die Alternative gestellt werde. Friedensverhand- luugen anzuknüpfen oder allein den Krieg fort- zusetzen.
Der Staatssekretär fährt dann fort; die Kopie des amerikanischen Vorschlages wurde Briand übermittelt mit der Mitteilung, daß ..ich nicht geneigt bin, mit ihm die Frage zu erörtern, es sei denn, daß er wünscht, sie mit mir zu diskutieren.' Br i and habe sich augenblicklich nichts davon versprochen. Die Kriegskommission sei alsdann davon unterrichtet worden, was sich beim Obersten House abgespielt hat und alle seien einmütig der Ansicht gewesen, daß der Augenblick nicht gekommen sei, den Frieden zu diskutieren. Die Riederlaae Deutschlands sei das einzig befriedigende Ende des Krieges.
vorbereitungsn in Locarno.
Locarno ist zum Konferenzort ausersehen. Die Rücksicht auf Mussolini, der an der Konferenz teilnehmcn wollte, hat die Regierungen bewogen, ihre Bedenken gegen Locarno zurückzustellen. Wer Locarno in den letzten Tagen besuchte, der wird sich über diese Entschließung nicht gefreut habeir. Ein Beamter, der im Postamt in Locarno die neuen Leitungen einbaute, sagte: „3ft es nicht ein Wahnsinn, eine Weltkonferenz in einen: Fischerdorf, das kaum 5000 Einwohner zählt, abzuhallen?" Der Mann hat recht, Locarno darf tatsächlich als der ungeeignetste Ort angesehen werden.
Die wenigen Hotels, durchweg Häuser zweiten Ranges, sind für einen Massenbesuch wie ihn eine so wichtige Konferenz mit sich bringt, nicht geeignet. Locarno verfügt nur über eUva 1000 Fremdenbetten, von denen ein großer Teil bereits am Dienstag beseht war, als Locarno als Konferenzort feststand. Das größte Hotel der Stadt, das Grand Hotel Palace, ist von den alliierten Regierungen, zu denen sich noch die polnische gesellte, bis unter dos Dach belegt worden. • Die Delegationen sind zum Teil sehr stark. So wird die englische z. B. etwa 50 Personen zählen. Die kleinste Delegation ist die französische mit 17 Mann. Reben den Schlafzimmern werden zahlreiche Salons als Arbeitszimmer für die Sekretäre und Schreibdamen eingerichtet, jede Delegation erhält einen Ferntelegraphen in ihrem Hotelzimmer eingebaut. 3m Äntergeschoß des Palace-Hotel befinden sich zwei große Säle, in denen vermutlich die Sitzungen abgehalten werden. Außerdem hat die Stadtverwaltung von Locarno zu diesem Zweck ein öffentliches Gebäude zur Verfügung gestellt.
Die deutsche Delegation wird im Esplanade-Hotel untergebracht, das eine Stunde zu Fuß von Locarno in Minus io liegt. Dies Hotel ist in seiner äußeren Aufmachung noch moderner und besser eingerichtet, als das Palace-Hotel, jedoch bringt die Entfernung von der Stadt und von dem Konferenzort mancherlei Schwierigkeiten mit sich. Dr. Luther und Dr. Stresemann werden in der vierten Etage des Hotels Esplanade wohnen. Man ist hierbei einem besonderen Wunsche Dr. Stresc- manns gefolgt, der sich in den unteren Etagen in ällzugrvßer bedrohlicher Rahe der anderen Mitbewohner, besonders der Presse glaubte. Die deutsche Delegation hatte zuerst versucht, gleichfalls im Hotel Palace abzusteigen, da aber bereits die zweite Etage von den Franzosen eingenommen war, so hätte die deutsche Delegation die erste und dritte Etage beziehen müssen, und damit wäre eine Trennung ihrer Teilnehmer durch die Franzosen erreicht gewesen. So fiel die Wahl auf das Hotel Esplanade. 3n dieser Beziehung ist es interessant, dah die Franzosen als die einzigen ihre Zimmer bereits vor einer Woche belegt hatten, während die anderen Delegationen erst am Dienstag sich zu diesem Schritt entschlossen haben.
