Kreuzweg der Liebe.
Roman von Paul Grabein
Urheberrechtsschutz: Romandienst „Digo", Berlin W 30.
27. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Ursula machte eine kurze Pause: nun sprach sie weiter: „Diese Mitteilungen beschäftigten mich begreiflicherweise lebhaft: dann kam meine Tante heim, und von ihr erfuhr ich erst, was Sie bestimmt, aus der Heimat fortzugehen. Da schoß es mir sofort durch den Kopf: Welch glückliches Zusammentreffen! Sie wären ja ganz die Persönlichkeit, wie meine Freundin sie braucht! Und andererseits, Sie fänden hier einen Wirkungskreis, der Sie voll befriedigen könnte. Sie brauchten so nicht den ungewissen, folgenschweren Schritt in die Fremde zu tun — Sie blieben der Heimat erhalten. Das war sofort mein Gedanke, auch Tante Marie stimmte mir gleich aufs lebhafteste bei, nun imt> so erlaube ich mir dann, Sie telegraphisch herzubitten. Hoffentlich sind Sie mir nicht böse über die Dringlichkeit?" Sie sah ihn mit einem aufleuchtendcn, bittenden Blick an. „Ich würde mich ja so freuen, wenn ich meiner Freundin bei ihrem Borhaben helfen könnte. Ich habe mir sogar schon erlaubt — allerdings etwas voreilig, nicht wahr? — ihr von Ihnen zu sprechen, in der Freude über meinen glücklichen Einfall. Wenn Sie mich nun doch nicht im Stich lassen wollten! — Wäre denn das wirklich nichts für Sie?"
Ihre Miene überschattete sich, denn sie hatte gesehen, wie sein Gesicht immer ernster und ernster wurde. Bun erwiderte er langsam:
„Ich danke Ihnen, daß Sie an mich gedacht haben. Und Sie haben recht, diese Tätigkeit könnte mich wohl locken, aber — es ist nun zu spät, um diesen Vorschlag anzunehmen."
„Warum zu spät? Wegen Ihrer Meldung nach Kabul?"
Es war dies zwar nicht der ausschlaggebende Grund, doch Wigand nickte. Immerhin, mochte sie es so glauben!
„Aber Sie sind ja noch nicht endgültig angenommen! Wenn Sie also sofort hingingen. Ihre Meldung zurückzögen"--
Mit drängender Bitte sah siL ihn an.
Ein kurzes Ueberlegen — er konnte ihr doch seine innersten Empfindungen nicht preisgeben — dann sagte er:
„Wenn auch noch nicht offiziell übernommen, so darf ich doch so gut wie sicher auf meine Einstellung rechnen. Ich habe mich in der Sache angelegentlich bemüht, es wäre mir also höchst peinlich — kurzum, ich kann nicht mehr zurück!"
Entschlossen sagte er es. aber Ursula gab den Kampf noch nicht verloren: warm stellte sie ihm vor:
„Aber das kann doch nicht in Betracht kommen, wo es sich um Ihre ganze Zukunft, um Ihr Le- bensglück handelt!"
„Mein Lebensglück?" Es wetterleuchtete in seinem Gesicht auf, und sein schmerzerfüllter Blick brannte auf ihren Zügen. Cs war. als ob er noch etwas hatte sagen wollen, aber dann zuckte er die Schultern und blieb stumm. Doch der bittere Ton und diese Gebärde hatten ihr genug gesagt: sie wußte nun. was ihn in Wahrheit hinaustrieb.
Einen Augenblick rang Ursula, sehr blaß geworden, mit ihrer Scheu: aber sie hatte es sich gelobt: sie wollte alte Schuld gutmachen, also fort mit allen kleinlichen Bedenken! Unö so sprach sie:
„Ich verstehe Sie, und glauben Sie mir: Ich verstehe Sie ganz. Denn ich teile Ihr Los — auch ich habe ein verlorenes Glück zu beklagen." Einen Augenblick schwieg sie, schwer atmend. „Aber darf uns das bestimmen, uns selber aufzugeben, uns irgendwohin treiben zu lassen — aufs Geratewohl? Bein, wir haben die Pflicht gegen uns selbst, uns durchzukämpfen, nach dem Ziel, wohin uns unsere Lebensaufgabe weist! Die Ihre fordert es wirklich nicht, daß Sie sich in ein abenteuerliches Dasein, in ein Spiel um Gesundheit und Leben stürzen — nun, wo sich Ihnen unvermutet so aussichtsreiche Möglichkeiten bieten. Ich kann es mir auch nicht denken — ich kann mich nicht so in Ihnen täuschen: Sie sind doch Manns genug, sich nicht von Stimmungen treiben zu lassen. Ihr Wille ist stärker — Sie werden tun, was die Pflicht gegen sich selbst, gegen die, die Ihrer ärztlichen Kunst in der Heimat bedürfen, Ihnen vorschreibt! — Habe ich nicht recht?"
