Ausgabe 
18.6.1936
 
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rufen:Die schießen uns den Jmmelmann kaputt!". Sie haben ihn aber nicht kaputtgeschossen. Meine Kurven und Gleitflüge, überhaupt mein ganzes Fliegen soll ausgesehen haben, als flöge ich schon wochenlang auf Fokker, nicht erst drei Tage.

Als Auszeichnung habe ich gestern das E. K. I er­halten. Nun habe ich den schönsten Orden, den ein junger Offizier überyaupt bekommen kann.

Oer Arbeiterdichter Heinrich Lersch -f.

Der Arbeiterdichter Heinrich Lersch ist nach kurzem Krankenlager an einer Lungen- und Rippen­fellentzündung im Krankenhaus in Remagen a. Rh. g e st o r b e n. Der Dichter stand im 47. Lebensjahr.

Heinrich Lersch wurde am 12. September 1889 als Sohn eines Kesselschmiedes in München-Gladbach geboren. Seine Jugend war, wie er selber geschildert hat, hart und schon früh von Arbeit erfüllt. Nach schweren Jahren verließ er die Heimat und begann ein Wanderleben, das ihn in die Schweiz, nach Ita­lien und nach Wien führte, wo er einen Winter lang obdachlos und hungernd umherirrte. Sehnsucht und Heimweh trieben ihn nach der Heimat zurück, wo sich die Eindrücke seiner Wanderzeit dichterisch auszu­wirken begannen. Nach einzelnen Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften erschien 1914 Lerschs erstes Buch unter dem TitelAbglanz des Lebens". Wenig später wurde Lerschs Name im ganzen Reich durch sein berühmtes LiedSoldatenabschied" be­kannt, dessen RefrainDeutschland muß leben, und wenn wir sterben müssen" bald von Mund zu Mund ging. Die folgenden GedichtsammlungenHerz, auf­glühe dein Blut" undDeutschland" sind ganz vom Erlebnis des Krieges erfüllt.

Nach dem Kriege erschloß Lersch mit seinem RomanDie Kesselschmiede" auch die Welt der Arbeit und des Arbeiters, hielt sich aber persönlich von allen Arbeiterorganisationen wie von einer tendenziös-kämpferischen Richtung in seinen Büchern frei. Die Gesänge von Volk und Werk unter dem TitelDer Mensch in Eisen" bilden einen Hymnus auf den Werktag und die Arbeit an Maschinen und in Fabriken. Von seinem Familienglück berichtete Lersch in dem BucheManni, Geschichten von meinem Jungen", während er in seinemDank des Dichters" seiner Mutter ein schönes und bleibendes Denkmal gesetzt hat. Für seinen zuletzt erschienen GedichtbandMit brüderlicher Stimme" erhielt Lersch den Rheinischen Dichterpreis. Sein jüngster RomanDie Pioniere von Eilenburg" spielt um das Jahr 1850, in der Frühzeit der deutschen Arbeiterbewegung, und enthält erschütternde Bilder aus dem damaligen Kampfe von Arbeitern und Handwerkern um ihre Lebensmöglichkeiten.

Der Dichter ist vor nicht langer Zeit auch bei uns in Gießen zu Gast gewesen, und viele werden sich heute, bei der Nachricht seines unerwarteten und allzu frühen Todes, an die starken und leben­digen Eindrücke seines Vortragsabends erinnern.

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Nr. HO Zweiter Blaff

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Donnerstag, 18. Zuni 1956

Wöllke stieß die Kugel 16,54 Meter.

Neuer deutscher Rekord.

In der Heeressportschule Wünsdors trug eine ber­liner Mannschaft am Mittwoch gegen die besten Leichtathleten der Wehrmacht Einladungskämpfe in Form eines Klubkampfes aus, den Wünsdorf im Gesamtergebnis mit 60:57 Punkten gewann. Die beste Leistung vollbrachte der Europa-Rekordmann im Kugelstoßen Wöllke (Polizei Berlin), der sei­nen eigenen Rekord von 16,335 gleich beim ersten Wurf auf 16,54 Meter schraubte. Bei seinen späte­ren Würfen blieb er allerdings jedesmal unter der 16-Meter-Grenze. Einen Doppelerfolg hatte Feld­webel Leichmn; er gewann den Weitsprung mit 7,13 Meter und den 100-Meter-Lauf in der er­staunlich guten Zeit von 10,5 Sekunden trotz weicher Bahn klar vor dem Berliner Fischer.

