Ausgabe 
10.4.1928
 
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ging Er hat das Vertrauen und kann damit anfangen, was er will...

Vertrauen ist übrigens vielleicht nicht ganz die richtige Bezeichnung für das Verhältnis zwischen dem Ministerpräsidenten und den Millionen seiner Anhänger, unter denen er wahrscheinlich nicht drei Persönliche Freunde haben dürste. Es ist eher Respekt. Ünb unbegrenzte Autorität. Poincare ist anders als die anderen Er redet keine geflügelten Wihworte, hat keine populären LieblingSgerichte und klopft nicht irgend einem Mann auf der Straße auf die Schulter, wie es zum guten Ton der französischen Staatsmänner gehört. Die fundamentale Eigenschaft aller Fran­zosen, die ,G a m a r a d e r i e" ein Wort, das sich in keine Sprache der Welt übersetzen läßt fehlt ihm vollkommen. Sein Fall liegt ähnlich wie der Lloyd Georges. Mit umgekehrten Vor­zeichen. Der alte Walliser ist in einer Ration von ernsten, seriösen und bedächtigen Männern der einzige Feuerkopf. Unb hat gerade darum den Kontakt mit den Massen im kleinen Finger. Während Poincarä in einer Ration von Feuer­köpfen vielleicht der einzige ernste, se­riöse und bedächtige Mann ist - und daher sein ungeheurer Erfolg. Roch nie hat ein Sterblicher den großen Lothringer lachen gesehen. So kommt es. daß er manchmal sehr unpopulär wird. Wenn die Franzosen einmal des trockenen Tones satt sind. Aber daß er immer wiederkehrt, wenn die Franzosen einen Retter brauchen.

Diesmal kehrt er ganz bestimmt wieder. Llmworbener als je, gefürchteter als je, gesicherter als je. Es gibt gar keine andere Möglichkeit. Die Frage kann nur lauten: wie wird die Mehrheit zusammengesetzt sein, auf die Poincare sich stützt. Die Auguren künden Verluste der Flügelgruppen des Dürgerblocks zu­gunsten eines homogeneren Zentrums. Und Andrs T a r d i e u, derjenige Franzose, der die Konjunktur immer am sichersten zu beurteilen wußte, hat sich seinen Wählern von Belfort mit den Worten vorgestellt: ich gehöre weder zur Rechten noch zur Linken nachdem er nämlich mehrmals beiden Richtungen angehört hat. 3d) bin ein Mann der Mitte unb mein Programm heißt, in zwei Worten. Raymond Pvincarö.

Kein englisch-afghanisches Bündnis.

Pariser Phantasie«.

London, 9. April. ($il.) Die Pariser Mit­teilungen über den Abschluß eines englisch- afghanischen Defensiv- und Offensiv-Vertrages finden in London keine Bestätigung. Die von der französischen WochenzeitschriftAu? Ecoutes" angeführten Einzelheiten des angeblichen Ver­trages. die Entsendung einer britischen Militär- mifsion zur Ausbildung der afghanischen Armee, den Bau von Eisenb^nlinien und Flugpkätzen und die Mechanisierung der afghanischen Armee in Uebereinftimmung mit den in der indischen Armee benutzten Waffen sind, wie der diplo­matische Korrespondent des .Observer" feststellt, reine Phantasie-Erzeugnisse. Die Anwesenheit König Aman Allahs in London ist allerdings von Sir Austen Chamberlain be­nutzt worden, um mit dem König eine Reihe von Fragen zu besprechen, die die 3nteressen beider Länder angehen. Dies« Besprechungen haben beide Teile befriedigt. Sie waren aber weder Verhandlungen noch Besprechungen im diplomatischen Sinne, sondern persönlicher Art. Man war nur von dem allgemeinen Be­streben geleitet, die Beziehungen zwischen beiden Ländern, die geographisch ohnehin stark zu- sammeTchängen. freundlicher zu gestalten.

