Ausgabe 
1.9.1928
 
Einzelbild herunterladen

Das Deutschtum in Sübamersta.

Don Wolfgang DUttermeier jun., Gießen.

(eine Zuschrift.)

Mit großem Interesse hab« ich die Aussätze Ihre« Berichterstatters Helmut Franke über seinen Mitt in Südamerika gelesen, kenne ich doch die von ihm «schilderten Verhältnisse au« eigenen Erfahrungen, Die ich während meine« fünfjährigen Aufenthaltes dort gesammelt habe. Gerade deshalb aber darf und kann ich nicht alle« vom Verfasser de« Artikels ,.v o r den Toren einer deut­sch e n Kolonie" (Gieß. Anz. Nr. 194 v. 18. Aug.) Gesagte unwidersprochen lassen, die Schilderungen des Verhaltens der Deutschen untereinander, die in dem Satze gipfeln:Der Deutsche kam mir wie ein Tier vor, das aus seinem Käfig ausaebrochen war." Es ist, gelinde gesagt, doch sehr unschön, wenn ein Deutscher in einem der Oeffentlichkeit unterbreiteten Aufsatz sich au einem derartigen, harten Ausspruch über feine Landsleute hinreißen läßt, ganz abge- leben davon, daß überhaupt alles, was der Der« Taffer über die Häßlichkeiten im Alltagsleben der deutschen Kolonisten in Südamerika erzählt, zum mindesten stark übertrieben ist. Besonders muß man darauf Hinweisen, daß die Eigenschaften, die als hem Deutschen typische geschildert werden: Neid, Zank- und Streitsucht, allgemein menschliche Eigenschaften sind, die man wohl bei allen Dolks- ftämmen der Welt in gleicher Weise findet. Der Urwaldkolonist, ob Deutscher oder von irgend einer anderen Nation stammend, der sich in harter, oftmals Generationen dauernder Arbeit emporringen will zum freien Mann, muß andere Mittel im Kampfe gegen alles Feindliche anwen- den, als der im wohlgeordneten,festgefügten Staate lebende, von tausend Paragraphen geführte und geschützte Bürger. Die allgemein bekannte, sogar von den Gastländern in Südamerika immer wieder anerkannte Tatsache, daß gerade die deutschen Kolonien an erster Stelle stehen, was Gemeinschaftsgefühl anbelangt und daß sie gerade aus diesem Grunde wertvollste Kulturarbeit geleistet haben und immer nach leisten, steht doch in erheblichem Widerspruch zu hem in jenem Bericht Gesagten. Wenn ich auch gar nicht ableugnen will und kann, daß der Deutsche eben auch im Ausland« Deutscher geblie­ben ist und seine Fehler nicht abgelegt hat, so weiß ich doch, daß diese Fehler durch die großen Vorzüge längst wieder wettgemacht werden. Den deutschen Vereinen in Südamerika sind all' die vielen deutschen Schulen, Kirchen und Kranken­häuser zu verdanken, in ihnen wird deutscher Geist, deutsche Kultur hochgehalten, deutsche» Wesen ge­pflegt, lenes Wesen, das alle anderen Völker der Welt so bewundern. Und solches hätte nie geleistet werden können, wenn der Deutsche im Auslande wirklich so überwiegende, schlechte Eigenschaften be­säße, wie es aus dem Aufsatz des Herrn Franke neroorzugehen scheint, wenn ihm die sittliche Kraft fehlte, die er immer und überall in größerem Maße besitzt, al» alle anderen Völker.

Es ist eine oft beobachtete Tatsache, daß der überall nur kurz verweilende reisende Dericht- erftatter meist nicht so recht in die Tiefe des Wesens des von ihm Geschauten einbringen kann und dann oftmals verkehrte, unter einem Augenblickseindruck entstanden« Meinungen als allgemein gültige ver- öffenllicht. Ich bin daher überzeugt, daß der Der- fafjer jenes Aufsatzes vielleicht erst nach seiner Rückkehr nach Deutschland, wenn er mehr Abstand au seinen Erlebnissen gewonnen haben wird, anders über das Deutschtum in den deutschen Kolonien Südamerika« denken wird.

Date« für Sonntag, 2. September.

