Für Italien und Deutschland, für ganz Europa wichtig ist, daß die Faschisten hier wie dort nicht nur die gleiche nationale Auffassung haben, sondern daß auch ihre außenpolitischem, Ziele parallel laufen. Auf eine knappe Formel gebracht: Gegen die französische Vorherrschaft, gegen die Verewigung der Friedensverträge, für die Beseitigung der Kriegstribute, für .eine gerechte Verteilung der Kolonien! Die Interessengemeinschaft des deutschen und italienischen Volkes ist bereits in dieser Stunde eine Tatsache. Iede innenpolitische Betrachtung beiseite lassend, ergibt sich gegenwärtig für die Diplomaten ein ungewohntes Schauspiel: sie sehen, wie ein Staat der Entente die Interessen Deutschlands wahrnimmt und verteidigt. Ein fremder Mann nimmt den ängstlich nach der französischen Gouvernante zurückblickenden blonden Knaben bei der Hand, um ihm den Weg zur Freiheit zu zeigen.
Denn das ist das Charakteristikum des „stürmischen nationalen Aufschwungs Deutschlands", um mit Mussolini zu sprechen, das außenpolitische Echo, nicht die innenpolitisch-parlamentarische Algebra. In Rom interessiert es wenig, wie die deutschen Rechtsparteien heißen und wieviel Sitze zu haben, man fragt nur ungeduldig: wann werdet ihr bündnisfähig fein? Bald, bald, hofft der Duce und gibt folgenden Befehl aus: „Deutschland hat nur die Wahl zwischen Faschismus und Bolschewismus und schon ist es auf und daran, seine Wahl zu treffen. Es hat sein gefoltertes, aber entschlossenes Antlitz, seinen stolzen unzähmbaren Geist gezeigt. Gibt es noch jemand, der davon träumt, ihn vernichten zu können? Ist noch jemand da, der glaubt, daß der Voungplan erst 1988 fallen und die Verträge in alle Ewigkeit dauern werden? Italien gibt sich keiner Täuschung hin, es überstürzt nichts, aber es bereitet s ich v o r!"
Worauf bereitet es sich wohl vor? Krieg gegen Frankreich? In Italien sagen sie bei weitem leichter Ia als in Deutschland, wo sie mit Recht zögern, denn es ist klar, daß der Römer nicht bloß um der schönen Siegfriedaugen so freundlich ist, sondern eine Rückensicherung braucht. Roch hätte Frankreich leichtes Spiel, wenn es das Schicksal wenden will — es braucht nur sein Kriegsziel, das Selbstbestimmungsrecht der Rationen, hochzuhalten und dem Unterlegenen zu gewähren. Dann wäre Friede in Europa. Soll die Drachensaat von Versailles in die Halme schießen oder noch beizeiten gemäht werden? Das ist die einzige Frage, mit der man sich in Genf beschäftigen sollte. Man wird eS nicht tun, und so geht alles seinen Lauf.
Der Faschismus ist ein Exportartikel geworden. Vielleicht gehen jetzt doch so manchem, der das Mussoliniwort aus dem Zusammenhang riß und somit falsch verstand, die Obigen auf. Während man im Reichstag mit der berühmten Fieber- haftigkeit neue Sitzplätze einbaut, jubelt man im Süden über das „neue Deutschland" und donnern die Geschütze am Mont Cenis. Das ist der Krieg! hat ein Mann von Bedeutung in Rom gesagt, als Frankreich die großen Manöver begann, in Genf aber gefällt man sich in „launigen Trinksprüchen". Daher sind das die Friedensfreunde und die andern, die auf die stündlich näher rückende Gefahr aufmerksam machen, die Chauvinister und Kriegshetzer. Es gehört zur Aufgabe eines objektiven Beobachters, Tatsachen fest- zustellen und nicht zu verschleiern. Auch dann und erst recht, wenn man selber das Ideal in einer friedlichen Volksgemeinschaft und einer Friedensvase erblickt, wie sie etwa das Glück der Schweiz ist.
Aus der provinziashaupistadi.
Gießen, den 27. September 1930.
Oas Kräutlein Geduld.