zur Zeit noch zahlreiche Fremde in 2d- catrar weilen, wird die Llnterkunft für die Pressemitglieder sehr schlecht sein. Man rechnet mit dem Eintreffen von ungefähr 300 3ournalisten. die Arbeits- und Schlafzimmer haben müssen. Besonders die Engländer und Amerikaner sind recht anspruchsvoll. Aber sie werden mit den Regierungsvertretern manche Entbehrungen teilen und vor allem auf eigene Badezimmer verzichten müssen, die es in Locarno so gut wie gar nicht gibt. Die zweite große Frage ist es, wie der Verkehr mit der Außenwelt geregelt und ermöglicht werden soll. Seit einer Woche arbeiten schweizerische Erdarbeiter an 12 neuen Linien, die von Locarno nach Bellinzona gelegt werden, wo sie an das große Kabel angeschlossen werden sollen, das Italien mit Deutschland und der Rordschwciz verbindet. Diese Linien werden aber in erster Linie den Regierungen zur Verfügung stehen. So sind die Aussichten für die Liebermittlung der Presfenachrichten nicht sehr günstig. Ober- ingenieur Keller, den die Berner Oberpostdirek- tion nach Locarno gesandt, hat bisher alles Menschenmögliche versucht. Er ist Fachmann auf diesem Gebiet und von seiner Tatkraft wird es abhängen, was in den noch zur Verfügung stehenden Stunden zu erreichen sein wird.
Danderveldes Erwartung.
Brüssel, 2. Okt. (Xil.) 3n einer Zusammenkunft der Brüsseler Gruppe der belgischen Arbeiterpartei sagte der Außenminister Dan- derVelde zur Außenpolitik: 3n einigen Tagen werden wir großen Ereignissen beiwohnen. Man erwartet mit Hoffnung, daß Deutschland in den Völkerbund eintreten und am Werk der Weltbefriedung teilnehmen wird. Der Sicherheitspakt wird kein Fetzen Papier bleiben. Er wird garantiert sein und die Garantie wird durch England erfolgen. Dann können wir an eine ernsthafte Vermin der ung der militärischen Ausgaben denken, bei uns und anderwärts.
MeInterparlamentarische Union
Washington, 1. Okt. (Wolff.) Unter Füh- rung des Abgeordneten Professor Schücking sind gestern abend die deutschen Delegierten zur Tagung der Interparlamentarischen Union im Sonderzug mit anderen Delegierten in Washington eingetroffen. Unter den Delegierten sah man den Reichstagspräsidenten Loebe, den früheren Reichskanzler Dr. Wirth, den früheren Gouverneur von Deutsch- Ostafrika, Dr. S ch n e e, sowie die Abgeordneten Frau Pfuel, Frau Mende, Hollmann, Emminger, Erkelenz, Gildemeister, Adolf Braun und andere. Zur Begrüßung der Parlamentarier war der deutsche Botschafter, Frhr. v. M a l tz a n , mit dem gesamten Stabe der Botschaft am Bahnhof erschienen. Die Delegierten wohnen in dem neu erbauten, schönen Mayflower-Hotel.
Bei der Eröffnung des K o n g r e f s e s der 9ntcrpnrlamcniari(d)cn Union begrüßte Staatssekretär Kellog die 400 Delegierten von 38 verschiedenen Staaten namens der amerikanischen Regierung und erklärte, nichts könne für die Förderung der freiheitlichen Ideale anregender sein oder dem Frieden mehr dienen, als daß Mitglieder verschiedener Parlamente zusammenkommen, um ihre Ansichten über die Fragen des Weltfriedens auszutauschen. Eine Besserung der Lage müsse aus dem Herzen und dem Verstand der Völker kommen. Man müsse sie lehren, sich in friedlichen Gedankengänaen zu bewegen. Sie müßten einsehen, daß es zur Erledigung internationaler Streitigkeiten bessere Mittel gibt als die Zufallsentscheidungen des Krieges. Der immer mehr aufkommende Brauch, Staatsoerträge den Parlamenten zur Ratifizierung zu unterbreiten, bedeute eine kluge Maßnahme zur Förderung des Friedensgedankens. Der Geist gegenseitiger Dul- düng und Bereitschaft zur Unterwerfung unter Schiedsgerichte müsse wachgerufen werden, womit die Achtung vor den Rechten der Minderheiten verbunden sein müsse.
