Ausgabe 
28.5.1927
 
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Ur, 125 Zweiter Biart

Siehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Samstag, 28. Mai (927

Die Sprachenjrage im Llfah.

Don unseremBerichterstatter.

(Aachdruck, auch mit Quellenangabe. verböte»!/ .Man kann tubia fegen heute Kehr der ganz« etfLNifche und lothringische ProtestantiimuJ. ob rr Krchllch oder pol tisch irgendwie zu Won« tommt. tn der Sprachen'rage grichlolfen gegen Bi« Regierung.' Das ist mch« etwa der Ausspruch eines scharfmacherischen La latort sondern es ist ein Satz aus e.nem ruyrg ad- wägenden kirchlichen Sonntagsblatte Elfah-Loth- ringens, das unmittelbar vor dem. Zusammen- tritt des protestantischen Oberionsistvrtums -u seiner Früh,ahr»tagung die Lage der Krch« und den Stand ihrer wich« gsten Forderungen prüste. Das ist das Ergebnis eines Jahres franzö'ischer Sprachenpvlittk. während dessen P o '. n c a r i zweimal In Lande gewesen tn zahlreiche Dolls'chulen als unerwarteter Inspektor gegan­gen ist und mit re chlichen Versprechungen von Desferuna des auch von i b m als uner­träglich anerkannten Zustande» des deut'chen Sprachen- und Aeltaionsunterr.chtes über die Sprachenfrage geredet hat Die kommt das? Schuld Baran 1 d t e a u s i ü h r e n d e n Organe, vom Alademie-Aellor und Letter des älnterriihtswe'ens bis herunter -um letzten Schul- infpektor der 1918 über die Ävgesen kam und seither hier sein Amt weniger als Bldungs- ausaabe denn als patriotische Ausgabe

Früher schon wurde hier berichtet, vle die - rtaaüung^ um den Anschein des Eingehens aus Poincar s Aesormversprechungen -u erwecken, sich mit < ner neuen Verordnung durch-uh«lsen suchte, die den grammatischen Unterricht im Deut­schen erweiterte. ab.-r leider de Hauptsache vergast, die Vermehrung der vorher schon und setzt erst recht unzulänglichen Stundenzahl. Die die unteren Instanzen Vorgehen, dasür gibt da« vorhin erwähnte Ktrchenblat! ein vielsagen­des Beispiel. In Strastburg bad jede Lehr- Person den Aeligionsunterr.cht aus Deutsch geben. Aber sie muh die b blischen Sesch.chtsbücher. die wie olle Schulbücher von der Stadl gel'.esert werden, persönlich und mündlich beim Schulinspektor ansordern. wenn es deutsche Dä­cher sein sollen. Für alle anderen Schulbücher, auch für die btbl schen (beschichten in sranzö'i cher Sprache, genügt die ia-ristliche Be­st e l l u n g. Man braucht niemandem zu erflären. hast und warum die deutschen Dächer und die deutschen Relikt i sstunden imner m hr reritito.n- den. Männerstolz vor Königsthronen gibt es nur bei Schiller und auch das entiprechende Aus- seinem Inspektor, von dessen Zeugnis seine Gehaltsbemessung und sein Ausrücken abhängt, ist nicht gerade häufig. Dast aber unter Biden llmstänBen Bie Versprechungen der Aegierenden einfach nicht mehr ernst genommen werden, kann niemanden wundern.

Ader auch die Aegierenden selbst sind durch­aus nicht ohne Schuld, wenn die allgemein ge­haltenen Versprechungen, mit denen Poincar« nicht gekargt hat. nicht gehalten werden Auch das bat man jetzt am Deispiel der protestan­tischen Kirche wieder erfahren. Diese führt ja schon seit mehr als Jahresfrist einen Kamps um die Sprache des Aeligionsuntcrrichtes mit der Aegierung. Von dem etwas allzu dreist unter­nommenen Deriuch. mit Hilfe einer Lehrplan­revision Ben franzbstfchen Ariigionsunterrichl all­gemein zu machen, mustte Bie Aegierung zwar abftehen. Ba Ber allgemeine Volksunwille allzu heftig wurde. Das Oberkonsistorium hat dann in feiner Tagung vom vorigen Jahre den gewiß