^Sonnenaufgang 5.14 Uhr, Sonnenuntergang 18.45 Uhr. Mondaufgang 20.04 Uhr, Monduntergang 717 Uhr

,1828: der Maler Wilhelm Graupenstein in Minden geboren; 1851: her Dichter Richard Voß in Neu grape geboren: 1853: der Chemiker Wilhelm Ost- wald in Riga geboren; 1915: die Deutschen er­obern Grodno.

Daten für Montag, 3. September

Sonnenaufgang 5.15 Uhr, Sonnenuntergang 18.43 Uhr. Mondaufgang 20.20 Uhr, Monduntergang 9.09 Uhr.

1609: Gründung der Stadt Neuyork; 1757: Karl August, Großherzog non Sachsen-Weirnar, ge­boren; 1850: der Orientalist Friedrich Delitzsch

Verhängnisse.

Vornan von Lieobet Dill.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale).

15 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Es war ihm bereits etwas aufgefallen lleberaU, wo er von diesem Umzüge sprach, schwiegen die Menschen und machten sonderbare Gesichter. Manche sprachen ihn auf der Straße sogar daraufhin an.

Sagen Sie einmal, Herr Charles, ist das wahr? Sie wollen tattächlich in bas Hous der Longeville ziehen?"

Und wann er ihnen erklärte, weshalb, antwor­teten |i« nichts und brachen ba> Gespräch ab.

Eines Nacht« konnte er nicht ein schlafen. Er hatte das Lämpchen neben sich angezündet und ein paar Zeitungen entfaltet, aber er konnte auch nicht lesen. Seine Gedanken Irrten immer um das Haus den Umzug, das Schweigen der Menschen. Plötz­lich faate er:Obettel"

5a r* Sie wandte den Stopf.

,5ch möchte dich etwas fragen.*

Nun?"

Weshalb |inb wir eigentlich nie auf den Ge­danken getommen, in Rens» Haus zu ziehen?"

Sie richtete sich in den Kissen auf und schaute ihn an, al» ob sie ihn nicht verstanden hätte.

..<$ wäre eigentlich viel einfacher. Man brauchte unsere Möbel nur über den Hof zu schaffen. Es ist auch ein viel passenderes Hau« für sich, und da« andere muß man erst zurechtmachen. Rens würde sicher nichts dagegen haben.'

Da müßte man ihn doch erst fragen, Charles/'

Das kann ich ja Ich werde ihm morgen schreiben."

Wohin willst du ihm schreiben? Wir haben ja frt langem feine Adresse von ihm."

$r ist in Afrika bei der Truppe. Er wird sich finden lasten.*

Und bi« wir Antwort hoben", sagte s,e mit einer sonderbaren Erregung,ist hier ha«- Dack obgedeckt, und wir wissen nicht, wohin! Nein. Charles, wie kann man nur so schwankend fein! Eich so abhängig machen von dem Geschwätz der Leute * Sie setzte sich auf. ..Dir hnt wohl jemand

Oer erste Gießener Ferienkurs.

Di« Hessische LandeLuniversität la­det erstmals zu einem Ferienkurs ein, der Deutsche mit Ausländern auf dem Boden Ober- Helsen- vereinigen soll. Der Kur- wirb vom 1. bi- 13. Oktober in der Gießener Universi­tät und ihren Instituten stattsinben. Sin ausführ­liche- Programm mit Dilddeiaaben ist erschienen, eS kann in beliebiger Stückzahl von der Grichätts- ftelte der Gießener Ferienkurs« (Gießen, BiS- marckstraße 22) bezogen werden.

Der große Gegenstand de- ersten Kurse- ist da- deutsche Leben in Wissenschaft u n h Ä u n ft. In etwa 50 DorlesungSstunden werden die beteiligten Professoren der Gießener Universität vom Standpunkt ihrer Wissenschaft hirien umfassenden Gegenstand behandeln. Zu anschaulicher Belebung sollen sich Lehrau-flüge anschließen, zunächst in die an lockenden Zielen reiche llmgebung der Stadt, zum Llbschluß eine mehrtägige Reise an Main, "Rhein und Neckar. Für hie Abende der beiden Gießener Wochen sind künstlerisch« Unterhaltungen vorgesehen. Den Gästen au- der Fremde wird Gelegenheit ge­boten, ihre Kenntnis von deutscher Sprache und deutschem Leben in jedem gewünschten Sinn« zu vertiefen.

