Ausgabe 
2.10.1925
 
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die Alternative gestellt werde. Friedensverhand- luugen anzuknüpfen oder allein den Krieg fort- zusetzen.

Der Staatssekretär fährt dann fort; die Kopie des amerikanischen Vorschlages wurde Briand übermittelt mit der Mitteilung, daß ..ich nicht geneigt bin, mit ihm die Frage zu erörtern, es sei denn, daß er wünscht, sie mit mir zu diskutieren.' Br i and habe sich augenblicklich nichts davon versprochen. Die Kriegskommission sei alsdann davon unterrichtet worden, was sich beim Obersten House abge­spielt hat und alle seien einmütig der Ansicht gewesen, daß der Augenblick nicht ge­kommen sei, den Frieden zu diskutieren. Die Riederlaae Deutschlands sei das einzig befrie­digende Ende des Krieges.

vorbereitungsn in Locarno.

Locarno ist zum Konferenzort ausersehen. Die Rücksicht auf Mussolini, der an der Konferenz teilnehmcn wollte, hat die Regierungen bewogen, ihre Bedenken gegen Locarno zurückzustellen. Wer Locarno in den letzten Tagen besuchte, der wird sich über diese Entschließung nicht gefreut habeir. Ein Beamter, der im Postamt in Locarno die neuen Leitungen einbaute, sagte:3ft es nicht ein Wahnsinn, eine Weltkonferenz in einen: Fischer­dorf, das kaum 5000 Einwohner zählt, abzu­hallen?" Der Mann hat recht, Locarno darf tat­sächlich als der ungeeignetste Ort angesehen werden.

Die wenigen Hotels, durchweg Häuser zwei­ten Ranges, sind für einen Massenbesuch wie ihn eine so wichtige Konferenz mit sich bringt, nicht geeignet. Locarno verfügt nur über eUva 1000 Fremdenbetten, von denen ein großer Teil bereits am Dienstag beseht war, als Locarno als Konferenzort feststand. Das größte Hotel der Stadt, das Grand Hotel Palace, ist von den alliierten Regierungen, zu denen sich noch die polnische gesellte, bis unter dos Dach belegt worden. Die Delegationen sind zum Teil sehr stark. So wird die englische z. B. etwa 50 Personen zählen. Die kleinste Delegation ist die französische mit 17 Mann. Reben den Schlaf­zimmern werden zahlreiche Salons als Arbeits­zimmer für die Sekretäre und Schreibdamen ein­gerichtet, jede Delegation erhält einen Ferntele­graphen in ihrem Hotelzimmer eingebaut. 3m Äntergeschoß des Palace-Hotel befinden sich zwei große Säle, in denen vermutlich die Sitzungen abgehalten werden. Außerdem hat die Stadt­verwaltung von Locarno zu diesem Zweck ein öffentliches Gebäude zur Verfügung gestellt.

Die deutsche Delegation wird im Esplanade-Hotel untergebracht, das eine Stunde zu Fuß von Locarno in Minus io liegt. Dies Hotel ist in seiner äußeren Auf­machung noch moderner und besser eingerichtet, als das Palace-Hotel, jedoch bringt die Entfer­nung von der Stadt und von dem Konferenzort mancherlei Schwierigkeiten mit sich. Dr. Luther und Dr. Stresemann werden in der vierten Etage des Hotels Esplanade wohnen. Man ist hierbei einem besonderen Wunsche Dr. Stresc- manns gefolgt, der sich in den unteren Etagen in ällzugrvßer bedrohlicher Rahe der anderen Mitbewohner, besonders der Presse glaubte. Die deutsche Delegation hatte zuerst versucht, gleich­falls im Hotel Palace abzusteigen, da aber be­reits die zweite Etage von den Franzosen ein­genommen war, so hätte die deutsche Delegation die erste und dritte Etage beziehen müssen, und damit wäre eine Trennung ihrer Teil­nehmer durch die Franzosen erreicht gewesen. So fiel die Wahl auf das Hotel Esplanade. 3n dieser Beziehung ist es interessant, dah die Franzosen als die einzigen ihre Zimmer be­reits vor einer Woche belegt hatten, während die anderen Delegationen erst am Dienstag sich zu diesem Schritt entschlossen haben.

