Rechts ist, der dem Deutschen Reichstag angehört. Die Interpretation der deutschen Reichsregierung ist also durch die deutschen Juristen felbft a l s unhaltbar hingestellt. (Lebhaftes Hört! Hört! — Rufe bei den Regierungsparteien.)
2lbg. Schlack (Zentr.): Die Annahme des Voungplans ohne gleichzeitige Sanierung der deutschen Finanzen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Parlament, das ohne eine solche Sanierung die Entscheidung über den Voungplan fällt, würde selbst seinen Bankerott erklären und seine Existenzberechtigung verleugnen. (Rufe aus der Wirtschaftspartei: »Endlich übernehmen Sie unsere Gedanken!") Das deutsche Volk kann verlangen, das) der Reichstag endlich aus der jetzigen Krisenstimmung heraus-- kommt.
Abg. Sachsenberg (Wirtsch.): Die Wirtschaftspartei hat die Verständigungspolitik immer mitgemacht, aber sie verlangt als Grundlage jeder Außenpolitik eine gesunde Wirtschafts- und Finanzpolitik. Wir können wegen des Fehlens einer solchen Politik dem Voungplan nicht zu stimmen. Der Voungplan wirkt ja selbst zwar günstiger als der Dawesplan: aber er bringt nicht die Schutzbestimmungen unserer Währung, die der Dawesplan enthielt.
Krankreich auf der Klotien- konferenz.
Der Wunsch nach neuen Sicherheils» siar-intien.
London, 10. März. (WTD. Funkspruch.) Driand ist gestern nachmittag von Chequers, wo er eine älnterredung mit Macdonald hatte, nach London zurückgekehrt. Es verlautet von sehr gut unterrichteter französischer Seite, daß Driand bei seiner älnterredung mit Macdonald und Henderson von neuem die allgemeine These vorschlug, die von der französischen Delegation feit Beginn der Konferenz vertreten worden ist. Es wird erklärt, wenn Frankreichs Wünsche in der Frage der Sicherheit befriedigt würden durch ein gemeinsames Versprechen der fünf großen Seemächte, daß sie jeden Konflikt verhindern würden, dann würde Frankreich imstande sein, die für seine Flotte geforderte Tonnage zu vermindern. Es wird darauf hingewiesen, daß die fünf Mächte 85 Prozent der Weltkriegsschiffstonnage besitzen, und daß beim Vorhandensein einer solchen Vereinbarung zwischen ihnen wenig Wahrscheinlichkeit einer Störung des Friedens bestehen würde. Die britische und besonders die amerikanische Oeffentlichkeit sind aber, so heißt es, nicht bereit, einer solchen Vereinbarung zuzustimmen. auch wenn die Franzosen der Ansicht sind, daß die Logik ihres Standpunktes unangreifbar sei. Wenn es sich als unmöglich Herausstellen sollte, während der nächsten Wochen die Engländer und Amerikaner zu einer solchen Vereinbarung zu überreden, dann wird dennoch nach französischer Auffassung die Konferenz nicht zu einem Mißerfolg verurteilt sein. Es erscheint dann als sicher, daß eine Vereinbarung über die Methode der Begrenzung der Seerüstungen erreicht werden wird, die für die Genfer Abrüstungskonferenz von großem Wert sein würde. Ferner feien alle in London vertretenen Mächte für einen „Feier- t a g" bezüglich des Baues neuer Großkampfschiffe. Sollten Großbritannien, Amerika und Japan einen Drei-Mächte-Vertrag ab- schließen, dann würde Frankreich, wie erklärt wird, keinen Einwand erheben, auch wenn es nicht selbst daran teilnehmen könnte. Indessen gilt der Abschluß eines solchen Drei-Mächte- VertrageS als unwahrscheinlich.
