Ausgabe 
2.9.1936
 
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r. 205 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch, 2. September (036

Das Werk eines heimischen Künstlers.

Das von der Gefolgschaft Joh. Balch. Noll der Firma gewidmete Wand­bild hat'der hiesige Kunst­bildhauer Karl Bour- c a r d e entworfen und aus Holz geschnitzt. Es stellt eine Zigarrenmache­rin an ihrem Arbeitstisch dar und ist ein wahres Kunstwerk. Das Bild ist in den nächsten Tagen im Schaufenster der Firma Wilh. Möser ausgestellt.

(Aufnahme: Bourcarde.)

Rückblick auf die Erntewochen.

Lob den freiwilligen Helfern.

Aus der Provinzialhaupistadt.

Brotaufstrich aus Obst spart Devisen.

VA. Weite Kreise der deutschen Bevölkerung stehen tyn gesunden Brotaufstrichmitteln aus Obst immer stoch recht skeptisch gegenüber. Das Wort Marme- jgde erweckt in ihnen, wenn es ausgesprochen wird, heute noch Bilder aus der Kriegs- und Nachkriegs- Jit, in denen selbst Menschen, die sich gegen Süßig- fiiten jeglicher Art grundsätzlich abgeneigt zeigen, Sie sogenannte Marmelade essen mußten, wenn sie ihr Brot nichttrocken" verzehren wollten. Die Vorurteile gegen diese gestreckten Erzeugnisse der ergangenen Zeit, die wirklich, wie die heutige Obstoerwertungsindustrie auch zugibt, eher alles Ödere darstellten als Marmeladen, haben heute keine Berechtigung mehr. Man muß sich hüten, die damaligen sogenannten Marmeladen mit dm Erzeugnissen der modernen Obstverwertungs- industrien zu vergleichen. Wenn in Deutschland «ährend des Krieges jährlich nur rund 7 bis 8 Millionen Zentner Brotaufstrichmittel hergestellt «erben mußten, dann lassen sich ja leicht bei den damals in nur geringen Mengen zur Verfügung ftkheuden Rohstoffen Rückschlüsse auf die Beschaf­fenheit der damaligen Erzeugnisse ziehen. Zu be­rücksichtigen ist dabei außerdem, daß die Marme- ladeindustrie 1914 noch in den Kinderschuhen steckte und nur über geringe Erfahrungen ver­fügte. Nur die Erzeugung von Obstkraut und Obst­gelee wurde schon vor dieser Zeit innerhalb der einzelnen Hauswirtschaften betrieben. So waren an sch die Vorurteile gegen die Erzeugnisse der Mar- Mladeindustrie lange Jahre hindurch gerechtfertigt. Heute dürfen wir aber nicht mehr übersehen, daß ber Obstverwertungsindustrie hinreichende Rohstoffe fvbst und Zucker) zur Verfügung stehen, und daß st gerade in der Kriegszeit ihre Feuerprobe glän­zend bestanden und aus den vielen Mißerfolgen und Fehlschlägen ungeheuer wichtige Lehren ge­zogen hat.

Die Tatsache, daß die Erzeugnisse der Marme- lcdeindustrien sich heute steigender Beliebtheit er­freuen, und daß sie durch sich selbst den Kampf gegen alle Vorurteile mit beachtlichem Erfolge füh­ren konnten, ist der beste Beweis, daß Marmelade unb Marmelabe eben zweierlei ist. Nach bem Kriege nahm bie Marmelabeprobuktion wesentlich ab. 1925 würben kaum noch 2 Millionen Zentner Brotaufstrichmittel aus Obst hergestellt, unb in ben folgenben Jahren verminberte sich auch biese Menge noch beachtlich. Die Menschen hatten es satt, bas Nahrungsmittel ber Notzeit zu kaufen, zumal sie für einen geringen Mehrpreis fetthaltige Waren bekommen konnten. Die ausländischen bil­ligen Fette brohten bie Marmelabeinbustrie enb- gültig zum Erliegen zu bringen. Selbst als auf @runb technischer Fortschritte bie beste Qualitäts- marmelabe auf den Markt kam, konnte sie sich nicht durchsetzen, weil inzwischen die beginnende Wirtschaftskrise die Kaufkraft so geschwächt hatte, daß die deutsche Hausfrau sich mit der butterähn- s lichen Margarine begnügen mußte, da die Preise für die Qualitätsmarmelade oft viel höher lagen. Erst in den letzten Jahren, als es der Bevölkerung uif Grund der bekannten Marmeladeverbilligungen «möglicht wurde, sich in der Versorgung mit Lrotaufstrichmitteln weitgehend auf Marmeladen ivnzustellen, erlebte die' Obstverwertungsindustrie Mf dem Gebiete der Marmeladeherstellung einen gewaltigen Aufschwung.

