Dienstag, 10. April 1928
178. Jahrgang
Nr. 84 Erstes Blatt
Oer deutsche Oiplomatenschub
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Um die Autonomie für Sisaß-Lothringen.
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Wem gehört die Lugend?
von unserem römischen ^-Korrespondenten.
Nom, April.
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machen. Das schlug dem Faß den Boden aus. Pius XI. stand grimmigen Zornes auf und sprach mit einer Bitterkeit, wie sie vielleicht seit 1870 nicht mehr gehört wurde, an den Diözesanausfcyuh hm, aber er meinte natürlich Mussolini:
Oie Trennung von Staat und Kirche in der Türkei.
Angora. 9. April. <DTD.) Die Kammer nahm einstimmig mit 269 Stimmen ben mm Ischet Pascha und 121 Genossen emgebrachten Abänderungsantrag zur Sicherung der ^rennung von Kirche und Staat an. Danach ist u a. aus Artikel 2 zu streich e n ber Staatsreligivn ist der Islam, die Formel für die Gides ablegung wird stur den Präsidenten der Repichlik^ und,sur die Mge ordneten gleichermaßen abgeandert. Der Passus .Ich schwöre usw." wird ersetzt durch »Ich gebe mein Ehrenwort uftoA
den faszistischen Staat, f ü r M u s s o l i n i, entschei- den. Das Manöver, mit einer künstlichen Ent- rüstung, die unwürdig ist einer so hohen geistigen Autorität, die Italiener in zwei Lager zu spalten, muß also elend scheitern. Es gibt nur eine einzige Disziplin und Richtschnur, und das ist die der Ita- liener der faszistischen Epoche unter dem Befehl Mussolinis!" ,
Deutlich. Aufrichtig. Faszistisch. Trotzdem wird sich der Papst nicht einschüchtern lassen, denn es steht auch das Existenzrecht der kirchlichen Macht in Italien auf dem Spiele.
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Annahme HW lljtlltt fflt die lagtsnummct vis zum Nachmittag vorher.
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Dr. Friedr. Mich. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lang«; für Feuilleton Dr. H.Ä-yriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kart Hillmann, sämtlich in Gießen.
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Es ^t nun klar, daß^das I ' i r dj11 dieser Heranziehung der Jugend für den faszislischen Staat ganz abaesehen von Bedenken religiöser Art, nickt gleichgültig zusehen kann, solange eben zwi- LT dielen Staat und der Kurie d e alte Streit- frage besteht. Alle diese jungen Fasz'sten werden ,a im Geiste eines cinpcien Italiens das auch keinen Miniatur-Kirchenstaat dulden konnte, er- zogen, sic werden, häufig unter furchtbaren peelen konflikten, Gegner d e s D a t i k a n s so mei er politisch denkt. Sie werden, fo fugtet er. auj diese Weise nach und nach sogar der Religion °Unl" diesem Schchl-punk» muß all--. E der Faszismus bisher getan hat, um auch die kirchliche sJife für sich zu gewinnen, als ungenügend erscheinen Denn was will die Wiederausrichtung des Seu?e5 auf dem Kapitol und im Kolosseum, der Religionsschutz in der Schule gegen die radi.ale FasAistisierung der Jugend besagen'. Schon ist es ja so weit gekommen, daß der Rest jener einst groß gewesenen Partei der Popolar., die wie alle andern von Musiolini zertrümmert wurde, offen ins Lager der Faszisten überging und ein sog. .nationales Zentrum" bildete das kurz ich zwar einen Kongreß auf dem Kapitol abhiett und dann huldigend zu Mussolini zog, es aber nicht für angemeffen hielt, auch beim Papst einen Besuch zu
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Gießener Familterrdlätter Heimat im Bild Die Scholle.
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Krankfurt am Main 11686.
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Der Poincarismus. Die Union nationale, die der Ministerpräsident sich geschaffen Hat, ist tatsächlich die Zusammenfassung aller politischen Parteien und Gruppen mit Ausnahme der marxistischen und einiger, völlig bedeutungsloser Rechtsradikaler. Dieser Sind hat kein anderes konkretes Programm, als jedesmal begeistert zuzustlmmen. wenn der Herr und Meister die Vertrauensfrage stellt. Zwanzig Monate lang übt er nun diese« Gewerbe, und da es mittlerweile gelang, die Währung vor dem Zusammenbruch zu retten, und die Staatssinanzen Halbwegs zu sanieren, wird er es wohl, nach dem Willen der Wähler, die nächsten vier Jahre lang weiter so treiben.
