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29.4.1936
 
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Nr. 100 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Mittwoch 2OpriH936

Aus -em Reiche -er Krau.

kommt vom Feuer. In einem Eßlöffel Hühnerbrühe löst man eine Haselnuß groß Waldhonia auf und gibt dies sorgfältig unter die Tunke. Der Honig darf nicht mitkochen, sonst werden seine Fermente zerstört! Das Huhn wird vom Brustknochen befreit, zerteilt und in der Mitte einer Schüssel davon ein Berg gemacht. Rundherum ein Reisrand, der mit Petersilie bestreut wird. Die Tunke kommt über das Hühnerfleisch.

Die Frau entdeckt die Bluse.

Die Frau hat mit der weiblichen Linie auch wieder in erhöhtem Maß die Bluse entdeckt. Besonders viel Möglichkeiten bieten uns hier die neuartigen Kunstseidenstoffe, Battiste und Kloques, die schon allein durch sich selbst wirken und kleidsam fallen. Am beliebtesten sindfestliche" Blusen aus glänzender Seide oder Kunseide, mit betonten Aermeln und weichem Ausschnitt. Lang, halblang, kurz stets ist dem Aermel große Sorgfalt ge­widmet, Fältchen, Plissees oder Schleifen, ein eigenartiger Schnitt verwendet. Der Ausschnitt wird entweder als eine Art Bubikragen getragen, mit kleinem Schleifchen geschlossen, oder man hat reiche Garnierung angebracht. Auch hier herrschen wieder kleine Fältchen, Plissees, große Schalkragen und Revers vor. Die Blusen sind alle unter und über dem Rock zu tragen.

Schon sehr sommerlich sind einige Modelle aus duftigem Glasbattist und helle, bunte Taftblusen. Glasknöpfe in eigenartigen Formen dienen hier häufig als Schmuck. Die Bluse, noch vor wenigen Jahren nur sportlich vertreten, erobert sich immer mehr Boden. Als Chiffon- oder Spitzengebilde er­scheint sie zum langen Rock. Sie ist fast stets ganz auf Figur gearbeitet. Auch die Vormittagsbluse weicht häufig vom Hemdblusenstil ab. Hohlsäume und Waffelstiche sorgen für eine Belebung. Sehr viel trägt man auch zum Rock passende, in sich ge­musterte Stoffe. Felicitas.

MhrVorralswirtschast!

Von Olly Rust, Berlin.

Es ist noch gar nicht allzu lange her, als wir Hausfrauen zum ersten Male etwas vom Begriff derMarktordnung" hörten. Zunächst konn­ten wir uns unter diesem neuen Begriff gar nichts oorstellen Run ist gerade die Hausfrau mit der Marktordnung mehr verknüpft, als sie im allge­meinen glaubt. Verbraucht sie doch den größten Teil des Haushaltsgeldes im ganzen mehr als 20 Milliarden Reichsmark für Le­bensrnittel. Diese wahrhaft große Summe muß die Hausfrau sich vor Augen halten, um zu verstehen, daß von ihrer Einstellung unendlich viel abhängt. Die Art und Weise, wie die deutsche Hausfrau schaltet und waltet, wie sie sich beim Einkauf nach nationalwirtschaftlichen Notwendigkeiten richtet, wie sie in Zeiten einer Verknappung haushält, ist mit ausschlaggebend dafür, ob es gelingen wird, Deutsch­lands Ernährung unabhängig vom Auslande zu

beim Zahnen unruhig und weinerlich. Jetzt darf man aber nicht das Kind verwöhnen, es immer Herumtragen und schaukeln, denn das Kind merkt sich dies ganz genau, und aus dem lieben ruhigen Säugling hat sich im Handumdrehen ein Tyrann entwickelt, der die ganze Familie in Atem hält. Säuglinge dürfen ruhig einmal schreien, ohne daß sich die Mutter gleich aufregt.

Da der Speichelfluß beim Zahnen in vielen Fällen besonders stark ist, ist es praktisch, dem Säugling ein saugfähiges Lätzchen umzubinden, das den Speichel auffängt und so nicht das Jäckchen durchnäßt. Diese durchnäßten Jäckchen sind sehr oft die Ursache der Erkältung nicht aber etwa der kommende Zahn.

Von den Veilchenwurzeln und Elfenbeinringen, die man früher dem Baby zumDurchbeißen" der Zähne gab, ist man abgekommen. Die Zähne brauchen keine künstliche Nachhilfe, sie kommen ganz von allein. Auf ärztliche Verordnung gibt man dem Kind in der Zahnzeit kalkhaltige Sub­stanzen in die Nahrung, damit die Zähne schön gesund werden.

