Der Kampf um den Tatarenpaß.
Erinnerungen aus der Septemberschlacht in den Karpathen.
Dor 20 Jahren, vom 1. bis 30. September 1916. kämpften deutsche und ungarische Truppen gemeinsam auf den Höhen der Kar- pachen. Trotz aller Angriffe auf den Tatarenoder Jablonika-Paß mißlang der beabsichtigte Einbruch der Russen in Ungarn völlig.
Noch dröhnte das zermalmende Trommelfeuer der Somme-Schlacht in unseren Ohren, noch glaubten wir das Rattern der nächtlichen Munitionskolonnen zu hören, noch stand gespensterhaft das Bild des zerschossenien, in sich zusammensinkenden Bapaume vor unseren Augen, als wir uns bereits auf der Fahrt nach dem Osten befanden und die friedliche, vom Kriege unberührte Heimat durchfuhren.
Unvergeßlich jener helle Frühmorgen, als die sonnenumglänzten Kuppeln und die barocken Türme der sächsischen Hauptstadt Dresden zu uns herüber- arühten. Unvergeßlich jener Augenblick, als wir bei Oderberg in das österreichische Land fuhren, und überwältigend, weil von schier überirdischer Schönheit, der Anblick der Hohen Tatra, deren Schneegipfel in den blauen Himmel ragten, während das weite grüne Land der Ebene sich in sommerlicher Reife üppig und reich vor unseren fast trunkenen Sinnen ausbreitete.
An Kaschau geht's vorüber, durch den Nordzipfel der Niederungarischen Tiefebene, vorbei an Mara- maros Szigeth, bis der lange Zug, immer höher und höher kletternd, dann plötzlich prustend und fauchend in Körösmezö Halt macht. Etwas ungelenk entsteigen wir den Wagen, die für viele Tage und Nächte unser Quartier waren, und sehen jenen hohen Berg, den vor kurzem deutsche Truppen erstürmten und den Russen nach langem Besitz entrissen hatten. Staunend hatten es die Einwohner erlebt: deutsche Soldaten, die monatelang in den Schützengräben und Sappen Frankreichs gehockt hatten, bezwangen diesen Berg, als wären sie auf ihm geboren, als hätten sie eine lange, lange Erfahrung im Gebirgskampf hinter sich.
Jenseits der Stadt Körösmezö, die in einem lieblichen Tal der schwarzen Theiß gelegen ist, winkt der Jablonika-Rücken, über den der Tatarenpaß führt. Hier setzte der Russe an, um durch diese Gebirgsstocklücke in das blühende Ungarland einzubrechen. Diesem Einbruch galt es zu trotzen.
So erfuhren wir bald, daß es mit dem erhofften Vormarsch wieder einmal nichts war, und daß sich der Krieg auch hier in einem Stellungskampf festgerannt hatte. Dennoch erleben wir einen Kampf, der mit der mörderischen Materialschlacht des Westens nichts gemein hat.
Nachdem wir uns etwas verwundert auf den befremdlichen Generalstabskarten zurechtgefunden und gelernt hatten, Höhen und Pässe, Kämme und Schluchten auseinander zu halten, marschieren wir, von dem Plätschern munterer Bergbäche begleitet, in die Höhe. Und jetzt begreifen wir auch: Hier geht es nicht um die Eroberung von Städten, von Eisenbahnknotenpunkten, nicht um die Erstürmung betonbewehrter Festungswerke, sondern darum, Pässe abzuriegeln, Höhenzüge zu besetzen, Schluchten zu verteidigen.
Vorerst aber lassen wir das Land, das kein Feindesland ist und dessen Bewohner uns freundlich zuwinken, auf uns wirken. Wir freuen uns an den unversehrten Dörfern, deren weißgekalkte Kirchen Zwiebeltürme tragen, und deren Häuser Blockhütten sind, gefügt aus den mächtigen Stämmen der Karpathenwälder.
