Ausgabe 
24.9.1931
 
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10-13 Uhr

Räheres in

Gießener

I

und von 1520 Uhr geöffnet sein, der heutigen Anzeige.

Aus der PromnaiafbauptflaOt

Hießen, den 24. September 1931.

Oie Winterhilfe 1931/32.

* Kundgebung f ü r daS Stadttheater. Aus dem Stadrlhcatcrburcau wird uns geschrieben: Die augenblicksiche Desahr für das deutsche Theaterwesen wird in den näch­sten Wechen an einer Reihe von Orten zu großen Kundgebungen luhren, die das Dewissen der Ocffentlichkcit zugunsten der Erhaltung der Theater wachrütteln sollen. Die erste derartige Kundgebung ist für Sonntag, 27. September,

OasH eim der Alien und Hilfsbedürftigen

Sin (Sang durch die Provinzialpflegeanstali.

stark belegt. Die älteren Insassen sind für Le­benszeit in der Anstalt. Die Hilflosen und geistig Beschränkten meist auch. Außerdem sind einige junge Menschen beiderlei Geschlechts (18 biS 23- jährige) dort untcrgebracht, denen ein körperliches oder geistiges Gebrechen den Schritt in die Öffentlichkeit verbietet. Sie sind glücklickerweise die Minderzahl. Für die Pfleglinge dieser An­stalt ist viel getan. Sine Anzahl der Insassen wohnt in freundlichen Einzelzimmern, andere, die Mehrzahl, in den gemeinsamen Taaesräumen, im gemeinsamen Schlafsaal. Es stehen durchweg helle, luftige Räume zur Verfügung. die aber den Verhältnissen entsprechend einfach ausgestattet sind. DaS Leben vollzieht sich naturgemäß nach einer bestimmten Ordnung, Mahlzeiten müssen eingehalten werden,

den Pfleglingen ist im allgemeinen aber viel Freiheit gegeben.

Die betriebstechnischen Einrichtungen ent­sprechen neuzeitlichen Anforderungen. Die Küche ist mit modernen Dampf-Kochanlagen ausgerüstet, alle notwendigen Hilfsmittel stehen zur Verfü­gung. Den Insassen wird kräftige, reichliche, bür- gerliche Hausmannskost verabreicht. Die Wasch»

Wichtig für jede Frau ist daS gute Aussehen und der natürliche Glanz des Haares Als be* sonders wirksam empfehlen wir Ahnen das Haar» glanz »SchaumponSchwarzkopf - EMa" mit der Schaumbrille Haarglanz" erfrischt das Haar und hält es gesund Die neueSchaumbrille" häU während der Haarwäsche absolut sicher Schaum und Wasser von Ihrem Gesicht fern. Haarglanz und Schaumbrille finden Sie auch bei der neuen Spezral-SorleExtra-Blond" füe Blondinen.

KundgedungderRabikaldemokra- tischen P a r t ei. Am Freitag, 25. September, 20 15 Uhr, findet in der Turnhalle am Oswalds- garten eine öffentliche Kundgebung der Radikal demokratischen Partei (Landesverband festen) statt, in der Professor Quidde und Landtagsabgeord- ncter Reiber sprechen werden. Näheres in der heutigen Anzeige.

Oeffentliche Vorträge des Evan­gelisten Paul Schwefel, der schon früher hier in stark besuchten Versammlungen sprach, finden ab Montag nächster Woche bis einschließ­lich Sonntag, 4. Oktober, im Saale der Christ­lichen Versammlung ut Dießen, Lindenplah 1 Eingang Wetzsteingasse statt. Evangelist Paul Schwefel ist, wie man uns schreibt, ein be­deutender Redner, der seit Iahren in vielen

