Ausgabe 
16.8.1929
 
Einzelbild herunterladen

Vereine

flcyu.vtu,' --«

Neitag, 16. August 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)

Nr. 191 Zweites Blatt

auch nicht wundern, wenn ihm etwas nicht ganz Echtes angchängt wird; solche Antiquitäten sind nicht nur selten, sondern sie lassen sich über­haupt nicht konservieren.

Arm des anderen Jungen entlang streicht. Es tst, als ob sich ein Schimmer um die Jungen- Hand legt.

Das Erlebnis ist zu Ende.

Die Begegnung zweier Kinder.

Das eine behütet, gepflegt, das andere Kind auf einem Weg, der steinig und dornig rst. And weshalb hat mich dieses Erlebnis so erschüttert und froh gemacht und so von Herzen erfreut? Weil das erste Kind, das nach dem Leben greift wie nach einem schönen, blauen Jahrmarkts­lustballon, das andere Kind für einige Minuten mitnahm wie in ein verwunschenes Land, Hnb als sie so dahinflogen, sah ich, wie sich ihre Herzen brüderlich umarmten.

Segnungen der Zivilisation nicht zu ertragen vermochten. Die Australier sind stolz darauf daß sie die Zwangsarbeit (wenn auch auf Druck des Dölkcrbundes!) abgefchafft haben. Statt dessen aber haben sie einfreiwilliges" Arbeitssystem cingeführt, bei dem die unwissenden Melane­sier übertölpelt und zu fünf Jahren Arbeit verpflichtet werden, gegen einen lächerlichen Lohn am Tage! Mit dem Ergebnis, daß dieKontrakt- arbeiter" bei jeder Gelegenheit davonlaufen und von ihren Arbeitgebern als minderwertig be« zeichnet werden.... ...

Mit Neuguinea hat man somit zweifellos den Australiern eine Last aufgebürdet, die für ihre Fähigkeiten zu grob ist. Denn es ist lein Zweifel, dab eine Macht, die über genügend Kapital ver­fügen und die nicht durch die sinnlosen austra­lischen Einwanderungsgesehe gehindert wurde, also Kulis oder Inder einführen konnte, die reichen Gebiete zu erschließen vermöchte, ohne dabei der Bevölkerung dieser einst so glücklichen Inseln ein langsames und sicheres Endetocgen übertriebener Langeweile" zu bereiten. Wenn man sich gerade in Australien immer wieder so deutschfeindlich gebärdet und sich noch .heute zehn Jahre nach dem Kriege das Erbärmlichste an Derleumdungen gegen Deutschland leistet, so weih man, was davon zu halten ist: i> a 8 schlechte Gewissen der Australier in-der Südsee sucht nach einem billigen Dorwand, um unter der Aegid« des Böllerbundes ungestraft weiter sündigen zu dürfen.

Hochschulnachrichten.

Der Lehrstuhl für Luftfahrt an der Technischen Hochschule in Stuttgart ist dem ordentlichen Professor Dr.-Jng. Georg Madelung an der Technischen Hochschule in Berlin angeboten worden. Professor Dr. Wolsgang Schade- waldt in Königsberg hat den Ruf auf den Lehrstuhl der klassischen Philologie an der Universität Freiburg als Rachfolger von Ru­dolf Pfeiffer angenommen.

sein. Statt der rund 1100 Weißen, die 1914 unter deutscher Herrschaft in diesen Gebieten ihr Drol fanden, werden heute zwar 3700 Weihe gezählt, aber diesestarke" Zunahme ist nur dadurch zu­stande gekommen, daß man vielen ehemaligen Soldaten nicht die Möglichkeit gegeben hat. nach Australien zurückzukehren, nachdem sie einmal im Lande waren und dah man überdies stän­dig neue Siedler in das Land bringt meist ganz ungeeignete Leute, um eineKoloni­sierung" vorzirtäuschen. Das hat natürlich zu ganz unmöglichen Zuständen geführt, da es be­kanntlich nichts Unhaltbareres gibt, als ein weihes Proletariat innerhalbe in er farbigen Bevölkerung, die ihrerseits auch arbeitsscheu und unzufrieden ist. Wie lieb­lich die Stimmung in der Bevölkerung dieser Gebiete sein muh, geht daraus hervor, dah selbst in den lobhudlerischen australischen Berichten die weihe Bevölkerung alssehr schwierig zu behan­deln" bezeichnet wird, von der Eingeborenen­bevölkerung ganz zu schweigen, deren Kopfzahl sich nach den Angaben zuverlässiger Gewährs­männer in den letzten Jahren um rund zehn vom Hundert vermindert hat. das heiht also, etwa 60 000 Eingeborene ihren Tod den Seg­nungen der australischen Kultur verdanken ....

