Nr. 98 Erstes Blatt
186. Jahrgang
Montag, 21. April 1936
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Oie Stimmung in der französischen Provinz.
Aus Perpignan, in der äußersten Südwestecke Frankreichs, in der Nähe der Pyrenäen, wird uns geschrieben:
Paris ist nicht Frankreich, wie hartnäckig auch immer das Gegenteil behauptet werden mag. Jedenfalls ist es bei den Wahlen die Bevölkerung der Provinz, die durch ihre große Mehrheit den Ausschlag gibt. Welche Stimmungen aber herrschen dort vor? Die Pariser Zeitungen geben darüber keine zuverlässige Auskunft, und letzten Endes auch nicht die letzten Wahlergebnisse. Man muß schon selbst hinfahren. Aber wohin? Die „Provinz" ist groß. Sie umfaßt schließlich das ganze Land, vor allem jedoch den Süden, der sich, durch die weite Entfernung unterstützt, am stärksten gegen den allmächtigen Einfluß der Hauptstadt Paris gewehrt hat. Dort mußte es also möglich sein, etwas über die wahre Stimmung der französischen Provinz zu erfahren.
In der äußersten Südwestecke des Landes liegt das Departement der Ostpyrenäen mit der Hauptstadt Perignan. Ehemals hieß dieses Land die Grafschaft Roussillon, bis die Herren der „Großen Revolution" auf Grund ihrer Gleichheitsprinzipien das ganze Land willkürlich in 90 Departements einteilten. Aber in der einheimischen Bevölkerung hat der alte Name „Roussillon" seine Bedeutung behalten. Bis ins 17. Jahrhundert hinein hatte die Grafschaft zum spanischen Königreich Aragonien gehört. Kardinal Richelieu nahm angebliche Gewalttaten des spanischen Gouverneurs zum Vorwand, um das ganze Land zu erobern und Frankreich einzuverleiben, ein Verfahren, das ja auch in deutschen Länden in ähnlicher Weise von ihm angewandt worden ist.
Das heutige „departement des Pyrenöes-orien- tales“ ist noch insofern bemerkenswert, als es das einzige in ganz Frankreich ist, welches sowohl in der Kammer wie im Senat nur durch Sozialisten vertreten ist. Sollte diese Bevölkerung wirklich marxistisch gesinnt sein, deren große Mehrheit aus Weinbauern, Küfern und kleinen Gewerbetreibenden besteht und in der es kaum unselbständige Arbeit gibt? Außerdem hatte die Umfrage des „Ind^pendant des Pyrenäes-orientales“, der einzigen Zeitung des Departements, die unter ihren Lesern durchgeführt worden war und deren Ergebnisse am 29. März, dem Tag des Bekenntnisses des deutschen Volkes zu seinem Führer, veröffentlicht wurden, überraschenderweise gezeigt, daß die Bevölkerung von Roussillon in außenpolitischer Hinsicht genau das Gegenteil von dem wünscht, was die sozialistische Partei in Paris vertritt. Von den annähernd 8000 Antworten haben sich nämlich durchschnittlich 80 vom Hundert gegen die Sanktionspolitik des Völkerbundes, gegen die Beibehaltung der Entente mit England, aber für eine Entente mit Deutschland und sogar für eine allgemeine Konferenz zur Abänderung der Friedensverträge ausgesprochen.
Es lag nahe, daß unser erster Weg in Perpignan zur Redaktion dieser Zeitung führte. Wir wurden von dem Direktor (in Frankreich liegt die Leitung von Verlag und Schriftleitung gewöhnlich in einer Hand), einem jugendlichen Südfranzosen, der den unverfälschten Dialekt seiner Heimat sprach, freundlich ausgenommen. Seine näheren Erläuterungen unterstrichen noch die Bedeutung der „Volksabstimmung von Roussillon". Der „Jndspendant" ist die einzige Zeitung des Departements, richtet sich also an alle Schichten der Bevölkerung. Zur Beantwortung waren nur fünf Tage Zeit gegeben. Trotzdem sind von den Beziehern aus ganz Frankreich und sogar aus den Kolonien Antworten ein- gelaufen. Diele haben ihre Abstimmungen noch näher begründet und bekräftigt. Für die Entente mit Deutschland haben sich vor allem die ehemaligen Kriegsteilnehmer und die Frauen ausgesprochen. Aber auch fast alle sozialistischen Parteigrößen und Wähler — der Direktor der Zeitung, der die meisten persönlich oder dem Namen nach kennt, konnte das betätigen — zählten zu den Freunden Deutschlands.