StnschwererDerkehr-unfall, dem ein junge* Menschenleben zum Opfer hei, ereig­nete sich gestern vormittag auf der Landstraße RciSkirchenDießen in der Kurve zwischen der Dansebura und der Straßenabzweigung nach Op­penrod Der erwerb-lose 22 Iahre alte Arbeiter Andrca-Burckhard aus Ettinaöhausen. der sich durch die Steigerung und den Verlaus von Obst einen Erwerb zu verschasfen suchte, befand sich mit einem Pferdefuhrwerk auf der Fahrt nach Dießen, um hier Obst zu verkaufen. Da- Gespann fuhr in vorschrift-mäßiger Weise auf der reckte« Straßenseite, während Burckhard zu Fuß neben* beraing und sich auf der linken Seite der Land­straße befand In der Kurve näherte sich dem Gespann von hinten her ein mit zwei Personen besetzte- Motorrad, da- einem Gießener gehört und sich aus der Fahrt nach Gießen befand. Beim Ueberholen des FudrwerlS erfolgte auf bisher noch nicht ganz aufgeklärte Weise ein 3ulammen- stob zwischen den Motorradlern und Vurck* Hard, wobei letzterer so schwer zu Toben ge­schleudert wurde, daß er einen Schädelbruch und anscheinend auch noch innere Verletzungen erlitt, wahrend die beiden Motorradler mit leichteren Verletzungen davonkamen. Ein auS der Richtung Dießen herankommendes Auto nahm den schwer­verletzten jungen Mann mit nach Reiskirchen zur ersten Hilfeleistung, von dort wurde er nach sei­nem Heimat-ort Ettingshausen verbracht und dann aus ärztliche Anordnung der Chirurgischen Klinik in Dießen gugesuhrt. Hier ist der Be­dauernswerte bald nach seiner Einlieferung an seinen schweren Verletzungen verstorben. Die Mo­torradler begaben sich von der Unglüd*ftelle gleichfalls zurück nach Reiskirchen und meldeten bei der zuständigeii Gendarmeriestation den be­dauerlichen Unglückssall. Die Untersuchung des Vorfalls ist zur Zeit noch im Dange.

(Schöffengericht Gießen.

Dießen, 23. Sept. Am 5. Iuli fand im Tafs Leib in Dießen eine nationalsozialistische Versammlung statt. Rach deren Ende begab sich eine große Anzahl von Mitgliedern der RSDAP. in ihr Stammlokal Soldan. Im Laufe bei Abends wurde telephonisch mitgeteilt, daß Par­teifreunde in der Kaiserallee von Kommunisten überfallen worden seien und daß solche ihnen auch in der Anlage versteckt auflauern würden. Die Rationalsozialisten gingen deshalb nur gruppen­weise nach Hause, zwischen 12 und 1 Uhr waren noch etwa 10 biS 12 von ihnen in dem Lokal an­wesend. AIS nun wieder zwei den SelterSweg hin­unter heimwärts gingen, kamen ihnen eine Reihe von Leuten, Über die Breite des DelterSwegS ver­teilt. entgegen, die sie als Kommunisten erkann­ten. Da die beiden einen ileberfall von diesen befürchteten, gingen sie in die Wirtschaft zurück und teilten daS ihren Parteigenossen mit, die nun ihrerseits auf die Straße eilten. Dort kam eS zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen den politischen (Regnern, die zu einer Anklage gegen 10 Rationalsozialisten und 2 Kommunisten wegen

2m SamStagnachmittag fand in Dießen unter hem Vorsitz des Präsidenten vonHahn - Darm­stadt im Syungssaale deS RegierungSgebäude« eine auS ganz Oberhessen gut besuchte Vertreter- Versammlung der Zweigvereine deS Ro­ten Kreuzes und der Alicefrauen» ve reine statt, die sich mit der Durchführung der ..Winterhilfe" beschäftigte. Der Ge­schäftsführer deS Hess. Landesvereins vim Roten Kreuz, Polizeioberst a. D. S ch r ö d e r - Darm­stadt trug die von dem Landesausschuß der Ar­beitsgemeinschaft der Verbände der freien Wohl-

- sahrtSpflege für die Winterhilfe 1931 32 auf- gestellten Richtlinien vor und bat um eifrigste Mitarbeit der Vereine des Roten Kreuzes In der Aussprache konnte von den Vertreterinnen und den Vertretern der Städte Dießen. Fried­berg. Butzbach u. a. beruhtet werden, daß von den Vereinen der freien Wohlfahrtspflege be­reit* * ** Schritte zur durchgreifenden Linderung der Rot getan worden seien. Die vom Canbc^au*- schuß in ganz Hessen vom 15. Oktober bi* 15. Dezember durchzusührenbe Sammlung wirb sich in biefem Iahre nicht nur aus Veld, I sondern auch auf Naturalien erstrecken. Man I erwartet in Anbetracht der reichen Obsternte und der guten Äartoffelcmte gerade von der Ra- turakicnsammlung besonders gute Ergebnisse Die I Durchführung der Rothilse hat für Oberhessen die Innere NI.Ilion, für Starkenburg das Hes­sische Rote Kreuz und für Rheinhessen der Kari­tasverband übernommen.