Seit dem Tiefstand im Jahre 1931 entwickelte sich bie Erzeugung von Brotaufstrichmitteln folgender­maßen:

1931: 1,065 Millionen Zentner

1932: 1,096

1933: 1,242 1934: 1,361 1935: 2,010

Mengenmäßig hatten die einzelnen Sorten von Lrotaufstrichmitteln aus Obst folgenden Anteil an den genannten Gesamtzahlen:

960 000 Zentner

196 000 93 000 112 000 1 500 000

180 000 250 000

Kraut 80 000

Es war ein herzerfreuender Anblick, als ich vor zehn bis vierzehn Tagen durch die Felder ging und die unendlichen Fruchthaufen in zahlloser Fülle auf den Aeckern stehen sah. Das stolze Bewußtsein schwellte mir die Brust: Der Herr hat alles wohl­gemacht, gebt unserm Gott die Ehre! Schien es auch manchmal so, als sei die reiche Ernte durch das anhaltend ungünstige Wetter bedroht, so dürfen wir mit Dankbarkeit anerkennen, daß unsere fleißi­gen Bauersleute wohl vermehrte Arbeit hatten, weil viel Getreide nicht wie in trockenen Jahren mit der Maschine hingelegt, sondern mit Sichel und Sense geschnitten werden mußte, trotzdem aber nichts von dem Erntesegen verdorben oder gar um­gekommen ist. Und nun sind die Fluren leer. Das ist nicht minder erfreulich: Es ist ein Zeichen, daß all die reichen Erträge wohlgeborgen in der Scheune, zum Teil gar schon auf dem Speicher ruhen.

Großen Anteil an der Bergung der Ernteschätze haben die freiwilligen Helfer, die sich in den Dienst der Landwirtschaft und damit des ganzen deutschen Volkes gestellt haben. Ihnen allen sei Dank dafür gesagt. Besonders rühmend werden die jungen Kameraden des Reichsarbeitsdienstes er­wähnt, die in zahlreichen Gruppen zu 15 bis 20 Mann aufs Land hinauszogen und dort ihre volle Schuldigkeit taten. Das ist die Meinung des ar­beitsgewohnten und sachverständigen Bauern, der solche Mithilfe zu würdigen weiß.

Nicht weniger anzuerkennen ist aber auch die Tätigkeit der unbezahlten Helfer: der Schulju-

Der Wert der Marmeladenerzeugnisse betrug tm Jahre 1934 bereits 43,8 Millionen Reichsmark und stieg im Jahre 1935 auf rund 75 Millionen Reichs­mark. 581 Firmen beschäftigten sich im Jahre 1934 mit der Herstellung von Marmelade und 753 Firmen mit der Erzeugung von Obstkraut und Gelee. Diese Zahlen vermögen ein anschauliches Bild von der volkswirtschaftlichen Bedeutung der industriellen Her­stellung von Brotaufstrichmitteln zu geben.

Ein Gesichtspunkt darf hier nicht außerachtgelassen werden. Gerade heute, wo Deutschland auf Grund seiner devisenwirtschaftlichen Lage alles tun muß, um die Einfuhr an entbehrlichen Nahrungsmitteln möglichst niedrig zu halten, damit mit den für unsere Ausfuhr erzielten Devisen die Kosten für die unbe­dingt notwendigen industriellen Rohstoffe gedeckt werden können, weil nur so der Tätigkeitsgrad unserer Industrien gehalten und gesteigert werden kann, sind die Brotaufstrichmittel aus Obst zu einem wichtigen sozialen Ernährungsmittel geworden, das überhaupt nicht mehr wegzudenken ist. Da wir unsere eigene Fettwirtschaft nicht von heute auf morgen in

aend unter Führung ihrer Lehrer und der Jungmädchen (BDM.), der NS. Bewegung, die den schulfreien Staatsjugendtag benutzen, um mit Körben unb Säcken ausgerüstet noch viel von bem zu sammeln, was bei ber eiligen Labe- unb Heimfuhrtätigkeit ber Landleute auf dem Acker liegenblieb, damit auch diese Körner noch für die Gesamtheit des Volkes nutzbar werden.