Am Abend folgte ich der Einladung eines Kandidaten für die Kammerwahlen, mit ihm in die Ortschaften der Pyrenäen hinaufzufahren, wo er Tag für Tag seine Wahlversammlungen abhält. Es war eine romantische Fahrt. Reichlich fünf Stunden waren wir unterwegs. Bis zu taufend Meter Höhe wurden mit dem Wagen erklommen. In drei verschiedenen Ortschaften wurden Versammlungen abgehalten. Die Bevölkerung, zumeist Weinbauern und Berghirten, nahmen regsten Anteil; vielleicht war es für sie auch nicht zuletzt eine willkommene Abwechslung in ihrer Einsamkeit. Der Kandidat, ein Gegner der kommunistischen „Volksfront" und des Sowjetpaktes, versuchte seinen Zuhörern klarzumachen, daß die „Volksfront" in Frankreich auf Anstiften der kommunistischen Internationale zu- ftanbegetommen sei. Moskau habe ein Interesse daran, daß es in seinem Kampf gegen den Faschismus von Frankreich unterstützt werde. Und diese Unterstützung sei ihm nur sicher, wenn reich eine Regierung am Ruder sei, die unter dem maßgeblichen Einfluß der Kommunisten stehe.
Da die Zuhörer zumeist auf die Pa^eien der „Volksfront" eingeschworen waren, schloß sich an die Worte des Kandidaten regelmäßig eine hitzige Aussprache. Viele erklärten, daß sie von Außenpolitik nichts verstünden, jedoch soviel wüßten, daß sie keinen Krieg mit Deutschland wollten. Aber es handele sich darum, den Pariser Kapitalismus, die Großbanken und die Rüstungsindustrien der Hauptstadt zu bekämpfen, die das Land Roussillon aussaugten und verelenden ließen. Und deswegen setzten und hofften sie auf die „Volksfront". Irgendwelche feindlichen Absichten gegenüber Deutschland wies
Oie Wahlen zur französischen Kammer.
Ruhiger Verlauf des ersten Wahltages.—Oie Ergebnisse aus 605 von 618 Wahlbezirken. Erfolge der Kommunisten.
Paris, 27. April. (DNB. Funkspruch.) Gegen heute morgen 4 Uhr liegen von den gestrigen Kammerwahlen an amtlichen Stellen die Wahlergebnisse aus 6 0 5 von 618 Wahlbezirken vor. In 1 7 9 W a h l k r e i s e n ist die Wahl endgültig, während in den anderen 426 Bezirken Stichwahlen notwendig sind. Nach diesen Ergebnissen ergibt sich vorläufig nachstehendes Bild:
Sitze
Partei behauptet
Gewinn
Verlust
Kommunisten
6
3
0
Sozialisten (8810) Sozialistisch-Republikanische
21
2
6
Vereinigung
4
1
0
Unabhängige Sozialisten
1
0
3
Radikalsozialisten
22
2
6
Unabhängige Radikale
10
2
3
Linksrepublikaner
32
5
5
Dolksdemokraten
Republikan.-Demokratische
12
0
2
Vereinigung (Gruppe Marin)
40
10 '
2
Konservative
4
2
0
Lin Ueberblick über diese Ergebnisse und die Stellung der einzelnen Kandidaten bei den Stichwahlen ergibt mit unzweifelhafter Klarheit die bedeutenden Fortschritte, die die Kommuni st en nicht nur in Paris selbst und in dem sog. „Roten Gürtel um die Hauptstadt" erzielt haben, wo bisher neun ihrer Kandidaten endgültig gewählt und etwa 30 in aussichtsreicher Stellung stehen, sondern auch in der Provinz, wo es ihnen gelungen ist, ihre Stimmenzahl zum Teil zu verdoppeln und die Anhänger der gemäßigten Gruppen in eine oft sehr heikle Lage zu bringen.