nicht einseitige« Derm.alunginor*ch'ag > nacht, die Sprache des Aelig was unterricht es solle «.ch von Ort zu Ort nach der Sprache des Gottesdienstes richten. Bl großer Mehr­heit war Bieler Drichlust getastt und sowohl Bem Aektor als Letter der Schulverwaltung als auch dem Mtnisterpeäf identen persönlich unter­breitet worden. Das ist ein Jahr her in briem Jahre hat es auch aus Ministermund der all­gemeinen Redensarten über die bellere Pflege der deutschen Sprache genug gegeben aber zu Biden konkreten Vor'chlag der protestantischen Kirche hat weder Min!sterprä«'.benr noch Unter- richtsverwaltung inzwischen ein Don der Ant­

wort gesunden. Dle Menschen m-hten ia Engel sein, wenn »le unter B.dce Umständen den D.r- dacht, dast man he bet Ber Aeg.erung nur mit allgemeinen Redensarten abipei e«. le L.rll.ch- krit aber garniches bew.Utgen wolle, mchi hegen würden I

Deebalb steht nun _ber riio'sische und lvtdnn friftbe Protestantob er kirchlich ober poiuitch iroendwie zu Stone kommt, in ber Spratbenrogr geschlotzen argen bie Aegierung' Aber noch be^-d) nenber al» bi de» ist ber Ümftanb. Bast bir katholische Presse, sowie ste burch bie Berichte von bie|en Vor- gingen im evangelischen Kirchenpariament erfuhr, s'ch diele Angelegenheit aneignete und mtt ihrem

gewichl.gen .-an bie protestantischen Forderungen unter nützte KachLr^cktich wirr ber iflfafkr* daraus hm. wie durch birfe» ttorgrbfn der Aadi- kalumu» in brr tknnbigi.: .i ber JVrniatredMe. ben die Äegienmg *o furchtet und so heilig eekampst. mehr al» durch iroenb etwa» andere» geftarf: werke. 2»Ue von solchen zkoba«fett:ngen her bc» Verlangen nach Vermaltungzaulonome ober nach Suionomie überhaupt feine arbstte ciatle und immer weitere Verbreitung feninrr «bf.e«eben von ben <i.gen streifen ber Vourgeoi'ie. d e t langer Zeit ichon innertiA oom Volke io gelöst ist. k..:.e mehr tn ber Front ber verte,' : b»i Aechte der Nutteriprache.

Wo bleibt die allgemeine Abrüstung?

Da sich QMBa und graphische Darstellungen dem menschlichen Gedächtnis leichter rinprägen und man Schlagworten wie .Abrüstung und .Sicherhi.t' mit derartigen Darstellungen wir­

kungsvoller entg getreten kann, als mit nackten i groben Ärr.Jc Bie Kriegsstärken der ein- vjahlcni. soll die vorstehende Karte Klarheit tn -einen Länd.: an Der hat abgerüste: und dies« Begriffe bringen. Dte schwarzen Kerne dru- wer hat aus sein. Sicherheit bedacht iu Irin? ten bie gegenwünigcn Friedensstärken, die | Darauf gibt die Kartendarstellung e.ne Antwort.

Ungarn

Bulgaren 20000 IOOOO s: wegen MO00c 200000 A. AXA f IfAAA > CA AA-I

90000 lOOOOO Schweiz J 5000 350000

Türkei

Finnland

350000 1SOOOOO

'len

Wand 2oooo >00000

Lettland 1*000 nocoo

Frankreich reoooo -.0x000

Russland 800000 Aoosooc

183000 6 OOO OCX"

82 OOO 600 000 ISO OOO ) SOOOO '

[ngiand Belgien Italien

Portugal (jr/eenen.

L andesgrenz en früher deutsche Gebiete

50000 sooooo

60000 500 00%

Deutschland 100000 00000 Hoiand 30000 $00 00c

Oesterreich 30000 10000 .'anemo-x 11000 iso 000

X Bulgarien

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Erklärung Friedensstärken

Rückblick auf den Sietzener Ronzerlwinter 1926/27.