Oie Lleberschtvemmungs- katastwphe in Süd-Krankreich
Paris, 9.März. (TU.) Der von der Besichtigungsreise durch Südfrankreich zurückgekehrte Unterstaatssekretär Heraud äußerte sich über seine Eindrücke. Zahlreiche Dörfer in der Umgebung von Montauban seien einfach unter den Fluten verschwunden. Die Eisenbahnen seien an zahlreichen Stellen zerstört, die Böschung hinweggespült und die Schienen schwebten in der Leere. Die Ursache der Katastrophe liege in der sHnellen Schneeschmelze in den Gebirgshängen, die durch das plötzliche Frühlingswetter hervorgerusen wo.den sei. Gleichzeitig seien Gewitter und starke Riederschläge ein- getreten, die die Gebirgsfiüsse in rasende Sturzseen verwandelt hätten. Die Ueberschwemmung habe dann wie ein Zyklon die ahnungslose Gegend überfallen und ihr furchtbares Vernichtungswerk verrichtet. Dis gestern sind in M o i s - s a c 93 Opfer der Ueberschwemmung geborgen worden. Die meisten Leichen sind verstümmelt, so daß die Identifizierung große Schwierigkeiten bereitet. Die hohe Zahl der Opfer erklärt sich daraus, daß die Bewohner mittenim Schlaf vom Wasser überrascht wurden. Die um Moissac Herumliegenden Bauernhöfe haben durch die Flut ihren gesamten Viehbestand verloren.
Frankreich beging den Sonntag zum Zeichen der Teilnahme für die bei den Ueberschwem- mungen ums Leben gekommenen Lands eute als einen Landestrauertag. Die öffentlichen Gebäude und viele Privathäuser hatten die Flaggen auf halbmast gesetzt. Bälle und Festlichkeiten wurden abgesagt, die Theater veranstalteten Sammlungen zur Unterstützung der heimgesuchten südfranzösischen Bevölkerung. Die Dank von Frankreich hat sich in Zusammenarbeit mit dem Rationalverband der französischen Zeitungen an die Spitze eines großzügigen H i l f s w e r k e s für die Opfer der Ueber- schwemmungen gestellt. An der Spitze des Hilfs« ausschusses stehen der Erzbischof von Paris, der Grohrabbiner von Frankreich und der Präsident der Vereinigung der e v a n - g e l i s ch e n Kirche, der Vorsitzende des französischen Roten Kreuzes und zahlreiche führende Vertreter der Finanzwelt und Wirtschaft.
Der Präsident der Republik hat in Begleitung des Ministerpräsidenten T a r d i e u im Auto die Fahrt durch das Ueberschwem- mungsgebiet angetreten. Er besuchte die von dem Unglück heimgesuchten Städte Moissac, Montauban und Villemur und wird die Fahrt über EastraS und Carcassonne fortsetzen. Der deutsche Dotschafter v. Hoesch hat sich ins Elysäe begeben, um dem Präsidenten der Republik die persönliche Anteilnahme des Reichspräsidenten zum Ausdruck zu bringen. Generalsekretär Michel hat den Präsidenten der
Das deutsch-polnische Wirtschaftsabkommen
B e r I i n, 8. März. (CRD.) Ueber den deutsch- polnischen Handelsvertrag oder, wie er offiziell heißt, das deutsch-polnische Wirtschaftsabkommen wurden heute von zuständiger Stelle folgende Angaben gemacht: Zwei Hauptpunkte sind bei den Abmachungen von besonderer Wichtigkeit: die Abmachungen über die landwirtschaftlichen Erzeugnisse und über die Kohlenfrage. Der Vertragsentwurf enthält keine Abmachung über irgendwelche Zölle. Das bedeutet, daß der Reichsregierung oder dem Reichstage zollpolitisch die Hände nicht gebunden sind. Der Vertrag basiert auf der Gewährung der allgemeinen gegenseitigen Meistbegünstigung. Monatlich sind 320000 Tonnen Kohlen zur Einfuhr in Deutschland zugelassen. Reben dem Staatsvertrag ist ein Privatvertrag vorgesehen, der das Hereinkommen polnischer Kohlen u n - t e r den in Deutschland gültigen Preisen unterbindet.