Der elfjährige Fritz hatte zum Geburtstage auf seinen Wunsch einen schönen Märklin-Baukasten bekommen und spielte zunächst sehr eifrig damit. Es währte aber nicht lange. Erforderte der Bau eines Modells einmal ein wenig mehr Geduld, so warf er kurz entschlossen alles unwillig in die Ecke, fing etwas anderes an und brachte auf diese Weise niemals etwas Richtiges zustande. Die Eltern erlebten hier dieselbe Enttäuschung wie in seinem Klavierspiel: er übte eine Viertelstunde, dann war er fertig. Aehnlich war es bei seinem etwas jüngeren Schwesterchen. Sie hatte im Garten ein kleines Beet bekommen, auf dem sie selbst gesät hatte: kaum aber hatten die Blumen die Köpfchen herausgesteckt, als die Mutter eines Tages sah, wie die Kleine die zarten Knospen mit den Fingern öffnete, weil sie das Blühen nicht erwarten konnte. Ebenso mußten die Eltern ihr immer und immer wieder klar machen, daß sie, wenn sie vom Vater etwas wollte, diesen nicht mitten in der Arbeit stören dürfe, sondern warten muffe; und daß sie auch nicht in die •Unterhaltung der Großen mit ihren eigenen wichtigen Mitteilungen und Wünschen sich störend hinein» drängen ttirfe, for^csn sich einige Minuten gedulden müsse, bis sie zu Worte käme. Kleine alltägliche Szenen, wie sie sich in jeder Familie abspieien und wie sie bei der impulsiven, raschen Art der Iugend auch verständlich sind!
Aber das Leben? — Goethe hat einmal zu Eckermann gesagt, das Rotwendigste, was man zu einem glücklichen Leben brauche, sei die Geduld. Gerade für unsere Zeit mit ihren so verwickeltet! Lebens- und Arbeitsbedingungen gilt kein Wort mehr als dieses! Wer das Kräutlein Geduld besitzt, hat den Erfolg. Dem Hastigen, Rervösen, -Ungeduldigen versagt er sich so oft. Rur wer es versteht, abzuwarten und reifen zu lassen, vermag sich vor Enttäuschungen zu bewahren und meistert das Leben.
Ist er daher richtig, dem Kinde alle Wünsche zu erfüllen, die es bei dieser oder jener Gelegenheit äußert? Doch wohl nicht! Wie viele versagt uns das Laben, wie viele müssen wir zurückstellen und aufschieben um anderer Rotwendigkeiten willen! Der am besten für das Leben Erzogene ist ja nicht der, der ungeftüm alle Genüsse beansprucht und gewöhnt ist, seine Wünsche alle sofort erfüllt zu sehen, sondern der, der das Kräutlein Geduld besitzt, der warten, entbehren unter Umständen sogar vernichten Fann. Das ungeduldige Wegwerfen und Aufhören, das zornige Zerreißen und Zerschlagen, wie es Kinder so oft an Spielzeug und ähnlichem üben, das sich ihrem Willen nicht sofort fügt, — dagegen sollten die Eltern anfämbfen und das Kind verständnisvoll zur allmählichen Beherrschung seines Temperaments anleiten. Diese sittliche Kleinarbeit am Ich ihres Kindes kann später nur die besten Früchte tragen. Das Beispiel großer, tempera- mentb oller Männer, die nur auf diesem Wege ihre hohen Ziele erreichten, kann hier führend wirken. Es fei nur auf Graf Zeppelin Angewiesen,
Die Zirkusstadt Sarrasanis in Gießen.