Vorausgesetzt natürl ch, daß sich nicht unvcr- läßliche Elemente in die Reihen der Union nationale, einschleichen, die eines Tages nach der Linien hinüberwechseln und andere Kombinationsmög- lichkciten schaffen könnten. Don außen her, vom Ansturm der Opposition, droht dem Poincarismus (einerlei ® e f a 6 r. Um so vorsichtiger ist der von Statur aus recht mißtrauische Ministerpräsident darum in der Erteilung fernes Segens an diejenigen Wahlbewerber, die auf sein Pro- gramm kandidieren. Es sind ihrer beinahe m jedem einzelne« Wahlkreis mehrere. Ein Abglanz von Pvincarss Licht sichert ihnen die absolute Stimmenmehrheit. 11 nb es ist ein ergötzliches Schauspiel, wie sie diesen Abglanz einander eifervoll streitig machen.
Tvpisch war das Präludium zu Poincares Gastspiel in Carcassonne, das UH freilich hinter streng verschlossenen Äultffen absptelte Carcassonne, eines der politische Zmitren des pazifistischen Süden" ist eine Hochburg der Sozialistisch-Radikalen, also der linken Flügelpartei der Union nationale, deren Vertreter im Kabinett der Innenminister Sa r - raut, selbst Bürger von Earcassonne, Pvin- cart hier auch als Hausherr willkommen hieß. Zum Bankett waren ausschließlich die sozialistisch- radikalen Honoratioren einaclagen. Darob große Entrüstung unter den Anhängern der anderen Parteien. „Unser ist P o i n c a r e I erklärten inc Anhänger der Republikanischen Linken, oct Mittelpartei, der Gemäßigten Republikaner und all der anderen Gruppen und Grüppchen, Die bie sogenannte Rationale Einheit bilden. „Unser Mann ist er — und uns soll er von den Proselyten, von diesen Sozialistisch-Radikalen entfremdet werden!" Der Ministerpräsident selber mußte seine ganze Autorität ausbieten, um den Skandal zu vermeiden, den das Gereiße um ihn leicht hätte zur Folge haben können.
Tatsache ist, daß die festesten Stützen des selig in dem Herrn entschlafenen LinkskartelU heute poincari frischer sind als Poincar6. Her- rivt läßt keine Gelegenheit vorüberge^n, ohne dem Ministerpräsidenten seine unwandelbare Gr- gebenheit zum Ausdruck zu bringen. Franklin Bouillon, der wegen seiner Hinneigung zu. Rechten noch den letzten Parteitag unter recht unsanftem Druck verlassen mußte, ist glanzenc rehabilitiert und Daladier, der ewige Oppo- sitionelle, der ebenfalls auf diesem Parteitag mit knapper Mehrheit zum Vorsitzenden der Fraktion gewählt wurde — eine Wahl, die Nicht nur in Frankreich von der Linken als be^ut- . sames Zeichen für das Wiederaufleben deS .Ka^ , tellgeistes" ausposaunt wurde — ist plötzlich i sehr stumm geworden. Opposition ist ja schon, aber ein sicheres Mandat ist auch nicht
.Wir wissen es, die Bischöfe, die von überall her kommen, wissen es, wie viel lacrymae rerum noch fließen, ror kennen den Plan, der auf em wahres Monopol für die Jugenderziehung hin- ausläuft, nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige und moralische, wir wissen um die dunklen ober offenen Drohungen, die Bedrängunaen und Hindernisse, die unseren Kultkreisen in den Weg gelegt werden, hier unter offenen und gewalttätigen Mißbrauchen, dort unter Dorwänden, die gänzliche Derftändnislosigkeit für die elementarsten Er- zühungsgrundsätze verraten. Schlecht wurde auf ^m Kapitol unser Schweigen ausgelegt, als ob man nicht wiße, daß wir nicht deshalb schwiegen, weil wir nichts zu sagen hatten, sondern deshalb, um die Lage nicht noch zu verschlimmern.