Zungdeulsche zur Behebung der sozialen Hot.

Da» Führerkapitel der Ballet Oberhessen be» Jungdeutschen Orden», da» am 19 September im Hotel Köhler zu Gießen zur Be­ratung zufammengetreten war, faßte wie man un» berichtet zu dem Punkt Behebung der I sozialen N o t folgende Entschließung

Die Not de» deutfchen Polke» steigert sich von Tag zu lag. Die Zahl der Erwerbslosen spricht eine ungeheure Sprache. Millionen von ihnen werden aller Vorau-sicht noch nie wieder damit rechnen können, in ihrem angelernten Berufe Arbeit zu finden ,, k

Eine radikale U m b e s i e d e l u n g de» deutschen Raumes wird unausbleiblich sein. Eine großzügige West Ost-Bewegung muß einsetzen. Die ft ä r f e rc Be | i e M u n g des d e u I\ che n Oft en» wird den Weg aus der Not befchrelten lassen. Wir fordern daher vom Reich, Landern und Gemeinden, daß sie alle» tun. was nur irgend erreich- bar erscheint, durch Bereit st ellungoonLand den Willigen die Möglichkeit zu einer neuen, auf eigener Arbeit beruhenden Existenz zu bieten.

Im Zusammenhang damit sprechen wir die ernfte Bitte an alle Verwaltungsstellen au», selbständig alle Möglichkeiten in Angriff zu nehmen, den überall >m Bolk zu beobachtenden Willen zum freiwilli­gen Arbeitsdienst zu nähren und zu sördern. Jede verantwortliche Verwaltungsstelle hat die Pflicht, Wege zu suchen, wie dieser freiwillige Ar­beitsdienst zum Segen des gesamten Volkes und Staates fruchtbar gemacht werden kann

Dazu ist jedoch notwendig, daß die bis jetzt gesetz­lich getroffenen Maßnahmen erweitert werden, daß alle einengerben Bestimmungen fallen und eine VerbindungdesfreiwilligenArbetts- bien ft es mit dem S i e d 1 u n g s e r w e r b ge- 0 Jedem strebsamen Arbeitslosen ein Eigenheim und Erwerbsmöglichkeit auf eigener Scholle! Den Er­werbslosen rufen wir zu Reiht euch ein in bie Landnehmerkolonnen, die praktisch fiedeln wollen! Erkämpft euch mit uns euer Richt auf Arbeit und Brot! Wenn die Bureaukaten Der- jagen, schließt euch zusammen und erzwingt die Frei­gabe des Weges, der au» der Not herausfuhrtI Der Iungdeutsche Orden kämpft an eurer Seite!

Wiedener rLochcnmarktpreise.

gut denken, daß das

Belsammenfein mit gleichaltrigen Menschen, oftmals auch mit gleichgesinnten Menschen, dem Einzelnen mehr bedeuten kann, als ein Leben un­ter Menschen, die durch den Existenzkampf ständig in Anspruch genommen sind und sich wenig um die Aelteren kümmern können. Daß daS Vor­urteil gegen die Anstalt nahezu als überwunden betrachtet werden darf, geht daraus hervor, daß eine Reihe von Vormerkungen für die Männer- und Pensionäreabteilungen stets vorliegt, denen in größerem Umfange aber erst dann entsprochen werden kann, wenn der zur Zeit im Bau befindliche Reubau des Kinderheims sei­ner Bestimmung übergeben werden kann. Die hohe Bedeutung der Anstalt in sozialer Hinsicht dürste nicht umstritten sein und ihre segensreichen Wirkungen vermag nut derjenige abzuschähen, der sich einmal durch Augenschein davon überzeugt hat, daß für die Alten und Hilflosen tatsächlich außerordentlich viel getan wird und daß man um deren Wohl ernsthast bemüht ist.

Körperverletzung führten.

Die umfangreiche Houptverbandlunp konnte, wie das leider bei derartigen Schlägereien meistens der Fall ist, eine völlig einwandfreie Aufklärung der Vorgänge in allen Einzelheiten nicht bringen. Die Hauptbcleiligten, von denen einer wegen Krankheit nicht erscheinen konnte, waren alle an­genagt. Ihre Angaben, wie auch die ihrer anwe­send gewesenen Freunde waren naturgemäß vor­sichtig aufzusassen. Unbeteiligte Zeugen waren erst durch den Lärm der Schlägerei aufmerksam geworden und konnten über deren Entstehung und die Beteiligung der einzelnen Angenagten nichts auSsagen.