Während bie groben Musikentralen den Kampiplatz für Ben Streit neuer Richtungen in der Mu'ik Barstellen, ist Bas Mufikleben der mitt­leren Lrtädie Sammelplatz für Bas Bewährte, denn für he ist Bie Musik nicht Ausdruck von Parteilichkeit. sondern rin wichtiger LebenSfaktor. Die Musik sührt in anderer Delle an das Mesen der Singe heran, als sie sich uns sonst im täg­lichen Vebcn erschllechen. So werden die Ereig­nisse der Umwelt durch die Musll mit neuen Werten ersülit. so gibt die Musik mit ihrem Sri eben «ine Stärkung unserer Lebens krast. Aach den Stunden innerer Einkehr im MusUalllchen wtrd unser Writinld in anderem Licht« ericd die im Lebenskämpfe notwendig« Spannkraft wird «drischt, und wir bleiben vor nüchterner Wnfeihg- feit bewahrt

So kann die Mulik zum gestaltenden Faktor im Leben der menschlichen Gesellschaft werden, sie wird aber auch zum inneren Bindungsmedium zwischen denen, die in Gemeinschaft das Gleiche erleben, und facht so einen gesellschaftlichen Kreis zur Einheit zusammen.

Jedem, der dte Orchefterion.zerw des ver­gangenen Winters in den Aäumen des Stadt- theaters besuch« bat, wird «s nicht entgangen 'ein. dach diesem Ontrüden aus dem Alltagsge­triebe der Ausdruck eines Festlichen auch «chon im Aeucheren gegeben wurde. Aber gerade dieses an sich Lächerliche Moment bedeutet doch für viele gleichzeitig eine innere Bereitschaft für Werte, die über dem Aahmen des Alltags stehen.

Hat nun diese Wertgeltung der Aursik ihre .nnere Seoechtigung. so steigt in demselben Grade B.e Verantwortung derer, die über das au be­stimmen haben, was geschehen soll: hier in Giechen der Vorstand des Konzertvereins

Zwei Fragen waren für die vergangene Kon^erkfaifon besonders brennend geworden: ber angtübrige geistig« Führer im Siebener 2Hufif- leben, Prof. Gustav Trautmann, war uns durch Ben Tod entrissen worden. Wird auch das, Das er für Giehen geschaffen hat. und w.« er sich hier ausgewirkt bat. noch in fernen Zeiten feine Geltung haben, so mustte eine Persönlichkeit ge- unden werden, die durch ben Besitz reicher Fähig- leiten imstande war. bas Gebe anzutreten, sonst wäre ein ganzes Lebenswerk jetfIaltert. Gs war ein günstiger Umstand, dah man von romc herein die geeignete Persönlichkeit ins luge gefacht hatte rnb ihr im Laute bes Konzertwinters mannlg- faltige Gelegenheit gab, Proben ihres Könnens licht nur in Einzelfällen. sondern durch das Auswirken im gr?heren Zeitraum zu geben.

Mit der Wahl Dr. Stefan Temesvarhs ium Rachfolger Pros Trautmanns würbe Siechen im eine markante musikalische Persönlichkeit re-.cher Verden. Das hat er in allem crunefen, wie er

bie Werke ber verschiedensten Stilperioden als auch der unterschiedlichsten Musikerpersönlich- keilen ersaht« unb durch führte. In seiner Art zu musizieren, prägt sich ein ungemein vornehmer Zug aus. der veredelnd auf Zuhörer unb Aus- sührende zu wirken vermag. Jedes Wed wuchte er mit persönlicher Aote auszustatten, ohne die im Werk gebundene musikalische Gegebenheit zu sprengen unb au verändern. Aach seiner bis­herigen Tätigkeit ist er frei vom Suchen nach GsseNen. um so stärker im musikalischen Können. Wie er Deethoven tn Sachlichkeit zu erschliessen vermag, dafür zeugte bas Beethoven-Festkonzert: Auglrich aber bestätigte sich bannt, dah et auf dem Doden ber Klassiker steht, dem Urquell ge­diegener Musikalität. Dah er aber auch imstande ist. bet Vokalmusik eine würdige Pflegestätte tn Giechen zu bereiten, dies ergab bie Aequiem- aussührung in chortechnischer Hinsicht

Die Orchesterirage hatte insofern eine ein- hritliche Lösung für ben vergangenen Winter ge­funden. als man Bas Frankfurter Symphonie- orcheftet ständig verkslichtet hatte. baS in jeder Hinsicht auch die verwöhnten Ansprüche zu be­friedigen vermochte. Damit waren für das Die- chener Mufikleben reiche Möglichkeiten gegeben. Deethoven stand im Vorränge als rin Motto bie Ouvertüre .Die Geschöpfe des Prometh«tS" am Beginn bet Symphoniekonzerte htnsührend »um Höhepunkt in ber Verihovenseiet (fforiolan- ouvettüre. Violinkonzert unb ^-Dur-Symphonie). Bruckners 4 Symphonie im Gegenüber von Brahms 3. <f-Dur>. als modernes Derk Grä- nets .Divertimento", eine Auslrie anerkannter, vohlbewährler Werke.