Run tft gewih nicht zu verkennen, dah die Aufgabe der Australier sehr schwierig ist- Ehe­malige Soldaten sind auch an anderer Stelle nicht immer vorzügliche Siedler gewesen, uiw es ist gar kein Wunder, dah ein so kapital- armes Land wie Australien einfach nicht die Mittel hat. um Kolonien zu erschließen. Aber das spricht die Australier doch nicht von der Verantwortung frei, die die Hebernahme des Mandats nun einmal mit sich bringt, und es entschuldigt in keiner Weise den Zynismus mit dem sie feststellen, das Aussterben der Ein- geborenen sei damit zu erklären, dah das Le­ben für sie ihren Reiz verloren habe, nachdem die Mandatsverwaltung die ..Kopfjägerei ver­boten habe. Gewih stehen die Melanesier und Mikronesier Reuguineas auf einer sehr niedrigen Kulturstufe, sind der Arbeit entwöhnt, Psycho­logisch für Europäer kaum verständlich. Gewih sind im ehemaligen Kaiser-Wilhelmsland Doller- I stämme von einer Wildheit vorhanden die es | als sicher erscheinen läht, dah man ihrer nur I schwer Herr werden kann. Aber warum, so fragt 1 man, hat man dann diese Leute den Austra­liern überantwortet? Unter deutscher Herr- | schäft sind in diesen Gebieten nicht lährlich

Kurze Einführung in das Wienerische.

Don Or. Franz Häußler.

Cs ist noch nicht lange her, da hat man ziemlich allgemein gedacht: Wien, das sei eine traurige Geschichte von gestern. Und mittlerweile ist Wien in Mode gekommen. Erst war's Strauß und Beethoven, dann Schubert und schließ- lich einfach das Wienerische selbst, dieses lie­benswürdige Rätsel. Denn wer weiß schon, was das eigentlich ist?

Erstens ist das Wienerische eine S P r a ch e. Wenn man's gar philologisch nehmen will, so­gar eine uralte deutsche Mundart, die ihre eigene Lautung und Syntax hat. Aber bei Mundart darf man nicht etwa daran denken, daß das Wie- nerische nur vom Bolk jargonartig gesprochen werde. Man kann im Gegenteil von die er Sprache etwas Aehnliches sagen wie Luther von der seinen, daß ihr nachfolgen die Kaiser und Kö­nige. Wienerisch und nur wienerisch hat z. B. gleich Maria Theresia geredet. Als sie durch ihren Sohn Leopold Großmutter geworden war, rief sie die Neuigkeit aus der Hofloge des Duratheaters dem ganzen Publikum mit den Worten zu:Lettin, gfreits enk, der Poldi hat an Duam!" Und Franz, der spätere Schwieger- vater Napoleons, soll seine Eindrücke nach der ersten Zusammenkunft mit diesem in den lapi­daren Satz gekleidet haben: ,^iazt. weil in ( ich ihn) gsegn hab. kann i'n schon gar nimma laidn!

Das Wienerische ist aber nicht nur Reregerat, sondern auch Ausdruck, und zwar ein sehr eigenwilliger Ausdruck für Welt und Menschen. Das soll nur durch eine einzige Silbe illustrier werden. Für alle im übrigen deutschen Sprach­gebiete üblichen Derkleinerungssilben wiechcn,

Aeugumea unter australischem Mudat

Eine vergessene und ruinierte deutsche Kolonie.