Aber indem wir weiter hinaufsteigen, lassen wir auch diese Wälder hinter uns. Es wird einsamer, steiniger, unwirtlicher. Uns begegnen die Maultiertrupps, die Tag für Tag auf schmalen Schlänge!- und Zickzackwegen die Verpflegung in die Höhenstellungen bringen, und kommen endlich oben auf dem Kamm an, wo wir die in das harte Gestein eingehauenen Schützengräben und Postenlöcher bewundern.
Das Vorland und die feindwärtsgelegenen Abhänge sind mit weiten Stacheldrahtverhauen ge
sichert. Maschinengewehrnester und Minenwerfer sind eingebaut und harren dem Ansturm der russischen Dampfwalze. Die Artillerie steht hinter uns in den Tälern und muß über die Höhen hinwegschießen.
Wir lernen zum ersten Male Waffenbrüderschaft kennen. Meiner Kompagnie ist ein ungarischer Zug unterstellt, während ich unter dem Kommando eines ungarischen Bataillonskommandeurs stehe. So wechselt bis nach oben hin das Kommando zwischen deutschen und ungarischen Befehlsstellen ab.
Soldatenblut wird wach. Endlich kann man wieder auf Streife gehen, im Dunkel der Nacht feindliche Feldstellungen erspähen und ausheben; und man hat wieder das Gefühl der ersten Feldzugswochen:
Im Felde, da ist der Mann noch was wert, Da wird das Herz noch gewogen, Da tritt kein anderer für ihn ein. Auf sich selber steht er da ganz allein.
Das gilt von jedem einzelnen Kämpfer, der hier oben in über 1000 Meter Höhe auf P o - st e n steht. Unsere Linien sind dünn; oft auch nur von deutschem Landsturm besetzt, der sich aber just so tapfer, beherzt und heldenmütig schlägt wie unser aktives Regiment aus Schlesien, das allerdings auch schon viel, viel Ersatz in seinen Reihen hat. Liegen doch schon zwei harte, schwere, blutige Kriegsjahre hinter uns, die unzählige Opfer heischten.
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Es ist auch nicht so, daß hier nun — im Gegensatz zur Sommeschlacht etwa — der von ahnungslosen Heimatdichtern viel besungene „frisch-fröhliche" Krieg zum Kinderspiel wird. Zwar: In den niederen Höhen wohnt es sich in den Blockhäusern der Waldstellungen weit besser als im Kreideschlamm der Champagne, und so manches flackernde Lagerfeuer am rauschenden Wildbach, unter dem sternenklaren Karpathenhimmel, dessen leuchtende Ewigkeit kein Flieger zerreißt, zaubert uns so etwas wie mittelalterliche Landsknechtromantik vor — aber auch hier zerfetzen Granaten die Soldatenleiber, bersten schwere Minen und lichtet tackendes MG.- Feuer die Reihen totbereiter Kämpfer genau so unerbittlich wie anderorts im Felde.
Und die Scharfschützen der Russen treffen
bewundernwert gut jeden, den sie aufs Korn genommen haben, sei es auch der harmlose Wasser- holer, der den Nachmittagskaffee bereiten wollte.
Holzkreuze vor und in der Stellung mahnen an die Helden, die dem Angriffswillen der Russen widerstanden. Und um die kleinen Kapellen im Tal, um die buntbemalten Kruzifixe scharen sich auch hier endlose Kriegerfriedhöfe. Zweite und dritte Stellungen gibt es hier oben nicht. Und so ist die Truppe, gestern noch in fester Stellung, heute schon wieder eine „fliegende" Kompanie, die mit Lastkraftwagen und nach beschwerlichen Eilmärschen, die hinauf und hinter und wieder hinauf führen, auf einer Höhe zum Sturm angesetzt wird. Die dem Feinde in die Hände fiel.
Aber der Russe darf nicht durchbrechen! Zuviel steht auf dem Spiel. Hart auf hart geht es zu bei dem verzweifelten Ringen um Höhen und Engpässe. Oft weiß der Heeresbericht von Heldentaten zu erzählen, deren Tragweite wir an der Front kaum ahnen.
