Ausgabe 
25.2.1929
 
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billigt Kapitel 112, 112 a, 113 ttn» 114 fanden Annahme. Bei Kapitel 115 (Kraft- und jFlugverkehrsgesellscha ten) brachte die Mehrheit ocs Ausschuss zum 'jluätrud, daß eS für die Zukunft unmöglich fein werde, staatliche Zufchüffe an Unternehmen zu zahlen, die sich nicht selbst rentierten. Auch die "Regierung erklärte, dah für die Zukunft Sub­ventionen an Flugverkehrsgesellschaften nicht mehr in Frage kommen könnten. Ein kommunistischer Antrag, die Etaatszuschüsse an die Flugverkehrs- gesellschasten zu streichen, wird jedoch auf Antrag der Regierung diesmal noch -urückgewresen. Das Kapitel selbst wird dann genehmigt, ebenso die restlichen Kapitel des Finanzministeriums 116. 117 und 118. Angenommen wird auch das zurück- aestellte Kapitel 33 (Polizei). Der Ausschuß bil- Ngte dann noch die allgemeinen Uebergangsbe- stimmungen und das Finanzgesetz für das Rech­nungsjahr 1929/30.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

* Heuchelheim, 23. Febr. Die hiesige Freie Turnerfchast bereitet gegenwärtig mit großem Eifer die Feier ihres 25jährigen Bestehens vor. die vom 29. Juni bis l.Juli begangen werden soll. Die Veranstaltung wird etwa 500 bis 600 Wetturner nach unserem Orte führen; sie findet auf dem bekannten Sportplatz, der noch erweitert wird, statt. Alle Gesangvereine unseres Ortes werden das Turnfest durch die Ausführung eines Massenchors, sowie durch Einzelchöre verschönern. In der Ein­wohnerschaft findet der Iubiläumsverein bei seinen Arbeiten für dos Turnfest weitgehende Unter- Titciß a. d. Lda.. 23. Febr. Die Eheleute Johann Heinrich Kehr und Anna Margareta, geb. Grau, feierten heute in körperlicher und gei­stiger Frische ihre goldene Hochzeit. Der Ehemann ist 79, die Ehefrau 78 Jahre alt. Rach der kirchlichen Einsegnung, die im Hause ab- aehalten wurde, überreichte der Geistliche im Ramen des Landeökirchenamtes und des hiesigen Kirchenvorstandes G.ückwunschschre^en, die der Gemeinde, des Krei.amteS und des Ministeriums, letztere mit einer Geldgabe verbunden, .überbrachte in Stellvertretung des Bürgermeisters der Bei- geordnete; das Schreiben des Reichspräsldenten traf mit dec Post ein. Der Ehemann war über 50 Jahre auf dec Main-Weser-Hütte zu Lollar als Arbeiter beschäftigt.

0 Allertshausen, 24. Febr. Der anhal­tend schwere Frost hat sich auch in unserer Ge- meinte in recht unangenehmer Weise ausgewirkt. Das Eis hat die Wasserpumpe in unserer Pumpstation aufgesprengt, so daß unser Dorf schon beinah« acht Tage ohne Wasser ist. Infolgedessen sind die Einwohner genötigt, das Wasser für den Haushalt mittels Eimern und kleinen Fässern an einer etwa 20 Minuten mi- fern ten Quelle zu holen, eine Arbrit. die B-4 dieser Kälte gerade nicht angenehm ist. Das Wasser für das Vieh wird einem benachbarten Teich entnommen. Da für die Haltbarkeit der alten Pumpe nach dem Schweißen von der Firma keine Garantie übernommen wurde, mußte die Ge­meinde sich zum Kauf einer neuen Pumpe ent­schließen. D.s zum Eintreffen und Jnstandsetzen der Pumpe werden noch Tage vergehen.

ft. Stockhausen. 24. Febr. Dieser Tage wurde unter großer Beteiligung unser langjähri­ger Gemeinderechner Heinrich Knöß zur letz­ten Ruhe bestattet. Der Geistliche schilderte dm Dahingegangenen als treuen, aufrichtigen Men­schen. Bürgermeister Jochim widmete dem Der- ewigten, mit dem er immer im besten Einver­nehmen gestanden hat, einen ehrenden Rach ruf und legte zum Zeichen äußerer Anerkennungg einen Kranz im Auftrag der Gemeinde nieder. Der Kriegerverein und der GesangvereinLieder­kranz" Stockhausen gaben ihrem Kameraden und Sangesbruder das letzte Geleit. Der Gesang­verein fang zwei Trauerchöre auf dem Friedhof und ließ durch seinen ersten Dorsihenden Kart Hartmann einen Kranz niederlegen. Im Auf­trage des Kriegervereins fand Beigeordneter Otto Carle ehrende Worte und legte für diesen Verein einen Kranz nieder.