zur Zeit noch zahlreiche Fremde in 2d- catrar weilen, wird die Llnterkunft für die Pressemitglieder sehr schlecht sein. Man rechnet mit dem Eintreffen von ungefähr 300 3ournalisten. die Arbeits- und Schlafzimmer ha­ben müssen. Besonders die Engländer und Ameri­kaner sind recht anspruchsvoll. Aber sie werden mit den Regierungsvertretern manche Entbeh­rungen teilen und vor allem auf eigene Bade­zimmer verzichten müssen, die es in Locarno so gut wie gar nicht gibt. Die zweite große Frage ist es, wie der Verkehr mit der Außen­welt geregelt und ermöglicht werden soll. Seit einer Woche arbeiten schweizerische Erdarbeiter an 12 neuen Linien, die von Locarno nach Bellinzona gelegt werden, wo sie an das große Kabel angeschlossen werden sollen, das Italien mit Deutschland und der Rordschwciz verbindet. Diese Linien werden aber in erster Linie den Regierungen zur Verfügung stehen. So sind die Aussichten für die Liebermittlung der Presfenachrichten nicht sehr günstig. Ober- ingenieur Keller, den die Berner Oberpostdirek- tion nach Locarno gesandt, hat bisher alles Menschenmögliche versucht. Er ist Fachmann auf diesem Gebiet und von seiner Tatkraft wird es abhängen, was in den noch zur Verfügung stehen­den Stunden zu erreichen sein wird.

Danderveldes Erwartung.

Brüssel, 2. Okt. (Xil.) 3n einer Zusam­menkunft der Brüsseler Gruppe der belgischen Arbeiterpartei sagte der Außenminister Dan- derVelde zur Außenpolitik: 3n einigen Tagen werden wir großen Ereignissen beiwohnen. Man erwartet mit Hoffnung, daß Deutschland in den Völkerbund eintreten und am Werk der Weltbefriedung teilnehmen wird. Der Sicher­heitspakt wird kein Fetzen Papier bleiben. Er wird garantiert sein und die Garantie wird durch England erfolgen. Dann können wir an eine ernsthafte Vermin der ung der militärischen Ausgaben denken, bei uns und anderwärts.

MeInterparlamentarische Union

Washington, 1. Okt. (Wolff.) Unter Füh- rung des Abgeordneten Professor Schücking sind gestern abend die deutschen Delegierten zur Tagung der Interparlamentarischen Union im Sonderzug mit anderen Delegierten in Washington eingetroffen. Unter den Delegierten sah man den Reichstagspräsi­denten Loebe, den früheren Reichskanzler Dr. Wirth, den früheren Gouverneur von Deutsch- Ostafrika, Dr. S ch n e e, sowie die Abgeordneten Frau Pfuel, Frau Mende, Hollmann, Emminger, Erkelenz, Gildemeister, Adolf Braun und andere. Zur Begrüßung der Parlamentarier war der deutsche Botschafter, Frhr. v. M a l tz a n , mit dem gesamten Stabe der Botschaft am Bahnhof er­schienen. Die Delegierten wohnen in dem neu er­bauten, schönen Mayflower-Hotel.

Bei der Eröffnung des K o n g r e f s e s der 9ntcrpnrlamcniari(d)cn Union begrüßte Staatssekre­tär Kellog die 400 Delegierten von 38 verschiede­nen Staaten namens der amerikanischen Regierung und erklärte, nichts könne für die Förderung der freiheitlichen Ideale anregender sein oder dem Frieden mehr dienen, als daß Mitglieder verschie­dener Parlamente zusammenkommen, um ihre An­sichten über die Fragen des Weltfriedens auszu­tauschen. Eine Besserung der Lage müsse aus dem Herzen und dem Verstand der Völker kommen. Man müsse sie lehren, sich in friedlichen Gedankengänaen zu bewegen. Sie müßten einsehen, daß es zur Er­ledigung internationaler Streitigkeiten bessere Mittel gibt als die Zufallsentscheidungen des Krieges. Der immer mehr aufkommende Brauch, Staatsoerträge den Parlamenten zur Ratifizierung zu unterbreiten, bedeute eine kluge Maßnahme zur Förderung des Friedensgedankens. Der Geist gegenseitiger Dul- düng und Bereitschaft zur Unterwerfung unter Schiedsgerichte müsse wachgerufen werden, womit die Achtung vor den Rechten der Minderheiten ver­bunden sein müsse.

