Die tolle Herzogin.
Roman von Ernst Klein.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin.
31. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Io. das ist teidjt möglich — eine Minute bitte! Ich glaube, ich habe meine Zigaretten auf meinem Tisch liegen lassen." Als er zurückkam, hatte er sein goldenes Zigarettenetui geöffnet in der Hand und bot seinem Onkel, Lord Neville sowie dem Inspektor zu rauchen an. Genehmigte sich selbst auch eine seiner geliebten „Queen".
Harald nahm die Zigarette dankbar an. Der köstliche Rauch tat ihm wohl und stellte sein Gleichgewicht wieder her, das durch die Fragen seines Freundes arg ins Wanken geraten war.
Harald kannte Rnce, den Neffen. Der war immer der beste seines Jahrgangs gewesen, schlau, ihnen allen, den Kameraden wie den Lehrern, weit überlegen. Hatte sie alle miteinander in die Tasche gesteckt. Obwohl er der Kleinste und Schwächlichste von ihnen war. Sie hatten alle, zwar nicht seine Fäuste, doch seinen Verstand gefürchtet. Und vor dem fürch- ictc sich auch setzt Harald Neville. Er wußte ganz genau, wie wenig er diesem schmächtigen, so jungenhaft aussehenden Menschen gewachsen war.
So rauchten die vier Männer schweigend einige Minuten lang.
„Merkwürdig, wie schnell das Wetter wieder umgeschlagen hat. Gestern der plötzliche Regen, heute der plötzliche Sonnenschein! Und da beklagt man sich über Mangel an Abwechslung in London!" leitete der jüngere Ryce die Unterhaltung von neuem ein. „Host du eine gute Ueberfahrt gehabt, Harold?"
„Es ging, aber mir macht ein bißchen See nicht viel."
„Ich weiß, du stammst direkt von diesen normannischen Wikingern her, die in ihren Nußschalen nach Amerika gefahren und neuesten Forschungen zufolge sogar bis Wembley gekommen sein sollen. Dir liegen Sturm und Drang im Blute! Aber mir, der ich aus dem Geschlechte der Rnce stamme, die sich noch im vorigen Jahrhundert als friedliche Weinhändler betätigt baden, ist jede Seefahrt ein Greuel. Ihnen nicht auch, Sir Arthur?"
Der Onkel brummte etwas, was wie „Unverschämtheit" klang, sprach die Meinung aus, man solle sich lieber mit der leidigen Angelegenheit beschoss tigen, die sie hier zusammengeführt habe.
„Wir sind ja bald fertig", sagte der Neffe. „Nur noch eine Frage. Ist das dein Revolver, Harald?"
Nie hatte Sir Walter Ryce ein harmloseres Gesicht gemacht als jetzt, da er Neville die kleine, silberbeschlagene Waffe hinhielt. Und prompt ging dieser auch in die Falle.
Ohne eine Sekunde zu zögern, erwiderte er: , Ja."
„Wie kommt es, daß er die Buchstaben (9. B. trägt?"
„Er gehörte meiner Frau als Mädchen, und sie hat ihn mir geschenkt. Seitdem trage ich ihn immer bei mir."
Sir Walter nickte und Harald glaubte ihm.
„So? Hm — und aus ihm hast du geschossen ?" „Ja."
„Sir Arthur, ich glaube, das ist alles!"
Lord Neville wurde in das Zimmer zurückge- führt, das man ihm als Untersuchungszelle angewiesen hatte. Sir Walter aber sagte zu seinem Onkel und zu Inspektor Gernot:
„Er hat natürlich nicht aus dem Ding da geschossen. Er hat überhaupt nicht geschossen. Darin spricht er die Wahrheit, daß es nicht seine Frau war, die er verfolgte. Lady Grace ist — ich habe auf dem Wege noch den Zigaretten noch telephonisch in Burnham House angefragt — heute früh noch Low don gekommen. Dagegen ist die Herzogin von Sainsbury bereits seit gestern abend hier. Die Herzoain heißt (9Loria und auf ihren Mädchennamen passen die Buchstaben G. B. Die Unwahrheit spricht der gute Harald aber, wenn er uns glauben machen will, er sei vom Bahnhöfe nach seinem Hause auf Cavendish Square gefahren. Er ist von einer beinahe strafwürdigen Ungeschicklichkeit. Oder von einer noch strafwürdigeren Ueberhebung, wenn er sich schmeichelt, uns einen solchen Bären aufbinden zu können. Bevor ich hierher kam, hatte ich eine kleine Unterredung mit seinem Chauffeur, der mir mit kindlicher Offenheit sein Herz ausschüttete. Neville war auf dem Wege nach Burnham House, und auf dem Waterloo Place sah er die Frau, die er für Lady
Grace hielt. Ihr folgte er — es war Glaria Sainsbury. Er deckt also seine Schwägerin. Es sind demnach eine Reihe von Fragen. Erstens: Warum stellt er sich für Gloria Sainsbury in die Bresche?"