Hinsichtlich der landwirtschaftlichen Erzeugnisse interessieren besonders die Abmachungen über die Einfuhr von Tieren und Tiererzeugnissen. Die Einfuhr und Durchfuhr von Rindvieh und Rindfleisch bleibt ausgeschlossen. Die Durchfuhr lebender Tiere bleibt überhaupt verboten. Für die Einfuhr von Schweinen haben wir ein Kontingent zu» geftan&en, das insgesamt im ersten Vertragsjahr 200 000 Stück beträgt. Vom 18. Monat der Der- tragsdauer ab erhöht sich dieses Schweine- kontingent um 75 000 Stück, und wiederum 12 Monate spater tritt eine weitere Erhöhung um abermals 75 000 Stück auf insgesamt 350 000 Stück ein. Dieses Kontingent umfaßt sowohl geschlachtete wie lebende Schweine. Schweine können auf zwei Wegen eingeführt werden: Entweder geschlachtete Schweine nach bestimmten eigens zugelassenen und in Polen bekannten Fleischfabriken, die uns in veterinärpolizeilicher Hinsicht volle Gewähr gegen Seuchengefahr bieten; lebende Schweine nur auf
dem Seewege nach Grenzschlachthöfen. Hervorzuheben ist, daß nach Ostpreußen keine Schweineeinfuhr möglich ist. Der Schweinekonsum in Deutschland erreicht alljährlich ungefähr 20 Millionen Stück. Das polnische Kontingent beträgt somit ein Prozent des deutschen Verbrauches an Schweinefleisch. Die Bemessung eines Kontingents bei den Schweinen ist ein großer Vorteil für uns insofern, als wir sonst derartige Erzeugnisse ohne Kontingentierung hereinlassen. Ein weiterer Vorteil ist es, daß wir die Frage des Seuchenschuhes geregelt haben.
Einfuhrverbote in Polen, die allen Ländern gegenüber bestehen, bleiben auch für die deutsche Einfuhr in Kraft. Auf die Einfuhrverbote erhalten wir lediglich gewisse Kontingente. Ferner haben wir von vornherein daraus gedrungen, dah wir für unsere Schiffahrtslinien in Polen Konzessionen für das Einwanderungsgeschäft erhalten. Da bei den Polen aber diese Konzessionen nur gegeben werden, wenn sie einem Bedürfnis entsprechen, die Entscheidung darüber also bei den polnischen Behörden liegt, so haben wir darüber hinaus darauf gedrungen, dah unsere größten Schifffahrtsgesellschaften, die Hapag, der Lloyd und Hamburg^Süd Konzessionen erhalten; diese sind erreicht worden.
Die Regelung des Niederlaffungs- rechts war eines der schwierigsten Kapitel bei den Verhandlungen. Die Gewährung des Nieder- lassungsrechtes betrachteten die Polen als eine politische Angelegenheit, gegen deren Aufnahme in den Handelsvertrag sie sich anfänglich stark gewehrt haben. Es dauerte lange, bis sie unseren Gesichtspunkt annahmen und sich unter schwersten Kämpfen damit einverstanden erklärten, uns dieses Riederlassungsrecht im Handelsvertrag zuzugestehen in dem Rahmen, wie es für unsere Wirtschaftsexponenten notwendig ist.
Republik, der noch in Düdfrankreich weilt, von diesem Schritt unterrichtet.
Gandhis Krecheitskampf.
London, 10. März. (TLl.) Gandhi hat nach Berichten aus Ahmedabad den Befehl zu einem Aufmarsch der Freiwilligen erlassen. Damit sott der Feldzug des passiven Widerstandes eingeleitet werden. Am Mittwoch mit Tagesanbruch werden sich in Ahmedabad etwa 100 Personen sammeln, die unter Führung von Gandhi von Ahmedabad nach Ialapur 140 Meilen entfernt marschi.rcn werden. Dir Gruppe wird 10 englische Meilen täglich zurück- legen, und von den Bewohnern der Dörfer, durch die der Zug kommt, wird erwartet, daß die Rahrungsmittel und Llnterkunstsmöglich- keiten zur Verfügung stetten. Gandhi überläßt fein Hauptquartier während seiner Abwesenheit einer Engländerin, Fräulein Madeleine S l a d e, der Tochter eines verstorbenen englischen Admirals und früheren Oberbefehlshabers des Ostindiengeschwaders, die ihr ganzes Vermögen zur Unterstützung der Freiheitsbewegung geopfert hat. — Dem Aufruf Gandhis, die Verhaftung feines Hauptmitarbeiters Patel durch einen Generalstreik zu feiern, ist in Amedabad Folge geleistet woroen. Rur einige wenige mohammedanische Geschäfte haben geöffnet. Patel hat vor seiner Einlieferung ins Gefängnis einen Aufruf erlassen, der Anweisungen für schärfere Maßnahmen im Falle der Verhaftung Gandhis enthält. Auf englischer Seite wird heute erklärt, daß noch ein letzter Versuch gemacht werden sott, Gandhi für die Teilnahme an der englisch-indischen Konferenz, die im Herbst in London ftattfinben soll, zu gewinnen.