Allenthalben brummt schon die Dreschmaschine: im Freien, wie in der Scheune. Und dort wie hier die gleiche Feststellung: Der Körnerertrag ist gut, soweit sich die Frucht nicht infolge der zahlreichen und starken Regengüsse in der Wachstumszeit zu sehr gelagert hatte, nur das Stroh hat etwas an Farbe und Güte eingebüßt, aber das läßt sich er­tragen und schadet nichts.

Hat der häufige Regen die Getreideernte etwas verzögert und erschwert, so ist er für das Wachs­tum des Grundgrafes von größter Bedeutung ge­wesen. Eine Grummeternte wie in diesem Jahr haben wir lange nicht gehabt, so daß man sich wohl mit dem "Bauersmann freuen darf, der da erklärte: Wir müssen noch Kühe anschaffen, damit mit all das Futter unterbringen. Ein Teil des Grummets ist schon geborgen und das jetzt bestän­digere Wetter läßt die Hoffnung zu, daß alles unter Dach und Fach kommt, wenn auch einzelne Nach­zügler wie immer rückständig bleiben. Die Erzeu­gungsschlacht ist erfolgreich begonnen und wird siegreich zu Ende gebracht werden. Sch.

beliebigem Maße ausbauen können, ist leicht zu er­rechnen, wieviel Devisen wir zur Zeit für auslän­dische Fette auswerfen müßten, wenn der deutsche Vvlksaenosse völlig auf den Genuß von Marmelade verzichten würde. Anderseits aber muß es heute auch jedem Deutschen klar sein, daß durch einen gesteiger­ten Konsum an Brotaufstrichmitteln aus Obst eine entsprechende Entlastung der Versorgungslage auf dem Gebiet der Fettwirtschaft eintritt, die volkswirt­schaftlich nur erwünscht ist, da wir heute noch immer gezwungen sind, die deutschen Fette durch auslän­dische zu ergänzen, um dem Verbrauch gerecht werden zu können.

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

NS.-Lehrerbund, Kreis Gießen, Arbeitsgemein­schaft Musik: 15.30 Uhr Orchesterprobe im Sing- faal des Lyzeums. Gloria-Palast, Seltersweg: Eskapade, feine offizielle Frau". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Königswalzer".

Amt für Volkswohlfahrt.

Ortsgruppe Gießen-Mille.

Belr. Pfundfammlung.

Am Mittwoch, 2. September, werden die Spen­den durch die NS.-Frauenschaft eingesammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den Inhalt der Päck­chen auf der Umhüllung kenntlich zu machen und die Mitgliedskarte bereitzuhalten. Da im Monat August die Pfundsammlung ausgefallen ist, bitten wir dieses Mal etwas reichlicher zu spenden.

Aus parteiamtlichenBekanntmachungen

Der NS. - Lehrerbund Gießen-Land veranstaltet am kommenden Samstag, 5. Septembe^, 15 Uhr beginnend, in der Bergschenke eine Fami­lienfeier, zu der neben den Mitgliedern auch Gäste willkommen find.

NSO.-Aerztebund,Gau Heffen-Naffau in Nürnberg.

NSG. Am Freitag, 11. September, 14.30 Uhr, fin­det in Nürnberg, Herkulessaal, Treustraße 10, die Sondertagung des Hauptamtes für Volksgesundheit der NSDAP, statt. Mitglieder und Anwärter des Aerztebundes, die an der Tagung teilnehmen wollen, haben sich bis Samstag, 5. September, auf der Ge­schäftsstelle Frankfurt a. M., Hindenburgplatz 10, zu melden, da eine gewisse Anzahl von Karten ausge­geben werden können.

Wieder viele Opfer des Verkehrs.