DaS Gericht sprach vier Rationalsozia- listen und die beldenKommunisten man­gels Beweises frei und verurteilte fünf Ra- t i o n a l i st e n zu Geldstrafen von 100 biS 400 Mk. ES hielt für erwiesen, daß der eine Rationalsozia­list. ohne in Rotwehr zu lein, auf zwei ihm nach­einander entaeaenkommenoe Kommen sten g sch ei­gen habe, und daß alle Verurteilten gegenüber _em einen angeklagten Kommunisten die Rotwehr ganz erheblich überschritten, den anderen Kommunisten aber, ohne daß von einer solchen die Rede sein könne, körperlich verletzt hätten. Mit Rücksicht auf die bei der ganzen Sachlage begreifliche Erregung der Verurteilten wurde von der Verhängung einer Freiheitsstrafe abgesehen.

Große Strafkammer Gießen.

Ein Steuersekretär aus W i e s e ck verfolgte Berufung gegen ein Urteil de- Erweiterten Be- zirksschöftengerichtS Dießen, durch das er wegen Unterschlagung zu vier Monaten Gesäug- n i S verurteilt worden war. Gr war un Reben­berus Leiter der OrtSstelle der Allgemeinen Orts­krankenkasse deS Landkreises Gießen und der Landkrankenkasse des Landkreises Dießen in Wieseck und hat in dieser Stelle im Lause der letzten Iahre namhaste Beträge die genaue Summe ließ sich nicht seststellen beiseite ge­bracht. Heute, wie in der ersten Instanz, bestritt er seine Schuld, er wurde aber durch die um­fangreiche Beweisaufnahme wieder überführt. Da auch die Staatsanwaltschaft wegen des Straf­maßes Berufung eingelegt hatte, war die Straf­kammer in der Lage, der Schwere der Verfehlung entsprechend die Strafe auf sechs Monate Gesiängnis zu erhöhen.

Teilweise Erfolg hatte ein Obersteuersekretär aus Friedberg mit seiner Berufung gegen ein Urteil des Bezirlsschösfengerichts Gießen. Statt einer Zuchthaus st rafe von einem Iahr erhielt er drei Monate Gefängnis Das Gericht konnte sich auf Grund der 'Beweisauf­nahme nicht davon überzeugen, daß er gewisse Fehlbuchungen und Umdatierungen von Schecks in der Absicht vorgenommen hatte, sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen- es nahm in Übereinstimmung mit dem als Zeugen vernom­menen Vertreter des LandeSsincuuamts und an- deren Zeugen an, daß es dem sehr schüchternen, unbeholfenen und weltfremden Angeklagten nur darum zu tun war, gewifse Unregelmäßigkeiten, zu denen er in einer Rotlage gekommen war, nicht vorzeitig herauskommen zu lassen. Tatsäch­lich ist dem Fiskus kein Schaden entstanden.

anlagc ist ebenfalls durchaus neuzeitlich einge­richtet und auf Leistungsfähigkeit eingestellt, da sehr Diel an Wäsche anfällt. Ueberflü'iig ju sa­gen, daß man sich stet- bemüht, allen Anforde­rungen der Hygiene gerecht au werden.

3m Kinderheim erfahren die der Anstalt anvertrauten Kinder sorgfältige Pflege. Don Ge­burt bis zum schulpflichtigen Alter sind sie hier vertreten und verbringen sorglose Tage. Dem K in- h.rheim steht eine Höhensonne zur Verfügung, tnc gute Dienste tut. Unter der Veitung einer tüchtigen Oberschwester (ber zwei weitere Schwe­stern und sech- Lehrschülerinnen zur Verfügung stehen) befinden sich die Kinder unter steter sach­gemäßer Aussicht.