Jedes Symphoniekonzeri erhielt durch ba» Mitwirken eines Solisten besondere Bedeutung: Sva Liebenberg mit ihrer pastosen Altstimme unb unvetalrichllchen Musikalität fang Händri- arien, Lubka Kol essa gewann (lhop.ens Kla­vierkonzert in L-Moll reiches, blühendes Leben ab. Anton Dit«k meisterte in klassischer Ab­geklärtheit und Durchgriftigung Deethovens Viollntonzert.

Siner Ghreitpflicht kam man durch die Aus­führung von Brahms .Deutschem Aequiem" nach, die zu einer würdigen Gedächtnisfeier für Gustav Trautmann wurde. «Hermann S ch e y-Berlin, Bariton: Aia G i n st e r-Franllud. Sopran.)

Für di« Konzerte in der Aula hatte man ausgeprägte Persönlichkeiten verpflichtet, bie jede in ihrer Art ben Veranstaltungen ihren beson­deren Eharakter gaben.

An ihrer Spitz« fei Hriae Lindberg ge­nannt, mit feiner staden, schöpferischen Potenz diesmal sein Didungsseld durch die Ausnahme von Mozartichen Opernarien dankenswert be­reichernd. Hotte Leonard, mit ihrem staden Willen zur Gestaltung, erwies stch als Beherrsche­rin des DortrageS im Liede.

Mit einem nur Ehopin gewidmeten Abend trat 6arl Friedberg als bewährter Interpyet

für den Altmeister des Klavierspiels ein und ge­faltet« Ibn mit seiner poesievollen Vergeistigung zum starken GrlebniS. Bei dieser Gelegenk)eii soll nicht vergessen werden, welche Verdienste «ich Paul Meyer- Frankfurt als Begleiter auch in diesem Winter um das Siebener Musikleben erworben hat. Sowohl bei Lotte Leonard als auch bei Helge Lindberg bestätigte eS sich dah er durchaus in die Arihe ber ersten unserer Be­gleiter zu zählen ist.

Als ein« Geigerin in völliger Derwachsenheil mit ihrem Instrument lernten wir Martha L i n z- Berlin kennen, bie ihre Hörer zu fesseln ver­stand und hellste Ikgdfterunfl erweckte.

Von ben beiden Streichquarteliverrinigungen (Prischerquariett. Wiesbaden. Wenblingguadeti. Stuttgart) trat baS erste für bie klassische Schaf- fenspcriode rin, während daS ODenblingquarteti Aegers op. 74 erichöpste und in ber ©egenüber- stellung mit Schuberts letztem Streichquartett (Q-Dur) zu stadem 6:folgc verhals.

'S* toäre schwer unb schlieblich sogar unge­recht. auS dieser Reih« einzelnes befondeis her- vorzuheben. denn jedes Konzen bedeutete in seiner Art einen Höhepunkt für sich: bie beste Bestätigung dafür, mtt welcher Verantwortlich­keit sich ber Gießener Konzertverein seiner Füh- rerstellung annahm.

Wenn man nun wieder eine leitende mulUa- lischePeriönlichkeit gewonnen hat, büdte derWun'ch berechtigt fein, sich wieder grötzeren Choraufführim- «en zuzuwerrden. zumal ber akademi'che C-Hor in ter tcquiemauffübrunß feint Fähigkellen voll be­wiesen hat, unb sich für die Orchesterfrage eine Löfungsmöglichkeit bietet. Aber auch dem a capella- Gesang wäre ein breite* Feld einzuräumen: bie musikalische Entwicklung unserer Zeit brängt da­hin. denn mehr als je toenben sich die Schaffen- ben ber Vokalmusik zu. und gerade sie vermag baS im Muickalischen. waS wir meistens nur noch formal erleben, mit realem sachlichen Inhalt zu füllen und dem Streben der Zeit noch neuer Sachlichkeit Ausdruck zu verieihen -m-

Ularburger Festspiele 1927.