Der Reichsfinanzminister zur Wirtschaftslage.
Berlin, 1. Okt. (WTB.) Heute nachmittag empfing der Reichsfinanzminister die Vertreter der Beamtenspitzenorganisationen, die ihre Wünsche auf dem Gebiete der Beamtenbesoldung vortrugen. Sie schilderten die bedrängte wirtschaftliche Lage aller Deamtengrup- p c n . besonders diejenigen der gering besoldeten, und bezeichneten eine Erhöhung der Bezüge als unabweisbar. 3n einer längeren Aussprache wurden alle hierauf bezüglichen Fragen erörtert. Der Reichsfinanzminister machte eingehende Ausführungen über die allgemeine Wirtschaftslage und die Finanzlage von Reich und Ländern, die ernster sei als vielfach dargestellt werde. Eine Erhöhung der Bezüge würde auch den Beamten auf die Dauer keine Verbesserung ihrer Lebenshaltung bringen, da bei einer allgemeinen Gehaltserhöhung der großen Masse der öffentlichen Beamten und Angestellten bei der jetzigen Lage ein Steigen der Preise zu befürchten sei. Die weiteren Folgen auch für die übrigen Vevölkerungsschichten lägen auf der Hand. Der Präsident des Reichsbankdirektoriums habe die Reichsregierung ersucht, allen Beteiligten riufbaltlos den Ernst der Lage unserer Gesamtwirtschaft und der auf dem Spiele stehenden 3nteressen der Gesamtheit vor Augen zu führen. Eine Erhöhung der Deamten- bezüge müsse nach der Ansicht des Reichsbankdirektoriums heute geradezu als ein Unglück vom Standpunkt der allgemeinen 3nteressen und der Gesamtwirtschaft angesehen werden.
Rach alledem glaubt der Reichsfinanzminister, daß die Rcichsregierung in Llebereinstimmung mit der Mehrheit der Länderregierungen eine Erhöhung der Bezüge zur Zeit nicht werde verantworten können. Dasselbe gelte auch für eine einmalige Wirtschaftshilfe, die von den Organisationen an zweiter Stelle gewünscht wurde. Ferner wurde die Frage der Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses erörtert, die zur Zeit n i d> t erfolgen könne, da dieser an die Mieten angelehnt sei und das durchschnittliche Riveau der Mieten bereits überschritten sei. Endlich wurde die Frage der mehrmonatlichen Vorauszahlungen der Gehälter besprochen, wobei beiderseits das Für und Wider eingehend gewürdigt wurde. Die Vertreter der Beamtenorganisationen bedauerten, dah den Wünschen der Beamtenschaft zur Zeit nicht entgegengekommen werden könne.
Die ginspolilik bei Vergebung öffentlicher Gelder.
Berlin, 1. Oft (WB.) Der Reichskanzler empfing heute in Anwesenheit des Reichs - ministers der Finanzen und des Staatssekretärs im Reichswirtschaftsministerium Dr. Trendelenburg die Vertreter des Reichs- stäütetages, des Reichsstädtrbundes, des Landkreistages, des Landgemeindetages und der Deutschen Girozentrale zu einer Besprechung über die Frage der Verbilligung der Zinsen für öffentliche Gelder. Die verschiedenen Vertreter erklärten sich bereit, die von der Reichsregierung vorgeschlagenen Gesichtspunkte für die künftig einzuhaltenden Richtlinien bei der Vergebung öffentlicher Gelder ihren Organisationen zur Befolgung zu empfahlen. Sie betonten jedoch daß dieser ZinSpolitik ein voller Erfolg nur dann beschieden sein tonne, wenn auch von den Privatbanken durch eine entsprechende Zinspolitik sichergestellt werde, daß die eintretende Verbilligung des Geldes tatsächlich der Wirtschaft zugute komme.
handel und Gewerbe in Preußen.