Vor allen Dingen soll dem Kind von der Mutter oder der Pflegerin während des Zahnens nicht mit dem Finger im Mund herumgefahren werden. Die ständige Suche nach neuenBeißerchen" ist äußerst ungesund. Der Kindermund braucht auch nicht aus­gewaschen zu werden! Blinder Eifer schadet auch hier nur. Dr. W.

as sollen wir tragen?

machen.

Was will denn die nationalsozialistische Markt­ordnung? Der tiefere Sinn, die tiefere Bedeutung der Marktordnung wird uns erst richtig klar, wenn wir einmal zurückblicken auf die Zeiten vor der Machtübernahme, die uns durch die fast täglichen Preisschwankungen noch in sehr unliebsamer Er­innerung sind. Das ist mit einem Schlage durch die nationalsozialistische Marktordnung anders gewor­den. Die Getreidebörse als Regulator des Preises wurde ausgeschaltet Denn der Nationalsozialismus hält es für ein Verbrechen, mit den Nahrungsmit­teln des Volkes Wucher zu treiben! Die Markt­ordnung regelt vor allem die Erzeugung, die Be- und Verarbeitung aller Nahrungsgüter, da­neben sorgt sie für den be st möglichen Absatz der Erzeugnisse. Es wird sich in Zukunft nicht mehr wiederholen, daß der Segen einer guten Ernte zum Unsegen für den gesamten Landstand wird. Mit ihrem Festpreissystem gewährleistet die Marktord­nung dem Landmann und dem Städter einen gleichmäßigen, stetigen und gerechten Preis, der die Erzeugungskosten des Landvolkes deckt und an­dererseits auf die Kaufkraft der ärmeren Verbrau- cherschlchten Rücksicht nimmt. So ist es auch der Marktordnung zu verdanken, daß der Brotpreis im letzten Jahre trotz der schlechten Ernte im Dürrejahr 1934 immer gleich und fest blieb. Wie die Marktordnung die Erzeugung regelt, so regelt sie auch die Einfuhr ausländischer Nahrungsmittel. Die Einfuhr wird abgestimmt nach dem jeweiligen Be­darf, und zwar gegen Eintausch industrieller Er­zeugnisse. Die Marktordnung das muß sich die deutsche Hausfrau immer vor Augen halten ist nicht Selbstzweck, sondern das Rückgrat der deut­schen Ernährungswirtschaft. Sie hat im wesentlichen mit dazu beigetragen, daß die Einfuhr ausländi­scher Nahrungsmittel von 4,4 Milliarden Reichs­mark im Jahre 1929 auf rund 1 Milliarde Reichs­mark im Jahre 1935 zurückgegangen ist.

Das sind in kurzen Worten die Ziele der Markt­ordnung. Und jede Hausfrau tut in ihrem eigensten Interesse gut daran, diese Marktordnung zu unter­stützen und zu fördern. Das kann sie in erster Linie dadurch, daß sie nur deutsche Erzeugnisse kauft und eine planvolle Vorratswirtschaft betreibt. Auf diese Vorratswirtschaft waren unsere Mütter und Großmütter immer sehr stolz. Vor­ratswirtschaft bedeutet, die Erzeugnisse einer be­stimmten Jahreszeit kaufen, wenn sie billig sind, sie dann haltbar machen, um sie in den Monaten der natürlichen Mangels zur Verfügung zu haben. Daneben spielt eine sachgemäße Behandlung der Lebensmittel durch die Hausfrauen eine große Rolle. Nur wenige wissen, daß jährlich Lebensmit­tel im Werte von einer Milliarde Mark durch un­sachgemäße Behandlung unserem Volke verloren gehen.

Vaby bekommt Zähnchen.

Wie kommt man am besten über die schwierige Zeit hinweg?

Seit einigen Tagen ist unser Baby schlechter Stimmung. Es weint viel, es bohrt mit den kleinen Fingerchen im Mund herum und stößt sogar manch­mal das Fläschchen fort.

Baby bekommt Zähne, die von der Mutter so gefürchtete Zeit desZahnens" ist gekommen. Ob das Kind auch nur ja keine Zahnkrämpfe bekommt, auch ovmZahnhusten" undZahnfieber" hat man schon viel gehört. Schreckensbilder bedrängen die junge Mutter, noch geschürt durch Schauermärchen der lieben Verwandten.