Vereinswetikampf in Burkhardsfelden.

Am Sonntag trafen sich auf dem schönen Sport­platz zu Burkhardsfelden die Turnvereine Großen- Buseck, Reiskirchen, Beuern und Burkhardsfelden zu einem volkstümlichen Vereinswettkampf. Zum Aus­trag kam ein volkstümlicher Fünf-Kampf. Jeder Verein hatte 15 Mann zu stellen, von denen fünf Mann Schüler, fünf Mann Jugend- und fünf Mann aktive Turner waren. Die Leitung hatten die vier Vereinsführer. Zum Austrag kam ein von einer Firma aus Großen-Buseck gestifteter Wanderpreis für die Gesamtbestleistung und für die besten Schü­ler eine vom Tv. Reiskirchen gestiftete Jahnplakette.

Turnbruder H e n ß (Großen-Buseck) eröffnete den Kampf und mit dem alten Turnerlied mar­schierten die Wettkämpfer an die Plätze.

Nach der Festellung der Kampfrichter ergab sich am frühen Nachmittag folgende

Gesamlbewerlung:

1. Tv. Großen-Buseck 1211 Punkte; 2. Tv. Reis­kirchen 1103; 3. Tv. Beuern 1037; 4. Tv. Burk­hardsfelden 936

Einzelmannschaffsbewerlung:

Aktive: 1. Tv. Reiskirchen 335 Punkte; 2. Tv. Beuern 331; 3. Tv. Großen-Buseck 299; 4. Tv. Burkhardsfelden 263.

Jugend: 1. Großen-Buseck436Punkte; 2.Reis­kirchen 344; 3. Burkhardsfelden 292; 4. Beuern 248.

Schüler: 1. Großen-Buseck 476 Punkte; 2. Beuern 458; 3 Reiskirchen 424; 4. Burkhardsfel­den 381.

Der Tv. Großen-Buseck konnte also den Wander­preis für sich erringen, ebenfalls die Schüler aus Großen-Buseck.

Die drei besten Einzelleistungen aus den einzel­nen Mannschaften ergaben folgendes Bild:

Aktive: 1. L. Launspach, Reiskirchen, 81 P.; 2. H. Rühl, Beuern 73; 3. Karl Rühl, Großen- Buseck, 71.

Jugend: 1. E. Opper, Reiskirchen, 104 Punkte; 2. K. H. Ortwein, Großen-Buseck, 102; 3. Fritz Müller, Großen-Buseck, 94.

Schüler: 1. W. Mattern, Großen-Buseck, 127 Punkte; 2. Karl Schornber, Beuern 108; 3. Hch. Jünger, Reiskirchen, 97

Die Leistungen der Jugendlichen reichten fast an die der Aktiven heran. Bei den Aktiven erreichte Launspach, Reiskirchen, bei weitern nicht seine ge­wohnte Leistung, da er noch unter den Nachwehen einer kaum überstandenen Krankheit litt. Rühl, Beuern, verscherzte sich durch dreimaliges lieber« treten im Weitsprung mindestens 20 Punkte. Gro­ßen-Buseck hatte seine Stärke in der Schüler- und

Jugendmannschaft, während bei Reiskirchen trotz Verhinderung drei der Besten die Aktiven an der Spitze lagen. Bei Beuern waren die Aktiven eben­falls mit Ersatz und die Schüler gut, während die Jugend stark abfiel. Burkhardsfelden hielt sich gut, wenn man berücksichtigt, daß der Verein der ge­ringen Einwohnerzahl wegen nicht die Auswahl hat, wie ander Vereine.