Gießen liegt für diesen Zweck außerordentlich günftig. Der Gedanke kann durchgeführt werden, Tor träge und Darbietungen in Sinklang zu brin­gen mir der reichen Anschauung, die die Stadt selbst und ihre Umgebung bietet, sowie mit allem, waS in den "Rachbarstädten Frankfurt, Mainz, WormS usw. au zeiaen fein wird. Prof. Klute spricht über die ooerhessische vulkanische Land­schaft, die uns in Gießen umgibt, über die Berg­straße, di« bei der Rhein- und Aeckarfahrt den Feriengästen bekannt werden wird, und über die benachbarten Landschaften des mitteldeutschen Westens. Wieviel das Hessenland für die Vor­geschichte bedeutet, tonn das Gießener Museum lehren, da- dessen Leiter, Prof. Helmke, den Teilnehmern erschließen wird. In einem Vor­trag über die Römer in Deutschland wird der­selbe "Redner die Besucher zum Verständnis der Altertümer vorbereiten, die danach auf der nahen Saalburg gezeigt werden sollen. Prof. Aubin spricht über die Entwicklung deS deutschen Städte­wesens unZ) geht dabei von den alten Grund­rissen der Städte Mainz, Worm- und Frankfurt aus, die ben Gästen gleich nachher in ihrer heutigen Gestalt vorgesührt werden. Die gewal­

tigen Kirchenbaulen von Wetzlar, Limburg an der Lahn, Frankfurt. Mainz und Worm- sind Gegenstand der Vorträge von Prof. Rauch, wie der anschließenden AuSflüge. Desselben For­scher- Mitteilungen über deutsche Buraen und Schlösser finden ihre anschauliche Belebung an Ruinen der Umgebung, an Gleiberg, Vetzberg, Staufenberg, Dodenburg und Münzenberg, an Runkel im Lahntal und anderen Stätten einer glänzenden Vorzeit. Mit der schönsten Schloß- ruine Deutschlands wird die Fahrt in- nahe Heidelberg dir Gäste bekannt machen. Die dorti­gen Gartenanlagen und der berühmte Schwe-in- ger Park werden Pros. Küster- Vorträgen über deutsche Gartenkunst den belebenden Hintergrund geben.

Hessen ist so eng mit der Geschichte der deut­schen Märchensorfchung verbunden, daß dem KurS eine Folge von Vorträgen über das deutsche Märchen nicht fehlen darf: Pros. Götze wird sie halten. Hessen ist Schauplatz schwerer KämDse und Wirren gewesen, die die Verteilung 6er Deutschen auf verschiedene DekeTmtnifs« bestimmt haben: Prof. Frick wird über Konfession-- geographi« sprechen und seinen Hörern in der "Rachbarstodt Marburg die Slrsabethenkirche zeigen. Man wird in Gießens Aähe zwei Stätten auf­suchen, die dura) das ©ebenfen an Goethe ac- wecht sind: das Gorihebau- am Großen Hirsch­graben zu Frankfurt und daS Lottehaus in Wetz­lar. Prof. Victors Vorträge werden in diese Welt des jungen Goethe einführen. Gießen hat feinen ehrwürdigen Dom, kein hochragendes Schloß. 'Was künstlerisch der Stadt ihr Gepräge gibt, ist die glänzende Sntfaltung deS Fachwerk- baueS. Ein Kenner der Stadt und ihrer Kunst­denkmäler, Prof. Sbel, wird eine erläuternde Führung durch ihre Straßen veranstalten, wobei auch die eindrucksvolle Schönheit, die von dem Veuen Schloß Philipps des Großmütigen von etwa 1530 ausstrahlt, au würdigen sein wird.

In dem damit angedeuteten räumlichen und geistigen Bereich rufen wir aus zu gemeinsamer, ernster und froher Arbeit. Die Frucht wird nicht cru-bleiben, toenn dieser Aufruf in dem Geist der Verständigung ausgenommen wird, in dem er ausgeht.

Die Gießener Ferienkurse sind für Vertreter aller Stände berechnet. Hebet die Bedingungen und die Kosten der Teilnahme gibt die Anzeige in der heutigen Vummer Aufschluß.

in Erlangen geboren; 1859: der französische Poli­tiker Jean JaurL« geboren; 1883: der russische Dichter Iwan Turgeniew in Bougioal gestorben.