Für die Pflege und Wartung der Insassen deS Männer» und FrauenbaueS. sowie deS Pen- sionäre-Pavillons stehen insgesamt nur 29 Schwe­stern und Wärterinnen (säst au-schließlich ist in der Anstalt weibliches Personal tätig) zur Ver­fügung. Diese niedrige Zahl an Personal läßt sich allerdings nur dadurch erklären, daß für leichte Arbeit die Pfleglinge herangezogen werden kön­nen. Für die Leitung und für die umfangreiche bureautechr.ische Tätigkeit stehen neben dem Di­rektor nur drei Angestellte zur Verfügung. Der Dienst der Schwestern und Wärterinnen ist schwer. Reise ältere Menschen sind nicht immer leicht zu leiten, ordnen sich nicht ohne weiteres der Ge­samtheit unter, beharren manchmal auf ihrem eigenen Willen, dem die Schwester oder die Wär­terin nur in verbindlicher Weise begegnen kann.

Takt und Höflichkeit, Milde und Berftänbnle sind die Borausfctiungcn für die Arbeit auf diesen Posten.

Die Provinzialpflegeanstalt ist, wie mehr oder weniger jede rein soziale Einrichtung, ein Zu­schußbetrieb. Allerdings werden hier die Un­kosten. die die Unterhaltung der Anstalt verur» fachen, durch verschiedene Faktoren herabgedrückt. Durch die landwirtschaftliche Bearbeitung deS DartenS. durch den Anbau von Kartoffeln und Gemüse auf dem Grundstück der Anstalt, die fast ausschließlich durch die noch arbeitsfähigen 3n- fafsen erfolgt, wird manche Ausgabe gespart. Außerdem ©erben, um den Fleischbedarf nur eini­germaßen zu decken, jährlich in den anstalts- cigencn Schweineställen etwa 20 biS 25 Schweine gemästet. Aus diese Weise wird ebenfalls viel Geld gespart. Für die einfachen Arbeiten in der Küche oder in der Waschküche werden anstellige Frauen ober Mädchen verwendet, so daß der Zu­schuß, dessen die Anstalt bedarf, immerhin in er­träglichen Grenzen bleibt. Verschiedentlich stößt man, wie uns erklärt wird, in städtischen und ländlichen Kreisen aus ein Vorurteil gegen eine Ausnahme in die Provinzialpflegeanstalt, ein Vor­urteil. das durchaus jeder Grundlage entbehrt und daS vielleicht zu einer Zeit berechtigt gewe­sen sein mag. da die Altersversorgung in derarti­gen Heimstätten noch nicht so ausgebaut war wie heute. In der heutigen Zeit jedoch, in der man sich in hohem Maße die Schaffung vorbildlicher sozialer Einrichtungen angelegen sein läßt, ist ein solches Vorurteil unberechtigt. ES läßt sich sehr

16 Uhr. vom Stadttheater Gießen angeseht wor­den. Als Redner wurde Dr. Oscar Goetz» Berlin, der Ehesredakteur des «Deutschen Theater- dienstes", verpflichtet. Im Anschluß an seine An­sprache wird ein von Dr. Alfred Dock verfaßter Prolog vorgetragen werden. Sodann geht Ste­fan Zweigs EinakterDer verwandelte Komö­diant" in Szene. Die Veranstaltung wird ure 20 älhr wiederholt.

* S i n Achtzigjähriger. Am morgigen Tage vollendet einer unserer bekanntesten Mit­bürger. Herr Daniel Heil, fein 83. Lebens­jahr. Siner alten Gießener Familie entstammend, hat er sich aus kleinen Anfängen heraus durch Fleiß und Tüchtigkeit zu einem hochangesehenen Geschäftsmann emporgearbeitet, dessen Zigarren­handlung auf dem Lindenplatz sich einst eine- großen Kundenkreises erfreute. Leider ist auch er. wie so viele andere, ein Opfer der unseligen Jnslation, ein Kleinrentner geworden. Bei feinem stets freundlichen und entgegenkommenden Wefen konnte es nicht ausbleiben, daß Herr Heil sich zahlreiche Freunde und Bekannte erwarb. Seine Kenntnisse und Fähigkeiten sind auch der All­gemeinheit in reichem Maße zugute gekommen. Im Aufsichtsrat der Handels- und Gewerbebank, dem et schon seit 39 Iahren angehört, ist er eifrig tätig. Ebenso arbeitet er seit 25 Iahren in der Städtischen Pferdemarktdeputation mit, wozu ihn seine Sachkenntnis besonders befähigte. Diese Arbeit führte ihn auch frühzeitig in den Reiterverein, der ihn zu seinen treuesten Mit­gliedern zählt Roch bis vor wenigen Iahten hat er selbst eifrig dem Reitsport gehuldigt. Seit 20 Iahten ist er Mitglied des Vorstandes des Tierschutzvereins. in dem er ebenfalls eine rege Mitarbeit entfaltet Herr Heil erfreut sich noch einer vorzüglichen Gesundheit Möge es dem Achtzigjährigen vergönnt fein, im Verein mit feinet Lebensgefährtin sich noch lange eines schönen Lebensabends zu erfreuen.