Wigand antwortete nicht gleich: fast finster blickte er vor sich hin. Stimmungen, hatte sie gesagt. Stimmungen! Ahnte sie denn nicht, daß es etwas anderes tief Wurzelndes war, das ihn forttrieb aus der Heimat, aus ihrer Bähe? Ie mehr sie sich ihm jetzt wieder aufschloß in ihrein Wesen, desto schmerzlicher empfand er es: Das alles war einst dein, ist dir nun verloren! Das war es ja! Er fühlte nicht die Kraft, in ihrer Bähe zu leben, um immer nur an den unvergeßlichen Verlust erinnert zu werden.
Und doch, wie sie eben so zu ihm sprach, wie sie sich als seine Leidensgenossin hinstellte, die an demselben unstillbaren Weh litt, wie sie ihm in Kameradschaft die Hand bot, wie sie ihm stark und hoheitsvoll voranschritt auf dem Wege entsagungsvoller Pflicht — wollte er da zurückbleiben, wollte er schwächer sein als sie?
Sein Blick suchte den ihren, und ihr Auge hielt ihm mit einem klaren Ausdruck stand: „Bist du der, für den ich dich halte, so zaudere nicht länger!" Da war es entschieden: Sie sollte sich nicht in ihm getäuscht haben — er folgte ihr auf dem Wege, den sie ihm wies!
Bewegt streckte er ihr seine Rechte hin:
„Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihren Vorschlag und für Ihre Meinung von mir! Ich hoffe, mich Ihrer würdig zu erweisen. Ich nehme Ihr Anerbieten an."
Froh erwiderte Ursula seinen Händedruck.
„Ich wußte es ja! Wie ich mich nun freue, für Sie — und für meine Freundin!"
„Das heißt, wenn ich Fräulein von Rommertz auch wirklich zusage, — die von ihr gesuchte .sympathische Persönlichkeit bin! Wir machen hier doch eigentlich die Rechnung ohne den Wirt."
„O, dafür stehe ich!" Ursula versicherte es eifrig. „Meine Freundin urteilt ganz so wie ich. — Aber nun müssen wir doch gleich Tante Marie die frohe Beuigkeit mitteilen. Bur einen Augenblick! Gleich bin ich mit ihr wieder da."
Ihm mit freudegerötetem Gesicht noch einmal zuwinkend, eilte sie leichtfüßig aus dem Zimmer. In der Herzensfreude, daß ihr das schwere Werk glücklich gelungen, war sie wieder ganz jugendlich geworden.
Ernst sah Wigand der davoneilenden, noch so mädchenhaften Gestalt nach. Wohl empfand er voll die bestrickende Anmut ihres Wesens: aber dies Empfinden sollte kein Sehnen mehr bei ihm wachrufen. Wie eine gute Kameradin, wie eine Schwester wollte er sie fortab nur noch betrachten — wunschlos!
21. Kapitel.
„So! Bun ist's aber genug! Das Fieber ist vollkommen heruntergedrückt, der Puls wieder normal — die Gefahr vorüber. Ietzt bedarf's Ihrer Hilfe nicht mehr. Die Patientin wird ein paar Stunden festen Schlaf haben. Für alle Fälle werde ich die Schwester noch anweisen, öfters mal nach ihr zu sehen. Kommen Sie — Sie haben die Ruhe wahrhaftig nötig nach diesen letzten, schweren Rächten!"
Wigand wollte Ursula mit sanfter Gewalt aus dem Zimmer führen, dessen Bewohnerin, den Kopf in die Kissen gedrückt, nunmehr im Schlummer lag. Ursula stand noch am Bett, mit unhörbaren Griffen die Tücher und Binden wegräumend, die sie zu Umschlägen für die Patientin benutzt hatte.