Diese Feststellungen des .Observer" entsprechen zweifellos den Tatsachen. Der Abschluß eines Vertrages, wie er von französischer Seite umschrieben ist, dürste selbst wenn er durch die Anwesenhett Aman Allahs angestrebt sein sollte, zweifellos noch nicht spruchreif sein. Die guten Beziehungen zwischen England und Afghanistan sind. Wie bekannt, noch recht jungen Datums und die maßgebenden Per- -sönlichkeiten Afghanistans dürften kaum Reigung zeigen, den Kapitalmangel ihres Landes durch die Auslieferung des gesamten strategischen Apparates an Großbritannien zu decken. Insofern erscheint es durchaus richtig, wem» die Pariser Inhaltsangaben als Phantasie bezeichnet werden. Oer König von Afghanistan in Berlin.

König Aman Ullah ist Montag vormittag von Paris kommend auf dem Bahnhof Zoo eingetroffen, non wo er sich nach der afghanischen (9 c sandtschaft in der Lessingstraße begab. In den Mittaysstunden machte der König eine Spazier, fahrt m den Grünewald.

Reue Religionelunnchen in Indien.

London, 10. April. (WTV. Funkspruch.) Darlh Telegraph berichtet aus Bombay: In bem Fabrikort Ahmedabad brach infolge non Ge­rüchten über einen Kinderraub eine Panik aus. Es wurde gemeldet, daß zwei Pathans ge­faßt wurden, als sie versuchten, Kinder wegzu- locken. Bald waren Gerüchte im Umlauf, daß Pathans 100 Knaben bei einer in Bau befind­lichen Drücke opfern wollten und daß die mohammedanische Khojas-Sekte Kinder er­mordete, um ihr Blut mit Opferreis zu mischen. Diele Sikhs und Mohammedaner wur­de»» vom erregten Pöbel Übel zugerichtet. Zwei Mo­hammedaner wurden von einer zweihundertköpfi- aen Menge geschlagen in der Annahme, daß sie Pachans wären. Einer von ihnen erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Der andere befindet sich in gefährlicher Verfassung. Die Be­hörden suchen die Erregung zu beschwichtigen.

Zwei Riesenfischdampfer für das französische Aeparaiionslonio.

Hamburg, 9. April. (WB.) Der auf der hiesi­gen Werft von H. C. (Stuelfe»» & Sohn auf Rechnung des französischen Reparationskontos gebaute 2200 Tonnen große FischdampferSergeant Gon- a r ne" hat die Ausreise nach St. Malo angetreten. Ein zweiter Fischdarnpfer der gleichen Type ist noch auf der Werft im Dau und soll in der »wchsten Woche zu Wasser gelassen werden. Es handelt sich bei diesen beiden Fischdampfern um die größten der Welt. Sie sind 65 Meter lang, 10 Meter breit und baden eine Expansionsmaschine von 800 PS., die den Schiffen eine Geschwindigkeit von 10$ Meilen in der Stunde gewährleistet. Die Schilfe sollen bei den N e u f u n d l a n d i n s e l n fischen. Sie haben De: arbeißingsmaschinen an Bord, um den Fang nui

allen seinen Abfällen und Nebenprodukten entspre­chend zu verarbeiten. Aus den FiscAebern wird Lebertran hergestellt, die Abfälle werden zu Fischmehl verarbeitet werden. Man rechnet habet täglich auf die Gewinnung von etwa 1500 bis 2000 Kilogramm dieses Materials, das einen Wert von 600 bis 900 Mark darstellen wird.

Reparaiionsregelung und Rheinlandbefreiung.

Die Meinung der französischen Radikalen

Paris, 7. April. (WB.) Das offizielle Organ der radikalen Partei, ,La Voix", polemisiert in schärfster Weise gegen den reaktionärenFigaro", der erklärt hatte, daß die Frage der Nutstiarmachung der DawesHbligationen nichts mit der Frage der vorzeitigen Rheinlandräumung zu tun habe. Das Blatt schreibt: In einer Affäre von diesem Ausmaß tritt neben das technische Problem in verhängnis­voller Werfe das politische. Keine deutsche Re­gierung wird der öffentlichen Meinung in Deutsch­land, die für eine schnelle Gesamtregelung der Kriegsschulden und Reparationen notwendigen besonderen Anstrengungen aufzwingen, die für Deutschland die Ausgabe der Trans- sergarantieklausel mit sich bringt, wenn sie öiefe Operation nicht als ein Mittel zur Befrei­ung der Rheinlande hinstellt. Diejenigen, die versuchen, sich verzweifelt an die theoretische U n - terscheidung zwischen Dawesplan und Rhein­landbesetzung anzuklammern, vergessen zu leicht die Geschichte der letzten Jahre, sie vergessen, daß die Besetzung im Versailler Vertrag als Pfand für bie Ausführung der Reparationen ge- dacht war, sie vergessen auch die Vorgeschichte der deutsch-französischen Aussvracl)e m T h o i r y , deren direkte Konsequenz die Kombination ist, der Poin- car6 nunmehr seine prinzipielle Zustimmung ge­geben hat.