DRV. Der Reichs- unb preußische Verkehrs­minister gibt bekannt: 13 4 Tote, 42 20 Ber­ichte find die Opfer des Straßenverkehrs im Deut­schen Reiche während der vergangenen Woche.

Gastspiel Henny Porten im Stadttheater.

Aus dem Stadtcheaterbüro wird uns geschrieben: Im Satdttheater Gießen findet am Freitag, 4. September, ein nochmaliges Gastspiel der bekann­ten Filmkünstlerin Henny Porten statt. Frau Porten wird unter der Spielleitung von Carl Heinz K l u b e r t a n z mit ihrem Ensemble das SchauspielMaria Garland" von Zdenko von Kraft zur Aufführung bringen und die Rolle der Maria Garland spielen. In dieser Rolle lernen wir Henny Porten auch auf der Sprechbühne als emv- findungsvolle Frau und gewandte Dame kennen; als Frau beginnt und endet sie das Spiel, als Dame führt sie es durch. Die gleichwertige Be­setzung aller Rollen wird wohltuend in die Er­scheinung treten und den Besuch dieses Gastspiels zu einem Theatererlebnis von nachhaltender Dauer machen. Dauer der Vorstellung von 20 bis 22 Uhr.

Kriegsgräberfürsorge-Tagung in Gießen.

Auf Veranlassung des Oberrheingaues des Volks­bundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge findet am Sonntag, 13. September, in Gießen eine Arbeits­tagung des Gebietsabschnittes Oberhessen im Volks­bund Deutsche Kriegsgräberfürsorge statt. Die zu der Tagung eingeladenen Kreis- und Ortsgrup­penführer des VDK. in Oberhessen, sowie die Mit­glieder der Kreis- bzw. Ortsgruppenräte werden sich mit Fragen der Organisation, dann aber ins­besondere mit dem bedeutsamen Punkt der Tages­ordnungPatenfriedhof Oberhessen in P a w e l c e (Pole n)" beschäftigen.

Vorsicht im Ariefverkehr mit Spanien!

DNB. Nach einer Meldung des Konsulats in Carta­gena wird dort dem Briefverkehr aus Deutschland gegenüber strenge Zensur ausgeübt. Auch das Generalkonsulat in Barcelona berichtet ähnlich und

Sinö Sie gestern abend ausgegangen?

Wenn Sie mehr als sonst geraucht und getrunken haben, schnell diq Zähne mit Nivea-Zahnpasta pul^ zen! Die ganze Mundhöhle nimmt das frische, angenehm wirkende! Aroma der Nivea-Zahnpasta auf. und Ihr Atem wird wieder rein und natürlich. Das erfrischt ungemein,

1934: Marmelade Pflaumenmus Gelee Kraut

1935: Marmelade Pflaumenmus

Unbekannte Fracht.

Roman von Zranl $. Braun.

30. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Die vielen Zeugen wußten nachher alle nicht zu lagen, wie es möglich gewesen war. Der Omni­bus ruckte an. Der Rollwagen begann zu knat- tern. Das Prioatauto fuhr dazwischen. Drei Wagen setzten sich genau gleichzeitig geräuschvoll in Bewegung. Das rechte Vorderrad des Omni­busses ging Fred Lorenzen über die Brust, über leine Füße fuhr noch das linke Rad des Privat- vogens.

Als die Fahrzeuge wieder bremsten, war Fred Lorenzen schon tot. Es entfernte sich eilig auf der andern Straßenseite die junge Dame in Grün. Bie hielt ihren kleinen Schotten im Arm. Sie tauchte unter. Das Schicksal benötigte ihre weitere Mitwirkung nun nicht mehr.

Ein Sipo war zur Stelle. Er notierte Wagen- nummern und die Anschriften einiger Zeugen. Ein Arzt stellte sich zur Verfügung. Für Fred Lorenzen kam jede Hilfe zu spät. Sie trugen ihn zunächst in einen Hausflur und legten ihn aus bie Erde. Der Schutzmann telephonierte um einen Wagen.