Seit acht Tagen vertrat Ursula die Freundin in ihren Funktionen als Oberin in der Klinik, da Fräulein von Rommertz eine dringende Reise in Familienangelegenheiten hatte antreten müssen. Ursula hatte gern die Gelegenheit benutzt, wieder einmal ihre Kenntnisse als Pflegerin zu betätigen, die sie während des Trauerjahres hatte ein- rosten lassen. Mit Eifer hatte sie sich aller Geschäfte der abwesenden Oberin angenommen: daneben hatte sie aber auch noch, trotz aller Mahnungen Wigands, persönlich eine Pflege übernommen.
Cs war allerdings ein ganz besonderer Fall, der ihr naheging. In der Klinik befand sich nämlich eine junge Frau mit zwei reizenden, kleinen Kinderchen, die an Diphtherie erkrankt gewesen waren. Bun waren sie fast wieder ganz hergestellt, da war aber plötzlich die Mutter selbst, die in rührender Aufopferung nicht von ihrem Krankenlager gewichen war, erkrankt, und zwar ungewöhnlich ernst. Ein paar Tage hatte die junge Frau in schwerer Gefahr geschwebt, bis heute nacht endlich die Krise eingetreten war
und nun sich alles wieder zum Guten kehren würde. Ursula hatte es sich nicht nehmen lassen, persönlich diese Patientin zu pflegen, die sie der Kinderchen wegen liebgewonnen hatte. Mtt be» wundernswerter Hingabe hatte sie ihre Zeit und Sorge zwischen Kindern und Mutter geteilt; den ganzen Tag war sie um diese oder jene, die Bächte aber brachte sie am Bett der schwer fiebernden Mutter zu.
Cs waren in der Tat so unerhörte Strapazen gewesen, denen sich Ursula freiwillig unterzogen hatte, und Wigands Mahnung zur Schonung ihrer Kräfte war nur zu berechtigt. Doch sie konnte sich auch jetzt nicht entschließen, ihr zu folgen.
„Lassen Sie mich doch hier bleiben!" bat sie Wigand. „Habe ich solange hier alles allein besorgt, wird es die paar Stunden ja auch noch gehen. Sie wissen doch, wie sehr ich an der kleinen Frau hier hänge! — Ich verspreche Ihnen auch, mich niederzulegen." Sie wies, ihn beschwichtigend, zur Chaiselongue hin. „Ganz gewiß, ich werde schon schlafen — nur zur Hand sein möcht' ich, für alle Fälle!"
Wigand gab ungern nach. „Das wird doch kein vernünftiger Schlaf, das kenn' ich schon. Aber wenn Sie durchaus wollen! Doch Sie müssen sich wirklich legen — gleich, sonst glaub' ich s Ihnen nicht!"
„Bun, wenn Sie es beruhigt!" Ein leises Lächeln flog über Ursulas Gesicht, und sie trat gehorsam zur Chaiselongue und legte sich nieder.
„Recht so!" lobte er und nickte ihr zu. „<5ie müssen sich mir erhalten. Was sollte ich anfangen, wenn Sie mir auch noch zusammenklappen wollten?" Fräulein von Rommertz mußte voraiMicht- lich noch eine volle Woche fortbleiben. „Und wir haben uns doch so schön eingearbeitet — nicht? Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell Sie sich hier hineingesunden haben! Ich muh Ihnen ganz offen sagen: Ich arbeite lieber mit Ihnen, als mit Fräulein von Rommertz. Sie ahnen ja förmlich schon immer, was ich will."
Eine feine Röte stieg in Ursulas Antlitz, eine Röte des Stolzes, des Glücks über sein Lob. Sie nahm seine Worte ganz so auf, wie sie gemeint waren, als eine nur vom Arzt der Oberin ausgesprochene Anerkennung, bei der alles Persönliche ausgeschaltet war. Während Wigand so sprach, war er zum Fenster gegangen, um die Vorhänge dichter zu schließen, und trat jetzt an die Chaiselongue. Vorsorglich zog er die Decke höher über ihre Schultern, und nun reichte er ihr noch ein Kissen zu, das im Sessel gelegen hatte.
„Sie liegen ja so hart."
„Vielen Dank!" Ursula sagte es leise. Diesmal vermied sie es, ihn anzusehen, sondern kehrte den Kopf nach der Wand zu. In dieser Fürsorge für ihre Person — so schien es ihr — lag doch mehr, fast eine geheime Zärtlichkeit.
„Recht gute Ruhe denn!" Im Fortgehen wünschte er es ihr, dann tat sich leise die Tür hinter ihm zu. (Fortsetzung folgt.)
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