Dabei ist das Zahnen ein ganz natürlicher Vor­gang, den keine Mutter mit Angst betrachten soll. Natürlich sind die Kinder dabei etwas weinerlich, das Zahnfleisch ist geschwollen und fühlt sich heiß an aber mit Fieber hat das nicht das geringste zu tun!Zahnkrämpfe",Zahnhusten" undZahn­fieber" gibt es nicht das wird jede Mutter be­ruhigen. Bei gesunden Säuglingen geht das Zahnen ganz ohne Aufsehen vor sich. Eines Tages entdeckt man den ersten Zahn sehr oft kommen auch zwei auf einmal, und dann geht alles seinen richtigen

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weiß aber, daß Lotti damals Fieber hatte, als di- ersten Zähnchen kamen", wurde mir von einer Freundin entgegengehalten.

Dieies Fieber hat aber mit dem Zahnen nichts ,u tun, die kleine Lotte hatte eben damals zum erstenmal eine Erkältung, oor der kein Kind ge- schützt ist. Eines Tages hat sich der Säugling an­gesteckt, eines Tages ist ihm -mmal dieNahrung nicht bekommen, und er hat Durchfall aber keinesfalls sind diese Erscheinungen eine Folge des

^°«ind"er »ahnen la vom 6. L-bensmonat bis ins dritte Jahr, der Zeit, wo die letzten B°ckenzahn- zum Durchbruch kommen, sie mußten also in ,Mer 'Reit sich immerfort mitZahnkrankheiten ab plagen Das ist aber nie der Fall bei gefunden Kindern. Es wäre auch ganz unnatürlich, denn ist ja ein biologischer Vorgang, daß die Zahne wachsen! Die Angst der jungen Mutter vor dem Zahnen des Säuglings ist völlig unberechttgt Beim Zahnwechsel von den Milchzahnen zu den bleiben- den Zähnen macht sich die Mutter viel weniger Kopfschmerzen, und es ist doch im Grunoe ge nommen derselbe Vorgang! cka«»«

Selbstverständlich ist das Kind in vielen Fallen

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

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KINDERKLHDER

AUS VOILE UND LEINEN

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Die Garnitur bilden ebenfalls weißer Pique und Perlmutterknöpfe.

Aus zartgelbem Voile mit schwarzen ein- gewebten Tupfen ist Kleid 3. Es hat einen ein­gelesenen Rock, eingelesene Taschen und Aermel, seine Garnitur ist aus weißem Voile.

Weißer Voile mit kleinen, bunten Streu­blümchen ist das Material des vierten Kleides. Seine Passe ist in senkrechten Biesen abgenäht, ebenso wie die Aermelbündchen es sind. Den Ver­schluß auf beiden Schultern bilden kleine Kugel- kn ö p f e aus weißem Glas. H.

Aus Voile und Leinen sind die vier heute gezeigten Kinderkleider geschneidert. Das hell- blau-weiß tarierte Kleidchen links.(1) hat Aermelaufschläge und Kragen aus weißem Pique und weiße Perlmutterknöpfe. Der Rock hat in der Mitte hinten und vorn sowie seitlich je eine gegen­einandergelegte Falte. Der kleine Aermel ist in der Kugel etwas in Falten gelegt.

Das rosaLeinenkleid (2) zeigt eine Falten­partie in der vorderen Mittelbahn und einen Ra­glanärmel, der auf der Schulter drei Abnäher hat.

Das Suppenhuhn im Sonntagskleid.

Von Krieda Atsch, Bad-Rauheim

Es ist durchaus nicht nötig, daß das ein bißchen ältliche Suppenhuhn der Schrecken aller Esser ist. Auch bei ihm machen Kleider Leute!

Wir kochen das etwa zwei Jahre alte Huhn wie gewöhnlich mit Gelberüben, Sellerie und Peter­silie. Vorher haben wir ihm der Sicherheit wegen einen dicken Glasstopfen (etwa von einer altmodi­schen Wasserkaraffe) in den Bauck gestopft. Dieser Glasstöpsel schlägt während des Kochens gegen den Brustknochen und hilft so, das Fleisch mürber zu machen. Ist das Huhn gar, ziehen wir ihm den fetten groben Pelz ab, denn er soll nicht wie bis­her, von heimlichem Abscheu verfolgt, den Teller­rand zieren. v ,