Der Vormittag war der physiologischen Chemie gewidmet. Prof. Schenck (Leipzig) vermittelte neuere Ansichten zur Wirkungsweise der Salpetersäure bei Oxydationen. Prof, je ul gen (Gießen) gab eine Uebersicht über die Ergebnisse seines besonderen Arbeitsgebietes: er konnte aus seinen Versuchen nachweisen, daß bestimmte Nukleinsäuren als charakteristijcher Bestandteil der Zellkerne nicht nur der Tiere, sondern auch der Pflanzen angesehen werden müssen. Auf die einzelnen Vorträge folgten stets angeregte Aussprachen. Dr. Jost (Frankfurt) gab Erklärungen zur Frage der Milchsäurebildung in der atmenden Zelle ab. Eine Aussprache mit zahlreichen Herren schloß sich an den Vortrag von Dr. Heinsen (Gießen) über die Bildung von Aminen in tierischen Geweben.
Am Nachmittag fand der am Vortag unterbrochene Gegenstand „Bewegungen" seine Fortsetzung. Prof. Haberland (Köln) führte einen Film vor, der die ausgezeichnete Funktion einer künstlichen Speiseröhre zeigte, die an einem Kranken vor dem Brustbein, unter der Haut verlaufend, angelegt worden war. Dr. Kramer (Bad Oeynhausen-Hamburg) brachte Versuchsergebnisse über die Durchblutung des Muskels, aus denen, im Gegensatz zu älteren Ansichten, hervorging, daß wäh-
So vergeht der September 1916 in heißer Abwehr und stürmendem Vorstoß. Es gelingt, alle Angriffe auf den Tatarenpaß abau- schlagen; es gelingt, den Versuch der Russen, in Ungarn einzufallen, zu vereiteln. Als der letzte Tag des Monats gekommen ist, ist die „September- Schlacht in den Karpathen" geschlagen. Aber wir selbst wissen es nicht, daß ein bedeutungsvoller Abschnitt erreicht ist. Ein klarer Herbst, ein harter Winter folgt, immer noch angefüllt mit Kämpfen, Entbehrungen, unerhörten Leistungen an Mut, Ausdauer und Heldentod.
Bis im Frühjahr 1917 die ersten Russen waffen- los in unfern Stellungen zu Plauderstündchen erscheinen. Drüben und Revolution. Der Koloß Rußland ist geborsten.
So liegt der Jablonika-Rücken bald wieder in einsamer Bergesstille, während wir Deutsche, endlich vom Stellungskampf befreit, zum Vormarsch, zu weiteren Kämpfen für Volk und Vaterland antreten... F- B-
rend dauernder Kontraktion die Durchblutung keineswegs abnimmt; es wäre ja auch wenig zweckmäßig von der Natur, würde sie gerade einen schwer arbeitenden Muskel schlechter mit Blut und damit mit Nahrung versorgen. Praktische Bedeutung für das Lernen und Lehren des Blasinstrumentenspiels hatten die von Dr. Frucht (Leipzig) berichteten Untersuchungen: während ein Ansänger nur mit äußerster Kraftanstrengung Töne und außerdem nur Fortissimo-Töne hervorzubringen vermag, verbraucht der Geübte für dasselbe Fortissimo ungleich weniger Kraftaufwand, ferner kann er, und zwar einfach durch Herabsetzen Der Blaskraft, auch feinste Pianissimo-Töne erzeugen, die der Anfänger überhaupt nicht fertigbringt. Dr. F i- scher (Stuttgart) erläuterte ^eine Ansichten über den Einfluß des Ganges des Menschen auf seine Haltung und den Bau des Fußgewölbes.
Der Gegenstand „Zentralnervensystem^ fand ebenfalls starke Vortragsbeteiligung. Mit großem Beifall aufgenommene Filme über die Tätigkeitsströme von Nerven führten Prof. L u l l i e s (Köln) und Dr. Schäfer (Bonn) vor. Dr. S ch r i e v e r (Berlin) legte die aus seinen Versuchen abgeleiteten Ansichten über den Mechanismus der Bahnung im Zentralnervensystem dar.
