Ausgabe 
28.2.1936
 
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Vor einer Militärdiktatur Araki?

Noch keine Klärung -er Lage in Japan.Oer Oberste Kriegsrat nimmt für die Negierung mit -en Führern -es Aufstan-s Fühlung.

Keine Verbindung mit Tokio.

London. 28. Febr. (DNB. Funkspruch.) Reuler meldet aus Schanghai, nach einem bisher unbe­stätigten Bericht aus Tokio habe General Araki, der in den Jahren 1931 bis 1934 japanischer Kriegs­minister war, eine Militärdiktatur errichtet. Es sei unmöglich, eine Bestätigung dieses Gerüchtes zu erhalten, da alle Versuche, mit Tokio direkt in Verbindung zu treten, ergebnislos seien. Von Sowjetkreisen in Schanghai werde mitgeteilt, sie hätten eine kurze Botschaft aus Tokio erhalten, daß die Lage wieder um sehr kritisch sei.

Noch keine Einigung mit den jungen Offizieren.

Tokio, 28. Febr. (Ostasiendienst des 2)91233 Entgegen den Erwartungen haben die Verhandlun­gen, die die Generale Mazaki, Abe und Nischi als Vertreter des Obersten Kriegsrates mit den Führern der jungen Offiziere führen, um 9.30 Uhr japanischer Zeit noch kein Er­gebnis gezeitigt. Eine Einigung zwischen den Putschisten und der Regierung war also bis zur genannten Stunde noch nicht zustandegekommen. Weiter wird gemeldet, daß den Aufständischen, die sich bisher geweigert haben, die von ihnen besetzten Gebäude zu räumen, bis Freitagmittag Zeit gegeben worden sei, sich zu ergeben. Die Kaiserliche Garde habe alle Maßnahmen getroffen, um die Aufständischen aus ihren Stellun­gen zu entfernen. Auf Befehl des Garnison­kommandanten ist der gesamte Verkehr in der Nähe des Hibiya-Park, wo die meisten der be­setzten Regierungsgebäude liegen, e i n g e st e l l t worden.

Die Verhandlungen über di" Bildung eines neuen japanischen Kabinetts sind nach den in London vor­liegenden Berichten immer noch im Gange. Die eng­lischen Blätter erwarten, daß das neue Kabinett einen stark militärischen Einschlag er­halten werde, und daß es bis zu einem gewissen Ausmaß die Politik der Militärputschisten wider­spiegeln werde.Daily Telegraph" meldet, man halte es für möglich, daß der Gouverneur von Ko­rea, General Ogaki, zum Ministerpräsidenten er­nannt werde.

Tahahaschi seinen Verletzungen erlegen

Tokio, 27. Februar. (Ostasiendienst des DNB.) Finanzminister T a k a h a s ch i ist, wie amtlich be­

kanntgegeben wird, am Mittwoch seinen schwe­ren Verletzungen erlegen. Der einzige noch lebendealte Staatsmann", Prinz S a i o n j i, der sich vorübergehend nach Schizuoka zum Oberpräsi­denten begeben hatte, ist am Donnerstag in sein Landhaus nach Oditsu zurückgekehrt.

China fürchtet Verschärfung des Konflikts mit Japan.

P e i p i n g, 27. Febr. (Ostasiendienst des DNB.) Die Vorgänge in Japan finden in der chinesischen Oeffentlichkeit größte Beachtung. Man fürchtet eine verhängnisvolle Rückwirkung auf die japanische

Politik gegenüber China. Die chinesische Presse weist darauf hin, daß der Putsch mit der Ankunft des neuen japanischen Botschafters A r i t a, dem hier großes Vertrauen entgegengebracht wird, zusammen­gefallen sei. Man bezeichnet es jetzt als äußerst fraglich, ob die in Aussicht genommenen japa­nisch-chinesischen Besprechungen in Nanking unter den veränderten Umständen über­haupt stattfinden können. Verschiedene Zei­tungen vermuten, daß die Unzufriedenheit der na­tionalistischen Kreise Japans mit der Verhand­lungsbereitschaft der führenden Männer gegenüber China der Hauptgrund des Put­sch e s gewesen sei.

Asiens koloniale Epoche ist beendet.

Sie Schowa-Restauration.

Das Programm der aktivistischen Jugend Japans.