Der Reichsfinanzminister zur Wirtschaftslage.

Berlin, 1. Okt. (WTB.) Heute nachmittag empfing der Reichsfinanzminister die Vertreter der Beamtenspitzenorganisationen, die ihre Wün­sche auf dem Gebiete der Beamtenbesoldung vor­trugen. Sie schilderten die bedrängte wirt­schaftliche Lage aller Deamtengrup- p c n . besonders diejenigen der gering besoldeten, und bezeichneten eine Erhöhung der Bezüge als unabweisbar. 3n einer längeren Aussprache wur­den alle hierauf bezüglichen Fragen erörtert. Der Reichsfinanzminister machte ein­gehende Ausführungen über die allgemeine Wirt­schaftslage und die Finanzlage von Reich und Ländern, die ernster sei als vielfach dargestellt werde. Eine Erhöhung der Bezüge würde auch den Beamten auf die Dauer keine Verbesserung ihrer Lebenshaltung bringen, da bei einer all­gemeinen Gehaltserhöhung der großen Masse der öffentlichen Beamten und Angestellten bei der jetzigen Lage ein Steigen der Preise zu befürchten sei. Die weiteren Folgen auch für die übrigen Vevölkerungsschichten lägen auf der Hand. Der Präsident des Reichsbank­direktoriums habe die Reichsregierung er­sucht, allen Beteiligten riufbaltlos den Ernst der Lage unserer Gesamtwirtschaft und der auf dem Spiele stehenden 3nteressen der Gesamtheit vor Augen zu führen. Eine Erhöhung der Deamten- bezüge müsse nach der Ansicht des Reichsbank­direktoriums heute geradezu als ein Unglück vom Standpunkt der allgemeinen 3nteressen und der Gesamtwirtschaft angesehen werden.

Rach alledem glaubt der Reichsfinanzminister, daß die Rcichsregierung in Llebereinstimmung mit der Mehrheit der Länderregierungen eine Erhöhung der Bezüge zur Zeit nicht werde verantworten können. Dasselbe gelte auch für eine einmalige Wirtschaftshilfe, die von den Organisationen an zweiter Stelle gewünscht wurde. Ferner wurde die Frage der Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses erörtert, die zur Zeit n i d> t erfolgen könne, da dieser an die Mieten angelehnt sei und das durchschnitt­liche Riveau der Mieten bereits überschritten sei. Endlich wurde die Frage der mehrmonat­lichen Vorauszahlungen der Gehälter be­sprochen, wobei beiderseits das Für und Wider eingehend gewürdigt wurde. Die Vertreter der Beamtenorganisationen bedauerten, dah den Wünschen der Beamtenschaft zur Zeit nicht ent­gegengekommen werden könne.

Die ginspolilik bei Vergebung öffentlicher Gelder.

Berlin, 1. Oft (WB.) Der Reichskanzler empfing heute in Anwesenheit des Reichs - ministers der Finanzen und des Staats­sekretärs im Reichswirtschaftsministerium Dr. Trendelenburg die Vertreter des Reichs- stäütetages, des Reichsstädtrbundes, des Landkreistages, des Landgemeindetages und der Deutschen Girozentrale zu einer Besprechung über die Frage der Verbilligung der Zinsen für öffentliche Gelder. Die verschiedenen Vertreter erklärten sich bereit, die von der Reichs­regierung vorgeschlagenen Gesichtspunkte für die künftig einzuhaltenden Richtlinien bei der Ver­gebung öffentlicher Gelder ihren Organisationen zur Befolgung zu empfahlen. Sie betonten jedoch daß dieser ZinSpolitik ein voller Erfolg nur dann beschieden sein tonne, wenn auch von den Privatbanken durch eine entsprechende Zinspolitik sichergestellt werde, daß die eintre­tende Verbilligung des Geldes tatsächlich der Wirtschaft zugute komme.

handel und Gewerbe in Preußen.

