DaS Fürsorgewesen besprach Obmann Döhn (Gießen): er forderte zur genauen Ausfüllung der Listen fettend der Ortsgruppen auf.
'Br üd (Lollar) widmete der Jugendpflege warme Worte: es handele sich hier um den Nachwuchs für die „Hassia", alle Vereine müßten ihre Jugend sammeln.
Daten für Freitag, 17. Mai.
Sonnenaufgang 4.07 Uhr, Sonnenuntergang 19.46 Uhr. — Mondaufgang 12.49 Uhr, Monduntergang 2.21 Uhr.
1510: der italienische Maler Sandro Botticelli in Florenz gestorben: — 1749: der Entdecker der Schutz. Pockenimpfung, Edward Jenner, in Borkeley geboren; — 1821: der Pfarrer Sebastian Kneipp, der Begründer der Wörishofener Wasserkur, in Ste- phonsried in Boyern geboren.
Gießener Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 190 bis 200: Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 20 bis 30; Weißkraut 20 bis 30; Rotkraut 20 bis 30; gelbe Rüben 20 bis 25; rote Rüben 20 bis 25; Spinat 25 bis 40; Spargel 50 bis 100; Anter-Kohlrabi 10 bis 12; grüne Erbsen 50 bis 60; Feldsalat 150 bis 200; Tomaten 80 bis 100; Zwiebeln 20 bis 25; Meerrettich 50 bis 120; Schwarzwurzeln 40 bis 80; Rhabarber 25 bis 30; Kartoffeln 6; ausl. Aepfel 40 bis 70; int. Aepfel 30 bis 40; Dörrobst 35 bis 40; Kirschen 120; Honig 40 bis 50; junge Hähne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; Aüsse 70 bis 80; das Stück: Tauben 70 bis 90; Ter 12; Blumenkohl 70 bis 150; Salat 20 bis 4.0; Salatgurken 70 bis 100; Ober-Kohlrabi 30 bis 40; Lauch 10 bis 20; Rettich 25 bis 30; Sellerie 20 bis 100; das Bund: Radieschen 20 bis 25 Pfennig: der Zentner: Kartoffeln 5,50 Mk.
Bornotizen.
— Tagcskolender für Donnerstag. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Der Mann 6er lacht". — Astoria-Lichtspiele: „Verrat" und „Rod la Rocque, der Bandit".
— Stadttheoter Gießen. Aus dein Stadt- theaterbureau wird uns geschrieben: In der morgigen Vorstellung von Zuckmayers „Katharina Knie" (Freitag-Abonnement) spielt Jngeborg S ch e r e r die Titelrolle. Die männliche Hauptrolle des alten Knie liegt in den Händen von Peter Fassolt. Die Zirkusvorstellung zu Beginn des dritten Aktes wird von dem Zirkus Blondini ausgeführt. — Am Dienstag, 21. Mai, wird die Vorstellung wiederholt. Beginn der Aufführungen 19.30 Uhr. — Als nächste Erstaufführung bereitet das Theater „Am Teetisch", Lustspiel von Karl Sloboda, vor.
— Volkshochschule. Morgen, Freitag, beginnt der Kursus „Mozart". Es sei ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß dieser Kursus nicht in der Universität, sondern im Singsaal der Oberrealschule stattfindet. (Siehe heutige Anzeige.)
L. 11. Von der Landes-Universität Gießen. Im Sommersemester 1929 beträgt die Zahl der Studierenden (ohne Gasthörer) nach vorläufiger Feststellung 1725. Im Wintersemester 1928/29 waren immatrikuliert 1526. im Sommersemester 1928 gleich 1629.