„Leicht zu beantworten," rief Sir Arthur, „weil er ein Gentleman ist."
"Zugegeben. Ich glaube indessen, er hat noch andere Gründe — aber ich kann mich täuschen. Doch, verehrter Onkel, wenn Sie die erste Frage so überzeugend beantworten können, vielleicht würden Sie die anderen ebenso rasch zu lösen vermögen. Was veranlaßte eine Frau wie Gloria Sainsbury, zu einem solchen Subjekt zu gehen, wie unserer Kenntnis nach Graf Las Valdas war? Warum zu so später Stunde? Warum nahm sie den Revolver mit? Warum schoß sie? Und nun, Gentlemen, die größte und wisttigste Frage: Wir haben festgestellt, daß sie zwar geschossen hat, daß es aber nicht ihr Geschoß war, das den Portugiesen tötete. Neville hat auch nicht geschossen, wie er ja eben selbst zugegeben hat, denn er glaubte ja, daß mit diesem Revolver Las Valdas getötet wurde — der gute, ehrliche Harald! Also ich wiederhole: Wer hat den tödlichen Schuß abgefeuert?"
„Dann steckt mehr dahinter als eine bloße — hm — Weiberaffäre!" sprach Sir Arthur.
„Es scheint fast so!" sagte sein Neffe und zündete sich eine neue Zigarette an.
Die Ereignisse gaben ihm recht.
Am Abend wurde Joe Perkins, der Chauffeur des Ermordeten, als er nach zehn Uhr durch die Davis Street seiner Garage zuging, von mehreren Männern überfallen und schwer verletzt. Die Täter entkamen: doch während manxben Angegriffenen in bewußtlosem Zustande nach dem Westminster-Hospital schaffte, brachen zwei Personen, augenscheinlich dieselben, die ihn niedergeschlagen holten, in die Garage und sein Zimmer ein, kehrten hier das Unterste zu oberft, ohne jedoch irgend etwas zu stehlen. Als sie die Garage verließen, wurden sie gesehen, entkamen jedoch im Dunkelnder Nacht.
„Verdammt!" sagte Sir Walter Ryce, als er die Meldung erhielt. „Die Sache hält, was sie von allem Anfang versprochen hat. Sie gestaltet sich ziemlich interessant"
21. Kapitel.
Sir Walter Ryce war gut für sein Neville gegebenes Wort — feine Zeile erschien über die Affäre Las Valdas in den Zeitungen. Sein Onkel ließ sich persönlich alle Reporter kommen und setzte ihnen auseinander, daß es sich bei dieser überaus verwickelten Angelegenheit nicht nur um Mitglieder der vornehmsten Gesellschaft, sondern sehr wahrscheinlich auch um Dinge handelte, durch die das Interesse des Reiches selbst berührt werde. Damit sagte Seine Exzellenz zwar mehr, als er und auch sein Neffe wußten, aber er packte die Presse an der richtigen Stelle. Interessen des britischen Reiches! Selbst der blutgierigste, sensationslüsternste Reporter schwieg.
Das war aber and) das einzige, was Sir Walter tun konnte. Sonst kam er in der Sache absolut nicht weiter. Der überfallene Chauffeur, der einen furchtbaren Schlag mit einem Sandsack auf den Hinterkopf erhalten hatte, erlangte erst nach dem dritten Tage das Bewußtsein wieder und blieb dann noch verhandlungsunfähig. Diese Quelle der Information war also vorläufig verschlossen. Lord Neville rückte von seiner Aussage um keinen Zoll breit ab und verriet nicht einmal seinem Anwalt, wer die Frau gewesen war, die er mit Lady Grace verwechselt hatte.
„Man müßte ihn eigentlich freilaffen*, ■ftmtc der Chef.
„Vorläufig beschuldigt er sich nach wie vor des Mordes an Las Valdas," entgegnete Sir Walter, „und einen Mann, der sich so hartnäckig dagegen wehrt, kein Mörder zu fein, kann man nicht in Freiheit setzen, solange man nicht nachzuweisen vermag, daß er lügt Höchstens schickt man ihn in die Irren- anftalt. Ich kann ja auch nicht wissen — bitte, ich spreche jetzt rein theoretisch —, ob er es nicht ist, der den großkalibrigen Revolver gebraucht hat. Ec konnte ihn ja nach der Tat irgendwie beseitigt haben, nicht wahr?"
Sir Arthur gab sich stiller Heiterkeit hin.
Harald Neville? Nein, der versteckt feinen Revolver, wenn er ihn einmal gebraucht hat. Deine letzte Annahme ist wirklich nicht mehr als Theorie." (Fortsetzung folgt.)
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