Aus dem Trieb bei der Volkshalle zu Gießen ist im Verlaufe von wenigen Stunden eine riesige Zelt- und Wagenstadt erstanden. Der weite Platz, für die kurze Zeit der Anwesenheit dieser Stadt in Gießen mit einem Zaun umgeben, beherbergt eine geradezu verwirrende Fülle von Sehenswürdigkeiten. Der Zirkus Sarrasani hat hier seinen Standort während seines viertägigen Gastspiels in Gießen. Auf gestern Rachmittag war die Presse aus Gießen, Oberhessen und aus den angrenzenden preußischen Gebieten zu einer Dorbesichtigung dieser großartigen Zirkusstadt eingeladen. Treffpunkt: das riesige Zirkuszelt. Ein Dau von beispielloser Gröhe. Rund zehntausend Menschen finden darin Platz. Und nur eine Manege; bewußt und richtig I Denn das System der zwei oder drei Manegen verwirrt und beeinträchtigt den Besucher in dem erhofften Genuß, weil er den Vorführungen in ihrer Gesamtheit ja gar nicht folgen kann. Aber diese Manege hat einen Durchmesser von 17 m und ist damit die größte der Welt. Rach einigen informatorischen Mitteilungen eines Vertreters der Presseabteilung Sarrasanis über den Aufbau dieses Spielzeltes beginnt unter der Führung von drei Herren der Prefseabteilung der
BesichiigungSrun-gang
durch die einzigartige Dier-Tage-Staöt. Zunächst geht es unter den Sitzaufbauten des Spielzeltes entlang, wobei man Gelegenheit hat, sich von der Stabilität dieser imponierenden Aufbauten zu überzeugen. Es folgt ein Blick in die umfangreiche eigene Lichtmotoren-Anlage, die den Strom für die rund 15 000 Lampen des Zirkus erzeugt. Dann gehts zur eigenen Feuerwehr Sarrasanis, die eine Motorfeuerlöschspritze mit einem ständigen Wasservorrat von 6000 Litern im Kessel der Motorspritze mit sich führt und aus 14 ausgebildeten Feuerwehrleuten unter der Leitung eines eigenen Branddirektors besteht. Hierauf folgt die Wanderung durch den riesigen Wagenpark. Rund 175 Fahrzeuge aller Art, große Motor-Lastwagen, Wohnwagen, Materialfahrzeuge usw. Alle in mehreren Reihen gestaffelt und in peinlicher Ordnung aufgefahren. Ein sehr eindrucksvolles Bild. Bei diesem Teile der Besichtigung macht man aus nächster Rähe Bekanntschaft mit den erchenIndianern, den Rif- k a b y l e n und einigen anderen Vertretern der exotischen Welt. Rur Einzelheiten kann man aus dieser Fülle von Sehenswürdigkeiten erwähnen, da alles andere viel zu weit führen würde. Ein Blick in die reich ausgestatteten Garderobenräume, in das gefüllte Sattelzeug-Depot. Dann werden die Sarrasani- Girls besucht und dabei auch einer ihrer Wohnwagen, schmuck wie eine große Puppenstube, besichtigt. Sodann geht's in das Reglern ngs- viertel: die Wagenburg der Verwaltung mit ihren vielfachen Abteilungen. Hierauf folgt die Inaugenscheinnahme der großen Tierschau: etwa 200 Pferde, eine Anzahl Kamele, zahlreiche Watussi-Rinder aus Zentralafrika, 21 indische Elefanten, 12 indische Königstiger, 78 Löwen, kalifornische Seelöwen und das Nilpferd „Oedipus" usw. usw., durchweg alles Prachtexemplare in beftem Ernährungszustand und in sehr guter Stallpflege. Ein prächtiger Anblick für den Besucher und ein ehrenvolles Zeugnis für die tierfreundliche Sorgfalt der Zirkusleitung und der Tierpfleger.
Heber eine Stunde hat der Rundgang gedauert, bei dem man überall hin nur einen kurzen Blick werfen kann, da sonst die Zeit nicht ausreicht bis zum Beginn der Eröffnungsvorstellung. Alles Geschaute hinterläßt den besten Eindruck, ist für den Besucher eine wertvolle Bereicherung seines Wissens, für S t o s ch - S a r r a s a n i ein Ruhmesblatt feines Könnens und Unternehmens!
Oie Eröffnungsvorstellung.
Tausende von Menschen strömten gestern abend von allen Seiten her nach dem Trieb. Die Reichsbahn hatte verstärkten Verkehr eingerichtet, alle Kraftomnibuslinien der Umgegend erschienen mit einem Massenaufgebot von vollbesetzten Wagen, selbst aus Dillenburg, Marburg, aus dem Lahntal waren vollbesetzte Kraftomnibusse eingetroffen, dazu Hunderte von Personenautos, Motorräder und Fahrräder, alle nur mit dem einen Ziel: Sarrasani!