Darauf Mussolini: „Unter größter Begeisterung hat sich überall die zweite Ieva, d'e^Aushebung der achtzigtausend bewaffneten 1 ungen safzisten ab- gcwickelt. Aber cs handelt sich nicht nur um eine Zeremonie, sondern um einen außerordentlich wichtigen Ausdruck jenes Siy ste m s bc r 5 x:• »iehunq und Vorbereitung des italienischen Men- schen, das die faszistische Revolution als eine ber Hauptaufgaben des «taates betrachtet ja als feine Voraussetzung und sein Fundament. Wenn es nicht so wäre, wenn der Staat Diskussionen darüber zulafsen wollte^ würde er einfach fein Existenzrecht aufs Spiel setzen.
Ermuntert durch dieses Ducemort, greift die Re- gierungsprefie den Wft nun auf 'l™ bie noch zu schweren Folgen fuhren kann, benn sie bemüht sich, hinter dem Unwillen bes Statthalters Christi etwas zu sehen, was kaum vorhanden fein Fann „Woher soviel Heftigkeit? Was steckt da- hinter? Wer leitet dieses Manöver? Welches ge= Heime ausländische ^o^iftorium blies zum ^riL Diese unzweckmäßige Rede vernichtet roh alle bis herigen Dersöhmmgsoeriuche. Wir sind so weit I wie vorher. Mf dem status Quo ante aber bie Stellung des Vatikans hat sich verschlechtert, denn die katholisch/. Massen, und das fmb neun
I zent ber Bevölkerung, würben sich nvttgenf— .
^Wieso die Sinneswandlung der bisher stärkster französischen Partei? Wieso das Softaima ar Stelle der Crucifige! der letzten Wahlparolef Goethe hat alles vorausgewußt: am Dolde hängt, zum Golde drängt doch alles... Und alles andere, als das Gold der Bank von Frank- reich und seine Verbindung mit der erwarteter Reduktion der Steuerlast ist dem frai^osifcher Wühler vollständig gleichgültig! Zu behaupten: Poincare, der Eanierunasmann. wird gewählt aber Poincare, der Ruyrkämpser. wird lmmei noch abgelehnt, ist darum noch lange nicht richtig Gewiß wünscht sich kein Mensch in Frankreich eine Wiederholung des Ruhrabenteuers zurück Gewiß interessieren sich die breiten Massen del Bevölkerung für die Aufrechterhaltung bei Rheinlandbesahung ungefähr so wie für baä Wetter vom vorigen Jahr. Aber sie Werder ihren Ministerpräsidenten, wie die Sttmmunj heute ist, nicht im geringsten daran hindern, diejenige Außenpolitik zu machen die er fui gut hält. Ruhrtämpfer? Dicht wegen diese, ministeriellen Ruhmestat tackten lie 4)U;
schließlich: warum denn nicht? Poincare totti schon wissen, was er macht! Er hat doch dort Erfolg gehabt, wo alle von einer geschäftstüchtigen Reklame groß ausgemachten tfinarygentef wie Eaillaux jämmerlich versagt haben. And wi es wirklich um die SchickfÄsftagen der Ramö
In bie kurze Arbeitszeit zwischen dem Karfreitag unb bem Ostersonntag hat bas Auswärtige Amt bie offizielle Mitteilung über den großen Diplomatenschub eingeschoben, ber schon feit Monaten fällig war, aber immer wieder hinausgeschoben wurde. Es scheint uns deshalb auch kein Zufall, daß dieser zeilungstechnisch außerordentlich ungünstige Zeitpunkt gewählt wurde, die Wilhelm- straße hat offenbar Neigung zu den Methoden zu- rückzukehren, die unter Bethmann chollweg üblich waren. Er hatte eine geradezu altjüngferliche Angst vor jeglicher öfsenllicher Kritik und baute deshalb sein ganzes System daraus auf, die amtlichen Meldungen stets so abzuschließen, daß eine sofortige Kritik nicht mehr möglich war.