P e i p i n g, 27. Febr. (Ostasiendienst des DNB.) Die letzten Ereignisse in Japan werden von gut- unterichteter japanischer Seite auf Bestrebungen zu­rückgeführt, die in verschiedenen Jugend­oerbänden ihre Hauptträger haben. Dor allem sei es die sogenannte Schoso-Jugend und der Verband der Offiziersjugend Schoko, die als notwendige Fortsetzung der Meiji-Restau- ration die sogenannte S ch o w a - R e st a u r a - t i o n anstreben. Nach Auffassung dieser Kreise seien die zeitgebundenen Ideen der Meiji-Restauration heute veraltet, wenn auch die zurzeit in Japan herr­schenden Schichten immer noch von ihren Gedanken getragen werden.

Das Programm der aktivistischen Jugend Japans ist' bereits im Jahre 1919 entworfen worden. Es fordert die Begrenzung der Kapitalbil­dung und die Abschaffung des mit dem Ka­pitalismus eng verflochtenen demokratischen Prinzips. Es sieht die Ausschaltung des Parlaments für einen Zeitraum von drei Jahren vor. Innerhalb dieses Zeitraumes soll eine Neuformung des Staatswesens unter Beachtung folgender drei Grundsätze vorgenommen werden: Stär ng des Kaisergedankens auf Grund der göttlichen Abstammung des Herr­scherhauses, ferner Herstellung einer Volksge­meinschaft und eine Reform des Staats­aufbaues auf ständischer Grundlage

bei starker Berücksichtigung der ehemaligen Solda­ten. Für die Armee sei der Gedanke der Kamerad­schaft die wichtigste Grundlage, im Sinne des na­poleonischen Grundsatzes soll jeder Soldat den Marschallstab im Tornister tragen. Ferner wird volle Gleichberechtigung in der Flottenstärke mit den anderen großen Seemächten verlangt.

In außenpolitischer Hinsicht soll eine konzen­trische Zusammenfassung aller Kräfte Japans auf dem asiatischen Raum er­folgen. In voller Schärfe wird der Gedanke ver­fochten, daß die koloniale Epoche inAsien zu Ende gegangen sei und alle Erinnerungen daran verschwinden müßten. Also seien auch die Unabhängigkeitsbestrebungen in der Mandschurei, in der Mongolei, Sibirien und Indien zu unterstützen. Besonderer Bedeutung wird der Stel­lung Chinas als Vorhut Asiens gegen Sowjet- rußland beigemessen.

Nach der Ansicht japanischer Kreise soll der frü­here Kriegsminister Araki auf dem Boden dieses Programms stehen. Hingegen bezeichnet man seinen Nachfolger Hayaschi als einen lediglich von Gamaschengeist" erfüllten Offizier, der nur die Aufgaben des Garnisondienstes im Auge habe. Auch der jetzige Kriegsminister General K a wa­sch t m a wird von den Nationalisten ähnlich cha­rakterisiert. Ein Hauptvertreter dieser Richtung des Gamaschengeistes" sei der ermordete General W a - t a n a b e gewesen. Die Beseitigung der Vertreter des veralteten Genro-Geistes und die Freimachung der Bahn für die positiv eingestellte Jugend sei das Ziel, das auch den jetzigen Ereignissen m Ja­pan zugrunde liege.

Die ganze Tragik der Entwicklung, der jüngsten politischen Entwicklung für die katholische Rechte, kommt vielleicht am besten zum Ausdruck in dem 185 Quadratmeter großen Wahlplakat mit dem Kopfbild des Ceda-Führers, das mehrere Tage lang dem größten und verkehrsreichsten Platz im Zen­trum Madrids das Gesicht gab. Am Montag nach den Wahlen mußte die Feuerwehr das Plakat in den frühen Morgenstunden entfernen, weil es für die begeisterten Massen das rote Tuch des Kampf­spiels war...

Am 16. Februar handelte es sich darum, ob die verfehlte Politik eines zwar nationalen, aber im übrigen nur auf die kleinlichen Interessen der Kirche ängstlich bedachten Parteipolitikers die Wählerschaft psychologisch mehr beeinflußt hatte als die Erinne­rung an das Blut, das Marxisten und Separatisten im Oktober 1934 in Asturien und Barcelona ver­gossen hatten. Es hat sich herausgestellt, daß das Ergebnis einer in der spanischen Geschichte einzig dastehenden Revolution im Gedächtnis des Volkes nicht mehr so gegenwärtig war wie die nicht erfüllten Hoffnungen, die auf einen scheinbar viel versprechenden Rechtspolitiker gesetzt wurden.