Die Haut wird durch eine Maschine gedreht, mit einem reifen Handkäse, oder man gibt später 80 Gramm geriebenen deutschen Hartkäse zu. Der erkaltete Fettbrei wird mit einem Eßlöffel Butter, einem ganzen Ei und einem Eigelb, einer Prise Backpulver, etwas Pfeffer und Salz zusammenge­rührt, und soviel Mehl dazugegeben, daß ein nicht zu fester Teig entsteht. Dieser muß kaltgestellt eine Stunde ruhen. Wir haben jetzt ein Mittelding zwi­schen Mürbe- und Blätterteig. Er wird zentimeter- dick ausgerollt, in fingerlange Streifchen geschnitten, die, mit verdünntem Ei bestrichen, etwas Kümmel und Salz nach Geschmack bestreut, und immer zwei und zwei lose zusammengedreht, lichtbraun ge­backen werden. Sie werden heiß zur Hühnerbrühe gereicht.

Jetzt bereiten wir folgende Tunke: Zwei Eßlöffel Butter ober Margarine und zwei Eßlöffel Weizen­mehl läßt man leicht gelb schwitzen. Nicht. Braun­mehl machen! Dann füllt man etwa drei Viertel Liter Hühnerbrühe darauf, gibt zwei Eßlöffel Ka­pern (selbstgemacht von grünen Holunderbeeren), eine kleine Dose Champignons, einen Teelöffel Krebsbutter (aus der Tube) und zwei Eßlöffel süße Sahne daran. Alles kocht einmal auf und

HauswirWaflliche Schulung der werktätigen Krau.

Von Otti Rohr, Berlin.

Mit der Uebernahme der Gewerkschaften und der Eingliederung ungeordneter Gruppen, großer und kleiner Arbeiteroerbände erwuchs der Deutschen Arbeitsfront die Aufgabe, für die weiblichen Gewerkschaftsmitglieder zu sorgen und die noch jedem Zusammenschluß fernstehenden Arbeiterinnen zu erfassen. Man erkannte sehr bald, daß eine Lösung dieser Aufgabe, die ein Verständnis und eine psychologische Durchdringung weiblicher Be­lange forderte, nur von Frauen herbeigeführt wer­den konnte und schuf das damaligeAmt für Frauensachen in der DA F." zur besonderen Betreuung der arbeitenden Frau. Es erhob sich die Frage: Wie sollte man herankommen an die Arbeiterinnen? Bislang standen sie oft genug den nattonalsozialistischen Gedankengängen ver­ständnislos gegenüber, denn die Pressehetze der da­maligen Parteien hatte in verheerender Weise ihr weltanschauliches Denken beeinflußt. Wenn hier eine seelische Umstellung vor sich gehen sollte, so mußte in der Arbeiterin das Gefühl erweckt wer­den: der Nationalsozialismus bringt uns statt leerer Versprechungen Verständnis entgegen, er wird auch die Möglichkeit finden, uns in unserer schweren Belastung als Berufsfrau und Hausfrau zugleich zu helfen. Denn diese Frauen erkannten wohl, daß die Gestaltung ihres ganzen Lebens abhängig ist von der Erhaltung ihrer Ar­beitskraft, daß aber diese Arbeitskraft schwer ge­schädigt wird, wenn sowohl Beruf, als auch häus­liche Arbeit zu starke Anforderungen an sie stellen. Besonders die häusliche Betätigung und die Auf­gaben als Hausfrau und Mutter belasten sie schwer; niemand hatte sie bisher auf diese Pflichten vorbe­reitet oder ihnen Gelegenheit gegeben, sich Grund­begriffe über Haushaltführung oder Kin­dererziehung anzueignen.