Preußischer Landtag.

Berlin, 1. Okt. (WB.) Das Haus be­schäftigt sich mit der zweiten Beratung des Haus­halts für Handel und Gewerbe.

Berichterstatter Dr. Pinkerneil (D.Vp.) empfiehlt namens des Hauptausschusses, den Haushalt mit Ausnahme einiger Positionen un­verändert anzunehmen. Zugleich unterbreitet er dem Landtag 43 Anträge, Die u. a. die not wirt­schaftlichen Verordnungen, die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe, Handwerkerfragen, Beseitigung der älmsatzsteuer, Kredithilfe, Handelskrieg mit Polen und Handelsvertrag mit Frankreich betreffen.

Handelsminister Dr. Schreiber führte aus, es sei zu hoffen, dah der Landtag demnächst ein Gesetz verabschieden könne, das die BeitragspflichtderWirtschaft auf er­trägliche Grenzen zurückführe. Als wesentlich neue Aufgabe habe das Handelsministerium das Flugwesen zu bearbeiten. Es sei zu hoffen, daß bei den jetzt beginnenden Paktverhandlungen die unverständlichen Hemmungen des friedlichen Flugverkehrs für Deutschland beseitigt werden. Für das 3ahr 1925 seien insgesamt in Deutsch­land 62000 Fluggäste und 1,5 Millionen Kilo­meter von den deutschen Fluggesellschaften im 3n» und Auslande zurückgelegter Flugstrecke an 3ahresleistung zu erwarten. Eine entschlos­sene Sozialpolitik sei nationale Rot Wen­digkeit. Bezüglich der Reichsbahn müsse Preu­ßen erwarten, daß der ihm gebliebene Einfluß nicht noch weiter beschränkt werde. Das sicherste Mittel, die Ausfuhr zu heben und die Einfuhr zu drosseln, wäre die Senkung der deutschen Preise. Eine Senkung der Löhne sei nur mit einem gleichzeitigen allgemeinen Preisabbau möglich, damit der Reallohn nicht finft. Allmäh­lich setze sich wieder der Grundsatz durch: Gro­

ßer Umsatz kleiner Ruhen. Dabei sei auch eine Erleichterung der Steuerlast zu wünschen und eine entschiedene Verwaltungs­reform. Die wirtschaftlichen Befserungszeichen würden sich deutlicher abheben, wenn die Paktverhandlungen in Locarno zur Befriedung Europas und zur Befreiung Deutschlands führen. (Beifall.)

Die Beratung wird dann durch die QI b ft i m- mungen unterbrochen. Die angefochtenen Titel des Haushaltes des Wohlsahrtsministeriurns wer­den nach den Anträgen des Ausschusses angenom­men. Der sozialdemokratische Antrag, dasStaats- minifteriunt möge bei der Regierung die Frage des sogenannten Bodenreformgesetzes anregen, wird in namentlicher Abstimmung mit 187 gegen 149 Stimmen angenommen.

Die Aussprache über die Handels- und De- werbeverwaltung wird hierauf fortgesetzt.

-Qlbg. Hager (Z.) stimmt den Ausführungen des Ministers im allgemeinen zu. Die Reichs­bahn sollte ihre Tarife mehr den Bedürfnissen der Wirtschaft anpassen. Die Reichsregierung sollte ihren ganzen Einfluß auf die Gemeinden dahin geltend machen, dah sparsamer ge­wirtschaftet und Handel und Gewerbe weni­ger als bisher belastet werden.

Weiterberatung Freitag.

parlamentarischer aur Hessen.