- "Der diesjährige hessischeJugend- tag. Der Hess. Minister für Kultus und Bil- dungswesen gibt bekannt: Die alljährlichen Berichte der Lehrerschaft über den allgemeinen hessischen Jugendfeicrtag am 24. Juni haben erkennen lassen, daß dieser Tag bei der Lehrerschaft, wie auch bei den Schülern und Schülerinnen der Schulen großen Anklang gefunden hat und wohl auch weiterhin in noch stärkerem Maße finden wird. In zahlreichen Schulen und in vielen Gemeinden hat sich der Jugendfeicrtag zu einem echten Volkstag entwickelt, an dem die Schule durch die freudige Anteilnahme der Kinder in ungezwungenster und nachhaltigster Weise zu den Eltern sprechen und die Zusammenarbeit mit ihnen aufnehmen kann. Ich erachte es deshalb für sehr wertvoll, daß an diesem Tage wieder einmal die Aufmerksamkeit der Eltern und Schüler auf eines der wichtigsten Gebiete deutscher Jugendfürsorge und Jugendpflege gerichtet wird, auf das Wandern der Jugendlichen. Ich empfehle deshalb sämtlichen unterstellten Schulen, den dies-
ORoman einer Nachi
Von Paul Rosenhayn.
29 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Fedor Sokolofs ging durch den menschenleeren Korridor, dort, in der kleinen Ausbuchtung lag das Zeugenzimmer. Er zog das Zigarettenetui: aber sein Blick fiel aus die Tafel mit dem Rauchverbot. Er drehte dem Plakat den Rücken und zündete die Zigarette behaglich an, indem er mit großen Schritten im Raum auf und ab ging. Er stieß die Tür auf und spähte auf den Korridor hinaus. Dort am Ende des Ganges stand Linda.
Sic sah zu ihm hinüber: eben schickte sie sich an. ihm cntgegenzugehen.
Er schleuderte die Zigarette fort und ging auf sle zu.
Worllos reichte sie ihm die Hand, wortlos sah sie ihm in die Augen.
„Komm," sagte er.
Sie gingen die steinerne Treppe hinunter, das Gewölbe hallte von ihren Schritten wider: dos Tor stand halb offen: aufatmend traten sie aus die Straße hinaus, über der nun schon das Licht des jungen Morgens lag.
„Run?" fragte er, immer mit seinem stillen Lächeln.
Eie senkte den Kopf.
Er rief ein Auto an. Während sie einstieg, sagte er:
„Ich werde Sic heimfcchren. Bitte, sagen Sic dem Chauffeur die Adresse."
Sie faßen schweigend nebeneinander. Plötzlich sagte sie gleise:
„Ich liebe dich."
Er nahm ihre Hand. Du sprachst vor einer Stunde anders."
In ihrer Stimme stieg Schluchzen aus. „Konnte ich anders? Begreifst du nicht, daß ich irre geworden war an dir?"
„Ich kann noch immer nicht glauben, daß du... daß du mich ... daß alles ..."
Sie umschlang ihn. „Wenn du mich liebst, ist alles gut. Sage mir, daß du mich liebst."
„Ich liebe dich."
Sie lehnte den Kopf an seine Wange. „Ich gehöre zu dir — mit jeder Minute ist es mir inniger zum Bewußtsein gekommen. Ich werde
jährigen Jugendtag unter den Gedanken der Werbung für Jugendwandern und Jugendherbergen zu stellen.
** Das diesjährige Bauprogramm der Baugenossenschaft 1 89 4. Rachdem die Baudarlehensverteilung stattgefunden und die Genossenschaft das zur Abrundung ihres Baublocks erforderliche Baugelände Ecke Aul- weg und Riegelpfad von Anliegern erworben hat, ist vor einigen Tagen mit der Ausführung der Bauarbeiten begonnen worden. Es sollen dort insgesamt 24 Dreizimmerwohnungen in vier geschlossenen Baugruppen als Gcschoßwohnungen mit Zubehör im Dachraum erstellt werden. Die Bauten kommen hinter den bereits in der Liebig- straße zur Ausführung gebrachten Reubauten zu stehen, und es wird zwischen beiden Baugruppen eine Privatstrahe angelegt, die vom Aulweg ihren Zugang hat. Die Bauarbeiten sollen so gefördert werden, daß die Rohbauarbeiten in diesem Sommer noch zum Abschluß kommen. An den jetzt zur Ausführung kommenden Erd-. Maurer-, Betonarbeiten sind die hiesigen Firmen Abermann, Bauhütte, Becker und Wri- mer beteiligt.