Zum Empfang der Tausende hatte die argentinische Militärkapelle, die vom argentinischen Kriegsminifterium zur Reise mit Sarrasani beurlaubt ist, vor dem Spielzelt in einer offenen Musikhalle Aufstellung genommen und begrüßte hier die Gäste mit schneidigen Weisen. Als kurz nach halb acht Uhr die Darbietungen begannen, war der rund 10 000 Zuschauer fassende Riesenraum ausoerkauft; etwa 1 Dutzend unbesetzter Logenplätze, die teuersten im Raume, fallen natürlich bei rund 10 000 Plätzen nicht ins Gewicht. Vor diesem ausverkauften Hause leitete die argentinische Militärkapelle unter der Stabführung des Generalmusikdirektors Cesar Sesso den Abend mit schneidiger Marschmusik ein, deren erster Teil in dem Spiel der deutschen Nationalhymne ausklang, das die Besucher stehend anhörten. Nach einer weiteren kurzen musikalischen Darbietung folgte dann ein Programm, wie wir es in gleicher künstlerischer Vortrefflichkeit und Qualität hier noch nicht gesehen haben.
Eine eindrucksvolle Parade aller Mitwirkenden, der Aufmarsch der 37 Rationen, als Gruß an die Stadt Gießen eröffnete den Reigen der zirzensischen Geschehn sse und bot ein Bild von so einprägsamer Schönheit und Vielseitigkeit, daß man nur ehrlichste Bewunderung empfinden konnte. Im weiteren Verlaufe des Programms sah man ausgezeichnete Kameldressuren, atembeklemmende Reiterkunststücke von Vertretern der Steppenvölker Ostasiens, den brodelnden fernen Osten dargestellt von einem Massenaufgebot chinesischer Artisten mit geradezu unübertrefflichen akrobatischen Leistungen vielseitigster Art, glänzende Pferdedressuren, bewundernswerte Schulreitkunst, entzückende Dressuren mit kanadischen, kalifornischen und japanischen Seelöwen, die fesselnde Sarrasani-Amerika-Schau „Wildwest", sehr spannungsvolle Löwendressuren, die fliegenden Menschen am Trapez und am Hochreck mit ihrem Potpourri hoch in der Zeltkuppel, einem sehr spaßigen Clownakt, dann Direktor Stosch-Sarrasanis bewunderungswürdige Elefantendressuren, ein kaleidoskopartig in 6unten Bildern sich abwickelndes „Hoftheater des Mikado" und eine Fata Morgana mit vielseitigsten und buntesten Bildern aus dem Morgenlande und aus Nordafrika.
Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, aus den Gruppendarbietungen Cinzelleistungen hervorzuheben, ebenso ist es nicht möglich, irgendeine Darbietung mit besonderem Vorzug vor den übrigen auszuzeichnen, da alle Leistungen in gleicher Weise höchstes Können auf dem betreffenden Arbeitsgebiete der Zirkuskunst offenbarten und mit einer Eleganz, Gewandtheit und Sicherheit zur Vorführung tarnen, die einfach staunenswert waren. Daß das Publikum angesichts solcher zirzensischen Spitzenleistungen alle Darsteller mit wahren Deifallssalven überschüttete, ist in keiner Weise verwmrderlich. Man sagt in der Tat nicht zuviel, wenn man behauptet, daß Sarrasani mit seinen Künstlern und mit seinem wunderbar dressierten Tierapparat ohne Frage an der Spitze der Zirkusunternehmungen marschiert und in anerkennenswerter Weise auch hier eine Zirkuskunst darbietet, die für die Besucher geradezu ein einzigartiges Erlebnis ist.
der, wie Carl Ludwig Schleich in seinen Lebenserinnerungen (Besonnte Vergangenheit) erzählt, zu diesem einmal äußerte: „Ich habe als Iunge soviel rote Ballons gekauft, als mir nur irgend erreichbar waren, und habe sie aneinanderge- bunden und mit Papier belastet, um ein schwebendes Gleichgewicht äu erzielen. Es ist mir rricht geglückt, aber — den Zeppelin habe ich doch erfunden."