Weshalb freilich in diesem Falle eine solche unschöne Uebung wieder hervorgezogen wurde, ist mcht recht ersichtlich, über den Diplomatenschub ist, eben weil er immer wieder auf sich warten ließ, soviel geredet und geschrieben worden, daß allzuviel Neues dazu nicht mehr zu sagen wäre. Neue Gesandtschaften sind neu besetzt, dazu eine Reihe von Gene- ralkonsulaten: sechs Gesandte neben Generalkonsul und Vortragenden Räten werben in ben einstweiligen Ruhestanb versetzt. Ein so großes Revirement, bei dem mehr als 70 Diplomaten ihren Posten wechseln, haben wir seit Jahren nicht mehr erlebt. Ob die Auswahl im einzelnen richtig ist, darüber läßt sich i streiten. Im allgemeinen ist aber zu sagen, baß eine solche Blutauffrischung notwendig war. Unsere Diplomatie stand vor der Gefahr einer Ueberalte- rung, es hat sich nicht als zweckmäßig erwiesen, die Diplomaten länger als 5 Jahre auf demselben Posten 'lU lassen, weil sie sich sonst leicht an ber Entwicklung blind sehen: die nach Südamerika fomman- dienen Gesandten werden ja ohnehin Botschafter. Hauptsache bleibt, daß diese große Umgruppierung nun auch wirklich einen Auftrieb in unsere Außenpolitik hineinbringt.
Oie Ernennungen.
Berlin. 7. April. Amtlich. ®6 wurden ernannt. Zum Gesandten in Peking der schastsrat in Tokio. Dr. v. Lorch: zurr- Gesandten in Buenos Aires der Gesandte hi Brüssel. Dr. v. Keller: zum Gesandten tn Brüssel der Ministerialdirigent im Auswärtigen Amt. Dr. Horstmann: zum Gesandten in Santiago Der Gesandt« in Delgrad, Dr. Olshausen: zum Gesandten rn Belgrad der Gesandte in Riga, Dr. Köster: zum Gesandten in R i g a der Vortragende Legattonsrat im Auswärttgen Amt Dr. Stieve: zum Gesandten in Reval der Generalkonsul rn Barcelona Dr. Schroetter: zum Generalkonsul in Barcelona der Wirkl. Legattonsrat tm Auswärtigen Amt, Dr. Bobrik: zum Gesandten in Oslo der Ministerialdirektor rm Auswärtigen Amt, Dr. Wallroth: zum Mr» nisterialdirellor im Auswärtigen Amt der MinisterialMrigent im Auswärttgen Amt Dr. v Dirks en: zum Gesandten tn Quito dec Generalkonsul in Memel. Dr. Mudra: zum Generalkonsul in M e m e l der Konsul tn Gothenburg. M a e n ß: zum Konsul rn G o t h e n b u r g der Konsul in Porto Alegre, Daehnhardi:
Paris, 9. April. (TU.) Nach dem Ostersonntag- aottesbienft wurden an den Ausgängen ber Kirchen von Kolmar W a h l f l u g s ch r i f t e n verteilt, bie sich für bie Kandidatur Rosses einsetzen. Die Schriften sind von einem Komitee unterzeichnet, das zahlreiche Wähler aller politischen Meinungen um- faßl Die Wählerschaft wird aufgefordert, die Wahl des Autonomisten Rosse, der das Opfer feines mutigen Kampfes zugunsten ber elsässischen Forderungen geworden sei, zu begünstigen. In dem Aufruf erklärt sich das Komitee jeder Politik abgeneigt die eine Trennung von Frankreich Herbelfuhren könne. Elsaß unb Lochringen wollten immer unb ohne Vorbehalt mit Frankreich vereinigt bleiben, aber bie elsässischen Fragen mühten ausschließlich von
Poincare en marche....
Von unserem R. K.-Sonderberichterstatter. 1, Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Paris. Mitte Llpril 1926.