Schöne Leistungen brachten die beiden alten Kämpen R ü h l, Großen-Buseck, und PH. Launs­pach, Reiskirchen, die sich mit ihrem Alter von über 30 Jahren und mit 71 und 70 Punkten gegen­über dem jungen Nachwuchs sehr gut behaupteten.

Am Nachmittag konnte der Ringturnwarf Ste­phan, Großen-Buseck, die Siegerverkündung vor­nehmen und dem siegreichen Verein Großen-Buseck die beiden Wanderpreise aushändigen. Mit einem Treuegelöbnis zum Führer schloß er seine Ausfüh­rungen. In echter turnerischer Kameradschaft ver­brachte man den Nachmittag.

Ortsgruppe Gießen des 3Rf£.

Fachaml V, Schwimmen.

Die Abnahmen für das Reichssportabzeichen fin­den bis auf weiteres jeden Samstag nachmittag von 18 bis 20 Uhr in der Müllerschen Badeanstalt statt.

Deutsche Lebensretlungs-Gesellschafl.

Lehrkurse und Prüfungsabnahmen bis auf weite­res jeden Montag von 18.30 bis 20 Uhr in der Müllerschen Badeanstalt. Alle geprüften Rettungs­schwimmer werden zu einer Wiederholung auf Mittwoch, den 24. Juni, von 18.30 bis 20 Uhr ein» geladen.

Prüfung für das Reichssportabzeichen bet den Paddlern.

Die Paddler-Gilde Gießen nimmt am morgigen Freitagabend, 19 Uhr, auf ihrem Bootsplatz die Leistungen im Kanu-Sport für das Reichssportab­zeichen ab.

Fußballklub 1926 Großen-Buseck.

Daubringen I Großen-Buseck I 1:5.

Steinberg 1. Jgd. Großen-Buseck 1. Jgd. 1:0.

kesselbach Jgd. Großen-Buseck 2. Jgd. 2:2.

Die erste Mannschaft weilte am Sonntag zu einem Rückspiel in Saubringen und konnte dort trotz zwei Ersatzleuten in einem schönen Spiel einen überzeugten Sieg erringen. Daubringen war, trotz guter Leistungen, dem gut aufgelegten Bufecker Sturm nicht gewachsen. Aber auch die Hintermann­schaft von Großen-Buseck zeigte sich von der besten Seite und wußte jeden Angriff der Gastgeber zu unterbinden. Daubringen mußte sich am Schlüsse, obwohl das Spiel bei Halbzeit noch 1:1 stand, 5:1 geschlagen bekennen.

Die 1. Jugend stand am Vormittag in Steinberg der gleichen derTeutonen" im fälligen Pflichtspiel gegenüber und verlor nur knapp 1:0, obwohl sie mit nur neun Mann antreten konnte und darüber hinaus auf zwei ihrer besten Spieler verzichten mußte.

Die zweite Jugend maß ihre Kräfte mit der Ju­gend des Sportv. Keffelbach und konnte ein ehren­volles 2:2 herausholen.

Nächsten Sonntag findet nur ein Spiel, und zwar Großen-Buseck I Grohen-Linden I

statt. Im Vorspiel konnte Großen-Linden einen glück­lichen 4:3-Sieg erringen. Es ist jedoch fraglich, ob ihnen auch im Rückspiel in Großen-Buseck einen Sieg gelingen wird. Allerdings dürfen die Einheimi­

schen das Spiel nicht auf die leichte Schulter neh­men, sonst kann mit einem Siege nicht gerechnet werden.

Kurze Sportnotizen.

Englands Touri st -Trophy wurde am Montag mit der Junior-TT. der 350er Maschinen über 425 Kilometer (7 Runden) eingeleitet. Sieger wurde der junge Engländer Frith (Norton) in 3:17:46 vor White (Norton) und dem früheren NSU-Fahrer Mellors auf Velocette. Die Deut­schen Steinbach und Fleischmann auf NSU

belegten in 3:29:33 bzw. 3:29:50 den fünften und sechsten Platz. Die Favoriten Stanley Woods und der Vorjahrssieger Guthrie schieden vorzeitig aus.