Kommumstische Verschwörung in Japan.

Hinpörung gegen Moska«.

London, 10. April. (1B2B. Funkfpruch») Rach einer Meldung aus Tokio herrscht in ganz Japan große Erregung wegen der Entdeckung eines weitverzweigten Roten Komplottes gegen den Kaiser von Japan. Reber hun­dert kommunistische Agitatoren wurden verhaftet. Sie werden einer Verschwörung gegen den Kaiser beschuldigt. Weiter wird berichtet, hie Faden liefen nach Feststellung der Polizei nach Moskau. Auch sei erwiesen, daß während der letzten Wahlen die Radikalen von Moskau.finanziert wurden. Diese Einmischung in japanische Angelegenheiten habe im Lande einen Sturm der Empörung gegcndieKommunisten erzeugt. Oie Behör­den sahen die Angelegenheit als fef>r ernst an.

Gründung eines Lenin Bundes.

Berlin. 9. April. (WLB.) Die ans der Kommunistischen Partei Deutschlands ausge­schlossenen linken Kommunisten gründeten aus einem während der Oftertage im Preußischen Landtag abgehalteneu Kongreß den Lenin- Bund und beschlossen, bei bei Reichstags-. Landtags- und KvrnmunalwaHlen eigene Kandidaten aufouftellen; ferner wurde ein offenes Schreiben an die Exekutive der Kommu­nistischen Internationale beschlossen, in dem u. a. beantragt wird, den Lentn-Dund als sym­pathisierende Organisation in die Internationale aufzuneAnen. In diesem Falle sei er bereit, auf selbständige Beteiligung bei den bevorstehenden Wahlen zu verzichten und die Kommunistische Partei Deutschlands zu unter­stützen.

Oie deutschen Ingenieure kommen nach Moskau.

M o s k a u, 9. April. (1DIB.) Der Volkskommis­sar für Auswärtiges, Tschitscherin, teilte in einer Unterredung mit dem deutschen Botschafter, Grafen Bcockdorfs-Ranhau, mit, daß der Prozeß gegen die verkosteten Ingenieure Mitte April stattfinden würde. Als Gerichtshof fei nach Ueberwindung zahlreicher Bedenken M o s - k a u gewählt worden, und die verhafteten Deutschen befänden sich bereits auf dem Wege dorthin.

Oie Verhandlungen mit polen.

Berlin, 9.2lpriL Von zuständiger Seite wird bestätigt, daß zwischen den Delegationsführern für die deutsch-polnischen Handelsoertragsoerhandlungen, dem Reichsminister a. D. Hermes und dem pol­nischen Minister a. D. Twardowski, kurz nach Ostern in W i e n eine Besprechung stattfinden soll. Es handelt sich dabei aber nicht um die materielle Wiederaufnahme der offiziellen Handelsvertrags- vcrhandlungen, die seinerzelt nach Erlaß der polni­schen Grenzzonenverordnung unterbrochen worden sind, vielmehr noch immer um die Fort setzung jener diplomatischen Besprechungen, die vor etwa 14 Tagen von dem Gesandten in Warschau, Rauscher, eingeleitet werden und die nur den Zweck haben, erst einmal eine neue Basis für die Wiederaufnahme der materiellen Handelsver tragsverhandlungen zu finden.

Meuterei in Venezuela.