Preußischer Landtag.
Berlin, 1. Okt. (WB.) Das Haus beschäftigt sich mit der zweiten Beratung des Haushalts für Handel und Gewerbe.
Berichterstatter Dr. Pinkerneil (D.Vp.) empfiehlt namens des Hauptausschusses, den Haushalt mit Ausnahme einiger Positionen unverändert anzunehmen. Zugleich unterbreitet er dem Landtag 43 Anträge, Die u. a. die not wirtschaftlichen Verordnungen, die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe, Handwerkerfragen, Beseitigung der älmsatzsteuer, Kredithilfe, Handelskrieg mit Polen und Handelsvertrag mit Frankreich betreffen.
Handelsminister Dr. Schreiber führte aus, es sei zu hoffen, dah der Landtag demnächst ein Gesetz verabschieden könne, das die BeitragspflichtderWirtschaft auf erträgliche Grenzen zurückführe. Als wesentlich neue Aufgabe habe das Handelsministerium das Flugwesen zu bearbeiten. Es sei zu hoffen, daß bei den jetzt beginnenden Paktverhandlungen die unverständlichen Hemmungen des friedlichen Flugverkehrs für Deutschland beseitigt werden. Für das 3ahr 1925 seien insgesamt in Deutschland 62000 Fluggäste und 1,5 Millionen Kilometer von den deutschen Fluggesellschaften im 3n» und Auslande zurückgelegter Flugstrecke an 3ahresleistung zu erwarten. Eine entschlossene Sozialpolitik sei nationale Rot Wendigkeit. Bezüglich der Reichsbahn müsse Preußen erwarten, daß der ihm gebliebene Einfluß nicht noch weiter beschränkt werde. Das sicherste Mittel, die Ausfuhr zu heben und die Einfuhr zu drosseln, wäre die Senkung der deutschen Preise. Eine Senkung der Löhne sei nur mit einem gleichzeitigen allgemeinen Preisabbau möglich, damit der Reallohn nicht finft. Allmählich setze sich wieder der Grundsatz durch: Gro
ßer Umsatz — kleiner Ruhen. Dabei sei auch eine Erleichterung der Steuerlast zu wünschen und eine entschiedene Verwaltungsreform. Die wirtschaftlichen Befserungszeichen würden sich deutlicher abheben, wenn die Paktverhandlungen in Locarno zur Befriedung Europas und zur Befreiung Deutschlands führen. (Beifall.)
Die Beratung wird dann durch die QI b ft i m- mungen unterbrochen. Die angefochtenen Titel des Haushaltes des Wohlsahrtsministeriurns werden nach den Anträgen des Ausschusses angenommen. Der sozialdemokratische Antrag, dasStaats- minifteriunt möge bei der Regierung die Frage des sogenannten Bodenreformgesetzes anregen, wird in namentlicher Abstimmung mit 187 gegen 149 Stimmen angenommen.
Die Aussprache über die Handels- und De- werbeverwaltung wird hierauf fortgesetzt.
-Qlbg. Hager (Z.) stimmt den Ausführungen des Ministers im allgemeinen zu. Die Reichsbahn sollte ihre Tarife mehr den Bedürfnissen der Wirtschaft anpassen. Die Reichsregierung sollte ihren ganzen Einfluß auf die Gemeinden dahin geltend machen, dah sparsamer gewirtschaftet und Handel und Gewerbe weniger als bisher belastet werden.
Weiterberatung Freitag.
parlamentarischer aur Hessen.