Kürzlich hatten der Qlbg. Dingeldey und die Fraktion der Deutschen Volkspartei im Landtage eine Anfrage eingebracht, weil die Regierung angeordnet hatte, aus Anlaß der Reichsbannertage in Mainz und Darmstadt die staatlichen Gebäude zu beflaggen. Eine gleiche Anfrage ist jetzt auch von der Deutschnationalen Volkspartei ein* gebracht worden. Staatspräsident Ulrich hat jetzt auf die deutschvolksparteiliche Anfrage eine Antwort erteilt, die den Kern der Sache gar nicht berührt. 3n der Antwort wird zugegeben, daß Die Reichsbannertage Privatvera n st a I» t u n g e n sind, sie wären aber unbestreitbar vaterländisch und Dienten Der Festigung Der Deutschen Republik." Von einem parteipolitischen Charakter des Reichsbanners kann also nicht ge­sprochen werden." Weiter wendet sich Die Ant­wort gegen die Bezeichnung Derartiger Tagungen als parteipolitische Reklame. Pflicht der Landes­regierungen fei es, Die Farben des Reiches zu schützen. Daraus ergebe sich folgerichtig, daß, wenn andere politische Vereine Tagungen zu Ehren der verfassungsmäßigen Reichsfarben ver­anstalteten und hierzu Den Wunsch aussprechen sollten, daß Die staatlichen Gebäude mit Den Reichsfarben beflaggt würden, Die Regierung Des Volksstaates Hessen Diesem Wunsche ent­sprechen würde.

Auf eine QInfragc des Abg. Diugeldeh und Der Fraktion der Deutschen Volks­partei wegen Besetzung des Berliner Gefandtenpostens erwidert Der Staats­präsident, daß die Anfrage sich auf unkontrollier­bare Gerüchte stütze. Eineunzweifelhafte repu­blikanische Gesinnung" sei Vorbedingung für den Anwärter dieses Postens.

Die Deutschnationale Volkspartei weist in einer Anfrage an die Regierung auf einen Artikel desDeutschen Vorwärts" hin, in Dem geschilDert wird, wie der Ministerialrat im hessischen Stvatsministerium und sozialdemokrati­sche Landtaasabgeordnete Bornemann vor einigen Wochen nachts 2V3 Llhr beim Heber- kne ipen in einer Wirtschaft abgefaht wurde. Dem zur Feststellung seiner Personalien schreitenden Schupobeamten habe Bomemann ent­gegengeschrien:Wissen Sic, wer ich bin? 3ch bin Der Ministerialrat Bornemann; scheren Sie sich hinaus!" Das Amtsgericht habe gegen Bomemann auf einen Strafbefehl von 25 Mark erkannt. Das Justizministerium habe Dann auf ein Gesuch des Ministerialrates Byrnemann hin, Der in Gruppe 13 sei, und erklärt habe, er könne diese hohe Strafe nicht bezahlen, auf 12,50 Mark herabgesetzt. Es wird Dann an ge­fragt: 1. Beruht diese Schilderung auf Tat­sachen, oder wie verhalt sie sich? 2. 3st die Regierung bereit, Dem Landtag das Material in dieser Angelegenheit vorzulegen? 3. Oder hat Die Regierung eine amtliche Untersuchung in der Sache ungeordnet und welches Ergebnis hat diese gehabt?

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Tschechenterror im Hultschiner Ländchen.

Prag, 2. Okt. ($11.) 3n Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage hat das tschecho­slowakische Ministerium des Innern mitgeteilt, die Auflösung der Gemeindevertre­tung der Stadt Krawarn im Hultschiner Ländchen sei aus folgenden Gründen erfolgt: Er­stens habe sich die deutsche Mehrheit der Ge­meindevertretung geweigert, Dem Antrag der tschechischen Mitglieder zuzustimmen, wonach die Hissung der schwarz-weiß -roten Fahne auf dem Kirchturm Der Stadt in "Der Rächt vor Der Feier Der fünfjährigen Einver­leibung des Hultschiner Ländchens in die Tschechoslowakei als 3lloyalität verur­teilt werden sollte. Ferner habe dieselbe Mehr­heit sich geweigert, eine Festsitzung der Ge­meindevertretung am Tage Der Einverleibung einzuberufen und an dieser Feier teilzunehmen. Die politische Landesverwaltung in Troppau habe Darin mit Recht eine die Würde des Staats bedrohende und die öffentliche Ruhe des Hul­tschiner Landes sehr gefährdende Handlung er­blickt und daher die Gemeindevertretung be­rechtigterweise aufgelöst. Die Beschwerde ge­gen die Auflösungsverfügung wurde bereits am Obersten Verwaltungsgericht erhoben.