Wie wird sich nun die nächste Zukunft in Spanien gestalten? Auf den ersten Blick erscheint es ein gewisser Trost, daß innerhalb der vereinig­ten Linken jene Tendenz die Macht im Staate übernommen hat, die als bürgerlich und als daskleinere Uebel" gelten mag. Bei näherer Be­trachtung des politischen Programms, das Links­republikaner, Sozialdemokraten und Kommunisten gemeinsam aufgestellt haben, und das heute zum A und O der spanischen Politik geworden ist, kommt man zu der Ueberzeugung, daß der Spieß der bis­herigen Mitte-Rechtspolitik vollständig umge­kehrt werden wird. Der neue Ministerpräsident Aza na hat seit seiner ersten Regierungszelt zu viele Erfahrungen gesammelt, um die Fehler von damals zu wiederholen und irgendwelche Konzessio­nen zu machen. Da seine Handlungsfreiheit durch die Vereinbarungen mit den Marxisten scharf um­grenzt ist, besteht bis weit in die Kreise der bürger­lichen Mitte hinein die Befürchtung, daß jeder Versuch einer gemäßigten Linkspol i- t i k unter dem Druck der linksradikalen Massen und der Straße zum Scheitern verurteilt sein wird.Jede Woche, die ruhig verlausen soll, wird die Regierung sich durch neue Kon­zessionenerkaufen müssen", schreibtAhora" (bürgerliche Mitte).

Unter diesen Verhältnissen wird die Regierung Azana nur zur Radikalisierung des polltischen Le­

bens beitragen und vielleicht früher oder später dem Marxismus das Szepter abtreten müssen. Die Rundfunk-Rede, die Azana nach der Machtüber­nahme hielt, war zwar deutlich vom Geiste des Friedens, der Ordnung und des Vertrauens getra­gen.Niemand soll verfolgt werden, der sich nicht außerhalb des Gesetzes stellt". Die umfangreichen Beamtenoersetzungen und -entlassungen, die Wieder­einsetzung der früheren Mitarbeiter Azanas in ihre Aemter kommt auch nicht überraschend, weil dieser ja selbst im Zusammenhang mit den Ereignissen vom Oktober 1934 viele Monate in Untersuchungs­haft gehalten wurde und sich vor mehreren Gerich­ten verteidigen mußte. Man muß aber abwarten, ob der Rachedurst der Menge den Willen der links­bürgerlichen Regierung zum innerpolitischen Frie­den nicht doch in eine andere Richtung treibt.

Vollständig unklar ist vorläufig noch das Verhal­ten der Rechtsparteien im neuen Parlament. Die monarchistische ZeitungABC" kündigt der Regierung Azana, falls sie dieselben Methoden gegen die Freiheit der rechts eingestellten Presse an­wendet wie 1932, einen harten Kamps ansolange noch eine Feder zum Schreiben bleibt". Die Ka­tholische Volksaktion gerät immer mehr in das Fahrwasser des einstigen deutschen Zentrums. Sie hat den Schrecken der Wahl sehr schnell ver­gessen. Ihre Presse zeigt sich heute schon wieder den Männern gegenüber kompromißbereit, die ihr noch vor wenigen Tagen als die gefährlichsten und am meisten gehaßten Gegner galten.

Außenpolitisch wird nicht ohne Bedeutung sein, daß in dem neuen Kabinett fünf Freimaurer und der Großmeister der spanischen Loge vertreten sind. Im übrigen wird sich das Verhältnis zum Völkerbund, wie aus dem Regierungsprogramm ersichtlich ist, noch enger als bisher gestalten. Die Absicht Moskaus, aus Spanien einen zweiten Sowjetstaat zu machen, ist auf dem besten Wege zur Verwirklichung: das zeigen die Kommentare in der Moskauer Presse über den Wahlausgang in Spa­nien. Die Kominternagenten haben diesseits der Pyrenäen zweifellos gut gearbeitet. Jetzt fragt es sich, ob die von den Sowjets im vergangenen Jahre ausgegebene Losung, zunächst mit den Linksbür­gerlichen zusammen den Kamps gegen dieReak­tion" zu führen und die Kampfgefährten dann langsam selbst zuverschlucken", auch in dem zwei­ten Abschnitt in Spanien erfolgreich zu Ende ge­führt wird. Was aber hat die durch die falsche Taktik" eines von Rom abhängigen katholischen Politikers ruinierte Rechte dieser marxistischen Dampfwalze entgegenzusetzen?