(Spaltung in der neuen englischen Reichspartei.
London, 8.März. (WTD.) In der kürzlich von dem Zeitungsmagnaten Lord Beaver- b r o o t gegründeten „Partei des bereinigten Reiches" ist eine Spaltung eingetreten, und die Treuhänder der Parteikasse haben beschlossen, alle eingegangenen Gelder an die Spender zurückzuzahlen. Die Spaltung kommt zum Ausdruck in einem Brief des Besitzers der „Daily Mail" Lord Rotherrnere an Lord Beaverbrook. Lord Rotherrnere sagt, es müsse auf vier wichtige Ziele hingearbeitet werden, nämlich:
1. sofortige Einführung hoher Einfuhrzölle auf alle Fertigfabrikate und angemessene Subvention für die Landwirtschaft;
2. rücksichtslose Sparsamkeit bei den öffentlichen Ausgaben;
3. keine weitere Nachgiebigkeit in Indien;
4. keine diplomatischen Beziehungen mit Moskau.
Lord Rotherrnere fügt hinzu, daß ständig weitere Beitrittserklärungen zur „Partei des bereinigten Reiches" in seinen Bureaus einliefen. Lord Deaberbrook hat hierauf geantwortet, die Partei des bereinigten Reiches sei ausschllehlich gegründet worden, um auf Freihandel innerhalb des britischen Reiches hinzuarbeiten, und die bon Lord Rotherrnere bezeichneten Ziele bedeuteten ein bö11 iges Ab - weichen bon diesem Programm. Er sei mit dieser Erweiterung des Parteiprogramms nicht einberstanden und überlasse es LordRother- mere, fein eigenes politisches Programm zu entwickeln.
Präsident Tast f.
Reuhork, 8. März. (WTB.) Willian H. Taft, der bon 1909 bis 1913 Präsident der Vereinigten Staaten bon Amerika war, ist heute im Alter bon 73 Jahren gestorben. Tast war bon Haus aus Rechtsanwalt, wurde 1901 der erste Zibilgouberneur der Philippinen, 1904 bis 1908 Kriegsminister im Kabinett Roosevelt, Als Kandidat der Republikaner wurde er 1909 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Die Jahre seiner Präsidentschaft verliefen ohne große kennzeichnende Ereignisse. 1912 wurde Taft von Wilson geschlagen. Er übernahm nun einen Lehrstuhl für Staats- und Derwaltungsrecht an der QJale Universität. 3m Jahre 1921 wurde Taft zum Dundesoberrichter ernannt. Aus Krank- heitsgründen räumte er diesen Posten vor wenigen Monaten dem ehemaligen Staatssekretär Hughes ein.
Oie demokratischen Beamten zum hessichen Sparprogramm
Frankfurt a. M., 9. Marz. (WSN.) Die in der demokratischen Partei Hessens organisierten Beamten nahmen in einer gut besuchten Tagung Stellung zu den Sparmaßnahmen in Hessen. In einer Entschließung heißt es u. a.: Die demokratischen Beamten im Landesverband Hessen wenden sich mit Entschiedenheit gegen die von verschiedenen Parteien beabsichtigte Kürzung der Beamten- bezöge. Sie erblicken darin einen Vorstoß gegen die verfassungsmäßig festgelegten Beamtenrechte und gegen das Berufsbeamtentum überhaupt. Die Versammlung bekennt sich grundsätzlich zur Teilnahme an einem allgemeinen V o l k s n o t o p fe r, ofern es unbedingt erforderlich sein sollte. Der Be- chluh des Finanzausschusses des Hessischen Land- ags, die K i n d e r z u l a g e n für Kinder von 16 bis 21 Jahren zu streichen, verstößt gegen den Geist des Gesetzes vom Jahre 1920. Die Kinderzulage wurde als soziale Maßnahme geschaffen, um wenigstens den Familien das Einkommen zu gewähren, das man den Unverheirateten oder kinderlos Verheirateten mit Rücksicht auf die Rot der Zeit nicht geben konnte. Die Fraktion soll gehalten sein, sich an keinem Kompromiß zu beteiligen. Die Versammlung ist ferner der Auffassung, daß jeglicher weiterer Schulabbau vermieden werden muß. Der Volksstaat sollte jede Ersparnis, die zu Lasten der Heranwachsenden Generation geht, unter allen Umständen ablehnen. Die Landtags- fraktivn wird ersucht, auch jeden Abbau bei der Po lizei unter das von der Entente zugelassene Maß nicht zu genehmigen, weil die Sicherheit des einzelnen und des Volksstaats heute weniger denn je einen Abbau der Polizei verträgt.