Don unserem ^-Berichterstatter.

genommen werden kann. Die Werbearbeit ist in vollem Gange. Hermann Schmidt ersttittete Bericht über den Wohnungsausschuh. Rach Ckn bis jetzt vorliegenden Ergebnissen kann damit gerechnet werden, dah der Unterbringung Turnerinnen keine Schwierigkeiten entgegenstehen. Die Arbeiten der Quartiermacher sind noch nicyt beendet. Heber die Tätigkeit des Finanzaus­schusses berichtete Hch. Da ter. Die Eint^tts- preise sind so festgesetzt, dah es jedem moglich.ift, dos Frauenturnen zu besuchen, «zur den Wirt- chaftsausschuh sprach Hch F'ndt. Die Wirt- chaft auf dem Festplatz ist dem Gastwirt Ernst Häfner übertragen worden. Der Zug-^und Ordnungsdienst wird ausgeführt durch die frei­willige Feuerwehr und der dieser angegliederten Sanitätslolonne. Diese wird auch den Sanitäts­dienst aus dem Festplatz ausübem für denPresse- ausschuh sprach Oberinspektor Bopf. Der Dor- itzende des Turnvereins dankte hierauf im Namen des Dorstandes den Vorsitzenden der verschiedenen Ausschüsse für die geleisteten Ar-

Oberheffen.

Landkreis Gietzen.

OO K l e i n - L i n d e n, 15. Aug. Heute nachmittag gegen 5 Uhr rannte an der Einmündung der Wetz' larer Strahe in die Frankfurter Straße em aus Lützellinden stammendes Personenauto mit einem aus Gießen kommenden Personenauto zu­sammen. Beide Wagen wurden beschädigt und mußten abgeschleppt werden. Die Insassen beider Wagen kamen, ohne Schaden zu nehmen, mit dem Schrecken dyoon. Ungezählte Autounfälle und Zu­sammenstöße kamen an dieser Stelle schon vor, ohne daß man irgendwelche Mittel fand, diesen Unfällen vorzubeugen. Im Interesse der Autofahrer und der die Straße benutzenden Passanten wäre es dringend erwünscht, wenn wenigstens durch große, weithin sichtbare Warnungstafeln die Autofahrer auf die Gefahren aufmerksam gemacht würden.

i ß i cf), 15. Aug. Der Ne u b au d e s h i esig e n Postamts schreitet rüstig weiter. Die Jnnenarbeiten sind im Gang, so daß in einigen Monaten mit der Fertigstellung des stattlichen Bauwerks gerechnet werden kann. Don dem am Schwanensee neu erstehenden Hotel, das ein hiesiger Bauunterneh­mer errichtet, wurde der Rohbau fertiggestellt.

Der hiesige K r i e g e r v e r e i n veranstaltet am kommenden Sonntag zum erstenmal seit Jahren wieder in größerem Maßstab wie vor dem Kriege sein diesjähriges P r e i s s ch i e ß e n. Alle städtischen Vereine haben ihre Mitwirkung bei dem Fest zuge- saqt. Auch die hiesigen Männeraesangvereine werden Chöre vortragen. Als Festkapelle konzertiett die Ka­pelle der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr unter Lei­tung ihres Kapellmeisters Philipp Sommer.

* Hausen, 15. Aug. Am kommenden Sonntag wird hier das 65jährige Jubiläum des Turnvereins Hausen gefeiert. Verbunden damit ist das Bergfest des Turngaues Lahn-Dünsberg so­wie die diesjährige Kirmes. (Dgl. die heutige An- 3eimi) Lich, 15. Aug. Dieser Tage hatte der Dorstand des Turnvereins äu eine- Sitzung eingeladen, in der über die Dorbereitungen zum demnächst hier stattfindenden F r a u c n t u r n - s e st berichtet wurde. Nach kurzer Begrüßung erstattete Karl Bolz für den Turnausschuh Bericht Die Absteckungsarbeiten sind erledigt, so dah die Anlegung des Turnplatzes in Angriff