Caracas, 10. April. (WB.) Am Samstag tarn cs hier zu einer Meuterei, die nach Mitteilung der Regierung schnell unterdrückt wurde. Die meu­ternden Truppen töteten zwei treugebliebene Offi­ziere und drangen nach den Munitionslagern in der oan Calos-Kaserne vor. Als sie dort enttarnen, wurden sie mit Gervehrseuer empfangen, dar meh­rere von ihnen tötete oder verwundete. Die übrigen konnten ohne Schwierigkeiten gefangen ge­nommen werben.

Aus aller Wett.

Schwerer Sturm aus dem Atlantik.

Rach Funksprüchen von aaftommenben Dampfern herrscht auf dem Atlantischen Ozean schwerer Sturm. Diehomeri c" und dieFranc e werden »vahrfcheinNch ihren Zielhafen mit Ver­spätung erreichen. DerLeviathan- ist in 3teu- noif schwer beschädigt in Dorf gegangen. Donners­tag nacht hatte eine ungeheure woge den 8.5 Fuß über bfr Wasserlinie am Vormast befindlichen Scheinwerfer zertrümmert, vier Rettungsboote

wurden zerstört und durch einen gebrochenen Venti­lator drangen Wassermassen in einen Teil der Daf­fagierräume 3. klaffe ein.

Tagung der siidwcftdeutschen Kunftvereine.

Der Verband Deutscher Kunftvereine, Gau Süd- westdeutschland, hielt in diesen Tagen in Heidelberg eine Versammlung ab, au der die Kunftvereine Frankfurt, Gießen, Heidelberg, Karlsruhe. Bruch­sal, Freiburg, Stuttgart und Mannheim ihre Ver­treter gesandt hatten. In der Sitzung kam die Tat­sache zum Ausdruck, daß Staat, Kommune und Prwatpublikum zur Zeit an der bildenden Kunst nicht das Interesse nehmen, das für die Entwicklung kulturellen Lebens notwendig scheint. Schuld daran trägt nicht nur die mangelnde Kaufkraft, die Woh­nungsnot, die sich zersvlitternden Kunstrichtungen, sondern vor allem auqj eine einseitige B e - oorzugung anderer Bestrebungen, bie mehr auf sportlichem und sensationellem Gebiete liegen. Dabei ist bie Notlage der Künstler erschreckend. Die Kunstvereine, die aus rein idealem Interesse der Kunst dienen, sehen sich außer- stände, ihre Tätigkeit in gleicher Stärke durcteu- führen, wenn nicht nach der Umschichtung der Ge­sellschaft den Kunstvereinen neue Mitglieder und von den staatlichen und städtischen Behörden Mittel zur Durchführung ihrer Ziele zur Ver­fügung gestellt werden. Es soll durch Eingaben ver­sucht werden, auf die Notlage hiruuweisen, um auch für die kulturellen Belange lebhaftere Aufmerksam­keit und tatkräftigere Unterstützung zu erreichen.

Roch kein Aufstieg derBremen zum Ozeauflug.

Dublin, 10. April. (WTB. Funkspruch.) Der ge­plante Atlantikflug derBremen" von Dublin nach Neuyork wird, wie gemeldet wird, heute nicht a u s g e s ü h r t, da die Wettermeldungen in der Mitte des Atlantischen Ozeans sehr ungünstig sind. Nach den gestern abend eingetroffenen Wetter­berichten herrschte über dem Atlantischen Ozean ein Gegenwind von 80 Stundenkilometer.

Der Reichsftnanzminifler beim Papst.

Reichsfinanzminister Dr. Köhler wurde am Ostersonntagabend vom Papst in halbstündiger Audienz empfangen. Der Reichsfinan^minister besuchte alsdann den Kardtnalstaatsfekretar Ga - sparri.

Die Silberne Staatsmedaille für Helene Lange.

Im Auftrage der preußischen Staatsregierung überreichte in Vertretung des abwesenden Kul­tusministers Staatssekretär Dr. Lammers, von Ministerialdirektor Dr. Iahncke und Mini- sterialrätin Dr. Heinemann begleitet, Frau Dr. Helene Lange die silberne Staatsmedaille für Verdienste um den Staat, zugleich mit einer von Künstlerhand ausgeführten Verleihungsurkunde. In seiner Ansprache hob der Staatssekretär die besonderen Verdienste der Geseierten um die Frauenbildung hervor. Frau Dr. Lange feiert, wie bereits mitgeteilt wurde, am 9. April ihren 80. Geburtstag

Lngländerinvaston in Paris.