Vie europäische Lustkonserenz in Stockholm.

Stockholm, 1. Oft. (TU.) Auf Der inter­nationalen Luftfahrtkonferenz in Stockholm wur­den in Form und 3nhalt Drei gänzlich verschie­dene Anträge gestellt, Die aber Darauf ausgehen, eine internationale Zentralstelle für Die Handelsluftfahrt zu schaffen. Hier­über wurde in zwei Kommissionen verhandelt. An der einen beteiligten sich Die Vertreter Der Staats­behörden, Die andere war aus Vertretern sämt­licher Luftverkehrsgesellschaften gebildet. Letztere hat beschlossen, sofort eine Kommission zu gründen, die binnen sechs Monaten eine endgültige euro­päische Luftverkehrszentrale in Vorschlag bringen soll. Als Vertreter Deutschlands wurden in Die

Kommission gewählt: vom Deutschen Aero-Lloyd Direktor Wronsky und vom Funkers Luftver­kehr Direktor Gotthard Sachsenberg. Die Tatsache, daß dies Den ersten konkreten Entschluß zur Bildung einer internationalen Luftverkehrs­kammer bedeutet, an der neben Den Ententestaaten Deutschlandvollbeteiligt ist und ebenso die beiden zwischenstaatlichen Organisationen Europa Union und 3atta, ist ein unerwartetes Ergebnis. Die wirtschaftlichen Prinzi­pien der Handelsluftfahrt scheinen gegen die politischen RachkriegSschranken nunmehr in allen Staaten zum völligen Durchbruch zu gelangen. Deutschland kann dies um so mehr begrüßen, als seine Handelsluftsahrt-Unternehmen stets hervor­ragende Träger dieser 3dee waren und eben da­durch ihre Stellung in Europa trotz aller poli­tischen Schwierigkeiten weiter ausbauen konnte.

Die Spanier vor Ajdir.

Paris, 1. Okt. Ein spanisches offizielles Kom- muniqus teilt mit, daß die spanischen Truppen heute mittag die wichtige vor Ajdir gelegene gegne­rische Stellung von Adrar besetzt hätten. Von dieser Stellung aus könne man die Residenz Abd el Krims unter Feuer halten. Der Gegner soll nut ganz leichten Widerstand geleistet haben. Der weitere Vormarsch auf Ajdir soll sich in vollem Gcmgq^be- finden. Die Truppen seien durch das Artilleriefeuer der Schlachtschiffe und der bei Alhucemas aus­gestellten schweren Artillerie sehr wirksam unterstützt worden, so daß hierdurch der Widerstand der Rif­leute stark gelitten bat. Der um 3.15 Uhr nachmit­tags von General Primo de Rivera von Bord des KreuzersAlfonso XIII." ausgegebene Funkspruch besagt, daß infolge der Beschickung durch die (Spa­nier die Hauptstadt des Rifs, Ajdir, in Flam­men stehe. Unter den brennenden Gebäuden be­findet sich der Palast Abd el Krims. Im Frontabschnitt des 19. Armeekorps sollen die fran- zösischen Truppen in einer Tiefe von 15 Kilometer weiter vorgerückt sein. Auf einer Frontlänge von 20 Kilometer werde eine Art Fächer gebildet, der nördlich von Äiffane eine Tiefe von 20 Kilometer und auf beiden Flügeln eine solche von 14 Kilometer aufweife. Das durch diesen Vorstoß besetzte Gebiet umfasse beinahe 300 Quadratmeilen. Die französi­schen Truppen befänden sich seit dem zweiten Tage der Offensive in den Engpässen, die nördlich von Kif- sane in die Ebene des eigentlichen Rifgebietes führen.