# Sj u n g e n , 23. Febr. In diesen lagen konnte Wilh. Frutig II., dahier, auf feine 50jährige Tätigkeit als Schuhmachermeister zu­rückblicken. Von der hessischen Handwerkskammer in Darmstadt wurde ihm aus diesem Anlaß ein in Vierfarbendruck ausgeführter Ehrenmeisterbrief verliehen. Der Jubilar ist geistig noch sehr rüstig und körperlich so wohlauf, daß er noch täglich seinem ihm liebgewordenen Berufe nachgehen kann. Der Mann steht im 78. Lebensjahre.

s. Trais-Horloff, 24. Febr. Ein schwerer U n g l ü ck s f a l l ereignete sich am Freitag im Be­triebe des hiesigen Schwelwerkes. Der Ar- beiter Müller aus dem benachbarten Langd war auf den Kohlenhalden beschäftigt, wohin die geför­derte Kohle mittels Talbotwagen verbracht wird. Dabei wurde er von einem sog. Heinzelmann, einer maschinellen Vorrichtung, die die geförderte Kohle auf ein Transportband schafft, erfaßt und erlitt eine schwere Quetschung des Beckens. Er wurde sofort in die Klinik nach Gießen verbracht, wo er inzwischen seinen schweren Verletzungen erlegen ist. Der Ver­unglückte, dessen beide Brüder gleichfalls hier bei der GewerkschaftFriedrich" beschäftigt sind, war noch ledig.

F Obbornhofen, 24. Febr. Wie seinerzeit berichtet, weist unser Dorf eine große Zahl alter Einwohner auf. Ter Tod hat nun in den letzten Wochen unter ihnen reiche Ernte gehalten. Rachdem im Vormonat der älteste Ein­wohner im Alter von nahezu 103 Jahren zu Grabe getragen wurde, sind in der verflossenen Woche allein drei Alte den Weg alles Irdischen gegangen, darunter auch der zweitälteste Einwohner, der Ortsbürger Heinrich Kammer. Er erreichte ein Alter von rund 91i/2 Jahren.

# Langd , 22. Febr. Der hiesige Krieger- verein hat das Dezirksfest deS H a s s i a b e - zirkes Hungen übernommen, das am 7. Juli gefeiert wird. Schon jetzt werden die nötigen Vorbereitungen getroffen. Don den Frauen und Jungfrauen wird eine Fahnenschleife gestiftet, die bereits in Auftrag gegeben ist. Auch hier hat der anhaltende strenge Frost schwere Schäden angerichtet. Die Wasserleitung ist mehrfach eingefroren, die Kälte ist sogar bis In die Keller gedrungen, wo teilweise die Dickwurzel- und Kartosfelvorräte dem Frost zum Opfer ge­fallen sind. Schon seit dem starken Einsetzen des Frostes sind die Holzhauerarbeiten so­wohl im Staats-, als auch im Gemeindewald eingestellt worden, da ein Roden der Bäume unmöglich ist und die geworsenen Stämme im älnterholz der Hegen großen Schaden anrichten.

Aus aller Wett.

MauNorbzwavg für Affen?

(r) Amsterdam.

Eine mehr als sonderbare Geschichte meldet da- Soerabaja Handelsblad" in Riederländisch-Ost- indien. Diele Eingeborene, aber auch Europäer, halten sich dort kleinere und mittelgroße Assen als Haustiere das Einsangen und gewiß nicht immer ungefährliche Halten des Orang-ältangS ist vor kurzem erst durch eine Derordnung der Kolonialbehörde verboten worden. Der Kontroll­beamte B. nun. der in Bandjermasin wohnt und seine Affen in den Hofräumen frei umherlaufen läßt, wurde kürzlich von einem dieser Tiere, als er sich in ein Dorratsgcbäude begeben wollte, unversehens von hinten überfallen und in den Racken gebissen. Wenige Stunden darauf war das Tier, mit Schaum am Maul und verdrehten Augen, krepiert, so daß man den Verdacht der Tollwut faßte und den Gebissenen so schnell tote möglich nach Bandveng ins Hospital brachte, damit er eine Pasteursche Impfung erhalten konnte.