Graf von Welczeck Botschafter in Paris.

Berlin, 27. Febr. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat den Botschafter in Madrid, Grafen von Welczek, zum Botschafter in Paris ernannt.

Johannes Graf Welczek wurde 1878 zu Laband (Oberschlesien) geboren. Er entstammt oberschlesi­schem Uradel. Die Urheimat dieses alten böhmischen Herrenstandes, der den TitelFreiherr und Alter Herr von und zu Dubensko und Petersdorfs" führte, ist die Burg Dubensko in Böhmen. Zeitweilig war die Familie auch in Mähren und Ungarn ansässig. Heute befindet sich das Fideikommiß Laband und das Rittergut Ellgut in ihrem Besitz. Graf Welczek studierte in Bonn, Leipzig und Breslau Jura, wurde 1900 Gerichtsreferendar, sodann aktiver Offizier im Garde-Kürasfier-Regiment, bis er 1904 in den diplomatischen Dienst eintrat, zunächst als Attache an der preußischen Gesandtschaft in Mün­chen, dann am Generalkonsulat Kalkutta. 1907 war er Legationssekretär an der Gesandtschaft in San­tiago de Chile, 1912 bis 1914 Geschäftsträger der preußischen Gesandtschaft in Dresden. 1914 bis 1916 nahm er als Frontoffizier am Weltkrieg teil. 1923 wurde er Gesandter in Budapest. Es ge­lang ihm dort, die Beziehungen zwischen Ungarn und Deutschland zu besonders guten zu gestalten. Im November 1925 kam er dann als Botschafter nach Madrid, wo er die Aufgabe hatte, die schwierigen Wirtschaftsbeziehungen 3U Deutschland zu regeln. Welczeck, der eine spanische Südameri­kanerin, Nichte des früheren Präsidenten Boemozola von Chile, zur Frau hat, beherrscht die spanische Sprache geläufig. Neue schwierige Aufgaben brachte für den Botschafter die Zeit der politischen Umwäl­zung in Spanien.

Akulow soll operiert werden.

Moskau, 27. Febr. (DNB.) Der aus Stockholm mit einem Flugzeug nach Moskau geholte schwe­dische Gehirnchirurg soll eine Operation an dem Generalsekretär des Zentralexekutivkomitees der Sowjetunion, Akulow, vornehmen, der einen Unfall auf der Eisbahn erlitten hat. Aku­low war früher Generalftaatsanwalt der Sowjet­union. Seit Juni 1935 amtiert er als Generalsekretär des Zentralexekutivkomitees der Sowjetunion. Sein Vorgänger auf diesem Posten war Jenukidse.

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186. Jahrgang

Zreitag, 28 Februar 1936

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Spaniens Schicksalswende.

Don unserem (v. G.)-Berichterstaiter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Madrid, Ende Februar 1936.

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Der 16. Februar 1936 wird in die Geschichte der jungen spanischen Republik als Gedenktag eingehen. Eine knappe Mehrheit des spanischen Volkes hat an diesem Tage mit dem Stimmzettel den Partei­politikern der vergangenen zwei Jahre das Miß­trauen ausgesprochen und eine innerpolitische Lage geschaffen, die derjenigen vom April 1931 recht ähnlich sieht. Die Regierungsgewalt ist noch vor Be­kanntwerden des endgültigen Wahlergebnisses am 19. Februar vorn Staatspräsidenten dem linksrepu­blikanischen Führer Azana übertragen worden, demselben Politiker, der während der ersten zwei Jahre der Republik die Geschicke des Landes be­stimmt hat. Azana ist der Ministerpräsident, der sich seit Bestehen der Republik am längsten auf seinem Poften behaupten konnte, und der auch von seinen politischen Gegnern für einen Könner mit seldstbewußem und geradlinigem politischen Cha­rakter gehalten wird. Allerdings ändert das nichts an der Tatsache, daß dieser linksrepublikanische Führer, wie sich das besonders seit dem Oktober­aufstand 1934 immer wieder deutlich gezeigt hat, vom Marxismus und Kommunismus ins Schlepptau genommen wird. Am Abend nach der Machtübernahme wiederholte sich vor dem Innenministerium in Madrid das gewohnte Bild: eine linksradikale, von Moskau beeinflußte Menge, die an und für sich mit der ideologi­schen Einstellung der an die Macht berufenen Linksrepublikaner nicht viel gemein hat, jubelt den Vertretern der bürgerlichen Linken mit erhobenen Fäusten und roten Fahnen zu, verlangt Amnestie und Vergeltung. Die Brücke zwischen den beiden Tendenzen stellt lediglich ein Pakt her, der vor den Wahlen zwischen Linksrepublikanern, Sozialdemo­kraten und Kommunisten abgeschlossen wurde, und der Azana und seine Parteifreunde z u m Voll­zieher einer von den Marxisten ge­wünschten Politik einfetzt.