Aus der pwvinzialhauptsiadi.

Dießen, den 1. September 1928.

Oie Wagengasse.

In einer am 28. August veröffentlichten Zuschrift eines Anwohner« der Wagenaasfe an den Gieß. Anz." ist gesaat, daß alle Hindernisse für die Herstellung der Straße seit zwei Monaten aus dem Wege geräumt seien und datz alle» erforderliche Ge­lände zur Neugestaltung der Straße In das aus­schließliche Eigentum der Stadt übergegangen sei.

Von der Stadtverwaltung wird uns hier­zu mitgetellt, daß die seit 1926 schwebenden schwie­rigen Geländeankaufsverhandlunaen erst Ende letzten Monat» zum Abschluß Bekommen sind, daß eine Ueberschreibung er Grundstücke auf Namen der Stadt bis heule aber noch nicht erfolgen konnte, weil der lieber schreibung Schwierigkeiten entgegenstehen, die erst noch behoben werden muffen. Erst nachdem die Stadt grundbuchmäßige Eigentümerin geworden ist, kann der Ausbau dkr Wagengasse erfolgen. Bevor die Straße selbst hergerichtet werden Cann, müssen die in die totrafee springenden Ireppen und Kel­lereingänge b cfeittgt werden, worüber zur Zeit mit den einzelnen Hausbesitzern verhandelt wird. Es liegt in der Absicht der Stadtverwaltung, di.' Negulierung der Wagengasse f o < bald als irgend möglich, voraussichtlich noch in diesem Jahre, vornehmen zu lallen, wenn nicht neue Schwierigkeiten in der Weiter bearbeitung der Angelegenheit entstehen, die nicht bei der Stadtverwaltung liegen.

etwas in den Stopf gesetzt? Aber ich sage dir, daß das keinem Menschen etwas angeht, wohin wir ziehen. Wenn jemand darunter zu leiden hätte, fpäter, wäre es nur ich. Du hast mit der ganzen Sache nichts au tun. Dich geht sie nicht« an, ja­wohl ... Ich glaube nickt an Gespenster und Spuk. Wovor soll ich inicy denn fürchten. Mein Gewissen ist rein. Ich hab« mit dem Haufe ebenso­wenig zu tun wie du. Es wird mit frischen Ta­peten für mich ein neues Haus sein. Wenn man wüßte, was in allen alten Häusern geschehen ist, würde kein alte« Haus mehr bezogen werden."

Da hast du recht*, gab er zu.Aber dieses gerade ... und daß wir hineinziehen wollen

In das Duponiche Haus ziehe ich nicht*, sagte sie mit solcher Entschiedenheit, daß er stutzig wurde. Er erinnerte sich, daß sie schon einmal etwas Aehn- licheo gesagt halt-, als die 'Jtebe van diesem Hause war.

.,Wa« hast du denn gegen da» Duponsche Haus. Odette?'

..Ich? Nicht das Geringste. Ich finde cs sogar sehr schön. Aber viel zu groß für uns beide, zu unbequem. Man muß dort Dienerschaft halten. Ein Wintergarten und das große Vestibül . . . Wer soll das alles heizen und mobileren? Ilm keinen Breis möchte ich dort wohnen. Auch nicht für kurze Zeit, denn in den Lion d'ori ziehen wir nicht mehr zurück. Den werden wir verpachten, bi« ihn später einmal einer von den Jungens Übernimmt. Und nun laß dir doch um Gotte« willen keine Grillen in den Kopf fetzen. Mach' ba« Licht endlich aus und laß uns schlafen.*

Im Longeoilleschen Haus« fand eine« Tages die Versteigerung des Nachlaßes der alten Dame statt. Es war eine Sensation für die Stadt B.

Im engen Flur drängten sich di: Menschen; fu stauten sich an der Treppe und druckten sich in den Salon, in dem der Versteigerer mit dem Hammer auf den kleinen Tisch Hopfte und die Zahlen ausrief.