In demselben Hospital wurde auch der Kada­ver des Affen untersucht. Man öffnete den Schä­del, untersuchte das Hirn und fand den Toll­wutverdacht bestätigt. Daraufhin nahm sich sofort die Behörde der Angelegenheit an und befahl in dem ganzen Distrikt eine gründliche Raz ia auf ämtliche frei umherlaufenden .Hausaffen", deren Besitzern unter Androhung von strenger Bestra- ung eingeschärft wurde, die Tiere einzusperren oder anzuketten. Die Behörde wlll, wie das Soerabaja Handelsblad" meldet, sogar noch weiter gehen und den Maulkorbzwang für die Affen einführen. Allerdings müssen nach An- icht des Blattes diese Maulkörbe erst noch kon- truiert werden.

Missouri Meerschaum."

(aga) Reuyork.

Eine gute Idee, ein origineller Einfall, richtig ausgewertet, bringt den Menschen rascher vor­wärts als aller Fleiß, alle Strebsamkeit, alle- Sparen . . .

In Oalland, gegenüber San Franzisko im Staate Kalifornien, ist dieser Tage Anton A. T i b b e zu Grabe getragen worden, den ein glücklicher Einfall zum Millionär gemacht hat. Sollte der Leser nicht wissen, was .Missouri Meerschaum" ist, so sei er daran erinnert, daß er sicher schon mal irgendwann und wo die Karikatur eines bocksbärtigen, hakennasigen ame-

Die Grippe tritt hier sehr stark auf. Es gibt fast kein Haus, in dem sie nicht zu finden ist. Zum Glück ist der Krankheitsverlauf nicht bösartig. Die hiesige Volksschule, die durch den letzten Abbau einklassig wurde, weist in den nächsten Jahren steigende Schä­le r z a h l e n auf, so daß die Wiedererricht'mg der zweiten Stelle, die durch Eingaben an die zuständigen Stellen seitens des Orts- und Schul­vorstandes mehrfach gefordert wurde, el.te zwin­gende Rotwendigkeit wird. Die Klassenstärke be­trägt in zwei Jahren 83 K'nder, die sich auf acht Jahrgänge verteilen. Daß bei solch hohem Klassenstand ein gedeihlicher ilntcrridjt und eine individuelle Behandlung der Kinder nich durch­führbar ist, leuchtet ohne weiteres ein. i. .ic&en hat der Lehrer noch eine gemischte Knaben- und Mädchenfortbildungsschulklasse von 25 Schülern zu unterrichten.

Kreis Friedberg. *

WER Friedberg, 23. Utarp. Rach einer Mitteilung der Stadtverwaltung haben sich um die neuzubesetzende Stelle eines Chefarztes des hiesigen Krankenhauses zirka 7 0 Herren gemeldet. Die Kommission wird in ihrer nächsten Sitzung die Entscheidung über den neuen Leiter treffen.

Friedberg, 22. Febr. Anerkannte Ver­dienste um die heimatgeschichtliche Forschung hat die Wetterauer Museumsgesell­schaft. die im Jahre 1921 begründet wurde und seit dieser Zeit sich günstig weiterentwickelt hat. Das hiesige Museum und das städtische Archiv, die über den lokalen Rahmen hinaus wertvolle heimatkundliche Forschungsstätten ge­worden sind, haben der Museumsgesellschaft zahlreiche seltene und wertvolle Reuanschaffun- gen zu danken. Bei der gestrigen Hauptver­sammlung konnte der Vorsitzende der Gesell- fchast, Bürgermeister Dr. Seyd, einen in je­der Hinsicht befriedigenden Geschäftsbericht er­statten. Die Gesellschaft zählt 120 Mitglieder und ihr Fortbestand ist finanziell in erster Linie durch die korporative Mitgliedschaft von Stadt und Kreis Friedberg gesichert. Das Wetterauer Museum kann seit seiner Gründung die erfreu­liche Zahl von 35 000 Besuchern aufweisen. Be­sondere Verdienste hat sich die Mufeumsleitung durch die wiederholte Einrichtung von Mu­seumskursen erworben, die der Einführung der Lehrerschaft des Kreises in die Bestände des Museums galten und zur Folge hatten, daß die Schulen immer mehr die wertvollen Sammlungen in den Dienst deS heimatkund­lichen älnterrichts stellten. Dank für die segens­reiche Arbeit der Museumsgesellschaft gebührt, wie Bürgermeister Dr. Seyd ausführte, vor allem der uneigennützigen Tätigkeit von Prof. Dr. Blecher und Prof. Dreher. Rach dem ge­schäftlichen Teil der Versammlung lieh Prof. Dreher in einem ausgezeichneten Dortrag einen Blick in die Zeit der Herenprozefse tun, die auch in der Wetterau nicht feiten waren. An Hand von Archivakten schilderte der Redner den Derlauf eines solchen Prozesses, der mit Verbrennung der Angeklagten endete.