Wie erklärt sich der sowohl für die Rechten wie für die Linken unerwartete Ausgang der Wahlen? Wo liegt der Fehler, der den Sieg der Rechten vom November 1933 zu einem Triumph der Linken am 16. Februar 1936 werden ließ, wo der Irrtum, der die antirevolutionären Kreise noch am Vortage der Wahlen nicht einen Augenblick an die Möglich­keit einer Niederlage denken ließ? Um die Antwort zu finden, muß man zurückgreifen euf die politische Entwicklung der vergangenen zwei Jahre, die ge­kennzeichnet war durch die Kompromißbe­reitschaft der Katholischen Volksak­tion (Ceda), der feit dem November 1933 stärksten parteipolitischen Einheit, und ihres Führers G i l Nobles. Gil Nobles, der erst ein Jahr nach feinem Wahlsieg sich aktiv im Kabinett beteiligte, hat nach der Oktoberrevolution den weitaus größten Teil der öffentlichen Meinung hinter sich gehabt. Nichts stand damals im Wege, um durch eine folge­richtige Politik den revolutionären Absichten für immer den Garaus zu machen und das von der großen Masse des Volkes in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen. Der Ceda-Führer und der alte Republikaner und Radikale Lerroux wurden nach der Niederwerfung des Aufstandes als die Ret­ter des Vaterlandes gepriesen: sie schlossen im wei­teren Verlauf ihrer politischen Zusammenarbeit dann jenes Bündnis, das das Schicksal Spa­niens vom Oktober 1934 bis Ende 1935 maßgebend beeinflußte und die Hauptschuld an dem jetzigen Kurswechsel trägt.

Die unnatürliche Ehe zwischen denechten" Re­publikanern der Radikalen und denmonarchi­stischen" Republikanern der Katholischen Volkspartei spiegelte sich zuerst in den Maß­nahmen wieder, mit denen das Verbrechen vom Oktober 1934 gesühnt werden sollte. Der Kampf zwischen den beiden Tendenzengerechte Bestra­fung" undNachsicht" entschied sich zugunsten der letzteren. Man schlug im Oktober 1934 wohl den Feind, aber man vernichtete ihn nicht. Er sammelte seine Kräfte und erstarkte, um zum neuen Schlage auszuholen, der dann schließlich am 16. Fe­bruar erfolgt ist. Das Vertrauen in Gil Nobles wurde schon damals stark erschüttert, als man die Haupträdelsführer nicht zum Tode verurteilte, son­dern begnadigte und sie sogar von der marxistischen und separatistischen Presse verherrlichen ließ.

Der Todesstoß wurde der von Gil Nobles ver­folgtenTaktik" schließlich versetzt, als d i e R a d i - taten in mehrere große Skandalaffären verwickelt wurden, ohne daß der Führer der Volks­partei hierin einen Grund für die Lösung des Freundschaftsverhältnisses mit Lerroux erblickt hätte. Heute muß derjunge und kluge Führer der spanischen Katholiken erleben, daß er von den ihm nahestehenden Gruppen angefeinbet, von der Linkspresse lächerlich gemacht und von einem Teil der monarchistischen Presse als einunerfahrener Junge, der manchmal wohl Eigenschaften eines Kriegers, aber nicht die Fähigkeit zum Regieren besäße", bezeichnet wird.

Gil Nobles ist heute d e r P o l 11 l k e r d e r v e r- paßten Gelegenheiten. Er ging einer unverzeihlichen Siegesgewißheit in den Wahlkampf. Mit einer ungeheuren, bisher in Spanien einzig dastehenden propagandistischen Wucht versuchte er, die öffentliche Meinung mit Gewalt zu erobern uno die Spuren seiner verfehlten Politik nus dem Be­wußtsein des Volkes hinwegzufegen. Die Wayi- plakate mit der eindringlichen Mahnung a h 11 Spanien!" beherrschten überall das Strahen- bild. Die der Volkspartei nahMehende Presse ver­kündete unermüdlich die Losung^..Alle Macht dem Führer!" und300 Abgeordnete für Gil Nobles!