freiten

z Hungen, 16. Aug. Einen Turnersmann von echtem Schrot und Korn hat ,^r Turnverein in seinen Reihen. Es ist der 78- jährige Wilhelm Frutig, ein Mitbegründer unseres Dereins. Don 1886 bis 1906 war er Turnwart, seit 1906 Ehrenturnwart. Auch wah­rend des Krieges hat er das Amt als ^urn- toart versehen, und fehlt heute, trotz seines Alters, bei keiner Dereinsveranstaltung OvCt Versammlung. Selbst dem Jugendturnwart steht er noch mit Rat und Tat zur Seite, öur seine Verdienste in der deutschen Turnerschatt wurde er 1924 mit dein Ehrenbrief des -turn- gaues Hassia ausgezeichnet und zu feinem 78. Geburtstag in diesem Jahre mit dem Ehren­brief des Mittelrheinkreises.

LJ Rodheim a. d. Horloff. 15. Aug. Die Ar­beiten an unterem Gefallenen den km al gehen ihrem Ende entgegen. Das eigentliche Denk­mal, dessen Lieferung durch die Steinbruchfirma Schmiedeknecht (Londorf) erfolgte, ist be­reits aufgestellt, während die Errichtung des den Denkstein umschließenden Mauerwerks, die von dem Baugeschäst Drott (Nidda) ausgesuhrt wird, noch einige Tage in Anspruch nehmen wird. Man hofft, daß die Einweihung Mitte September vorgenommen werden kann. Die elektrische Etromspannung unseres Orls- nehes, die seither 11Q Volt betrug, erwies sich schon seit längerer Zeit als zu schwach. So war cs nicht möglich, daß mehrere Motoren im Orte gleichzeitig liefen, ohne daß sie sich gegenseitig in ihrer Kraftentfaltung beeinträchtigten. Dieser Tage wurde nun durch das Heberlandwerk die Hmschaltung auf 220 Volt vorgeiwmmen, so daß der Hebelstand nunmehr behoben ist. Allerdings war diese Hmstellung für die Haus­halte die sämtlich neue Glühbirnen anschaffen mußten, zum Teil mit erheblichen Hnkosten ver­knüpft Bei einem Treppenaufbruch m der Hofrette des Wilhelm Nicklas II. wurde ein Grabstein freigelegt, der als oberste Trep­penplatte diente. Der mächtige Sandstein, der mit der Aufschrift nach unten gelegen hatte, stammt aus dem Jahre 1706 und trägt folgende Grab­schrift:Hier Ruhet in Gott Seelig Joh. Henrich Dräut' Conradt Dräuten seelig gewesener nut Nachbarn und Einwohner allhier äu Rodheim nachgelassener ehlicher Sohn ist geboten anno 1706, 27ten Octobr und gestorben in dem Jahre 1726, Sten Sept.: seines ganses Alters ist 20 Jahre weh Niger 7 Wochen". Der Stein, der neben dieser Aufschrift noch einen weiteren Spruch trägt, ist mit feinem künstlerischen Geschick be­hauen und verziert und läßt wohl auf die Wohl­habenheit dieser Familie schließen.

LJ Aus dem südöstlichen Teile des Kreises Gießen, 15. Aug. Die wirtschaft­liche Notlage unserer Landwirtschaft veranlaßte verschiedene Landwirte, sich erstmalig in diesem Jahre neuen Zweigen des Acke rbaues

Erlebnis mit Pfirsichen.

Don Max Iungnickel.

Ein hübscher Junge. stammt wohl aus^ gu^m Hause. Ist gepflegt, sieht sehr behütet ans. Die Haare keck aus der Stirn gestrichen. H.nd in beiden Händen eine große, braune Tute mit Pfirsichen Er ißt und schaut zum Fenster hin­aus Ich habe die Empfindung, daß d-:r Junge, ^bald er eine Frucht aus der Tute nimmt, immer herzhafter wird. Seine Augen strahlen, jedesmal Widers durch die Scheiben, immer mit einem frisch verwegenen Blick.