Die kommunistische „H u m a n i t ä", das Organ der Dritten Internationale, kann daher auch mit einigem Recht von einem Sieg der Partei sprechen, wenn auch die von ihr angegebene Zahl von weiteren 60 aussichtsreichen Kandidaten stark übertrieben sein dürfte. Es ist aber trotzdem bemerkenswert, daß die Gesamtziffer der erhaltenen Stimmen, die bei den letzten Wahlen im Jahre 1932 noch 790 000 betrug, sich verdoppelt hat und auf etwa IV2 Millionen gestiegen ist. Der endgültige Erfolg der Kommunisten wird nunmehr davon abhängen, ob die Disziplin in den Reihen der Volksfront gewahrt wird, d. h. ob die einzelnen in der Volksfront zusammengeschlossenen Parteien ihre Stimme dem Spitzenkandidaten der Linken geben, der in sehr vielen Fällen Kommunist ist. In gewissen Kreisen scheint man Zweifel hieran zu hegen, weil der unerwartet starke Aufschwung der dritten Internationale anscheinend selbst in den Reihen der Volksftont unangenehm überrascht hat.
Line andere Feststellung, die man auf Grund des bisherigen Wahlergebnisses machen kann, ist der deutliche Ruck nach rechts, der sich in den gemäßigten und Rechtskreisen zugunsten der Republikanischen Vereinigung vollzogen hat.
Die Gruppe Marin ist bisher überhaupt diejenige, die von allen Gruppen die meisten neueroberten Sitze aufzuweisen hat. In 40 Wahlbezirken konnte sie im ersten Wahlgang ihre Kandidaten durchbringen und nur in 20 wurde sie geschlagen.
Dafür gelang es ihr aber, in bisher 10 Bezirken neue Sitze zu gewinnen. Besonders bezeichnend für diesen Rechtsruck ist das Wahlergebnis in Lyon, wo der ehemalige Ministerpräsident Her- riot erst an zweiter Stelle hinter dem Kandidaten der Republikanischen Vereinigung folgt, während er bei den letzten Wahlen bereits im ersten Wahlgang mit über 2000 Stimmen Mehrheit gegen den gleichen Kandidaten gewählt worden war. Der Vorsitzende der Republikanischen Vereinigung, Louis Marin, wurde in Nancy im ersten Wahlgang gewählt.
Die Sozialisten, die sich auf Grund der bisher vorliegenden Ergebnisse in einigen Bezirken nicht behaupten konnten, dürften im zweiten Wahlgang zugunsten der kommuni st en noch mehr Sitze ein- büßen, da zahlreiche ihrer Kandidaten in nicht sehr günstiger Stellung stehen.
Der Generalsekretär der Partei, F a u r e, verhält sich in seinem heutigen Kommentar im „Popu- laire" daher auch sehr zurückhaltend und begnügt
sich mit der Feststellung, daß schon eine Beibehaltung der bisherigen Sitze einen Sieg darstellen würde. Das Blatt muß aber nichtsdestoweniger zugeben, daß einige Kandidaten bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden sind, wie man dies bei allen Wahlen erwarten müsse. Der markanteste unter ihnen ist wohl der sozialistische Abgeordnete Jules Mach.
Für die Radikalsozialisten ergibt sich im wesentlichen die gleiche Lage. Auch sie werden Mühe haben, sich im zweiten Wahlgang zu behaupten, denn sie werden nicht nur von den anderen Parteien der Volksfront bedrängt, sondern auch von der Rechten, wofür das Wahlergebnis von Lyon bezeichnend ist.
Eine stichhaltige Vorschau für das Endergebnis läßt sich im Augenblick noch nicht machen, da eine unerwartet hohe Zahl von Kandidaten in die Stichwahl gekommen ist. Es scheint sich aber zu bestätigen, daß auch die neue Kammer keine erdrückende Mehrheit nach der einen, oder der anderen Seite hin aufzuweisen
Devisenkontrolle in polen.