Kollektivnote der Mächte an China.

London, 1. Okt. (WTB. Reuter.) Die Mächte genehmigten die an die chinesische Regie­rung abzusendende Kollektivnote, in Der Der Wunsch ausgesprochen wird, den Streit über Die Vorfälle in Schanghai vom 30. Mai beizulegen. Qllles nur Mögliche solle getan werden, um Die Lage in Schanghai zu bessern. Alle militärischen Maßnahmen sollen auf gehoben und die QHanne* detachements zurückgezogen werden.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident v. Hindenburg wird Ende Oktober oder Anfang Qtouember Den süddeutschen Länderregierungen einen Besuch abstatten. Er wird bei dieser Ge­legenheit auch nach Darmstadt kommen; an hiesigen amtlichen Stellen ist aber noch mchts Räheres über den Zeitpunkt bekannt.

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Die Innenminister der Länder sind für heute nach Berlin berufen worden, wo sie u. a. mit dem Reichsminister des 3nnern über Polizei- sragen im Zusammenhang mit der Cntwafs- nungsnote der QUIiierten und über Fragen des Preisabbaues beraten werden.

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Wie dieVoss. Ztg." erfahren haben will, soll der Staatssekretär im preußischen Mini­sterium des 3nnern, Meister, demnächst aus Dem Ministerium ausscheiden und einen hohen Derwaltungsposten übernehmen. Staats­sekretär Meister, her politisch rechts eingestellt ist, soll mit Dem preußischen Innenminister Se - v e r i n g verschiedentlich sachliche Meinungs­verschiedenheiten gehabt haben.

Das neue Geschäftsgebäude der unter Leitung des Präsidenten Dr. 6 artet stehenden Reichs­bahndirektion Trier wurde eingeweiht.

Aus aller Welt.

SchifiSbrand im Hamburger Hafen.

An Deck des im Hamburger Hafen löschenden japanischen Dampfers3utuf u Maru" lager­ten 147 Kisten mit Filmen. Aus einer brach plötzlich eine Sti ch flamme, die in wenigen Minuten die anderen Kisten explofip- artia in Brand setzte. Die an Bord be­findlichen Schauerleute und 'Schuppenarbeiter stoben in wilder Flucht auseinander. Füirfzehn von ihnen wurden verletzt, Darunter drei schwer. Beim Eintreffen der Feuerwehr war das ganze Schiff in Flammen ge­hüllt. Ungeheure Wassermassen wurden in den Rumps hineingepumpt, um das Feuer zu löschen. Erst nach vierstündiger harter Arbeit konnte der Brand eingedämmt werden. Die enorme Hitze brachte die Maste und das Gestänge fast zum Glühen. Der angerichtete Schaden ist sehr groß.

Ein gefährlicher Schwindler.

3n Eisleben wurde der Kaufmann Hil­bert wegen zahlreicher Detrugsfälle zu Drei Fahren Gefängnis, hundert Mark Geldstrafe und fünf 3ahren Ehrverlust verurteilt. Dem Ange­klagten wurde in 3800 Fällen nachgewiesen, daß er Durch besonders angenommene und durch ganz Deutschland reisendoVertreter Kreditsuchenden Hilfe angeboten hatte, obwohl er über keinen Pfennig Be­triebskapital in seiner angeblichen Hypotheken­bank verfügte.

Wettervoraussage.

Heiter bis halb bedeckt, Winde aus nördllcher bis westlicher Richtung, etwas milder, nur stellen­weise leichte Niederschläge, Morgennebel.

Die Lage ist im allgemeinen unverändert, doch scheint das nördliche Störungsgebiet über Finnland nach Südosten abzuziehen. Die Hoch­drucklage ist aber noch nicht gesichert. Aus­läufer der nördlichen Tiefdruckkette können zeit­weise Störungen bewirken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 15,5, Minimum 12,2 Grad Celsius.. Heutige Morgen­temperatur 14,9 Grad Celsius.