Der erste Oster fei ertag zeichnete sich durch ein wider Erwarten schönes Wetter aus. Paris war von Einheimischen nahezu verlassen, während ein großer Fremden ström besonders von Engländern die großen Straßen der Stadt durch­flutete. Im Laufe der letzten vier Lage zählte man nicht weniger als 10 000 Engländer, die nach Paris gekommen waren, um hier daS Osterfest zu verleben. Von und nach Paris mußten Sonderzüge eingelegt werden. Sv wur­den am Ostbahnhof 28 Sonderzüge eingelegt, am Rordbahnhof 45 und am Bahnhof Saint Laza«, der nach Cherbourg führt, 30 Sonderzüge.

®r offener to einem Münchner Brau ha«.

Am Ostersonntag, früh gegen 3 Uhr, brach in dem Wohn- imo Restaurationsgebäude der Hackerbrauerei A.-G. in der Daherstraße ein Grvßfeuer aus, das m den zahlreichen Holz­vertäfelungen. der Holzdecke, m Einrichtungs­gegenständen und der Balkenlage im Erdgeschoß und ersten Stock reiche Rahrung fand und großen Schaden anrichtete. Die Hauptfeuerwache und mehrere Llbteilungen der Freiwilligen Feuerwehr bekämpften den Brandherd drei Stunden lang mit sechzehn Schlauchlagen und 17 Rauchschutz­geräten. Durch zwei Fenster des ersten Stockes wurden vier Frauen und ein Säugling über eine Leiter gerettet.

Tadessturz bei einem Motorradrennen.

Bei einer Rennveranstattung des Motovsportklrids S t u r m d o a e I* (München) verunglückte der 9iennfahver Karl I m h o l z, einer der ältesten bayrischen Seitenwagenfahrer, mit feinem Seiten­wagen Insassen Fuchsgruber tödlich. Infolge eines Bruches der Wagenverschrauduna wurde das Motorrad über eine 'Kurve hinousgeschlendert und fuhr gegen einen Baum. Fuchsgruber war sofort tot, während Irnholz seinen schweren 'Ber- letzungen im Krankenhaus erlag. An derselben Stelle war kurz vorher Fräulein Keller aus München gegen einen Baum gefahren. Sie erlitt einen Fuß- unb Armbruch.

Zusammenstoß zwischen Automobil und Perfoneuzug.

Gin mit einer Klagenfurter Gesellschaft be­setztes Personenauto durchfuhr bei der Station Klagenfurt-Länd (Kärnten) die Bahn­schranke unb stieß mit einem Personenzug zu­sammen. Der Zusammenprall war ft> stark, daß das Auto zertrümmert und die Lokomotive schwer beschädigt wurde. Don den Insassen des Autos wurden zwei getötet und drei schwer verletzt.

Besuch ungarischer Eifenbahnbeamter.

Unter Führung des Sekretärs der ungarischen Staatseisenbahnen. Professor Dr. 3uliu s von Tötök, besuchten 65 Hörer de« ungarischen Eisenbahnbeamten-Bildungskurfes, sowie 10 mitt­lere und höhere ungarische Eisenbahnbeamte Heidelberg. Die Budapester Gäste traten in zwei ungarischen Sonderwagen von Stutt­gart gekommen, nachdem sie bereits München auf ihrer Studienreife berührt batten. Als Gäste der Deutschen Reichsbahng^eMchaft wollen die ungarischen Eisenbahner die Leistungen der Deut­schen Reichsbahn im technischen Dienst kennen lernen. Rach bet Besichtigung des Personen­bahnhofes, dem neuen Betriebsbahnhof, fuhren die Gäste nach Köln weiter. Außerdem werden auf der Studienreise die Städte Franksurt und Rürnberg berührt.

Kampf zwischen Wäri'r unb Irrsinnigen.