Antje stand versteinert gegen die Hausmauer gelehnt. Ihr Gesicht war kreideweiß. Sie konnte bie Füße nicht rühren. Gleich werde ich umsallen, dachte sie, gleich werde ich ohnmächtig. Sie wartete sehnsüchtig darauf. Dies war ja nicht mit anzusehen. Fred Lorenzen tot! Er, der eben noch neben ihr gegangen war, dessen Armdruck sie noch Ipürte, dessen körperliche Wärme sie noch suhlte! Ein Spuk alles, ein Irresein!

Sie tastete sich an der Mauer entlang.Hier ist bas Fräulein, das mit dem Ueb erfahrenen latn", sagte ein Mann und machte sich dem so- tben vom Telephonautomaten ^urucffommenöen Wachtmeister gegenüber wichtig Der Beamte Ml Antje an. Er flriff zu und stutz ° sie. sanft märe sie wohl jetzt doch noch hingefallen. ,Sind tie mit dem Toten verwandt gewesen, Fräulein, ober sind Sie seine Frau gewesen?"

Wie schrecklich, diese Frage in der Vergangen- heitsform zu hören! Antje schluckte.Ich bin", es ging doch nicht. Die Kehle war zu.

Beruhigen Sie sich", sagte der Polizist.Setzen Sie sich hierher auf die Treppenstufe. So herum. Da brauchen Sie die Leiche nicht anzusehen."

Aber ich will ihn ansehen", stieß Antje heraus, es war ein Anlauf zum Heroismus,er war mein Verlobter."

Ihr Verlobter? Oh, das ist traurig. Mein Beileid, Fräulein."

Draußen auf der Straße fuhr ein Wagen vor. Männer nahmen eine Bahre heraus, kamen in den Hausflur und hoben den toten Fred Lorenzen auf. Dann trugen sie ihn wortlos hinaus und schoben die Bahre wieder in den Wagen.

Es ist vielleicht am besten, Sie fahren gleich mit, Fräulein. Sie könnten vorn beim Fahrer sitzen."

Nein, bitte nicht." Ihr war so übel zumute. Diese Fahrt, und dann wurde der Tote wieder ausgeladen... Sie fürchtete sich jetzt doch vor Fred Lorenzens grauem Gesicht. Sie wollte ihn nicht noch einmal ansehen müssen.Bitte nicht", stammelte sie abermals.

Wie Sie wollen. Geben Sie mir dann bitte ihren Namen und Ihre Adresse." Er notierte sich alles: dann klappte er das Buch zu und sagte: Kann ich noch etwas für Sie tun?"

Danke, nein", hauchte Antje. Neben ihm trat sie aus dem Hausflur ins Freie. Er grüßte ernst.

Wie endlos war diese Straße. Sehen mich noch immer die Leute an? Ich kann unmöglich zu Fuß nach Hause gehen. Aber da ist ja schon der Bahn­hof. Aschinger, hier stand er vorhin und wartete auf mich. Ich habe ihn geliebt, wahrhaftig. Nur. Still, ich habe ihn geliebt! Wie grau sein Gesicht war; und soviel Blut. Die Wagenreiien zogen eine dunkle Spur auf dem Asphalt. Tot, was ist das? Weiß jemand, was das ist: tot fein? Still doch!

Ich muß über die Brücke. Das Wasser ist ganz schwarz. Wenn man sich fallen ließe, das Ge­länder ist an dieser Stelle nicht hoch. Hier müßte man es tun. Später ist da ein Drahtgitter ge­zogen.

Jemand nahm den Hut ab.Ist Ihnen nicht gut, meine Dame?"

Sehr gut, mein Herr."

Sie taumeln. Haben Sie ein bißchen gefeiert?" Ein bißchen gefeiert? Natürlich. Er hatte einen Brief an die Graphischen Werke geschrieben."

Bitte?"

Machen Sie, daß Sie fortkommen! Ich bin wahnsinnig!"

Weiter den Weg. Schiffbauerdamm. Halt! Autos! Ach! Fred... Es war nur ein kleiner schwarzer Hund. Wozu...

Das Bett war hoch und weiß. Es leuchtete wie ein Eisberg. Sie wühlte sich eine Höhle tief hin­ein, daß niemand hören sollte, wie sie wie ein Tier heulte.