Vom Ruck nach links, den die besonders gut informierten Propheten nun Hlonatc lang als das sichere Ergebnis des französischen Wahlkampfes vorausgesagt haben, ist es plötzlich sehr still geworden. Ss läßt sich leider nicht mehr leugnen: die Franzosen zeigen sehr wenig Lust, an Deutschlands rote Seite zu rücken. Sogar der Allerlinkesten einer, der sozialistische Bürgermeister von Bordeaux, den ich dieser Tage gefragt habe, wen er für den voraussichtlichen Sieger vom 22. April halte, erwiderte, nicht gerade freudig, aber sehr präzis le Poinca-
Das Leben jeder Macht ist an bie ftänbige Kräfte- , zufuhr gebunben, ber Staat an bie ewig sich < erneuernden Volksenergien, bie Kirche anbas : Glaubensbecken der Generationen. Seit klafsischcr Zeit daher bas Ringen um bie Seele der Jugend , als bie Bürgschaft für bie Zukunft. Auch em Mus- | o lin i muß vor der Zeillichkett bie Waffen strecken , unb keine Kardinalsreserve könnte das Papsttum । vor bem Untergang retten, wenn nicht ber Nachwuchs gewonnen wirb. Ueberlegungen, biejaft banal Hingen, aber trotzdem ben Streit bes Tages be- he Papst" unb Duce, erfüllt von solchen Gedanken, kreuzen tm Kampfe um bie italienische Jugend bie klingen. Sie gehen mit geschlossenem Bister gegen- inanber an, keiner nennt ben anbem beim Namen, .ober oermeibet die direkte Berührung, und dennoch liegt eine ungemeine dramatische S p a n n u n g aber jedem Ausfall. Denn es wird auf bem Boben 6tr römtldjen Ud« u" d°n
faszistischen Staat, es geht um bie letzte Zuflucht des Kirchenstaates. ......
Nur bann wird es Mussolini erspart bleiben, an ber römischen Frage zu scheitern, wenn er über Bedenken politischer Art hlnwegkommt. So schrieb ich im vergangenen Herbst, als geschäftige Mittler zwischen Vatikan unb Palazzo Ehig» HM" I und hcreitten, als der Bruder Mussolinis ben Zeit' «unkt für gekommen hielt, bie Wahrheit des fünfzigjährigen Wortes zu beweisen, das da jagt, nur ein Genie vermöge die römische Frage zu losen. Der Papst verlangte jedoch, was auch der mächtigste I Herrscher, den Italien jemals gehabt hat, was auch Mussolini nicht hergeben konnte, ohne sich lelber ui verleugnen. ein Stuck Italien. Ctn Stuct 'Boben, ein Stück Rom, ein Stück vom Herzen Mussolinis. Unb die Derföhnungsversuche sind ge- scheitert, denn ber einzige Mann, der t"ts°^lich Thron unb Kurie zum Frieden bnnaen konnte^ hatte politische Bedenken, außenpolitische und innenpolitischc. „
Heute sind die letzteren oftenkundig. Heber be Frage der Jugenderziehung wollte und konnte man sich nicht verständigen, zwei gegenfab- Iid)c Weltanschauungen prallen hier auseinander. Musiolini denkt militärisch, der Papst an sein Reich anderer Art. Der Duce schwingt, seine eigeneii Worte zu gebrauchen, die demographsiche Peitsche, das heißt, er will die größtmögliche V o 1 k s o e r • ! mehrung erzwingen, um Italien groß, starker als alle anderen zu machen, er hat eine Organisation geschaffen, die das Kind schon vom Mutter- leib an durchlaufen muß, damit es wehrfähig werde. Die Opera nazionale per la protezione della maternitä ed infanzia, dieser großzügige Mutter- und Kinderschutz, für dessen materielle Be- dürfnisse hauptsächlich die Junggesellen aufzukommen haben, steckt schon den Neugeborenen m die camicia ncra, das schwarze Fafzistenhemd. Kaum daß die Beine tragen, müssen Junge und Madel in bie Vorstufe des faszistischen Heeres eintreten, die männliche Gruppe der Bal'lla (so genannt nach einem italienischen Knaben, der gegen einen österreichischen Soldaten die Hand hob unb damit zum Symbol für die Befreiung von der Fremdherrschaft wurde), unb bie weibliche piccolc Habans. Spater treten bann bie Knaben, während bie Madel in den Denoaltungsdienst des Heeres.übergehen ,n den Vortrupp ein, bie Avanguardia, unb wenn sie mannbar sind, erhalten sie nach Ablegung des Schwurs, der sie zu bedingungsloser Ergebcnhe. für bie faszistische Revolution und den Duce oer- pflichtet, als vollwertige Kampffaszisten in feierlicher Zeremonie bas Gewehr