Di» alten Möbel sanden rasch Käufer. Nur bas Bett der Toten wollt« niemand haben. E» wurde von Odette ins Armenhaus geschickt. Und für den Schreibtisch, der ein angeleimte» Dein hatte, ein altmobifme» Zystndcrbureau mit Nollplatte. wollte I sich fein Abnehmer finden, N« entzück b»r r<r-

Verdorbene Ailze.

Nicht alle Pilzvergiftungen sind auf den Genuß von Giftpilzen zurückzuführen; im Gegenteil, recht häufig sind es nn und für sich eßbare Pilze, die Vergiflungserscheinungen Hervorrufen, wenn näm- lich die Schwämme verdorben find.

Daß Fleisch-. Wurst-, Fisch-. Austern- und Krebs- nergiftungen vielfach durch Verderben des jeweiligen Fleisches d. h. durch Zersetzung des Eiweißes und Neubildung giftiger Eiweißprodukie hcrvorge rufen werden, ist wohl allgemein bekannt. Daß aber das Pilzfleisch zu den am leichtesten ver­derblichen Eiweiß st offen gehört, scheint doch noch nicht genügenb beachtet zu werden, sonst würden nicht allsährltch zu Ausgang des Sommers und zur Herbftzeit die Zeitungen immer wieder und wieder von Pilzvergiftungen berichten.

Wie kommt das Verderben der eßbaren Pilze zustande? Entweder find die Pilze fchon beim Sammeln infolge Alters, Feuchtigkeit usw. madig und faulig, also die Zersetzung und Gift­bildung ist schon in vollem Gange, wenn die Schwämme nach Haufe gebracht werden. Oder aber was mindestens ebenso oft zu beobachten ist die Pilze werden daheim zu lange aufbewahrt, bis sie zubereitet und verzehrt werden, zu lange und an ungeeignetem Ort, im feuchten warmen Raum, also In einer Umgebung, die die Entwicklung von Fäulniserregern lebhaft begünftiat. Und schließlich kann man es immer wieder erleben, daß die Reste des gekochten Pilzgerichtes über Nacht aufbewahri werden. Durch das fange Stehen verderben die Schwämme, und der Genuß dieser Pilze führt bann gleichfalls zu schweren Vergiftungserscheimmgen.

Die Lehren zur Verhütung von Vergiftungen durch den Genuß verdorbener Speise­pilze ergeben sich demnach ohne weiteres. Es empfiehlt sich, nur junge, gesunde Pilze zu sammeln, alte madige aber stehen zu lassen, selbst wenn ihre «raeesn. 111ra

wachsens 'Antiquar Jacques meinte:9hm, in Gottes Namen ... für fünf Frank .. .*

lind er wurde ihm zugesprochen.

Zwischen der alten Artemis und Odette hatte sich in der letzten Zeit etwas verändert. Ein Un­eingeweihter konnte es kaum bemerken, denn der Ton zwischen ihnen blieb stets der einer Dienen­den zur Hausherrin. Und doch mar irgend etwas anders geworden zwischen ihnen. Odette befahl nicht mehr, fie bat. Sie fragte Artemis um ihre Ansicht, wenn fie eine neue Speise machen wollte, oder vor Einkäufen.

Meinen Sie nicht, wir sollten diesen rosa Voile nehmen für die Flurfenster? Er ist sehr sanck und bringt ein angenehmes Licht. Hatten Sie die Ta pete für praktisch?"

Ich verstehe nicht» von Tapeten*, brummte die alte Artemis, die nie sehr freundlich war. Sie tat, al» interessiere sie weder der Neubau de» alten, noch die Einrichtung de» Longeoilleschen Hause».

Artemis hatte ihren eigenen Geschmack, ihr eige­nes Urteil, sie lieh sich .nichts vormachen"'.

,Hch sehe immer noch sehr gut*, betonte sie immer. ..wenn ich auch auf einem Luge den Star habe. Und wa» ick nickt sehe, das suhle ich. Es gibt Dinge, die find nicht da, und doch merkt man sie ... und es gibt Sachen, die sich nie vergessen ... und wenn man einen noch so großen Schwamm nähme und sie wegwifchte .. .*

Mit diesen unklaren Nedensarten kam sie immer wieder. Frau Odette drang nicht wetter In sie. Sie tat, als habe sie nicht« gehört

Früher war sie hockfahrend und launisch gegen die alle Artemis gewesen und hatte ungeduldig Die Achseln gezuckt, wenn sie eine ihrer unumstößlichen Ansichten äußerte. Jetzt behandelte fie die Alte sonst und rücksichtsvoll. Auch den Hausangestellten siel es auf.