** Der Gießener Sieg im Frankfurter Gas-Wettkochen. Wie mir zu dem gestern berichteten Siege der Frau Frieda Groß von hier in dem Bezirks-Gaswettkochen in Frankfurt am Main noch erfahren, hat Frau Groß ihre Kochaufgabe in einer Nettokochzeit von 49 Minuten und bei einem Gasverbrauch von 570 Liter gelöst. Mit diesem Ergebnis errang sie als erste Siegerin des Wettbewerbs 27 930 Bewertungspunkte. Die Zweite Siegerin, Frau F e u r e r in Frankfurt a. M., brauchte für die Lösung der gleichen Kochaufgabe 65 Minuten Nettokochzeit und eine Gasmenge von 528 Liter, bewertet mit 34 320 Punkten. Die Kochaufgabe bestand darin, daß für ein Frühstück einein. halb Liter Kaffeewasser zum Sieden gebracht werden mußten; für eine Mittagsmahlzeit waren genuß- fertig herzustellen 1} Liter Reissuppe, 1 Pfund Kalbsbraten, 2 Pfund Kartoffeln, li Pfund Mohrrüben oder Karotten, i Pfund Aprikosen, ferner waren 3 Liter Spülwasser auf 70 Grad zu erhitzen; für den Nachmittagskaffee waren 1| Liter Kaffeewasser und für das Abendessen 1* Liier Teewasser ZU sieden. Da der Wettbewerb sehr scharf und die Prüfungen der Kochleistungen — dem Preisrichterkollegium gehörte auch Frau Bürgermeister Dr. Seid von hier an — sehr streng waren, ist es besonders erfreulich, daß „uns dieser Erfolg passiert" ist. Hoffentlich wird es der Gießener Gaskoch- königin vergönnt fein, bei dem Reichswettkochen am 5. Juni in Berlin den ersten oder wenigstens einen der ersten Preise zu erringen. Die dafür'ausgesehten Geldpreise von 3000 Mark für den ersten, 1500 Mark für den zweiten, 1000 Mark für den dritten Preis könnten der Gießener Siegerin, Frau Groß, die Kriegerwitwe ist, wirklich gut zustatten kommen.
= Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz. Unter dem Vorsitz von Sanitätsrat Dr. Hahn (Bad-Rauheim), des Inspekteurs der oberhessischen Freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz, fand in Alsfeld eine oberhessische Führertagung statt, zu der die Kolonnen Gießen, Alsfeld, Bad-Rauheim, Butzbach, Friedberg, Homberg a. d. O. und Schotten ihre Kolonnenärzte, Vorsitzenden und Kolonnenführer entsandt hatten. An den Verhandlungen nahmen u. a. auch teil Oberregierungsrat Dr. Hetz (Gießen) und Medizinalrat Dr. Balser (Büdingen). Es wurden wichttge Führer- und Aerztefragen eingehend besprochen, u. a. die Verpackung der Verbandstaschen, Ausrüstung und Uniformierung der Kolonnen, Führcrprüfungcn. Beschlossen wurde die Abhaltung größerer Hebungen mit mehreren Kolonien; auch bezüglich der Alarmierung wurden Richtlinien festgelegt. Die nächste oberhessische Führertagung soll in Friedberg in Verbindung mit einer Besichtigung der dortigen Kolonne veranstaltet werden. Die Kolonne Gießen veranstaltete in ihrem Depot eine Ausstellung von Gerät und Hilfsmitteln für erste Hilfeleistung und zur Abwendung von Unglücks- fällen. Da die Ausstellung sehr belehrend war und bei regem Besuch allseits Anklang gefunden hot, wurde angeregt, dah auch andere Kolonnen ähnliche Veranstaltungen durchführen. Die Kolonne Gießen erklärte sich bereit, ihr Material soweit wie möglich zur Verfügung zu stellen.
meinem Mann offen und ehrlich gestehen, daß ich dich liebe, daß ich nicht ohne dich leben kann — daß ich mit dir in die weite Welt gegangen bin." Und indem sie ihn, halb schon wieder lächelnd ansah, fragte sie: „Soll es so sein?"
„Ja," sagte er zärtlich. „So soll es sein." „And Marcelle Kreutz?"
Er machte eine Handbewegung. „Später einmal werde ich dir erzählen, welche Erinnerungen mich mit Marcelle Krenh verbinden. Du sollst wissen, warum ich heute abend freundliche Worte mit ihr gewechselt habe. Und auch dies sollst du wissen: warum ich in diesem Augenblick keine schlimmere Feindin habe als Marcelle Krentz."