Eine internationale Kanuregatta mit 109 Booten und 278 Paddlern aus 26 Vereinen wird am 21. Juni auf dem Main in Frankfurt aus­getragen. In den vier Senior-Rennen starten neben der besten südwestdeutschen und westdeutschen Klasse auch Vertreter von Italien, Jugoslawien und Belgien.

Gchmeling vor dem Kampf.

Arn Abend des 18.Juni steigt Schrneling in den Ring gegen seinen amerikanischen Gegner Joe Louis. Dieses letzte Bild aus seinem Trainingslager Napanoch zeigt den deutschen Ex-Weltmeister beim gemütlichen Skatspiel. Diesmal betätigt er sich allerdings nur alsKiebitz". (Presse-Photo-M.)

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Die leichtathletischen Kreismeisterschaflen.

Nun gehören auch die Kreismeisterschaften der Männer der Vergangenheit an. Nachdem diese noch am Mittag des ursprünglich festgesetzten Termins wegen Unbenutzbarkeit der Platzanlage abgesagt werden mußten, konnten gestern abend in allen Konkurrenzen die Kreismeister ermittelt werden. Die Kämpfe mußten an einem Wochentage in Form einer Abendveranstaltung durchgeführt werden, da bereits am 28. Juni die Gaumeisterschaften zum Austrag kommen. Wenn sich auch auf dem Platz der Spvg. 1900 nicht viel Zuschauer eingefunden hatten, so konnten doch die wenigen, die anwesend waren, Zeuge z. T. sehr spannender Kämpfe werden.

Die Meisterschaften wurden eingeleitet mit dem 100-Meter-Lauf, dem Speerwerfen und dem Weit­sprung. Heber 100 Meter siegte Moos vom Tv. Lollar in 11,5 Sekunden vor seinem Vereinskame­raden Klinke!, der 11,8 Sekunden benötigte, und Adam, Spvg. 1900. Im Weitsprung siegte Vieh! vom Tv. Lollar mit der guten Leistung

von 6,44 Meter. Die ersten drei Kämpfe brachten den Sportkameraden aus Lollar recht gute Erfolge; denn auch ihr Speerwerfer Dietz gewann mit 46,43 Meter. Dietz dürfte bei fleißigem Training die 50-Meter-Marke bald Überwerfen. Den Hoch­sprung gewann Rudolph von der Spvg. 1900 mit 1,65 Meter ohne auszuspringen. Mit Rücksicht auf den nicht sehr guten Zustand der Sprunganlage zog er es vor, weitere Sprünge nicht mehr zu machen. Rudolph vertritt am kommenden Sonntag den Gau Hessen im Hoch- und Weitsprung bei den deutschen Junioren-Meisterschaften in Stuttgart. Wir wünschen ihm hierzu das Beste. Noch einige spannende Kämpfe gab es bei den Läufen. Ulm vom Tv. Heuchelheim wurde beim 200-Meter-Lauf mit Handbreite von Adam, Spvg. 1900, Sieger. Die 800 Meter gewann Bepperling vor Peters und Erwin Neidei. Ueber 5000 Meter waren nur zwei Läufer am Start. Hans Neidei vom To. Heuchel­heim lief ohne Gegner ein sehr feines Rennen und

OerAdler von Litte".

Max Jmmelmann zum Gedächtnis.

Nun jährt sich der Tag, an dem vor zwanzig Jahren derAdler von Lille", der Fliegerleutnant Max Jmmelmann, von uns ging (18. Ium 1916). Das junge Fliegerdeutschland und vor allem die junge deutsche Luftwaffe wird diesen Jüngling nie vergessen, dem sein Bruder in dem Buche Jmmelmann, der Adler von Lille" (Verlag von K. F. Köhler, Leipzig), ein schönes literarisches Denkmal gesetzt hat. Ueber seinen ersten Kriegs- flug der zugleich sein erster Luftsieg war, berichtet Max Jmmelmann an seinen Bruder aus Douai u. a.:

Für den 1. August hatte ich mit meinem Beobach­ter einen Fernauftrag. Wir sollten um 4 Uhr mit dem Auto abgeholt werden. Das Auto wurde aber abgesagt, weil fein Flugwetter sei. Also konnte man weiter schlafen. Um 4.45 Uhr französischer Zeit (5.45 Uhr deutscher Zeit) erwache ich von einem wüsten Geknalle. Ich eile ans Fenster und da sehe ich den Scherz: etwa zehn Flugzeuge (feindliche) schwirren in etwa 2500 bis 3200 Meter Hohe über unserem Platz herum und lassen fortwährend Bom­ben fallen. Dazu das Schießen der Fliegerabwehr­kanonen. Es war ein Lärm und ein Krachen wie feit langer Zeit nicht mehr. Also muß doch wohl Flugwetter sein. Ich lasse sofort nach einem Auto telephonieren, ziehe mich an und fahre ins Ka­sino, um zu frühstücken. Unterwegs treffe ich B o e l ck e, der auf dem Motorrade rausfährt, um die Feinde mit feinem Kampfeindecker zu vertrei­ben Nach etwa zehn Minuten fahre ich raus. Mein Beobachter sagt mir, er hielte es für aus­sichtslos, aufzusteigen, die Fernsicht sei schlecht. Das ärgerte mich, denn nun war ich einmal draußen, nun wollte ich auch fliegen. v . .

Es waren noch mindestens zehn Feinde in der Lust Boelcke sah man in der Ferne einen anderen Eindecker verfolgen. Ich, nicht faul, ziehe den an­deren Fokker aus dem Stall und brumme ab. Als ich 2000 Meter hoch bin, ziehen über mir zwei Feinde dahin, etwa 2600 Meter hoch Sie fliegen in Richtung Arras, ich komme von da. Ich war froh, daß sie mich nicht angriffen, denn 600 Meter tiefer wäre ich wehrlos gewesen. Als ich fast in Douai war, war ich 2400 Meter hoch, als ich aber­mals zwei Feinde und außerdem Boelcke traf. Sie waren 3200 Meter hoch. Alle drei flogen m Rich­tung Arras. Ich flog nun auch nach Arras, in per Hoffnung, bis dahin ebenso hoch zu sein, u Boelcke zu helfen, denn ich hörte das Knattern d

Plötzlich sah ich Boelcke stell runtergehen. Wie ich später erfuhr, hatte er eine schwere ßaöepemmung, so daß er nicht mehr schießen konnte. Ich war c)- rabe halbwegs zwischen Douai und Arras, als a) weit vor mir einen dritten Flieger jah . Wir wa­ren etwa in gleicher Höhe. Ich konnte nicht seh , ob es ein feinlicher ober ein eigener war. Icy [iog

auf ihn zu. Da sah ich, daß er über Vitry Bom­ben abwarf. Nun war es klar: es war ein Feinb. Ich stieg noch etwas unb flog auf ihn zu. Etwa 80 bis 100 Meter war ich höher, in ber Geraben etwa 50 Meter entfernt. Groß unb beutlich sah ich bie französischen Abzeichen: blau-weiß-rote Ringe. Nun war kein Zweifel mehr. Die beiben anberen kamen jetzt auch auf mich zu, wenngleich sie auch noch viel höher waren. Ich mußte also schnell hanbeln. Wie ein Habicht stürzte ich mich auf ihn unb schoß

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mit meinem Maschinengewehr Für einen Augen­blick glaubte ich, in ihn hinelnzufliegen. Ich hatte etwa 60 Schuß verfeuert, als ich eine Labehem­mung hatte. Das war recht unangenehm, denn zum Beseitigen brauchte chi beibe Hanbe ich mußte also völlig freihänbig fliegen, ohne bie Steuerhebel be- bienen zu können. Dies war mir noct) neu unb fremb, aber es gelang. Das ist mir im Laufe b Kampfes bann noch zweimal postiert.