In Pausen zwischen den Vorträgen des Nachmittages fanden wieder zahlreiche Vorweisungen von Apparaten und neuen Methoden statt. Dr. Mon - j 6 (Leipzig) führte die Prickelempfindung und ihre Abhängigkeit von der Frequenz der auslösenden Reize vor. Dr. Schindler (Leipzig) wies die Möglichkeit des Fühlens von Schall im Ohr und an der Haut nach. Eine Anordnung zur Messung winzigster Wärmemengen zeigte Dr. Trurnit (Kiel); die Empfindlichkeit seines neuartigen Gerätes ist so groß, daß es wahrscheinlich auch für die Astronomen wertvoll sein wird zur genauen Bestimmung der von einzelnen Sternen zu uns gelangenden Strahlungsenergien. Verblüffend waren auch zwei Tauben, die Dr. T h a u e r (Frankfurt) mitgebracht hatte: den Tieren war vor einigen Wochen das Großhirn herausaenommen worden; nachdem man sie dann durch künstliche Fütterung und sorgsame Pflege über die erste Zeit der entstandenen schweren Ausfallserscheinungen hinweg- gebracht hatte, gewannen sie allmählich immer mehr ihr früheres gesundes Verhalten zurück und boten jetzt kaum noch merkbare Unterschiede in ihrem Verhalten gegenüber normalen Tieren. Daraus ergibt sich, daß anscheinend die, nach unseren heutigen Ansichten, beherrschende Rolle des Gehirns stark überschätzt wird.
Die Damen hatten den Vormittag zu einem Ausflug nach Wetzlar benützt. Am Spätnachmittag besuchten Die Teilnehmer der Tagung das Liebig- museum, unter liebenswürdiger, kundiger Führung von Geheimrat Prof. Sommer. Nach dem gemeinsamen Abendessen im Studentenhaus zeigte Oberstudiendirektor Philipps aus Friedberg mit feiner Spielschar alte, volkstümliche Tänze, wie sie heute noch bei uns getanzt werden; Heimatlieder wurden gesungen und ein heiteres Volksstück aufgeführt.
Großseuer auf dem Laude.
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Bei einem Großfeuer wurden in Dem mecklenburgischen Dorf War - low bei LuDwigslust 21 GebäuDe vernichte t. Auch Die gesamte Ernte ging in Flammen auf.
(Scherl-BilDerDienst-M.)
Me Mennlniffe der physiologischen Wiffenschast
Oer zweite Tag der Tagung der Deutschen physiologischen Gesellschaft.
„Eskapade."
Gloria-Palast.
Der Gloria-Palast hat zur Eröffnung seiner Spielzeit 1936/37 Den Tobis-Rota-Film „Eskapade" ausgewählt und damit, wie uns scheint, keinen schlechten Griff getan; dies ist ein rechter Spielfilm: spannend, lebenbia, voller Tempo und Handlung, geschickt und gepflegt in Szene gesetzt, sauber und mit richtiger Rollenbesetzung gespielt, so daß Der Besucher keinen Augenblick unbeschäftigt, sondern bis zum letzten Bild interessiert und höchst gefesselt bei der Sache bleibt. Es handelt fiQ überdies um einen ernsthaften, jedenfalls ernstgemeinten Stoff, der filmische Möglichkeiten enthält, und über den man reden kann; dem es sogar nichts schadet, daß er mit kornischen Episoden durchsetzt ist: im Gegenteil, dergleichen ist hier, wohl dosiert, nur geeignet, ein paar Atempausen einzulegen und die Spannung ein wenig aufzulockern. Der Titel „Eskapade" ist nicht schlecht, obwohl als Stichwort für diese Fabel ein wenig farblos. Der Untertitel „Seine offizielle Frau" scheint uns auch nicht restlos befriedigend, weil er in eine bestimmte Lustspiel- und Operetten-Sphäre weist, die in diesem Zusammenhang völlig ausscheidet; immerhin Deutet er ein wesentliches Motiv im Handlungsablauf an. Das Ganze stellt übrigens die freie Filmbearbeitung eines Romans von Richard Henry Savage dar; das Drehbuch schrieben Rolf Meyer und C. und T. E ch t e r m e i e r , die Bearbeitung dieses Drehbuches stammt von Der im Film bekannteren Frau Thea o. H a r b o u. (Für Den Außenstehenden ist es natürlich unmöglich, die Kompetenzen reinlich zu scheiden und den jeweiligen Anteil der drei Textverfasser am Gesamtwert heraus- xulöfen; doch mag dies, von vielem andern zu