Sie drückte seine Hand. „Das alles ist jetzt fast belanglos geworden. Alles ist gleichgültig: ich gehöre zu dir, du gehörst zu mir — alle anderen Menschen auf der Welt sind wie fremde Spaziergänger, die vor den Fenstern unseres Häuschens vorüberziehen. Hand in Hand sitze ich mit dir an diesem Fenster, an unserem Fenster — und wenn die letzten Menschen unserem Blick entschwunden sind, wenn die Sonne untergeht, wenn wir allein find: dann erst begreifen wir, wie innig wir zusammengehören. Und auch dies; daß das Schicksal selbst uns zusammcngeführt hat, in gütiger und liebender Absicht."
„Jo," flüsterte er und schloß die Augen. „Ich brauche deine Liebe, Linda; ich brauche die Ruhe, das Glück des gesicherten und friedvollen 'Besitzes. In den tiefen Rächten will ich dem Schlag deines Herzens lauschen, ich will den Rhythmus spüren, in dem unser Blut zusammenklingt, in deinen Augen will ich den Widerschein der Sterne suchen. Denn alles, was war. ist wert, dah es zugrunde ging; seit heute erst weiß ich. erst seit dieser Rächt begreife ich den letzten und tiefsten Sinn der Liebe."
Während Linda geschäftig zwischen Koffern, zwischen Reisegegenständen, Kleidern. Wäsche hantierte, auswählte, verwarf, ging plötzlich der schrille Klang der Flurglocke durchs Haus.
Was bedeutete das? Ein Fremder um diese Stunde?
Sie hotten verabredet, daß Sokoloff in einer Stunde Vorfahren würde, sie abzuholen. Sie warf einen schnellen Blick auf die Uhr. Sollte er in feiner verliebten Ungeduld so wahnwitzig sein ...? Während ihr diese Gedanken durch den Kopf gingen, schrillte die Glocke zum zweiten Male.
Eben wollte sie hinuntergehen, als sie den schlürfenden Schritt des alten Dieners hörte. Er
Lebhaftem Beifall begegnete die Mitteilung, daß die Kolonne Butzbach seit neuerer Zeit über ein Kolonnenheim verfügt (zusammen mit dem Alice- frauenverein). Eine Hebung der Kolonne Alsfeld, die einen Flugzeugunfall annahm und die beste Krittk fand, beschloß die anregend verlaufene Tagung.
** Personalien. Ernannt wurden, der Kanzleigehilfe Julius Schmitz in Gießen mit Wirkung vom 1. April 1929 ab zum Kanzlisten beim Tier- zuchtinstitut der ßanbesunioerfität; der Gerichtsvollzieher bei dem Amtsgericht Butzbach, Karl Herrn- b r o d t, zum Gerichtsvollzieher bei dem Amtsgericht Laubach, mit Wirkung vom l.Juni 1929 an.
P f i n g st k a r t e n. Ohne Umschlag versandte gedruckte einfache Pfingstkarten. die hinsichtlich der Gröhe, Form und Papierstärkc den Bestimmungen für Postkarten entsprechen müssen, kosten sowohl im OrtSbereich des Aufgabeorts, als auch im Fernverkehr 3 Pf. Es dürfen in diesen Karten außer den sog. Absendcrangabcn (Absendungstag. Rame. Stand und Wohnort nebst Wohnung des Absenders) noch weitere fünf Worte, die mit dem gedruckten Wortlaut im Zusammenhang stehen müssen, handschriftlich hin- zugefügt werden. Als solche zulässige Rachtra- gungen gelten z. B. die üblichen Zusähe „sendet", „Ihre". „Dein Freund", „sendet Dir", „sendet mit besten Grützen Ihre" usw. Werden solche Karten im offenen Umschlag versandt, so kosten sie sowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts, als auch nach außerhalb 5 Pf.