4 Bad-Rauheim, 25. Febr. Ein seltenes Jubiläum im Dlenste der Allgemeinheit können morgen die Beigeordneten Rvtar Stahl und Oberbademeister Kissel begehen. Es sind näm­lich 25 Jahre, daß sie ununterbrochen im Vorstand des hiesigen Derkehrsvereins tätig sind, ersterer als Vorsitzender, letzterer als Rechner. Die beiden Jubilar«, die sich auch auf anderen Gebieten in hervorragender Weise ge­meinnützig betätigt haben und heute noch be­tätigen, haben in dieser langen Ze.t außerordent­lich viel zur Förderung des Foemdanverkehrs getan. Stadt und Bad haben ihnen sehr vieles zu danken. Der Derkehrsverein kann mit Be­friedigung auf die Arbeit zurückblicken, die er unter der umsichtigen Führung der Jubllare geleistet hat. Es seien nur einige Zahlen genannt Allein an Werbeschriften wurden in den 25 Jah­ren herausgegeben 70 000 kleine und große Alben von Bad-Rauheim, 330 000 deutsche Fremden­führer von Bad-Rauheim, ferner 25000 in eng-

rikonischen Farmer- gesehen hat, mit einer auS einem Maiskolben gefertigten Pfeife im QBunbe. DieserCorn Cob"-Pfeife hat der amerikanische Dolkswitz den DamenMissouri Meerschaum" beigelegt Sie wird nicht nur hierzulande all­jährlich in ungeheuren Mengen verbraucht, son­dern eS wandern auch Jahr für Jahr mehrere Millionen Stück europawärts.

TibbeS Daker Heinrich, ein deurscher Holzar­beiter, in Washington im Staate Missouri an­sässig, wurde eines Tages eS war vor ellichen fünfzig Jahren von einem Rachbarn ersucht, ihm den getrockneten Stengel eines entfernten Maiskolbens auf seiner Drehbank auszubohren, er wolle sich ein Pfeifchen daraus machen. Der ältere Tibbe erkannte den Wert dieser Rovikät, holte sich bei seinen Rachbarn ein paar Säcke Maisrispen, die sonst inS Feuer gewandert wä­ren, stellte daraus Pfeifen her, die er mit einem Stiel aus hartem Schilfrohr versah und begann damit einen Keinen Handel. Aber seinem Sohn blieb es Vorbehalten, das Geschäft zu einem Großbetrieb zu machen: er stellte sich einen un- verbrennlichen Gips zusammen, mit dem er die sonst rasch ausbrennenden Pfeisen ausgoh. und mit der Zeit brachte er es dahin, dah die Be­sitzer von zwanzigtausend Ackern Landes in der Umgegcnb von Washington ausschließlich für ihn Mais anbauten. Wenn man bedenkt, daß ein Acker (ein Hektar ist rund 25 Acker) durch­schnittlich 4000 Maiskolben hervorbringt, erhält man einen Begriff von der Beliebtheit, der sich diese überall im Lande um fünf Cents das Stück erhältlichen Pfeife erfreut.

.Missouri Meerschaum" wird heute nicht nur in seinem Heimatsstaate, sondern allüberall im sogenannten Maisgürtel erzeugt. Das HandelS- amt in Washington D. C. hat kürzlich sich auch mit dieser Raucherutensil statistisch befaßt und hat ausfindig gemacht, daß der Staat Massa­chusetts die größte, Pennsylvanien die zweit­größte und Reuyork die drittgrößte Menye ver­brauchte. lieber zwei Millionen werden jährlich nach Europa ausgeführt. Tibbe kam übrigens später auf eine weitere gute Idee, er versah die Pfeifenstiele mit einem Mundstück aus Kno­chen, da das Schilfrohr-Ende den derben Zähnen der Farmer nicht den nötigen Widerstand ent­gegenzusetzen vermochte.