schweigen, als ein Beispiel für die überaus verwickelte und vielschichtige Gliederung künstlerischer Gemeinschaftsarbeit in der Filmproduktion zum Nachdenken anregen.) Die Geschichte spielt im Jahre 1910 und — zum wievielten Male erleben wir Das! — zum größten Teil auf dem für den Film schon fast klassisch zu nennenden Boden des Zarenreiches. Die Eskapade der Hauptgestalt, Madame H6lene, ist keineswegs ein galantes Abenteuer, wie man denken könnte, sondern eine bitterernste und hochpatriotische Angelegenheit, bei der es um Tod und Leben geht — im günstigstem Falle um einen langwierigen Zwangsaufenthalt in Sibirien. Madame H6lene ist eine begeisterte Polin, die es unternimmt, Drei in der Peter-Pauls-Festung gefangene und zum Tode verurteilte Landsleute zu befreien
und den Händen Der Ochrana zu entreißen. Die Mittel, Deren sie sich Dabei bedient, sind bewußt und deutlich in Gegensatz gestellt zu den robusteren Gewaltmethoden der mit Dynamit und Revolver arbeitenden Nihilisten. Madames Methoden sind viel feiner, eleganter und vikanter (der Film hat sich natürlich hier eine nayeliegende Chance nicht entgehen lassen) — sie „arbeitet", wenn der Aus-
Walter F r a n cf als Rakowsky.
druck gestattet ist, im Hotel, im Salon, bet einer Modenschau, bei einem Ballfest, zu Dem Die beste Petersburger Gesellschaft erscheint — zuletzt allerdings auch in der Peter-Pauls-Festung selbst, wo sie den Gefangenen Zigaretten verteilt... und in den Zigaretten sind winzige, dünne, aber sehr solide Feilen versteckt. Sicher ist vieles möglich, auch möglich gewesen, manches wird uns ein wenig unwahrscheinlich Vorkommen, aber immerhin: wir befinden uns im Film, und wenn wir offen sein wollen, müssen wir sagen, daß wir uns sehr gut unterhalten haben. Der Regisseur Erich Wasch- n e cf hat als alter Filmhase Erfahrung genug; er weiß, wie man so etwas anfängt und aufzieht, wie
das eingefädelt werden und ineinandergreifen muß. Damit jene unheimliche, erregende Atmosphäre von höchster Aktivität, von überall lauernder Gefahr, Kampfbereitschaft, blitzendem Spiel mit Minen und Gegenminen entsteht und sich auf Den Beschauer überträgt... eines Mienenspiels auch, hier in besonderem Sinne, das vor allem die weibliche Hauptrolle zu einer lockenden Aufgabe macht. Renate Müller, von Waschneck schon in dessen letztem Film „Liebesleute" mit schönem Erfolg her-- ausgestellt, hat sich auch der neuen Rolle mit fühlbarer, innerer Beteiligung und beherrschtem Temperament angenommen: wenn auch jener andere Film gefühlsmäßig ihr mehr Möglichkeiten gab, mehr vom Herzen her gespielt werden konnte und mußte — diese kultiviert-komödiantische Eskapade mußte sie reizen, weil sie neben dem Gefühl gleicherweise auch den Intellekt beansprucht, weil hier wirklich und mit allen weiblichen Künsten eine gefährliche, schwere, aufregende Rolle zu spielen war. Das macht sie untadelig; eine Freude, ihr zuzusehen. Ausgezeichneter Gegenspieler: Walter Franck, dem die Rolle des brutalen und geschmeidigen, zähen und verschlagenen Polizeichefs Rakowsky sozusagen auf Den Leib geschrieben ist; wer diesen Schauspieler auf der Bühne sah (etwa in Strind- bergs „Totentanz"), kann sich schon vorstellen, mit welch unheimlicher Realität er die Gestalt erfüllt. Sehr lebendig stehen auch Alexander und Paulsen im Ensemble, jeder genau da, wo er sich charakteristisch ausgeben kann. Bemerkenswert ferner in kleineren Aufgaben: Paul Otto, Harry Hardt, Grete Weiser. Die Gießener wird es interessieren, in einer kleinen Szene Jochen Hauer wiederzusehen. —
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Im Beiprogramm fesselt der Bildbericht vom Ausklang der Olympischen Spiele; außerdem ein hübscher, ebenso heiterer wie lehrreicher Kurztonfilm „Zeugen gesucht!". —r—
Umzug von Schiff zu Schiff.