Hnd auf einmal hält die Dahn wieder, und schon sitzt neben dem Jungen nut der großen Pfirsichtüte ein Junge saft in bem gleidjen □nter Aber welch ein Hnte-rschied! Der Tunae ist barfuß, hat zerflickte Hosen an. Ein Sperling Die Spur vom mutwilligen Windm ^n zerzausten Haaren. Wer weiß, wo er her- Ammt.^Dielleicht aus jenen Hättsern, die keinen (Baum und keinen Strauch sehen, aber wo die Armut treppauf treppab bitteren geht. Wer weiß, wieviel Geschwister er hat. ^eni ^ater bat sicherlich große Schwielen an den Händen, ilnö seine Mutter muß sicherlich den Groschen zehnmal herumdrehen, ehe sie ihn ausgeben

Der arme Junge siebt mit hellem Erstaunen fr;« »leine, zarte Hand einen Piirsich aus ber Tüte herausholt. 2ÜS die Frucht stückweise im Munde verschwindet, sehe ich. tote em stiller (Neid in sein Gisicht emporsteigt. Auf einmal wird der Barfüßige von den blauen Augensternen gemuttert. Hnd ohne sich zu besinnen, wird ihm

Titte bingehalten. Hnd nun greift er hin- Jin nimmt sich einen Psirsich. heraus. Otter hi? Tüte geht nicht weg. Wie eine braune Ge- ftebt sie vor ihm. Er greift tote- Lr bEm Und immer nerftttoinbet die Tüte SSh ilicht Die Augen des armen Jungen sisch-ln Mahlend msiiel^er

L 4°sin-

uni/nun sitzen sie da und «ffwu J>g «ff lauft dem armen Jungen aus den Mundtom^m. Er leckt ihn schnell nüt der Lungenspitze heraus- Hnd die beiden rücken gmiz dicht zwammerL lächeln und tuscheln. Wie Bruder sind sie. Hnd da sehe ich, wie die linke, gebräunte, ver schrammte Hand des armen Jungen ganj wech laib zärtlich wird, als sie, tote zufällig, den

Gaskrieg im 17. Jahrhundert.

In der französischen Revue dArtillerie führt ein Oberst ein im Jahre 1650 erschienenes Buch des polnischen Generalleutnants S i e m i e n o - wicz über dieGroße Kunst der Artillerie" an, aus dem hervorgeht, dah man bereits in frühe­ren Jahrhunderten sämtliche Kampfmittel des chemischen Krieges benutzte, wenn auch nicht in ihrer heutigen Vervollkommnung. Siemienowicz beschwört zunächst alle christlichen Völker, niemals gegeneinander solche ruchlosen Kampfmittel zu benutzen, empfiehlt ihnen dann aber eindringlich ihre Verwendung im Kriege gegen Türken, Ta­taren und andere Ungläubige, die abgesagte Feinde des Christentums seien und darum ohne Skrupel aus der Zahl unserer Nächsten ge­strichen werden könnten. Er glaubt, daß man Geschützkugeln durch einen Heberzug mit Queck­silber oder Arsenik ebenso vergiften könne wie Indianer ihre Kriegspfeile. Als weitere Gift­stoffe empfiehlt er für den gleichen Zweck Schaum aus dem Maule tollwütiger Hunde und Oel, in dem möglichst viele Spinnen ertränft wurden. Zur Vernebelung des Feindes vor einem Sturm­angriff schlägt er Brandkugeln vor, die mit Birkenrinde gefüllt werden, da letztere beson­ders starken Rauch entwickele. Als Fülle für Stinkbomben erscheinen ihm besonders Pech, Schwefel, stinkender Asant und Kot geeignet Aus einer Reihe von Beispielen aus frühe­ren Feldzügen wie aus den Hussitenkämpfen und der Belagerung von Rhodus durch die Türken geht hervor, daß man damals in Verwesung übergegangene Kadaverteile in die feindlichen Festungen schleuderte, um so den Ausbruch von ansteckenden Krankheiten hervorzurufen.