Und wir Eltern? — Haben wir alle das Kräutlein Geduld gepflückt, leben wir hierin der Iugend stets ein Beispiel vor, und nehmen wir nicht vielmehr als „Große" so oft geradezu das Recht auf Ungeduld für uns in Anspruch? Wie viele pädagogische Mißgriffe sind schon aus unserer eigenen Ungeduld geflossen! Wir stellen an die Jugendlichen geistige Anforderungen, die er für sein Alter noch gar nicht zu erfüllen vermag, wir werden ungeduldig, wenn er nicht dieselbe rasche Auffassungsgabe und Kombinationsfähigkeit zeigt wie wir, beachten aber nicht, daß er ^toar langsam, ja schwerfällig auffaßt, dafür ledoch ein äußerst gründlicher und zuverlässiger Denker und Arbeiter ist. Wir bekämpfen feine Ungezogenheiten mit Kanonen und bedenken nicht, daß sie wie (Stengelblätter einer Pflanze fein können, die nach und nach von selbst abfallen. „Von deinem Georg habe ich immer das Beste gehofft", schreibt Goethe mit Bezug hierauf an feinen Freund Iacobi, „und ich war unzufrieden mit euch, daß ihr immer unzufrieden mit dem Kinde wäret. Ein Blatt, das groß werden soll, ist voller Runzeln und Knittern, ehe es sich entwickelt; wenn man nicht Geduld hat und es gleich glatt haben will wie ein Weidenblatt, dann ist es übel!" Das Schlimmste aber, wenn Eltern nur darauf ausgehen, die Entwicklung ihres Kindes möglichst zu beschleunigen, wenn sie das frühreife, altkluge Kind züchten, das in Wirklichkeit niemals Kind fein durfte; war es doch von all der Kinder- seligkeit, von dem tausendfachen Frohsinn, wie er aus unbeschränktem Spiel, aus Kameradschaft, aus gemeinsamem Freundschafts- und Spielerlebnis fließt, ausgeschlossen, da söine Eltern dafür niemals Verständnis hatten. Derartige Eltern können es nicht erwarten, bis ihr Kind ein junger „Herr" oder eine junge „Dame" ist. Leider merken sie aber nicht, wie steif und humorlos ihre herangewachsenen Kinder im Vergleich zu anderen oft sind und wie ihnen jede Frische, Lebensfülle und Ursprünglichkeit, das Schönste an einem Menschen, fehlt.
Es schließt für Eltern wie für Kinder ein gutes Stück Lebenskunst in sich, das Kräutlein Geduld! Und ist nicht ein reiches Matz Lebens- kunst das Beste, was wir unserer Iugend mit auf den Weg geben können? Dr. K. W.
Theaierwerbetag in Gießen.
Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Das Stadttheater Gießen veranstaltet morgen «einen Theaterwerbe - t a g. Bürgermeister Dr. Seib, der für den leider dienstlich verhinderten Oberbürgermeister Dr. Keller spricht, sowie Intendant Dr. P r a s ch werden in kurzen, aber eindringlichen Ansprachen auf die unbedingte Rotwendigkeit der Erhaltung des Theaterbetriebes überhaupt und speziell hier in Gießen Hinweisen. Die hiesige Bühne ist die einzige Bühne der Provinz Oberhessen, dazu das Theaterinstitut der Hessischen Landesuniversität. Durch die bisherige wirtschaftliche Verwaltungspolitik, sowie die hervorragende künstlerische Arbeit ist das Theater in Gießen vielleicht die einzige Bühne im ganzen Reich, an der 12 Monate hindurch pausenlos gespielt wurde. Eine eventuelle Schließung des Gießener Stadttheaters würde eine weitere, nicht unerhebliche Verschlechterung des hiesigen Arbeitsmarktes bedeuten. Außerdem kann und darf aus Prestigegründen für Land, Provinz und Stadt diesem Gedanken, der einen durch wirtschaftliche Sorgen bedingten Grund haben könnte, nicht Raum gegeben werden. Wir wenden uns deshalb an die kunstliebende Bevölkerung mit dieser Werbeveranstaltung. Wenn das Publikum an dem bisher gezeigten Gemeinsinn festhält, dann wird es mit vereinten Kräften nicht schwer- fcllen, das Gespenst der eventuell drohenden Theaterschließung zu bannen. Der Theaterwerbe- tag erhält durch Die Mitwirkung des Gießener Orchestervereins eine besondere künstlerische Rote. Unter Leitung von Universitätsdirektor Dr. Te- mesv a rh gelangen der 1. Sah der Jupiter- Svmphonie von Mozart sowie die Freischütz- Ouvertüre von Weber zur Aufführung. Der Eintritt kostet auf allen Plätzen 30 Pfennig. Der Beginn der Veranstaltung wird auf 11.30 Uhr festgesetzt.