So, al« ob sie um Verzeihung bäte, oder et wo­von ihr verlangen müsse, ober für etwas zu danken habe. Jawohl, so war sie zu der Alten.

Diese Behandlung war der alten Bäuerin *u Kops gestiegen, und bas merkten wieder die ande­ren der Kutscher Erneste, der Hausknecht und die rote Marie au» Brügge. Dir Artemis tat ja jetzt gerade, al* vtz sic ein «l^nigrrich zu verwalten

Grvße noch so »erirxfenb erschetttt. Die adFekchntt- tenen Pilze werden zweckmahigerweise vorsichtig in Körbchen gelegt, barmt sie sich auf dem Heim- transport nicht gegenseitig zerdrücken. Zu Haufe wird die Oberhaut des Pilzes abgezogen oder ab- gekratzt; bei Rabrenschwämmen soll die Röhren- schickt im Polksmund als Bari bekannt ab- gelöst, dann die Schwämme wbereitet und sofort verzehrt werden. Muß man die Pilze aufberoahren. so soll man sie vorsichtig auf tauberer Unterlage im kühlen Räume ausbreiten. Gekochte Pilze dürfen, zumal an wärmeren Tagen, niemals über Nacht auf beoahrt werden.

Die Vergiftungen durch verdorbene Speisepilze unterscheiden sich von den ..Vergiftungen dnrck echte Giftpilze Infofern, al» die erlitten schon nach wenigen Stunden Koliken, Uebtlkeit, Erbrechen ufw. verursachen, während bei den letzteren die ersten Krankheit«Zeichen meist erst nach zehn bis fünfzehn Stunden auftreten.

Bei jeder Pilzvergiftung mich für schleunigste (Entfernung der Pilzreste aus Magen und Darm durch Erbrechen und Abführen gesorgt werden. Zur Herzstärkung ist starker Kaffee crforberfld». In jedem Falle ist baldigst ärztliche Hilfe zu rufen.

» V

Oie hessischen Volks- und privässchulen.

Vach der Statistik vom 25. "November 1926 gafe o- in Hessen 1015 Volksschulen (Starken­burg 393, Oberbeff<n 410, BHe nhelfen 212). Davon waren 17 Knaben-, 13 Mädchen- und 985 gemischte Schulen. Die Zahl der Knaben, die btc Voll-schule besuchten, betrug 73 585. die der Mädchen 72 439 "An den Volk-kchulen waren hauptamtlich beschäftigt 202 Schulleiter (darunter zwei weibliche), 2375 Lehrer. 771 Lehrerinnen. 38 Fachlehrer. 207 Fachlehrerinnen, neoemnntlich 877 mLrnliche uni) 12 weibliche "Religion-lehrer. 6 männliche und 557 weibliche sonstige Lehrkräfte "An Dolk-schulen würben gezähtt 541 Büchereien für Lehrer mtt 99 167 Bänden, und 892 Büche­reien für Schulen mit 149 486 Bänden, ferner 133 Turnhallen. 305 besondere Turn- und Spi«l- plätze (ohne Schulhöfe). 50 Schulgävten für Untcr- richdSZwecke. 103 Werkstätten und Ginricktungen für Handferttgkeitsunterricht. 137 Gweichtungen für Haushaltung-- und Hauswirtschaf t-unter- richt. 351 Schulfparkasfen. 401 Einrichtungen für schulärztliche Behandlung. 116 für Zahnpflege, ferner eine "Anzahl sonstiger Wohlsahriseinrich- tungen.

Än Pr-idatschulen mit Voll-schulzlel War­den 14 gezählt. An dielen Schulen wurden von 45 Lchriräften 551 Schüler unterrichtet. Schu­len für Blinde. Taube und Schwach- ftimifie gab es vier mit 30 Lehrkräften und 188 Schulern. Schulen für Verwahrloste 5 mit 9 Lehrkräften und 131 Schülern, ein Krüppelheim miit einer Lehrerin und fünf- 5<chn Schülern, eine Vorbereitungc- anstalt für Dertn mit -Wei Lehrkräften und 48 Schülern.