Am andern Morgen erwachte sie aus einem Tiefschlaf und brauchte mehrere Sekunden, um sich zu erinnern, ob Fred Lorenzens Tod nicht viel­leicht ein Traum gewesen war, der jetzt mit dem Morgenlicht verflog. Aber dann begriff sie das Unabänderliche. Sie blieb ruhig. Ihre Tränen waren versiegt. Sie trat an den Waschtisch und machte sich zurecht. Im Spiegel schaute ein blasses Gesicht sie an, es trug den Ausdruck völliger Ge­dankenleere. Sie wischte über das Glas, sie mochte sich selber nicht sehen.

Aber dann kamen doch die Gedanken sacht zu­rück. Sie überlegte: was hatte sie zu tun? Fred war tot. Die Polizei, Papiere, Beerdigungsunter­nehmer, Friedhof... Nein, nichts hatte sie zu tun. Sie war die Verlobte. So hatte sie dem Wacht­meister gesagt. Auch das war, genau genommen, noch eine Uebertreibung gewesen. Verlobte aber, das ist vor dem Gesetz gar nichts. Man würde sie überall wieder wegschicken. Und dann: Fred war ja tot. Ihm tat sie keinen Dienst mehr.

Sie machte sich auf den Weg in die Graphischen Werke. Herr Birkmaier empfing sie.Was lese ich da in der Zeitung", rief er ganz rücksichtslos, ob sie das denn schon wisse oder besser schonend erfahre,Fred Lorenzen ist tot, er wurde in der Friedrichstraße von einem Kraftwagen über­fahren!"

Ja", sagte Antje. Sonst nichts.

Herr Birkmaier schüttelte den Kopf.Wie kann ein erwachsener Mensch überfahren werden", meinte er mißbilligend.Ich verstehe so etwas einfach nicht." Das war sozusagen sein Nachruf für Fred Lorenzen. Antje ging an ihrs Arbeit.

Von der Polizei oder einer anderen Behörde hörte sie nichts.

Am Abend fuhr sie zu Frau Lorenz, Freds Wirtin, hinaus. Sie mußte durch die Kameruner Straße. Da war die Nummer 105a; Nickels Schild prangte noch über dem Kellereingang. Sie lief rasch vorbei; aber sie sah doch, unten im Keller räumte das Nickelsche Ehepaar selber auf.

Frau Lorenz kannte Antje. Sie empfing sie und drückte ihr Taschentuch an den Mund.Der arme Herr Lorenzen. Wie konnte es nur ge­schehen, Fräulein helfens? Erzählen Sie mir doch bitte alles."

Antje saß auf dem Plüschsofa im guten Zim­mer. Dante und Goethe sahen ihr zu, als sie be­richtete. Frau Lorenz unterbrach kein einziges Mal. Als Antje geendet hatte, schnäuzte sich die alte Dame.Ich hatte ihn gern", sagte sie.Er war wie ein großer Junge. Wirklich. Er hatte so etwas Junges, Sieghaftes. Ich bin überzeugt, er hätte sich noch durchgesetzt." Ihr schien etwas ein­zufallen.Die Bilder und was da noch sonst von ihm herumsteht, gehören nun wohl Ihnen, Fräu­lein Geltens? Sie können sie mitnehmen, ich will nichts behalten."

Ich roetbe bestimmt nicht die gesetzliche Erbin sein, Frau Lorenz." Antje schüttelte den Kopf. Und dann meinte sie:Bitte, behalten Sie doch die Sachen. Stellen Sie alles auf den Boden, bis der Bruder in China von dem Sie ja auch wissen werden, sich meldet."

Richtig. Gerade gestern abend ist noch Post aus China für Herrn Lorenzen gekommen." Sie schien entschlossen und ging vorweg in das andere Zimmer, das Fred Lorenzen bewohnt hatte.

Wollen Sie den Brief offnen, Fräulein Oelkens?"

Dürfen wir das?"

Ich würde es tun. Wir müssen eine Adresse erfahren. Hier steht auf dem Umschlag kein Ab­sender. Sie werden keine sonderlichen Geheim­nisse erfahren; was haben sich Brüder schon zu schreiben."

Machen Sie ihn auf, Frau Lorenz, ich wage es nicht."

Die Wirtin war entschlossener. Sie schnitt den Brief auf. Als erstes fiel eine seidenpapierdünne, gefaltete Banknote heraus. Fortsetzung folgt.