Eine Erklärung der polnischen Regierung.
W a r sch a u, 27. April. (DRV. Funkspruch.) Mil dem heutigen Tage ist durch Verordnung des polnischen Staatspräsidenten und auf Grund einer Ausführungsverordnung des Finanzministers der freie Verkehr mit ausländischen Devisen und Gold verboten worden.
3n einer Erklärung der Regierung wird hervorgehoben, daß teilweise unter dem Einfluß der außenpolitischen Vorgänge und teilweise infolge einer unbegründeten llnruhestimmung im Jnlande sich in letzter Zeit ein sehr umfangreicher Aufkauf von Gold und ausländischen Valuten zu Zwecken der Hortung gezeigt habe. Es würden die Reserven der Notenbank geschwächt und gleichzeitig dem Wirtschaftsprozeh Kapital entzogen, was die Verwirklichung der Regierungspläne zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erschwere. Die Regierung habe sich daher verpflichtet gesehen, eine Kontrolle des Goldverkehrs und des Verkehrs mit ausländischen Valuten einzuführen. Die Erklärung der Regierung hebt weiter hervor, daß die Devisenkontrolle den normalen Wirtschaftsverkehr mit dem Auslande, sowie die Versorgung mit Rohstoffen, Maschinen und Werkzeugen nicht behindern werde. Die polnischen Verpflichtungen aus dem Außenhandel, ebenso wie die polnischen Kreditverpflichtungen werden weiterhin eingehalten werden. Die Regierung betont schließlich, daß sie die vorübergehende Devisenkontrolle nur als Schutzmaßnahme gegen die Spekulation und gegen die wirtschaftliche Miesmacherei einführe.
Die Verordnung bestimmt im wesentlichen die Errichtung einer Devisenkommission bei der Bank von Polen, die die Genehmigung für den Verkehr mit Devisen und Gold erteilen
kann. Genehmigungspflichtig ist der Ankauf ausländischer Valuten, ihre Ausfuhr und ihre Ueber- weisung ins Ausland. Ferner dürfen Zahlungsmittel und Kredite Ausländern nur mit Genehmigung der Devisenkommission zur Verfügung gestellt werden. Genehmigungspflichtig ist weiter der handel mit Gold, die Ausfuhr und die Einfuhr von Gold. Der handel mit ausländischen Zahlungsmitteln darf nur von der Bank von Polen und einer Reihe bestimmter Devisenbanken getätigt werden. Ausländische Forderungen, insbesondere auch für den Warenverkauf ins Ausland, müssen der Bank von Polen oder den Devisenbanken zum Ankauf angeboten werden. Ausländer dürfen nur bei Devisenbanken sog. „Auslandsrechnungen" unterhalten, die je nach Herkunft der Summen entweder als „freies" oder als „Sperrkonto" behandelt werden. Genehmigungspflichtige Zahlungen können bei Forderung des Gläubigers in polnischer Valuta auf Sperrkonto des Gläubigers gezahlt werden. Für alle Verrechnungen in ausländischen Zahlungsmitteln gelten die Kurse der Warschauer Börse bzw. der Bank von Polen.
20 Millionen
für ein ArbeitsbeschaffungSprogramm.
Warschau, 26. April. (DNB.) Der Aufsichts- rat der Bank von Polen hat beschlossen, der polnischen Regierung sofort den Betrag von 20MillionenZloty unter Verzicht auf eigene geplante Investierung für zusätzliche Wegebauarbeiten zur Verfügung zu stellen. Man rechnet, daß mit Hilfe dieses sofort zur Verfügung zu stellenden Betrages 4 0 0 0 0 Arbeitslose vier Monate lang beschäftigt werden können.
die überwiegende Mehrheit weit von sich. Nur in der letzten Versammlung gab es unter etwa zweihundert Zuhörern vier junge Burschen, die sich damit brüsteten, zum Kamps gegen den Faschismus im Ausland mit der Waffe in der Hand bereit zu sein. Im Ganzen genommen aber hatten wir den Eindruck, daß unsere Freunde in Roussillon nur deswegen links wählen, weil sie ihre Heimat und ihre Eigenart gegen die Geldmacht Paris auf diese Weise am ehesten und wirksamsten schützen zu
Rudolf Heß 42Lahre alt.