Zur Erinnerung an bie vor 400 Jahren ein, geführte Deformation unb als Auftakt aut Grün­dungsfeier der Marburger almj mater wurde vor ber ehrwürbigen alten Kirche zu Sankt Manen unter ber Leitung von Dr. Fritz B u b b e ein von A Pfeffer geschaffenes Marburger Aeformationslp'-el voroewelll.

Auf historischem Boden und in Anlehnung an eine lehr alte dramatische Spielsorm unter freiem Himmel, vor der grauen Steinkulifsc des gotischen Langschiffes, entwickelt sich in loder aneinander gefügten Bildern, Szenen. Umzügen und Sprocygruppen bie geschichtlich gegründete Handlung, ein Spie! auS der bewegten Zeit, als alter und neuer Glaube um Herrschaft und Vor­rang kämpften und weit unb breit im Heiligen

Römischen Reich bi« Geister feinblid) schieden

3m ersten Akt entzünden sich bie Gegensätze im Streitgespräch zwiscsxii dem Marburger Vlld- hauer Iuppe sein« Plastiken In der Gli'abeth- kirch« sind berühmt - und dem Maler von ber Leylen. schon hat sich bie Marburger Bürger­schaft In zwei Lager «spalten: Bilderstürmer und Bundschuhbouern stellen sich der Maipro»,efsion entgegen, mit dem Zusammenbruch der Fürstin Anna, des Landgrafen Philipp Mutter verliert die alte Macht in Hessen ihre machtvollste Stühe.

Als Sinnbild der zerftörenben unb auf- bauenben Kräfte des IahrhunbertS zieht bi« Düreriche TriaS Ritter. Tod unb Teufel um bie Kirche, im Ritter verkörpert sich des l)essischan Landgrafen aufragende, glaubi-nSstarke unb zu­kunftsgewisse FührergestaU

Der zweite Akt sucht die groben politischen Hintergründe des Spiels, bie von den beiden Aamen Pavia unb Speyer äusserlich begrenzt werden. In einer lebcnbigm Szene vom Speyerer Reichstage anzubeuten Don stader Wirkung er­wies s'.ch bas anschliehende unb zum Schluhakt überleitende Zwifchmlpiel, baS Ritter und Teufel, ben Landgrafen und feinen Versucher gc.pnvin- anbedtellt; wider bi« vom Bolen Geist mächtig beschworenen Bilder vom Volksaufruhr, vom fal­schen Prophetenwesen und verderblichen Bruder­krieg richtet der Landgraf tvie ein Bollwerk gegen Höllengewalten sein luthenlches Trutz- unb Glau­bensbekenntnis auf: Gottes Wort bleibt besteben in all« Ewigkeit

Der Schluhakt sammelt daS Volk zur Sieges­feier wiederum vor bet Marburger Kirche, bie ber Landesherr dem neuen Glauben ge­weiht hat: die Hornberger Shnot>e hat getagt, Hessenland ist bereit unb entschlossen, sich zu Luther zu bekennen. Spieler und Zuschauer ziehen in die Kirche ein. über den Köpfen schwingt alsbald von ber Empore bie prachtvolle Feier­lichkeit des nlederiändischen Dankaebetes sich auf. bann tritt ber Prediger in ber Gestalt des bden- j.jrburger Reformator» Adam Krassi vor bte Gemeinde, ba» kurze Schriftwort zu vedesen. und endlich gibt ber brausende, lutherische Refor­mationschoral von ber festen Burg Bern Spiel einen festlichen unb würdigen Ab'chlllh unb Aus- Batt

Die Ausführung, zu ber außer ben Solisten aus Darmstabt. Frankfurt. Wiesbaden. Godes­berg. Düsselbvri. Köln, Hamburg und Wien 250 einheimische Darsteller sich vereinigten, bot ein frilcheS. farbig und musikalisch bewegte« Bild von altertümlicher Besonderheit. Bürger unb Bauern. Kleriker unb Ordensritter. Landsknechte und Herolde, Landesfürsten und Bilderstürmer belebten in malerischem Wechsel de einfach« Szenerie: aus ihrer Gesamtheit erstand hier, auf historischem Boden, r.n einprägsame«, nachw.rien- des Abbild jener stürmischen Zeit vor vier Jahr- hundert em als bie Reformation in Marburg ihren Einzug hielt. -7-