In einer außerordentlichen Hauptversammlung nahmen die höheren Vermessungsbeamten Hessens zu den aktuellen Fragen Stellung. Sie waren einmütig der Ansicht, daß die im Staatsvoranschlag 1930 vorgesehenen St eilen Verminderungen das Höchstmaß dessen erreichen, was der Reichesparkommissar als zulässig bezeichnet hat und nur tragbar ist, wenn die unter anderem vom Reichssparkommissar empfohlene Vereinigung der Feldbereinigungs - und Ver- Messungsämter zustande kommt. Es wird schließlich empfohlen, das Landesvermessungsamt gänzlich aufzuheben und unmittelbar dem Finanzministerium zu unterstellen.
Oie Eiaisberaiungen im Finanzausschuß.
Darmstadt, 6. März. (WHP.) 3m Fi- nanzausschuß wurde zunächst ein sozialdemokratischer Antrag abgelehnt, der verlangte, daß die vorgesehenen allgemeinen Grund st euerer lass c für 1929 anläßlich der großen Trockenheit nur gewährt werden sollen, wo allerschwerste Schäden festgestellt wurden. — Es folgte dann die Abstimmung über die Anträge zum Pensionsetat. Mit 9:3 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt wurde der Zentrumsantrag, der 200 000 Mark für den Ausgleich in Härtefällen aus der Streichung der Kinderzufchläge von 16 bis 21 (Zähren in den Etat einstellen wollte. Auch ein sozialdemokraiifchcr Zusahantrag, die Kinderzuschläge alten Beamten mit einem Grundgehalt bis zu 6000 Mark mit mehr als zwei versor- gungsberechllgten Kindern weiterzu^ewähren, wurde mit 9:4 Stimmen abgelehnt. Ein sozialdemokratischer Antrag, den Betrag von 80 000 Mark für außerordentliche Vorsehungen zur Änderung der Rotlage von Beamten Wieser auf 150 000 Mark zu erhöhen, um daraus die Härtefälle zu mildern, wurde mit 8:5 Stimmen abgelehnt. Mit 11:2 Stimmen ab- gelehnt wurde ein Antrag des Landbundes, der den Grundfonds von 80 000 Mark streichen wollte; dagegen fand ein Zentrumsantrag gegen vier Stimmen Annahme, der 30 000 Mark an biefem Fonds abstreicht. 3m übrigen wurde der Pensionsetat in der vorgesehenen Fassung verabschiedet. Bei der zweiten Lesung werden die Deamtenvertreter erneut beantragen, die Kinderzuschläge vom 16. bis zum 21. Lebensjahre wieder einzuführen. Sie haben daher heute gegen den 200 070-Mark« Härtefonds gestimmt.
Kapitel 18 (Landtag) sieht eine Ausgabe von 369 666 Mark vor, das bedeutet gegen das Vorjahr eine Steigerung um 60 000 Mk.
Für die kommende Lanötagswahl sind 35 000 Mark vorgesehen. Da die Abgeordneten mit gutem Beispiel bei den Sparmaßnahmen vorangehen wollen, beschloß der Ausschuß, die Aufwandsentschädigung der Abgeordneten zu kürzen. Die Kürzung beträgt bei Gruppe 1 (in Darmstadt wohnende Abgeordnete) 1/e. bei Gruppe 2 (Abgeordnete, die an einem Tag hin« und zurückreisen können) l/8 und bei Gruppe 3 (Abgeordnete, die bei Tagungen jeweils übernachten müssen) 1/10. Die Diäten bei Gruppe 1 betrugen monatlich 150, bei Gruppe 2 200, bei Gruppe 3 250 Mark; außerdem werden die T a g e s g e l d e r der Ausschuhmitglieder (Grrrppe 1 9 Mark, Gruppe 2 und 3 12 Mark) um 1/G gekürzt. Die sich daraus ergebende Ersparnis beträgt etwa 20 000 Mark. Beim Kapitel 19 (Staats Präsident) wird auf Zentrumsantrag hin einstimmig der Lega- tionsrat auf den 3nhaber bewilligt. Der Dispositionsfonds des Gesamtministeriums wird um 5000 Mark gekürzt. Ein weitergehender vottsparteilicher Antrag, den Fonds um 10 000 Mark zu kürzen, wird abgelehnt, ebenso ein volksparteilicher Antrag, den Ministerialrat im Staatsministerium auf den Inhaber zu stellen. Das Kapitel fand dann Genehmigung.
