Monat Juni zunächst Die Samstagbörsen, Die unter Der Flaute ganz besonders leiden, aus- fallen zu lassen. Wenn schließlich in den letzten Tagen diese Verödung zu einer starten Vcr- flauung wurde, so sind dte Gründe hierfür nicht in dem allgemeinen Geschäftsgang zu suchen, sondern in erster Linie Dürften hierbei Die S wie- rigkeiten, Die Die Abwicklung des Maigcs^äfts an Der Produktenbörse gezeitigt hat, und Die Zahlungsstockung in Der Textilbran'be eine Rolle gespielt haben. Die beteiligten Kreise suchen sich auf alle Weise erhöhte Liquidität zu schaffen, und diese ist letzten Endes nur Durch Abstößen von Effekten zu erreichen. Von diesem Ge'i^lspunkt aus dürften auch Die in den letzten Tagen feft» gestellten Auslandverkäuse zu betrachten Tein. Diese Auslandverkäuse stammen in erster Linie aus Den östlichen Rachbargeb e en, wo ebenfalls Die Getreidemarktlage krisenhafte Erscheinungen hervorgerufen hat Wir lernen jetzt die unan­genehme Sette Der Betätigung des Auslandes auf Dem Deutschen Effektenmärkte kennen. Man

stoßt in Der Presse vielfach aus die Meinung, das Interventionskonsortium Der Ber iner Groß­

banken habe seine Tätigleit eingestellt und hier­aus resultiere Die neuerliche Abschwächung der Börse. Rach unseren Erkundigungen ist Diefe Version nicht richtig, im Gegenteil, das Kon­sortium hat dauernd Interventions'.äuse vorge-

nommen, aber schließlich finden diese Maßnahmen ihre Grenzen, destn sie dürfen nicht dazu führen, daß sich Die Großbanken allzu einseitig festlegen und in Der Erfüllung ihrer sonstigen Aufgaben verhindert werden. Schließlich liegt auch ein pri­vatwirtschaftliches Interesse für Die Banken Darin, in ihrer Interventionstätigkeit mit größter Vor­

sicht vorzugehen.

Wie vorauszusehen war, ift Der Ultimo,

entsprechend seinen Vorgängern, wiederum nicht vorübergegangen, ohne eine Versteifung des Geld­marktes mit sich zu bringen, wobei erneut Der

Höhepunkt Der Versteifung nicht vor Dem Ultimo gDer^am^Hltimotage selbst erreicht tourDe, fordern

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