Zwischen den Stationen Tyvow unb Ludwigs­felde auf der Strecke von Trebbin nach Berlin wurde ein Wärter der Landespflegeanstalt von einem Geisteskranken, der wegen epileptischer An­fälle in die Pflegeanstaltübergeführt werden sollte, nach heftigem Kampfe au# dem fahrenden Zuge geworfen. Der Wärter erlitt schwere Verletzungen. Der Kranke sprang

I ebenfalls aus dem Zuge, floh und konnte bisher nicht wieder ergriffen werden.

Dreizehn Kinder ans dem Schneesturm gerettet.

Am Oftertage bestiegen 13 Schulkinder den Gipfel ..A r e s k u t a n", einer der höchsten Berge Nord' schwebens, als sie in der Dunkelheit von einem Schneesturm überrascht wurden, der ihnen die Rückkehr unmöglich machte. In dem nahegelegenen Hotel Are (Iämtland) wurden sämt­liche Osterkeierkichkeiten abgebrochen, als die Nach, richt von der den Kindern drohenden Gefahr ein- traf. Einer sofort entsandten Abordnung von Ar­tillerieoffizieren gelang es nach vielen Mühen sämtliche Kinder außer Lebensgefahr zu bringen.

Die groß ist der Deutsche?

Der preußische WohlsahrtSminister Dr. Hirt- fieser hat gelegentlich einmal eine Mitteilung erlassen, nach der sich durch Messungen die be­dauerliche Tatsache ergeben hat. daß die deutsche Jugend gegenüber der Vorkriegszeit um nicht weniger als 4 Zentimeter kleiner ge­worden ist. Diese Erscheinung ist eine Folge der Kriegs- und Rachkriegsverhältnisse. burd) die die körperliche Entwicklung ter Jugend stark zurückgeblieben ist. Es ist aber auch"weiter fest- gestellt worden, daß ter Soldat durchschnittlich 167,74 Zentimeter groß war, der Unteroffizier 166,56, bte Einjahrig-Freiwilligen 171,63 Zenti­meter. Letztere, also die Einjährig-Freiwilligen, übertrafen den Durchschnitt damit um nicht we­niger als 4 Zentimeter und den Durchschnitt bet Unteroffiziere um 3 Zentimeter. Die verschie­denen Stämme des deutschen Volles haben auch verschiedene Größen. Die Otten- bürget, die Schleswig-Holsteiner unb Mecklen­burger sind zwischen 169,78 und 179,31 Zenti­meter groß. Die Westfalen, Hannoveraner, Ham­burger, Pvmmem unb Braunschweiger haben eine Durchschnittsgröße von 168,99 Zentimeter. Di« Rheinländer, Ostpreußen, Berliner unb Hes­sen haben eint Gröhe von 168,5 bi« 168 Zenti­meter, 167 Zentimeter groß find die Badener, Württemberger, Coburger unb die Leute bet Provinz Sachsen, während die Bayern nur 166,78 Zentimeter im Durchschnitt haben, die Schlesier 166,61 Zentimeter. Die Sachsen sind die kleinste» mit 166,39 Zentimeter tm Durchschnitt. Vor teth Kriege gab es Truppenteile, die. tote die Garte, ein DurchfchnittSmaß von 173,73 Zentimeter imb die Fußartillerit von 172,31 Zentimeter auf- wiesen. Die Marine dagegen war mit 168,86 Zentimeter nicht weit über dem Durchschnitt voy 167,73 Zentimeter hinaus. Es ist zu hoffen, da- eine bessere Lebenshaltung der heutigen Jugend unb eine Stärkung durch sportliche Bctätigmrg auch die Abnahme ber Körpergröße der deutschen Jugend wieder beseitigen wird, was sich ver­einzelt in der letzten Zeit glücklicherweise ja wieder bemerkbar gemacht hat. Sin besonderes Futter zum Grvtzwerden gibt eS zwar nicht, aber Krperliche Tüchtigkeit, gepaart mit einem gesunden Geiste werden <4 Wohl auch wieder zur- alten Gröhe bringe».

Aus der Provinzialhauptfiadr.

Oleh«», ben K). April W28.

Meine Krau putzt.