Als Kuriosum sei erwähnt, daß Washington in Missouri, dem Geburtsort der Maiskolbenpscife. als zweiten Haupterwerb die Fabrikation von Zithern betreibt

lischer, 12000 in russischer und 6030 in franzö­sischer Sprache. 3m Landes-Eisenbahn- rat setzt sich Rotar Stahl auch stets mit Rach­druck für die oberhessischen Eisenbahnwünsche ein, ferner arbeitet er Im erweiterten Vorstand des Derkehrsbundes Oberhessen und im Vorstands des Hessischen Derkehrsoundes Darmstadt in eif­riger Weise mit bei der Förderung der ober- heffischen und gesamtheffischen Derkehrsbelange.

Kreis Büdingen.

# 91 i b b a , 24. Febr. Die Himmelsbachsche H o l z i n b u ft r i e sah sich gezwungen, in der ab- gelaufenen Woche die zweite Arbeitsschicht abzubauen und für einen Teil der Arbeiterschaft Kurzarbeit (3 Tage) einzuführen. Man rechnet auch mit Arbeiterentlassungen. Diese Maßnahme ist darauf zurückzuführen, baß infolge bes langen, stren­gen Winters in der Erteilung von Aufträgen für die kommende Bausaison größte Zurückhaltung herrscht Holzvorräte sind noch genügend vorhanden. Grippe und Mumps greifen in der ganzen Umgebung stärker um sich. In manchen Schulen blieb fast fein Kind von der Mumps verschont. Es ist eine eigentümliche Erscheinung, daß auch sehr viele Erwachsene davon befallen werden. Bei ihnen tritt die Krankheit meistens heftiger auf als bei den Kindern, die nach 8 bis 10 Tagen wieder schul­fähig sind.

e Berstadt, 22. Febr. Der h e s s i s ch e L a n d- jugendbund ist rege am Werk, seine Anhänger neu zu organisieren. So wurden in der Wetterau in Gambach, Wohnbach, Echzell, Gettenau, Reichels- heim und in anderen Orten starke und lebendige Ortsgruppen neu gegründet und neu be­lebt Nachdem Mitte Februar Lehrer Henrich aus Friedberg in Berstadt bereits einen vorberei­tenden Vortrag gehalten hatte, war für vorigen Mittwoch wieder eine Versammlung einberufen worden. In ihr legte Lehrer Henrich in längerer Rede die Stellung des Landjugendbundes im poli­tischen Leben bar. Die heutigen politischen Par­teien seien nicht in der Lage, die Probleme zu lösen, die ihnen gestellt werden, denn bei ihnen gehe zu häufig Eigennutz, d. h. Nutz und From­men der Partei, vor Gemeinnutz, d. h. vor dem Wohl des Dolksganzen. Landbund und Ehristlich- 9lationale Bauernpartei seien hn Einrücken der Bauernorganisationen in die letzte Stellung der vor­deren politischen Front Hinter dieser Front und in ihrem Schutze müsse die nationale Dolksbewe- fiung gepflegt und gefördert werden, die zum Dolks- taat führen werde. Die Dauernjugend, die im Land- jugenbbunb an dieser Bewegung mitarbeite, solle ihren Führern gegenüber nicht den Verdacht hegen, daß diese aus ihrer politischen Tätigkeit ein Ge­schäft machen würden. Die Führer des Land- jugenbbunbes feien von ber Ueberzeugung burch- brungen, bah bei einer Neuordnung der Dinge ber Bauernstanb nicht beshalb sich um feine berechtigten Forderungen betrogen sehen dürfe, weil er sich nicht rechtzeitig eine gesunde und starke Organisation ge­schaffen habe. Deshalb habe auch jeder Jungbauer und jeder Dorfbursche seinem Stande gegenüber die Pflicht, dem Canbjugenbbunb anzugehören. Im Landjugendbund solle in erster Linie praktische Ar­beit geleistet werden. In einem weiteren Teil seines Vortrags zeigte ber Redner an einer Reihe von alten bäuerlichen Sprichwörtern und Bräuchen, eine wie umfassende urwüchsige und bodenständige Kraft im geistigen Leben des oberhessischen Bauernvolkes lebte und noch lebt, die man nicht vernachlässigen dürfe. Der Beifall bewies dem Redner, daß feine Worte auf fruchtbaren Boden gefallen waren. Im gleichen Sinne war eine Anzahl Unterschriften auf ber Liste ber neuen Ortsgruppe des Landjugend- bundes zu verstehen, die sich wohl in nächster Zeit noch erheblich vergrößern dürfte.