Kürzlich hatten der Qlbg. Dingeldey und die Fraktion der Deutschen Volkspartei im Landtage eine Anfrage eingebracht, weil die Regierung angeordnet hatte, aus Anlaß der Reichsbannertage in Mainz und Darmstadt die staatlichen Gebäude zu beflaggen. Eine gleiche Anfrage ist jetzt auch von der Deutschnationalen Volkspartei ein* gebracht worden. Staatspräsident Ulrich hat jetzt auf die deutschvolksparteiliche Anfrage eine Antwort erteilt, die den Kern der Sache gar nicht berührt. 3n der Antwort wird zugegeben, daß Die Reichsbannertage Privatvera n st a I» t u n g e n sind, sie wären aber unbestreitbar vaterländisch und Dienten Der Festigung Der Deutschen Republik." Von einem parteipolitischen Charakter des Reichsbanners kann also nicht gesprochen werden." Weiter wendet sich Die Antwort gegen die Bezeichnung Derartiger Tagungen als parteipolitische Reklame. Pflicht der Landesregierungen fei es, Die Farben des Reiches zu schützen. Daraus ergebe sich folgerichtig, daß, wenn andere politische Vereine Tagungen zu Ehren der verfassungsmäßigen Reichsfarben veranstalteten und hierzu Den Wunsch aussprechen sollten, daß Die staatlichen Gebäude mit Den Reichsfarben beflaggt würden, Die Regierung Des Volksstaates Hessen Diesem Wunsche entsprechen würde.
Auf eine QInfragc des Abg. Diugeldeh und Der Fraktion der Deutschen Volkspartei wegen Besetzung des Berliner Gefandtenpostens erwidert Der Staatspräsident, daß die Anfrage sich auf unkontrollierbare Gerüchte stütze. Eine „unzweifelhafte republikanische Gesinnung" sei Vorbedingung für den Anwärter dieses Postens.
Die Deutschnationale Volkspartei weist in einer Anfrage an die Regierung auf einen Artikel des „Deutschen Vorwärts" hin, in Dem geschilDert wird, wie der Ministerialrat im hessischen Stvatsministerium und sozialdemokratische Landtaasabgeordnete Bornemann vor einigen Wochen nachts 2V3 Llhr beim Heber- kne ipen in einer Wirtschaft abgefaht wurde. Dem zur Feststellung seiner Personalien schreitenden Schupobeamten habe Bomemann entgegengeschrien: „Wissen Sic, wer ich bin? 3ch bin Der Ministerialrat Bornemann; scheren Sie sich hinaus!" Das Amtsgericht habe gegen Bomemann auf einen Strafbefehl von 25 Mark erkannt. Das Justizministerium habe Dann auf ein Gesuch des Ministerialrates Byrnemann hin, Der in Gruppe 13 sei, und erklärt habe, er könne diese hohe Strafe nicht bezahlen, auf 12,50 Mark herabgesetzt. Es wird Dann an gefragt: 1. Beruht diese Schilderung auf Tatsachen, oder wie verhalt sie sich? 2. 3st die Regierung bereit, Dem Landtag das Material in dieser Angelegenheit vorzulegen? 3. Oder hat Die Regierung eine amtliche Untersuchung in der Sache ungeordnet und welches Ergebnis hat diese gehabt?
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Tschechenterror im Hultschiner Ländchen.
Prag, 2. Okt. ($11.) 3n Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage hat das tschechoslowakische Ministerium des Innern mitgeteilt, die Auflösung der Gemeindevertretung der Stadt Krawarn im Hultschiner Ländchen sei aus folgenden Gründen erfolgt: Erstens habe sich die deutsche Mehrheit der Gemeindevertretung geweigert, Dem Antrag der tschechischen Mitglieder zuzustimmen, wonach die Hissung der schwarz-weiß -roten Fahne auf dem Kirchturm Der Stadt in "Der Rächt vor Der Feier Der fünfjährigen Einverleibung des Hultschiner Ländchens in die Tschechoslowakei als 3lloyalität verurteilt werden sollte. Ferner habe dieselbe Mehrheit sich geweigert, eine Festsitzung der Gemeindevertretung am Tage Der Einverleibung einzuberufen und an dieser Feier teilzunehmen. Die politische Landesverwaltung in Troppau habe Darin mit Recht eine die Würde des Staats bedrohende und die öffentliche Ruhe des Hultschiner Landes sehr gefährdende Handlung erblickt und daher die Gemeindevertretung berechtigterweise aufgelöst. Die Beschwerde gegen die Auflösungsverfügung wurde bereits am Obersten Verwaltungsgericht erhoben.