Inzwischen hatte ber Femb Richtung Arras ge­nommen. Schnell setzte ich mich neben ihn unb schnitt ihm ben Rückweg ab, inbem ich ihn zwang, eine Linkskurve zu machen, b. h. R'ckMrig Douai zu neh- k7mmen°Jn meinen frörte J«njJ

senkrecht über meinem Opfer, weil kein Doppelbecker

senkrecht nach oben schießen kann. Nach 450 bis 500 Schuß ber Kampf hatte etwa acht bis zehn Minu­ten gebauert ging ber Feinb in steilem Gleitflug runter. Ich ihm nach. Schießen konnte ich nicht mehr, bas Maschinengewehr versagte. Als ich sah, baß er gelanbet mar, lanbete ich sofort neben ihm, stieg aus unb ging auf ihn zu. Kein Mensch war in ber Nähe, ich ohne jebe Waffe. Werben bie Insassen Wiberstanb leisten? Es war ein unangenehmer Augenblick. Schon von weitem rief ich:Prisonniers! (Gefan­gene). Erst jetzt sah ich, baß nur einer barin saß. .Er hatte bie rechte Hanb erhoben, zum Zeichen, baß er keinen Wiberstanb leisten wolle.

Ich ging zu ihm hin. Ich gab ihm bie Hanb unb sagte:Bon jour, Monsieur! (Guten Tag, mein Herr!) Er antwortete englisch.

Ich:Ah, you are Englishman? (Sie sinb Eng- länber!)Yes. (Ja.)You are my prisoner! (Sie sinb mein Gefangener!)

My arm is broken, you shot very well (Mein Arm ist gebrochen, Sie schossen sehr gut.)

Jetzt sah ich erst, baß er am linken Arm schwer oerwunbet war. Ich half ihm beim Aussteigen unb legte ihn ins Gras, zog ihm bie Hanbschuhe aus unb schnitt ihm bie Aermel von Leberrock, Uniform unb Hemb auf. Der Unterarm war burchschossen.

Schon kamen von allen Seiten Autos an, benn man hatte ben Kampf von Douai aus beobachtet, Deutsche unb Franzosen. Ich schicke sofort nach einem Arzt. Allerseits würbe mir herzlichst Glück gewünscht. Nun hatte ich enblich Zeit, bie Maschine anzusehen. Ich hatte gut geschossen. Im Propeller zwei Schuß, im Motor keiner. Im Benzinbehälter brei Schuß, im Rumpf vier bis fünf, in ben Tragflächen sechs, bie ganzen Meßapparate, wie Höhenmesser, Winb- messer, Tourenzähler, alles war zerschossen. Mehrere Drahtseile, bie bie Maschine versteifen, einige Selle, die bie Steuervrgane betätigen, bie Bombenabwurf- Vorrichtung, bas linke ßaufrab fast alles war kurz unb klein geschossen. Es waren etwa vierzig Treffer im Apparat. ...... ...

Als ich ben erbeuteten Apparat unter militärische Bewachung gestellt hatte unb ben Verwunbeten in ärztlicher Behanblung unb Obhut wußte, flog ich wieber ab, um meine Maschine nach Hause zu brin­gen. Ich fuhr bann nochmals mit bem Auto zu meinem erbeuteten Flugzeug, weil ber Hauptmann inzwischen borthin gefahren war. Er freute sich riesig unb war sehr stolz, baß nun schon brei Maschinen von seiner Abteilung heruntergeholt waren.

Der verletzte Führer bes erbeuteten Flugzeugs, ein junger englischer Leutnant, William Reib mit Namen,' war ins Lazarett gebracht worben.

Auf bem Platz wieber angekommen, stieg ich gleich noch einmal auf, biesmal mit meinem 150-P8-Dop- pelbecfer, unb warf über St. Pol eine Mitteilung ab, daß wir einen heruntergeholt haben.

Im Kasino war ich nun ber Helb bes Tages. Die Glückwünsche ber Kameraben waren neidlos. Boelcke, der den Kampf von unten beobachtet hatte, ist auf dem Platz herumgelaufen und hat ge-