Am Freitag wurde zunächst Kap. 20, Staatsverlag, einstimmig genehmigt. Kapitel 21, auswärtige und Reichsverhältnis,e, brachte eine längere Debatte. Einzelne Ausschuhmitglieder wollten den Ramen Gesandter in Reichsrats- bevollmächtigter umändern. Die Regierung bat jedoch, es bei dem seitherigen Zustand zu belassen. Das Kapitel wird dann mit 12:1 Stimmen genehmigt. Der volksparteiliche Antrag auf Aufhebung der Gesandtschaft toirj mit 12:1 Stimmen abgelehnt. Ein Landbundantrag auf Streichung der Dlenstauf- Wandsentschädigung für den Gesandten und einige leitende Beamte mit 15 520 Mark wird abgelehnt. Der volksparteiliche Antrag, die Vorsehung von 5000 Mark für Verfassung s- feiern ju streichen, wird mit 10:3 Stimmen abgelehnt.
Kapitel 22, Oberrechnungskammer, 23, Verwaltungsgerichtshof, 24, Staatsarchiv, und die Er- gänzungskapitel 25 und 26 werden genehmigt. Der Ausschuß beschließt, die Frage der Sitzungsgelder für Beisitzer beim Derwaltungsgerichtsbof einer Prüfung zu unterziehen, um diese Gelder herabzusehen.
Aus aller Welt.
hohe päpstliche Auszeichnungen für Zentrumsminister.
Wie der „Germania" aus Rom gemeldet wird, enthält die letzte Nummer der „Acta Apostolicae Sedis" eine Äeihe päpstlicher Auszeichnungen für deutsche Politiker, die sich um das Zustandekommen des preußischenKonkordats besonders Der« dient gemacht haben. Der frühere Reichskanzler und Vorsitzende des Zentrums, Wilhelm Marx, mit dem „Großkreuz des Pius-Ordens". Das „Groß« kreuz des Gregorius-Ordens" ist folgenden Person« lichkeiten verliehen worden: dem Reichspostminister Dr. Schätzet, den preußischen Ministern Hirt« siefer, Steiger und Schmidt, dem Staats« sekretär im preußischen Kultusministerium Lammers und dem Staatssekretär beim preußischen Ministerpräsidenten Dr. W e i s m a n n.
Allegeraurzeichnungen.
Der Internationale Luftsahrverband hat die Verteilung der „Trophäen" für das Jahr 1929 Dorgenommen. In der Luftschiffahrt wurde die Trophäe einstimmig Dr. Eckener zuerkannt, dem auch gleichzeitig der Vorsitz an Stelle des zurück« getretenen Grafen de la Vaux übertragen wurde. Die nationale Trophäe erhielt auf Vorschlag des Deutschen Luftrats für Deutschland Freiherr von König-Warthausen.
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Wettervoraussage.
Heber der Nordsee lagert ein Wirbel, welcher feinen Einfluß südwärts erstreckt und über dem Kanal und Frankreich Niederschläge bringt. Auch unsere Witterung dürfte durch ihn beeinflußt werden, und bei zunächst ansteigenden Temperaturen Bewölkung und Eintrübung vorherrschen, wobei einzelne Niederschläge zu erwarten sind. Der Witterungscharakter gestaltet sich wechselhaft, zumal der Rückseiteneinfluß der Störung alsbald zur Geltung kommt. Auffrischende westliche bis nordwestliche Winde bringen später wieder Abkühlung mit sich.
Wettervoraussage für Dienstag: Wechselnd wolkiges Wetter, anfänglich milder, dann aber wieder etwas kühler, vereinzelte Niederschläge.
Witterungsaussichten für Mittwoch: Bewölkt, auch aufheiternd, meist trocken.
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