Niemand kann heute mehr dieser Stusenfolge entgehen, auch nicht bie fübtiroler Iuc^nd auch nicht die religiösen Vereinigungen Sogar die kchho chen Pfadfinder wurden aufgelost und die christlichen jungen Männer aller Schattierungen marschieren tmkr dem Liktorenbündel in Reih und Glied. Wie weit diese frühzeitige Glnpumpung des Korvsgeistes geht, zeigt bie Tatsache, daß bei ber letzten Ieva, bie in diesen Tagen ftattfanb, der Feier d«s Eintritts von achtzigtausend Avanguardisten m den Kampf, bund, auch große Abteilungen von Sk.fahrern auf- traten, die eigens aus bem Norden des Landes nach Rom kommandiert worden waren. Der Sport in allen seinen Zweigen stehk ausschließlich im Dienste
zum Konsul in Porto Alegre ber Äonjul in Tzernowitz, Dr. Wahlb eck: zum Konsul in Czernowitz ber Konsul im Auswärttgen Amt, Dr. D r u b b a: zum Generallonsul in S a n Franzisko ber Generalkonsul z. D. Dr. v. Heutig: zu Vortragenden Legattonsräten im Auswärttgen Amt Dr. König. Kraske, Dr. v. Kauf mann-Ass er unb der Ober- regierungsrat im Auswärttgen Amt Dr. Sah.
3n ben einstweiligen Ruhestand sind verseht worden: der Gesandte in Pettng, Dr. Boy6. ber Gesandte in Buenos-Aires. Dr. G n e i st . der Gesandte in Santiago. Gras v o n Spee. her Gesandte in Reval. Dr. Frank, der Gesandte in Oslo. Dr. Rhomberg. der Gesandte in Quito. Dr. Trunow, der Gene- ralkonsul in Marseille. Dr. Franoux. der Generalkonsul rn San Franzisko, Dr. Ziegler, und der Vortragende Legationsrat im Auswärtigen Amt Dr. v. Löhneysen. Der Botschafter in Tokio. Dr. Solf, wird auf seinen Antrag in den Ruhestand verseht werden, aber bis zum Herbst auf seinem Posten verbleiben. Zu seinem Rachfolger wird der Gesandte in Lissabon. Dr. Borehsch. ernannt werden, an dessen Stelle bet Dirigent ber Presseabteilung der Reichsregierung, Dr. d. Baligand, treten wird. Zu seinem Rachfolger ist der Vortragende Lcga- tionsrat Dr. v. Kauf mann-Asset bestimmt.
Zu den Veränderungen bemerkt der -Lokal- Anzeiger" im einzelnen noch: Der Gesandte Rhomberg. der zur Disposition gestellt ist. ist für eine weitere wichtige Verweisung tm Auswärttgen Dienst vorgesehen, ebenso her Ge- sandte Boys. Botschafter Dr. Solf. der im vorigen Icchre die Altersgrenze erreicht hat, wird sein Amt noch bis zum Herbst weiter- sichren, um erst noch an den großen Krönung«- feierlichketten in Tokio teilzunehmen. Die betben Gesandtschaften in Buenos Aires und San- tiaav, deren Hmtoanblung in Botschaften schon seit längerer Zeit vorgesehen war. Bleiben vorläufig noch Gesandtschaften. Dies erklärt sich daraus, dah die Erhebung zu Botschaften erst im Laufe dieses Jahres bei ®ele- genfctt einer südamemkanifchen Freiheitsfeier statt find en soll.
Boffchaster Schamer m London.
London, 9. April. (WB.) .6 u n bat) Times" begrüßt die Tatsache, daß der deutsche Botschafter, S t h a m e r, auf seinem Posten verbleibt und bemerkt: Herr Sthamer hat in seinem • Wirken für gute Beziehungen zwischen England unb Deutschland viele nützliche Arbeit geleistet. Er ist persona grata im Foreign Office unb in den diplomatischen Kreisen. Sein Takt unb seine Diskretion während einer Periode schwieriger Zähre haben ihm die Hochschähung und die Achtung eines sehr weiten Kreises von Freunden gewonnen. Die Deutsche Botschaft im Carlton House Terrace ist unter dem Regime des Botschafters unb von Frau Sthamer der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens geworden.
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General-Anzeiger für Gberhesien
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