** Str Kreis-Rinderzuchtverein Gießen für Vogelsberger Vieh hielt am Sonntag im Eifenbahnhotel Hopfeld Hierselbst seine diesjährige Generalversammlung ob. Der Vorsitzende, Direktor T r a u t m a n n - Grünberg, erstattete den Geschäftsbericht aus dem verflossenen Jahre. Sodann legte Obersekretär Phi-, l i p p, der Rechner des Vereins, die Abrechnung aus dem letzten Geschäftsjahr vor; es wurde ihm nach Prüfung durch zwei Vereinsmitglieder Entlastung erteilt und der Dank der Versammlung ausgesprochen. Hierauf folgte die Vorstandswahl, die nach Ablauf von drei Jahren wieder nötig geworden war. Der alte Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt: für den aus dem Bezirk ausscheidenden Kreisveterinärarzt Dr. Stein wurde Landwirt und Schreinermeister Münster aus Hattenrod als zweiter Vorsitzender neugewählt. Der Vorsitzende erläuterte alsdann die Wichtigkeit der Durchführung von Leistungsprüfungen auch bei unserem oberhessischen Rotvieh; leider stehen jetzt' nur ungefähr 10 Proz. der eingetragenen Tiere unter Milch- leistungslontrolle, eine Zahl, die sich noch wesentlich bessern muß. Um die Mitglieder in dieser Beziehung anzuregen, beschloß die Versammlung, allen Dereinsmitgliedern, welche ihre Kühe unter Leistungskontrolle stellen, die Hälfte zu den Kosten der Leistungsprüfungen aus der Vercinskassc zuzuschießen. Als weitere wichtige Maßnahme beschloß die Versammlung einstimmig, alle drei Jehre zur Prämiierung der besten Dullenhaltun- gen 80 Mk. aus der Dereinskasse zur Verfügung zu stellen. Diese Maßnahme wird zweifellos die Dullenhalter zu guten Leistungen anspornen und sich günstig auf die Zucht auswirken. In anregender Diskussion wurden sodann noch wichtige Fragen aus dem Gebiet der Fütterung und Zuchtbenutzung behandelt. Der Vorsitzende dankte am Schlüsse den Erschienenen für ihr reges Interesse und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich auch im neuen Jahre die Bereinstätigkeit günstig weiterentwickeln möge.
” Bevorzugung Deutschlands im kanadischen Cinwanderungsgesch. Wie uns die hiesige Vertretung der Hamburg- Amerika-Linie. die Firma Reisebureau Loeb, Gießen, mitteilt, wird in den kanadischen Einwanderungsbestimmungen Deutschland zu den sog. bevorzugten Ländern gerechnet. Die Einwanderung nach Kanada steht grundsätzlich allen deutschen Staatsangehörigen frei, die entweder den Rachweis einer festen Stellung erbringen, oder über genügend Mittel verfügen, um sich bis zur Erlangung einer Verdienstmöglichkeit in Kanada selbst unterhalten zu können. Als genügend Mittel in diesem Sinne sind je nach Jahreszeit und Beruf 100 bis 400 Dollar anzusehen. Auswanderer, die sich in Kanada einem landwirtschaft»
schloß umständlich und gewichtig auf. Sie hörte, wie er ein paar Worte mit dem Ankömmling wechselte.
Eine Frauenstimme antwortete ihm, eine Stimme, die sie kannte.
Dann kamen Schritte die Treppe heraus, junge, hastige Schritte. Wieder hörte sie jene weibliche Stimme.
Cs klopfte an die Tür. Herein trat Marcelle Krenh.
«Seien Sie nicht böse. Liebste, daß ich Sie so spät überfalle. Was — Sie sind schon umgezogen? — Und diese Koffer? — Wollen Sie reisen? Ja —“ Das Lächeln in Marcelle Krenh' Gesicht verzerrte sich einen Moment lang. Aber die Erregung in ihr schien die Oberhand zu gewinnen. Plötzlich sprang sie von ihrem Platze auf und ging mit schnellen, ungeduldigen, von Energie sprühenden Schritten im Zimmer auf und ab.
..Also, wissen Sic, was sich eben ereignet hat? Vein, Sie können es nicht wissen! Es ist unerhört — es ist ein entsetzlicher Skandal! Sie wissen doch, was ich meine: gebot Sokoloff---“
„Was ist mit Fedor Sokoloff?"