" Eine Siebzigjährige. Am morgigen Freitag begeht Fräulein Minna Kruse, wohn­haft Weserstraße 16. in geistiger und körperlicher Frische ihren 70. Geburtstag. Die Iubilarin dürfte vielen älteren (Siebenem noch auS jener Zeit gut in Erinnerung fein, da sie in den Gaststätten ihres Vaters (.Lahnstein" und Lonys Dierkeller) um das Wohl der Gäste besorgt war.

Die Gießener kennen sie. die Heimstätte der Al­ten und HilfSbedürstigen. die Stätte, da bie Mü­den ihren Lebensabend verbringen. Auch die Hilfsbedürftigen, die Hilflosen. Sie sich im Kampf um die Existenz nicht behaupten könnten, trell ihre geistigen und körperlichen Unzulänglichkeiten ein unüberwindliche- Hindern,- bilden, wohnen, le­ben dort, fern dem Trubel unterer lauten Tage, sozulagen am Rande unterer Tage, und hören nur wenig von dem Lärm, der unS umgibt, der untere Rerven strapaziert und unS oft genug des Pertönlichen entwöhnt

Vir Proolnjlal-pflegcanftall an der Llcher Straße ist eine Welt für sich.

Das Leben vollzieht sich dort in einem gleich­mäßigeren Rhythmus, mit mehr Ruhe und Be­schaulichkeit. mit weniger Sorgen und Mühen soweit eS diejenigen anbetrifft, die Oie Gäste und die Insassen sind. Um einen großen Hos, der von Bäumen Überschattet, mit Rasen angesät, mit Buschwerk bepflanzt und von Wegen durchzogen ist, die au Spaziergängen einladen, gruppieren sich b*e Gebäude der Anstalt, die einen freundlichen Anblick bieten. Dominierend stehen sich Män­ner- und Frauenbau in gleicher architek­tonischer Gestaltung gegenüber, das Berwal - tungdgebäube, in dessen oberen Stockwerken einige Wohnungen emger djtcl s nd trennt ben Hoi von der Straße, dem Verwaltungsgebäude gegen­über steht ein besonderes Gebäude, in dem Koch» und Waschküche untergebracht sind, links hinter dem Männerbau liegt leicht erhöht, gegen die Anlagen an der Luthereiche AU, ber Pavillon für Pensionäre, gegenüber steht im Schot­ten einiger Bäume da- Kinberheim, schließ- lich ist noch ein kleines Krankenhaus da, niedrig, freundlich aber in feinem Hellen Anstrich, sauber ist alleS. schön, in bester Ordnung und in mustergültiger Vernässung Von vielen Zimmern und Demeinschastsruumen aus bietet sich ein prächtiger Ausblick in daS Schifsenberger Tal und die bewaldeten Höhen, nebenbei sei bemerkt, daß hinter dem Betriebsgebäude ein weitere- nied­rige- festes Gebäude steht. daS al- jawohl al- V i e h st o l l eingerichtet Ist. DaS gesamte Areal, da- zur Provinzialpflegeanstalt gehört, umfaßt eine Fläche von 13 Morgen. Ein großer Teil die­ser Fläche ist landwirtschaftlich auSge- n ü tz t. Diejenigen, die noch arbeiten können und wollen, arbeiten dort freiwillig und tragen da­durch zu ihrem eigenen Unterhalt bei. Viele kön- nen nicht mehr arbeiten oder konnten nie arbeiten I andere wieder (deren gibt es auch eine An­zahl) wollen nicht arbeiten. ES zwingt sie aber auch niemand zur Arbeit. Es ist nicht die Auf­gabe einer Provlnzialpflegeanstalt, von den In­sassen Arbeitsleistungen zu fordern. In der An­stalt sind etwa

250 Pfleglinge

1 (133 Männer und 117 Frauen) untergellracht. Im Pavillon der Pensionäre wohnen 26 Personen, das Kinderheim ist wechselnd mehr oder weniger

wie immer, um 11.15 Uhr.