Kreis Schotten.

Laubach. 22. Februar. Gestern wurde der Altveteran Christian Schlörb unter milltärischen Ehren zur letzten Ruhe bestattet. Vor drei Jahrzehnten hatte er sein Metzgerge­schäft in unser Städtchen verlegt. Im Juni 1866 wurde er Rekrut beim Großh. Hess. Chevau- leger-Rgt. in Darmstadt, kam redoch nicht mehr zum Ausrücken. Dagegen machte er den ganzen

Feldzug .1870/71 mit DIS zuletzt rüstig, machte eine rasch verlaufend« doppelseitige Lungenent­zündung am 18. Februar seinem Leben ein Ende. Don Altveteranen (1870/71) leben jetzt nur noch 4 Wann in unserem Städtchen: die Landwirte Kreicker. Momberger. Salzmann und Maurermeister P a r r. Verschiedentlich wur­den in letzter Zeit Schneegänse im oberen Wettertal beobachtet: einmal wurde ein Schwarm von 35 Stück feftgettellt. In den letzten Tagen wurde im oberen Horlofftal wieder ein Fisch­reiher beobachtet. Infolge der sorgfältigen Fütterung scheinen die Rehe und auch de Fa­sanen gut durch den Winter zu kommen. Die Bussarde, die hier zahlreich find, leiden da­gegen sehr durch die lange Dauer der Schnee­decke, die den Mäusefang hindert

Lauboch, 23. Febr. In der gestrigen Sitzung des Gemeinderats wurde zunächst beschlossen, mit dem Architekten Sileß einen Vertrag abzu- schließen, worin dessen Pflichten und Rechte der Ge­meinde gegenüber geregelt werden. Für seine Lei­stungen soll er eine jährliche Pauschalsumme erhal­ten. Betreffs der Anschaffung ber Sa« nalreinigungsgeräte würbe beschlossen, die von ber Stadt Alsfeld bezogenen Geräte zum Muster zu nehmen. Der Bürgermeister wird um Mitteilung der in Alsfeld gemachten Erfahrun­gen bitten. Verschiedene Gesuche um Winter­be i h i 1 s e wurden genehmigt

Dodenhausen. 23. Febr. Zu dem Bericht imGießener Anzeiger" vom 18. Februar über die Fahnenweihe des hiesigen Gesang­vereins ist berichtigend mitzutcilen, daß der Männergesangverein Dodenhausen II nicht zum Dogeisberger Sängerbund gehört, sondern Mit­glied des Ohm-Lumdatal-Sängerbundes ist. Der Derein begeht zwar vom 1. bis 3. Juni seine Fahnenweihe, jedoch ist diese nicht zugleich Bun­des,«st; letzteres hat der Derein Bleidenrod übernommen. Der Ohm-Lumda-Sängerbund zähll 26 Dereine, auf deren Besuch bei seiner FaHn-m- weihe der hiesige Derein rechnet

ch Rain rod, 22. Februar. Dieser Tage hielt der hiesige Turnverein in der Gastwirtschaft von Heinrich Schlörb seine diesjährige Jahres- schlußversammlung ab. Der 1. Dor- sitzende, Bürgermeister Decher t. gab einen kurzen Rückblick auf den Werdegang des Dereins, der sich nach dem Weltkriege aus ganz kleinen An­fängen zur jetzigen Größe entwickelt hat Mit Dankesworten an die Turner, die Turnwarte und den Dorstand für ihre segensreiche Tätig­keit, und mit der Ditte, auch ferner die edle Turnsache und die Einigkeit zu hegen und zu pflegen, schloß der Dor sitzende seine Ansprache. Dann verlas der Schriftführer Wilh. Schmidt den sorgfältig ausgearbeiteten Jahresbericht durch den Rechner Jakob F e i ck erfolgte die Rechnungsablage. Die Rechnung, die mit einem beträchtlichen Heberschuß abschloß, wurde für richtig befunden, so daß dem Rechner Entlastung erteilt werden konnte. Der bisherige Vorstand wurde auf allgemeinen Wunsch in seinem Amt belassen, mit Ausnahme des Rechners F e i ck, der von hier weggezogen ist. Der Dorsitzende dankte ihm für die dem Derein geleistete treue Arbeit Als neuer Rechner wurde August Dech - told HL gewählt. Zum 1. Turnwart wurde der Straßenwärter Wilhelm D e ch t o l d, als sein Stellvertreter Karl Ding und als 2. Turn­wart Rudolf Schwab 6cftimmt Cs wurde weiter beschlossen, im Laufe deS Winters einen Familien­abend abzuhalten. Roch manche Anregungen, wie z.D. die Einrichtung einer Dadegelegen- heit in unserer Gemeinde, gaben Veranlassung zu eingehender Aussprache.