Es hieß also, durch Einrichtung von haus» wirtschaftlichen Kursen aller Art eine Lücke auszufüllen, die für das Leben der arbeiten­den Frau von großer Bedeutung war. Dabei bot gerade diese praktische Unterweisung Gelegenheit, die Arbeiterin und die Angestellte gemeinsam in hauswirtschaftlichen Kursen zusammenzufassen und ihnen erstmalig den Begriff der Volksgemein­schaft nahezubringen. Schon die Bekanntgabe der Kurse, die zum Teil von den Frauenabteilungen der Reichsbetriebsgemeinschaften durchgeführt wur­den, hatten außerordentlichen Erfolg. Die Frauen und Mädchen meldeten sich in so großer Zahl zu den Koch- und Nähkursen, den Sanitäts- und Säug­lingskursen, daß sehr viele von ihnen zurückgewiesen und auf später vertröstet werden mußten. Es zeigte sich eben, daß der gesunde Sinn der deutschen Frau trotz aller Geringschätzung, welche die häusliche Ar­beit eine Zeitlang in allen Kreisen genoß, sehr wohl die Bedeutung erlernter Haus­arbeit zu schätzen wußte. Darüber hinaus drang aber bald durch Teilnehmerinnen in den Kursen der DAF. durch, in welch kameradschaftlicher Weise das Zusammenleben in den Kursen sich gestaltete und welche Hilfe die neuerworbenen Haushalts- kenntniffe für das tägliche Leben bedeuten. Die sehr beschränkten Mittel, die zur Einrichtung von Lehr­stätten zur Verfügung standen, erlaubten leider nicht, daß der Nachfrage entsprechend genügend Lehrstätten geschaffen wurden. Aber da jeder, der um Zweck und Ziel wußte und in dieser Arbeit stand, mithalf und überall Interesse an den Kursen zu erwecken verstand, so konnte man nach knapp einem Jahr, an dem die erste Lehrstätte eröffnet wurde, also etwa Juli 1934, allein in Berlin an 25 Lehrstätten zählen, in denen Tausende von Ar­beiterinnen geschult werden konnten. Durch die Schaffung des Frauenamtes der Deutschen Arbeits­front bekam die anfänglich etwas regellose Unter­richtsgestaltung, die jede Reichsbetriebsgemeinschaft je nach geldlichem und fachlichem Können verschie­den aufzog, eine klare Linie. Die Kurse wurden nun in der Gesamtheit der DAF. unterstellt und in enger Zusammenarbeit mit dem Reichsmütter» dienst ausgerichtet.

Die Reichsfrauenführerin Frau Scholtz - Klint hatte inzwischen in Personalunion die Führung der NS.-Frauenschaft sowie die Amtsleitung des Frauenamtes der Deutschen Arbeitsfront übernom­men. Sie leitete auch das sich aus dem Zusammen­schluß der früheren Frauenverbände gründende Deutsche Frauenwerk und verwirklichte dar­in den genialen Gedanken, alle deutschen Frauen unter eine Führung zu stellen. Sie war es auch, die von keiner Abtrennung der Berufsfrau in Son­derkursen etwas wissen wollte, sondern übertrug dem Reichsmütterdienst die Aufgabe, alle deutschen Frauen und Mädchen auf dem Wege über prak­tische Säuglingspflege, Haus- und volkswirtschaft­liche Ausbildung zur staatspolitischen Er­ziehung zu führen. In diesen Aufgabenkreis des Reichsmütterdienstes wurden nun auch die bisher vom Frauenamt der DAF. durchgeführten Kurse eingegliedert und einheitlich für alle deutschen Gaue gestaltet. Als Grundlage für Lehrplan und Unter­richtsgestaltung dienen die Erkenntnisse, die sich die Abteilung Hauswirtschaft-Volkswirtschaft im Deut­schen Frauenwerk durch enge Zusammenarbeit mit zuständigen Behörden und Ministerien schafft. Die­ser Abteilung sind auch Spezialkurse Frischer- haltungs- und Einmachekurse, Fischoerwertung und bergt übertragen worben, um in besonbers bazu geeigneten Zeiten Belehrung unb Bera­tung in allen Dolkskreisen geben zu können. Enge Arbeitsgemeinschaften, gutes Zusammenarbeiten aller beteiligten Stellen schafft bie Möglichkeit, baß jebe Abteilung ben ihnen gestellten Aufgaben ge­recht werben kann. Das Ziel, bas mit ber haus­wirtschaftlichen Schulung Der beutschen Frau er­reicht werden soll, hat Frau S ch o l tz - K l i n k fest­gelegt in den Worten, die sie zur Einführung der vom Reichsausschuß für Volkswirtschaftliche Auf­klärung in Verbindung mit dem Frauenamt der Deutschen Arbeitsfront herausgegebenen Schulungs­hefte geschrieben hat:Wir alle stehen heute mit unseren Pflichten und Aufgaben in der Verant­wortung für Volk und Staat. Auch die deutsche Hausfrau muß um die Lage ihres Volkes wissen. Sie muß wissen, welche Mittel unserem Volk in dieser schweren Zeit zur Verfügung stehen, und wie sie diese Mittel aufs beste ausnutzen und aus­werten kann für eine gesunde Ernährung und ge­sunde Volkswirtschaft.