Handgewebe-AuSstellung. Die Handweberei des Bundes Deutscher Iugendvcr- eine auf Schloß Westerburg, die bereits schon vor zwei Jahren einmal ihre Erzeugnisse in Gießen zeigte, veranstaltet in den Tagen vom 25. biS 30. September im Lass Ebel eine Handgewebe- Ausstellung, die einen interessanten Einblick in das kunsthandwerkliche Schassen der Handweberei» Werkstätten auf Westerburg gewinnen lassen wird. Im Rahmen der Ausstellung wird an Hand-Web- rahmen und Webebrettchen bie Technik der Hand­weberei in ihren einfachen Formen gezeigt wer­den. Die Schau wird täglich von

SS kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 150, Matte 30- 35 Pf. daS Pfd., Sier 10-11 Pf. daS Stück. Käse 10 Stück 60140 Pfennig, Wirsing 810. Weißkraut 67, Rot­kraut 810. gelbe Rüben 810. rote Rü­ben 810, Spinat 2025. Römischkohl 810, Bohnen 15-25, Unter-Kohlrabi 56, Tomaten I ©täbten deS In- und Auslandes durch feine 2025, Zwiebeln 810. Meerrettich 4080, Kür» Tforträgc in großem Segen wirkt. Im heutigen biS 56, Pilze 20 -25, Kartoffeln 3,54. Früh- Anzeigenteil wird zu diesen Vorträgen einge- Lpfcl 8-10, Falläpfel 3-4, Aepiel 8-10, Birnen ladrn.

8-15. Dörrobst 30- 35, Pfirsiche 4060. Prer- __ Achtung Austral ienI Achtung helbeeren 3035. Brombeeren 3035, Zwetfchen 2lflen ! Am nächsten Sonntag gelangt im Llcht- 10-12. Honig 40 - 50. Rüsse 35-40, Junge Hähne spielhaus Bahnhofstraße durch dieArbeitS- 90- 100. Suppenhühner 80100 Ps. das Pfund, gcmeinscha^t Lichtsp elhaus-Doethebu b ein be­rauben 50 - 60. Blumenkohl 3070, Salat 5^-10, beutfamer Kulturfilm zur Ausführung, der von Salatgurken 15-20, Sinmachgurken 2-4. Endi- ®0(in Roß gedreht worden ist. Der bekannte Vien 1015, Ober-Kohlrabi 810, Lauch 510. I Forsche hak Australien durchquert und dabei er- Rettich 10-15, Sellerie 1040 Pf. das Stuck, staunliche Dinge in Bild und Ton festgehalten. Radieschen 1015 Pf. daS Bund. Kartoffeln 2.80 vermittelt dem Zuschauer die Kenntnis ur- bis 3 Mk.. Aepfel 5-7 Mk., Weißkraut 3.50 bis weltlicher Flora und Fauna, erzählt von rätsel- 4 Mark. Wirsing 6 Mark, Rotkraut 6 Mark per hg^en Tänzen und Zeremonien der Ureinwohner Zentner. Australiens und führt angesichts ber riesigen

Vornotizcn. I menschenleeren Flächen bteses Landes htn-

- Tageskalender für Donnerstag «in in ein Problem unserer Zeit. Raum ohne

GemeinniHige Deutsche Bühne für Dolkshygicne. Dolk. um bann f<£on

20 Uhr. Stadttheater, GastspielDie Tragödie des bic gar^e Tragik ^^^schenuberfullten ^ud- Arztes'. Lichtspielhaus, Bahnhosstraße: ,Lm °^osiens au jurollen. 5>cr ^Im fuhrt

Westen nichts Neues". - Astoria Lichtspiele, Selters. Me öubfee und nach ^eul«lanb und giat so einen mcü ')inf Oohon iinh Tnh" T)»r HarmDancnführer I Eindruck von einer anderen, den Europäern frem w I d-n W-tt. Di- Ädturtihn-TorfttHung beginnt.

Eisenach: 20.30 Uhr, Vortrag, .jum Postkeller".

Bausparvertrag Die Bausparkasse Thurinaia Eisenach veranstaltet heute. 20.30 Uhr. einen Vortragsabend im .Postkeller". Dank- dircktor a. D. W. Holl. FranNurt a. M.. wird über die .Ablösung hochverzinslichcr Hypotheken" und über die .Finanzierung von Eigenheimen auf zinsloser DasiS" sprechen. Räheres in der gestrigen Anzeige.