Vie europäische Lustkonserenz in Stockholm.
Stockholm, 1. Oft. (TU.) Auf Der internationalen Luftfahrtkonferenz in Stockholm wurden in Form und 3nhalt Drei gänzlich verschiedene Anträge gestellt, Die aber Darauf ausgehen, eine internationale Zentralstelle für Die Handelsluftfahrt zu schaffen. Hierüber wurde in zwei Kommissionen verhandelt. An der einen beteiligten sich Die Vertreter Der Staatsbehörden, Die andere war aus Vertretern sämtlicher Luftverkehrsgesellschaften gebildet. Letztere hat beschlossen, sofort eine Kommission zu gründen, die binnen sechs Monaten eine endgültige europäische Luftverkehrszentrale in Vorschlag bringen soll. Als Vertreter Deutschlands wurden in Die
Kommission gewählt: vom Deutschen Aero-Lloyd Direktor Wronsky und vom Funkers Luftverkehr Direktor Gotthard Sachsenberg. Die Tatsache, daß dies Den ersten konkreten Entschluß zur Bildung einer internationalen Luftverkehrskammer bedeutet, an der neben Den Ententestaaten Deutschlandvollbeteiligt ist und ebenso die beiden zwischenstaatlichen Organisationen Europa Union und 3atta, ist ein unerwartetes Ergebnis. Die wirtschaftlichen Prinzipien der Handelsluftfahrt scheinen gegen die politischen RachkriegSschranken nunmehr in allen Staaten zum völligen Durchbruch zu gelangen. Deutschland kann dies um so mehr begrüßen, als seine Handelsluftsahrt-Unternehmen stets hervorragende Träger dieser 3dee waren und eben dadurch ihre Stellung in Europa trotz aller politischen Schwierigkeiten weiter ausbauen konnte.
Die Spanier vor Ajdir.
Paris, 1. Okt. Ein spanisches offizielles Kom- muniqus teilt mit, daß die spanischen Truppen heute mittag die wichtige vor Ajdir gelegene gegnerische Stellung von Adrar besetzt hätten. Von dieser Stellung aus könne man die Residenz Abd el Krims unter Feuer halten. Der Gegner soll nut ganz leichten Widerstand geleistet haben. Der weitere Vormarsch auf Ajdir soll sich in vollem Gcmgq^be- finden. Die Truppen seien durch das Artilleriefeuer der Schlachtschiffe und der bei Alhucemas ausgestellten schweren Artillerie sehr wirksam unterstützt worden, so daß hierdurch der Widerstand der Rifleute stark gelitten bat. Der um 3.15 Uhr nachmittags von General Primo de Rivera von Bord des Kreuzers „Alfonso XIII." ausgegebene Funkspruch besagt, daß infolge der Beschickung durch die (Spanier die Hauptstadt des Rifs, Ajdir, in Flammen stehe. Unter den brennenden Gebäuden befindet sich der Palast Abd el Krims. Im Frontabschnitt des 19. Armeekorps sollen die fran- zösischen Truppen in einer Tiefe von 15 Kilometer weiter vorgerückt sein. Auf einer Frontlänge von 20 Kilometer werde eine Art Fächer gebildet, der nördlich von Äiffane eine Tiefe von 20 Kilometer und auf beiden Flügeln eine solche von 14 Kilometer aufweife. Das durch diesen Vorstoß besetzte Gebiet umfasse beinahe 300 Quadratmeilen. Die französischen Truppen befänden sich seit dem zweiten Tage der Offensive in den Engpässen, die nördlich von Kif- sane in die Ebene des eigentlichen Rifgebietes führen.