Oas Lustschiff „Graf 3eppelmz/ kommt nach Gießen.
Die Verkehrsabteilung der Luftschiffbau Zeppelin G. m. b. H. in Friedrichshafen hat dem Kreisamt Gießen mit» geteilt, daß eine Zeppelinlandung in Gießen für das Jahr 1931 vor» notiert wurde. Der genaue Termin kann erst auf Grund der Zeiteinteilung des Fahrtenpro- gramms int Laufe des Winters bestimmt werden. Oie Ladengeschäfte sind morgen offen.
Wie das Polizeiamt Gießen mitteilt, ist für alle Geschäftszweige des Handelsgewerbes in der Stadt Gießen der ©etoetbcbetsleb in
offenen Verkaufsstellen, die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern am Sonntag, 2 8. September, jeweilig nur entweder in der Zeit von 13 bis 15 Uhr, oder von 15» bis 17 Uhr gestattet.
Bornotizen.
— Tageskalender für Samstag. Zirkus Sarrasani: 15 Uhr: Familienvorstellung; 19.30 Uhr: Fcstoorstellung. — Erste Reichskurzschriftgesellschaft „Gabelsberger": Vereinsabend, in der „Stadt Lich". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Prozeß ber Hauptmanns Dreyfus". — Astoria-Lichtspiele: „Dis Präriefalle" und „Die Nacht nach dem Verrat".
— Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: Theater-Werbetag, 11.30 bis 12.30 Uhr. — Evangelische Petrusgemeinde: Gemeindetag, 14.30 Uhr, im Philosophenwald. — Sarrasani: 15 Uhr: Familienvorstellung, 19.30 Uhr: Festvorstellung. — Spielvereinigung 1900: leichtathletische Vereins» Meisterschaften, 14 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Prozeß des Hauptmanns Dreyfuß". — Astoria-Lichtspiele: „Die Präriefalle" und „Die Nacht nach dem Verrat".
*
•* Beginn der Winterspielzeit im Stadttheater. Am Mittwoch--4._Oktober, beginnt die Winterspielzeit 1930/31 des Gießener- Stadttheaters mit der Erstaufführung von Carl Zuckmayers „SchinderHannes". Die Figur des Räuberhauptmannes Johannes Bückler, genannt der Schinderhannes, der um 1800 die Pfalz, Rheinhessen und den Hunsrück unsicher machte, ist zu einer legendären Gestalt des rheinischen Volkstums geworden. Zuckmayer, der mit dem „Fröhlichen Weinberg" und „Katharina Knie" das Dolksstück wieder auf das moderne Theater brachte, hat die Dramatisierung dieses Stoffes mit neuzeitlichen Dühnenmitteln vorgenommen. Die Aufführung wird von JntendantDr.P r a s ch als Regisseur geleitet, der in dieser Inszenierung besonderen Wert auf die genaueste Ausarbeitung der zahlreichen Massenszenen legt. Die Titelrolle spielt Jochen Hauer. Don den Damen wirken mit Doering, Jahn, Jüngling, Wielander; von den Herren das gesamte Solopersonal.
•* Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei gewöhnlichen Eintrittspreisen geöffnet.