Einen einzigartigen Umzug hat vor kurzem ein Engländer gemacht. Er zog nicht von einem Haus zum andern, auch nicht von einer Stadt zur andern, sondern seine Möbel wurden von einem Schiff zu einem andern übergeführt. Der merkwürdige Mann hatte während des ganzen Jahres seine Wohnung auf einem Postdampfer einer regelmäßigen Linie, die zwischen England und Australien verkehrt. Dabei ist er nicht einmal ein Seemann im Ruhestände, Der sich von seiner alten Liebe, Der See, nicht tren
nen kann, sondern ein Major eines berühmten englischen Reiterregiments. Er hat sieh als Dauerpassagier auf dem Dampfer „Barravool" eingemietet und sich dort eine Wohnung mit all seinen Möbeln und Gemälden einrichten lassen. Nun ist ihm das Mißgeschick widerfahren, daß der Dampfer „Barra- bool" außer Dienst gestellt worden ist. Er mußte also eine neue schwimmende Wohnung suchen und er fand sie auf dem Dampfer „Mongolia". Dort hat er sein „normales" Leben wieder ausgenommen. „Ich hoffe nur", erklärte er, „daß ich nicht noch einmal umziehen muß."
Oie Wunderquelle, die Wein gibt.
In dem Dorf Bukovac in Der Nähe von Agram spielte Dieser Tage eine kleine Szene, bei Der Den Teilnehmern zunächst die Erinnerung an die Hochzeit zu Kana kam. Das Land, das schön eingebettet liegt in prachtvolle Wälder, hatte viel Anziehungspunkte, aber es fehlte in dem Dorf die Wasserleitung. Nach großen Anstrengungen und nachdem eine lange Reihe von Instanzen durchlaufen war, war endlich die Wasserleitung gebaut, und zur Einweihung waren von den stolzen Bewohnern des Ortes auch zahlreiche offizielle Persönlichkeiten eingeladen, unter ihnen auch der Bürgermeister von Agram. Als der feierliche Augenblick da war, wurden im Hause des Baumeisters Stefan, der einer der eifrigsten Förderer des Unternehmens gewesen war,.die Wasserhähne geöffnet. Wie groß aber war die Ueberraschung der Versammelten, als sie bemerkten, daß aus Den Hähnen kein Wasser floß, sondern sehr guter Wein! Als man sich von dem Erstaunen erholt hatte, Drang man auf Den Bürgermeister mit Fragen ein, und dieser bequemte sich zu dem Geständnis, daß er das große Ereignis dadurch habe feiern wollen, daß er durch eine besondere Einrichtung den Wein an Stelle des Wassers zum Fließen brachte. Die Anwesenden wollten in diesem Augenblick jedoch lieber sehen, wie die Wasserleitung arbeitete, und der arme Baumeister mußte seine schone Erfindung selbst beseitigen und das Wasser zum Fließen bringen. Noch mehr, der Bürgermeister zwang ihn sogar, ein Glas von diesem Wasser zu trinken. „Dieses Glas Wasser mußt du trinken, selbst wenn DU davon Frösche in den Magen bekommen solltest", sagte der Bürgermeister — es heißt, daß es das erstemal gewesen ist, daß der Baumeister Stefan Wasser statt Wein getrunken hat.
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