Marcelle Krenh warf einen lauernden Blick auf die Koffer.
„Sie sollen alles haarklein erfahren. Die Sache ist so unglaublich, daß ich sie 3hnen in Details schildern muß. Richt wahr, das eine wissen Sic: dieser Riedingcr hat gestanden, er sei der Mörder Boris Remisows. Denken Sie sich: er hat gelogen!"
Linda fühlte, wie ihr ein eisiger Strom ins Blut schoß. „Ist cs denkbar?" sagte sie flüsternd, „daß jemand sich eines Mordes bezichtigt, den er nicht begangen hat? Dah ein Unschuldiger sich schuldig bekennt?"
„Hören Sie nur: Mein Mann hat inzwischen Rachforschungen angestellt. Dor einer Stunde kommt er in den Gerichtssaal; man erzählt ihm, daß Riedinger eben gestanden hätte Aber er weih es besser. Er wendet sich direkt an Riedinger und auch an seine grau, an diese Marfa Ermo- lieff:
„Sie behaupten also, der Mörder Remisows zu sein?"
„Ich habe es bereits gestanden," sagt er.
„Sie hätten ihn aus Eifersucht umgebracht? — Sie stellen die Langmut des Gerichts auf eine harte Probe, mein Herr!"
.Ich wüßte nicht," sagt Riedinger.
lichen Berufe zuwenden wollen, aber keine feste Stellung nachweisen können, brauchen dagegen außer dem Reisegeld für eine Fahrt bis Winnipeg nur etwa 25 Dollar zu besitzen. Sine ausführliche Zusammenstellung der kanadischen Einreisebestimmungen enthält ein Merkblatt, das von der Hamburg-Amerika-Linie und ihren Vertretungen kostenlos abgegeben wird.
' Auftrieb zum heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt. Ochsen 1, Kühe 1, Kälber 1731, Schafe 67, Schweine 770.
Oberheffen.
Klein-Lindens Klage gegen Bürgermeister Jung abgewiesen.
CO Klein-Linden, 15. Mai. Jm'Jahre 1926 wurde in unserer Gemeindekasse ein Fehlbetrag von rund 3900 Mark festgestellt. Die Schuldigen, zwei Gemeindebedienstete, wurden wegen dieser Unterschlagungen vor längerer Zeit verurteilt. Der Gemeinderat wollte diese verlorengegangenen Gelder für die Gemeinde zurückerstattet haben und verklagte den Bürgermeister, ferner ben damaligen und den früheren G.emeinde- rechner auf Ersatz der verlorengegangenen Gelder. Im ersten Urteil, das im November v. I. vom Landgericht in Gießen erging, wurde einer der Beklagten zum Ersatz eines Teiles des verlorengegan- genen Geldes und zu zwei Neuntel der Kosten verurteilt. Gegen dieses Urteil hatten beide Parteien Berufung eingelegt. Am Dienstag wurde nun in der Berufungsinstanz am Oberlandesgericht Darmstadt erneut verhandelt und das Urteil dahin gefällt, daß die Klage der Gemeinde gegen Bürgermeister Jung in vollem Umfange zurückgewiesen und die Gemeinde zur Tragung der gesamten, einige tausend Mark betragenden Kosten verurteilt wurde. Damit ist ein Prozeß beendet worden, der beinahe drei Jahre gedauert und in ungezählten Sitzungen den Gemeinderat beschäftigt hat.
Landkreis Gießen.