Es war in ter Otterwoche. Ich hatte frei, jchtref länger als sonst unb machte mtr's bequem. Aber so einfach ginH das nicht.Mn Zimmer muß auch nnmal gründttch gesäubert werde» k" kündigte mir meine Fra» kurz und knapp an, gerate, als ich mich behäbig im Schreibttschsefiet niedergelasien hatte. Als ob's nicht immer bei uns sauber sei! Die Tischdecke oerschwa»id, die Sofakifsen wanderten hinaus, das Klavier wurde entblößt, die Bilder mußten i^ren Platz an ber Wand räumen. Dann kletterte meine Frau auf einen Stuhl unb fum­melte mit einem Haarbefen in der Ecke herum. ..Da ist ein Spinngewebe, das muß roegl" Ich sah nichts bQDOtt. Sie reckte sich. Die runden Arme quollen oben, bie Waden unten aus dem Kleid. Das sah so drollig aus, daß ich eine scherzende Bemerkung nicht unterdrücken konnte. Aber da kam ich schön cm! Wenn meine Frau Arbeit bat, versteht sie keinen Scherz. Mit einem Satz war sie untenDu willst wohl auch noch den Spaß an mir haben?" fuhr sie mich an.Hättest du mir einen Staubsauger gekauft, dann brauchte ich mich nicht so au plage». Aber ihr Männer habt kein Verständnis für unsere Arbeit!" Der Besen flog mir vor die Füße. Don­nernd schlug die Türe au, und bann rumorte e» in ber Küche. Ich wrbielt mich gonx still, denn das ist in solchen Fällen oas beste. Bald kam sie wie­der, würdigte mich keines Blickes, stellte bas Fuh- bänkchen auf den Stuhl, stieg vorsichtig erst auf ben Stuhl, bann auf den Schemel und ftihr von neuem in die Ecke. Diesmal schwieg ich.So!" kam es olötzlich befriedigt au» der Ecke. Sie mußte einen Faden erwischt haben, denn von einem Svinnetz sah ich immer noch nichts. .Hetzt kommt dein Bücher­schrank an die Reihe," schnurrte sie, tannp ihn ausräumen!"Das ist nicht nötig," erwiderte ich,da kommt fein Staub hinein." Das war offener Widerspruch, und ben kann meine Frau gar mehr leiden.Dann mach ich'»!" stieß sic heraus. Unb schon hatte sie einen Stoß Philosophie unb setzte ihn krachend vor mir nieber auf den Schreibtisch, baß mir eine Staubwolke ins Gesicht stab. Also hatte sie boch recht! Ich flüchtete in bie Cofaecke. Immer soviel, als sie mit ben kleinen Händen fasten konnte, setzte sie heraus. Reben bic Philosophie türmte sich bie Geographie, bie Geschichte, die Tech nif. die Sprachwissenschaft, bas Lexikon u. a. Schreibtisch. Sessel, Stuhl trugen schwere Lasten. Dann verschwanden Kopf und Arme meiner Frau für eine Weile im Schrank. Dürste unb Tuch fuhren in alle Ecken. Ab und zu klappte ein Brett. Run nahm sie ein Buch nach dem andern, wischte liebevoll darüber hin unb stellte es in den Schrank. Aber sie hielt die Reihe nicht ein. Neben KantsKritik" schob sic SupansArundzüge ber physischen Erd künde", reihte Ranke an unb baute so weiter, im mer hübsch durcheinander. Ab und zu richtete sie bic Bucher etwas noch ber Große aus. Das war mir aber doch zu bunt!Ader hör mal!" platzte ich her- gus. Weiter kam ich nicht. Mit einer kurzen, aber nicht mißAUverstehenden üanbberoegunß schnitt fk mir das Wort ab. Hier war nichts .zu machen! Wütend räumte ich das Feld. Stärker noch als vor­hin dröhnte bas Haus vom Schlag ber Türe. Da hatte ich eine schöne Geschichte angerichtet! Wann werde ich mich wieder in dem Schrank zurechtfin­den. in dem s i e Ordnung gemacht hat? Aber so rächt sie sich immer. Dann eile ich ins Grüne, da­hin, wo keine Frauen Osterputz hatten. Alttnähttch wird es ruhiger in mir, unb als ich spät den Heim weg antrete, da habe ick mir oorgenommen. nte wieder meine Frau zu stören, wenn sie putzt.

Dr.