lein. li,le usw. hat der Wiener e.ne ein- I zige sich zu eigen gemacht, die Nachsilbeel. bzw.erl, was durch Dokalisation des r wieal | gesprochen wird. Aber man lasse sich nur nicht einfallen, damit nun gleich ins Wienerische über­setzen zu wollen. Der barocke Schnörkelerl hat seine Tücken. Ein urwüchsiger Wier.er darf die schlanken Beine seiner Dame alsherzige Ha- xerln" bewundern, aber um Gotteswillen nicht die ausgewachsenen Exemplare der Gattung als Haxen ansprechen, es wäre keine ärgere Bloßstellung zu denken. Man spricht vomzuckersüßen Go- scherl" der Wienerinnen, aber auch wenn es nicht ganz klein, sondern von Normalgröße ist, darf man beileibe nicht von einer Goschen reden. Go» scherl ist neckisch bewundernd. Goschen gemein, Jargon, unmöglich. So groß ist die Wirkung des kleinenerl. Es macht das^ Hnmoralische mo­ralisch. das Hngefüge zierlich, das Hnmögliche gesellschaftsfähig: aber es geht auch umgekehrt, ein Nockerl ist keine besonders liebe, kleine her­zige Suppenmehlspeise, fentern einfach ein dum­mes Gansert Alle Vorsicht mit demerlschwänz- chen! , - *

Das Wienerische ist drittens em Stuck deutsche Seele, wie es sich eben in seiner Sprache und seiner Musikalität ausdrückt. Seine Rede setzt nicht die einfachen Worte für die Dinge, sondern Verkleinerungen, weil es nicht die Wirklichkeit, wie sie ist, erlebt, sondern sie verklärt. Dem Idyllischen einzig gene:gt, ideali­siert es die Welt Der Wein wird zum Weinderl schlechthin, die Frauen zu feschen Maderln und so fort. Gleich geruhsam behäbig ist auch sein Ver­gnügen. sein Tanz, ausgesprochene Wienermusik, Schrammelquartette und ähnliches, scheinen da­her Ausländem immer im Rhythmus etwas zu ^Wer^ gand verstehen will, muh schließlich be­greifen, dah das Wienerische im innersten ein Schicksal ist. Man muß denken, dah dieses Wienertum eigentlich feit den Türkenkriegen nicht mehr um feinen Bestand zu kämpfen hatte, dah es nie selbst zu sorgen hatte, weil eine hohe nahe Obrigkeit für es sorgte und dachte, dah es als kultureller Regent eines Dutzend stark unter­legener Nationen aufwuchs und so auf die an­dern aber auch die Dinge und sich selbst lä­chelnd spötttsch herabsehen lernte, sie verschnür- leite verdrehte, sich idyllisch dienstbar machte.

Als solche Haltung aber ist das Wienerische längst historisch, schon die heuttge Jugend tragt ein wesentlich anderes Gepräge. Wer daher auf jeden Schritt in Wien die obgerühmte alte Ge- I mittlichkeit haben will, der bekommt sie selbst- verständlich für fein ©elb, denn man ist um die I Fremden sehr besorgt, aber er darf sich dann

London. August 1929. u Gebietes auf 30 500 Pfund Sterling

Hnter den ehemaligen deutschen Kmomat- >Urüdgegangen war, erreichte er 1926 27 den gebieten nimmt das ehemalige Deutsch-Neu- r^ert Don 419 000 Psund Sterling und im Jahre guinea eine Ausnahmestellung ein, da es als 1927/28 einen solchen von 659 000 Pfund Ster- einziges von ihnen einem Lande zur Verwaltung j. cQt also rund verzwanzigfacht. Aller- überwiesen worden ist, das noch heute selber dis j)ing8 spielt sich dieser Handel (in der Haupt- zu einem gewissen Grade Kolonialland ist: Deutsch- I ra(^ Aypra _ getrocknete Kokosnuß) f a st a us- Neuguinea ist australisches Mandatsgebiet gewor- schließlich mit England ab, so daß Austra- den. Hierfür sind ursprünglich Gmnde mah- Iien an sich von der Kolonie nur einen genügen geblich gewesen, die wenig oder überhaupt nichts Vorteil hat, da es ja deren Erzeugnisse selbst m mit dem Mandatsgedaicken zu tun hatten. Denn g<mügenZ)(,m Maße besitzt.