1 Mainzlar, 15. Mai. Ein größeres Gc- sangskonzert veranstaltete der hiesige Gesangverein am Sonntag auf der Burg Staufenberg mit dem hier zu Gast weilenden- Gesangverein „Eintracht" aus Eveking in Westfalen. Die Gäste, die am Samstagnachmittag schon bei uns eintrafen, folgten einer Einladung des hiesigen Vereins um so freudiger, als ein früheres aktives Mitglied der „Eintracht" sich unter den hiesigen Eangesfreunden! befindet und sich um das Zustandekommen der Sängerfahrt sehr verdient gemacht hat. Bei dem am Abend im Vercinslokale Müller abgehaltenen Begrüßungsabend empfing der hiesige Verein die Gäste mit dem Äingergruh. Anschließend entbot der zweite Vorsitzende Lemp den Gästen den Willkommgruß des Vorstands und dankte den Mitgliedern und deren Angehörigen für ihr zahlreiches Erscheinen. Den Dank der Gäste für die überaus freundliche Aufnahme bei den hiesigen Sangessreunden und der Einwohnerschaft brachte der erste Vorsitzende des Gastvereins zum Ausdruck. Die gesanglichen Darbietungen der beiden Vereine auf der Burg Staufenberg am Sonntagnachmittag zeugten von sehr guter Schulung der Sänger. Schwierige Chöre von Wagner. Hegner und Sonnet wurden neben guten Volksliedern flott vorgetragen und fanden bei den sehr zahlreich erschienenen Besuchern begeisterte Ausnahme. Am Abend traf man sich wiederum im Vsreinslokol, und unter abwechslungsreichen Vorträgen vergingen die wenigen Stunden des geselligen Beisammenseins leider allzu schnell. Der Gastverein fuhr am Montagnachmittag vollbefriedigt von seiner Sängerfahrt zu dem schönen Oberhessen nach seiner Heimat zurück.
Grünberg, 15. Mai. Die jüngste Gemeinderatssitz ring fand unter dem Vorsitz des Beigeordneten Keller und in Anwesenheit von neun Gemeindcräten statt. Die Herrichtung des Sportplatzes, um den die beiden Sportvereine schon mehrmals nachgesucht haben, wurde beschlossen. Gemeinderatsmitglied Roth erklärte sich bereit, den Rivellicrungsplan herzustellen und die auszuführendcn Crdarbeitcn, wozu die
„Es ist uns bekannt, daß Sie am Vormittag des Mordtages mit dem Flugzeug nach Deutschland gefahren sind."
Riedinger wird blaß, dann antwortet er stotternd:
„Das ist nicht wahr. Ich hatte mich nur eintragen lassen, um ein Alibi zu besitzen. In Wahrheit bin ich in Kopenhagen geblieben."
„Denken Eie sich: auch auf diese Antwort war mein Mann vorbereitet. Er geht zur Tür und läßt einen Herrn eintreten: es ist der Pilot, der das Flugzeug geführt hat. Man bittet ihn, sich int Saale umzusehen. — Augenblicklich geht er auf Bruno Riedinger zu mit den Worten:
„Dies ist der Herr, mit dem ich am 8. September nach Berlin geflogen bin."
Der Präfekt ist Sieger.
„Können Sie sich an feinen Ramen erinnern?" fragt der Richter.
„Ja, er heißt Bruno Riedinger."
„Run, Herr Riedinger. was sagen Sie jetzt?"
„Dieser Mann muß sich irren.“
Ole geht auf ihn zu. „Sic tun mir leid, Herr Riedinger. Sic sind das Opfer Ihrer kameradschaftlichen Gesinnung geworden. Richt wahr: Sie möchten Sokoloff retten — und darum nehmen Sie eine Tat auf sich, die er begangen hat."
Linda Andersen preßte die Hände gegen die Schläfen.
„Warum sollte ich etwas so Wahnwitziges tun?“ fragt Riedinger.
„Das will ich Ihnen ganz genau sagen: Weil Sokoloff Ihr Führer ist. lind weil die Parole ausgegeben worden ist, daß er unter allen Alm» ständen unbeteiligt erscheinen muß. Denn man braucht ihn für große Missionen."
„Das ist nicht wahr!" murmelte Riedinger.
„Denken Sie an Ihre junge Frau!" ermahnte der Richter. „Ihr Leben gehört nicht Ihnen allein. Sie haben Pflichten. Sie lieben Jchre Frau, nicht wahr. Sie haben sic doch lieb? Wollen Sie sich für ein Phantom opfern? Für einen Verbrecher?"
„Ich ttnlt mich nicht opfern," sagte er trotzig. — „ich bin der Täter, er ist unschuldig!"
„3d) sehe," sagt mein Mann, „ich muß ein wenig ins Detail gehen. Es ist ja gar kein Liebes - drama, das sich im Grand Hotel abgespielt hat. Es war ein politischer Word, und alle beteiligten Personen hatten politische Missionen."
(Fortsetzung folgt.)