Vornotizeir.

TageSkalender für SamStag. Ca- nitStSkolonne vom Roten Kreutz-Gießen: Be^i- snrng-abend 8 ilfrr Volk-Halle. örfte Reich?- kurzschriftgesellschast .Gabelsberger" Vevrins- abend, 8' ? Uhr, .Stadt Lich". KavalleriKen- Verein: Monat-Versammlung ün Verein-lokal. Gießener Schwimmverrin: M i tat iederversamm - lrrng. 8V» -ilfrr. im Taf6 Leib. D. f. 3.: auher- od>cnt[k6e ®encraiDegaminIunfl Im 'Terrin-Heim. Lichtspielhaus, Bahnhofslraiie: .Pat und Pa- tachon auf dem zu Kraft und Schönheit." Aftoria-Lichtspiele: Maciste. der Held bet Derye.

T age Ska lender für Sonntag. Städie-"Achter-"Rennen WetzlarGieizon. Boots­haus Verein Audersport Giehen. Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße: .Pat und Patachön auf dem Wege öu Kratt und Schönhrit." Aftoria- Lichtspiele: ,Mariste, der Held der Berge.

Aus dem Stadtthcaterbureou wird uns geschrieben: Intendant Dr. Pro sch inszeniert Treibjagd" von Bernhard Blume. Unter feiner Reale kommt diese« literarische Stück am Dienstag, 4. September, abends 8 Uhr, zum erstenmal heraus Das Stück, bas im Rußland der Revolution fpML ist eine begabte Talentprobe de« jungen Autors und bietet der Regie und den Schauspielern äußerst Inter effante Ausgaben.

Aushebung de« Sichtvermerk- zwangeszwischenItalienundDeutsch.

habe. Sie schnaubte die Leute an, hielt fie kurz imb sparte für das Haus, als ob cs ihr gehöre.

Sonderbar war das. Steckte da etwas da­hinter?

Ueberhaupt, es mar viele» sonderbar hn ,Vion d'or*.

Nur einer ahnte nichts von allem: der gute Herr Charles. Er ritt morgens auf feine Felder und In die Weingarten; er ging in die Keller imd auf die Jagd. Wenn er bann von draußen heimkam. waren bie Wolken auf feiner Stirn verichwunden

.Zch hab' das nötig, mich ausju!aufenJ, faßte er. wenn er feine schweren, lehmbefprltzten triefet auszog.

Dann war man so müde, daß man einschlief, ohne nachzudenken. Er hatte Sorgen, Herr Char­les. Er hatte nämlich heimlich, ohne Odette etwas zu sagen, nachforschen lasten In Afrika bei den Regimentern, wo Herr Rens steckte, und hatte die Antwort erholten, daß her Capttain« seinen Ab­schied genommen habe und in Pari» leb». Aber mo ... in Pari«?!

Charles war traurig darüber. Rens schrieb nicht mehr. Er kam nicht mehr in die kleine Stadt. 6rir Hou« hatte Charies einem Makler übergeben; Odette hatte daraus gedrungen.

Dn wirst dir doch nicht noch ein dritte« Haus auf den Hals laden*, sagte sie. Scttdem hingein neue«, großes Schild daran: .^Zu verkaufen!* Aber es^war noch Immer kein Käufer gekommen.

Nach langen Schreibereien traf endlich ein Brief von Dnpon ein. der kurz und eigenttich recht In- haltlos war. Dupon hatte seinen Abschied genom­men und lebte tatsächlich in Pari« Degen der Zinsen bat er, sich keine Sorgen machen zu wollen ,Lch komme einmal nach hort, dann ordnen wir bas alles*, schloß der Brief, der in einem fremden gezwungenen Tone gehalten war und reckt frostig klang, jajt geschäftsmäßig. Sogar der Gruß r.r Odette fehlte.

Seitdem hatte man nicht« mehr von Herrn ChariesDupon gehört, und auf den letzten Brief von (Tnarlc? war überhaupt ferne Antwort mehr erfolgt

La« kränkte Charles, der so viel für den Freund getan batte. Nun, ba es ihm gut ging und er ihn nicht mehr brmichte, hotte er ihn vergessen.

(Fortsetzung folgt.)