Berlin, 26. April. (DNB.) Der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, vollendete am heutigen Sonntag sein 4 2. Lebensjahr.
Der Führer sandte an Rudolf H e ß folgendes Telegramm zum Geburtstag: „Mein lieber Heß! Nehmen Sie zu Ihrem heutigen 42. Geburtstage meine herzlichsten Grüße und Glückwünsche entgegen. In alter Freundschaft und treuer Verbundenheit Ihr Adolf Hitler."
Der SA.-Stabschef des Führers, Pg. Viktor Lutze, hat folgendes Telegramm gesandt: „Reichs- minifter Rudolf Heß - München, Braunes Haus. Lieber Pg. Heß! Zum Geburtstage meine und der gesamten SA. herzliche Glückwünsche. Hoffentlich können Sie noch lange bei bester Gesundheit im alten Geist marschieren und kämpfen für Führer und Volk. In kameradschaftlicher Verbundenhett Heil Hitler! Ihr Viktor Lutze."
Generaloberst Göring dankt.
Berlin, 25. April. (DNB.) Reichsminister Generaloberst Göring veröffentlicht folgende Danksagung:
„Anläßlich meiner Ernennung zum Generaloberst sind mir aus allen Schichten der Bevölkerung und allen Teilen des Reiches Glückwünsche in derartiger Fülle zugegangen, daß es mir zu meinem lebhaften Bedauern nicht möglich ist, jedem persönlich zu danken. Ich habe mich über das Gedenken jedes einzelnen herzlich gefreut und bitte, meinen Dank für die mir bezeugte Verbundenheit auf diesem Wege entgegenzunehmen."
Zeichnungen für das Äankopfer.
Berlin, 26. April. (DNB.) Der Stellvertreter des Führers, Reichsminifter Rudolf Heß, SA.- Obergruppenführer Reichsminister Hermann G ö - ring und der Reichsorganisationsleiter der NSDAP, und Reichsleiter der DAF. Dr. L e y zeichneten sich am Samstag in die Ehrenlisten der SA. für das Dankopfer der Nation ein.
Belgischer Ministerbesuch in Warschau.
„Gegner aller Tendenzen, Europa in feindliche Blocks zu teilen."
Warschau, 26. April. (DNB.) Der belgische Ministerpräsident und Außenminister van Zee - land ist am Sonntagnachmittag in Warschau eingetroffen, um den Besuch des polnischen
Außenministers Beck vom März d. I. zu erwidern. Auf dem Bahnhof wurde der belgische Gast von Minister Beck begrüßt. Abends gab Minister Beck zu Ehren van Zeelands ein Essen. Der Aufenthalt des belgischen Ministerpräsidenten in Warschau wird zwei Tage dauern.
In den Begrüßungsartikeln der Presse wird nicht nur auf die traditionelle Freundschaft zwischen Polen und Belgien und auf die günstige Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern hingewiesen, sondern in erster Linie die Aehnlichkeit der politischen Methoden beider Staaten betont. Beide befänden sich zwischen benachbarten Großmächten und müßten Dafür sorgen, nicht in ihre Streitigkeiten hineinge- zogen zu werden. Polen wie Belgien gemeinsam sei der Wille, die volle Unabhängigkeit ihrer Politik aufrechtzuerhalten. Polen wie Belgien zeichneten sich durch ein gesundes Gefühl für die Wirklichkeit aus und feien Gegner aller Tendenzen, Europa in feindliche Blocks z u teilen.
Die der Regierung nahestehende „Gazeta Polfka" hebt hervor, daß die Zusammenarbeit der Minister Beck und van Zeeland die Uebereinftimmung ihrer Ansichten noch vertieft habe. Beide Länder erstrebten einen wirklichen Frieden und eine rationelle internationale Zusammenarbeit auf dem Wege praktischer Lösungen und positiver Formen des Zusammenwirkens, die sie schönen, aber irrealen Lösungen und komplizierten papierenen Konzessionen Vorzügen.