" Auszeichnung eines Lebensretters. Der Zeichner Friedrich L e s ch h o r n von hier, Ederstraße 6 wohnhaft, wurde vom hessischen Minister des Innern minder Rettungsmedaille ausgezeichnet. Leschhorn hatte im Juni 1928 den Kaufmann Otto Ruppel vom Tode des Ertrinkens in der Lahn unter eigener Lebensgefahr gerettet.
** Genossenschaftliche Viehverwcr> t u n g. Man schreibt uns: Die Werbetätigkeit für die genossenschaftliche Diehverwertung, zu der kürzlich in einer — wie berichtet — vorbereitenden Versammlung in Butzbach angeregt wurde, halte in zahlreichen Gemeinden den gewünschten Erfolg. Einige dieser Gemeinden sind geschlossen beigetreten. Ueberall zeigte die Aussprache, daß die Landwirte mit den jetzigen Zuständen des Viehabsatzes durchweg unzufrieden sind. Deshalb wird von allen Landwirten die Einführung der genossenschaftlichen Verwertung lebhaft begrüßt, um jo mehr, als der Beitritt zur Genossenschaft keinerlei Risiko für die Mitglieder mit sich bringt. Die Genossenschaft tätigt selbst keinerlei Geschäfte, sondern übernimmt lediglich die Vermittlung. Der glatte Absatz des schlachtreifen Viehs ist jederzeit gesichert, und außerdem ist der verkaufende Landwirt nach drei Tagen im Besitze seines Geldes. Letzteres ist ihm durch Transport- und Schlachtoersicherung, sowie durch den Anschluß an die Zentralgenossönschast für Viehverwer- tung Hannover auf alle Fälle sicher. Am Sonntag, 28. September, findet nachmittags 3 Uhr im „Deutschen Haus" zu Butzbach die Gründungsversammlung statt, bei der ein Referent von der Zentrale in Hannover über die Praxis der genossenschaftlichen Viehoerwertung sprechen wird. Gleichzeitig wird das Arbeitsprogramm für die Bezirksgenossenschaft bekanntgegeben. Es sei auf die heutige Anzeige hingewiesen.
*• Gewerkschaftsbund der Angestellten. Man schreibt uns: Im Rahmen des Winterbildungsprogramms hielt am Donnerstagabend in der Jugendgruppe des GDA. Gießen Geschäftsführer Mack einen Vortrag über „Hamburg und sein Hafen", der, durch intereffante Lichtbilder unterstützt, ein eindruckvolles Bild dieser alten Hansestadt vermittelte. Jährlich fahü ren hier durchschnittlich 15 000 Schiffe ein und aus, davon über die Hälfte unter internationaler Flagge und etwa ein Drittel von außereuropäischen Häfen. An Flußschiffen verkehren durchschnittlich 20 000 Fahrzeuge und lassen so die Bedeutung des Hamburger Frachtgeschäfts erkennen. Die interessanten Lichtbilder gewährten neben den aufschlußreichen Worten des Vortragenden einen guten Einblick in das stark pulsierende Leben dieser Welt-Hafenstadt.
** Oeffen11 iche Bausparkassen. Don der Bezirkssparkasse Gießen wird uns mitgeteilt: Die auf Veranlassung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und der öffentlichen Sparkassen seit einiger Zeit arbeitenden Oeffentlichen Bausparkassen, die den Landeskommunalbanken und Girozentralen angeschlossen sind (bei uns der Landeskommunalbank-Girozentrale für Hessen in Darmstadt), haben bis 30. Juni d. I. 8000 Verträge für mehr als 60 Millionen Reichsmark abgeschlossen. Hierauf wurden bisher über 5'/., Millionen Reichsmark eingezahlt und an 623 Dausparer verteilt, also der 12. Teil der insgesamt abgeschlossenen Vertragssummen, was ein sehr günstiges Verhältnis ist. Wenn auch ein Teil der zugeteilten Beträge für Ablösung teurer Hypotheken Verwendung fand, so wurde doch der weitaus größte Teil zur Errichtung von Neubauten benutzt, so daß die Oeffentlichen Baufparkafsen bereits in der kurzen Zeit ihres Bestehens den Wohnungsbau nut nicht unbe» trachtlichen Mitteln gefördert haben.
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