Kollektivnote der Mächte an China.
London, 1. Okt. (WTB. Reuter.) Die Mächte genehmigten die an die chinesische Regierung abzusendende Kollektivnote, in Der Der Wunsch ausgesprochen wird, den Streit über Die Vorfälle in Schanghai vom 30. Mai beizulegen. Qllles nur Mögliche solle getan werden, um Die Lage in Schanghai zu bessern. Alle militärischen Maßnahmen sollen auf gehoben und die QHanne* detachements zurückgezogen werden.
Kleine politische Nachrichten.
Reichspräsident v. Hindenburg wird Ende Oktober oder Anfang Qtouember Den süddeutschen Länderregierungen einen Besuch abstatten. Er wird bei dieser Gelegenheit auch nach Darmstadt kommen; an hiesigen amtlichen Stellen ist aber noch mchts Räheres über den Zeitpunkt bekannt.
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Die Innenminister der Länder sind für heute nach Berlin berufen worden, wo sie u. a. mit dem Reichsminister des 3nnern über Polizei- sragen im Zusammenhang mit der Cntwafs- nungsnote der QUIiierten und über Fragen des Preisabbaues beraten werden.
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Wie die „Voss. Ztg." erfahren haben will, soll der Staatssekretär im preußischen Ministerium des 3nnern, Meister, demnächst aus Dem Ministerium ausscheiden und einen hohen Derwaltungsposten übernehmen. Staatssekretär Meister, her politisch rechts eingestellt ist, soll mit Dem preußischen Innenminister Se - v e r i n g verschiedentlich sachliche Meinungsverschiedenheiten gehabt haben.
Das neue Geschäftsgebäude der unter Leitung des Präsidenten Dr. 6 artet stehenden Reichsbahndirektion Trier wurde eingeweiht.
Aus aller Welt.
SchifiSbrand im Hamburger Hafen.
An Deck des im Hamburger Hafen löschenden japanischen Dampfers „3utuf u Maru" lagerten 147 Kisten mit Filmen. Aus einer brach plötzlich eine Sti ch flamme, die in wenigen Minuten die anderen Kisten explofip- artia in Brand setzte. Die an Bord befindlichen Schauerleute und 'Schuppenarbeiter stoben in wilder Flucht auseinander. Füirfzehn von ihnen wurden verletzt, Darunter drei schwer. Beim Eintreffen der Feuerwehr war das ganze Schiff in Flammen gehüllt. Ungeheure Wassermassen wurden in den Rumps hineingepumpt, um das Feuer zu löschen. Erst nach vierstündiger harter Arbeit konnte der Brand eingedämmt werden. Die enorme Hitze brachte die Maste und das Gestänge fast zum Glühen. Der angerichtete Schaden ist sehr groß.
Ein gefährlicher Schwindler.
3n Eisleben wurde der Kaufmann Hilbert wegen zahlreicher Detrugsfälle zu Drei Fahren Gefängnis, hundert Mark Geldstrafe und fünf 3ahren Ehrverlust verurteilt. Dem Angeklagten wurde in 3800 Fällen nachgewiesen, daß er Durch besonders angenommene und durch ganz Deutschland reisendoVertreter Kreditsuchenden Hilfe angeboten hatte, obwohl er über keinen Pfennig Betriebskapital in seiner angeblichen Hypothekenbank verfügte.
Wettervoraussage.
Heiter bis halb bedeckt, Winde aus nördllcher bis westlicher Richtung, etwas milder, nur stellenweise leichte Niederschläge, Morgennebel.
Die Lage ist im allgemeinen unverändert, doch scheint das nördliche Störungsgebiet über Finnland nach Südosten abzuziehen. Die Hochdrucklage ist aber noch nicht gesichert. Ausläufer der nördlichen Tiefdruckkette können zeitweise Störungen bewirken.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 15,5, Minimum 12,2 Grad Celsius.. Heutige Morgentemperatur 14,9 Grad Celsius.