Kreis Alsfeld.

Q AlSseld, 23. Febr. Gewährung einer besonderen DeiHilfe zur Lin­derung der (Brenn ft offnot. Bekanntlich hat der Hauptausschuh des hessischen Landtags einen Antrag angenommen, wonach für die hilfsbedürftigen Fürsorgeempfänger zur Steue­rung der außerordentlichen Brennstofsnot ein be­sonderer Tetrag von insgesamt 100 000 Mark zur Verfügung gestellt wird, falls die Dezirks- fürsorgeverbände und d e Gemeinden mindestens den gleichen Betrag aufwenden. In Ausführung des Beschlusses hat der vom Stadtvorstand sür Winterhilismaßnahmen ermächtigte städtische Fürsorgeausschuh beschlossen, auch den städti­schen Fürsorgeempfängern E.werbslo e. Klein- und Sozialrentner, Ortsarme) eine be­sondere Brenn st ossbeihilfe xu ge­währen. und zwar in der Art, daß oen ge­nannten Personenklassen für jeden Haushalt ebt Betrag von 10 Mark zur Beschaffung von Brenn­material in Form eines GutsscheineS für die Kohlenhändler von der Stadt zur Derfügung gestellt wird. Die hierfür erforderlichen Mittel können noch im Rahmen der bereits bewilligten Winterbeihilfe gedeckt werden, rA-' denen der Staat die Hälfte als zinslose! Darlehen gewährt Die Ausgabe der Gutscheine erjO.gi bereits.

te* Alsfeld, 23. Febr. Auf Einladung der hiesigen Dürergesellschaft hielt am Freitagabend in dem gutbesetzten Phyfikiaale der Oberrealschule ber älniversitätsprofessor Dr. Steinbüchel von Gießen einen Dortrag über »Ferdinand Lasalles Derhältni- zum deutschen Jdealismus". In seiner Einleitung wies der Dortragende nach, daß Lasalle ebenso wie die andern sozialistischen Dorkämpfer Marx und Engels stark von der Hegelschen Philosophie beeinflußt worden sei. Lasalles Wirken und Ideen seien auf das engste mit dem deutschen Idealismus verbunden. An zahlreichen vergleichenden Beispielen zeigte der Dortragende die grundlegenden Unterschiede zwi­schen der marxistischen Auffassung vom Sozialis­mus und den Theorien von Lasalle. dessen Lehre sich auf die Geschichtsphilosopie von Hegel auf* gebaut habe. Seine ethische Gemcinschaftsid« erstrebte die Ablösung des alten Staates durch den neuen sozialistischen auf dem Wege der De­mokratisierung und Sozialisierung mit dem End­ziele der höchsten Stufe der Freiheit. Sein neuer Staat hatte ein sozialistisch-ethisches Gepräge, auf nationaler Grundlage, während Marx als Realpolitiker die internationale Richtung ver­trat, so daß schließlich beide Führer in einem schroffen Gegensatz zueinander traten. Es siegte bekanntlich die marxistische Idee über die von Lasalle vertretene Dichtung. Während et Warr als den machtvollen Realpolitiker bezeichnete, blieb Lasalle mit seinen Theorien der Vertreter der idealistischen Richtung, von der sich aber die sozialistische Partei bei ihrer Gründung unter August Bebel abkehrte. Der Dortrag zeigte Professor Dr. Steinbüchel als einen ausgezeich­neten Vertreter der wissenschaftlichen Phllo* sophie. Die interessierten Zuhörer dankten durch lebhaften Beifall.