die Hebertragung der Verwaltung des größten f mQn DQn scheinbaren Erfolge

Teils der ehemaligen deutschen Sudseegebiete an wirtschaftlichem Gebiete ab, so kommt man Australien erfolgte nicht etwa, weil man die Lch -rn e°n^ anders Ergebnis: rein entwick- Australier für besonders geeignet hielt,un- 1« $ ö erzeugt die Kolonie nicht

reife Völker bis zu dem Tage zu regieren,da ^n R to a n^ i aTe t dessen, was sie erzeugen sie imstande sein wurden, sich selbst zu regieren ^^te und davon, dah das Land inzwischen ir-

(toie es so schön hieß!), sondern aus demWunsche i)toie «ärler besiedelt oder sonst der Kultur heraus das Einsluhgebiet des Australischen fei. kann keine Rede

Staatenbundes möglichst abzurunden und so den I - - - 1A1A**»*

imperialistischen Hunger der Austra- Her zu stillen ein Problem, das m den Jahren 1919 bis 1921 für die Erhaltung des Zusammenhanges der Dominien mit dem briti­schen Mutterlande sehr wichtig erschien.

Man hätte also eigentlich annehmen sollen, daß Australien, nachdem der Ehrgeiz seines reichlich grohmannssüchtigen Premierministers Druce hinreichend erfüllt war, sich nun mit großer Tatkraft an die Arbeit gemacht hatte, um: Die ihm übergebenen reichen Gebiete zu entwickeln und chre Werte zu erschließen 2^er das war zunächst nicht der Fall. Die erste Heldentat der Australier bestand darin, unter Anwendung der schmachvollsten Mittel die wenigen und ungefähr­lichen deutschen Siedler aus Neuguinea zu verjagen und sie um ihr geringes Eigentum zu bringen unter dem kläglichen Vorwande, daß man keineFeinde" im Lande^.dulden. könne und daß man das Land für die heimge kehrten Soldaten brauche, denen man das deutsche Eigentum denn auch zum Teil überließ. Nber wenn die australische Regierung gehofft hatte, damit ein gutes Geschäft zu machen, so hatte sie sich getäuscht. Die Soldaten zeigten nicht das geringste Talent zum Pskonzer. und wenige Jahre nur, nachdem das Gebietrein australisch" geworden war, war aus der ehemals blühenden Kolonie ein unter der Miß­wirtschaft stöhnendes La n d geworden, das von den Klagen der mißhandelten Einge­borenen widerhallte, was sogar im australischen Dundesparlament zu heftigen Anklagen gegen die Regierung Anlaß gab

Man sah sich daher schließlich veranlaßt da es sonst im Völkerbund Skandal gegeben hatte - einen ebenso rücksichtslosen wie besahig^nMann in das Mandatsgebiet zu senden, _Evan A. Wisdom, den Direktor einer Sudseepslan- zungsgesellschast, der seit nunmehr sechs Jahren ö Land verwaltet. Wenn man nun rück­schauend überblickt, was dieser Mann für die ihm anverttauten Gebiete geleistet hat. so Eh man anerkennen, daß er wenigstens verstanden hat, der üblen Mißwirtschaft der ersten Jahre bis zu einem gewissen Grade ein Ende zu

Räubereien die sich die austtalischen Be antten in den ersten Jahren.Schulden kommen ließen haben aufgehört, die sinnlosen und bru taten ' Mißhandlungen der Eingeborenen durch die Weißen und die Staatsbeamten fmd *urud gegangen (ganz aufgehört haben ste selbst, nach hf> L wsisich°silich 1 10*000 "Menschen geftorbc. nur weil sie die

16 sich bitte

680ID

WMtiita, mlNii Bim

Utsweg n^rNachf.

' Tierarzt jetzt ulstrahel imt / Teleph. 38

Spat- unb Vorschuß- b.Cba. 10. m. b. h. pfjenber.

sammlung ff 1929, nachmittags ivirl Ranfl.

)nung: Msisbeiichts 1928. Uattgefuntene jRc-.

übet' Genehmigung über Tewinnvertei-

über Entlastung des

cheiten. 8803D t vom 19. August ab iu zur Einsichtnahme

ilen

6»X)a

1Sestellt

larente rmenschilder ebelreklamen istreicher- derarbeiten XBSifiSS ritz Belitz alermeister Telephon 3122

-W?

elf»-

'S?®i